Sonnenuntergang war noch, trotz aller leuchtenden Kraft, angenehm und
erquickend. Da strömte jedes Kräutchen Wohlgeruch aus. So viel Balsam,
so viel Köstlichkeit in dieser strömenden Duftfülle! Käte fühlte ihr
Herz überfließen: Gott sei Dank, noch war sie nicht ganz zermürbt, noch
nicht ganz verbraucht, noch besaß sie die Fähigkeit, Schönes zu
empfinden! Wenn Paul jetzt hier wäre!
Ganz vorn, hoch oben am äußersten Vorsprung der Küste, umbrandet vom
weißen Schaum des sehnsüchtigen Meeres, das gern hinauf möchte zu den
Zypressen und Pinien, zu den Steineichen und Erdbeerbäumen, zu den
vielen duftenden Rosen liegt der Garten eines reichen Marchese. Hier
saßen Mutter und Sohn. Stumm sahen sie nach der Riesensonne, die rot,
tief purpurn, dicht über dem Meere hing, das da strahlte in glanzvollem
Widerschein, still-andächtig, erwartungsfeierlich in der heiligen
Empfängnis des Lichts. Es war eine jener Stunden, jener wunderbaren
seltenen Stunden, in denen auch das Stumme beredt wird, das
Verschwiegene sich offenbart, in der die Steine schreien.
Käte schrak förmlich zusammen, als sie schaute und schaute: o, da war
sie ja, dieselbe riesige rote Sonne, die sie einst hatte versinken sehen
in den Wellen des wilden Venns!
Ach, daß ihr dieser Gedanke auch jetzt kommen mußte und sie quälen! Mit
scheuer Besorgnis wendete sie rasch ihre Augen zu Wolfgang – wenn der’s
ahnte?! Aber er saß ganz gleichgültig auf einem Stein, hatte die Beine
übereinandergeschlagen, die Augen halb geschlossen. Von was träumte er?!
Sie mußte ihn aufstören.
»Ist das nicht herrlich, großartig, erhaben?!«
»O ja!«
»Sie sinkt – sieh, wie sie sinkt!« Käte war aufgesprungen vom
efeuumrankten Pinienstumpf, sie streckte den Finger aus, warm
angestrahlt, ganz Begeisterung für dieses purpurne Meer, dieses
glanzvolle Licht, das da in solcher Schönheit zu sterben ging. Die Augen
wurden ihr naß; sie waren geblendet. Als sie wieder sah, fiel es ihr
auf, daß Wolfgang sehr blaß war.
»Frierst du?« Eine plötzliche Kühle wehte vom Meer herauf.
»Nein! Aber ich –« er blickte sie, die dunklen Augen plötzlich groß
aufmachend, fest an – »ich möchte was von meiner Mutter wissen. Jetzt
kannst du reden – ich höre!«
»Von deiner – deiner –« sie stotterte, das kam ihr zu unerwartet. O
weh, die Sonne, die Sonne des Venns! Jetzt hätte sie lieber geschwiegen,
sie hatte auf einmal den früheren Mut nicht mehr.
Aber er drängte sie. »Erzähle!« Es lag etwas Gebieterisches in seinem
Ton. »Wie heißt sie – wo wohnt sie – lebt sie noch?!«
Mit angstvollen Blicken sah Käte um sich. ›Lebt sie noch?‹ – darauf
konnte sie nicht einmal antworten! Aber ja, ja, sicherlich – gewiß –
die lebte ja ewig!
Und sie erzählte ihm alles. Erzählte ihm, wie sie ihn aus dem Venn
fortgeschafft hatten, mit ihm geflohen waren wie mit einem Raub.
Sie wurde blaß und rot dabei und wieder blaß – o, wie würde er
aufbrausen, sich leidenschaftlich erregen! Und ihr zürnen. Hatten sie
sich doch nie mehr um seine Mutter gekümmert, seit sie das Venn
verlassen hatten, nie mehr! Sie wußte ihm nichts weiter mehr zu
erzählen.
Er fragte auch nicht mehr. Er brauste aber auch nicht auf, wie sie
gefürchtet hatte; sie hätte es nicht nötig gehabt, sich, als er nun eine
Weile stumm blieb, zu verteidigen, sich förmlich zu entschuldigen. Er
sah sie freundlich an und sagte nur: »Du hast es gut gemeint, das glaube
ich wohl!« –
Als sie vom Park die Treppenstufen zum Ort hinunterstiegen, bot er ihr
den Arm. Scheinbar führte er sie, aber sie hatte doch die Empfindung,
als sei er es, der der Stütze bedürfe; er ging schwankend. –
Hinter dem Garten des Marchese liegt der Kirchhof von Sestri. Die weißen
Marmormonumente leuchteten durch das Abendgrau; gerade über die
Parkmauer weg ragten noch die weißen Flügel eines Riesenengels. Käte
blickte zurück: wehte es ihnen nicht von dorther nach wie eine Ahnung –
oder war es eine Hoffnung?! Sie wußte nicht, ob Wolfgang so empfand wie
sie, ob er überhaupt etwas empfand, aber sie drückte seinen Arm fester,
und er erwiderte leise diesen Druck. –
In der Nacht nach jenem Abend im Garten der Villa Piuma hörte sie ihn
unruhig in seinem Zimmer auf und nieder gehen. Eigentlich hatte sie sich
vorgenommen, ihn sich selber zu überlassen – hatte sie sich doch früher
allzuviel um ihn gekümmert – aber sie bedachte, daß er noch Patient sei
und daß die innere Erregung, in die ihn ihre Erzählung versetzt haben
mochte, ihm schaden könnte. Sie wollte bei ihm eintreten, aber seine Tür
war verschlossen. Erst auf wiederholtes Klopfen, und als sie ihn
inständig bat, ihr zu öffnen, schloß er auf.
»Was willst du?« Es war wieder etwas von dem alten abweisenden Klang in
seiner Stimme.
Aber sie ließ sich nicht abschrecken. »Ich dachte, es wäre dir doch
vielleicht lieb, noch – nun, noch darüber zu reden,« sagte sie weich.
»Was soll ich tun?!« Er rief’s, rang die Hände und ging wieder mit
großen Schritten rastlos im Zimmer auf und ab. »Wenn mir nur einer sagen
wollte, was ich jetzt tun soll! Aber das weiß ja keiner! Kann ja auch
keiner wissen! Was soll ich tun – was soll ich tun?!«
Bestürzt stand Käte: ach, nun machte er sich solche Gedanken! Sie sah
es, er hatte geweint. In sorgendem Mitgefühl hing sie sich an ihn. Was
sie lange, ewig lange nicht getan hatte, sie küßte ihn. Und von seinem
›Was soll ich tun?‹ wie von einem gerechten Vorwurf im innersten Herzen
erschüttert, bat sie zerknirscht: »Quäle dich nicht! Gräme dich nicht!
Wenn du willst, reisen wir hin – wir suchen sie – wir finden sie
gewiß!«
Aber er schüttelte den Kopf in heftiger Verneinung und stöhnte: »Das ist
ja nun zu spät – viel zu spät! Was soll ich jetzt noch da? Dafür und
hierfür« – er machte eine ablehnende Handbewegung – »für alles
untauglich! Mutter, Mutter!« Käte mit beiden Armen umschlingend, fiel er
schwer vor ihr nieder und preßte das Gesicht in ihr Kleid.
Sie fühlte sein Schluchzen am Zucken seines Körpers, am Krampfen seiner
heißen Hände, die ihre Taille umklammerten.
»Wenn ich nur wüßte – meine Mutter – Mutter – ach, Mutter, was soll
ich tun?!«
Jetzt weinte er laut heraus, und sie weinte mit ihm in mitleidsvoller
Teilnahme. Wenn doch nur Paul hier wäre! Sie selber fand kein tröstendes
Wort, sie fühlte sich selber so getroffen, sie glaubte an keine Tröstung
mehr. Vor ihr stand eingegraben in großen Lettern, wie Inschriften
stehen über Kirchhofstüren, die =eine= peinvolle, qualvolle Frage: ›Wie
soll das enden?!‹
* * * * *
Käte überlegte sich: sollte sie an ihren Mann schreiben: ›Komm!‹ –?
Wolfgang war entschieden wieder nicht wohl. Er klagte nicht, er sagte
nur, er könne nachts nicht schlafen, und das mache ihn so müde. Nun
wußte sie nicht, war es seelisches Leiden, das ihm den Schlaf nahm, oder
körperliches. Sie war in einer großen inneren Unruhe, aber sie verschob
das Schreiben an ihren Mann doch noch. Warum sollte sie ihn herjagen,
ihn die weite Reise machen lassen? Hier war doch nichts zu helfen! Daß
sie ihn für sich, für sich selber herwünschte, das war ihr noch nicht
klar. Sie unterließ sogar ein paar Tage das Schreiben an ihn ganz.
Wolfgang lag viel auf dem Ruhebett in seinem Zimmer, bei geschlossenen
Läden; er las nicht einmal. Sie kam oft zu ihm herein, um ihm
Gesellschaft zu leisten – er durfte sich nicht vereinsamt fühlen! –
aber es schien ihr fast so, als bliebe er ebensogern allein.
Wenn sie nun über ihr Buch hinweg im Halbdunkel des Zimmers verstohlen
nach ihm schaute, konnte sie doch wiederum gar nicht denken, daß er so
krank sei. Es war wohl mehr die Unlust an sich selber, eine Schlaffheit
des Wollens, die ihn auch körperlich so apathisch machte. Wenn sie ihn
nur aufrütteln könnte! Sie schlug ihm alles mögliche vor: Wagenfahrten
die Küste entlang, zu all den herrlich gelegenen Nachbarorten; Touren
hinauf ins Gebirge – es war ja unbegreiflich schön, den höchsten
Gipfeln der Apenninen so nah, hinabzublicken in die gesegneten Weintäler
der _cinque terre_ – Fahrten auf dem Golf, bei denen unterm
regelmäßigen Ruderschlag geübter Schiffer das Schiffchen so sanft trägt,
daß man kaum die Entfernung vom Lande merkt und doch bald weit draußen
auf hoher See schwimmt, auf diesem himmlisch-blauen klaren Meer, dessen
Hauch die Seele befreit. Wollte er nicht fischen – es gab ja so
entzückende bunte Fischchen hier, die Signorinen und Trillien, die
dumm-gefräßig auf jeden Köder beißen –, wollte er nicht auf Fischadler
schießen? Sie quälte ihn förmlich.
Aber er wich ihr immer aus; er wollte nicht. »Ich bin heute wirklich zu
müde!«
Da ließ sie den italienischen Arzt holen. Aber Wolfgang war ungehalten:
was sollte ihm der Quacksalber? Er war so unliebenswürdig gegen den
alten Mann, daß Käte sich förmlich schämte. Nun ließ sie ihn gewähren.
Was sollte sie ihm denn Liebes tun, wenn er sich nicht Liebes tun lassen
wollte?! Sie verzweifelte an ihm. Es drückte sie unsagbar nieder, daß
auch die Reise hierher verfehlt schien – ja, sie war es, mit jedem Tage
sah sie das mehr ein. Der Reiz der Neuheit, der ihn während der ersten
Tage angeregt hatte, war verflogen; nun war’s wieder wie vordem. Noch
schlimmer.
Denn nun schien ihm die Luft nicht mehr zu bekommen. Wenn sie zusammen
spazierten, stand er oft still und schöpfte Atem, wie einer, dem das
Atmen sauer wird. Es wurde ihr oft ganz ängstlich dabei: »Laß uns
umkehren, dir ist wohl nicht gut?!« Aber diese Atembeschwerden gingen
doch immer wieder so rasch vorüber, daß sie sich ihrer übertriebenen
Fürsorge wegen, mit der sie sich viele Jahre vergällt hatte, schalt.
Aber in einer Nacht bekam er einen neuen Anfall, schlimmer als die
andern Anfälle, die er schon zu Hause gehabt hatte.
Es mochte gegen Mitternacht sein, als Käte, die sanft schlief,
eingewiegt vom steten Rauschen des Meeres, durch ein Pochen an der Tür,
die ihre beiden Zimmer verband, aufgeschreckt wurde. Und durch ein
Rufen: »Mutter, ach Mutter!« Jammerte da nicht ein Kind?! Schlaftrunken
richtete sie sich auf – da erkannte sie seine Stimme.
»Wolfgang, ja, was ist dir?« Erschrocken warf sie ihren Morgenrock über,
schlüpfte in die Samtschuhe, öffnete – da stand er vor ihrer Tür, im
Hemde, auf bloßen Füßen, zitterte und stammelte: »Mir ist – so
schlecht!« Sah sie mit angstvollen Augen flehend an und fiel, ehe sie
noch zufassen konnte, ihn zu halten, schon um.
In ihrer Angst riß Käte fast die Klingel ab. Portier und Zimmermädchen
kamen. »An meinen Mann, an meinen Mann depeschieren: ›Komm!‹ Rasch,
sofort!«
Als der erschrockene Wirt auch erschien, legten sie den Kranken wieder
auf sein zerwühltes Bett; der Portier stürmte zu Telegraphenamt und
Arzt, das Zimmermädchen schluchzte. Der Hotelier eilte selber in seinen
Keller, um vom ältesten Kognak, vom besten Champagner zu holen. Der
junge Mensch tat ihnen allen so unbeschreiblich leid; er schien in einer
tiefen Ohnmacht zu liegen.
Käte weinte nicht, wie die gutmütige Person, das Zimmermädchen, dem in
einem fort die Tränen über die Backen liefen. Sie hatte zu vieles zu
beachten, sie hatte ihre Pflicht zu tun bis zum Schluß. Zum Schluß –
jetzt wußte sie’s. Es bedurfte nicht des Kopfschüttelns des Arztes,
nicht seines geheimnisvollen Flüsterns mit dem Hotelier. Medikamente
wurden aus der Apotheke gebracht; man bettete den Kopf des Erkrankten
tiefer, die Füße höher, man machte Kampfereinspritzungen – das Herz
ließ sich nicht mehr anpeitschen.
Käte verließ ihn nicht; sie stand dicht an seinem Bett. Glorreich hob
sich eben draußen das goldene, unbesiegliche, ewige Licht aus den
Wellen, da lallte er noch einmal etwas. Sie beugte sich dicht über ihn,
so dicht, wie sie es einstmals über den schlafenden Knaben getan, da es
sie gedrängt hatte, ihm Odem von ihrem Odem einzuhauchen, ihn für sich
umzubilden, Leben aus ihrem Leben. Nun hatte sie diesen Wunsch nicht
mehr. Nun gab sie ihn frei. Und wenn sie sich jetzt so nah zu ihm
neigte, so hingebend an seinen Lippen hing, so war es nur, um seinen
letzten Wunsch zu vernehmen.
»Mut–ter?!« Es klang so fragend. Weiter sagte er nichts mehr. Er
öffnete nur noch einmal die Augen, sah suchend um sich, seufzte und
verschied.
* * * * *
Von außen lachte die Sonne herein. Und die Frau, die jetzt am Fenster
stand und mit trockenen Augen hinaus in den Glanz sah, in den
erquickenden, herrlichen Morgen, der leuchtender war als einer je zuvor,
fühlte sich bezwungen von der Kraft der Natur. Die war so groß, so
erhaben, so unwiderstehlich – vor der Natur mußte sie sich bewundernd
beugen, so umflort auch ihr Blick war. Lange, lange stand Käte sinnend:
draußen war das Leben, hier innen war der Tod. Der Tod aber ist der Übel
größtes nicht! Mit einem zitternden Aufseufzen wandte sie sich und trat
zurück ans Bett: »Gott sei Dank!«
Nun sank sie vor dem Toten in die Kniee, faltete seine kalten Hände und
küßte sie.
Sie hörte es nicht, daß leise angepocht wurde.
»Madame!« Das Zimmermädchen steckte den Kopf herein. Und hinter dem
Zimmermädchen reckte sich ein Männerkopf.
»Madame!«
Käte hörte nicht.
»Hier ist jemand – der Herr – der Herr ist angekommen!«
»Mein Mann?!«
Schlieben hatte das Mädchen beiseite geschoben und war eingetreten,
blaß, hastig, in höchster Erregung: seine Frau, seine arme Frau! Was
hatte sie allein durchmachen müssen! Der Junge tot! Man hatte ihn unten
damit empfangen, als er ahnungslos ankam, sie beim Morgenkaffee zu
überraschen.
»Paul!« Es war ein Aufschrei seligster Überraschung, wahrer Erlösung.
Von dem kalten Toten weg flüchtete sie in seine warmen Arme. »Paul, Paul
– Wolfgang ist tot!« Nun fand sie Tränen. Nicht endenwollende,
strömende und doch so wohltuende Tränen.
All die Bitterkeit schwamm mit ihnen weg, die sie gegen den Sohn in sich
getragen hatte, als er noch lebend war. »Armer Junge – unser armer,
lieber Junge!« Diese Tränen wuschen ihn rein, so rein, daß er wieder das
kleine, unschuldige Jungchen wurde, das im blühenden Heidekraut gelegen
und mit blanken Augen in die helle Sonne gelacht hatte. O, hätte sie ihn
dagelassen! Diesen Vorwurf, den sie sich selber machen mußte, den wurde
sie ja nie wieder los!
»Paul, Paul,« schluchzte sie auf. »Gott sei Dank, daß du da bist! Hast
du’s geahnt? Ja, du hast es geahnt! Du weißt, wie schrecklich, wie
furchtbar mir zumute ist!« Die gealterte Frau umschlang den gealterten
Mann mit noch fast jugendlicher Inbrunst: »Wenn ich dich nicht hätte –
ach, das Kind, das arme Kind!«
»Weine nicht so sehr!« Er wollte sie trösten, aber auch ihm liefen die
Tränen über das gefurchte Gesicht. Da war er nun hergereist in
fliegender Hast, von einer jähen Unruhe getrieben – ihre Briefe waren
ja ausgeblieben! – er war gekommen, freudig, um sie zu überraschen, und
nun fand er’s so hier?! Er rang nach Fassung.
»Hätt ich ihn dort gelassen – ach, hätt ich ihn dort gelassen!«
Schlieben fühlte seiner Käte die Qual, den Selbstvorwurf nach, aber er
wies auf den Toten, dessen Gesicht über dem weißen Hemd seltsam
verfeinert, fast edelschön, jung und glatt war und ganz friedvoll, und
zog sie mit der andern Hand fester an sich. »Weine nicht! Du hast ihn
doch eigentlich erst zum Menschen gemacht – das vergiß nicht!«
»Meinst du –?! Ach, Paul« – in tiefem Schmerz neigte sie das betränte
Gesicht – »ich habe ihn dadurch nicht glücklicher gemacht!«
Sie mußte weinen, unaufhaltsam weinen in tiefer Erkenntnis menschlichen
Irrens. Zitternd faßte sie ihres Mannes Hände und zog ihn mit sich
nieder am Totenbett.
Beider Hände falteten sich vereint über dem verlorenen Sohn. Wie aus
einem Munde, in tiefer Reue flüsterten sie:
»Vergib uns unsre Schuld!«
Verlag von =Egon Fleischel & Co. / Berlin W 9=
Romane und Novellen
von
C. Viebig
Einzelausgaben
Kinder der Eifel / Novellen
11. Auflage. Preis geh. M. 3.50; geb. M. 5.–
In diesem Werke der bisher unbekannten Schriftstellerin offenbart sich
ein siegreiches Talent, an dem nicht nur die Reife der Lebensanschauung,
sondern auch die geschlossene Lebendigkeit der Darstellungskunst
überrascht. Das Eifelgebirge und die aparte Natur seiner Bewohner sind
mit erstaunlicher Kraft gezeichnet, und das Buch gewinnt dadurch jenen
herben Erdgeruch, welcher den meisten Werken moderner Autoren fehlt.
(=Internationale Literaturberichte.=)
Rheinlandstöchter / Roman
11. Auflage. Preis geh. M. 6.–; geb. M. 7.50
Realismus in der Wahrhaftigkeit der Darstellung, Idealismus in der
Gesinnung und Denkweise.
(=St. Petersburger Zeitung.=)
Dilettanten des Lebens / Roman
5. Auflage. Preis geh. M. 3.50; geb. M. 5.–
Mit ergreifender Wahrheit malt uns Clara Viebig den Verlauf eines
tragischen Geschickes, und sie entfaltet eine bedeutende Kraft und
lebensvolle Anschaulichkeit.
(=Norddeutsche Allgemeine Zeitung.=)
Vor Tau und Tag / Novellen
5. Auflage. Preis geh. M. 3.–; geb. M. 4.50
Eine überreiche Skala von Stimmungstönen steht der Verfasserin zur
Verfügung, und sie macht ausgiebigsten Gebrauch davon.
(=Neue Preußische (Kreuz-)Zeitung.=)
Es lebe die Kunst / Roman
5. Auflage. Preis geh. M. 6.–; geb. M. 7.50
Was dem Roman einen starken Wert verleiht, ist zuerst sein typischer
Gehalt: Er hat den Wert eines Kulturdokuments.
(=Die Nation.=)
Das Weiberdorf / Roman aus der Eifel
26. Auflage. Preis geh. M. 3.50; geb. M. 5.–
Ein Werk, wie es in der Frauenliteratur in gleicher Wucht noch nicht
geschrieben worden ist.
(=Tägliche Rundschau.=)
Das tägliche Brot / Roman (Volksausgabe)
20. Auflage. Preis geh. M. 3.–; geb. M. 4.–
Das tägliche Brot ist eine der bedeutendsten sozialen Dichtungen unserer
Zeit.
(=Breslauer Zeitung.=)
Die Rosenkranzjungfer / Novellen
8. Auflage. Preis geh. M. 3.–; geb. M. 4.50
Herzbewegend, voll mahnender Anregung sind diese Erzählungen alle, kurz
angeschlagene Töne, die lange noch nachklingen in wehmütiger Trauer.
(=Berliner Börsen-Courier.=)
Die Wacht am Rhein / Roman
24. Auflage. Preis geh. M. 6.–; geb. M. 7.50
Es ist ein Buch für das deutsche Volk im höchsten und besten Sinne, ein
Buch, das in keinem deutschen Hause fehlen sollte, ein deutscher Roman,
wie wir ihn brauchen.
(=Der Tag.=)
Vom Müller-Hannes / Eine Geschichte aus der Eifel
12. Auflage. Preis geh. M. 3.50; geb. M. 5.–
Möchten recht viele den herben Eifelwind einatmen, der durch die
Geschichte vom Müller-Hannes weht; er ist erfrischend und gesund.
(=Rheinisch-Westfälische Zeitung.=)
Das schlafende Heer / Roman
26. Auflage. Preis geh. M. 6.–; geb. M. 7.50
Es findet sich unter den deutschen Romandichtern der Gegenwart wohl kaum
einer, der mit dieser ungewöhnlichen Kraft der Darstellung noch so viel
Anmut und Schönheit verbände.
(=Neue Hamburger Zeitung.=)
Naturgewalten / Neue Geschichten aus der Eifel
12. Auflage. Preis geh. M. 3.50; geb. M. 5.–
Ein herrliches Buch, die »Naturgewalten«! Ein Buch voll wuchtiger Kraft,
ein Buch – voll Schönheit.
(=Österreichische Rundschau.=)
Einer Mutter Sohn / Roman
20. Auflage. Preis geh. M. 5.–; geb. M. 6.–
Einer Mutter Sohn ist eine bange Schmerzensklage, ein zitternder
Angstruf aus krankem Herzen, die ergreifende Bitte einer irre gegangenen
Seele.
(=Frankfurter Zeitung.=)
_Absolvo te!_ / Roman
18. Auflage. Preis geh. M. 5.–; geb. M. 6.–
Das ist ein Roman wie ein Sturm. Ein Föhn der Leidenschaft setzt gleich
im Anfang ein und braust mit nie ermüdendem heißem Atem bis zum Schluß.
(=Berner Bund.=)
Das Kreuz im Venn / Roman
17. Auflage. Preis geh. M. 6.–; geb. M. 7.50
Das Venn ist der eigentliche Held des Romanes, und aus dem Blühen der
Heide, und der dörrenden Glut der Julisonne, aus dem Brausen des
Schneesturms klingt eine Stimme, eindringlicher als Menschenwort,
erlauscht von einer feinhörigen, überzeugten Kunst.
(=Berliner Tageblatt.=)
Die heilige Einfalt / Novellen
12. Auflage. Preis geh. M. 3.–; geb. M. 4.–
Diese lautere Glut in einer Zeit, schlapp und bekenntnisfeig wie unsere,
sie erzwingt sich Achtung und Bewunderung.
(=Die Zeit, Wien.=)
Die vor den Toren / Roman
16.-21. Tausend. Preis geh. M. 6.–; geb. M. 7.50
Ein groß angelegtes und glänzend durchgeführtes Kulturgemälde, das von
einer Fülle scharf individualisierter, lebensechter Typen belebt wird.
Es ist nicht bloß ein herbes, sondern auch ein starkes Buch, das jeden
Freund einer ernsthaften epischen Kunst zu hoher Bewunderung zwingt.
(=Neues Tagblatt, Stuttgart.=)
Buchdruckerei Roitzsch, Albert Schulze, Roitzsch.
Liste korrigierter Druckfehler
Seite 11, »wennn« durch »wenn« ersetzt (Ja, wenn Käte ein Kind hätte,
dann wäre alles gut, ...);
Seite 32, »ererziehen« durch »erziehen« ersetzt (Ich werde es mir
erziehen.);
Seite 38, Punkt ergänzt hinter »sollte« (wie sie sich und ihre fünf satt
machen sollte.);
Seite 43, Punkt ergänzt hinter »dagegen« (Sie preßte die Hände
dagegen.);
Seite 44, »Aste« durch »Äste« ersetzt (... mit mächtigen Hieben ein paar
starke Äste zu zerkleinern.);
Seite 58, »auseinandergreissen« durch »auseinandergerissen« ersetzt (...
dessen Nebelwand jetzt für Augenblicke durch einen wütenden Windstoß
auseinandergerissen ward ...);
Seite 78, Anführungszeichen am Ende der wörtlichen Rede ergänzt (»Nein
– um keinen Preis – nein! Nie, nie!«);
Seite 90, Punkt ergänzt hinter »gesammelt« (Oder Kienäpfel in den großen
Sack gesammelt.);
Seite 95, »zufllig« durch »zufällig« ersetzt (Hätte nicht zufällig ein
Arbeiter den Ranzen entdeckt ...);
Seite 112, Einfaches Anführungszeichen hinter »schon« ergänzt (...
Spittelmarcht zehne, die weeß schon‹ – au weih, war mich schlecht!);
Seite 121, »weiß« durch »weißt« ersetzt (Du weißt es ja gar nicht!);
Seite 135, Punkt ergänzt hinter »leid« (... es tat ihm aufrichtig
leid.);
Seite 146, »heraußbeißen« durch »herausbeißen« ersetzt (...wie häßlich
von den Dienstboten, die andre heraußbeißen zu wollen!);
Seite 168, Punkt ergänzt hinter »riet er« (»Du müßtest mehr lachen,«
riet er.)
Seite 220, »Unwikürlich« durch »Unwillkürlich« ersetzt (Unwillkürlich
sah Wolfgang nach der Pendüle auf dem Kaminsims ...);
Seite 234, »einen« durch »einem« ersetzt (... und zwei Herren halfen
einem dritten heraus.);
Seite 242, »zusamenbeißend« durch »zusammenbeißend« ersetzt (Die Zähne
zusammenbeißend, den Ekel zurückdrängend, ...);
Seite 245, »Muter« durch »Mutter« ersetzt (So was kommt vor, das macht
jede Mutter durch!);
Seite 252, »eine Zug« durch »ein Zug« ersetzt (... ein Zug von Trotz und
Widersetzlichkeit machte sein Gesicht nicht angenehm.);
Seite 258, »er leuchteten« durch »es leuchteten« ersetzt (... es
leuchteten wie Glühwürmchen brennende Zigarren auf, ...);
Seite 266, »Mittenacht« durch »Mitternacht« ersetzt (Es war schon weit
nach Mitternacht, ...);
Seite 321, »in Zimmer« durch »im Zimmer« ersetzt (... sah er sich
nachdenklich im Zimmer um.);
Seite 326, »nierderzuknieen« durch »niederzuknieen« ersetzt (Eine
ungeheure Sehnsucht erfaßte Wolfgang, auch hier niederzuknieen.).
Seite 334, »inere« durch »innere« ersetzt (... und daß die innere
Erregung, ...).