Ich für meinen Teil bin zwar eingenommen für das Land (der Vereinigten
Staaten), aber nicht, weil ich die dortigen Verhältnisse so sympathisch
finde, sondern weil mir die hiesigen schändlich versumpft und beengt
vorkommen. Dort hat man der absoluten Gewalt der Natur, der eisernen
Notwendigkeit in die Augen zu sehen und mit ihr zu kämpfen, hier
sind es Schrullen und Vorurteile, feudale und chinesische Zöpfe und
anerzogene Nichtswürdigkeiten, die den Geist versklaven. Doch daraus,
daß so viele verfehlte Existenzen dort herumlaufen, sollst Du Dir kein
Vorurteil wider das Land und seine Verhältnisse bilden. Was meinst Du
wohl, wie viele unbefriedigte Leute es denn hier gibt? Den prekären
Zuständen, wie sie dort herrschen und wie sie die Großindustrie
mitbringt, gehen wir hier eiligen Schrittes entgegen. Amerika ist uns
darin wohl sehr voraus. Dafür hat es aber auch durch den Reichtum
seiner Natur und primitiven Kultur viel mehr Zwischenräume für den
Mittelstand, dem wir angehören und in dem wir uns möglichst lange
erhalten wollen. Mit der Zeit muß derselbe allerdings ~nolens volens~
hier wie dort ins Proletariat hinabsteigen. Aber unterdessen haben auch
die untersten Volksklassen so viel gewonnen, daß die Sache weniger
betrübt ist. Wir gehören deshalb praktisch zur Mittelklasse und
theoretisch zum Proletariat. Soll ich mich hier tatenlos hinuntersinken
lassen, wenn ich vorsehe, daß drüben die Kampfverhältnisse günstiger
sind?
Ich möchte Dir gern meine Überzeugung übertragen, damit Du wo mit
dem Leibe auch mit der Seele stehest. Das Staatsproletariat ist
eine erbärmliche Sklaverei. Zwar ist das sicherste hier wohl der
Staatsdienst, aber ich fürchte, Du siehst ihn mit zu idealen Augen.
Wenn Du als Gymnasiallehrer hier Deinem Herrn und Meister so viel
Opposition gezeigt hättest wie bei K. & E., dann wärst Du am Ende
Deines Lateins, aber gründlicher am Ende wie dort, wenn Du auch
vollkommen mit den New-Yorker Herren zerfällst. Zudem ist es viel
leichter, einen herrischen Privatmann mit einem schmeichelhaften Worte
zu befriedigen, als ein herrisches System, das nur mit Deiner völligen
Unterwerfung auf Lebensdauer zufrieden ist. Lieber Eugen, besieh Dir
Dein Verhältnis genau, und dann wirst Du -- nach meiner Ansicht der
Sache von hier aus -- jubeln, daß Du so weit vorgerückt bist ...