Aus der Schweiz.
Von
Ida von Düringsfeld,
Verfasserin von »Schloß Goczyn«.
Bremen,
Verlag von Franz Schlodtmann.
1850.
An Otto.
Es schäumen und es rauschen
Die grünen Wellen des Rheins,
Wir horchen, und wir lauschen
Dem Steigen des Mondenscheins.
Der Mondschein wiegt im Rheine
Glühend, wie feurig Gold,
Ueber die schwarzen Steine
Das duftige Silber rollt.
Wir blicken ernstlich nieder,
Es dünkt uns so bekannt,
Als wären wir schon wieder
Im theuren Vaterland.
Am Rheinfall, den 28. September 1849.
Zwei Worte voraus
vor diesem meinem ersten Wort »Aus der Schweiz« in die Heimath, um
Täuschungen nicht erst entstehen zu lassen. Man möchte erwarten, ich
hätte »die Schweiz« geschildert -- dem aber ist nicht so, -- ich schrieb
nur »Aus der Schweiz«. Darum frage man mich nicht: wo ist Interlaken, wo
Bern, wo Vevey? Ich habe gewählt aus dem Gesehenen. Und wenn das Gewählte
ungleich erscheint, hier ganz modern, dort barock veraltet, so ist es eben
wieder »aus der Schweiz«, und diese nicht nur eine Eidgenossenschaft
von Cantonen, sondern auch von Contrasten. Meine persönlich-politische
Empfindung mag denn auch mit gefärbt haben, Andere würden vielleicht
anders sehen als ich. Ich habe mich zwar ernsthaft bemüht, so unparteiisch
wie möglich zu sehen, aber Sympathie und Antipathie sind unsichtbare
Brillen -- wer weiß, sind sie mir nicht zwischen das Auge und meine
Gegenstände geschoben worden? Wie dem nun sei, möge mein kleines Buch von
meinen Schweizer Freunden freundlich und arglos aufgenommen, in der Heimath
aber gern gelesen werden, wenn man sich nämlich nach der langen Zeit eines
Jahres einer armen Verschlagenen dort noch erinnert.
Inhalt.
Seite
Mauricy W***. 1
Von Genf nach Baden. 25
Die beiden Wittwen. 43
Waadtländerin und Pariser. 56
Tagebuch in Schwyz. 111
Im Mätteli. 126
Mys lieb Beat. 132
Die Urschweiz. 178
Ein Sonnenaufgang auf der Rigi. 186
Im Hotel Weber. 191
Die Heimathlosen. 201
Mauricy W***.
Gleich zu Anfang unseres Aufenthaltes in der Schweiz wohnten wir einen
Monat lang in Horgen am Zürchersee.
Der Meierhof ist eigentlich keine Pension: außer uns hielt sich nur noch
ein Pole dort auf, derselbe, dessen Namen diese Skizze trägt. Wir wußten
jedoch damals seinen Namen noch nicht, sondern nur, daß er an der Brust
leide, den Sommer über in Interlaken zur Molkenkur gewesen sei und jetzt
in Horgen die Traubenkur gebrauchen wolle. Warum er zu diesem Zwecke nicht
lieber in die französische Schweiz ging? Eine polnische Familie, welche
in der Nähe von Zürich ein Landhaus besaß, hatte einen sehr geschickten
Arzt bei sich. Mit diesem war Mauricy in Interlaken bekannt geworden und
hatte solches Vertrauen zu ihm gefaßt, daß er noch länger in seiner
Behandlung zu bleiben wünschte. Die Familie hatte mit jener Herzlichkeit,
welche die Polen unter sich verbindet und sie gleichsam zu Gliedern _einer_
Familie macht, dem kranken Landsmann ihr Haus angeboten, aber er wollte
weder geniren, noch genirt sein, und so kam es, daß wir ihn in Horgen
kennen lernten. Von hier aus konnte er mit den vielen Dampfschiffen, welche
den Zürichersee durchfurchen, täglich nicht nur ein, sondern mehrere Male
hinüber.
Ich will unsern Hausgenossen schildern. Sein Aeußeres war sonderbar, doch
für uns wenigstens gleich auf eine gewisse Art einnehmend. Wir sahen ihn
zum ersten Male, als er die Treppe hinaufstieg, welche zu seinen und
unsern Zimmern führte. Groß und schlank ging er langsam, gebückt und
nachlässig, die Augen gleichgültig vor sich hin gerichtet, ohne irgend
Etwas, folglich auch ohne uns zu bemerken. Sein glattes Haar war dunkel und
tief auf die Stirn gekämmt, welche, gleich dem ganzen zusammengefallenen
Gesichte, eine wachsgelbe Farbe hatte. Die Kleidung war grau, aber auch vom
Kopf bis zu den Füßen so vollständig grau, daß wir Mauricy später
nie anders nannten, als unsern grauen Geist. Indessen in dieser wunderlich
schlotternden Umhüllung und trotz seines völligen Sichfallenlassens
sah man in ihm den ächten Edelmann. Nie wäre es Einem eingekommen,
den schlichten, blassen, grauen Menschen für einen =commis voyageur= zu
halten. Sein Alter schätzte ich damals auf sechs- bis achtunddreißig
Jahre, später sagte er uns, daß er achtundzwanzig sei.
Am Abend wurde uns gemeinschaftlich der Thee im Salon servirt, wo ein
vortrefflicher Flügel stand. Horgen wird blos durch die Reisenden belebt,
welche von Arth kommen, oder dorthin fahren -- wir waren allein mit
Mauricy. Er war anfangs ein stummer Gesellschafter; ich bemühe mich sonst
gewöhnlich auch nicht um Bekanntwerden; was bewog mich denn, einen Versuch
zum Gespräche mit dem bleichen Polen zu machen und mich durch seine
Einsilbigkeit nicht zurückschrecken zu lassen? War es ein Vorgefühl, daß
ein künftiger Freund zwischen uns Beiden sitze?
Er ließ sich allmählich gewinnen und zum Sprechen bringen. Ohne gut
französisch zu können, verstand er es genug, um sich hinreichend über
Alles auszudrücken. Bald glitt unser Gespräch in die Politik hinein, eine
damals, wie noch jetzt, gefährliche Bahn. Ich hatte ein Gemälde von dem
Glücke entworfen, wie ich es mir wünsche. Ein Landhaus unter schönem
Himmel, einen Garten voll Schatten und Stille, mit mir mein Mann und mein
Kind, das Meer nicht weit, im Hause Bücher, Musik und Frieden. -- Unser
Pole lächelte ein Wenig, schüttelte das Haupt -- »das würde mir nicht
genügen. Wenn ich mein Vaterland nicht wieder glücklich sähe --« Hier
war die Gefahr zum Streit da. Polen und Preußen haßten sich eben wie
vielleicht noch nie. Die Polen warfen den Preußen vor, Verheißungen
gemacht und nicht erfüllt zu haben -- die Preußen beschuldigten die
Polen, daß sie gewährtes Vertrauen gemißbraucht. Bald versicherte
Mauricy mir, daß er die Preußen weit mehr verabscheue als die Russen. Ich
erwiederte eifrig und heftig: »Das habe ich schon vorausgesetzt, übrigens
schätze ich jetzt die Polen so gering wie möglich.« Genug, wir stritten
und sagten uns böse Dinge mit den bittersten Mienen und den lebhaftesten
Geberden. Ich hatte über den Armen den Vortheil einer gesunden Brust und
brachte ihn glücklich außer Athem. »Ich kann nicht mehr,« seufzte er,
»Sie machen mich ganz schwach.« -- »Warum haben Sie denn angefangen?«
entgegnete ich trotzig. »Ich hätte Sie wahrlich in Ruhe gelassen, denn
ich kenne die Polen schon.« Er nahm sein Licht, schlich davon, drehte sich
jedoch in der Thür noch einmal um. »Wenn einst Krieg wird,« sagte er
komisch-böse, »so schieße ich Ihnen Ihren Mann dort todt.« -- »Ehe Sie
das können, schieße ich Sie nieder,« war meine unumwundene Antwort. --
»Oder ich Sie.« -- »So, Sie würden also auch meiner nicht schonen?«
-- »Nein, aber vorher würde ich sehr höflich meinen Hut abnehmen und um
Erlaubniß bitten.« -- »O, bis Sie das gethan hätten!«
So war unsere erste Berührung mit Mauricy. Wunderlich, wird man sagen.
Vielleicht, doch nicht ganz so, wie es scheinen mag. Ich sage immer: einmal
zankt man sich doch mit Jedermann; da ist's denn viel besser, mit Zank
anfangen, als damit aufhören.
Wenigstens bestätigte es sich hier. Die ausgetauschten zärtlichen
Erklärungen störten nicht im Geringsten unser gutes Vernehmen, ja, sie
schienen durch den unwillkürlichen Humor, welchen sie hervorgerufen, es im
Gegentheil recht befördern zu wollen. Die gegenseitigen Fragen, wann
wir uns todtschießen würden, ob wir einander dann beklagen würden und
dürften, und andere, gleich harmlos-alberne, machten uns lachen, und
wenn man erst über- und miteinander lacht, ist man auf gutem Wege zur
Vertraulichkeit.
Nicht daß wir uns nicht mehr gestritten und selbst erboßt an einander
geärgert hätten --, alle Tage! Wir alle Drei, und insbesondere
noch Mauricy und ich, waren zu aufgeregt durch die Zeit, um nicht das
nachmittagliche Lesen der Zeitungen mit lauten Anmerkungen begleiten zu
müssen. Und aus diesen Anmerkungen wurden Kämpfe zwischen Demokratismus
und Royalismus, wie sie schwerlich selbst in der durch politische
Haltung sich wenig auszeichnenden Paulskirche erbitterter und hitziger
durchgefochten worden sind. Jeder, der nur auf einer Barrikade gekämpft
hatte, war für Mauricy ein Held, für uns -- es ging Mauricy's Helden
schlecht von uns! Dagegen schleuderte er die heftigsten Ergüsse seines
Hasses gegen Alles, was auf Thronen saß, oder das unverzeihliche
Verbrechen beging, in Amt oder Würden zu sein. Alle Könige und Fürsten
müßten ermordet werden, das war sein unaufhörlich wiederkehrender Satz.
Und wenn er könnte, setzte er jedes Mal hinzu und nahm sein Messer in die
Hand, so würde er selbst immer Einen nach dem Andern niederstoßen.
Wir, wieder nicht träge, ließen himmelhohe Galgen für die Radikalen
errichten, kurz, es war schrecklich, was wir Alle wüthend und blutdürstig
waren!
Die Polen sind durch eine ganz eigene nationale Liebenswürdigkeit
begünstigt, das hat man oft geäußert, und ich kann es nur bestätigen.
Je mehr ich verschiedene Nationalitäten kennen lerne, je abstechender
gegen alle, je bestechender für mich finde ich die Polen. Wäre ich
ein Mann, ich würde mich gewiß nur in eine Italienerin oder eine Polin
verlieben. Wenn Mauricy mich dadurch gekränkt hatte, daß er seine
schonungslosen Angriffe vorzüglich auf Preußen richtete, so durfte er mir
nur seine kalte Hand bieten und mich mit seinem guten Blicke um Verzeihung
bitten, und ich war versöhnt.
Der arme Mauricy, -- er hatte immer so kalte Hände! Und so blasse, -- noch
nie hatte ich solche farblose Hände gesehen. Das Blut schien schon fremd
in ihnen geworden zu sein, sich ganz nach den Lippen zu drängen, über die
es täglich kam. Mauricy war krank, und wie er selbst glaubte, zum Tode.
Auch ich war krank, an der Krankheit unseres Jahrhunderts, bei welcher
das Leben lange währen kann, aber eigentlich nur eine lange Qual ist. Wir
sahen uns gegenseitig leiden und bemitleideten einander. Er litt frömmer,
geduldiger, als ich. Die Resignation, gegen welche ich mich noch sträubte,
als müßte ich mit ihr das Leiden unwiderruflich annehmen, er _hatte_ sie
schon -- hatte sich unter dem Kreuze gebeugt. Wir fragten einander
eines Tages: wie lange wir schon krank wären. Vier Jahre, sagte er, ich
sechzehn. »Dann,« sprach er sanft, »werden Sie zuerst gesund -- ich kann
warten.«
Dieses Wort war keine Phrase -- Mauricy kannte die Phrase nicht.
Die Geselligkeit war ihm deswegen zuwider, weil in ihr so viel --
Schicklichkeiten -- stattfinden müssen. »Was soll ich da?« fragte er,
und ich konnte ihm das nicht sagen. Denn auch ich habe mich oft gefragt:
was soll ich, wenn ich mich den Menschen so ganz überflüssig sah, und die
Menschen mir.
Wir, Otto, ich und Mauricy, waren einander nicht überflüssig. Wir suchten
uns. Wir hatten uns oft auch Nichts zu sagen, aber wir saßen zusammen und
waren still. Während des Stillschweigens gewannen wir uns noch lieber, als
während des Zankens. Und jeden Abend wünschten wir uns mit besserm Herzen
gute Nacht.
Wenn wir Beide uns fragten, was eigentlich Mauricy zu uns führe, und
uns bewege, für ihn Raum zu machen in unserm sonst so verschlossenen
Zweileben, so wußte es am Ende Keiner. Er war nicht geistreich; -- was er
auf den Universitäten von Kiew und Moskau gelernt -- ich hatte ihn stark
in Verdacht, Alles wieder vergessen zu haben. Wie er das Examen zu seinem
Proforma im russischen Staatsdienst gemacht, will mir noch jetzt nicht
recht einleuchten. Uebrigens fehlte es ihm durchaus an nichts Wesentlichem,
er wußte genug, dachte klar und klug, urtheilte richtig, nur glänzende
Gaben hatte er nicht, und suchte sie auch nicht. Er hatte es sich wohl aus
meinem Wesen und meinen Reden herausbuchstabirt, ich müsse eine geniale
Frau sein, und wenn ich es ihm ausreden wollte, sagte er doch: ich denke
mir das so, aber er fragte weiter nicht nach der genialen Frau. Ich ließ
im Geplauder mit Mauricy Geist ganz ruhig Geist sein -- ihn kümmerte auf
der ganzen Welt Nichts weniger. Das führte ihn also nicht zu uns.
Ebensowenig das Bedürfniß, Erinnerungen auszutauschen, was bei
Vielgereisten bisweilen so lebhaft ist, daß sie es selbst um den Preis
befriedigen müssen, andere Gereiste und Nichtgereiste zu langweilen.
Mauricy war am Rhein, in Belgien, in Frankreich und in Italien
gewesen, aber er war eben auch nur dagewesen -- Eindrücke aufgenommen,
Beobachtungen gesammelt, Studien gemacht, das Alles hatte er nicht. Aus Rom
erzählte er ein einziges Mal von St. Peter, von Belgien äußerte er, es
wären schöne Kirchen da, von Ems erfuhren wir, daß er alle Abende bei
einer Familie Thee getrunken und dabei in einem sehr bequemen Lehnstuhl
gesessen habe, von Schlesien bemerkte er, es gäbe in Reinerz so
schrecklich häßliche alte Frauen. Von der übrigen Welt sagte er --
Nichts, Polen ausgenommen; aber Polen war auch nicht die Welt: Polen war
das Paradies.
Unsern Geschmack, unsere Neigungen theilte er auch nicht. Die Natur war ihm
gleichgültig. Wenn ich das Glühen der Appenzeller Alpen betrachtete, oder
das lichtdurchschimmerte Abendwerden auf dem See, kam er wohl langsam zu
mir und fragte: »Aber wie können Sie sich das so lange ansehen?« Nicht
minder kalt ließ ihn die Literatur. Von Le Maistre hatte ihm die »Reise
um meine Stube« gefallen, mit sich führte er außer der Bibel und Thomas
a Kempis nur noch die »Gedanken« des Obersten Weiß, ein Buch in der Art,
wie Oxenstierna es geschrieben, sonst habe ich ihn nie weder etwas lesen
sehen, noch erwähnen hören. Lamartine's Reise in den Orient hatte er
angefangen, als ich sie begehrte, überließ er sie mir gleich -- »ich
schlafe, statt sie zu lesen,« sagte er. Was endlich die Musik betraf,
so hörte er mich gern, besonders in dem böhmischen Liedchen: =ach neni,
neni!= aber auch nur mit Melancholie, nicht mit Kennerschaft. Was führte
uns denn also zusammen bei getrennten politischen Gesinnungen, ganz
verschiedenen Neigungen, Anlagen und Charakteren?
Das Menschlichste, Innerlichste, die Seele des Herzens -- das Gemüth.
Mauricy's innerstes Wesen war Güte, keine sentimentale, keine moralisch
erkämpfte, nein, eine einfache, naturgemäße, unbewußte Güte. Er war
nicht schwächlich-nachgiebig, tadelte was zu tadeln war, mochte recht wild
werden können, wenn sich gerade eine Gelegenheit dazu fand, hatte
ganz unbefangen seine Fehler, aber dabei kannte er weder Neid, noch
Gehässigkeit, noch Rache, noch Parteilichkeit -- er hatte eben zur Natur
die Güte.
Güte haben, man redet davon gemeiniglich ganz so leicht hin, wie von gut
sein, und wie oft findet man denn Güte?
Güte ist Gottes Gabe, sie lernt sich nicht und verlernt sich nicht -- wer
sie hat ist Gottes Liebling, denn er lindert Leiden. Sie ist die Grazie der
Seele und das Genie des Gemüthes -- als Grazie liebkos't und schmeichelt
sie, erfreut und erquickt, erhellet und entzückt; als Genie hat sie
den Drang, das gebeugte Rohr aufzurichten, Verirrten nachzueilen in die
Wildniß, sich mit starker Kraft zwischen Verfolgte und Verfolger zu
werfen, wider Ungerechte zu zürnen, Sinkende gewaltig zu erfassen, über
Verlorene schmerzlich zu weinen. Sie ist nicht himmlisch, sie ist auch
nicht irdisch -- von der Erde aufgestiegen als Hauch, fällt sie wieder
herab als Thau; so schwebt sie immerfort zwischen Himmel und Erde und ist
dadurch menschlich. Und wie das Veilchen den Rosenpurpur und das Irisblau
in seiner köstlichen Weichheit verschmilzt, so athmet aus ihr als
Wohlwollen das Süßeste der Innigkeit und das Feinste der Milde.
Ich will nicht sagen, daß in Mauricy diese göttliche Erscheinung sich in
voller Glorie offenbarte -- zu einem so auserwählten Gefäß war er
nicht stark genug -- aber ein schöner, reiner Strahl leuchtete aus seinem
weichen, dunkelblauen Auge. Vielleicht wirft man mir hier spottend ein:
»und die umzubringenden Könige alle -- fiel auf die der Strahl auch?«
da antworte ich denn ganz unbekümmert: »wenn ein verfolgter König Schutz
und Stärkung bei Mauricy gesucht hätte, würde Mauricy ihm seinen eigenen
Mantel gegeben und seinen letzten Becher Wein an ihn abgetreten haben.«
Das dachte ich damals schon und lächelte, wenn er seine Philippiken
herausseufzte, denn um sie kräftig hören zu lassen, war seine Brust zu
müde. Wie er zur Erwiederung von uns dachte, sagte er eines Tages, als er
uns sein Album brachte. »Man findet überall brave Leute, die man achten
kann,« sprach er in seinem schleppenden Französisch, welches sich immer
besann, ehe es über seine Zunge gekrochen kam. »Und darum bitt' ich Sie,
sich Beide einzuschreiben.«
Das Album war noch fast leer, obgleich bereits im vorigen Winter zu Rom
gekauft. Mauricy war nicht eine Natur, die sich leicht und viel hingab --
er konnte seine Freunde mit eins, zwei, drei, vier, fünf zählen. Auch das
machte ihn mir werth; ich schätze solche Mäßigkeit in Freundschaften:
viele intime Freunde sind in meinen Augen ein wahrer =embarras de
richesse=, und was am schlimmsten ist, =de richesse factice=.
Da etwas Schickliches nicht immer vom Himmel fällt, hatten wir einige Tage
später noch Nichts eingeschrieben, als Mauricy das Buch auf wenige Stunden
zurückverlangte. Er wollte es den drei Töchtern jener Familie bringen,
die so gut wie seine eigene war, ja, noch besser als oft eine eigene ist.
Ich hatte ihn schon einige Male wegen dieser jungen Mädchen geneckt, die
er als sehr liebe, zugleich natürliche und ausgebildete Wesen schilderte.
Jetzt reichte ich ihm das Buch mit einem bedeutungsvollen Blicke und einem
sehr weisen Kopfnicken. Er lächelte und schüttelte langsam den Kopf. Noch
aus keinem Antlitz hatte ich das Lächeln eine so wunderbare Erleuchtung
hervorbringen sehen, wie auf dem Mauricy's. Es war ganz, als strömte
plötzlich ein schimmernder Sonnenblick auf ein dunkles Gemälde. Für
gewöhnlich war er nicht einmal hübsch, und kaum hob er seine Oberlippe
ein wenig und ließ unter dem kleinen dunklen Bart zwei glänzende Zähne
sehen, so mußte man ihn mindestens so gut wie schön finden.
Gegen Abend brachte er das Buch wieder. »Sie haben sich nicht verlobt?«
fragte ich. Abermals machte ein stummes und langsames Kopfschütteln
die Verneinung aus. Wir waren im Garten; der See mit seiner lieblichen
Heiterkeit, das weiße Zürich links, die weißbläulichen Alpen rechts,
rings herum die weißen Ortschaften, welche sich wie ein dichter Kranz von
Margueriten durch das Grün der Ufer winden, der Mond im reinen Himmel --
es war ein Bild voll Anmuth. Mauricy saß, den Kopf an einen Baum gelehnt.
Er ruhte sich gern so aus und glich dann einem kranken Kinde. Auf Otto's
Arm gestützt, stand ich vor ihm und fragte: »warum wollen Sie denn allein
bleiben? Sie haben mir gesagt, Ihr Herz müßte noch sechs Monate lang, bis
Sie heimkehren könnten, wie gestorben liegen -- warum soll es das? Gönnen
Sie ihm Leben -- die Liebe kann Sie noch gesund machen.« -- »Sollte ich
ein junges Mädchen an mich ketten?« erwiederte er. -- »O, Sie wissen
nicht, wie gern ein junges Mädchen sich ganz aufopfert und darin Glück
findet.« -- »Wenn sie dafür geliebt wird,« sprach er. -- »Nun --«
sagte ich ermuthigend. Er blickte melancholisch zu mir auf und zeigte
mir einen Ring, schwarz emaillirt. »Das ist das Andenken meiner letzten
Liebe.« Er küßte das weiße Kreuz auf dem schwarzen Email. »Ist sie
gestorben?« fragte ich leise. -- »Für mich,« antwortete er ruhig.
»Aber nie mehr werd' ich geliebt werden, wie von ihr -- nie nach ihr noch
lieben.«
Man hört fast Nichts seltener, als daß ein Mann eine -- ich will das so
oft verspottete Wort muthig nennen -- eine unglückliche Liebe unbefangen
ausspricht. Wohlverstanden, wenn er keine Verse macht. In Versen ist es
ebenso Styl, es zu thun, wie es im Leben nicht Styl ist. Im Leben gilt ein
solches Gefühl oft für ein Verbrechen, welches das Herz wider den Stolz
begeht, im besten Falle für eine beschämende Weichlichkeit. Mauricy aber
fürchtete nicht sich bloßzugeben, denn er war nicht eitel, und auch als
weichlich meinte er nicht zu erscheinen, weil er stark und tief empfand.
Und er hatte Recht. Was beweist mehr für unsere innere Macht, als die
Fähigkeit zu einer großen Liebe?
Mauricy trug die seine still in sich, zugleich mit dem Tod, mit dem Gram
um sein Vaterland, mit der Trauer um seine jüngste Schwester. Diese hatte
achtzehn Jahr alt und seit sechs Wochen verheirathet, ihren Mann nach
Sibirien führen sehen und war nur so lange noch in der Heimath geblieben,
um ihr erstes Kind zur Welt zu bringen. Als es geboren war, übergab sie
es ihrer Schwester und folgte dem Gatten nach Sibirien. Das erzählte uns
Mauricy an demselben Abend, und ebenso schlicht, wie er das von
seiner ersten Liebe erzählt. Ich machte die Augen zu, um die Thränen
zurückzudrängen. Mauricy sah mich still an und war dann still fort; sein
Mund dankte mir nicht, ich denke aber sein Herz. Mein Gott, ich weiß ja,
wie ich der einzigen Freundin, die mir einst schrieb, sie habe um mich
geweint, wie ich ihr ernst und gerührt gedankt habe!
Wo ein Wort erst den Weg gefunden hat, da finden ihn leicht mehrere.
Oefter, wenn gleich nicht oft, redete Mauricy nun von dem, was sein Leben
gefärbt und wieder entfärbt hatte, und wie wir wohl einsahen, ihn so
gleichgültig dagegen machte. Leise, wie durch halbe Striche gelegentlich
hingeworfen, gestaltete sich vor uns eine Skizze dieser einfachen, aber
tiefbegründeten Begebenheit. Die Freundin war es gewesen, an deren
Theetisch Mauricy jeden Abend in Ems den Lehnstuhl bereit gefunden. In
Rom hatten sie in einem Hause gewohnt. Sie war verheirathet, dennoch hatte
Mauricy Hoffnungen hegen dürfen: ihre Liebe wenigstens hatte sie ihm
geschenkt. Warum nicht auch sich selbst? fragte ich ihn. Ehen können
gelöst werden -- in Rom ist der Pabst. Sie hatte es gewollt, antwortete
er. Aber sie hatte dann wieder anders gethan. Sie war zurück nach Polen,
zum Gatten. »Sie hat es vorgezogen, Gottes Gebot zu erfüllen, statt ihr
Herz zu befriedigen,« sagte Mauricy. »Gottes Gebot!« rief ich erregt.
»Glauben Sie, Gott würde sie gestraft haben, wenn sie sich Ihnen gegeben,
der Sie ihrer so ganz bedurften? Denn sagen Sie mir -- als Sie Hoffnung
hatten, durften Sie da nicht die Genesung noch für möglich halten?«
Er bejahte. »Und seit Sie von ihr getrennt sind, fühlen Sie sich nicht
wieder um Vieles kränker?« -- »Das ist wohl natürlich,« sagte er
sanft. -- »Nun denn, warum da Sie verlassen, nicht lieber ihr Heil selbst
wagen, wenn ihr Glaube so streng ist, obgleich wahrlich Gott nicht
gezürnt hätte?« Ich war unwillig. Beschwichtigend sprach er: »Ich
denke vielleicht wie Sie und würde wahrscheinlich gehandelt haben, wie Sie
sagen. Aber hatte ich das Recht, sie zu Etwas zu verleiten, was sie für
Sünde hielt? Nein; obgleich sie mich aufgegeben, ich sage doch, sie hat
gut gethan.«
Ich schwieg, aber ich grollte der Frau im Stillen, besonders als ich
vernahm, daß sie noch im Briefwechsel mit ihm stehe. »Sie hat einen Roman
mit ihm gespielt,« eiferte ich später gegen Otto, »und damit er ihr ja
nicht entgehe, hält sie ihn an den Briefen wie an einem Faden. Das mag
für sie recht hübsch und unterhaltend sein, aber für den armen Menschen
ist's tödtlich.« Otto antwortete mir: die Frau könne es doch ernstlich
meinen; er halte die Polinnen einer solchen religiösen Ueberspannung
ganz für fähig. »Der Geliebte ist das Opfer, welches sie Gott bringt,«
setzte er hinzu, »und je schmerzlicher sie es fühlt, und je größer es
ist, um so heiliger handelt sie.«
Mochte das sein -- ich hätte Mauricy gar zu gern durch eine der drei
jungen Polinnen getröstet gesehen. Was ich thun konnte, um ihn zu
zerstreuen, das that ich, schon jener Frau zum Trotz, die den armen Kranken
sich verzehren ließ, um mehr Himmel zu gewinnen. Halb gelang mir, was
ich wollte -- Mauricy ließ sich zerstreuen, er konnte heiter, ja manchmal
sogar ein klein wenig toll werden. So entsinn' ich mich eines Abends, wo
eine niedliche junge Bernerin zum Besuch bei den Töchtern des Wirthes war.
Wir trafen sie im Garten, und Mauricy trug sich dem armen verlegenen Kinde
äußerst dringend zum Manne an. Die Hände gefaltet, saß er beweglich
bittend vor ihr und spielte den schüchternen Liebhaber so natürlich,
daß die kleine Bernerin sich zuletzt keinen andern Rath wußte, als
ihm feierlich zu sagen: =Monsieur, mon père n'a pas l'honneur de vous
connaître.= Das gute Kind hatte Alles für bittern Ernst genommen, ging
ihm den ganzen nächsten Tag sorgfältig aus dem Wege und war seelenfroh,
als sie wieder abreisen konnte, denn, sagte sie zufrieden: »=Maintenant
monsieur le Polonais ne pourra plus me taquiner.=«
Ein andermal versicherte Mauricy mir mit der höchsten Ernsthaftigkeit,
da er ein Demokrat sei, wolle ich seinen Tod -- er werde mir daher das
Vergnügen machen, sich diese Nacht vor meiner Thür zu hängen, und biete
mir nur vorher noch die Hand zum ewigen Abschied. Ich glaubte nun zwar
nicht, ihn am andern Morgen als Zierde meiner Thür zu finden, hielt es
aber doch für möglich, daß der barocke Abschied eine nächtliche Abreise
bedeuten könne. Aber er war am nächsten Morgen in höchsteigener grauer
Person am gewohnten Platze und lachte mich vergnügt aus.
So weit hatte ich es gebracht, -- vergaß er darum? Als ich ihn einmal
danach fragte, küßte er statt aller Antwort wieder das weiße Kreuz auf
dem schwarzen Grunde. Und am Abend, als ich sang, weinte er.
Und fort wollt' er auch -- nach Rom. Umsonst suchte ihn sein Arzt zu
bewegen, die lange, anstrengende Reise nicht zu unternehmen, lieber mit der
Familie an den Genfersee zu kommen. Sie war nicht mehr in Rom, aber sie war
dort gewesen. Er sagte das nicht, aber wir erriethen's. Ihre Spuren wollt'
er suchen. Sie beherrschte ihn unumschränkt; er betete in ihr eine Heilige
an.
Da wir sahen, daß er fest war, versuchten wir nicht erst, ihn zu
erschüttern. Am Ende -- was lag ihm am Leben?
Den letzten Abend kam er noch spät zu uns, still und gut. Ich wünschte
das Bild seiner Freundin zu sehen -- er brachte mir's. Es war kein
schönes, aber ein liebes Gesicht, welches mit einem traurigen Ausdruck aus
sanften schwarzen Augen blickte. Ich befragt' es ernstlich und prüfend --
nein, es gehörte keiner Kokette -- ich hatte der Frau Unrecht gethan --
wie sie auch gehandelt, aus Ueberzeugung war's gewesen.
Wir sprachen noch lange von ihr. Gut, gut, himmlischgut, dieser Lobspruch
ging immer wieder über Mauricy's bleiche Lippen. Es ist süß, geliebt zu
werden, weil man als gut erkannt wird. Dieser Frau ward also ein lieblich
Loos, und Mauricy -- wenigstens ging er nicht in der Anbetung eines
Götzenbildes unter.
In wie langen Zügen er das Gift getrunken, vernahmen wir erst jetzt.
Nachdem er die Freundin in Ems kennen gelernt, hatten sie gemeinschaftlich
einen Ausflug an den Rhein und nach Belgien, dann die Reise nach Rom
gemacht. Noch erinnerte er sich, mit welcher Sorgfalt sie über ihn
gewacht. Sie war fest entschlossen, die Scheidung von ihrem Gatten
nachzusuchen und sobald Mauricy genesen, diesen zu heirathen. Ihr Gatte war
alt, ruinirt, ein früherer Anbeter ihrer Mutter, welche die reiche Tochter
mit achtzehn Jahren an ihn verheirathet hatte, dann aber, als diese ihn zu
fesseln gewußt, eifersüchtig und die Störerin der Ehe geworden war. Als
die Tochter nun aber in Rom die nöthigen Schritte zur völligen Aufhebung
dieser unglücklichen Heirath thun will, bemächtigen sich ihrer die
Priester, drohen mit Sünde und Strafe, schrecken und verwirren ihre fromme
Seele, und sie entsagt dem Geliebten, weiht ihn der Verlassenheit, sich
selbst abermals dem Gatten. Doch um den Abschied noch recht zu genießen,
läßt sie sich von Mauricy über den Lago maggiore in die Schweiz
begleiten. In Interlaken bleiben sie den Sommer, dann bringt er sie bis
Zürich und bleibt allein. Acht Tage später lernten wir ihn kennen.
Wir schwiegen und dachten nach; da sagt' er plötzlich zu mir: »Sie haben
mich manchmal wegen der jungen Mädchen da drüben geneckt -- nun, als ich
heute Adieu sagte, wurde die Eine etwas bewegt, und da« -- sein schönes
Lächeln zeigte sich -- »da sah ich, daß sie hübsch war.« Ich wollte
aus dieser Wahrnehmung geschwind einen Schluß ziehen, aber er sagte wieder
ernst: »=Mon mariage sera avec la mort, madame.=« Dann stand er auf, bot
mir die kalte Hand. »Gott segne Sie,« sagte er. »Gott geleite Sie,«
sprach ich. Otto begleitete ihn noch in sein Zimmer.
Am andern Morgen sahen wir die Thür zu diesem offen, es wurde gefegt,
gescheuert. Als wär's das Zimmer eines Todten! Ein beklemmender,
peinlicher Eindruck.
Was uns anfänglich auch etwas verstörte -- wir waren so gewöhnt, die
graue Gestalt zu sehen, die müden, langsamen Schritte zu hören, daß
wir sie noch immer zu sehen, zu hören glaubten. Ja, bisweilen war mir's
gerade, als müßte unser grauer Geist schleichend hereinkommen, mich
ernsthaft grüßen und mir mit seiner schwachen Stimme sagen: =Madame, je
viens vous dire, que je suis mort.=
Briefe wollten wir gegenseitig nicht. Was nützen Briefe? Wir hörten
einige Male durch die polnische Familie, daß er in Rom kränker und
kränker werde. Schwerlich lebt er noch.
Am Genfersee aber dichtete ich zur Erinnerung an ihn eine Romanze, die
heißt:
Der schwarze Ring.
Ich bin fern von meinem Hause,
Ich bin fern von meinem Land;
Ich bin einsam und verlassen,
Ungeliebt und unbekannt.
Aus den Stunden unsers Glückes
Blieb mir nur ein einzig Pfand:
Dieser Zeuge meiner Freuden
Ist der Ring an meiner Hand.
Fremde öffnen mir die Pforten,
Fremde schenken mir den Wein;
Wenn ich traure, trauert Niemand,
Wenn ich weine, ist's allein.
Einen Freund nur hab' ich mit mir,
Einen Freund aus unser'm Land:
Dieser Zeuge meiner Thränen
Ist der Ring an meiner Hand.
Ich bin krank und werde sterben,
Aber dich vergess' ich nicht;
Bis die müden Augen brechen,
Bist du meiner Seele Licht.
Deine letzte Gabe nehm' ich
Mit mir in das Bett von Sand:
Denn der Zeuge unser's Liebens
Ist der Ring an meiner Hand.
Von Genf nach Baden.
Den 2. August 1849.
Abschied, sehr vergnügt und friedfertig. Die halbe Familie ist gerade
heute auf dem Lande. Ich lasse Empfehlungen zurück -- das genügt meinem
Herzen vollkommen. Die alte Tante allein ist betrübt -- sie allein hat
mich liebgewonnen. Ich gebe ihr den einzigen Kuß, welchen ich bisher
in der Schweiz gegeben, und verspreche ihr, sie in zehn Jahren wieder zu
besuchen. »Ach, da bin ich gewiß todt!« ruft sie. Ich glaub' es auch --
entweder sie, oder ich. Im Augenblicke, wo wir in den Kahn steigen, fällt
uns noch ein Bullenbeißer an, natürlich ein menschlicher, ächte
Genfer Race, fünfter Klasse. Er entgeht durch meine Gegenwart einem
freundschaftlichen Stockschlage. Ich denke bei solchen Gelegenheiten nicht
oft genug, aber doch bisweilen an Sokrates: wenn dich ein Esel anrennt
u. s. w. Ein wärmerer Abschied findet zwischen uns und François statt.
Er ist unser Ruderlehrer gewesen, ist der Portier der nicht zu vergessenden
=Campagne du Port=. Wenn wir wieder nach Genf kommen, miethen wir den
Pavillon unter den Platanen, meine stille Neigung, meine schmerzliche
Leidenschaft -- aber wir kommen nicht wieder nach Genf. Die Bise leidet das
Zelt nicht. Der Leman langweilt mich noch einmal ungebührlich. Alles sitzt
voll Engländer und Engländerinnen, diese sind wieder unglaublich garstig.
Ich weiß nicht, wie sie's anfangen, grüble darüber, warum man überhaupt
auf Reisen so selten ansprechende Gesichter sieht, sondern fast immer
Langeweile, Verdrossenheit, Abspannung, Geistlosigkeit. Das Reisen muß
häßlich machen. Von Morges aus sehen wir, hoffentlich nur für jetzt, zum
letzten Male den Gletscherdiamanten, den Montblanc. In Ouchy drängt so gut
wie Alles sich in die Kähne -- wie es hineinkommt? »Frage die Sterne,«
die glücklicher Weise noch nicht scheinen. Im Omnibus werden wir
unaufhörlich aufgefordert: »=Messieurs et mesdames, serrez-vous,
serrez-vous, messieurs et mesdames; encore un peu, un tout petit peu
encore!=« Wir rücken zusammen und rücken zusammen, bis es endlich nicht
mehr geht. Dabei fange ich an zu lachen, und Alles lacht mit, ausgenommen
ein Hündchen, das ehrbar aus dem Fenster schaut. Die Kathedrale von
Lausanne sehe ich mir im Vorüberfahren an und beschwichtige mein Gewissen
mit der Versicherung: ich habe sie genug gesehen. Im Hotel de France essen
wir mit tragischer Freude -- denn sie offenbart, wie sehr wir in Genf
gehungert haben -- ein vortreffliches Zweifrankmittag. Ich habe mich über
die guten Waadtländer so abscheulich lustig gemacht, und bekomme gleich
in Lausanne eine wirkliche Brühsuppe, die erste seit drei Monaten -- ich
schäme mich recht. Herren und eine Dame aus Yverdun essen mit uns;
sie sind freundlich, fragen, ob man sich in Genf sehr vor den Preußen
fürchte. Ich bejahe, setze aber hinzu, die Genfer wollten mit den Preußen
ein Ende machen. »Sie sollen's doch versuchen,« sagt der jüngere Herr.
Der Kellner nimmt das Wort und ruft: »=Les Génevois ont beaucoup de
paroles et peu de coeur; c'est ce qu'ils ont montré dans la guerre du
Sonderbund.=« Die brüderliche Liebe der Cantone unter sich ist rührend.
Wir fragen: »Wird man uns als Preußen unangefochten durch Neufchatel
lassen?« Die Antwort ist: »=Tous les honnêtes gens sont pour la
Prusse.=« Im Coupé des Omnibus fahren wir durch flach, aber fruchtbar
Land. Man begreift, woran man im Canton Genf irre wird, wie die Schweizer
Brod essen können. Eine junge Person, Tochter eines Genfer Vaters und
einer englischen Mutter, erzogen in England, zum Besuch bei Verwandten in
Genf, fährt mit uns und erfreut unsere Abneigung, indem sie die Genfer
durch und durch hechelt. Ich helfe ihr; dieses Vergnügen hält den ganzen
Weg über vor. Sie versichert, die Genfer seien den letzten Tag einer
Bekanntschaft noch ebenso eisig, wie den ersten -- »=you can't make any
impression upon them=.« In Yverdun gehen wir spazieren, zuerst unter den
Pappeln und Kastanien der Promenaden, nachher am Seeufer, da, wo die Zill
einfließt. Die Wellen spielen auf dem dünenartigen Sande, junge Pappeln
stehen im Mondlicht, Erlengebüsche scheinen undurchdringlich, es ist
feucht, warm, ein Schiff mit hohem Segel kommt den Strom herauf, der Jura
liegt dunkel umher, der See ist ein neuer, ein preußischer.
Den 3. August.
Im Speisesaale finde ich erst heute Morgen heraus, daß auf den Tapeten
Tankred und Clotilde, Rinald und Armide sind. Das kleinste Dampfbötchen,
=l'Industriel=, kommt pünktlich an; wir fahren heute unter einem Zelte.
Mit uns sind ein Engländer mit zwei Töchtern, eine höfliche, aber etwas
verblichene Familie. Ein einsamer, schwerfälliger, gelblicher Engländer.
Ein junges Ehepaar. Die jungen Ehepaare sind unverkennbar. Schweizer. Einer
von diesen, klug Gesicht über blauer Blouse, unter schwarzem Hut, giebt
uns Erläuterungen. Links ist Granson mit seinem erhaltenen Schlosse,
rechts im Freiburgischen Estavayer -- Otto von Granson und die schöne
Dame von Estavayer, der feinste Intriguenstoff in der ganzen
Schweizergeschichte. Drüben in der Ferne scheinen silbern die Alpen des
Tessins. Schlösser des Grafen Pourtales liegen hinter Granson; der Graf
besitzt deren mehrere auch in Genf und Waadt, aber beide Cantone haben
verboten, ihm noch welche zu verkaufen, »denn er kauft die schönsten, und
werden da die Fremden nach Genf und Waadt kommen, wenn sie nicht länger
die schönsten Schlösser bewohnen können?« So mein Gewährsmann in
der blauen Blouse. Neufchatel hat, neutral wie es sich gehalten, im
Sonderbundskriege, der vorletzten großen Begebenheit der Schweiz, auf
Handelswege durch den »Industriel« den Freiburgern Schießbedarf zukommen
lassen -- Waadt legt in Yverdun Beschlag auf den »Industriel« und zwingt
ihn, sechs Wochen lang nur in waadtländischen Staatsdiensten zu
fahren. Auf waadtländisch heißen die Neufchateller Aristokraten und
Jesuitenfreunde. Nachbarlich und freundschaftlich. (Immer mein Gewährsmann
in der blauen Blouse.) Wir trinken vortrefflichen Wein aus Neufchatel. Die
Stadt gekrönt mit Schloß und Kathedrale, unter beiden gelb und geräumig
das Gymnasium. Vorher haben wir noch in das Val-de-Travers und in den
Tunnel gesehen, durch welchen der Seyon genöthigt worden ist, anders als
bisher in den See zu fließen. Am Lande fallen Kutscher über uns her. Wir
sollen nach Basel, und Bern. Mit dem Omnibus sollen wir dahin, wohin
wir wollen -- nach Biel. Aber nicht im Coupé -- darauf hat bereits die
verblichene Familie Beschlag gelegt. Im Innern mögen wir nicht -- wir
nehmen für zehn Franken einen =char-à-côté=. Der Omnibusführer findet
das unerhört; er zeigt auf uns: »die Leute da nehmen einen eigenen
Wagen, weil sie nicht im Coupé fahren können!« Dazu Geberden. Ohne seine
Erlaubniß also fahren wir fort, zwischen dem Oertchen St. Blaise und dem
Sanct Blasisee hindurch an den Bieler See. Da ist links auf malerischer
Waldhöhe Neustadtschloß, Ruine -- rechts unter malerischer Felshöhe am
See Neuville. Ich laufe durch den Weingarten des Gasthauses an das Ufer;
Rohr wächst im Wasser, ein Badhäuschen steht, ein Kahn wiegt sich im
Rohre; das Städtchen hat sechs Thürme, einen immer spitzer als den
andern; der See ist mit dunklen Waldbergen eingefaßt; rechtshin im
Laubwerk sehe ich den Thurm des Schlosses von St. Jean. Rousseau hat
guten Geschmack gezeigt, als er auf St. Pierre saß, obgleich man seinen
Schilderungen nach mehr Erhabenheit hier erwartet. Ich gucke auch in ein
Sommerhäuschen; da überrasch' ich einen Herrn, der sich gebadet hat und
wie eine Leiche in ein weiß Laken gewickelt ist; er erschrickt nicht, ich
erschrecke ebenfalls nicht, lass' ihn sich weiter abtrocknen und komme zum
Kaffee zurück in das Gasthaus. Dort hat es ein Erkennen zwischen Otto und
einem Kutscher gegeben, der uns vorigen Herbst in Bern gefahren und »die
Fru« gleich wiedererkannt hat. Der Mann hat eine rothe Weste an, raucht
aus einer kurzen Pfeife und fährt nach Genf. Wir haben in Genf eine leere
Kiste stehen lassen, die nach Bern gehört -- wir fragen den Mann, ob er
sie mitnehmen wolle? Lauter Bereitwilligkeit, aber als es ans Bezahlen
geht, lauter Schwierigkeit. Der Mann verlangt drei Franken -- die ganze
Kiste ist nur zwei werth. Wir danken dem Manne freundlich; er ist ganz
kurz geworden, erwiedert kaum unser Lebewohl. Vor uns her fährt mit einem
Kutscher und einem Passagier ein anderer =char-à-côté=. Als wir aus
Neuville heraus sind, wendet der vorausfahrende Kutscher sich um, ruft
unserm Etwas zu, beide Chars halten, beide Kutscher springen ab, der
vordere Kutscher wirft unserm seine Zügel zu, kommt an unsern Char, macht
auf: »=Vite, faites-moi place pour ce jeune homme=« -- seinen Passagier.
Wir starren ihn an -- »=Mais, monsieur= --« -- »=Eh, parbleu! faites;
il faut qu'il soit à Bienne avant le départ de la diligence.=« -- »=Eh
bien, qu'il aille à Bienne, mais pas dans notre voiture.=« -- »=Mais si,
dans votre voiture, il-y-a trois places.=« -- »=Nous les avons prises.=«
-- »=Eh non, vous n'avez payé que deux -- je veux la troisième.
Rangez-vous.=« -- »=Mais, monsieur, la voiture est-elle donc à vous?=«
-- »=Parbleu, si elle est à moi! Je veux conduire ce jeune homme à
Bienne. Vous rangerez vous?=« -- »=Pas du tout. Nous avons pris la
voiture et nous la garderons.=« -- »=Eh, ne faites donc pas tant de
façons -- en quoi ce jeune homme peut-il vous gêner?=« -- »=Mais
assurément il nous gênerait et même beaucoup. Enfin nous ne voulons
pas.=« -- »=Oh, quels gens! quels gens!=« Er schwingt sich auf den
Kutschersitz, nimmt den jungen Menschen auf seine Knie und in seinen
Arm, und fort geht's, während unser bisheriger Kutscher dasteht und uns
nachschaut. Sein Trinkgeld ist's, was davonfährt; der Herr ist ihm und uns
nachgefahren, um ihn und uns einzuholen, statt seiner zu kutschiren, den zu
befördernden Burschen zwischen uns einzuschieben und so von Neuville aus
einen Char zu ersparen. Schönen Dank, das ist, wie da wir nach Mornex
fuhren. Da wurde der Kutscher angerufen, hielt, fragte zu uns herein:
»Wollen Sie zwei Personen mitfahren lassen?« Wir sahen hinaus -- da
standen zwei ungeheure Bonnen mit drei Kindern -- die wollten zwei Personen
vorstellen. Nun, jetzt kommen wir, Dank dem jungen Menschen, der nach
Basel soll, wenigstens nicht zu spät nach Biel. Der Herr-Kutscher ist ganz
geschmeidig geworden, seit wir beharrlich waren -- erklärt uns die Eile
des jungen Menschen -- zum Begräbniß der Schwester soll er. Das thut
uns sehr leid, aber darum können wir doch nicht -- der Kutscher sagt
zustimmend: »=N'en parlons plus.=« Sein geschwindes Fahren hat uns ganz
wirr gemacht, besonders weil wir die heißen Felsenwände vor uns hatten.
Es ist ein beliebtes =On-dit= in der Schweiz, daß ein Engländer einst in
einem =char-à-côté= um den ganzen Genfer See gefahren sei, ohne den
See einmal gesehen zu haben. In Biel empfängt uns ein Omnibuskutscher und
verspricht uns für vierzig Batzen einen schönen Wagen, in welchem wir
ganz allein fahren sollen. Wir treten an das glückselige Fuhrwerk hinan
-- da steht unser junges Ehepaar vom »Industriel« und wartet, daß unser
Kutscher es in dem schönen Wagen ganz allein nach Solothurn fahre. Der
Omnibuskutscher sagt ganz vergnügt: »Ja, ich habe Sie allein fahren
wollen, denn ich wußte ja nicht, daß noch mehr Personen kommen würden;
nun diese zwei Personen gekommen sind, können Sie nicht allein fahren --
nein, das geht nicht -- ich bin ein Omnibus -- ich fahre Alles.« Der junge
Ehemann sagt: »Ich mag dem Manne seinen Verdienst nicht schmälern; es ist
mir nur des Prinzips wegen.« -- »Eben des Prinzips wegen würd' ich uns
nicht nehmen,« sagt Otto. Der Kutscher wiederholt: »Ich bin ein Omnibus
-- ich fahre Alles.« Also wir sollen fahren, selbst gegen das Prinzip,
aber erst müssen wir essen -- wir sterben Hungers. Im Speisesaale sitzt
die verblichene Familie. Der Vater kommt zu Otto. Er hat für jeden Platz
im Coupé sechs Franken zahlen müssen. »Ist das nicht zu theuer?« --
»Ja wohl, der Platz im Coupé ist immer nur einen Frank mehr, als der im
Innern und für einen solchen hat man mir in Neufchatel nur vier Franken
abverlangt.« -- »Entschuldigen Sie, hier hat die Person fünf und einen
halben zahlen müssen.« Es ist klar -- die Gesellschaft hat für uns Beide
mitbezahlt -- die Kutscher in Neufchatel und Biel scheinen sich das Wort
gegeben zu haben, an diesem dritten August zu prellen. Wir verschlucken
ein Beefsteak und eilen hinab -- da sitzt das junge Ehepaar auf den beiden
Vordersitzen. Ich soll rückwärts fahren, nachdem ich so lange seitwärts
gefahren -- dazu ist mein Kopf zu müde -- wir wollen wieder abladen
lassen. Der Neufchateller Kutscher räth dem Bieler dringend, das junge
Ehepaar in Biel zu lassen -- »am Ende, sie zahlen nicht zwanzig Franken!«
Das will sagen, wir zahlen zehn Batzen mehr. Der Bieler Kutscher aber macht
am Wagenschlage so eindringliche Vorstellungen über die Rücksichten gegen
das Frauenzimmer, daß der junge Ehemann den Kopf heraussteckt und frägt:
»Madame, können Sie nicht gut rückwärts fahren?« Meine Antwort ist
Nein. »Nun gut,« sagt er, »ich kann's auch nicht gut, aber wir wollen's
versuchen.« Wir versuchen's, es geht, und wir schwatzen recht angenehm
bis Solothurn. Das junge Ehepaar besitzt einen Schatz, um welchen ich es
aufrichtig beneide -- den allernachgiebigsten Magen. Des Morgens braucht es
kaum zu frühstücken, des Mittags geradezu gar nicht zu essen, und nie
ist es hungrig. In Solothurn muß es erst noch einen Spaziergang machen,
um Eßlust zu finden! Nun frag' ich, kann man angenehmer reisen, als immer
gesättigt, ohne je vor Abend zu essen? Wir haben immer Hunger, Morgens,
Mittags und Abends auch noch, müssen immer in Eile sein, unsern innern
Despoten zu befriedigen, können immer erst nach dem Beefsteak an den
Mondschein denken. Glückseliges junges Ehepaar, in deiner poetischen
Bedürfnißlosigkeit! Während es endlich irdisch genug fühlt, um zu Abend
zu speisen, kommt unser einzelner Engländer vom Morgen. Er setzt sich
langsam neben mich, unterhält und amüsirt sich langsam, spricht aber
beileibe kein Wort Englisch außer auf Französisch. Nachdem er sich lange
genug so amüsirt hat, steht er langsam auf, sagt uns langsam, er werde
morgen nach Schinznach fahren, bietet uns langsam guten Abend und schreitet
langsam aus dem Saale.
Den 4. August.
Als wir im vorigen October in Solothurn übernachteten, war's winterkalt
und der große Ofen wurde erst am andern Morgen warm, während das Kamin
unermüdlich rauchte. Heute ist's wärmer, aber der Röhrbrunnen an der
Kathedrale rauscht so lebendig, daß er uns wach erhält und uns nöthigt,
noch um Mitternacht im schlafenden Hause auf eigne Hand ein anderes Zimmer
aufzusuchen. Am Morgen giebt es einen Retoureinspänner nach Aarau. Der
Einspänner ist das nationale Fuhrwerk der Schweiz. Der Koffer will nicht
recht darauf gehen -- ich benutze den Augenblick und gehe still in die
Kathedrale. Das Gebäude ist weiß und hell von innen und außen. Auf
den Beichtstühlen sind hingeworfene reuige Gestalten -- Petrus nach
der Verleugnung eine von ihnen. Mir ist's nach dem ultrareformirten Genf
herzlich wohl, wieder einmal zwischen heiligen Bildern und knieenden Betern
zu wandern. Man betet besser unter einem Gewölbe, welches ausschließlich
bestimmt ist, Gebet und Gesang zu Ehren des Herrn zu hören, als in der
Stube, wo alle die Kleinlichkeiten der Häuslichkeit gethan werden. Ein
Oratorium allein kann das tägliche Gebet im Hause gesammelt machen. Als
ich meine Wanderung vollbracht, fahren wir -- das junge Ehepaar fährt nach
Basel. Wie malerisch ist hier der Jura! Voriges Jahr war er so überbunt,
wie ich noch kaum weder Gebirg noch Wald gesehen. Ich hab' ihn liebgewonnen
den langen, einförmigen und doch mannigfachen Jura, vielleicht weil er
sowohl in der Ferne, wie in der Nähe so schöngeschwungene Linien hat,
vielleicht auch, weil ich so oft auf ihm die ersten und letzten Lichter der
Sonne und in der Mondnacht den leuchtenden Schnee blinken sah. Die Luft
von ihm weht rauh; heute ist sie ein Sturm. Wir wenden uns endlich an der
Stelle von ihm ab, wo wir damals von Basel her über ihn kamen. Den
ganzen Tag bis Abends um sechs fahren wir durch die frischesten
Hügellandschaften, welche für mich mit den Alpengegenden der Schweiz
wetteifern. Aarau liegt geradezu allerliebst; es ist die erste Stadt in der
Schweiz, wo zu wohnen mir gefallen könnte. Wir gehen vom Ochsen hinunter
an die Aar, über ein Bächlein, das hineinschießt, die Aar hinauf.
Jenseits liegt das Thal voll Landhäuser; Fähren gehen hinüber und kommen
herüber; der Abend ist kühl, aber nicht rauh, Wiesenduft füllt ihn. Wie
wohl thut das, wenn man so lange kalkige Luft geathmet. Auf einer Brücke,
die, ich weiß nicht worüber führt, kehren wir in die Stadt zurück; ein
zahm Starmätzchen sitzt auf dem Geländer, guckt uns an, springt vor uns
herum, dreht klug und neugierig das Köpfchen und fliegt endlich in
einen Gasthof neben der Brücke. In unserm Ochsen schiebt mich der lange,
trockne, regungslose Kellner am Ellenbogen an den Speisetisch; es ist das
seine Beförderungsart: allein läßt er einen nicht gehen. Der Ochse ist
etwas ältlich, aber der Wirth einer der artigen Wirthe, wie man sie
eben in den älteren schweizer Gasthäusern findet, Stube und Betten
sind kolossal, auf der Gallerie blüht ein schöner Granatenbaum, und es
gefällt mir in Aarau.
Den 5. August.