H.

Diesem Unwesen zu steuern, schlage ich vor, den Druck der Berliner

Monatsschrift (nach Text und Noten) zum Muster zu nehmen; denn man mag,

welches Stück man will, in die Hand nehmen, so wird man die durch obige

Leserei angegriffenen Augen durch Ansicht des letzteren merklich

gestärkt fühlen(16).

(16) Unter den krankhaften Zufällen der Augen (nicht eigentlichen

Augenkrankheiten) habe ich die Erfahrung von einem, der mir zuerst in

meinen vierziger Jahren einmal, späterhin, mit Zwischenräumen von

einigen Jahren, dann und wann, jetzt aber in einem Jahre etlichemal

begegnet ist, gemacht; wo das Phänomen darin besteht: daß auf dem

Blatt, welches ich lese, auf einmal alle Buchstaben verwirrt und durch

eine gewisse über dasselbe verbreitete Helligkeit vermischt und ganz

unleserlich werden: ein Zustand, der nicht über 6 Minuten dauert, der

einem Prediger, welcher seine Predigt vom Blatte zu lesen gewohnt ist,

sehr gefährlich sein dürfte, von mir aber in meinem Auditorium der

Logik oder Metaphysik, wo nach gehöriger Vorbereitung im freien

Vortrage (aus dem Kopfe) geredet werden kann, nichts als die Besorgnis

entsprang, es möchte dieser Zufall der Vorbote vom Erblinden sein;

worüber ich gleichwohl jetzt beruhigt bin: da ich bei diesem jetzt

öfterer als sonst sich ereignenden Zufalle an meinem einen gesunden

Auge (denn das linke hat das Sehen seit etwa 5 Jahren verloren) nicht

den mindesten Abgang an Klarheit verspüre. -- Zufälligerweise kam ich

darauf, wenn sich jenes Phänomen ereignete, meine Augen zu schließen,

ja um noch besser das äußere Licht abzuhalten, meine Hand darüber zu

legen, und dann sahe ich eine hellweiße wie mit Phosphor im Finstern

auf einem Blatt verzeichnete Figur, ähnlich der, wie das letzte

Viertel im Kalender vorgestellt wird, doch mit einem auf der konvexen

Seite ausgezackten Rande, welche allmählich an Helligkeit verlor und

in obbenannter Zeit verschwand. -- Ich möchte wohl wissen: ob diese

Beobachtung auch von andern gemacht und wie diese Erscheinung, die

wohl eigentlich nicht in den Augen, -- als bei deren Bewegung dies

Bild nicht zugleich mit bewegt, sondern immer an derselben Stelle

gesehn wird -- sondern im _Sensorium commune_ ihren Sitz haben dürfte,

zu erklären sei(17). Zugleich ist es seltsam, daß man ein Auge

(innerhalb einer Zeit, die ich etwa auf 3 Jahre schätze) einbüßen

kann, ohne es zu vermissen.

(17) Dieser Fehler des Sehens kommt allerdings mehr vor, und gehört

unter die allgemeine Rubrik: _Visus confusus s. perversus_, weil er

noch eben keinen Mangel der Sehkraft, sondern nur eine Abalienation

derselben beweist. Ich selbst habe es zuweilen periodisch gehabt, und

der vom Hrn. Hofr. Herz im Journal d. pr. Heilk. beschriebne falsche

Schwindel hat viel Ähnliches. Mehrenteils ist eine vorübergehende

Reizung die Ursache, z. B. Blutreiz, Gichtreiz, gastrische Reize, oder

auch Schwäche.

Von der Macht des Gemüts, durch den bloßen Vorsatz seiner krankhaften Gefühle Meister zu sein · 第 10 / 19 题