16. Januar 1882.

Ich wünschte besonders, daß der Eindruck, den »~Homo sum~« auf Dich

gemacht, etwas haften bliebe, das heißt die Erkenntnis, daß eine

gewisse Abstinenz zur Erreichung einer befriedigenden Seelenstimmung

unumgänglich ist. Du sollst die Welt und das Vergnügen nicht meiden,

aber auch die Einsamkeit nicht. Der Wechsel zwischen beiden gewährt den

+höchsten+ Genuß.

Der Kunstsinn liegt bei Euch drüben in Amerika noch im argen; hat sich

in den letzten Jahrzehnten jedoch sehr gehoben und wird voraussichtlich

in den nächsten Jahrzehnten riesig steigen, weil nirgends der Reichtum

so zunimmt wie dort. Und Reichtum muß und wird immer danach streben,

seinen Genuß durch die Kunst zu erhöhen. Deshalb glaube ich, daß

eine kunsthandwerkmäßige Ausbildung für eine amerikanische Zukunft

zweckmäßig sein könnte ...

Josef Dietzgens philosophische Lehren · 第 48 / 78 题