In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts waren die Wege in

Note: Project Gutenberg also has an HTML version of this

file which includes the original illustration.

See 45488-h.htm or 45488-h.zip:

(https://www.gutenberg.org/cache/epub/45488/pg45488-images.html)

or

(https://www.gutenberg.org/files/45488/45488-h.zip)

Images of the original pages are available through

Judaica-Sammlung der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main.

See

http://sammlungen.ub.uni-frankfurt.de/freimann/content/titleinfo/932435

Notizen des Bearbeiters:

Gesperrter Text markiert durch _= ... =_

[Illustration: Pauline Wengeroff.]

MEMOIREN EINER GROSSMUTTER

von

PAULINE WENGEROFF

Memoiren einer Grossmutter

Bilder aus der Kulturgeschichte der

Juden Russlands im 19. Jahrhundert

BAND I

Mit einem Geleitwort von Dr. Gustav Karpeles

[Illustration]

BERLIN

Verlag von M. Poppelauer

1908

Alle Rechte, besonders das der Uebersetzung

in fremde Sprachen vorbehalten.

Geleitwort.

Die jüdische Literatur besitzt leider nur sehr wenige Memoirenwerke.

Aus dem jüdischen Leben in Russland kenne ich nur ein einzige, die

»Zapiski Jewreja« von Gregor Isaakowitsch Bogrow. Diesem Werke, das uns

einen tiefen und charakteristischen Einblick in das Leben und Treiben

der Juden in Russland zu Anfang des vorigen Jahrhunderts eröffnet hat,

schliessen sich die Memoiren der Pauline _=Wengeroff=_ ebenbürtig an.

Mit inniger Liebe und großer Pietät, mit seltener Treue und aufrichtiger

Wahrhaftigkeit, mit einem milden verklärenden Humor und mit feinem

psychologischem Takt erzählt sie uns wichtige Episoden aus einer grossen

Übergangszeit, aus der Zeit, in welcher die Aufklärung unter den Juden

in Russland die Nebel, die bis dahin über dem russischen Judentum

lagerten, zu durchbrechen begann, aus einer vielbewegten, interessanten,

merkwürdigen Periode, deren Geschichte noch nicht geschrieben ist,

sondern erst dann geschrieben werden kann, wenn wir noch eine ganze

Reihe _=solcher=_ Memoiren besitzen werden.

Die russischen Juden haben in den letzten Jahren im Vordergrund des

öffentlichen Interesses gestanden. Ihre Schicksale und Leiden haben die

Teilnahme der ganzen Kulturwelt gefunden. Natürlich hat man sich auch

viel mit ihren Charaktereigenschaften, mit ihrer Geschichte und mit

ihrer Literatur beschäftigt. Erst dadurch kam weiteren Kreisen die

Erkenntnis, welch ein reicher Schatz von Phantasie und Bildung, von

Poesie und Begabung in diesen Judenstädten und Judengassen des weiten

Zarenreiches aufgespeichert liegt und dort der grossen Schilderer und

Dichter harrt, die diesen Schatz zu heben verstehen.

Unwillkürlich wird man bei Betrachtung der Kulturarbeit, die uns die

Memoiren von Frau Pauline Wengeroff so anschaulich schildern, an ein

Wort von Nikolaj Gogol in seinem klassischen Roman »Tote Seelen«

erinnert. Die Kibitka des Helden jagt mir rasender Eile über die weite

unübersehbare Ebene dahin und verliert sich schliesslich in die graue

Ferne. »Und jagst nicht auch Du, mein Russland, vorwärts wie eine nicht

einzuholende Troika? Der Weg hinter dir dampft, die Brücken krachen,

alles lässt du hinter dir. Die Zuschauer bleiben überrascht stehen und

fragen: War es ein Blitz? Was bedeutet die schauererweckende Eile,

welche geheimnisvolle Kraft beseelt diese Pferde? Was für Pferde sind

das? Habt ihr Wirbelwind in euren Mähnen?.... Habt ihr von oben bekannte

Töne gehört und strengt ihr nun eure Eisenkörper an, ohne die Erde mit

euren Hufen zu berühren, durch die Lüfte zu fliegen, als wäret ihr von

einem Gotte begeistert? Russland, wohin jagst du? Antworte! Da kommt

keine Antwort. Man hört die Glöckchen der Pferde wundersam klingen; es

stöhnt in der Luft und wächst, wie zum Sturme an und Russland setzt

seine kühne Jagd fort.«

Feine Ohren werden vielleicht aus den Blättern dieser Memoiren einen

Teil der Antwort heraus hören, und aufmerksame Beobachter werden die

rapide Entwickelung der Juden Russlands von finsterem Aberglauben und

der Erstarrung zum hellen Lichte der Aufklärung und innerer Freiheit

verstehen lernen.

Dann ist aber auch der Zweck dieses liebenswürdigen Buches erfüllt, das

meine besten Wünsche auf seinem Wege in die Öffentlichkeit geleiten

mögen.

_=Gustav Karpeles=_.

Inhaltsverzeichnis.

Seite

1. Geleitwort von Dr. Karpeles. V

2. Vorbemerkung 1

3. Ein Jahr im Elternhaus

I. Teil 5

II. Teil 85

4. Der Beginn der Aufklärungsperiode

I. Lilienthal 118

II. Jeschiwa Bochurim 137

5. In der Neustadt

I. Es war ein schönes Bild 147

II. Ein Sabbath 161

III. Evas Hochzeit 171

6. Die Veränderung der Tracht 185

Vorbemerkung.

Ich war ein stilles Kind, auf das jedes freudige und traurige Ereignis

in meiner Umgebung tief einwirkte. Viele Vorgänge prägten sich meinem

Gedächtnis gleich einem Abdruck in Wachs ein, so daß ich mich ihrer noch

jetzt ganz deutlich erinnere. Die Begebenheiten stehen frisch und

lebendig vor mir, als wären sie von gestern. Mit jedem Jahr wuchs das

Bedürfnis, meine Erlebnisse und Beobachtungen niederzuschreiben und nun

gibt mir das reiche Material, das ich gesammelt habe, die schönsten und

trostreichsten Stunden meines im Alter so einsam gewordenen Lebens. Es

sind Feierstunden für mich, wenn ich die Aufzeichnungen zur Hand nehme

und oft mit einer stillen Träne oder einem verhaltenen Lächeln darin

blättere. Dann bin ich nicht mehr allein, sondern in guter und lieber

Gesellschaft. Vor meinem geistigen Auge ziehen sieben Dezennien voll

Sturm und Drang vorbei, wie in einem Kaleidoskop, und die Vergangenheit

wird lebendige Gegenwart: die heitere, sorglose Kindheit im Elternhause,

in späteren Jahren ernstere Bilder, Trübsal und Freude aus dem Leben der

Juden von damals und so manche Szene aus meinem eigenen Hause. Diese

Erinnerungen helfen mir über einsame, schwere Stunden, über die

Bitterkeit der Enttäuschungen des Lebens hinweg, die wohl keinem

Menschen erspart bleiben.

In solchen Stunden schleicht sich auch die Hoffnung in das alte Herz,

daß es vielleicht auch für andere keine vergebene Arbeit ist, wenn ich

vergilbte Blätter über die wichtigeren Ereignisse, die gewaltigen

Veränderungen im kulturellen Leben der jüdischen Gesellschaft in Litauen

der 40-50er Jahre des vorigen Jahrhunderts, von denen auch ich betroffen

wurde, sorgfältig gesammelt habe. Vielleicht interessiert es die Jugend

von heute, zu erfahren, wie es einmal war. Und wenn ich auch nur einem

meiner Leser etwas gegeben habe, bin ich reichlich belohnt.

Ich bin im Anfang der 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts in der

litauischen Stadt Bobruisk geboren. Von streng religiösen Eltern,

klugen, geistig vornehmen Menschen erzogen, könnte ich die Wandlung

verfolgen, die das jüdische Familienleben durch die europäische Bildung

erfahren hat, und mich überzeugen, wie leicht unsern Eltern die

Erziehung der Kinder wurde, und wie schwer diese Aufgabe uns, der

zweiten Generation, war. Wir machten uns mit der deutschen und

polnischen Literatur bekannt, studierten mit großem Eifer die Bibel und

Propheten, die uns mit Stolz auf unsere Religion und Tradition erfüllten

und mit unserem Volk innig verbanden. Ihre Poesie prägte sich dem

unberührten Kindergemüt tief ein und gab der Seele für die kommenden

Tage Keuschheit und Reinheit, Schwung und Begeisterung.

Aber wie schwer erging es uns nun in der großen Übergangszeit der 60er

und 70er Jahre des vorigen Jahrhunderts! Wir hatten uns wohl einen

gewissen Grad der europäischen Bildung angeeignet; aber wir fühlten

überall die klaffenden Lücken. Wir ahnten, daß noch höhere Stufen zu

ersteigen wären, und suchten mit Anspannung unserer Kräfte, das Fehlende

und an uns Versäumte bei unsern Kindern nachzuholen. Aber wir verloren

leider in dem übergroßen Eifer das letzte Ziel und vergaßen die

Weisheit des Maßhaltens. So tragen wir selbst Schuld an der Kluft, die

zwischen uns und unsren Kindern entstand, an ihrer Entfremdung vom

Elternhause, die folgen mußte.

Während uns der Gehorsam, den wir nach den Geboten unseren Eltern

schuldig sind, heilig und unverletzbar war, mußten wir jetzt unseren

Kindern gehorchen, uns vollständig _=ihrem=_ Willen unterordnen. Wie

einst unseren Eltern gegenüber, hieß jetzt die Parole unsern Kindern

gegenüber: schweigen, still sein, fein den Mund halten, und wenn es noch

so schwer, vielleicht noch schwerer wurde, als einst! Wenn wir andächtig

und voll Ehrfurcht zuhörten, da unsere Eltern von ihren Erlebnissen und

Erfahrungen erzählten, schweigen und lauschen wir jetzt voll Freude und

Stolz, wenn unsere Kinder von ihrem Leben und ihrem Ideale sprechen.

Diese Unterwürfigkeit, die Bewunderung, die wir für unsere Kinder haben,

macht sie zu Egoisten, zu unseren Tyrannen -- das ist die Kehrseite der

Medaille der europäischen Kultur bei uns Juden in Rußland, wo sonst kein

anderer Stamm so rasch und unwiderruflich mit der Annahme der

westeuropäischen Zivilisation alles aufgab und alle Erinnerungen an die

Vergangenheit, seine Religion verließ, und alle Tradition von sich

abschüttelte.

Unsere Kinder hatten es leichter als wir, eine hohe Bildungsstufe zu

erreichen, und wir sahen das mit Freude und Genugtuung, denn wir haben

ihnen oft mit schweren Opfern die Wege geebnet und Hindernisse

beseitigt. Sie fanden alles bereit: Erzieherinnen, Kindergarten,

Jugendbibliotheken, Kindertheater, Feste und angemessene Spiele, indes

uns der Hof des Elternhauses alles ersetzen mußte, wo wir uns wahllos

mit den armen Nachbarskindern herumtummelten und, die Röckchen über die

Köpfe gezogen, hüpften und sangen:

»Gott, Gott, gib Regen --

Der kleinen Kinder wegen!«

Welcher Unterschied!

Alle diese Wandlungen habe ich hier zu schildern versucht.

Ich bitte die Leser um Nachsicht. Ich bin keine Schriftstellerin und mag

auch nicht als solche erscheinen. Ich bitte nur, diese Aufzeichnungen

als das Werk einer alten Frau anzusehen, die einsam in der Dämmerung

ihres stillen Lebensabends schlicht erzählt, was sie in einer

ereignisvollen Zeit erlebt und erfahren.

Ich weiß, daß meine Familienchronik ohne Zweifel der Jugend in unseren

Tagen wie mit dichtem Schimmel oder mit einer dicken Staubschicht

bedeckt erscheinen wird. Und doch hoffe ich, daß die Kenntnis des

damaligen Lebens der Juden, das von dem der heutigen so himmelweit

verschieden ist, für so manchen von einigem Interesse sein wird, der

sich gern in vergangene Zeiten versenkt, um zu prüfen und zu

vergleichen.

So fand ich den Mut zu meiner Publikation!

Ich kann dieses Werkchen -- das geistige Kind einer Greisin, Bensekunim,

wie die Hebräer sagen, -- nicht in die Welt schicken, ohne meiner Freundin

Louise Flachs-Fockschaneanu für ihre gütige Förderung zu danken. --

Ein Jahr im Elternhause.

I. Teil.

Mein Vater pflegte Sommer und Winter um 4 Uhr morgens aufzustehen. Er

achtete streng darauf, daß er sich nicht vier Ellen von seinem Bette

entfernte, ohne sich die Hände zu waschen. Ehe er den ersten Bissen zum

Munde führte, verrichtete er in behaglicher Stimmung die

Früh-Morgengebete, und begab sich dann in sein Arbeitszimmer. Es hatte

an den Wänden viele Fächer, in denen zahlreiche Talmudfolianten aller

Arten und Zeiten aneinander gereiht standen, in guter Gemeinschaft mit

sonstigen talmudischen und hebräischen Werken der jüdischen Literatur.

Darunter gab es alte, seltene Drucke, auf die mein Vater stolz war.

Außer einem Schreibtisch stand in diesem Raum noch ein hoher, schmaler

Tisch, »Ständer« genannt, davor ein bequemer Lehnstuhl und eine Fußbank.

Mein Vater begab sich also in sein Zimmer, ließ sich gemächlich im Stuhl

nieder, schob die von dem Diener bereits angezündeten Kerzen näher und

schlug den großen Folianten auf, der noch von gestern abend wie wartend

dalag und begann in dem bekannten Singsang zu »lernen«. So gingen die

Stunden bis sieben Uhr morgens hin. Dann trank er seinen Tee und ging in

die Synagoge zum Morgengebet.

In meinem Elternhause wurde die Tageszeit nach den drei täglichen

Gottesdiensten eingeteilt und benannt: so sagte man »vor« oder »nach dem

Dawenen«, (Beten), für die vorgerücktere Zeit »vor« oder »nach Minche«

(Vorabendgebet); die Zeit der Abenddämmerung wurde mit »zwischen Minche

und Maariw« bezeichnet. In ähnlicher Weise wurden die Jahreszeiten nach

den Feiertagen benannt; so hieß es »vor« oder »nach Chanuka«, »vor« oder

»nach Purim« usw.

Mein Vater kam um zehn Uhr vom Bethause zurück. Erst dann begannen die

geschäftlichen Arbeiten. Es kamen und gingen viele Menschen, Juden und

Christen, die Geschäftsführer, die Kommis, Geschäftsfreunde usw., die er

bis zur Mittagszeit -- es wurde um ein Uhr gegessen -- abfertigte. Nach

Tisch ein kurzes Schläfchen, hierauf nahm er seinen Tee. Dann fanden

sich auch schon Freunde ein, mit denen er über den Talmud, literarische

Fragen und über Tagesereignisse sprach.

So schrieb mein Vater im Anfang der vierziger Jahre des vorigen

Jahrhunderts einen Beitrag zu den »Eyen Jankow«, den er »Kuntres« (Kunom

Beissim) benannte, und im Anfang der fünfziger Jahre hat er eine

umfangreiche Sammlung seiner Kommentare zu dem ganzen Talmud

herausgegeben unter dem Namen »Minchas Jehuda«. Beide Werke hat er

keinem Verleger zum Verkauf überlassen, und nur an seine Freunde,

Bekannte, seine Kinder und hauptsächlich an viele »Bote midraschim«,

(Lehrhäuser) in Rußland verteilt. Das jüdische Schrifttum und die

meisten seiner Verfasser von damals und noch viele Jahrhunderte zuvor,

auch der Talmud, haben den großen Fehler begangen, daß sie die Daten oft

außer acht ließen und sie nicht genau angaben. So hat beispielsweise

mein Vater in seinem letzten Werke seinen Stammbaum gegeben, der sehr

viel Rabbiner und Gaonim, angefangen von seinem Großvater bis zehn

Generationen weiter hinauf zählte, aber bei keinem das Jahr seines

Lebens und Todes verzeichnet. Was galt das Leben des Einzelnen, wenn nur

das Talmudstudium eine Pflanzstätte hatte!

So empfand mein Vater, der getreu wie seine Ahnen der Lehre und dem

Gottesdienst sich weihte ...

Das Minche gdole (Vorabendgebet) verrichtete er gewöhnlich zu Hause und

sehr früh. Zu Maariw ging er wieder in die Synagoge, von der er gegen

neun Uhr nach Hause kam zum Abendbrot. Er blieb gleich beim Tisch

sitzen, unterhielt sich mit uns über dies und jenes. Er interessierte

sich für alles, was im Hause vorging, was uns Kinder betraf, manchmal

für den Fortgang unseres Unterrichts. (Den jüdischen Lehrer, Melamed und

Schreiber, wie auch den Lehrer der polnischen und russischen Sprache

pflegte meine Mutter zu besorgen.) Meinem Vater wurden da alle Haus- und

Stadtereignisse mitgeteilt, während er seinerseits uns alles erzählte,

was er in der Synagoge gehört hatte und was dort erörtert worden war.

Dies war für uns die beste Unterhaltung und was er erzählte, die

interessanteste Zeitung. Man nannte diese mündlichen Ueberlieferungen

»pantoflowe gazeta«. Zeitungen, wie wir sie heute besitzen, gab es

damals nur wenige, und sie waren nicht für jedermann erreichbar.

Meines Vaters impulsive Natur nahm alle Ereignisse mit starker

Ergriffenheit auf, die sich auch seiner Umgebung mitteilte. Wir Kinder

lauschten bei Tisch gespannt seinen klugen Reden. Er erzählte uns von

berühmten Männern, von ihren Taten, von ihrer religiösen Lebensweise,

den jüdischen Gesetzen, und wir liebten und schätzten ihn und stellten

ihn höher als alle Menschen, die wir damals kannten. An zwei Namen, die

er uns genannt, erinnere ich mich noch. Der eine hieß Reb Selmele, der

andere Reb Heschele. Reb Selmele beschäftigte sich so eifrig mit dem

Talmudstudium, daß er oft zu essen, zu trinken und zu schlafen vergaß.

Er wurde schwach, mager und bleich, und seine besorgte Mutter flehte ihn

an, seine Mahlzeiten einzunehmen. Aber es half nichts. Da gebrauchte die

Mutter ihre Autorität: sie erschien eines Tages in seinem

Studierzimmerchen mit einem Stück Kuchen in der Hand und _=befahl=_ ihm,

zu essen; zugleich sagte sie ihm, daß er jeden Tag um diese Stunde von

ihr ein Stück Kuchen bekommen würde, das er essen müßte. Der junge Mann

fügte sich in den Willen der Mutter; ehe er aber zu essen begann,

rezitierte er den Talmudabschnitt: »Kabed ow weem«, die Gebote von der

Verehrung von Vater und Mutter.

Der zweite, Reb Heschele, war schon als Kind sehr klug und witzig,

Eigenschaften, die ihm auch bei all seiner großen Gelehrsamkeit bis in

die späteren Lebensjahre verblieben. Ihm war das Cheder ein Greuel

mitsamt dem Rebben und dem Behelfer, der ihn täglich gewaltsam

fortführte, obwohl er sich mit Händen und Füßen sträubte; denn er war

ein sehr lebhaftes Kind und liebte die Freiheit. Eines Tages fragte ihn

sein Vater ohne jede Strenge, warum er denn so ungern ins Cheder ginge.

»Ich fühle mich beleidigt«, erwiderte er, »daß der Behelfer mich so ohne

jede Achtung mitschleppt. Warum schickt man dir, wenn man dich haben

will, einen Boten, der dich _=höflich=_ bittet, der Einladung zu folgen?«

Und du antwortest manchmal: »Gut, ich komme!« oder manchmal auch: »Ich

danke, gleich wie gewesen (d. h. wenn du willst, gehst du, sonst eben

nicht).« Der Vater versprach ihm, ihn auch einladen zu lassen und

teilte das dem Behelfer mit. Als dieser nun anderen Tages den Kleinen

freundlich einlud, antwortete er: »Gleich wie gewesen!« -- Ein andermal

zog er beide Strümpfe auf denselben Fuß, um den Behelfer recht lange

nach dem zweiten suchen zu lassen.

Meine Eltern waren biedere, gottesfürchtige, tief religiöse,

menschenfreundliche Leute von vornehmem Charakter. So war überhaupt der

vorherrschende Typus unter den damaligen Juden, deren Lebensaufgabe vor

allem die Gottes- und die Nächstenliebe war. Der größere Teil des Tages

verging mit dem Talmudstudium. Den Geschäften widmete man nur bestimmte

Stunden, obgleich die Geschäfte meines Vaters oft hundert tausende Rubel

betrafen. Er gehörte, wie auch mein Großvater, der Klasse der Podraziki

(Unternehmer) an, die in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts in

Rußland eine große Rolle spielten, da sie große Geschäfte mit der

russischen Regierung machten, wie die Übernahme von Festungs-, Chaussee-

und Kanalbauten und die Lieferungen für die Armee. Mein Vater und mein

Großvater gehörten zu den angesehensten dieser Unternehmer, da sie sich

durch absolute Ehrlichkeit auszeichneten.[A]

Wir bewohnten in der Stadt Brest ein großes Haus mit vielen, reich

ausgestatteten Räumen; wir hatten Equipage und teure Pferde. Meine

Mutter und die älteren Schwestern besaßen auch viel Schmuck und

schöne, kostbare Kleider. Unser Haus lag abseits von der Stadt.

Man mußte erst eine lange Brücke, die die Flüsse Bug und Muchawiez

überspannte, passieren und kam dann an vielen kleinen Häusern vorbei.

Dann mußte man sich nach rechts wenden, eine Strecke von etwa 100 Faden

geradeaus gehen -- und man stand vor unserem Haus. Das Haus war gelb

angestrichen und hatte grüne Fensterladen. In der Fassade besaß es ein

großes, venetianisches Fenster, neben dem zu jeder Seite noch zwei

Fenster waren. Davor lag ein schmaler, von einem Holzstacket umgebener

Blumengarten. Das Haus trug ein hohes Schindeldach.

Das ganze Anwesen samt Gemüsegarten war von einer Reihe hoher

Silberpappeln eingeschlossen, was dem Hause das Aussehen eines

litauischen Herrensitzes gab.

Das jüdische Familienleben in der ersten Hälfte des vorigen Jahrhunderts

war in meinem Elternhaus, wie bei anderen, sehr friedlich, angenehm,

ernst und klug. Es prägte sich mir und meinen Zeitgenossen tief und

unvergeßlich ein. Es war kein Chaos von Sitten, Gebräuchen und Systemen,

wie jetzt in den jüdischen Häusern. Das jüdische Leben von damals hatte

einen ausgeglichenen Stil, trug einen ernsten, den einzig würdigen

jüdischen Stempel. Darum sind uns die Traditionen des elterlichen Hauses

so heilig und teuer bis auf den heutigen Tag geblieben! Wir aber mußten

viel Leid erdulden, bis wir notgedrungen uns in unserem eigenen Hause

einer ganz anderen Lebensweise unterwarfen, die unseren Kindern wohl

wenig erbauliche und noch weniger angenehme Erinnerungen aus ihrem

elterlichen Hause hinterlassen wird!

Liebe, Milde und doch Bestimmtheit waren die Erziehungsmittel der

Eltern. Und ein gut Wörtchen half über manche Schwierigkeit hinweg.

Eine Episode:

Eines Morgens fand mich mein Vater, der von der Stadt zurückkehrte,

allein und weinend auf der Straße. Ich glaube, eine Gespielin hatte

mir die Puppe fortgenommen. Er wurde böse, daß ich ohne Begleitung

umherlief und fragte ärgerlich, warum ich weinte. Ich war aber von

meinem großen Schmerz so erfüllt, daß ich keine Antwort zu geben

vermochte und noch heftiger zu schluchzen begann. Da wurde mein Vater

erst recht zornig und rief: »Warte nur, die Rute wird dich antworten

lehren!« Er ergriff meine Hand und zog mich rasch ins Haus. Der Vater

ließ sich eine Rute geben und machte Anstalten, mich zu prügeln. Ich

war ganz still geworden und sah verblüfft zum Vater hinauf -- ich

wurde nie mit der Rute bestraft -- und sagte überrascht: »Ich bin ja

Pessele!« Ich war der festen Überzeugung, daß mein Vater mich nicht

erkannt und sich geirrt hatte.

Und diesem selbstbewußten Verhalten hatte ich es zu verdanken, daß ich

von der Rute verschont blieb. Alle Umstehenden lachten und baten für

mich um Nachsicht.

Ich beschäftigte mich mit Vorliebe im Gemüsegarten beim Ausgraben der

Kartoffeln und anderer Gemüse; ich bat mir von den halberfrorenen

Weibern bald den Spaten, bald die Harke aus und hantierte damit flink,

bis die scharfe, kalte Herbstluft mich mahnte, geschwind ins Haus zu

laufen. Nachdem alles Gemüse aus unserem Garten eingekellert war, wurde

noch viel auf dem Markt eingekauft. Dann ging's an die sehr wichtige

Arbeit -- an das Einlegen von Sauerkohl, womit in jedem Herbst viele arme

Frauen volle acht Tage beschäftigt waren. Nach den jüdischen

Vorschriften ist es streng geboten, die Würmchen, die im Gemüse und in

den Früchten, besonders aber im Kohl nisten, sorgsam zu entfernen; und

so wurde von jedem Kohlkopf Blatt um Blatt abgenommen, gegen das Licht

gehalten und genau untersucht. Meine fromme Mutter war in der Erfüllung

der Vorschriften sehr peinlich und pflegte, wenn der Kohl besonders

geraten und von der besten Sorte war und wenig Würmer hatte, den Frauen

eine besondere Belohnung für jeden gefundenen Wurm zu geben, denn sie

war immer in Sorge, daß die Frauen bei der Arbeit nicht genügend

aufmerksam waren. Ich sah auch hier gern zu wie bei der Arbeit im

Gemüsegarten, weil die Frauen dabei allerlei Volkslieder sangen, die

mich tief ergriffen und mich schmerzlich weinen, aber auch häufig

herzlich lachen machten. Viele dieser Lieder sind mir bis jetzt im

Gedächtnis geblieben und sind mir teuer!

Es war ein geruhiges Leben!

Wir leben jetzt in dem Zeitalter von Dampf und Elektrizität viel

schneller, so will es mir scheinen. Das hastige Treiben der Maschinen

hat auch auf den menschlichen Geist eingewirkt. Wir erfassen manches

viel rascher und begreifen ohne Mühe so viele komplizierte Dinge, indes

man früher die einfachste Tatsache nicht begreifen konnte. Ich entsinne

mich eines Beispiels, das mir im Gedächtnis geblieben ist und das ich

hier anführen will. In den vierziger Jahren baute mein Großvater für die

Regierung die Chaussee von Brest nach Bobruisk. Auf der Strecke befanden

sich Berge, Täler und Sümpfe, so daß eine Wagenreise volle zwei Tage

dauerte, während man dieselbe Tour auf der Chaussee bequem in einem Tage

sollte zurücklegen können. Alles sprach natürlich von dem für jene Zeit

großen Unternehmen, aber es fanden sich selbst in den höheren

Gesellschaftskreisen Skeptiker, die ihre Zweifel äußerten und sagten:

»Solange sich die Menschen erinnern, waren zwei Tage nötig, um den Weg,

von Brest in Lithauen nach Bobruisk zurückzulegen, und da kommt Reb

Zimel Epstein und erzählt uns, er wird ihn auf eine Tagereise verkürzen.

Wer ist er? Gott? Wird er die übrige Strecke Wegs in seine Tasche

stecken?«

In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts waren die Wege in Litauen und

in manchen Teilen Rußlands überhaupt noch wüst. Endlose Steppen, Sümpfe,

teilweise noch Urwald dehnten sich meilenweit, bis die große Kaiserin

Catharina II. auf beiden Seiten mit Birkenbäumen bepflanzte Landstraßen

anlegen ließ. Die Seitenwege waren aber sowohl für die Fußgänger, die

man als Boten von Ort zu Ort sandte, sowie für die in Schlitten und

Wagen Reisenden noch sehr gefährlich, besonders im Winter durch den

tiefen Schnee. Zur Überwindung dieser Gefahren wurde die Pferdepost

eingeführt. Dazu gehörte die _=Troika=_, das _=Dreigespann=_, der

Postkutscher, Jamschezik genannt, ein halbwilder, schwerfälliger, immer

betrunkener Bauer, der bei seinem Pferde lebte und starb. Viel gebraucht

wurde auch die _=Kibitka=_, ein plumpes Wägelchen, dessen vier schwere

Räder zwei breite Holzstangen verbanden, auf denen ein aus Brettern

zusammengesetzter, halb überdeckter Korb ruhte, oder die _=Telega=_, ein

ebenso plumpes Wägelchen ohne Verdeck. Das Geschirr der Pferde bestand

aus grobem Leder, das mit Messingblech reich verziert war. Das mittlere

Pferd hatte über dem Kopfe ein Krummholz, in dessen Mitte eine mächtige

Glocke hing. Einen ebenso schwerfälligen, echt russischen Charakter wie

das Gefährt hatten die etwa 20-25 Werst von, einander entfernt liegenden

Poststationen. Eine große Stube mit weißgetünchten Wänden, ein

großmächtiger, mit schwarzem Wachstuch bezogener Divan, der lange,

hölzerne, auch mit Wachstuch benagelte Tisch, darauf der hohe, schmale,

schmutzige, mit grünem Schimmel überzogene Samowar und ein schwarzes,

verräuchertes Teebrett mit blinden, unsauberen Gläsern. Der hohe magere,

immer, selbst am Mittag, schlaftrunkene, ungewaschene und ungekämmte

Stationschef in seiner unsauberen Vizeuniform mit den blinden

Messingknöpfen vervollkommnete das typische Bild, das mir heute nach 65

Jahren noch lebhaft vor Augen steht. -- Von dieser Einrichtung konnten

indes nur die reicheren Leute Gebrauch frischen, namentlich die höheren

Militärs und Kouriere, die zu Pferde Botschaften von den Hauptstädten

nach einer Gouvernementsstadt übermittelten, wozu man sich jetzt des

Telephons und Telegraphen bedient.

Das gewöhnliche Publikum bediente sich eines einfachen, mit Leinwand

bespannten Wagens, der von zwei oder drei Pferden gezogen wurde. Das

bessere Publikum benutzte den. _=Tarantass=_, eine _=halb=_bedeckte

Kutsche, die auf zwei dicken Holzstangen ruhte, oder den _=Fürgon=_,

eine ganz mit Leder überdeckte Kutsche mit einer Tür in der Mitte. Nicht

selten wurden diese Fuhrwerke samt den Passagieren auf freiem Felde vom

Schneesturm verschüttet. -- Erst zu Beginn des 18. Jahrhunderts wurde

durch den Bau der Chausseen diesen Übelständen abgeholfen. Nun hemmte

kein Berg, kein Sumpf, kein Wald das schnelle Vorwärtskommen, und auf

gradlinigem, ebenen Wege gingen die Fuhrwerke dahin. Die Sicherheit

wurde dadurch erhöht, daß außer den Poststationen in regelmäßigen

Abständen Wachhäuschen mit Wächtern eingerichtet wurden. Das nun schon

bequemere Reisen machte das Volk beweglicher. Handel und Verkehr

entwickelten sich erstaunlich rasch und schon am Anfang der vierziger

Jahre zeigte sich das Bedürfnis nach einem schnelleren Verkehrsmittel.

Da wurde dann die Einrichtung der sogenannten Diligence getroffen, ein

bequemer Wagen mit zwei Abteilungen, der zwölf bis fünfzehn Personen zu

einem mäßigen Preis täglich von Ort zu Ort führte. Er war mit drei

Pferden bespannt und wurde von dem Postillon gelenkt, der eine

eigenartige Uniform trug und auf seiner Trompete eine traditionelle

Weise blies. In Russisch-Polen nannte man dieses Verkehrsmittel nach dem

Unternehmer »Stenkelerke«, in Ostpreußen »Journalière«. Man war im

allgemeinen sehr mit dieser Einrichtung zufrieden und glaubte, nie etwas

Besseres finden zu können. Gleichwohl wusste man schon um die Mitte der

fünfziger Jahre auch in Rußland von der Erfindung der Eisenbahn, und

anfangs der 60er Jahre konnte man auch schon im Zarenreich weite

Strecken per Dampf zurücklegen. In den vierziger Jahren brauchte man mit

Postpferden sieben Tage, um eine Entfernung von 800 Werst zu überwinden,

wofür in den sechziger Jahren mit der Eisenbahn dreißig Stunden

ausreichten.

Nicht minder bedeutsam war die Entwicklung des Verkehrswesens

_=innerhalb der Städte=_: im Anfang ein elendes Korbwägelchen auf

hölzernen Rädern, von einem mit Stricken angeschirrten Pferde langsam

gezogen, für das »Volk«, und zwar nur für zwei Personen; für das bessere

Publikum die sogenannte Droschke oder »Lineika«, die heute noch

existiert: ein Lederkorb auf hängenden Ressorts, zwei Deichselstangen,

zwischen die ein Pferd mit einem Krummholz über dem Kopfe eingespannt

war. In der Lineika war für acht Personen Platz, auf einem langen Sitze

saßen auf jeder Seite vier Personen, Rücken an Rücken. Diese Gefährte

schüttelten und rüttelten auf dem holprigen Pflaster die Passagiere

lange Zeit, und wurden erst allmählich so weit verbessert, daß die

Droschke auf liegenden, niederen Ressorts angebracht und der Sitz mit

Federkissen versehen wurde, bis schließlich die Gummireifen um die Räder

dem Schütteln ein Ende machten und anstelle der Kissen bequeme, breite

Sofasitze traten.

Ende der siebziger Jahre wurde die Straßen-Pferdebahn eingeführt und die

ersten Velocipede tauchten auf, bis in den neunziger Jahren die

elektrische Tramway eine weitere Vervollkommnung brachte, die dann nur

wieder durch das Automobil übertrumpft wurde.

Der Wegebau -- der ja erst die Vervollkommnung der Verkehrsmittel

ermöglichte, wurde in Form von Submissionen vergeben. Jeden Spätherbst,

veranstaltete die russische Regierung in Brest die Torgy, d. h. die

Vergebung der Bauarbeiten und Lieferungen. Aus diesem Anlaß kam

gewöhnlich mein Großvater aus Warschau zu uns. Auch aus anderen: Städten

trafen viele »Padradziki« ein. Zu des Großvaters Empfang wurden große

Anstalten getroffen; mein Vater wurde, durch Estafette, reitende

Eilboten, die auf jeder Poststation das Pferd wechselten, von dem Tag

seines Eintreffens vorher genau benachrichtigt. Schon am Morgen des

betreffenden Tages waren alle im Hause und besonders wir Kinder voller

Ungeduld und Erwartung. Zur bestimmten Stunde begaben wir uns auf den

Paradebalkon oder auch auf den Korridor, um da zwischen den Säulen eine

geeignete Stelle zu finden, damit uns der Großvater zu allererst

bemerke. Aller Augen waren auf die nahe Brücke gerichtet. Die Erwartung

hatte den höchsten Grad der Spannung erreicht. Endlich rasselte es auf

der Brücke, und wir sahen die große, viersitzige Equipage des

Großvaters, von vier Postpferden gezogen. (Aber auch von unseren Blicken

mächtig angezogen.) Jeder von uns streckte sich kerzengrade und strich

sich das Haar von der Stirn und die Herzen pochten ...

Der Wagen hielt nun endlich vor dem Balkon. Ein hoher, hagerer, blonder

Diener, in einem Lakaienmantel, mit einigen aufeinander folgenden

Kragen, sprang vom Bock, öffnete den Wagenschlag und half dem Großvater

heraus. Er war ein ehrwürdiger, stattlicher Greis, dem Aussehen nach

noch ziemlich rüstig, mit langem, grauen Bart, hoher breiter Stirn,

großen ausdrucksvollen Augen von strengem Blick. Doch sein väterliches

Auge ruhte mit Stolz und Zärtlichkeit auf seinem Sohne. Es erfreute das

Herz des alten Mannes vollends, daß unser Vater trotz seiner vielfachen

Geschäfte noch immer Zeit genug fand, fleißig den Talmud zu studieren.

Wie oft pflegte der Greis zu sagen, er beneide meinen Vater um sein

großes, talmudisches Wissen und um die Muße, die er für das Studium

finde.

Meine Mutter wurde vom Großvater zuerst begrüßt, aber ohne Händedruck.

Meinen Vater, meinen älteren Bruder und meine Schwäger umarmte er; zu

meinen älteren Schwestern und zu uns Kindern wandte er sich mit den

Worten: »Was macht Ihr, Kinderchen?« Aber diese wenigen Worte waren

hinreichend, uns vor Freude hüpfen zu machen. Von dem ganzen Schwarm,

der sich auf dem Balkon befand, begleitet, begab sich dann der Großvater

ins Haus.

Wir kleinen Kinder durften nicht gleich in die festlich geschmückten

Räume eintreten. Wir nahmen daher unseren Rückweg durch die Tür links

und gelangten durch den Hauptkorridor in unser Zimmer. Meine älteren

Schwestern hatten schon das Recht, die ersten Stunden mit dem Großvater

und den Eltern zusammen zu bleiben und sich an der Besprechung der

Geschäftsangelegenheiten zu beteiligen. Wir Kleinen wurden erst am

darauffolgenden Morgen von der Mutter zum Großvater geführt, der uns

zärtlich Haar und Wange streichelte. Doch kam es selten zu einem Kuß. Er

ließ uns durch seinen Diener die guten Warschauer Bonbons und

Apfelsinen, die er uns mitgebracht hatte, geben. Unsere »Audienz« währte

jedoch nur wenige Minuten. Wir küßten die weiße, kräftige Hand, die er

uns reichte, wünschten dem von uns so geliebten und hochgeschätzten

Manne einen »guten Morgen«, verbeugten uns und entfernten uns, ohne ein

überflüssiges Wort an ihn zu richten.

So lange der Großvater bei uns weilte, war im Hause ein Hin- und

Herlaufen, ein Lärmen, ein Kommen und Gehen von Gästen und

Geschäftsfreunden, im Hofe ein Ein- und Ausfahren von Equipagen und

Droschken. Das Mittagbrot wurde später als sonst genommen. Man deckte im

gelben Salon den großen Tisch aus dem Eßzimmer; das ganze Silber-,

Kristall- und Porzellangeschirr wurde verwendet, und die Gänge und die

Länge der Tafel hatten eine ungewöhnliche Ausdehnung, da viele Gäste

geladen waren. Von meiner älteren Schwester bis zur jüngsten fand

niemand an dem langen Tische Platz. Es wurde für uns zu unserer größten

Freude im Eßzimmer ein besonderer Tisch hergerichtet, wo unsere Njanja

(Kinderwärterin) Marjascha bediente -- ein dralles, rotwangiges Mädchen

mit schwarzen, dicken Zöpfen und einem roten Tuch, das sie turbanartig

um den Kopf gewickelt hatte. Meine ältere Schwester Chasche Feige

brachte uns selbst schmackhafte Gerichte, Kuchen usw. von der großen

Tafel herüber. Wir waren von der strengen Disziplin, die drüben

herrschte, befreit und genossen, auf uns selbst angewiesen, die

vollkommenste Freiheit.

Am Abend fanden sich noch andere Gäste ein, darunter viele Christen,

hochgestellte Männer vom Militär, Ingenieure, Baukommissäre, mit denen

der Großvater Preference spielte. Ein reiches Dessert wurde aufgetragen,

wovon wir Kinder wieder unseren gerechten Anteil erhielten; und wenn wir

von der Mutter noch die Erlaubnis bekamen, damit auf den Ofen im

Eßzimmer zu klettern und dort Licht anzuzünden, verlangten wir vom

Schicksal nichts mehr. Denn auf dem Ofen war es so traulich, so

gemütlich, dort, wo selbst am Tage ein Halbdunkel herrschte, wo sich in

einem Winkel unsere Puppen mit ihren Bettchen, Kleidern und allerlei

Blechtöpfe, Schüsseln und dergleichen befanden. Marjascha leistete uns

immer Gesellschaft, und sie wußte so interessante Märchen zu erzählen.

Ach, das war der Ort, wo wir Kinder die Welt umher vergaßen, mochte es

unten in den prächtigen Räumen noch so munter zugehen: wir waren hier

wunschlos-glücklich. Meine Mutter gestattete aber nur ungern den Auszug

auf den Ofen; denn der Weg hinauf war unsicher: man mußte den einen Fuß

in eine eigens dazu gemachte Vertiefung setzen und sich mit dem zweiten

in der Luft rasch hinaufschwingen, wobei man oft das Gleichgewicht

verlor und kopfabwärts auf die Diele stürzte. Auch oben fehlte es nicht

an Gefahren; neugierig auf das Treiben im Eßzimmer, streckten wir die

Köpfe über den Ofenrand hinaus, der andere Teil des Körpers schwebte

fast in der Luft. Erst wenn eine auf die Diele stürzte, wurden wir uns

bewußt, in welcher Gefahr wir »schwebten«. Dennoch erwirkten wir oft die

Erlaubnis, uns für einen ganzen Abend auf dem ersehnten Plätzchen

niederzulassen. Der Ofen bildete dort oben ein geräumiges Viereck, in

dem man nicht stehend, sondern bloß sitzend oder liegend Platz hatte.

Denn die Decke war sehr niedrig.

In den Zimmern unten ging es ziemlich lebhaft zu. Nachdem man den Tee

und das Dessert eingenommen hatte, wurde noch viel von Geschäften

gesprochen.

Es war ein reges Treiben, und die Ruhe kehrte erst wieder bei uns ein,

wenn der Großvater alle Geschäfte geordnet hatte. Der Großvater hatte

die Ausführung der Festungsbauten in Brest übernommen, für die mein

Vater viele, viele Millionen mit seinen Initialen J. E. gestempelter

Ziegel liefern mußte. Wir bekamen zum Abschied schöne Gold- und

Silbermünzen. Der Großvater reiste ab. Im Hause wurde es wieder still

wie nach einer Hochzeit in den vierziger Jahren (nicht etwa wie nach

einer in den achtziger Jahren!).

Kurze Zeit darauf nahte ein neuer, lieber Gast -- das Makkabäerfest

(Chanuka) mit all seinen munteren und aufregenden Ereignissen. Schon am

Sonnabend vorher mußte die Chanukalampe geputzt bereit stehen. Beim

Putzen waren wir Kinder zugegen, beschauten jedes einzelne Teilchen und

ergötzten uns daran. Die Lampe war aus Silberdraht geflochten und hatte

die Form eines Sofas. Die Lehne trug einen Adler, über welchem ein

Vögelchen in natürlicher Größe mit einer Miniaturkrone auf dem Köpfchen

saß. An beiden Seiten des Sofas befanden sich kleine Röhren, in denen

Wachskerzchen staken, während auf dem Sitze acht Miniaturkrügchen

standen, die Öl enthielten -- zur Erinnerung an den kleinen Ölkrug, den

man einst, wie die Sage erzählt, im Tempel zu Jerusalem nach der

Vertreibung der Feinde durch die Makkabäer gefunden und der für volle

acht Tage zur Beleuchtung des Tempels hingereicht hatte. Zur Erinnerung

an dieses Wunder feiern die Juden alljährlich auch durch Anzünden von

Lichtern und Öllampen das Makkabäerfest, das in erster Reihe ein

Siegesfest ist. -- Der erste Chanuka-Abend wurde von uns Kindern mit

Herzklopfen erwartet. Der Vater verrichtete sein Abendgebet, während

unsere Mutter in das erste Krügchen Öl eingoß, den Docht in die Röhrchen

einzog, zwei Wachskerzen in die zu beiden Seiten befindlichen kleinen

Leuchter und einen in die Krone des Vögelchens steckte. Wir Kinder

standen um sie herum und verfolgten jede ihrer Bewegungen mit Andacht!

Der Vater vollzog die rituelle Handlung: das Anzünden des ersten Lichtes

an der Chanukalampe. Er sprach das vorgeschriebene Gebet, steckte dabei

ein dünnes Wachskerzchen an, womit er im ersten Ölkrügchen den Docht

anzündete. Jetzt begann der Feierabend, denn arbeiten durfte man nicht,

so lange das Öl im Krügchen brannte.

War das ein Jubel bei uns Kindern! Denn auch wir durften an diesem Abend

Karten spielen. Wir holten unsere paar Kupfermünzen hervor und hielten

uns für Millionäre. Wir setzten uns um den Tisch, und unsere kleinen

Cousinen gesellten sich auch zu uns. Indes bildeten unsere Eltern, die

erwachsenen Geschwister und einige Bekannte, die zu Besuch gekommen

waren, einen größeren Kreis. Am fünften Abend dieser Woche sandte meine

Mutter Einladungen an alle unsere Verwandten und Bekannten. An diesem

Abend erhielten wir Kinder auch von der Mutter das so sehnlich erwartete

Chanukageld, das gewöhnlich in neun glänzenden Kupfermünzen bestand. Man

blieb an diesem Abend später auf als gewöhnlich, spielte auch länger

Karten, und es wurde ein reiches Abendbrot geboten, bei dem die

sogenannten Latkes[B] das Hauptgericht bildete. Latkes sind eine Art

Flinsen aus _=Buch=_weizenmehl mit Gänsefett und Honig; sie werden aber

auch aus _=Weizen=_mehl mit Hefe, eingemachten Früchten und Zucker

zubereitet und sind sehr schmackhaft. Als Getränk gab es eine Art

Kaltschale, aus Bier, Öl und ein wenig Zucker bestehend. Dazu kam

Schwarzbrot, klein geschnitten, mit Zucker und Ingwer bestreuter

Zwieback. Gänsebraten wurde gereicht mit allen möglichen Beilagen,

gesalzenen und sauren, unter denen der Sauerkohl und die Gurken nicht

fehlen durften. Endlich ein reiches Dessert von Konfitüren und Früchten,

wobei Keller und Vorratskammer viel einbüßten. Die Gäste musterten,

beurteilten und lobten die Speisen.

Das Ergebnis des Kartenspielens konnte man auf unseren Gesichtern lesen;

mancher verlor sein ganzes Chanukageld und bemühte sich, die Tränen zu

verbergen. Es blieb nur ein Trost: die Hoffnung, daß solche Spielabende

sich wiederholen werden. Dann wandte sich das Glück und füllte wieder

die leere Börse.

An solchen Abenden stellte mein Vater sogar das »Lernen« im Talmud ein

und gesellte sich zu den Spielenden, obgleich er, wie meine Mutter,

keine Idee vom Kartenspiel hatte. Sehr beliebt war auch das

»Dreidlspiel«, auch goor genannt. Das Dreidl wurde eigens aus Blei

gegossen. Es hat eine würfelähnliche Form. Unten war eine Spitze, so daß

der »Apparat« wie ein Kreisel gedreht werden konnte. Auf jeder der

Seitenflächen war ein Buchstabe markiert. Fiel das Dreidl auf

[Hebräischer Buchstabe: GIMEL], so hatte der Spieler verloren. Bei

[Hebräischer Buchstabe: SCHIN] blieb der Einsatz stehen. Fiel es auf

[Hebräischer Buchstabe: HE], so konnte er die Hälfte des Einsatzes

nehmen. Wenn des Dreidl aber auf [Hebräischer Buchstabe: NUN] fiel, so

war »goor«; der Würfler konnte den ganzen Einsatz einstreichen.

Nach der Chanuka-Woche kam das Leben in unserem Hause wieder ins alte

Geleise. Es sei denn, daß Einquartierung die Ruhe wieder störte: Besuch

eines hochgestellten Militär- oder Zivilbeamten. Die Festung in Brest

besaß damals noch keinen Palast, und das Haus meiner Eltern war reich

und bequem eingerichtet. Der damalige Kommandant Piatkin, der mit meinem

Vater befreundet war, pflegte hohe Gäste in unserem Hause einzulogieren.

Mancher kann ich mich noch sehr gut erinnern, z. B. des Fürsten Bebutow

aus Grusinien im Kaukasus, der später in Warschau einen hohen Posten

bekleidete. Er wohnte sehr lange bei uns, war zu uns Kindern freundlich

und gegen alle sehr zuvorkommend. Oft brachte er uns, während wir im

Blumengarten vor den Fenstern spielten, Bonbons und Honigkuchen, und

unterhielt sich mit uns gemütlich in russischer Sprache. Er hatte einen

Diener, der Johann hieß. Er war lang und hager, hatte eine Habichtsnase

und mandelförmig geschnittene, schwarze, glühende Augen, kletterte wie

eine Katze bis zur äußersten Spitze der höchsten Pappel, machte

kunstvoll die Dschigetowka burduk, indem er sich von seinem im

raschesten Lauf hinstürmenden, feurigen Pferde bis zur Erde herabneigte,

um eine kleine Münze aufzuheben. Er war recht jähzornig; man durfte ihn

nicht reizen oder ihm in den Weg kommen, wenn er aufgeregt war, denn er

führte immer einen Dolch bei sich. So hat er einen Hund, der ihm einmal

vor den Füßen lief, mit dem Dolch entzwei gehauen. Ein anderes Mal hat

er einen Hahn im Fluge aufgefangen und ihm mit den Händen den Kopf vom

Rumpfe heruntergerissen. Wir Kinder fürchteten ihn sehr.

Der zweite Gast, dessen ich mich noch entsinnen kann, war der damalige

Gouverneur von Grodno, Doppelmeyer, der oft nach Brest kam und stets bei

uns wohnte. Er war ein sehr leutseliger, starker, blonder Herr, der bei

uns als guter Freund aufgenommen wurde. Er hielt es für seine Pflicht,

meinen Eltern, so oft er kam, eine Visite zu machen. Geschah dies an

einem Freitag Abend, so wurde er mit einem Stück Pfefferfisch regaliert,

den er mit großem Appetit verzehrte. Auch dem schönen geflochtenen

Schabbes-(Sabbat) Strietzel ließ er volle Gerechtigkeit widerfahren. Es

muß ein wohlgefälliges Bild gewesen sein, wenn alle meine Geschwister

mit ihren jungen, blühenden Gesichtern und meine Eltern um den Tisch

saßen. Denn der Gouverneur sagte viel Schmeichelhaftes darüber und

beglückwünschte meine Eltern. Er unterhielt sich mit meinem Vater über

mancherlei ernste Angelegenheiten und blieb plaudernd bis zum Ende der

Mahlzeit: Der Verkehr zwischen Juden und Christen war damals noch nicht

durch den Antisemitismus vergiftet ...

Unter den Gästen meines Vaterhauses war auch ein kleines, jüdisches

Männchen, das alljährlich im Hochsommer zu uns kam und einige Wochen bei

uns weilte. Er gehörte der Sekte »Dower min hachai« an, d, h. die nichts

vom Lebendigen Genießenden; die man jetzt Vegetarier nennt. Er hielt

diese Vorschriften aber so strenge inne, daß er nicht einmal von dem

Geschirr aß, das auch nur einmal zu Fleischspeisen benutzt worden war.

Meine fromme Mutter pflegte selbst für ihn die Speisen zuzubereiten,

eine Suppe aus sauren, roten Rüben oder Sauerampfer, Grützbrei ohne

jeden Fettzusatz, nur mit etwas Baumöl zubereitet; ferner Nüsse in

Honig, oder Rettig in Honig mit Ingwer gekocht, Tee und schwarzen

Kaffee. -- Er war ein stiller, höchst bescheidener Mann und wurde von

uns allen sehr verehrt, insbesondere auch von meinem Vater, der mit ihm

in seinem Kabinett über die Folianten gebeugt zu sitzen und zu

disputieren pflegte.

Das Leben im Winter hatte für mich einen besonderen Reiz. Gerade wenn es

tüchtig schneite, liebte ich es, draußen herum zu spazieren. In der

Dämmerstunde, wenn ich zu frieren anfing, schlich ich mich in den

»Flügel«, so hieß das Seitengebäude im Hofe, wo meine verheirateten

Schwestern mit ihren Männern und Kindern lebten. Mein Besuch dort galt

der Njanja (Kinderwärterin) des kleinen Sohnes meiner Schwester. Die

Njanja erzählte mir oft sehr interessante Märchen und sang sehr schöne

Liedchen. Ich fand sie gewöhnlich an der Wiege sitzend, die sie mit

einem Fuß in Bewegung hielt, während ihre gerunzelten, blau-gelben Hände

an einem dunkelgrauen, groben Wollstrumpf strickten. Ich kroch mit

Händen und Füßen auf das Bett, auf dem sie saß, und bat mit allerlei

Schmeichelworten, sie solle mir den Strumpf zum Stricken geben.

»Nein«, grinste sie, »du wirst wie gestern nur wieder die Maschen fallen

lassen. Geh weg von mir!«

»Chainke, Jubinke«, begann ich aufs Neue, »wenn Ihr mir nicht den

Strumpf gebt, so singt mir von den Liedelach, die Ihr singt, wenn Ihr

Berele einschläfert.«

Grämlich antwortete sie: »Mir ist nicht zum Singen.«

»Seid Ihr krank, Chainke?« fragte ich sie besorgt.

»Laß mich in Ruh«, schrie sie aufspringend. Aber ich ließ mich von

dieser ihr eigenen Laune nicht abschrecken und wiederholte meine Bitte,

die ich durch Küsse ihrer faltigen Wangen und Streicheln ihres

runzeligen Halses unterstützte.

»Mischelaches!« (Gottesplage) schrie sie auf, »um von dir poter zi

weren (um dich los zu werden), werd' ich dir schon singen.«

Ich setzte mich zurecht, als ob sie ohne meine Vorbereitung nicht singen

könnte und lauschte.

Und sie sang:

»Patschen, patschen Küchalach,

Kaufen, kaufen Schichalach,

Schichalach kaufen,

In Cheider (_Schule_) wet das Kind laufen,

Laufen wet es in den Cheider,

Lernen wet es gur Kiseider (_der Reihe nach_)

Wet es oblernen etliche Schures (_einige Zeilen_)

Wet man heren gute Bsures (_gute Nachrichten hören_)

Bsures toiwes (_gute_) zu zuheren

Abi dem Oilom (_Publikum_) a Eize zu geben (_Rat zu geben_),

Eine Eize zu geben mit viel Mailes (_gute Eigenschaften_)

Wet das Kind paskenen Scheiles (_Fragen über koscher

und treife und andere talmudische Fragen entscheiden_)

Scheiles wet es paskenen.

Drosches wet es darschenen (_talmudische Reden halten_)

Wet men ihm schicken die gildene Pischkele, (_wird man

ihm schicken eine goldene Dose_)

Un a Streimele (_Festtagspelzmütze_)«

»Ach, wie schön, wie schön«, rief ich, Beifall klatschend, »Aber Ihr

werdet mir noch, Chainke, ein zweites Liedele singen.«

»Was is dus heint far a Mischelaches (_Gottesplage_) auf mir gekummen!«

Sie sprang schreiend auf vom Sitz, so daß eine Stricknadel in die Wiege

fiel und die Maschen von ihr herabglitten. Nun zweifelte ich nicht, daß

ich heute nichts mehr zu hören bekommen würde. Ich blieb still sitzen,

bis sie brummend und grimmig den Strumpf in Ordnung gebracht hatte; sie

sah mich mit wütenden Blicken von der Seite her an, als verstände es

sich von selbst, daß ich Schuld an dem Unfall hatte. Ich regte mich

nicht. Und da sie in meinen Mienen das Bekenntnis meiner Schuld fand,

wurde sie wieder versöhnt. -- Freilich trug auch mein Versprechen, ihr

etwas von meinem Vesperbrot zu bringen, zur Besserung ihrer Laune bei.

Um mich los zu werden, sang sie mir noch ein zweites Lied:

Memoiren einer Grossmutter, Band I Bilder aus der Kulturgeschichte der Juden Russlands im 19. Jahrhundert · 第 1 / 14 段