»Ich teile Ihre Ansichten vollständig, lieber Professor,« erwiderte

Mors. »Wir werden den einen der Monde und zwar den kleinsten als

Beobachtungsposten aufsuchen und von dort aus unseren eigentlichen

Kriegszug beginnen.«

Weiter sauste der »Meteor«, während sich der Planet von Stunde zu Stunde

vergrößerte.

Riesengroß hing der Koloß am Himmel, an dem pechschwarzen Firmament,

während seine Ringe, die sich um die gigantische Kugel drehten, einen

geradezu märchenhaften Anblick darboten.

Alles war in eine Flut von Licht getaucht und darüber, daneben und

darunter schwebten die acht Monde, von denen allerdings immer zwei oder

auch drei durch die riesige Kugel verdeckt wurden.

Der Professor hatte schon mit seinen Instrumenten die Größen dieser

Trabanten bestimmt und den kleinsten derselben genau bezeichnet. Dorthin

schoß das Weltenfahrzeug, während man noch immer mit dem Fernrohr nach

den Fahrzeugen der Amerikaner umhersuchte.

Sie waren nirgends zu sehen und das bereitete Kapitän Mors schwere

Bedenken. Vielleicht waren die Unheimlichen schon auf den Ringen

angelangt, um sich dort mit dem Sammeln des schrecklichen Stoffes zu

beschäftigen, vielleicht kam er zu spät, wurde vernichtet und darauf

konnte das Zerstörungswerk auf der Erde beginnen.

Es gab nur eine Lösung, vorwärts, vorwärts. Der Kampf mußte im

Weltenraum entschieden werden. Dort auf den leuchtenden Monden, die mit

ihrem Erscheinen und Verschwinden die wunderbarsten Bilder darboten.

Jetzt konnte man die Reise schon nach Stunden bemessen, denn die

Anziehungskraft des Saturn machte sich seit längerer Zeit geltend.

Immer schneller sauste der »Meteor«, sodaß sich die Zeiger der

Instrumente wie flüchtige Schatten drehten. Man hörte, wie die Uhrwerke

arbeiteten, und die Schnelligkeit war so groß, daß der Professor schon

an die Vernichtung der Geschwindigkeitsmesser glaubte.

Das war keine Fahrt mehr, das war ein Absturz. Aber noch immer wollte

Mors die Schnelligkeit des »Meteor« nicht mindern. Noch immer war der

Riesenmagnet dem Giganten abgewendet, dem man sich jetzt mit geradezu

unglaublicher Schnelligkeit näherte.

Schon meinte Terror, daß eine Katastrophe erfolgen müsse, da griff Mors

nach den Hebeln, welche den Magneten regierten.

Ein Ruck und im nächsten Moment ging ein Zittern durch das gewaltige

Fahrzeug. Es war kein direkter Stoß, sondern nur ein Empfinden, als ob

der »Meteor« plötzlich in eine zähe Masse getaucht sei, die sich von

allen Seiten an ihn schmiegte.

Die Zeiger an den Geschwindigkeitsmessern verlangsamten ihren rasenden

Gang, sie waren nunmehr deutlich zu sehen. Sie kreisten wie die Zeiger

einer Uhr. Der »Meteor« aber schwebte in der Nähe des kleinsten der acht

Monde, die mit der Regelmäßigkeit, welche ihnen das Weltengesetz

vorschrieb, den Giganten umkreisten.

5. Kapitel.

Ein Kampf ohne gleichen.

»Meine Vermutungen haben sich bestätigt,« rief der Professor, der schon

seit längerer Zeit diese seltsame Welt beobachtete. »Der Mond, dem wir

uns jetzt nähern, befindet sich in einem Zustand der Erstarrung. Das ist

eine Wildnis, eine Stein- und Sandwüste, dort ist jedes Leben wohl schon

seit Jahrtausenden erloschen.«

Van Halen täuschte sich nicht, denn dieser kleinste der Monde bot in der

Tat einen trostlosen Anblick. Man sah Sandwüsten, riesige Gebirgszüge,

aber alles starr und tot, keine Spur von Vegetation, kein Ueberrest von

Wasser.

Allerdings war dieser Mond ausnehmend klein und es konnte sehr leicht

möglich sein, daß man auf den anderen Trabanten Lebensbedingungen

entdeckte.

Mors und seine Begleiter aber hatten keine Zeit, darauf zu achten oder

die übrigen Monde zu betrachten. Ihre Blicke wurden jetzt von ganz

anderen Dingen in Anspruch genommen.

»Da sind sie,« rief Halen, dessen geübte Augen alles zu sehen schienen.

»Dort, dort in der Nähe der ungeheuren Berge. Das sind die von uns

Verfolgten. Man kann sie mit bloßen Augen erblicken.«

Die Inder drängten sich heran und blickten durch die große Glasscheibe

am Vorderteil des Weltenfahrzeuges.

Man sah geradezu ungeheuerliche Berge, die sich auf der Nordhälfte des

Saturnmondes erhoben. Gebirge von einer solchen Größe, daß die höchsten

Berggipfel der Erde wie Zwerge erscheinen mußten.

Dort zwischen einem riesigen Gebirgssattel schwebten, dem Auge deutlich

erkennbar, zwei graue Kolosse, die sich langsam bewegten, die Fahrzeuge

der Amerikaner, welche ebenfalls auf diesem Mond einen Landungsplatz

gesucht hatten.

Höchstwahrscheinlich waren die beiden Fahrzeuge auf dem Saturnmond

gelandet und erst beim Erblicken von Mors' Fahrzeug wieder

emporgestiegen.

Anfangs bewegten sie sich langsam, dann immer schneller und schneller.

Man sah, wie ihre Magneten wirkten, wie sie mit rasender Geschwindigkeit

die Räume durchfuhren.

Einen Augenblick blieben sie noch bei einander, offenbar, um noch

Signale zu wechseln.

Deutlich sah man vom »Meteor« aus blinkende Lichtstreifen in

verschiedenen Farben, bald blau, bald rot, bald grün.

Hierauf trennten sich die beiden Kolosse.

Der eine fuhr rechts, der andere links und nun beschrieben sie ein paar

ungeheure Halbkreise.

Kapitän Mors blickte finster auf die beiden Gegner.

»Sie haben uns bemerkt,« sprach er nach kurzem Besinnen, »und denken gar

nicht daran, uns aus dem Wege zu gehen. Sie rüsten sich zum Angriff und

wollen uns von zwei Seiten angreifen, von rechts und von links, um uns

alsdann mit ihren spitzen Stahlspornen zu rammen. Sie wollen das Manöver

des vernichteten Weltenfahrzeuges wiederholen. Vorwärts, es gilt!«

Mors und Terror eilten nach dem Lenkraum, und dort begann der Luftpirat

zu manövrieren.

Seltsamerweise lenkte er den »Meteor« nach den riesigen Gebirgen, wo

schon die Amerikaner einen Landungsplatz gefunden hatten.

Terror wunderte sich hierüber, denn er meinte, es sei besser im leeren

Raum zu bleiben. Indessen überließ er alles seinem Kapitän, dem er

blindes Vertrauen schenkte.

Die Feinde hatten dies nicht erwartet.

Ihre Fahrzeuge schossen bereits in großem Bogen in das Endlose hinaus,

während der »Meteor« schnell wie der Blitz dem Monde zustrebte.

Wenige Minuten später waren die funkelnden Bergspitzen in der Nähe des

gigantischen Fahrzeuges. Der »Meteor« fuhr bis zu dem Bergsattel und

erwartete dort die Angreifer.

Die feindlichen Fahrzeuge trafen auf ihrer Fahrt durch den Raum wieder

zusammen, schwenkten und wechselten wieder farbige Lichtsignale.

Dann trennten sie sich von neuem und kamen jetzt ihrerseits mit

fürchterlicher Geschwindigkeit auf die Berggipfel zugesaust.

Die Inder standen bereits an den Zerstörungsmaschinen und warteten auf

die Befehle ihres Gebieters.

Diesmal hatte man die Waffen, welche großen Gewehren ähnlich sahen,

einfach beiseite gelassen, denn man wußte, daß sie keine Wirkungen auf

die Gegner ausübten.

Dafür standen die glänzenden Rohre hinter den kleinen,

schießschartenähnlichen Oeffnungen.

Es war ein merkwürdiger Kampf, denn es galt ja, gewissermaßen im

luftleeren Raum zu fechten.

Mors aber hatte auch hier seine Vorsorge getroffen, sein Weltenfahrzeug

war auf einen Kampf im luftleeren Raume vorbereitet.

Die Schießscharten waren durch eiserne Klappen verschlossen, die sich

nur im Augenblick des abgefeuerten Schusses öffneten.

Hierauf schlugen sie blitzschnell wieder zu, sodaß nur sehr wenig von

dem Luftvorrat verloren ging. Der Mechanismus selbst wurde durch

Elektrizität in Bewegung gesetzt und funktionierte vorzüglich.

Daß dieser Mond keine Luft besaß, sah man, denn hier war keine Spur

einer Hülle vorhanden, hier leuchtete alles in reinstem für die Augen

geradezu schmerzlichen Weiß und alle Schatten waren so pechschwarz wie

die ägyptische Finsternis. Dieser kleine Mond war eine Welt des Todes.

Jetzt fragte sich nur, ob die Amerikaner ähnliche Vorrichtungen besaßen,

ob auch sie im luftleeren Raum zu feuern vermochten. Aber das mußte sich

ja binnen kurzem entscheiden.

Jetzt kam das Ungetüm heran, offenbar in der Absicht, den Rammsporn

anzuwenden.

Mors beobachtete den Gegner sorgfältig, bis er bemerkte, daß der Feind

in Schußnähe war. Nun drückte er auf den Knopf, der das elektrische

Signal zum Beginn des Schießens gab.

Unmittelbar darauf hörte man im Weltenfahrzeug ein eigentümliches

Geräusch. Ein Krachen und Dröhnen ließ sich aber nicht vernehmen. Kein

Wunder, hier fehlte ja die Luft, hier fehlte das Element, welches den

Schall hervorbrachte.

Die Inder machten ihre Sache gut und Mors gewahrte deutlich, wie die

Geschosse aus den Zerstörungsmaschinen den grauen Rumpf des feindlichen

Weltenfahrzeuges trafen.

Mit ungeheurer Wucht schlugen sie dort auf, sodaß das feindliche

Weltenfahrzeug hin- und hergeschüttelt wurde.

Das zweite Weltenfahrzeug war noch nicht sichtbar. Mors aber blickte

öfters danach aus, es konnte ja möglich sein, daß ihm dieser Feind in

den Rücken fiel und den Riesenmagneten und den Lenkapparat zu zerstören

suchte.

Deshalb mußte man zunächst mit dem einen Gegner fertig werden. Mors

wiederholte das Signal, durch welches er seine Mannschaft zum

schnellsten Schießen aufforderte.

Drüben auf dem feindlichen Fahrzeug war man offenbar über den

hartnäckigen Angriff erstaunt.

Wenn die Geschosse des Weltenfahrzeuges auf den grauen Rumpf des

amerikanischen Weltenschiffes aufschlugen, wurde es immer wieder

seitwärts geworfen. Schließlich schien man darüber sehr erbittert zu

sein. Der Koloß flog immer wieder empor, um seinerseits zum Angriff

übergehen zu können.

Mors aber lenkte sein eigenes Fahrzeug mit geradezu bewunderungswürdiger

Geschicklichkeit, sodaß seine Inder immer ihre Maschinen benutzen

konnten. Der »Meteor« wendete und drehte sich, als wäre er ein lebendes

Wesen, welches den Feind abwehrte, während sein Riesenkörper immer

wieder unter dem Rückstoß der abgefeuerten Geschütze erzitterte.

Drüben blieb man auch nicht müßig, auch dort kamen Geschosse

herübergeflogen.

Mors bemerkte aber sofort, daß der Feind keine solche Vorrichtung besaß,

wie er sie selbst erdacht. Dies Fahrzeug verlor beim Schießen Luft, die

aus den Schießscharten hervorströmte.

Das sah eigentümlich, ja geradezu gespenstig aus. Die Luft verwandelte

sich sofort in weiße Dampfgestalten, welche die wunderlichsten Formen

annahmen. Sie drehten und wendeten sich eine zeitlang hin und her, bis

sie spurlos ins Nichts verschwanden.

Wieder wurde das feindliche Fahrzeug durch den Anprall einiger Geschosse

zurückgeworfen.

Es war hohe Zeit gewesen, da der Gegner eben zu rammen versuchte. Er war

dem »Meteor« schon ganz nahe, man sah seinen spitzen, stählernen Sporn

in grellster Beleuchtung funkeln.

Die Inder hatten schon geglaubt, daß sich dieser spitze Stahlsporn, den

das Weltenfahrzeug nicht besaß, in den Rumpf des »Meteor« bohren würde.

Sie strengten alle ihre Kräfte an, sie feuerten so rasch sie nur

vermochten.

Acht, zehn Geschosse schlugen fast zu gleicher Zeit auf den Metallrumpf

des Feindes, der im rasenden Anlauf dahergeschossen kam.

Der furchtbare Anprall warf den Gegner seitwärts, und da er noch mit

gewaltiger Schnelligkeit dahinbrauste, stieß er plötzlich gegen einen

weit hervorragenden Felsen.

Es war die Rettung für den »Meteor«, denn beim zweiten Angriff wäre der

Koloß sicherlich angebohrt worden.

Wieder hörte man nichts, denn die Luft verhinderte ja, daß das Dröhnen

des Anpralls Geräusch verursachte.

Mors sah aber deutlich, daß der Gegner schweren Schaden genommen, daß

durch die Vehemenz des Anpralls die eine Wand des Metallrumpfes

aufgerissen sein mußte.

Ein furchtbarer Anblick bot sich jetzt dar, großartig und schrecklich

zugleich. Das beschädigte Weltenfahrzeug rutschte langsam an den Felsen

hinunter.

Sein Magnet mußte in Unordnung gekommen sein, eine der Lenkstangen

schleifte.

Unten war ein Plateau, auf welchem der Koloß liegen blieb. Schwerfällig

wälzte er sich auf die Seite.

Nun sah man erst die Beschädigung, die sich der Gigant selbst zugefügt.

Die rechte Seite der Metallwand war zerstört, dort klaffte eine

furchtbare Bresche.

Riesige weiße Dampfwolken stiegen empor, es war die Luft, welche sich

einen Ausweg suchte.

Sicherlich führte man auch dort Behälter mit flüssiger Luft mit sich,

aber diese waren wohl größtenteils zerstört. Die Luft verflüchtigte sich

im Endlosen, das Lebenselement entwich, und nun kamen die Insassen des

halbzertrümmerten Kolosses zum Vorschein.

Mors nahm sein Glas und sah hinüber.

Er gewahrte drei Männer, die offenbar der weißen Rasse angehörten, die

sich wie toll gebärdeten.

Jedenfalls fühlten sie die ungeheure Kälte, die auf diesem Monde

herrschte, da der Mangel an Luft der Kälte des Weltenraums kein

Hindernis entgegensetzte.

Mors sah, daß diese Männer etwas trugen, es glich einer großen Kapsel,

die vom Rücken herabhing, vielleicht war es ein Kautschuksack mit

Sauerstoff. Diese Unholde schienen sich gegen das Verderben zu wehren.

Sie taumelten und wankten, dann rannten sie wieder nach dem

halbzerstörten Weltenfahrzeug zurück, als ob sie dort Schutz suchen

wollten.

Auch andere Gestalten tauchten dort empor, aber das waren Neger. Mors

sah die riesigen Gestalten der Schwarzen, die jetzt offenbar mit dem

Tode rangen. Er sah, wie sie auf den Metallrumpf des vernichteten

Weltenfahrzeugs kletterten, mit den Armen wild umherfuchtelten und dann

leblos auf die glitzernden Steinblöcke rollten.

Dort begann der Kampf mit dem Tod, dem in kurzer Zeit alles Lebende in

dem feindlichen Fahrzeug zum Opfer fallen mußte.

Noch blickte er auf das grausige Bild, da schrillte die elektrische

Glocke.

Mors fuhr herum und sah sofort eine neue Gefahr. Das dritte und letzte

amerikanische Fahrzeug war soeben in Sicht gekommen und mit

fürchterlicher Geschwindigkeit auf den »Meteor« losgeschossen.

6. Kapitel.

Im Urstoff versunken.

Der Luftpirat hatte gerade noch Zeit, den Hebel des Riesenmagneten

herumzuwerfen.

Eine Sekunde später und der »Meteor« wäre von dem Rammstoß getroffen und

höchstwahrscheinlich in zwei Teile gespalten worden.

So aber entging Mors noch durch eine geschickte Wendung seines

Fahrzeuges der drohenden Gefahr, obwohl ihn dieses verzweifelte Manöver

beinahe gegen die leuchtenden Felsen schleuderte.

Er sah noch, wie der graue Körper des Feindes dicht an der gläsernen

Scheibe vorüberglitt und dann zurückprallte.

Der Feind war mit dem gefährlichen Rammsporn gegen die Bergwand

gestoßen, aber er hatte mehr Glück als das zweite Weltenfahrzeug.

Der Koloß zerbrach nicht, nur der Sporn wurde etwas verbogen. Deutlich

sah Mors, wie dieser spitze, stählerne Sporn in eine Art Papageischnabel

verwandelt worden war. Er war bedeutend gekrümmt und deshalb lange nicht

mehr so gefährlich.

Unmittelbar darauf wendete Mors sein Fahrzeug, sodaß die Inder ihre

Geschütze gebrauchen konnten.

Sie zögerten keinen Augenblick, und überschütteten den Feind mit einem

Hagel von Geschossen. Diese trafen gut, und da die Geschosse aus

ziemlicher Nähe abgefeuert wurden, merkte der Gegner den Ernst der Lage.

Ferner hatte man dort das zweite zerstörte Weltenfahrzeug gesehen und da

mochte man das gleiche Schicksal befürchten.

Genug, der Riese erhob sich und fuhr mit fürchterlicher Geschwindigkeit

in die Höhe, Mors aber war gleich hinter ihm her, fest entschlossen, die

Entscheidung herbeizuführen.

Das Blättchen hatte sich gewendet. Aus dem Angreifer war ein Flüchtender

geworden. Das letzte der feindlichen Weltenfahrzeuge wendete sich und

sauste mit unheimlicher Geschwindigkeit ins Endlose hinein.

»Wir dürfen ihn nicht entkommen lassen,« rief Mors seinem treuen Terror

zu. »Zwei der Feinde sind vernichtet und auch der dritte muß fallen.

Vorwärts, ihm nach, wir müssen das äußerste aufbieten.«

Wieder begann die wilde Fahrt, aber diesmal in die Saturnwelt hinein.

Mors behielt den Feind unablässig im Auge und da sah er, wie derselbe

dem größten der acht Saturn-Trabanten zustrebte.

Dieser Mond, der eine eigentümlich gelbrote Färbung besaß, war das

nächste Ziel. Dort schien der Verfolgte Schutz suchen zu wollen.

Es war ein großartiger Anblick, wie die beiden Weltenfahrzeuge durch den

Raum dahinjagten, dem riesigen Mond zu, der mit jedem Augenblick an

Größe zunahm.

Sicherlich besaß dieser Trabant Luft oder wenigstens eine Hülle, die der

Luft sehr ähnelte.

Diese Schicht schien aber ungemein dick zu sein und glich einem grauen

Nebel, aus dem nur zuweilen die gelbrote Oberfläche des Gestirns

hervorleuchtete.

Der Verfolgte strebte unablässig auf diese nebligen Massen zu. Dort

wollte er sich vielleicht verbergen, einen Platz suchen, an dem er die

Schäden ausbessern und vor allen Dingen den gefährlichen Stahlsporn für

einen neuen Angriff bereit machen konnte.

Das mußte Mors vermeiden, aber er sah ein, daß der Gegner vor ihm auf

dem Monde des Saturn anlangen mußte.

Immer näher kam die Nebelhülle. Mors sah deutlich, wie der verfolgte

Feind hineintauchte.

»Ihm nach, ihm nach,« rief Mors unwillkürlich, als ob er mit sich selber

spräche. »Wir dürfen ihn nicht aus den Augen verlieren. Schließlich

benutzt er die Dunsthülle, um die Ringe des Saturn zu erreichen. Das

wäre das Schlimmste. Ich muß ihm auf den Fersen bleiben.«

Wenige Minuten später tauchte der »Meteor« gleichfalls in die

Dunsthülle.

»Terror, prüfe ob das Luft ist,« rief Mors seinem Gefährten zu. »Sieh

zu, ob diese eigenartige Dunsthülle die Elemente enthält, welche zum

Leben nötig sind.«

Der wackere Ingenieur ließ sich das nicht zweimal sagen. Hastig begab er

sich zu einem Apparat, der in einer Ecke des Lenkraumes angebracht war

und zur Prüfung der Außenwelt diente.

Kleine Röhren führten durch die Metallwand des Weltenfahrzeuges hindurch

und in wenigen Augenblicken konnte sich Terror über die Beschaffenheit

der sonderbaren Dunsthülle orientieren.

»Es ist Luft, Kapitän,« rief er freudig. »Sie ist zwar dick und schwer,

aber sie läßt sich atmen.«

Die Dunsthülle schien sehr dick zu sein und umgab den »Meteor« wie ein

leichter Nebel. Man konnte nicht weit sehen, sodaß Mors die

Schnelligkeit des Weltenfahrzeuges vermindern mußte.

Da schrie Terror laut auf.

»Kapitän, Vorsicht, Vorsicht!« rief er. »Da seht, unter uns, da ist

alles glühend.«

Mors übergab seinem treuen Gefährten die Maschinen, und sprang an das

Ausguckfenster.

Ein unheimlicher Anblick bot sich dar.

Es schien, als ob die Oberfläche des Saturnmondes, die man jetzt

erblickte, aus einer feurig-flüssigen Masse bestände. Diese Masse glich

einem glühenden Ozean und wogte hin und her.

Aus diesem scheinbar glühenden Meere aber ragten hier und dort zackige

Kuppen hervor, die kleinen Inseln glichen.

Der »Meteor« schwebte schon dicht über der gefährlichen Oberfläche des

Saturnmondes.

Mors legte die Hand an die Glasscheibe.

War das wirklich Glut, so mußte sich die Hitze bemerkbar machen. Wie

wunderte sich daher der Luftpirat, als er beim vorsichtigen Berühren der

dicken Glasscheibe keine merkbare Veränderung entdeckte.

»Terror,« rief er seinem Gefährten zu. »Das sind keine feurigen Massen,

sondern jener Stoff, von dem der Professor gesprochen hat. Der ist noch

nicht so dicht wie Wasser und auch kein Gas, es ist der Urstoff, aus dem

die Welten entstanden sind. Der ist nur feurig gefärbt, er enthält keine

Glut. Von einer unnatürlichen Hitze haben wir nichts zu befürchten.«

»Mag sein,« brummte Terror. »Davon verstehe ich wenig, aber ich habe

doch die Empfindung, als ob mit dem glänzenden, funkelnden Zeug da unten

nicht zu spaßen ist.«

Mors blickte jetzt durch die Glasscheiben.

Es schien, als ob sich der Nebeldunst verzog, als ob das Himmelsgewölbe

wieder sichtbar wurde. Gleichzeitig erblickte er den Riesenplaneten mit

seinen Ringen.

»Da ist der Feind,« schrie Terror, als er neben Mors getreten. »Dort,

Kapitän, dort -- seht Ihr, da fliegt er eben schwerfällig über die

Felsenspitzen.«

»Wirklich, da ist er,« antwortete der Luftpirat, »aber der macht ja ganz

sonderbare Bewegungen.«

»So ist es, Kapitän,« versetzte Terror. »Es sieht wahrhaftig aus, als ob

das kolossale Ding hüpfte und springt, es scheint, als wollte der Koloß

empor und könnte nicht, als würde er von einer unnatürlichen Gewalt

immer wieder herabgezogen.«

»Du hast recht,« erwiderte Mors. »So ist es, und er wird auch

hinabgezogen. Ganz so wie wir in diesem Augenblick. Betrachte die

Instrumente, wir sind am Sinken.«

»Alle Teufel,« rief Terror. »Da müssen wir ja rasch in die Höhe! Rasch,

Kapitän, es ist gerade so, als ob die zähe Masse uns hinunterzwingt. Das

ist ja unheimlich.«

Mors ergriff die Hebel, die den Riesenmagneten in Bewegung setzten.

Er riß und zog daran, alles gehorchte. Man hörte deutlich, wie sich die

Diamanten laut knirschend drehten. Man sah, wie sprühende Blitze aus den

großen Edelsteinen hervorfuhren. Aber es war umsonst. Vergebens wurde

der Magnet gegen die grauen Felsspitzen gerichtet. Tiefer sank der

»Meteor«, immer tiefer.

Da deutete Terror wieder auf das Fenster.

»Kapitän, seht, seht,« rief er.

Der Luftpirat vergaß einen Moment sein eigenes bedrohtes Fahrzeug. Der

Anblick, der sich ihm darbot, war geradezu grausig.

Dort war das verfolgte amerikanische Weltenfahrzeug, aber es hüpfte und

sprang nicht mehr. Es befand sich bereits über der wogenden, scheinbar

glühenden Masse. Der Urstoff leckte daran empor wie die feurigen Zungen.

Jetzt tauchte der Riese ein, langsam, ganz langsam, drüben machte man

offenbar verzweifelte Anstrengungen, um der Katastrophe zu entgehen.

Es war vergebens, das feindliche Fahrzeug sank tiefer und tiefer, die

seltsame Masse brodelte um das dem Verderben geweihte Werk von

Menschenhand herum.

Jetzt ragte nur noch der Aufbau auf der Galerie empor, noch einmal

funkelte der stählerne Sporn, welcher Kapitän Mors bald verhängnisvoll

geworden.

Nun schlugen die leuchtenden Massen hoch empor, ganz wie das Wasser,

wenn etwas Schweres hineinstürzt. Das dritte und letzte Weltenfahrzeug

der Amerikaner war spurlos verschwunden.

»Die Natur hat selbst gerichtet,« sprach Mors. »Die Elemente haben ihr

Zerstörungswerk ausgeübt. Sie haben das getan, was uns vielleicht nicht

möglich gewesen wäre. Terror, die Erde ist von einer ungeheuren

Katastrophe gerettet.«

»Und das hat sie Euch zu verdanken, Kapitän,« erwiderte der treue Mann.

»Wäret Ihr nicht gewesen, so würde eine geradezu entsetzliche

Katastrophe über die irdische Welt hereingebrochen sein. Aber ich

bezweifle, ob man Euch dafür danken wird.«

»Ich begehre auch gar keinen Dank,« erwiderte der Luftpirat finster.

»Ich habe das, was ich getan, nur aus Menschlichkeit vollbracht. Das ist

meine Befriedigung, das ist mir tausendfacher Lohn.«

»Ganz recht, Kapitän,« brummte Terror. »Aber ich fürchte, Ihr müßt Eure

Aufopferung teuer bezahlen und wir mit Euch. Seht auf die Instrumente.

Wir sinken tiefer und tiefer. Der Magnet wirkt nicht mehr, wir werden

von diesen Massen da unten mit unwiderstehlicher Kraft angezogen. Wir

teilen das Schicksal der Amerikaner!«

Terror hatte recht.

Der »Meteor« begann jetzt ebenfalls mit jenen hüpfenden und springenden

Bewegungen, die man vorher bei dem versunkenen Fahrzeug gewahrt. Er

begann sich ebenfalls in ganz eigentümlicher Weise zu bewegen.

Das Vorderteil strebte empor, das Hinterteil mit dem Magneten wurde

unablässig hinabgezogen.

»Jetzt ist es aus, Kapitän,« meinte Terror. »Jetzt kommt das letzte.«

»Noch nicht,« erwiderte Mors. »Ich sehe jetzt, woran es liegt, daß wir

nicht in die Höhe kommen können. Die brodelnde Masse da unten übt nur

einen Einfluß auf die Lenkstangen aus, die aus einem Metall bestehen,

welches der Anziehung nicht widerstehen kann. Wir müssen die

Isolierketten einschalten, dann wird sich der »Meteor« wieder erheben.«

Terror sprang schon nach der Maschinerie, welche diese Aenderung

bewerkstelligte.

»Zu spät, Kapitän,« rief er tonlos, »wir tauchen schon ein. Wir haben

die Oberfläche dieses unheimlichen Weltkörpers erreicht, wir sind im

Sinken!«

Der Luftpirat und sein lenkbares Luftschiff 63: Die Schreckensreise des Weltenfahrzeuges · 第 2 / 3 段