Notre-Dame spielte Widor öfters auf der Orgel der Cathedrale. Er
studierte damals gerade seine letzte Orgelsymphonie ein.
[8] Was automatische Schwellkasten sollen, kann ich nicht begreifen.
Sie öffnen und schließen sich in einer von vornherein ein für alle
Male festgelegten Zeit, bringen also unter Umständen das Pianissimo,
wo der Komponist den Höhepunkt des crescendos hinsetzt. Diese
„epochemachende“ Erfindung erhält also ihre praktische Bedeutung
erst dann, wenn es gelingt, dasselbe Uhrwerk in dem Gehirn der
Orgelkomponisten anzubringen, so daß sie nicht anders können, als ihre
Crescendo- und Decrescendoperioden in den Maßen des automatischen
„Einheitsschwellkastens“ zu erdenken. Bis dahin muß das automatische
Crescendo der Vorzug des Harmoniums bleiben, wo es als „Expression“
reichlich zur Geltung gelangt.
Eine der bekanntesten Berliner Orgeln besitzt einen automatischen
Schweller für das Fernwerk.
Sogar automatisch laufende Walzencrescendi besitzen wir schon. Das ist
die letzte Konsequenz der mechanischen Sklaverei.
[9] +Boëlys+ und +Chauvets+ Werke haben kaum bleibende Bedeutung; César
+Francks+ Anfängerkompositionen eigentlich (6 Pièces, d’Orgue. Bei
Durand) auch nicht. +Aber seine Trois Pièces pour Grand-Orgue und seine
„Chorals“ betitelten Großen Phantasien werden als etwas Einzigartiges
bestehen+ (Ed. Durand). Diese drei Choräle sind das letzte Werk
Francks. Sie stammen aus dem Jahre 1890. Als er nicht mehr gehen
konnte, hatte er sich noch nach St. Clothilde schleppen wollen, um die
Registrierungsangaben zu vervollständigen.
Um Mißverständnissen vorzubeugen, bemerke ich, daß „Choral“ in
der modernen französischen Orgelliteratur nur eine Phantasie über
ein gemessenes, großzügiges Thema, das aber frei erfunden wird,
bedeutet. Diese Bezeichnung kam auf, weil gewisse Organisten der
ältesten Generation gemeint hatten, die Choralthemen in den Bachschen
Choralphantasien stammten von Bach selber.
Unter +Boëllmanns+ Kompositionen führe ich an: Douze Pièces en Recueil.
2^e Suite; Fantaisie (Leduc); Suite gothique; Fantaisie dialoguée
(Orgel und Orchester; für Orgel allein von Eug. Gigout arrangiert)
(Durand). Gabriel +Pierné+: Trois Pièces pour Orgue (Durand).
[10] Von +Saint-Saëns+ seien erwähnt: Trois Rhapsodies sur des
Cantiques Bretons (op. 7. Ed. Durand), von denen die erste und die
dritte wirklich Wunderwerke sind, die noch dazu den in diesem Fall
seltenen Vorzug haben, dem Hörer alsbald zu gefallen. Trois Préludes et
Fugues pour Orgue (op. 99. Durand); Fantaisie pour Grand-Orgue (op.
101. Durand). Die beiden letzten Opera sind geistreich und gehaltvoll,
dürften aber als Orgelstil nicht voll befriedigen.
[11] Von +Gigouts+ Werken seien genannt: Six Pièces (Durand); Trois
Pièces (Durand); Prélude et Fugue en Mi (Durand); Méditation (Laudy,
London); Dix Pièces en Recueil (Leduc); Suite de Pièces (Richault);
Suite de trois Morceaux (Rosenberg); Poèmes mystiques (Durand).
[12] Alexandre +Guilmant+: Sieben Sonaten (Durand-Schott) (op. 42, 50,
56, 61, 80, 86, 89); Pièces dans différents Styles (18 Hefte, op. 15,
16, 17, 18, 19, 20, 24, 25, 33, 40, 44, 45, 69, 70, 71, 72, 74, 75)
(Durand-Schott). L’organiste Pratique; 12 Lieferungen (Durand-Schott);
Noëls, Offertoires Elévations; 4 Lieferungen (Durand-Schott);
L’organiste Liturgiste; 10 Lieferungen. Concert historique d’Orgue.
Besonderes Verdienst erwirbt sich Guilmant durch die Herausgabe
der französischen Orgelmeister des 16., 17. und 18. Jahrhunderts.
Erschienen sind bisher 6 Jahrgänge.
[13] Charles Marie +Widor+: Symphonies pour Orgue (Hamelle). No. 1-4
op. 13; No. 5-8 op. 42 (2. Aufl. 1900); No. 9 Symphonie Gothique (op.
70); No. 10 Symphonie Romane (op. 73).
[14] Ed. Hamelle.
[15] Diese Abhandlung erschien zuerst in Heft 13 u. 14 der „Musik“
1906. 5. Jahr.