(Die beiden liegenden Statuen verschwinden und statt ihnen
liegen die Zauberschwestern in der nämlichen Stellung auf den
Postamenten, springen erzürnt auf und gehen auf und ab.)
vipria. arrogantia
vipria. Nein, das ist zu viel! Einen Hirten liebt sie! Das
hat die Sonne nicht erlebt. Ist er denn wirklich schön?
Ich hab ihn nicht genau betrachtet.
arrogantia. Er hat ein glänzend Aug.
vipria. Im Ernst?
arrogantia. Und Lippen wie Rubin.
vipria. Da hätt er sich in uns verlieben sollen, nicht in sie.
arrogantia. Der Meinung bin ich auch.
vipria. Sie darf ihn nicht besitzen!--Wie verhindre ich
es?
arrogantia. Ach, sinne, Schwesterchen! ich bitte dich.
vipria. Geduld!--Durch ein Gedicht soll ihre Hand ihm
werden, ist es nicht so? Das Dichten muß man ihm
verleiden. Doch wie? Ich frag dich, Zauberstern!
(Zieht den Stern heraus und sieht hinein, fährt auf.) Hollah!
Was spiegelt sich in dir? Was schwebt da in des
Himmels Blau? Blick auf!
arrogantia (blickt in die Luft). Ein Adler ists.
vipria. Du irrst, es ist die Phantasie, sie kömmt zu
Amphio, sie hat ihm Hermionens Hand gelobt.
arrogantia. So sagte er.
vipria. Jetzt lebt es auf in mir; mein Plan ist reif! Wir
fangen sie und sperren sie dann ein, dann will ich
sehen, wer ein Gedicht hier schreibt.
arrogantia. Ich habe viel Verstand, doch dich versteh
ich nicht.
vipria. Begreifs! Wer dichtet denn? Die Phantasie ists,
die Gedanken schafft. Wir halten sie gefangen, dann
fällt keinem Dichter etwas ein.
arrogantia. Also wird auch kein Preisgedicht gemacht?
vipria. Es wird gemacht, heut abend noch, doch zwingen
werde ich die Phantasie, den zu begeistern, den ich für
Hermione zum Gemahl bestimmt, und wie der
aussehen wird, das kannst du dir wohl denken; und
nehmen muß sie ihn, wenn er das Beste liefert: sie
schwörts in diesem Augenblick im Tempel des
Apoll.
arrogantia. Ein schöner Plan!--verbergen wir uns jetzt!
vipria. Flieg nur, mein Vögelchen, du fliegst in unser
Netz.
(Beide verbergen sich, die Statuen erscheinen wieder an
ihrer vorigen Stelle, das Ritornell der Arie beginnt. Die
Phantasie schwebt mit ausgespreiteten irisfarbigen Flügeln
auf rosigem Nebel nieder.)