21. Szene

vorige. die phantasie

phantasie (tritt ein, im Mantel gehüllt, ergreift Amphios Hand;

leise ihm ins Ohr). Amphio, die Phantasie ist frei, nur

dich begeistert sie.

amphio (springt auf, plötzlich inspiriert). Halt’ ein! Ich rett’ des

Tempels Ehre hier, wage ein Gedicht. Zu kostbar ist

der Preis, ich entreiߒ ihn dir.

alle. Apoll’, wir preisen dich.

amphios gedicht.

Die Nacht zieht fort ins ewig finst’re Heimatsland,

Die Welt umkränzt ihr Haupt mit Phöbus’ Strahlenband,

Und wie Auror’ die Erd’ in Purpur hüllt,

Entdeckt sie einen Jügling, gramerfüllt.

Ein Königssohn ist’s, der die Nacht durchweint

Und seines Auges Tau mit dem des Morgens eint.

Aurora grüßt ihn sanft und strahlt ihm Trost ins Herz,

Da fleht er zum Apoll’, gibt Worte seinem Schmerz.

Im Wunderland, das meines Vaters Reich begrenzt,

Wo die Natur im tausendfarb’gen Schmuck erglänzt,

Thront meiner heißen Liebe Königin.

Mit zartem Reiz vereint sie hohen Sinn,

Es haben sich die anmutsvollen Musen

Zum Sitz erkoren ihren holden Busen,

Und wie sich Daphne einst dem Dichtergott entwand,

So reichet sie nur einem Dichter ihre Hand.

Darum, Apoll’, magst du nur schnell die Muse senden,

Soll Amors bitt’re Qual nicht bald mein Leben enden!

So jammert er und fluchet seinem Leben;

Da faßt sein Herz ein namenloses Beben,

Mit seinem Schmerz fühlt er die Freude ringen,

In Wolken hört er Harmonien klingen,

Es schwebt die Phantasie auf Rosennebel nieder

Und schwingt im Morgenstrahl ihr glänzendes Gefieder.

"Mich hat Apoll’ gesandt, ihn rühren deine Leiden,

Vertauschen wirst du sie mit Hymens Götterfreuden."

So spricht die Phantasie, ergreifet seine Hand

Und schwebt mit ihm nach Hermionens Land.

Zwei kühne Aars, durchsteuern sie die Lüfte

Und rauschen nieder in das Reich der Düfte.

Dort wandelt sich der Prinz zum stillen Hirten um

Und sucht durch Poesie zu gründen seinen Ruhm.

Ihn sieht die Königin; er weiht ihr sein Gedicht,

Da faßt sie ein Gefühl, ihr Herz erklärt sich’s nicht,

Es kämpft ihr Stolz, sie will den Kühnen hassen,

Doch Eros spricht: "Du darfst ihn nimmer lassen."

Ein Preisgedicht läßt sie im Land verkünden,

Nur mit dem Sieger will sie sich verbinden.

So wie der Fels im Meer trotzt sturmbewegten Wellen,

Will des Geliebten Geist auf gleiche Prob’ sie stellen.

Schon harrt das Volk, da kommt der Hirt’ heran,

Trägt Wahrheit vor, nicht was die Dichtung sann,

Dann tritt er auf und fordert seinen Lohn:

Die Hand der Königin und Floras Thron.

Wagt kühn den Kauf und schließt mit ihr den Herrscherbund,

Denn wißt, ich bin der Sohn des Königs von Athunt.

alle (freudig). Heil dem Sohn des Königs von Athunt! es

lebe unser neuer Herrscher!

zauberschwestern. Verdammt!

distichon. Das Gedicht hat eine Menge Fehler.

hermione (stürzt in Amphios Arme). O Amphio! Mein Prinz!

O nehmt mein Herz, mein Reich und meinen ew’gen

Dank!

nachtigall. Jetzt steh’ ich frisch.

amphio (stürzt zu den Füßen der Phantasie). Nur ihr gebühret

unser Dank.

alle. Wer ist das?

phantasie (wirft den Mantel ab). Ich bin die holde Phantasie,

die euch nicht retten konnte, bis mich Jupiter befreit,

weil ich gefangen in den Händen eurer

Zauberschwestern war.

vipria und arrogantia (verwandeln sich schnell in ihre wahren

Gestalten um).

arrogantia. Ihr triumphiert zu früh!

vipria. Noch atmet Vipria und ihre Zauberwut! Dem Tod

send’ ich als Braut dich zu. So stürz’ denn dieser

Tempel ein, und unter seinem Schutt begrab’ dich

ew’ge Hochzeitnacht!

(Es wird Nacht, zwischen dem Tempel und Meere sinken

finstre Wolkenschleier ein. Donner und Blitz. Die Statue

des Apoll samt dem Opferaltar versinkt.)

Warum trotzen diese Hallen? Wer verhindert ihren

Sturz?

(Heftiger Donnerschlag, die Bühne wird licht, der Nebel

verrinnt zu beiden Seiten, man hat die vorige Aussicht auf

das Meer. Apollo mit den Sonnenrossen will soeben in den

Schoß der Thetis sinken; der Sonnenwagen gleitet noch auf

der Oberfläche des Meeres.)

alle. Weh’ uns!

Die gefesselte Phantasie · 第 53 / 55 题