Oder ein Gespräch zwischen zärtlichen Ehegatten: („Der Kontrast“)

„Wie glücklich bin ich,“ ruft sie leise,

„Auch ich,“ sagt lauter ihr Gemahl,

„Es macht mich deine Art und Weise

Sehr stolz auf meine gute Wahl!“

Hier ist nun nichts, was an den Witz erinnert. Ohne Zweifel ist es

aber die Unzulänglichkeit dieser „Dichtungen“, die sie komisch macht,

die ganz außerordentliche Plumpheit ihrer Ausdrucksweise, die an die

alltäglichsten oder dem Zeitungsstil entnommenen Redensarten gebunden

ist, die einfältige Beschränktheit ihrer Gedanken, das Fehlen jeder

Spur von poetischer Denk- oder Redeweise. Bei alledem ist es nicht

selbstverständlich, daß wir die Gedichte der +Kempner+ komisch finden;

viele ähnliche Produktionen finden wir bloß herzlich schlecht, belachen

sie nicht, sondern ärgern uns über sie. Gerade die Größe des Abstandes

von unseren Anforderungen an ein Gedicht drängt aber zur komischen

Auffassung; wo diese Differenz geringer ausfiele, wären wir eher zur

Kritik als zum Lachen geneigt. Ferner wird die komische Wirkung bei

den Gedichten der +Kempner+ durch andere Nebenumstände gesichert,

durch die unverkennbare gute Absicht der Verfasserin, und durch eine

gewisse unseren Spott oder unseren Ärger entwaffnende Gefühlsinnigkeit,

die wir hinter ihren hilflosen Phrasen verspüren. Wir werden hier an

ein Problem gemahnt, dessen Würdigung wir uns aufgeschoben haben. Die

Aufwandsdifferenz ist gewiß die Grundbedingung der komischen Lust,

aber die Beobachtung zeigt, daß aus solcher Differenz nicht jedesmal

Lust hervorgeht. Welche Bedingungen müssen hinzukommen oder welche

Störungen hintangehalten werden, damit die komische Lust sich aus

der Aufwandsdifferenz wirklich ergeben könne? Ehe wir uns aber der

Beantwortung dieser Frage zuwenden, wollen wir als Abschluß der vorigen

Erörterungen feststellen, daß das Komische der Rede nicht zusammenfällt

mit dem Witz, der Witz also etwas anderes sein muß als das Komische der

Rede.

[Sidenote: Bedingungen der Isolierung des Komischen.]

Im Begriffe, nun an die Beantwortung der letztgestellten Frage, nach

den Bedingungen der Entstehung komischer Lust aus der Aufwandsdifferenz

heranzutreten, dürfen wir uns eine Erleichterung gestatten, die

uns selbst nicht anders als zur Lust gereichen kann. Die genaue

Beantwortung dieser Frage wäre identisch mit einer erschöpfenden

Darstellung der Natur des Komischen, zu der wir uns weder die Fähigkeit

noch die Befugnis zusprechen können. Wir werden uns wiederum damit

begnügen, das Problem des Komischen nur so weit zu beleuchten, bis es

sich deutlich von dem des Witzes abhebt.

Allen Theorien des Komischen ist von ihren Kritikern der Einwurf

gemacht worden, daß ihre Definition das für die Komik Wesentliche

übersieht. Das Komische beruht auf einem Vorstellungskontrast; ja,

insofern dieser Kontrast komisch und nicht anders wirkt. Das Gefühl

der Komik rührt vom Zergehen einer Erwartung her; ja, wenn diese

Enttäuschung nicht gerade peinlich ist. Die Einwürfe sind ohne Zweifel

berechtigt, aber man überschätzt sie, wenn man aus ihnen schließt,

daß das wesentliche Kennzeichen des Komischen bisher der Auffassung

entschlüpft ist. Was die Allgemeingiltigkeit jener Definitionen

beeinträchtigt, sind Bedingungen, die für die Entstehung der komischen

Lust unerläßlich sind, ohne daß man das Wesen der Komik in ihnen

suchen müßte. Die Abweisung der Einwendungen und die Aufklärung der

Widersprüche gegen die Definitionen des Komischen wird uns allerdings

erst leicht, wenn wir die komische Lust aus der Vergleichsdifferenz

zweier Aufwände hervorgehen lassen. Die komische Lust und der Effekt,

an dem sie erkannt wird, das Lachen, können erst dann entstehen, wenn

diese Differenz unverwendbar und abfuhrfähig wird. Wir gewinnen keinen

Lusteffekt, sondern höchstens ein flüchtiges Lustgefühl, an dem der

komische Charakter nicht hervortritt, wenn die Differenz, sobald sie

erkannt wird, eine andere Verwendung erfährt. Wie beim Witz besondere

Veranstaltung getroffen sein müssen muß, um die anderweitige Verwendung

des als überflüssig erkannten Aufwandes zu verhüten, so kann auch die

komische Lust nur unter Verhältnissen entstehen, welche diese letztere

Bedingung erfüllen. Die Fälle, in denen in unserem Vorstellungsleben

solche Aufwandsdifferenzen entstehen, sind daher ungemein zahlreich;

die Fälle, in denen das Komische aus ihnen hervorgeht, vergleichsweise

recht selten.

Zwei Bemerkungen drängen sich dem Beobachter auf, der die Bedingungen

für die Entstehung des Komischen aus der Aufwandsdifferenz auch nur

flüchtig überblickt, erstens daß es Fälle gibt, in denen sich die

Komik regelmäßig und wie notwendig einstellt, und im Gegensatze zu

ihnen andere, in denen dies durchaus von den Bedingungen des Falles

und dem Standpunkt des Beobachters abhängig erscheint; zweitens aber,

daß ungewöhnlich große Differenzen sehr häufig ungünstige Bedingungen

durchbrechen, so daß das komische Gefühl diesen zum Trotz entsteht.

Man könnte mit Bezug auf den ersten Punkt zwei Klassen aufstellen, die

des unabweisbar Komischen und die des gelegentlich Komischen, obwohl

man von vorneherein darauf verzichten müßte, in der ersten Klasse die

Unabweisbarkeit des Komischen frei von Ausnahmen zu finden. Es wäre

verlockend, den für beide Klassen maßgebenden Bedingungen nachzugehen.

Wesentlich für die zweite Klasse gelten die Bedingungen, von denen man

einen Teil als die „Isolierung“ des komischen Falles zusammengefaßt

hat. Eine nähere Zerlegung macht etwa folgende Verhältnisse kenntlich:

_a_) Die günstigste Bedingung für die Entstehung der komischen Lust

ergibt die allgemein heitere Stimmung, in welcher man „zum Lachen

aufgelegt“ ist. Bei toxischer Heiterstimmung erscheint fast alles

komisch, wahrscheinlich durch Vergleich mit dem Aufwande in normaler

Verfassung. Witz, Komik und alle ähnlichen Methoden des Lustgewinnes

aus seelischer Tätigkeit sind ja weiter nichts als Wege, um diese

heitere Stimmung -- Euphorie --, wenn sie nicht als allgemeine

Disposition der Psyche vorhanden ist, von einem einzelnen Punkte aus

wiederzugewinnen.

_b_) Ähnlich begünstigend wirkt die Erwartung des Komischen, die

Einstellung auf die komische Lust. Daher reichen bei der Absicht

komisch zu machen, wenn sie vom anderen geteilt wird, Differenzen

von so geringer Höhe aus, daß sie wahrscheinlich übersehen worden

wären, wenn sie sich im absichtslosen Erleben ereignet hätten. Wer

eine komische Lektüre vornimmt oder zu einer Posse ins Theater geht,

dankt es dieser Absicht, daß er dann über Dinge lacht, die in seinem

gewöhnlichen Leben kaum einen Fall des Komischen für ihn ergeben

hätten. Er lacht zuletzt bei der Erinnerung gelacht zu haben, bei der

Erwartung zu lachen, wenn er den komischen Darsteller erst auftreten

sieht, ehe dieser den Versuch unternehmen konnte, ihn zum Lachen zu

bringen. Man gesteht darum auch zu, daß man sich nachträglich schämt,

worüber man im Theater lachen konnte.

_c_) Ungünstige Bedingungen für die Komik ergeben sich aus der Art der

seelischen Tätigkeit, welche das Individuum im Moment beschäftigt.

Vorstellungs- oder Denkarbeit, welche ernste Ziele verfolgt, stört die

Abfuhrfähigkeit der Besetzungen, deren sie ja für ihre Verschiebungen

bedarf, so daß nur unerwartet große Aufwandsdifferenzen zur komischen

Lust durchbrechen können. Der Komik ungünstig sind ganz besonders

alle Weisen des Denkvorganges, die sich vom Anschaulichen weit genug

entfernen, um die Vorstellungsmimik aufhören zu lassen; bei abstraktem

Nachdenken ist für die Komik überhaupt kein Raum mehr, außer wenn diese

Denkweise plötzlich unterbrochen wird.

_d_) Die Gelegenheit zur Entbindung komischer Lust schwindet auch, wenn

die Aufmerksamkeit gerade auf die Vergleichung eingestellt ist, aus

welcher die Komik hervorgehen kann. Unter solchen Umständen verliert

seine komische Kraft, was sonst am sichersten komisch wirkt. Eine

Bewegung oder eine geistige Leistung kann nicht komisch für den werden,

dessen Interesse eben darauf gerichtet ist, sie mit einem ihm klar

vorschwebenden Maße zu vergleichen. So findet der Prüfer den Unsinn

nicht komisch, den der Examinierte in seiner Unwissenheit produziert;

er ärgert sich über ihn, während die Kollegen des Geprüften, die sich

weit mehr dafür interessieren, welches Geschick dieser haben wird, als

wieviel er weiß, denselben Unsinn herzlich belachen. Der Turn- oder

Tanzlehrer hat nur selten ein Auge für das Komische der Bewegungen

bei seinen Schülern, und dem Prediger entgeht durchaus das Komische

an den Charakterfehlern der Menschen, das der Lustspieldichter so

wirksam herauszufinden weiß. Der komische Prozeß verträgt nicht die

Überbesetzung durch die Aufmerksamkeit, er muß durchaus unbeachtet

vor sich gehen können, übrigens darin dem Witze ganz ähnlich. Es

widerspräche aber der Nomenklatur der „Bewußtseinsvorgänge“, deren ich

mich in der „Traumdeutung“ mit gutem Grunde bedient habe, wollte man

ihn einen notwendigerweise +unbewußten+ nennen. Er gehört vielmehr

dem +Vorbewußten+ an, und man kann für solche Vorgänge, die sich im

Vorbewußten abspielen und der Aufmerksamkeitsbesetzung, mit welcher

Bewußtsein verbunden ist, entbehren, passend den Namen „automatische“

verwenden. Der Prozeß der Vergleichung der Aufwände muß automatisch

bleiben, wenn er komische Lust erzeugen soll.

[Sidenote: Die Abfuhr störende Bedingungen.]

_e_) Es ist überaus störend für die Komik, wenn der Fall, aus dem

sie entstehen soll, gleichzeitig zu starker Affektentbindung Anlaß

gibt. Die Abfuhr der wirksamen Differenz ist dann in der Regel

ausgeschlossen. Affekte, Disposition und Einstellung des Individuums im

jeweiligen Falle lassen es verständlich werden, daß das Komische mit

dem Standpunkt der einzelnen Person auftaucht oder schwindet, daß es

ein absolut Komisches nur in Ausnahmsfällen gibt. Die Abhängigkeit oder

Relativität des Komischen ist darum weit größer als die des Witzes,

der sich niemals ergibt, der regelmäßig gemacht wird, und bei dessen

Herstellung bereits auf die Bedingungen, unter denen er Annahme findet,

geachtet werden kann. Die Affektentwicklung ist aber die intensivste

unter den die Komik störenden Bedingungen und wird in dieser Bedeutung

von keiner Seite verkannt.[71] Man sagt darum, das komische Gefühl käme

am ehesten in halbwegs indifferenten Fällen ohne stärkere Gefühls-

oder Interessenbeteiligung zu stande. Doch kann man gerade in Fällen

mit Affektentbindung eine besonders starke Aufwandsdifferenz den

Automatismus der Abfuhr herstellen sehen. Wenn der Oberst +Butler+ die

Mahnungen +Octavios+ „+bitter lachend+“ mit dem Ausruf beantwortet:

„Dank vom Haus Österreich!“,

so hat seine Erbitterung das Lachen nicht verhindert, welches der

Erinnerung an die Enttäuschung gilt, die er erfahren zu haben glaubt,

und anderseits kann die Größe dieser Enttäuschung vom Dichter nicht

eindrucksvoller geschildert werden, als indem er sie fähig zeigt,

mitten im Sturm der entfesselten Affekte ein Lachen zu erzwingen.

Ich würde meinen, daß diese Erklärung für alle Fälle anwendbar ist,

in denen das Lachen bei anderen als lustvollen Gelegenheiten und mit

intensiven peinlichen oder gespannten Affekten gemeinsam vorkommt.

_f_) Wenn wir noch hinzufügen, daß die Entwicklung der komischen Lust

durch jede andere lustvolle Zutat zum Falle wie durch eine Art von

Kontaktwirkung gefördert werden kann (nach Art des Vorlustprinzipes

beim tendenziösen Witze), so haben wir die Bedingungen der komischen

Lust gewiß nicht vollständig, aber doch für unsere Absicht hinreichend

erörtert. Wir sehen dann, daß diesen Bedingungen sowie der Inkonstanz

und Abhängigkeit des komischen Effekts keine andere Annahme so leicht

genügt wie die Ableitung der komischen Lust von der Abfuhr einer

Differenz, welche unter den wechselndsten Verhältnissen einer anderen

Verwendung als der Abfuhr unterliegen kann.

* * * * *

Eine eingehendere Würdigung verdiente noch das Komische des Sexuellen

und Obszönen, das wir hier aber nur mit wenigen Bemerkungen streifen

wollen. Den Ausgangspunkt würde auch hier die Entblößung bilden. Eine

zufällige Entblößung wirkt auf uns komisch, weil wir die Leichtigkeit,

mit welcher wir den Anblick genießen, mit dem großen Aufwand

vergleichen, der sonst zur Erreichung dieses Zieles erforderlich wäre.

Der Fall nähert sich so dem des Naiv-komischen, ist aber einfacher als

dieser. Jede Entblößung, zu deren Zuschauer -- oder Zuhörer im Falle

der Zote -- wir von Seite eines Dritten gemacht werden, gilt gleich

einem Komischmachen der entblößten Person. Wir haben gehört, daß es

Aufgabe des Witzes wird, die Zote zu ersetzen und so eine verloren

gegangene Quelle komischer Lust wieder zu eröffnen. Hingegen ist das

Belauschen einer Entblößung für den Lauschenden kein Fall von Komik,

weil die eigene Anstrengung dabei die Bedingung der komischen Lust

aufhebt; es bleibt hier nur die sexuelle Lust am Erschauten übrig. In

der Erzählung des Lauschers an einen anderen wird die belauschte Person

wiederum komisch, weil der Gesichtspunkt vorwiegt, daß sie den Aufwand

unterlassen hat, der zur Verhüllung ihres Geheimen am Platze gewesen

wäre. Sonst ergeben sich aus dem Bereiche des Sexuellen und Obszönen

die reichlichsten Gelegenheiten zum Gewinne komischer Lust neben

der lustvollen sexuellen Erregtheit, insofern der Mensch in seiner

Abhängigkeit von körperlichen Bedürfnissen gezeigt (Herabsetzung) oder

hinter dem Anspruch der seelischen Liebe die leibliche Anforderung

aufgedeckt werden kann (Entlarvung).

* * * * *

[Sidenote: Psychogenese des Komischen.]

Eine Aufforderung, auch das Verständnis des Komischen in seiner

Psychogenese zu suchen, hat sich überraschender Weise aus dem schönen

und lebensfrischen Buche von +Bergson+ (Le rire) ergeben. +Bergson+,

dessen Formeln zur Erfassung des komischen Charakters uns bereits

bekannt geworden sind -- „mécanisation de la vie“, „substitution

quelconque de l’artificiel au naturel“ -- gerät durch nahe liegende

Gedankenverbindung vom Automatismus auf den Automaten und sucht eine

Reihe von komischen Effekten auf die verblaßte Erinnerung an ein

Kinderspielzeug zurückzuführen. In diesem Zusammenhange erhebt er sich

einmal zu einem Standpunkt, den er allerdings bald wieder verläßt; er

sucht das Komische von der Nachwirkung der Kinderfreuden abzuleiten.

„Peut-être même devrions-nous pousser la simplification plus loin

encore, remonter à nos souvenirs les plus anciens, chercher dans les

jeux qui amusèrent l’enfant, la première ébauche des combinaisons qui

font rire l’homme ... Trop souvent surtout nous méconnaissons ce qu’il

y a d’encore enfantin, pour ainsi dire, dans la plupart de nos émotions

joyeuses“ (S. 68 u. ff.). Da wir nun den Witz bis auf ein durch die

verständige Kritik versagtes Kinderspiel mit Worten und Gedanken

zurückverfolgt haben, muß es uns verlocken, auch diesen von +Bergson+

vermuteten infantilen Wurzeln des Komischen nachzuspüren.

[Sidenote: Das Infantile und die Komik.]

Wirklich stoßen wir auf eine ganze Reihe von Beziehungen, die uns

vielversprechend erscheinen, wenn wir das Verhältnis der Komik zum

Kinde untersuchen. Das Kind selbst erscheint uns keineswegs komisch,

obwohl sein Wesen alle die Bedingungen erfüllt, die beim Vergleiche

mit dem unserigen eine komische Differenz ergeben: Den übermäßigen

Bewegungs- wie den geringen geistigen Aufwand, die Beherrschung der

seelischen Leistungen durch die körperlichen Funktionen und andere

Züge. Das Kind wirkt auf uns nur dann komisch, wenn es sich nicht als

Kind, sondern als ernsthafter Erwachsener gebärdet, und dann in der

gleichen Weise wie andere sich verkleidende Personen; solange es aber

das Wesen des Kindes beibehält, bereitet uns seine Wahrnehmung eine

reine, vielleicht ans Komische anklingende Lust. Wir heißen es naiv,

insofern es uns seine Hemmungslosigkeit zeigt, und naiv-komisch jene

seiner Äußerungen, die wir bei einem anderen als obszön oder als witzig

beurteilt hätten.

Anderseits geht dem Kinde das Gefühl für Komik ab. Dieser Satz

scheint nicht mehr zu besagen, als daß das komische Gefühl sich erst

im Laufe der seelischen Entwicklung irgend einmal einstellt wie so

manches andere, und das wäre nun keineswegs merkwürdig, zumal da man

zugestehen muß, daß es in Jahren, die man dem Kindesalter zurechnen

muß, bereits deutlich hervortritt. Aber es läßt sich doch zeigen, daß

die Behauptung, dem Kinde fehle das Gefühl des Komischen, mehr enthält

als eine Selbstverständlichkeit. Zunächst wird es leicht einzusehen,

daß es nicht anders sein kann, wenn unsere Auffassung richtig ist,

welche das komische Gefühl von einer beim Verstehen des anderen sich

ergebenden Aufwanddifferenz ableitet. Wählen wir wiederum das Komische

der Bewegung als Beispiel. Der Vergleich, der die Differenz liefert,

lautet in bewußte Formeln gebracht: So macht es der, und: So würde ich

es machen, so habe ich es gemacht. Dem Kinde fehlt aber der im zweiten

Satze enthaltene Maßstab, es versteht einfach durch Nachahmung, es

macht es ebenso. Die Erziehung des Kindes beschenkt dasselbe mit dem

Standard: So sollst du es machen; bedient es sich desselben nun bei

der Vergleichung, so liegt ihm der Schluß nahe: Der hat es nicht recht

gemacht, und: Ich kann es besser. In diesem Falle lacht es den anderen

aus, es verlacht ihn im Gefühle seiner Überlegenheit. Es steht nichts

im Wege, auch dieses Lachen von der Aufwandsdifferenz abzuleiten, aber

nach der Analogie mit den bei uns sich ereignenden Fällen von Verlachen

dürfen wir schließen, daß beim Überlegenheitslachen des Kindes das

komische Gefühl nicht verspürt wird. Es ist ein Lachen reiner Lust. Wo

bei uns das Urteil der eigenen Überlegenheit sich deutlich einstellt,

da lächeln wir bloß anstatt zu lachen, oder wenn wir lachen, können wir

dies Bewußtwerden unserer Überlegenheit doch vom Komischen, das uns

lachen macht, deutlich unterscheiden.

Es ist wahrscheinlich richtig zu sagen, das Kind lache aus reiner Lust

unter verschiedenen Umständen, die wir als „komisch“ empfinden und

nicht zu motivieren verstehen, während die Motive des Kindes klare

und angebbare sind. Wenn z. B. jemand auf der Straße ausgleitet und

hinfällt, so lachen wir, weil dieser Eindruck -- unbekannt warum --

komisch ist. Das Kind lacht im gleichen Falle aus Überlegenheitsgefühl

oder aus Schadenfreude: Du bist gefallen, und ich nicht. Gewisse

Lustmotive des Kindes scheinen uns Erwachsenen verloren zu gehen, dafür

verspüren wir unter den gleichen Bedingungen das „komische“ Gefühl als

Ersatz für das Verlorene.

Dürfte man verallgemeinern, so erschiene es recht verlockend, den

gesuchten spezifischen Charakter des Komischen in die Erweckung des

Infantilen zu verlegen, das Komische als das wiedergewonnene „verlorene

Kinderlachen“ zu erfassen. Man könnte dann sagen, ich lache jedesmal

über eine Aufwandsdifferenz zwischen dem anderen und mir, wenn ich

in dem anderen das Kind wiederfinde. Oder genauer ausgedrückt, der

vollständige Vergleich, der zum Komischen führt, würde lauten:

So macht es der -- Ich mache es anders --

Der macht es so, wie ich es als Kind gemacht habe.

Dieses Lachen gälte also jedesmal dem Vergleich zwischen dem Ich

des Erwachsenen und dem Ich als Kind. Selbst die Ungleichsinnigkeit

der komischen Differenz, daß mir bald das Mehr, bald das Minder des

Aufwandes komisch erscheint, würde mit der infantilen Bedingung

stimmen; das Komische ist dabei tatsächlich stets auf der Seite des

Infantilen.

Es widerspricht dem nicht, daß das Kind selbst als Objekt der

Vergleichung mir keinen komischen, sondern einen rein lustvollen

Eindruck macht; auch nicht, daß dieser Vergleich mit dem Infantilen nur

dann komisch wirkt, wenn eine andere Verwendung der Differenz vermieden

wird. Denn dabei kommen die Bedingungen der Abfuhr in Betracht. Alles

was einen psychischen Vorgang in einen Zusammenhang einschließt, wirkt

der Abfuhr der überschüssigen Besetzung entgegen und führt diese einer

anderen Verwendung zu; was einen psychischen Akt isoliert, begünstigt

die Abfuhr. Die bewußte Einstellung auf das Kind als Vergleichsperson

macht daher die Abfuhr unmöglich, die zur komischen Lust erforderlich

ist; nur bei vorbewußter Besetzung ergibt sich eine ähnliche Annäherung

an die Isolierung, wie wir sie übrigens auch den seelischen Vorgängen

im Kinde zuschreiben dürfen. Der Zusatz zum Vergleiche: So hab’ ich

es als Kind auch gemacht, von dem die komische Wirkung ausginge, käme

also für mittlere Differenzen erst dann in Betracht, wenn kein anderer

Zusammenhang sich des frei gewordenen Überschusses bemächtigen könnte.

Verweilen wir noch bei dem Versuch, das Wesen des Komischen in der

vorbewußten Anknüpfung an das Infantile zu finden, so müssen wir einen

Schritt über +Bergson+ hinaus tun und zugeben, daß der das Komische

ergebende Vergleich nicht etwa alte Kinderlust und Kinderspiel erwecken

müsse, sondern daß es hinreiche, wenn er an kindliches Wesen überhaupt,

vielleicht selbst an Kinderleid rühre. Wir entfernen uns hierin von

+Bergson+, bleiben aber im Einklang mit uns selbst, wenn wir die

komische Lust nicht auf erinnerte Lust, sondern immer wieder auf einen

Vergleich beziehen. Vielleicht, daß die Fälle der ersteren Art das

regelmäßig und unwiderstehlich Komische einigermaßen decken. Ziehen wir

hier das vorhin angeführte Schema der komischen Möglichkeiten heran.

Wir sagten, die komische Differenz würde gefunden entweder

_a_) durch einen Vergleich zwischen dem anderen und dem Ich,

oder _b_) durch einen Vergleich ganz innerhalb des anderen,

oder _c_) durch einen Vergleich ganz innerhalb des Ichs.

Im ersteren Falle erschiene der andere mir als Kind, im zweiten ließe

er sich selbst zum Kind herab, im dritten fände ich das Kind in mir

selbst. Zum ersten Falle gehören das Komische der Bewegung und der

Formen, der geistigen Leistung und des Charakters; das entsprechende

Infantile wären der Bewegungsdrang und die geistige und sittliche

Minderentwicklung des Kindes, so daß etwa der Dumme mir komisch

würde, insofern er mich an ein faules, der Böse, insofern er an ein

schlimmes Kind mahnt. Von einer dem Erwachsenen verloren gegangenen

Kinderlust könnte man nur das eine Mal reden, wo die dem Kind eigene

Bewegungsfreudigkeit in Betracht kommt.

Der zweite Fall, bei welchem die Komik ganz auf „Einfühlung“ beruht,

umfaßt die zahlreichsten Möglichkeiten, die Komik der Situation, der

Übertreibung (Karikatur), der Nachahmung, der Herabsetzung und der

Entlarvung. Es ist derjenige Fall, dem die Einführung des infantilen

Gesichtspunktes am meisten zu statten kommt. Denn die Situationskomik

gründet sich zumeist auf Verlegenheiten, in denen wir die Hilflosigkeit

des Kindes wiederfinden; die ärgste dieser Verlegenheiten, die

Störung anderer Leistungen durch die gebieterischen Anforderungen

der natürlichen Bedürfnisse entspricht der dem Kinde noch mangelnden

Beherrschung der leiblichen Funktionen. Wo die Situationskomik durch

Wiederholungen wirkt, stützt sie sich auf die dem Kinde eigentümliche

Lust an fortgesetzter Wiederholung (Fragen, Geschichten erzählen),

durch die es dem Erwachsenen zur Plage wird. Die Übertreibung,

welche auch dem Erwachsenen noch Lust bereitet, insofern sie eine

Rechtfertigung vor dessen Kritik zu finden weiß, hängt mit der

eigentümlichen Maßlosigkeit des Kindes, mit dessen Unkenntnis aller

quantitativen Beziehungen zusammen, die es ja später kennen lernt als

die qualitativen. Maßhalten, Ermäßigung auch der erlaubten Regungen ist

eine späte Frucht der Erziehung und wird durch gegenseitige Hemmung der

in einen Zusammenhang aufgenommenen seelischen Tätigkeiten gewonnen. Wo

dieser Zusammenhang geschwächt wird, im Unbewußten des Traumes, beim

Monoideismus der Psychoneurosen tritt die Unmäßigkeit des Kindes wieder

hervor.

Die Komik der Nachahmung hatte unserem Verständnis relativ große

Schwierigkeiten bereitet, solange wir das infantile Moment dabei außer

Acht ließen. Die Nachahmung ist aber die beste Kunst des Kindes und das

treibende Motiv der meisten seiner Spiele. Der Ehrgeiz des Kindes zielt

weit weniger auf die Auszeichnung unter seinesgleichen als auf die

Nachahmung der Großen. Von dem Verhältnis des Kindes zu den Erwachsenen

hängt auch die Komik der Herabsetzung ab, der die Herablassung des

Erwachsenen im Kinderleben entspricht. Wenig anderes kann dem Kinde

größere Lust bereiten, als wenn der Große sich zu ihm herabläßt, auf

seine drückende Überlegenheit verzichtet und wie seinesgleichen mit ihm

spielt. Die Erleichterung, die dem Kinde reine Lust schafft, wird beim

Erwachsenen als Herabsetzung zu einem Mittel des Komischmachens und zu

einer Quelle komischer Lust. Von der Entlarvung wissen wir, daß sie auf

die Herabsetzung zurückgeht.

Am meisten stößt auf Schwierigkeiten die infantile Begründung des

dritten Falles, der Komik der Erwartung, was wohl erklärt, daß

jene Autoren, welche diesen Fall in ihrer Auffassung des Komischen

vorangestellt haben, keinen Anlaß fanden, das infantile Moment für die

Komik in Betracht zu ziehen. Das Komische der Erwartung liegt dem Kinde

wohl am fernsten, die Fähigkeit, dieses zu erfassen, tritt bei ihm am

spätesten auf. Das Kind wird in den meisten derartigen Fällen, die dem

Erwachsenen komisch dünken, wahrscheinlich nur Enttäuschung empfinden.

Man könnte aber an die Erwartungsseligkeit und Leichtgläubigkeit des

Kindes anknüpfen, um zu verstehen, daß man sich „als Kind“ komisch

vorkommt, wenn man der komischen Enttäuschung unterliegt.

Ergäbe sich nun auch aus dem Vorstehenden eine gewisse

Wahrscheinlichkeit für eine Übersetzung des komischen Gefühls die etwa

lauten könnte: Komisch ist das, was sich für den Erwachsenen nicht

schickt, so fühle ich mich doch, vermöge meiner ganzen Stellung zum

komischen Problem, nicht kühn genug, diesen letzten Satz mit ähnlichem

Ernst wie die vorhin aufgestellten zu verteidigen. Ich mag nicht

entscheiden, ob die Herabsetzung zum Kinde nur ein Spezialfall der

komischen Herabsetzung ist, oder ob alle Komik im Grunde auf einer

Herabsetzung zum Kinde beruht.[72]

* * * * *

[Sidenote: Der Humor.]

Eine Untersuchung, die das Komische noch so flüchtig behandelt, wäre in

arger Weise unvollständig, wenn sie nicht wenigstens einige Bemerkungen

für den +Humor+ übrig hätte. Die Wesensverwandtschaft zwischen beiden

ist so wenig zweifelhaft, daß ein Erklärungsversuch des Komischen

mindestens eine Komponente zum Verständnis des Humors abgeben muß.

Soviel des Treffenden und Erhebenden auch zur Wertschätzung des Humors

vorgebracht worden ist, der, selbst eine der höchsten psychischen

Leistungen, auch die besondere Gunst der Denker genießt, so können wir

doch dem Versuche nicht ausweichen, sein Wesen durch eine Annäherung an

die Formeln für den Witz und für das Komische auszudrücken.

Wir haben gehört, daß die Entbindung peinlicher Affekte das stärkste

Hindernis der komischen Wirkung ist. Sowie die zwecklose Bewegung

Schaden stiftet, die Dummheit zum Unheil führt, die Enttäuschung

Schmerz bereitet, ist es mit der Möglichkeit eines komischen Effekts

zu Ende, für den wenigstens, der sich solcher Unlust nicht erwehren

kann, selbst von ihr betroffen wird oder an ihr Anteil nehmen muß,

während der Unbeteiligte durch sein Verhalten bezeugt, daß in der

Situation des betreffenden Falles alles enthalten ist, was für eine

komische Wirkung erfordert wird. Der Humor ist nun ein Mittel, um die

Lust trotz der sie störenden peinlichen Affekte zu gewinnen; er tritt

für diese Affektentwicklung ein, setzt sich an die Stelle derselben.

Seine Bedingung ist gegeben, wenn eine Situation vorliegt, in welcher

wir unseren Gewohnheiten gemäß versucht sind, peinlichen Affekt zu

entbinden, und wenn nun Motive auf uns einwirken, um diesen Affekt in

statu nascendi zu unterdrücken. In den eben angeführten Fällen könnte

also die vom Schaden, Schmerz usw. betroffene Person humoristische

Lust gewinnen, während die unbeteiligte aus komischer Lust lacht. Die

Lust des Humors entsteht dann, wir können nicht anders sagen, auf

Kosten dieser unterbliebenen Affektentbindung, sie geht aus +erspartem

Affektaufwand+ hervor.

Der Humor ist die genügsamste unter den Arten des Komischen; sein

Vorgang vollendet sich bereits in einer einzigen Person, die Teilnahme

einer anderen fügt nichts Neues zu ihm hinzu. Ich kann den Genuß der

in mir entstandenen humoristischen Lust für mich behalten, ohne mich

zur Mitteilung gedrängt zu fühlen. Es ist nicht leicht zu sagen,

was bei der Erzeugung der humoristischen Lust in der einen Person

vorgeht; man gewinnt aber eine gewisse Einsicht, wenn man die Fälle

des mitgeteilten oder nachgefühlten Humors untersucht, in denen

ich durch das Verständnis der humoristischen Person zur gleichen

Lust wie sie gelange. Der gröbste Fall des Humors, der sogenannte

Galgenhumor, mag uns darüber belehren. Der Spitzbube, der am Montag

zur Exekution geführt wird, äußert: „Na, diese Woche fängt gut an.“

Das ist eigentlich ein Witz, denn die Bemerkung ist an sich ganz

zutreffend, anderseits in ganz unsinniger Weise deplaciert, da es

weitere Ereignisse in dieser Woche für ihn nicht geben wird. Es

gehört aber Humor dazu, einen solchen Witz zu machen, d. h. über

alles hinwegzusehen, was diesen Wochenbeginn vor anderen auszeichnet,

den Unterschied zu leugnen, aus dem sich Motive zu ganz besonderen

Gefühlsregungen ergeben könnten. Derselbe Fall, wenn er sich auf dem

Wege zur Hinrichtung ein Halstuch für seinen bloßen Hals ausbittet,

um sich nicht zu verkühlen, eine Vorsicht, die sonst ganz lobenswert

wäre, bei dem nahe bevorstehenden Schicksal dieses Halses aber

ungeheuer überflüssig und gleichgiltig ist. Man muß sagen, es steckt

etwas wie Seelengröße in dieser „Blague“, in solchem Festhalten seines

gewohnten Wesens und Abwenden von dem, was dieses Wesen umwerfen und

zur Verzweiflung treiben sollte. Diese Art von Großartigkeit des Humors

tritt dann unverkennbar in Fällen hervor, in denen unsere Bewunderung

keine Hemmung an den Umständen der humoristischen Person findet.

In +V. Hugos Hernani+ ist der Bandit, der sich in eine Verschwörung

gegen seinen König, Karl I. von Spanien und Karl V. als deutscher

Kaiser, eingelassen hat, in die Hände dieses seines großmächtigen

Feindes gefallen; er sieht sein Schicksal als überführter Hochverräter

voraus, sein Kopf wird fallen. Aber diese Voraussicht hält ihn nicht

ab, sich als erbberechtigten Grande von Spanien erkennen zu geben und

zu erklären, daß er auf kein Vorrecht eines solchen zu verzichten

gedenke. Ein Grande von Spanien durfte in Gegenwart seines königlichen

Herrn sein Haupt bedecken. Nun gut:

„Nos têtes ont le droit

De tomber couvertes devant de toi.“

Dies ist großartiger Humor, und wenn wir als Hörer dabei nicht

lachen, so geschieht es, weil unsere Bewunderung die humoristische

Lust deckt. Im Falle des Spitzbuben, der sich auf dem Wege zum Galgen

nicht verkühlen will, lachen wir aus vollem Halse. Die Situation,

die den Delinquenten zur Verzweiflung treiben sollte, könnte bei uns

intensives Mitleid erregen; aber dies Mitleid wird gehemmt, weil wir

verstehen, daß er, der näher Betroffene, sich aus der Situation nichts

macht. Infolge dieses Verständnisses wird der Aufwand zum Mitleid,

der schon in uns bereit war, unverwendbar, und wir lachen ihn ab. Die

Gleichgiltigkeit des Spitzbuben, von der wir aber merken, daß sie ihn

einen großen Aufwand von psychischer Arbeit gekostet hat, steckt uns

gleichsam an.

[Sidenote: Ersparter Affektaufwand.]

Erspartes Mitleid ist eine der häufigsten Quellen der humoristischen

Lust. Der Humor +Mark Twains+ arbeitet gewöhnlich mit diesem

Mechanismus. Wenn er uns aus dem Leben seines Bruders erzählt, wie

dieser als Angestellter einer großen Wegbauunternehmung durch die

vorzeitige Explosion einer Mine in die Luft zu fliegen kam, um weit

entfernt von seinem Arbeitsorte wieder zur Erde zu kommen, so werden

unvermeidlich Regungen des Mitgefühls für den Verunglückten in uns

wach; wir möchten fragen, ob ihm bei seinem Unfall kein Schaden

geschehen ist; aber die Fortsetzung der Geschichte, daß dem Bruder

ein halber Tag Arbeitslohn abgezogen wurde „wegen Entfernung vom

Arbeitsorte“ lenkt uns vollständig vom Mitleid ab und macht uns beinahe

ebenso hartherzig wie jene Unternehmer, ebenso gleichgiltig gegen die

etwaige Gesundheitsschädigung des Bruders. Ein andermal legt uns +Mark

Twain+ seinen Stammbaum vor, den er etwa bis auf einen Gefährten des

Kolumbus zurückführt. Nachdem uns aber der Charakter dieses Ahnen

geschildert wurde, dessen ganzes Gepäck aus mehreren Wäschestücken

besteht, von denen jedes eine andere Märke trägt, können wir nicht

anders als auf Kosten der ersparten Pietät lachen, in welche wir

uns zu Beginn dieser Familiengeschichte zu versetzen gedachten. Der

Mechanismus der humoristischen Lust wird dabei nicht durch unser Wissen

gestört, daß diese Ahnengeschichte eine fingierte ist, und daß diese

Fiktion der satirischen Tendenz dient, die Schönfärberei, die sich in

solchen Mitteilungen anderer kundgibt, bloßzustellen; er ist ebenso

unabhängig von der Realitätsbedingung wie im Falle des Komischmachens.

Eine andere Geschichte von +Mark Twain+, die berichtet, wie sein

Bruder sich ein unterirdisches Quartier herstellte, in das er Bett,

Tisch und Lampe brachte, und das als Dach ein großes, in der Mitte

durchlöchertes Stück Segeltuch bekam, wie aber in der Nacht, nachdem

die Stube fertig geworden, eine heimgetriebene Kuh durch die Öffnung

der Decke auf den Tisch herabfiel und die Lampe auslöschte, wie der

Bruder geduldig mithalf, das Tier hinaufzubefördern und die Einrichtung

wiederherzustellen, wie er das gleiche tat, als sich die gleiche

Störung in der nächsten Nacht wiederholte und dann jede weitere Nacht;

eine solche Geschichte wird durch ihre Wiederholung komisch. +Mark

Twain+ beschließt sie aber mit der Mitteilung, der Bruder habe endlich

in der 46sten Nacht, als wiederum die Kuh herabfiel, bemerkt: Die Sache

fange an, monoton zu werden, und da können wir unsere humoristische

Lust nicht zurückhalten, denn wir hätten längst zu hören erwartet, wie

sich der Bruder über dies hartnäckige Malheur -- geärgert. Den kleinen

Humor, den wir etwa selbst in unserem Leben aufbringen, produzieren wir

in der Regel auf Kosten des Ärgers, anstatt uns zu ärgern.[73]

[Sidenote: Arten des Humors.]

Die Arten des Humors sind außerordentlich mannigfach je nach der Natur

der Gefühlserregung, die zu Gunsten des Humors erspart wird: Mitleid,

Ärger, Schmerz, Rührung usw. Die Reihe derselben erscheint auch

unabgeschlossen, weil das Reich des Humors immer weitere Ausdehnung

erfährt, wenn es dem Künstler oder Schriftsteller gelingt, bisher

noch unbezwungene Gefühlsregungen humoristisch zu bändigen, sie

durch ähnliche Kunstgriffe wie in den vorigen Beispielen zur Quelle

humoristischer Lust zu machen. Die Künstler des „+Simplizissimus+“,

z. B. haben Erstaunliches darin geleistet, den Humor auf Kosten von

Grausen und Ekel zu gewinnen. Die Erscheinungsformen des Humors

werden übrigens durch zwei Eigentümlichkeiten bestimmt, die mit den

Bedingungen seiner Entstehung zusammenhängen. Der Humor kann erstens

mit dem Witz oder einer anderen Art des Komischen verschmolzen

auftreten, wobei ihm die Aufgabe zufällt, eine in der Situation

enthaltene Möglichkeit von Affektentwicklung, die ein Hindernis

für die Lustwirkung wäre, zu beseitigen. Er kann zweitens diese

Affektentwicklung gänzlich aufheben oder bloß partiell, was sogar der

häufigere Fall ist, weil die leichtere Leistung, und die verschiedenen

Formen des „gebrochenen“[74] Humors, den Humor, der unter Tränen

lächelt, ergibt. Er entzieht dem Affekt einen Teil seiner Energie und

gibt ihm dafür den humoristischen Beiklang.

Die durch Nachfühlen gewonnene humoristische Lust entspringt, wie

man an obigen Beispielen merken konnte, einer besonderen, der

Verschiebung vergleichbaren Technik, durch welche die bereit gehaltene

Affektentbindung enttäuscht und die Besetzung auf anderes, nicht selten

Nebensächliches gelenkt wird. Für das Verständnis des Vorganges, durch

welchen in der humoristischen Person selbst die Verschiebung von der

Affektentwicklung weg vor sich geht, ist aber hiemit nichts gewonnen.

Wir sehen, daß der Empfänger den Schöpfer des Humors in seinen

seelischen Vorgängen nachahmt, erfahren dabei aber nichts über die

Kräfte, welche diesen Vorgang bei letzterem ermöglichen.

Man kann nur sagen, wenn es jemandem gelingt, sich z. B. über einen

schmerzlichen Affekt hinwegzusetzen, indem er sich die Größe der

Weltinteressen als Gegensatz zur eigenen Kleinheit vorhält, so sehen

wir darin keine Leistung des Humors, sondern des philosophischen

Denkens und haben auch keinen Lustgewinn, wenn wir uns in seinen

Gedankengang hineinversetzen. Die humoristische Verschiebung ist also

in der Beleuchtung der bewußten Aufmerksamkeit ebenso unmöglich wie die

komische Vergleichung; sie ist wie diese an die Bedingung, vorbewußt

oder automatisch zu bleiben, gebunden.

Zu einigem Aufschluß über die humoristische Verschiebung gelangt

man, wenn man sie im Lichte eines Abwehrvorganges betrachtet. Die

Abwehrvorgänge sind die psychischen Korrelate des Fluchtreflexes und

verfolgen die Aufgabe, die Entstehung von Unlust aus inneren Quellen

zu verhüten; in der Erfüllung dieser Aufgabe dienen sie dem seelischen

Geschehen als eine automatische Regulierung, die sich schließlich

allerdings als schädlich herausstellt und darum der Beherrschung

durch das bewußte Denken unterworfen werden muß. Eine bestimmte Art

dieser Abwehr, die mißglückte Verdrängung, habe ich als den wirkenden

Mechanismus für die Entstehung der Psychoneurosen nachgewiesen. Der

Humor kann nun als die höchststehende dieser Abwehrleistungen aufgefaßt

werden. Er verschmäht es, den mit dem peinlichen Affekt verknüpften

Vorstellungsinhalt der bewußten Aufmerksamkeit zu entziehen, wie es

die Verdrängung tut, und überwindet somit den Abwehrautomatismus;

er bringt dies zu stande, indem er die Mittel findet, der bereit

gehaltenen Unlustentbindung ihre Energie zu entziehen und diese durch

Abfuhr in Lust zu verwandeln. Es ist selbst denkbar, daß wiederum der

Zusammenhang mit dem Infantilen ihm die Mittel zu dieser Leistung zur

Verfügung stellt. Im Kinderleben allein hat es intensive peinliche

Affekte gegeben, über welche der Erwachsene heute lächeln würde, wie

er als Humorist über seine gegenwärtigen peinlichen Affekte lacht.

Die Erhebung seines Ichs, von welcher die humoristische Verschiebung

Zeugnis ablegt -- deren Übersetzung doch lauten würde: Ich bin zu

groß(artig), als daß diese Anlässe mich peinlich berühren sollten

--, könnte er wohl aus der Vergleichung seines gegenwärtigen Ichs

mit seinem kindlichen entnehmen. Einigermaßen unterstützt wird diese

Auffassung durch die Rolle, die dem Infantilen bei den neurotischen

Verdrängungsvorgängen zufällt.

[Sidenote: Stellung des Humors zu Witz und Komik.]

Im ganzen steht der Humor dem Komischen näher als dem Witz. Er hat

mit jenem auch die psychische Lokalisation im Vorbewußten gemeinsam,

während der Witz, wie wir annehmen mußten, als Kompromiß zwischen

Unbewußtem und Vorbewußtem gebildet wird. Dafür hat er keinen Anteil an

einem eigentümlichen Charakter, in welchem Witz und Komik sich treffen,

den wir vielleicht bisher nicht scharf genug hervorgehoben haben. Es

ist Bedingung für die Entstehung des Komischen, daß wir veranlaßt

werden, +gleichzeitig oder in rascher Aufeinanderfolge+ für die

nämliche Vorstellungsleistung zweierlei verschiedene Vorstellungsweisen

anzuwenden, zwischen denen dann die „Vergleichung“ statt hat, und

die komische Differenz sich ergibt. Solche Aufwandsdifferenzen

entstehen zwischen dem Fremden und dem Eigenen, dem Gewohnten und dem

Veränderten, dem Erwarteten und dem Eingetroffenen.[75]

Beim Witz kommt die Differenz zwischen zwei sich gleichzeitig

ergebenden Auffassungsweisen, die mit verschiedenem Aufwand arbeiten,

für den Vorgang beim Witzhörer in Betracht. Die eine dieser beiden

Auffassungen macht, den im Witze enthaltenen Andeutungen folgend, den

Weg des Gedankens durch das Unbewußte nach, die andere verbleibt an der

Oberfläche und stellt den Witz wie einen sonstigen aus dem Vorbewußten

bewußt gewordenen Wortlaut vor. Es wäre vielleicht keine unberechtigte

Darstellung, wenn man die Lust des angehörten Witzes aus der Differenz

dieser beiden Vorstellungsweisen ableiten würde.[76]

Wir sagen hier vom Witze das nämliche aus, was wir als seine

Janusköpfigkeit beschrieben haben, solange uns die Beziehung zwischen

Witz und Komik noch unerledigt erschien.[77]

Beim Humor verwischt sich der hier in den Vordergrund gerückte

Charakter. Wir verspüren zwar die humoristische Lust, wo eine

Gefühlsregung vermieden wird, die wir als eine der Situation

gewohnheitsmäßig zugeordnete erwartet hätten, und insofern fällt

auch der Humor unter den erweiterten Begriff der Erwartungskomik.

Aber es handelt sich beim Humor nicht mehr um zwei verschiedene

Vorstellungsweisen desselben Inhalts; daß die Situation durch die zu

vermeidende Gefühlserregung mit Unlustcharakter beherrscht wird, macht

der Vergleichbarkeit mit dem Charakter beim Komischen und beim Witze

ein Ende. Die humoristische Verschiebung ist eigentlich ein Fall jener

andersartigen Verwendung eines frei gewordenen Aufwandes, der sich als

so gefährlich für die komische Wirkung herausgestellt hat.

* * * * *

[Sidenote: Die Formeln für Witz, Komik, Humor.]

Wir stehen nun am Ende unserer Aufgabe, nachdem wir den Mechanismus

der humoristischen Lust auf eine analoge Formel zurückgeführt haben

wie für die komische Lust und den Witz. Die Lust des Witzes schien

uns aus +erspartem Hemmungsaufwand+ hervorzugehen, die der Komik

aus +erspartem Vorstellungs+-(Besetzungs-)+aufwand+, und die des

Humors aus +erspartem Gefühlsaufwand+. In allen drei Arbeitsweisen

unseres seelischen Apparats stammt die Lust von einer Ersparung; alle

drei kommen darin überein, daß sie Methoden darstellen, um aus der

seelischen Tätigkeit eine Lust wiederzugewinnen, welche eigentlich

erst durch die Entwicklung dieser Tätigkeit verloren gegangen ist.

Denn die Euphorie, welche wir auf diesen Wegen zu erreichen streben,

ist nichts anderes als die Stimmung einer Lebenszeit, in welcher wir

unsere psychische Arbeit überhaupt mit geringem Aufwand zu bestreiten

pflegten, die Stimmung unserer Kindheit, in der wir das Komische nicht

kannten, des Witzes nicht fähig waren und den Humor nicht brauchten, um

uns im Leben glücklich zu fühlen.

[60] Ich habe hier überall das Naive mit dem Naivkomischen

identifiziert, was gewiß nicht allgemein zulässig ist. Aber es

genügt unseren Absichten, die Charaktere des Naiven am „naiven

Witz“ und an der „naiven Zote“ zu studieren. Ein weiteres

Eingehen würde die Absicht voraussetzen, von hier aus das Wesen

des Komischen zu ergründen.

[61] Auch +Bergson+ (Le rire, 1904) weist (S. 99) eine solche

Ableitung der komischen Lust, die unverkennbar durch das

Bestreben beeinflußt worden ist, eine Analogie mit dem Lachen

des Gekitzelten zu schaffen, mit guten Argumenten ab. -- Auf

einem ganz anderen Niveau steht die Erklärung der komischen Lust

bei +Lipps+, die im Zusammenhange mit seiner Auffassung des

Komischen als eines „unerwarteten Kleinen“ darzustellen wäre.

[62] Die Erinnerung an diesen Innervationsaufwand wird das

wesentliche Stück der Vorstellung von dieser Bewegung bleiben,

und es wird immer Denkweisen in meinem Seelenleben geben, bei

welchen die Vorstellung durch nichts anderes als diesen Aufwand

repräsentiert wird. In anderen Zusammenhängen mag ja ein

Ersatz dieses Elements durch andere, z. B. durch die visuellen

Vorstellungen des Bewegungszieles, durch die Wortvorstellung,

eintreten, und bei gewissen Arten des abstrakten Denkens wird

ein Zeichen anstatt des vollen Inhalts der Vorstellung genügen.

[63] „Was man nicht im Kopfe hat,“ sagt das Sprichwort, „muß man in

den Beinen haben.“

[64] Diese durchgehende Gegensätzlichkeit in den Bedingungen des

Komischen, daß bald ein Zuviel, bald ein Zuwenig als die Quelle

der komischen Lust erscheint, hat zur Verwirrung des Problems

nicht wenig beigetragen. Vgl. +Lipps+ (l. c., S. 47).

[65] Degradation. +A. Bain+ (The emotions and the will, 2. edit.

1865, sagt: „The occasion of the Ludicrous is the degradation of

some person or interest, possessing dignity, in circumstances

that excite no other strong emotion.“) (S. 248).

[66] „So heißt überhaupt Witz jedes bewußte und geschickte

Hervorrufen der Komik, sei es der Komik der Anschauung oder der

Situation. Natürlich können wir auch diesen Begriff des Witzes

hier nicht brauchen.“ +Lipps+, l. c. S. 78.

[67] Dies wird höchstens vom Erzähler als Deutung eingesetzt.

[68] L. c. S. 83. (3. Aufl. S. 87).

[69] +Bergson+, Le rire, essai sur la signification du comique. 3me

édition, Paris 1904.

[70] Sechste Auflage, Berlin 1891.

[71] „Du hast leicht lachen, dich geht es nicht weiter an.“

[72] Daß die komische Lust ihre Quelle im „quantitativen Kontrast“

im Vergleich von Klein und Groß hat, welcher schließlich auch

die wesentliche Relation des Kindes zum Erwachsenen ausdrückt,

dies wäre in der Tat ein seltsames Zusammentreffen, wenn das

Komische weiter nichts mit dem Infantilen zu tun hätte.

[73] Die großartige humoristische Wirkung einer Figur wie des dicken

Ritters +Sir John Falstaff+ beruht auf ersparter Verachtung und

Entrüstung. Wir erkennen zwar in ihm den unwürdigen Schlemmer

und Hochstapler, aber unsere Verurteilung wird durch eine ganze

Reihe von Momenten entwaffnet. Wir verstehen, daß er sich

genau so kennt, wie wir ihn beurteilen; er imponiert uns durch

seinen Witz, und außerdem übt seine körperliche Mißgestalt

eine Kontaktwirkung zu Gunsten einer komischen Auffassung

seiner Person anstatt einer ernsthaften aus, als ob unsere

Anforderungen von Moral und Ehre von einem so dicken Bauch

abprallen müßten. Sein Treiben ist im ganzen harmlos und wird

durch die komische Niedrigkeit der von ihm Betrogenen fast

entschuldigt. Wir geben zu, daß der Arme bemüht sein darf zu

leben und zu genießen wie ein anderer, und bemitleiden ihn fast,

weil wir ihn in den Hauptsituationen als Spielzeug in den Händen

eines ihm weit Überlegenen finden. Darum können wir ihm nicht

gram werden und schlagen alles, was wir bei ihm an Entrüstung

ersparen, zur komischen Lust, die er sonst bereitet, hinzu. +Sir

John’s+ eigener Humor geht eigentlich aus der Überlegenheit

eines Ich’s hervor, dem weder seine leiblichen noch seine

moralischen Defekte die Heiterkeit und Sicherheit rauben können.

Der geistreiche Ritter +Don Quijote de la Mancha+ ist hingegen

eine Gestalt, die selbst keinen Humor besitzt und uns in ihrem

Ernst eine Lust bereitet, die man eine humoristische nennen

könnte, obwohl deren Mechanismus eine wichtige Abweichung von

dem des Humors erkennen läßt. +Don Quijote+ ist ursprünglich

eine rein komische Figur, ein großes Kind, dem die Phantasien

seiner Ritterbücher zu Kopfe gestiegen sind. Es ist bekannt,

daß der Dichter anfangs nichts anderes mit ihm wollte, und

daß das Geschöpf allmählich weit über die ersten Absichten

des Schöpfers hinauswuchs. Nachdem aber der Dichter diese

lächerliche Person mit der tiefsten Weisheit und den edelsten

Absichten ausgestattet und sie zum symbolischen Vertreter eines

Idealismus gemacht hat, der an die Verwirklichung seiner Ziele

glaubt, Pflichten ernst und Versprechen wörtlich nimmt, hört

diese Person auf, komisch zu wirken. Ähnlich wie sonst die

humoristische Lust durch Verhinderung einer Gefühlserregung

entsteht sie hier durch Störung der komischen Lust. Doch

entfernen wir uns mit diesen Beispielen bereits merklich von den

einfachen Fällen des Humors.

[74] Ein Terminus, der in der Ästhetik von +Fr. Th. Vischer+ in ganz

anderem Sinne verwendet wird.

[75] Wenn man sich nicht scheut, dem Begriff Erwartung einigen

Zwang anzutun, kann man nach dem Vorgange von Lipps ein sehr

großes Gebiet des Komischen der Erwartungskomik zurechnen, aber

gerade die wahrscheinlich ursprünglichsten Fälle der Komik, die

aus der Vergleichung eines fremden Aufwandes mit dem eigenen

hervorgehen, würden sich dieser Zusammenfassung am wenigsten

fügen.

[76] Man kann an dieser Formel ohne weiteres festhalten, denn sie

läuft auf nichts heraus, was im Widerspruch zu früheren

Erörterungen stünde. Die Differenz zwischen den beiden Aufwänden

muß sich im wesentlichen auf den ersparten Hemmungsaufwand

reduzieren. Das Fehlen dieser Hemmungsersparung beim Komischen

und der Wegfall des quantitativen Kontrastes beim Witze

würden, bei aller Übereinstimmung im Charakter der zweierlei

Vorstellungsarbeit für die nämliche Auffassung, den Unterschied

des komischen Gefühls vom Eindruck des Witzes bedingen.

[77] Die Eigentümlichkeit der „Double face“ ist den Autoren natürlich

nicht entgangen. +Mélinaud+, dem ich obigen Ausdruck entnahm

(Pourquoi rit-on? Revue des deux mondes, Februar, 1895), faßt

die Bedingung für das Lachen in folgende Formel: Ce qui fait

rire, c’est ce qui est à la fois, d’un côté, absurde et de

l’autre, familier. Die Formel paßt auf den Witz besser als aufs

Komische, deckt aber auch den ersteren nicht ganz. -- +Bergson+

(l. c., S. 98) definiert die komische Situation durch die

„interférence des séries“: „Une situation est toujours comique

quand elle appartient en même temps à deux séries d’événements

absolument indépendantes, et qu’elle peut s’interpréter à la

fois dans deux sens tout différents.“ -- Für +Lipps+ ist die

Komik „die Größe und Kleinheit desselben“.

Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten · 第 21 / 24 题