VII. Der Witz und die Arten des Komischen.

Wir haben uns den Problemen des Komischen auf eine ungewöhnliche Weise

genähert. Es schien uns, daß der Witz, der sonst als eine Unterart der

Komik betrachtet wird, genug der Eigentümlichkeiten biete, um direkt

in Angriff genommen zu werden, und so sind wir seiner Beziehung zu der

umfassenderen Kategorie des Komischen, solange es uns möglich war,

ausgewichen, nicht ohne unterwegs einige fürs Komische verwertbare

Hinweise aufzugreifen. Wir haben ohne Schwierigkeiten gefunden, daß das

Komische sich sozial anders verhält als der Witz. Es kann sich mit nur

zwei Personen begnügen, der einen, die das Komische findet, und der

zweiten, an der es gefunden wird. Die dritte Person, der das Komische

mitgeteilt wird, verstärkt den komischen Vorgang, fügt aber nichts

Neues zu ihm hinzu. Beim Witz ist diese dritte Person zur Vollendung

des lustbringenden Vorganges unentbehrlich; dagegen kann die zweite

wegfallen, wo es sich nicht um tendenziösen, aggressiven Witz handelt.

Der Witz wird gemacht, die Komik wird gefunden, und zwar zu allererst

an Personen, erst in weiterer Übertragung auch an Objekten, Situationen

u. dergl. Vom Witz wissen wir, daß nicht fremde Personen, sondern

die eigenen Denkvorgänge die Quellen der zu fördernden Lust in sich

bergen. Wir haben ferner gehört, daß der Witz gelegentlich unzugänglich

gewordene Quellen der Komik wieder zu eröffnen weiß, und daß das

Komische häufig dem Witz als Fassade dient und ihm die sonst durch die

bekannte Technik herzustellende Vorlust ersetzt (S. 132). Es deutet

dies alles gerade nicht auf sehr einfache Beziehungen zwischen Witz

und Komik hin. Anderseits haben sich die Probleme des Komischen als so

komplizierte erwiesen, allen Lösungsbestrebungen der Philosophen bisher

so erfolgreich getrotzt, daß wir die Erwartung nicht aufrecht erhalten

können, wir würden ihrer gleichsam durch einen Handstreich Meister

werden, wenn wir von der Seite des Witzes her an sie herankommen. Auch

brachten wir für die Erforschung des Witzes ein Instrument mit, welches

anderen noch nicht gedient hatte, die Kenntnis der Traumarbeit; zur

Erkenntnis des Komischen steht uns kein ähnlicher Vorteil zu Gebote,

und wir dürfen daher gewärtig sein, daß wir vom Wesen der Komik nichts

anderes erkennen werden, als was sich uns bereits im Witz gezeigt hat,

insofern derselbe dem Komischen zugehört und gewisse Züge desselben

unverändert oder modifiziert in seinem eigenen Wesen führt.

[Sidenote: Das Naive.]

Diejenige Gattung des Komischen, welche dem Witze am nächsten steht,

ist das +Naive+. Das Naive wird wie das Komische im allgemeinen

gefunden, nicht wie der Witz gemacht, und zwar kann das Naive

überhaupt nicht gemacht werden, während beim rein Komischen auch ein

Komischmachen, ein Hervorrufen der Komik in Betracht kommt. Das Naive

muß sich ohne unser Dazutun ergeben an den Reden und Handlungen anderer

Personen, die an der Stelle der +zweiten+ Person beim Komischen oder

beim Witze stehen. Das Naive entsteht, wenn sich jemand über eine

Hemmung voll hinaussetzt, weil eine solche bei ihm nicht vorhanden

ist, wenn er sie also mühelos zu überwinden scheint. Bedingung für die

Wirkung des Naiven ist, daß uns bekannt sei, er besitze diese Hemmung

nicht, sonst heißen wir ihn nicht naiv, sondern frech, lachen nicht

über ihn, sondern sind über ihn entrüstet. Die Wirkung des Naiven

ist unwiderstehlich und scheint dem Verständnis einfach. Ein von uns

gewohnheitsmäßig gemachter Hemmungsaufwand wird durch das Anhören der

naiven Rede plötzlich unverwendbar und durch Lachen abgeführt; eine

Ablenkung der Aufmerksamkeit braucht es dabei nicht, wahrscheinlich,

weil die Aufhebung der Hemmung direkt und nicht durch Vermittlung

einer angeregten Operation erfolgt. Wir verhalten uns dabei analog der

dritten Person des Witzes, welcher die Hemmungsersparung ohne eigene

Bemühung geschenkt wird.

Nach den Einblicken in die Genese der Hemmungen, welche wir bei der

Verfolgung der Entwicklung vom Spiel zum Witz gewonnen haben, wird es

uns nicht wundern, daß das Naive zu allermeist am Kind gefunden wird,

in weiterer Übertragung dann beim ungebildeten Erwachsenen, den wir als

kindlich betreffs seiner intellektuellen Ausbildung auffassen können.

Zum Vergleiche mit dem Witze bieten sich naive Reden natürlich besser

als naive Handlungen, da Reden und nicht Handlungen die gewöhnlichen

Äußerungsformen des Witzes sind. Es ist nun bezeichnend, daß man naive

Reden wie die der Kinder ohne Zwang auch als „naive Witze“ benennen

kann. Die Übereinstimmung und die Begründung der Verschiedenheit

zwischen Witz und Naivität wird uns an einigen Beispielen leicht

ersichtlich werden.

Ein 3½jähriges Mädchen warnt seinen Bruder: „Du, iß nicht soviel von

dieser Speise, sonst wirst du krank werden und mußt Bubizin nehmen.“

„Bubizin?“ fragt die Mutter, „was ist denn das?“ „Wie ich krank war,“

rechtfertigt sich das Kind, „habe ich ja auch Medizin nehmen müssen.“

Das Kind ist der Meinung, daß das vom Arzt verschriebene Mittel

Mädi--zin heißt, wenn es für das Mädi bestimmt ist, und schließt,

daß es Bubi--zin heißen wird, wenn das Bubi es nehmen soll. Dies ist

nun gemacht wie ein Wortwitz, der mit der Technik des Gleichklangs

arbeitet, und könnte sich ja auch als wirklicher Witz zugetragen haben,

in welchem Falle wir ihm halb widerwillig ein Lächeln geschenkt hätten.

Als Beispiel einer Naivität scheint es uns ganz ausgezeichnet und macht

uns laut lachen. Was stellt aber hier den Unterschied zwischen dem Witz

und dem Naiven her? Offenbar nicht der Wortlaut oder die Technik, die

für beide Möglichkeiten die gleichen sind, sondern ein für den ersten

Anblick von beiden recht fern ab liegendes Moment. Es handelt sich

nur darum, ob wir annehmen, daß der Sprecher einen Witz beabsichtigt

habe, oder daß er -- das Kind -- im guten Glauben auf Grund seiner

unkorrigierten Unwissenheit einen ernsthaften Schluß habe ziehen

wollen. Nur der letztere Fall ist einer der Naivität. Auf ein solches

Sichhineinversetzen der anderen Person in den psychischen Vorgang bei

der produzierenden Person werden wir hier zuerst aufmerksam gemacht.

Die Untersuchung eines zweiten Beispieles wird diese Auffassung

bestätigen. Ein Geschwisterpaar, ein 12jähriges Mädchen und ein

10jähriger Knabe führen ein von ihnen selbst komponiertes Theaterstück

vor einem Parterre von Onkeln und Tanten auf. Die Szene stellt

eine Hütte am Meeresstrande dar. Im ersten Akt klagen die beiden

Dichter-Schauspieler, ein armer Fischer und sein braves Weib, über

die harten Zeiten und den schlechten Erwerb. Der Mann beschließt auf

seinem Boot über das weite Meer zu fahren, um anderswo den Reichtum zu

suchen, und nach einem zärtlichen Abschied der beiden wird der Vorhang

zugezogen. Der zweite Akt spielt einige Jahre später. Der Fischer

ist als reicher Mann mit einem großen Geldbeutel zurückgekehrt und

erzählt der Frau, die er vor der Hütte wartend antrifft, wie schön

es ihm draußen geglückt ist. Die Frau unterbricht ihn stolz: Ich war

aber auch nicht faul unterdessen, und öffnet seinen Blicken die Hütte,

auf deren Boden man zwölf große Puppen als Kinder schlafen sieht ...

An dieser Stelle des Schauspieles wurden die Darsteller durch ein

sturmartiges Lachen der Zuschauer unterbrochen, welches sie sich nicht

erklären konnten. Sie starrten verduzt auf die lieben Verwandten hin,

die sich soweit anständig benommen und gespannt zugehört hatten.

Die Voraussetzung, unter der dieses Lachen sich erklärt, ist die

Annahme der Zuschauer, daß die jungen Dichter noch nichts von den

Bedingungen der Entstehung der Kinder wissen und darum glauben können,

eine Frau würde sich der in längerer Abwesenheit des Mannes geborenen

Nachkommenschaft rühmen und ein Mann sich mit ihr freuen dürfen. Was

die Dichter auf Grund solcher Unwissenheit produzierten, kann man aber

als Unsinn, als Absurdität bezeichnen.

Ein drittes Beispiel wird uns eine noch andere Technik, die wir

beim Witze kennen gelernt haben, im Dienste des Naiven zeigen.

Für ein kleines Mädchen wird eine „Französin“ als Gouvernante

aufgenommen, deren Person aber nicht ihren Beifall findet. Kaum daß

die neu Engagierte sich entfernt hat, läßt die Kleine ihre Kritik

verlauten: „Das soll eine Französin sein! Vielleicht heißt sie sich

so, weil sie einmal bei einem Franzosen gelegen ist!“ Dies könnte

ein sogar erträglicher Witz sein -- Doppelsinn mit Zweideutigkeit

oder zweideutiger Anspielung, wenn das Kind von der Möglichkeit des

Doppelsinnes eine Ahnung gehabt hätte. In Wirklichkeit hatte sie nur

eine oft gehörte scherzhafte Behauptung der Unechtheit auf die ihr

unsympathische Fremde übertragen. („Das soll echtes Gold sein? Das

ist vielleicht einmal bei Gold gelegen!“) Wegen dieser Unkenntnis des

Kindes, die den psychischen Vorgang bei den verstehenden Zuhörern

so gründlich abändert, wird seine Rede eine naive. Infolge dieser

Bedingung gibt es aber auch ein mißverständlich Naives; man kann

beim Kind eine Unwissenheit annehmen, die nicht mehr besteht, und

Kinder pflegen sich häufig naiv zu stellen, um sich einer Freiheit zu

bedienen, die ihnen sonst nicht zugestanden würde.

[Sidenote: Das Naive dem Witze am nächsten.]

An diesen Beispielen kann man die Stellung des Naiven zwischen dem

Witz und dem Komischen erläutern. Mit dem Witz stimmt das Naive (der

Rede) im Wortlaut und im Inhalt überein, es bringt einen Wortmißbrauch,

einen Unsinn oder eine Zote zu stande. Aber der psychische Vorgang

in der ersten produzierenden Person, der uns beim Witze so viel

des Interessanten und Rätselhaften bot, entfällt hier völlig. Die

naive Person vermeint sich ihrer Ausdrucksmittel und Denkwege in

normaler und einfacher Weise bedient zu haben und weiß nichts von

einer Nebenabsicht; sie zieht aus der Produktion des Naiven auch

keinen Lustgewinn. Alle Charaktere des Naiven bestehen nur in der

Auffassung der anhörenden Person, die mit der dritten Person des Witzes

zusammenfällt. Die produzierende Person erzeugt ferner das Naive

mühelos; die komplizierte Technik, die beim Witz dazu bestimmt ist,

die Hemmung durch die verständige Kritik zu lahmen, entfällt bei ihr,

weil sie diese Hemmung noch nicht besitzt, so daß sie Unsinn und Zote

unmittelbar und ohne Kompromiß von sich geben kann. Insofern ist das

Naive der Grenzfall des Witzes, der sich herausstellt, wenn man in der

Formel der Witzbildung die Größe dieser Zensur auf Null heruntersetzt.

War es für die Wirksamkeit des Witzes Bedingung, daß beide Personen

unter ungefähr gleichen Hemmungen oder inneren Widerständen stehen, so

läßt sich also als Bedingung des Naiven erkennen, daß die eine Person

Hemmungen besitze, deren die andere entbehrt. Bei der mit Hemmungen

versehenen Person liegt die Auffassung des Naiven, ausschließlich bei

ihr kommt der Lustgewinn, den das Naive bringt, zu stande, und wir

sind nahe daran zu erraten, daß diese Lust durch Hemmungsaufhebung

entsteht. Da die Lust des Witzes der nämlichen Herkunft ist, -- ein

Kern von Wort- und Unsinnslust und eine Hülle von Aufhebungs- und

Erleichterungslust, -- so begründet diese ähnliche Beziehung zur

Hemmung die innere Verwandtschaft des Naiven mit dem Witze. Bei beiden

entsteht die Lust durch Aufhebung von innerer Hemmung. Der psychische

Vorgang bei der rezeptiven Person (mit der beim Naiven unser Ich

regelmäßig zusammenfällt, während wir uns beim Witz auch an die Stelle

der produktiven setzen können) ist aber im Falle des Naiven um so viel

komplizierter, als der bei der produktiven Person im Vergleich mit dem

Witze vereinfacht ist. Auf die rezeptive Person muß das gehörte Naive

einerseits wirken wie ein Witz, wofür gerade unsere Beispiele Zeugnis

ablegen können, denn ihr ist wie beim Witz die Aufhebung der Zensur

durch die bloße Mühe des Anhörens ermöglicht worden. Aber nur ein Teil

der Lust, die das Naive schafft, läßt diese Erklärung zu, ja selbst

dieser wäre in anderen Fällen des Naiven, z. B. beim Anhören von naiven

Zoten gefährdet. Man könnte auf eine naive Zote ohne weiteres mit der

nämlichen Entrüstung reagieren, die sich etwa gegen die wirkliche Zote

erhebt, wenn nicht ein anderes Moment uns diese Entrüstung ersparen und

gleichzeitig den bedeutsameren Anteil der Lust am Naiven liefern würde.

Dieses andere Moment ist uns durch die vorhin erwähnte Bedingung

gegeben, daß uns, um das Naive anzuerkennen, das Fehlen der inneren

Hemmung bei der produzierenden Person bekannt sein müsse. Nur wenn

dies gesichert ist, lachen wir, anstatt uns zu entrüsten. Wir ziehen

also den psychischen Zustand der produzierenden Person in Betracht,

versetzen uns in denselben, suchen ihn zu verstehen, indem wir ihn

mit dem unserigen vergleichen. Aus solchem Sichhineinversetzen und

Vergleichen resultiert eine Ersparung von Aufwand, die wir durch Lachen

abführen.

[Sidenote: Die Quelle der komischen Lust beim Naiven.]

Man könnte die einfachere Darstellung bevorzugen, durch die Überlegung,

daß die Person keine Hemmung zu überwinden brauchte, werde unsere

Entrüstung überflüssig; das Lachen geschehe also auf Kosten der

ersparten Entrüstung. Um diese im allgemeinen irreführende Auffassung

fern zu halten, will ich zwei Fälle schärfer sondern, die ich in

obiger Darstellung vereinigt hatte. Das Naive, das vor uns hintritt,

kann entweder von der Natur des Witzes sein wie in unseren Beispielen,

oder von der Natur der Zote, des Anstößigen überhaupt, was dann

besonders zutreffen wird, wenn es sich nicht als Rede, sondern als

Handlung äußert. Dieser letztere Fall ist wirklich irreführend; man

könnte für ihn annehmen, die Lust entstehe aus der ersparten und

umgewandelten Entrüstung. Aber der erstere Fall ist der aufklärende.

Die naive Rede z. B. vom Bubizin, kann an sich wirken wie ein geringer

Witz und zur Entrüstung keinen Anlaß geben; es ist dies gewiß der

seltenere aber der reinere und bei weitem lehrreichere Fall. Soweit

wir nun daran denken, daß das Kind die Silben „Medi“ in „Medizin“

ernsthaft und ohne Nebenansicht für identisch mit seinem eigenen Namen

„Mädi“ gehalten hat, erfährt die Lust am Gehörten eine Steigerung,

die nichts mehr mit der Witzeslust zu tun hat. Wir betrachten jetzt

das Gesagte von zweierlei Standpunkten, einmal so, wie es sich beim

Kind ergeben hat, und dann so, wie sich es für uns ergeben würde,

finden bei diesem Vergleich, daß das Kind eine Identität gefunden,

eine Schranke überwunden hat, die für uns besteht, und dann geht es

etwa so weiter, als ob wir uns sagen würden: Wenn du das Gehörte

verstehen willst, kannst du dir den Aufwand für die Einhaltung dieser

Schranke ersparen. Der bei solchem Vergleich frei gewordene Aufwand

ist die Quelle der Lust am Naiven und wird durch Lachen abgeführt; es

ist allerdings der nämliche, den wir sonst in Entrüstung verwandelt

hätten, wenn das Verständnis der produzierenden Person und hier auch

die Natur des Gesagten eine solche nicht ausschlößen. Nehmen wir aber

den Fall des naiven Witzes als vorbildlich für den anderen Fall des

naiv Anstößigen, so sehen wir, daß auch hier die Ersparung an Hemmung

direkt aus der Vergleichung hervorgehen kann, daß wir nicht notwendig

haben, eine beginnende und dann erstickte Entrüstung anzunehmen,

und daß die letztere nur einer anderweitigen Verwendung des frei

gewordenen Aufwandes entspricht, gegen welche beim Witze komplizierte

Schutzeinrichtungen erforderlich waren.

Dieser Vergleich, diese Ersparung an Aufwand beim Sichhineinversetzen

in den seelischen Vorgang der produzierenden Person, können für das

Naive nur dann eine Bedeutung beanspruchen, wenn sie nicht ihm allein

zukommen. In der Tat entsteht bei uns die Vermutung, daß dieser dem

Witz völlig fremde Mechanismus, ein Stück, vielleicht das wesentliche

Stück des psychischem Vorganges beim Komischen ist. Von dieser Seite --

es ist gewiß die wichtigste Ansicht des Naiven -- stellt sich das Naive

also als eine Art des Komischen dar. Was bei unseren Beispielen von

naiven Reden zur Witzeslust dazukommt, ist „komische“ Lust. Von dieser

wären wir geneigt ganz allgemein anzunehmen, daß sie durch ersparten

Aufwand bei Vergleichung der Äußerungen eines anderen mit den unserigen

entstehe. Da wir aber hier vor weit ausgreifenden Anschauungen

stehen, wollen wir vorerst die Würdigung des Naiven abschließen. Das

Naive wäre also eine Art des Komischen, insofern seine Lust aus der

Aufwanddifferenz entspringt, die sich beim Verstehenwollen des anderen

ergibt, und es näherte sich dem Witz durch die Bedingung, daß der bei

der Vergleichung ersparte Aufwand ein Hemmungsaufwand sein muß.[60]

Stellen wir noch rasch einige Übereinstimmungen und Unterscheidungen

fest zwischen den Begriffen, zu denen wir zuletzt gelangt sind, und

jenen, die seit langem in der Psychologie der Komik genannt werden.

Das Sichhineinversetzen, Verstehenwollen ist offenbar nichts anderes

als das „komische Leihen“, das seit +Jean Paul+ in der Analyse des

Komischen eine Rolle spielt; das „Vergleichen“ des seelischen Vorganges

beim anderen mit dem eigenen entspricht dem „psychologischen Kontrast“,

für den wir hier endlich eine Stelle finden, nachdem wir beim Witze

mit ihm nichts anzufangen wußten. In der Erklärung der komischen Lust

weichen wir aber von vielen Autoren, ab, bei denen die Lust durch das

Hin- und Herschwanken der Aufmerksamkeit zwischen den kontrastierenden

Vorstellungen entstehen soll. Wir wüßten einen solchen Mechanismus

der Lust nicht zu begreifen, wir weisen darauf hin, daß bei der

Vergleichung der Kontraste sich eine Aufwanddifferenz herausstellt,

welche, wenn sie keine andere Verwendung erfährt, abfuhrfähig und

dadurch Lustquelle wird.[61]

An das Problem des Komischen selbst wagen wir uns nur mit Bangen

heran. Es wäre vermessen zu erwarten, daß unsere Bemühungen etwas

Entscheidendes zu dessen Lösung beitragen könnten, nachdem die

Arbeiten einer großen Reihe von ausgezeichneten Denkern eine allseitig

befriedigende Aufklärung nicht ergeben haben. Wir beabsichtigen

wirklich nichts anderes als jene Gesichtspunkte, die sich uns als

wertvoll für den Witz erwiesen haben, eine Strecke weit ins Gebiet des

Komischen zu verfolgen.

[Sidenote: Vorkommen und Ursprungsgebiete des Komischen.]

Das Komische ergibt sich zunächst als ein unbeabsichtigter Fund aus

den sozialen Beziehungen der Menschen. Es wird an Personen gefunden,

und zwar an deren Bewegungen, Formen, Handlungen und Charakterzügen,

wahrscheinlich ursprünglich nur an den körperlichen, später auch an

den seelischen Eigenschaften derselben, beziehungsweise an deren

Äußerungen. Durch eine sehr gebräuchliche Art von Personifizierung

werden dann auch Tiere und unbelebte Objekte komisch. Das Komische ist

indes der Ablösung von den Personen fähig, indem die Bedingung erkannt

wird, unter welcher eine Person komisch erscheint. So entsteht das

Komische der Situation, und mit solcher Erkenntnis ist die Möglichkeit

vorhanden, eine Person nach Belieben komisch zu machen, indem man sie

in Situationen versetzt, in denen ihrem Tun diese Bedingungen des

Komischen anhängen. Die Entdeckung, daß man es in seiner Macht hat,

einen anderen komisch zu machen, eröffnet den Zugang zu ungeahntem

Gewinn an komischer Lust und gibt einer hochausgebildeten Technik den

Ursprung. Man kann auch sich selbst ebensowohl komisch machen wie

andere. Die Mittel, die zum Komischmachen dienen, sind: die Versetzung

in komische Situationen, die Nachahmung, Verkleidung, Entlarvung,

Karikatur, Parodie und Travestie u. a. Wie selbstverständlich können

diese Techniken in den Dienst feindseliger und aggressiver Tendenzen

treten. Man kann eine Person komisch machen, um sie verächtlich werden

zu lassen, um ihr den Anspruch auf Würde und Autorität zu benehmen.

Aber selbst wenn solche Absicht dem Komischmachen regelmäßig zu Grunde

läge, brauchte dies nicht der Sinn des spontan Komischen zu sein.

Aus dieser untergeordneten Übersicht über das Vorkommen des Komischen

ersehen wir bereits, daß ihm ein sehr ausgedehntes Ursprungsgebiet

zugesprochen werden muß, und daß so spezialisierte Bedingungen wie

z. B. beim Naiven beim Komischen nicht zu erwarten sind. Um der für das

Komische gültigen Bedingung auf die Spur zu kommen, ist die Wahl eines

Ausgangsfalles das Bedeutsamste; wir wählen die Komik der Bewegungen,

weil wir uns erinnern, daß die primitivste Bühnendarstellung, die der

Pantomime, sich dieses Mittels bedient, um uns lachen zu machen. Die

Antwort, warum wir über die Bewegungen der Clowns lachen, würde lauten,

weil sie uns übermäßig und unzweckmäßig erscheinen. Wir lachen über

einen allzu großen Aufwand. Suchen wir die Bedingung außerhalb der

künstlich gemachten Komik, also dort, wo sie sich unabsichtlich finden

läßt. Die Bewegungen des Kindes erscheinen uns nicht komisch, obwohl

das Kind zappelt und springt. Komisch ist es dagegen, wenn das Kind

beim Schreibenlernen die herausgestreckte Zunge die Bewegungen des

Federstiels mitmachen läßt; wir sehen in diesen Mitbewegungen einen

überflüssigen Bewegungsaufwand, den wir uns bei der gleichen Tätigkeit

ersparen würden. In gleicher Weise sind uns andere Mitbewegungen

oder auch bloß übermäßig gesteigerte Ausdrucksbewegungen komisch

auch bei Erwachsenen. So sind ganz reine Fälle dieser Art von Komik

die Bewegungen, die der Kegelschieber ausführt, nachdem er die Kugel

entlassen hat, solange er ihren Lauf verfolgt, als könnte er diesen

noch nachträglich regulieren; so sind alle Grimassen komisch, welche

den normalen Ausdruck der Gemütsbewegungen übertreiben, auch dann,

wenn sie unwillkürlich erfolgen wie bei an Veitstanz (Chorea St.

Viti) leidenden Personen; so werden die leidenschaftlichen Bewegungen

eines modernen Dirigenten jedem Unmusikalischen komisch erscheinen,

der ihre Notwendigkeit nicht zu verstehen weiß. Ja, von dieser Komik

der Bewegungen zweigt das Komische der Körperformen und Gesichtszüge

ab, indem diese aufgefaßt werden, als seien sie das Ergebnis einer zu

weit getriebenen und zwecklosen Bewegung. Aufgerissene Augen, eine

hakenförmig zum Mund abgebogene Nase, abstehende Ohren, ein Buckel, all

dergleichen wirkt wahrscheinlich nur komisch, insofern die Bewegungen

vorgestellt werden, die zum Zustandekommen dieser Züge notwendig wären,

wobei Nase, Ohren und andere Körperteile der Vorstellung beweglicher

gelten, als sie es in Wirklichkeit sind. Es ist ohne Zweifel komisch,

wenn jemand „mit den Ohren wackeln“ kann, und es wäre ganz gewiß noch

komischer, wenn er die Nase heben oder senken könnte. Ein gutes Stück

der komischen Wirkung, welche die Tiere auf uns äußern, kommt von der

Wahrnehmung solcher Bewegungen an ihnen, die wir nicht nachahmen können.

[Sidenote: Komik der Bewegung.]

Auf welche Weise gelangen wir aber zum Lachen, wenn wir die Bewegungen

eines anderen als übermäßig und unzweckmäßig erkannt haben? Auf dem

Wege der Vergleichung, meine ich, zwischen der am anderen beobachteten

Bewegung und jener, die ich selbst an ihrer statt ausgeführt hätte. Die

beiden Verglichenen müssen natürlich auf gleiches Maß gesetzt werden,

und dieses Maß ist mein, mit der Vorstellung der Bewegung in dem einen

wie im anderen Falle verbundener, Innervationsaufwand. Diese Behauptung

bedarf der Erläuterung und weiterer Ausführung.

Was wir hier in Beziehung zueinander setzen, ist einerseits der

psychische Aufwand bei einem gewissen Vorstellen und anderseits der

Inhalt dieses Vorgestellten. Unsere Behauptung geht dahin, daß der

erstere nicht allgemein und prinzipiell unabhängig sei vom letzteren,

vom Vorstellungsinhalt, insbesondere daß die Vorstellung eines Großen

einen Mehraufwand gegen die eines Kleinen erfordere. Solange es sich

nur um die Vorstellung verschieden großer Bewegungen handelt, dürfte

uns die theoretische Begründung unseres Satzes und sein Erweis durch

die Beobachtung keine Schwierigkeiten bereiten. Es wird sich zeigen,

daß in diesem Falle eine Eigenschaft der Vorstellung tatsächlich

mit einer Eigenschaft des Vorgestellten zusammenfällt, obwohl die

Psychologie uns sonst vor solcher Verwechslung warnt.

Die Vorstellung von einer bestimmt großen Bewegung habe ich erworben,

indem ich diese Bewegung ausführte oder nachahmte, und bei dieser

Aktion habe ich in meinen Innervationsempfindungen ein Maß für diese

Bewegung kennen gelernt.[62]

Wenn ich nun eine ähnliche, mehr oder minder große Bewegung bei einem

anderen wahrnehme, wird der sicherste Weg zum Verständnis -- zur

Apperzeption -- derselben sein, daß ich sie nachahmend ausführe, und

dann kann ich durch den Vergleich entscheiden, bei welcher Bewegung

mein Aufwand größer war. Ein solcher Drang zur Nachahmung tritt gewiß

beim Wahrnehmen von Bewegungen auf. In Wirklichkeit aber führe ich

die Nachahmung nicht durch, so wenig wie ich noch buchstabiere, wenn

ich durch das Buchstabieren das Lesen erlernt habe. An Stelle der

Nachahmung der Bewegung durch meine Muskeln setze ich das Vorstellen

derselben vermittels meiner Erinnerungsspuren an die Aufwände bei

ähnlichen Bewegungen. Das Vorstellen oder „Denken“ unterscheidet

sich vom Handeln oder Ausführen vor allem dadurch, daß es sehr

viel geringere Besetzungsenergien in Verschiebung bringt und den

Hauptaufwand vom Abfluß zurückhält. Auf welche Weise wird aber das

quantitative Moment -- das mehr oder minder Große -- der wahrgenommenen

Bewegung in der Vorstellung zum Ausdruck gebracht? Und wenn eine

Darstellung der Quantität in der aus Qualitäten zusammengesetzten

Vorstellung wegfällt, wie kann ich dann die Vorstellungen verschieden

großer Bewegungen unterscheiden, den Vergleich anstellen, auf den es

hier ankommt?

Hier weist uns die Physiologie den Weg, indem sie uns lehrt, daß auch

während des Vorstellens Innervationen zu den Muskeln ablaufen, die

freilich nur einem bescheidenen Aufwand entsprechen. Es liegt aber

jetzt sehr nahe anzunehmen, daß dieser das Vorstellen begleitende

Innervationsaufwand zur Darstellung des quantitativen Faktors der

Vorstellung verwendet wird, daß er größer ist, wenn eine große Bewegung

vorgestellt wird, als wenn es sich um eine kleine handelt. Die

Vorstellung der größeren Bewegung wäre also hier wirklich die größere,

d. h. von größerem Aufwand begleitete Vorstellung.

[Sidenote: Vorstellungsmimik.]

Die Beobachtung zeigt nun unmittelbar, daß die Menschen gewöhnt sind,

das Groß und Klein in ihren Vorstellungsinhalten durch mannigfachen

Aufwand in einer Art von +Vorstellungsmimik+ zum Ausdruck zu bringen.

Wenn ein Kind oder ein Mann aus dem Volke oder ein Angehöriger gewisser

Rassen etwas mitteilt oder schildert, so kann man leicht sehen, daß er

sich nicht damit begnügt, seine Vorstellung durch die Wahl klarer Worte

dem Hörer deutlich zu machen, sondern daß er auch den Inhalt derselben

in seinen Ausdrucksbewegungen darstellt; er verbindet die mimische mit

der wörtlichen Darstellung. Er bezeichnet zumal die Quantitäten und

Intensitäten. „Ein hoher Berg“, dabei hebt er die Hand über seinen

Kopf; „ein kleiner Zwerg“, dabei hält er sie nahe an den Boden. Er

mag es sich abgewöhnt haben, mit den Händen zu malen, so wird er es

darum doch mit der Stimme tun, und wenn er sich auch darin beherrscht,

so mag man wetten, daß er bei der Schilderung von etwas Großem die

Augen aufreißt und bei der Darstellung von etwas Kleinem die Augen

zusammendrückt. Es sind nicht seine Affekte, die er so äußert, sondern

wirklich der Inhalt des von ihm Vorgestellten.

Soll man nun annehmen, daß dies Bedürfnis nach Mimik erst durch die

Anforderung der Mitteilung geweckt wird, während doch ein gutes Stück

dieser Darstellungsweise der Aufmerksamkeit des Hörers überhaupt

entgeht? Ich glaube vielmehr, daß diese Mimik, wenn auch minder

lebhaft, abgesehen von jeder Mitteilung besteht, daß sie auch zu stande

kommt, wenn die Person für sich allein vorstellt, etwas anschaulich

denkt; daß diese Person dann das Groß und Klein an ihrem Körper

ebenso wie während der Rede zum Ausdruck bringt, durch veränderte

Innervation an ihren Gesichtszügen und Sinnesorganen wenigstens.

Ja ich kann mir denken, daß die dem Inhalt des Vorgestellten

konsensuelle Körperinnervation der Beginn und Ursprung der Mimik

zu Mitteilungszwecken war; sie brauchte ja nur gesteigert, dem

anderen auffällig gemacht zu werden, um dieser Absicht dienen zu

können. Wenn ich so die Ansicht vertrete, daß zu dem „Ausdruck der

Gemütsbewegungen“, der als körperliche Nebenwirkung seelischer Vorgänge

bekannt ist, dieser „Ausdruck des Vorstellungsinhalts“ hinzugefügt

werden sollte, so ist mir gewiß klar, daß meine auf die Kategorie des

Großen und Kleinen bezüglichen Bemerkungen das Thema nicht erschöpfen.

Ich wüßte selbst noch mancherlei dazu zu tun, noch ehe man zu den

Spannungsphänomenen gelangt, durch welche eine Person die Sammlung

ihrer Aufmerksamkeit und das Niveau der Abstraktion, auf dem ihr Denken

eben verweilt, körperlich anzeigt. Ich halte den Gegenstand für recht

bedeutsam und glaube, daß die Verfolgung der Vorstellungsmimik auf

anderen Gebieten der Ästhetik ähnlich nützlich sein dürfte wie hier für

das Verständnis des Komischen.

[Sidenote: Der Vergleich zweier Aufwände als Lustquelle.]

Um nun zur Komik der Bewegung zurückzukehren, wiederhole ich, daß

mit der Wahrnehmung einer bestimmten Bewegung der Impuls zu ihrer

Vorstellung durch einen gewissen Aufwand gegeben sein wird. Ich mache

also beim „Verstehenwollen“, bei der Apperzeption dieser Bewegung

einen gewissen Aufwand, verhalte mich bei diesem Stück des seelischen

Vorganges ganz so, als ob ich mich an die Stelle der beobachteten

Person versetzte. Wahrscheinlich gleichzeitig fasse ich aber das Ziel

dieser Bewegung ins Auge und kann durch frühere Erfahrung das Maß von

Aufwand abschätzen, welches zur Erreichung dieses Zieles erforderlich

ist. Ich sehe dabei von der beobachteten Person ab und benehme mich

so, als ob ich selbst das Ziel der Bewegung erreichen wollte. Diese

beiden Vorstellungsmöglichkeiten kommen auf einen Vergleich der

beobachteten mit meiner eigenen Bewegung hinaus. Bei einer übermäßigen

und unzweckmäßigen Bewegung des anderen wird mein Mehraufwand fürs

Verständnis in statu nascendi, gleichsam in der Mobilmachung gehemmt,

als überflüssig erklärt und ist für weitere Verwendung, eventuell für

die Abfuhr durch Lachen, frei. Dieser Art wäre, wenn andere günstige

Bedingungen hinzutreten, die Entstehung der Lust an der komischen

Bewegung, ein bei der Vergleichung mit der eigenen Bewegung als

Überschuß unverwendbar gewordener Innervationsaufwand.

Wir merken nun, daß wir unsere Erörterungen nach zwei verschiedenen

Richtungen fortzusetzen haben, erstens, um die Bedingungen für die

Abfuhr des Überschusses festzustellen, zweitens um zu prüfen, ob die

anderen Fälle des Komischen sich ähnlich fassen lassen wie das Komische

der Bewegung.

Wir wenden uns der letzteren Aufgabe zuerst zu und ziehen nach dem

Komischen der Bewegung und Handlung das Komische in Betracht, das an

den geistigen Leistungen und Charakterzügen des anderen gefunden wird.

Wir können den komischen Unsinn, wie er von unwissenden Kandidaten im

Examen produziert wird, zum Muster der Gattung nehmen; schwieriger

ist es wohl, von den Charakterzügen ein einfaches Beispiel zu geben.

Es darf uns nicht irre machen, daß Unsinn und Dummheit, die so häufig

komisch wirken, doch nicht in allen Fällen als komisch empfunden

werden, ebenso wie die nämlichen Charaktere, über die wir das eine Mal

als komisch lachen, andere Male uns als verächtlich oder hassenswert

erscheinen können. Diese Tatsache, der Rechnung zu tragen wir nicht

vergessen dürfen, deutet doch nur darauf hin, daß für die komische

Wirkung noch andere Verhältnisse als die der uns bekannten Vergleichung

in Betracht kommen, Bedingungen, denen wir in anderem Zusammenhange

nachspüren können.

Das Komische, das an geistigen und seelischen Eigenschaften eines

anderen gefunden wird, ist offenbar wiederum Ergebnis einer

Vergleichung zwischen ihm und meinem Ich, aber merkwürdigerweise einer

Vergleichung, die zumeist das entgegengesetzte Resultat geliefert

hat wie im Falle der komischen Bewegung oder Handlung. In diesem

letzteren Falle war es komisch, wenn der andere sich mehr Aufwand

auferlegt hatte, als ich zugebrauchen glaubte; im Falle der seelischen

Leistung wird es hingegen komisch, wenn der andere sich Aufwand erspart

hat, den ich für unerläßlich halte, denn Unsinn und Dummheit sind ja

Minderleistungen. Im ersteren Falle lache ich, weil er es sich zu

schwer, im letzteren, weil er’s sich zu leicht gemacht hat. Es kommt

also scheinbar für die komische Wirkung nur auf die Differenz zwischen

den beiden Besetzungsaufwänden -- dem der „Einfühlung“ und dem des Ichs

-- an und nicht darauf, zu wessen Gunsten diese Differenz aussagt.

Diese unser Urteil zunächst verwirrende Sonderbarkeit schwindet aber,

wenn man in Erwägung zieht, daß es in der Richtung unserer persönlichen

Entwicklung zu einer höheren Kulturstufe liegt, unsere Muskelarbeit

einzuschränken und unsere Gedankenarbeit zu steigern. Durch Erhöhung

unseres Denkaufwandes erzielen wir eine Verringerung unseres

Bewegungsaufwandes für die nämliche Leistung, von welchem Kulturerfolg

ja unsere Maschinen Zeugnis ablegen.[63]

Es fügt sich also einem einheitlichen Verständnis, wenn derjenige uns

komisch erscheint, der für seine körperlichen Leistungen zuviel und

für seine seelischen Leistungen zu wenig Aufwand im Vergleich mit uns

treibt, und es ist nicht abzuweisen, daß unser Lachen in diesen beiden

Fällen der Ausdruck der lustvoll empfundenen Überlegenheit ist, die

wir uns ihm gegenüber zusprechen. Wenn das Verhältnis sich in beiden

Fällen umkehrt, der somatische Aufwand des anderen geringer und sein

seelischer größer gefunden wird als der unserige, dann lachen wir nicht

mehr, dann staunen und bewundern wir.[64]

[Sidenote: Situationskomik.]

Der hier erörterte Ursprung der komischen Lust aus der Vergleichung der

anderen Person mit dem eigenen Ich -- aus der Differenz zwischen dem

Einfühlungsaufwand und dem eigenen -- ist wahrscheinlich der genetisch

bedeutsamste. Sicher steht aber, daß er nicht der einzige geblieben

ist. Wir haben irgend einmal gelernt, von solcher Vergleichung zwischen

dem anderen und dem Ich abzusehen und die lustbringende Differenz uns

von nur einer Seite her zu holen, sei es von der Einfühlung her,

sei es aus den Vorgängen im eigenen Ich, womit der Beweis erbracht

ist, daß das Gefühl der Überlegenheit keine wesentliche Beziehung zur

komischen Lust hat. Eine Vergleichung ist für die Entstehung dieser

Lust unentbehrlich; wir finden, daß diese Vergleichung statt hat

zwischen zwei rasch aufeinander folgenden und auf dieselbe Leistung

bezüglichen Besetzungsaufwänden, die wir entweder auf dem Wege der

Einfühlung in den anderen bei uns herstellen oder ohne solche Beziehung

in unseren eigenen seelischen Vorgängen finden. Der erste Fall, bei dem

die andere Person also noch eine Rolle spielt, nur nicht ihr Vergleich

mit unserem Ich, ergibt sich, wenn die lustbringende Differenz der

Besetzungsaufwände hergestellt wird durch äußere Einflüsse, die wir

als „Situation“ zusammenfassen können, weshalb diese Art Komik auch

+Situationskomik+ genannt wird. Die Eigenschaften der Person, welche

das Komische liefert, kommen dabei nicht hauptsächlich in Betracht; wir

lachen, auch wenn wir uns sagen müssen, daß wir in derselben Situation

das nämliche hätten tun müssen. Wir ziehen hier die Komik aus dem

Verhältnis des Menschen zur oft übermächtigen Außenwelt, als welche

sich für die seelischen Vorgänge im Menschen auch die Konventionen und

Notwendigkeiten der Gesellschaft, ja selbst seine eigenen leiblichen

Bedürfnisse darstellen. Ein typischer Fall der letzten Art ist es,

wenn jemand in einer Tätigkeit, die seine seelischen Kräfte in

Anspruch nimmt, plötzlich gestört wird durch einen Schmerz oder ein

exkrementelles Bedürfnis. Der Gegensatz, welcher uns bei der Einfühlung

die komische Differenz liefert, ist der zwischen dem hohen Interesse

vor der Störung und dem minimalen, welches er nach Eintritt der Störung

noch für seine seelische Tätigkeit übrig hat. Die Person, die uns diese

Differenz liefert, wird uns wiederum als eine unterlegene komisch;

sie ist aber nur unterlegen im Vergleiche mit ihrem früheren Ich und

nicht im Vergleiche zu uns, da wir wissen, daß wir uns im gleichen

Falle nicht anders benehmen könnten. Es ist aber bemerkenswert, daß

wir dieses Unterliegen des Menschen nur im Falle der Einfühlung, also

beim anderen komisch finden können, während wir selbst im Falle solcher

und ähnlicher Verlegenheiten uns nur peinlicher Gefühle bewußt würden.

Wahrscheinlich ermöglicht uns erst dieses Fernhalten des Peinlichen von

unserer Person, die aus der Vergleichung der wechselnden Besetzungen

sich ergebende Differenz als eine lustvolle zu genießen.

Die andere Quelle des Komischen, die wir in unseren eigenen

Besetzungswandlungen finden, liegt in unseren Beziehungen

zum Zukünftigen, welches wir gewöhnt sind durch unsere

Erwartungsvorstellungen zu antizipieren. Ich nehme an, daß

ein quantitativ bestimmter Aufwand unserer jedesmaligen

Erwartungsvorstellung zu Grunde liegt, der sich also im Falle der

Enttäuschung um eine bestimmte Differenz vermindert, und berufe

mich hier wiederum auf die vorhin gemachten Bemerkungen über

„Vorstellungsmimik“. Es scheint mir aber leichter, den wirklich mobil

gemachten Besetzungsaufwand für die Fälle der Erwartung zu erweisen.

Es ist für eine Reihe von Fällen ganz offenkundig, daß motorische

Vorbereitungen den Ausdruck der Erwartung bilden, zunächst für alle

Fälle, in denen das erwartete Ereignis Ansprüche an meine Motilität

stellt, und diese Vorbereitungen sind ohne weiteres quantitativ

bestimmbar. Wenn ich einen Ball aufzufangen erwarte, der mir zugeworfen

wird, so versetze ich meinen Körper in Spannungen, die ihn befähigen

sollen, dem Anprall des Balls Stand zu halten, und die überschüssigen

Bewegungen, die ich mache, wenn sich der aufgefangene Ball als zu

leicht erweist, machen mich den Zuschauern komisch. Ich habe mich

durch die Erwartung zu einem übermäßigen Bewegungsaufwand verführen

lassen. Desgleichen, wenn ich z. B. eine für schwer gehaltene Frucht

aus einem Korb hebe, die aber zu meiner Täuschung hohl, aus Wachs

nachgeahmt ist. Meine Hand verrät durch ihr Emporschnellen, daß ich

eine für den Zweck übergroße Innervation vorbereitet hatte, und ich

werde dafür verlacht. Ja es gibt wenigstens einen Fall, in welchem

der Erwartungsaufwand durch das physiologische Experiment am Tier

unmittelbar meßbar aufgezeigt werden kann. In den +Pawlof+schen

Versuchen über Speichelsekretionen werden Hunden, denen eine

Speichelfistel angelegt worden ist, verschiedene Nahrungsmittel

vorgezeigt, und die abgesonderten Mengen Speichel schwanken dann, je

nachdem die Versuchsbedingungen die Erwartungen des Hundes, mit dem

Vorgezeigten gefüttert zu werden, bestärkt oder getäuscht haben.

[Sidenote: Erwartungskomik.]

Auch wo das Erwartete bloß Ansprüche an meine Sinnesorgane und nicht

an meine Motilität stellt, darf ich annehmen, daß die Erwartung sich

in einer gewissen motorischen Verausgabung zur Spannung der Sinne,

zur Abhaltung anderer nicht erwarteter Eindrücke äußert, und darf

überhaupt die Einstellung der Aufmerksamkeit als eine motorische

Leistung, die einem gewissen Aufwand gleichkommt, auffassen. Ich darf

ferner voraussetzen, daß die vorbereitende Tätigkeit der Erwartung

nicht unabhängig sein wird von der Größe des erwarteten Eindrucks,

sondern daß ich das Groß oder Klein derselben mimisch durch einen

größeren oder kleineren Vorbereitungsaufwand darstellen werde wie

im Falle der Mitteilung und im Falle des Denkens ohne zu erwarten.

Der Erwartungsaufwand wird sich allerdings aus mehreren Komponenten

zusammensetzen, und auch für meine Enttäuschung wird verschiedenes

in Betracht kommen, nicht nur ob das Eingetroffene sinnlich größer

oder kleiner ist als das Erwartete, sondern auch, ob es des großen

Interesses würdig ist, welches ich für die Erwartung aufgeboten hatte.

Ich werde auf diese Weise etwa dazu angeleitet, außer dem Aufwand für

die Darstellung von Groß und Klein (der Vorstellungsmimik), den Aufwand

für die Spannung der Aufmerksamkeit (Erwartungsaufwand) und bei anderen

Fällen überdies den Abstraktionsaufwand in Betracht zu ziehen. Aber

diese anderen Arten von Aufwand lassen sich leicht auf den für Groß und

Klein zurückführen, da ja das Interessantere, das Erhabenere und selbst

das Abstraktere nur besonders qualifizierte Spezialfälle des Größeren

sind. Nehmen wir hinzu, daß nach +Lipps+ u. a. der +quantitative+ --

und nicht der qualitative -- Kontrast in erster Linie als Quelle der

komischen Lust angesehen wird, so werden wir im ganzen damit zufrieden

sein, daß wir das Komische der Bewegung zum Ausgangspunkt unserer

Untersuchung gewählt haben.

In Ausführung des +Kant+schen Satzes, „das Komische sei eine in nichts

zergangene Erwartung“, hat +Lipps+ in seinem hier wiederholt zitierten

Buche den Versuch gemacht, die komische Lust ganz allgemein aus der

Erwartung abzuleiten. Trotz der vielen lehrreichen und wertvollen

Ergebnisse, welche dieser Versuch zu Tage gefördert hat, möchte ich

aber der von anderen Autoren geäußerten Kritik beipflichten, daß

+Lipps+ das Ursprungsgebiet des Komischen um vieles zu eng gefaßt hat

und dessen Phänomene seiner Formel nicht ohne großen Zwang unterwerfen

konnte.

* * * * *

Die Menschen haben sich nicht damit begnügt, das Komische zu genießen,

wo sie im Erleben darauf stoßen, sondern darnach gestrebt es

absichtlich herzustellen, und man erfährt mehr vom Wesen des Komischen,

wenn man die Mittel studiert, welche zum Komischmachen dienen. Man kann

vor allem das Komische an seiner eigenen Person zur Erheiterung anderer

hervorrufen, z. B. indem man sich ungeschickt oder dumm stellt. Man

erzeugt dann die Komik genau so, als ob man es wirklich wäre, indem

man die Bedingung der Vergleichung, die zur Aufwanddifferenz führt,

erfüllt; man macht sich selbst aber nicht lächerlich oder verächtlich

dadurch, sondern kann unter Umständen sogar Bewunderung erzielen. Das

Gefühl der Überlegenheit kommt beim anderen nicht zu stande, wenn

er weiß, daß man sich bloß verstellt hat, und dies gibt einen guten

neuerlichen Beweis für die prinzipielle Unabhängigkeit der Komik vom

Überlegenheitsgefühl.

Als Mittel, einen anderen komisch zu machen, dient vor allem die

Versetzung in Situationen, in denen man infolge der menschlichen

Abhängigkeit von äußeren Verhältnissen, insbesondere sozialen Momenten

komisch wird, ohne Rücksicht auf die persönlichen Eigenschaften des

Betroffenen, also die Ausnützung der Situationskomik. Diese Versetzung

in eine komische Situation mag eine reale sein (a practical joke),

indem man jemandem ein Bein stellt, so daß er wie ein Ungeschickter

hinfällt, ihn dumm erscheinen läßt, dadurch daß man seine Gläubigkeit

ausnützt, ihm etwas Unsinniges einzureden sucht u. dgl., oder sie kann

durch Rede oder Spiel fingiert werden. Es ist ein gutes Hilfsmittel der

Aggression, in deren Dienst sich das Komischmachen zu stellen pflegt,

daß die komische Lust unabhängig ist von der Realität der komischen

Situation, so daß jeder eigentlich wehrlos dem Komischgemachtwerden

ausgesetzt ist.

[Sidenote: Die Karikatur.]

Es gibt aber noch andere Mittel zum Komischmachen, die eine besondere

Würdigung verdienen und zum Teil auch neue Ursprünge der komischen

Lust aufzeigen. Hieher gehört z. B. die +Nachahmung+, die dem Hörer

eine ganz außerordentliche Lust gewährt und ihren Gegenstand komisch

macht, auch wenn sie sich von der karikierenden Übertreibung noch

ferne hält. Es ist viel leichter, die komische Wirkung der +Karikatur+

als die der bloßen Nachahmung zu ergründen. Karikatur, Parodie und

Travestie, sowie deren praktisches Gegenstück: die Entlarvung,

richten sich gegen Personen und Objekte, die Autorität und Respekt

beanspruchen, in irgend einem Sinne +erhaben+ sind. Es sind Verfahren

zur Herabsetzung, wie der glückliche Ausdruck der deutschen Sprache

besagt.[65] Das Erhabene ist ein Großes im übertragenen, im psychischen

Sinne, und ich möchte die Annahme machen oder vielmehr erneuern, daß

dasselbe wie das somatisch Große durch einen Mehraufwand dargestellt

wird. Es gehört wenig Beobachtung dazu, um festzustellen, daß ich,

wenn ich vom Erhabenen rede, meine Stimme anders innerviere, andere

Mienen mache und meine ganze Körperhaltung gleichsam in Einklang mit

der Würde dessen zu bringen suche, was ich vorstelle. Ich lege mir

einen feierlichen Zwang auf, nicht viel anders, als wenn ich mich in

die Gegenwart einer erhabenen Persönlichkeit, eines Monarchen, eines

Fürsten der Wissenschaft begeben soll. Ich werde kaum irre gehen, wenn

ich annehme, daß diese andere Innervation der Vorstellungsmimik einem

Mehraufwand entspricht. Den dritten Fall eines solchen Mehraufwandes

finde ich wohl, wenn ich mich in abstrakten Gedankengängen anstatt in

den gewohnten konkreten und plastischen Vorstellungen ergehe. Wenn

nun die besprochenen Verfahren zur Herabsetzung des Erhabenen mich

dieses wie ein Gewöhnliches vorstellen lassen, bei dem ich mich nicht

zusammennehmen muß, in dessen idealer Gegenwart ich es mir „kommod“

machen kann, wie die militärische Formel lautet, erspart sie mir den

Mehraufwand des feierlichen Zwanges, und der Vergleich dieser durch

die Einfühlung angeregten Vorstellungsweise mit der bisher gewohnten,

die sich gleichzeitig herzustellen sucht, schafft wiederum die

Aufwandsdifferenz, die durch Lachen abgeführt werden kann.

Die Karikatur stellt die Herabsetzung bekanntlich her, indem sie aus

dem Gesamtausdrucke des erhabenen Objekts einen einzelnen an sich

komischen Zug heraushebt, welcher übersehen werden mußte, solange er

nur im Gesamtbilde wahrnehmbar war. Durch dessen Isolierung kann nun

ein komischer Effekt erzielt werden, der sich auf das Ganze in unserer

Erinnerung erstreckt. Bedingung ist dabei, daß nicht die Anwesenheit

des Erhabenen selbst uns in der Disposition der Ehrerbietung festhalte.

Wo ein solcher übersehener komischer Zug in Wirklichkeit fehlt, da

schafft ihn die Karikatur unbedenklich durch die Übertreibung eines

an sich nicht komischen. Es ist wiederum kennzeichnend für den

Ursprung der komischen Lust, daß der Effekt der Karikatur durch solche

Verfälschung der Wirklichkeit nicht wesentlich beeinträchtigt wird.

[Sidenote: Der Aufwand fürs Erhabene.]

+Parodie+ und +Travestie+ erreichen die Herabsetzung des Erhabenen

auf andere Weise, indem sie die Einheitlichkeit zwischen den uns

bekannten Charakteren von Personen und deren Reden und Handlungen

zerstören, entweder die erhabenen Personen oder deren Äußerungen durch

niedrige ersetzen. Darin unterscheiden sie sich von der Karikatur,

nicht aber durch den Mechanismus der Produktion von komischer Lust.

Der nämliche Mechanismus gilt auch noch für die +Entlarvung+, die nur

dort in Betracht kommt, wo jemand Würde und Autorität durch einen Trug

an sich gerissen hat, die ihm in der Wirklichkeit abgenommen werden

müssen. Den komischen Effekt der Entlarvung haben wir durch einige

Beispiele beim Witze kennen gelernt, z. B. in jener Geschichte von der

vornehmen Dame, die in den ersten Geburtswehen: Ah, mon dieu ruft,

welcher der Arzt aber nicht eher Beistand leisten will, als bis sie

Ai, waih geschrien hat. Nachdem wir nun die Charaktere des Komischen

kennen gelernt haben, können wir nicht mehr bestreiten, daß diese

Geschichte eigentlich ein Beispiel von komischer Entlarvung ist und

keinen berechtigten Anspruch hat, ein Witz geheißen zu werden. An den

Witz erinnert sie bloß durch die Inszenierung, durch das technische

Mittel der „Darstellung durch ein Kleinstes“, hier also den Schrei,

der zur Indikationsstellung ausreichend gefunden wird. Es bleibt

indes bestehen, daß unser Sprachgefühl, wenn wir es zur Entscheidung

anrufen, sich nicht dagegen sträubt, eine solche Geschichte einen Witz

zu heißen. Wir mögen die Erklärung hiefür in der Überlegung finden,

daß der Sprachgebrauch nicht von der wissenschaftlichen Einsicht in

das Wesen des Witzes ausgeht, welche wir uns in dieser mühseligen

Untersuchung erworben haben. Da es zu den Leistungen des Witzes gehört,

verdeckte Quellen der komischen Lust wieder zugänglich zu machen (S.

87), kann in lockerer Analogie jeder Kunstgriff, der nicht offenkundige

Komik an den Tag bringt, ein Witz genannt werden. Dies letztere trifft

aber vorzugsweise für die Entlarvung zu, wie auch sonst für andere

Methoden des Komischmachens.[66]

[Sidenote: Die Entlarvung.]

Zur „+Entlarvung+“ kann man auch jene uns schon bekannten Verfahren

zum Komischmachen rechnen, welche die Würde des einzelnen Menschen

herabsetzen, indem sie auf seine allgemein menschliche Gebrechlichkeit,

besonders aber auf die Abhängigkeit seiner seelischen Leistungen

von körperlichen Bedürfnissen aufmerksam machen. Die Entlarvung

wird dann gleichbedeutend mit der Mahnung: Dieser und jener gleich

einem Halbgott Bewunderte ist doch auch nur ein Mensch wie ich und

du. Ferner gehören alle Bemühungen hieher, hinter dem Reichtum und

der scheinbaren Freiheit der psychischen Leistungen den monotonen

psychischen Automatismus bloßzulegen. Wir haben Beispiele von solchen

„Entlarvungen“ bei den Heiratsvermittlerwitzen kennen gelernt und wohl

damals den Zweifel gefühlt, ob wir diese Geschichten mit Recht zu den

Witzen rechnen. Wir können nun mit größerer Sicherheit entscheiden,

daß die Anekdote von dem Echo, welches alle Behauptungen des

Heiratsvermittlers bekräftigt und zuletzt auch dessen Zugeständnis, die

Braut habe einen Höcker, mit dem Ausrufe verstärkt: Aber, was für einen

Höcker! im wesentlichen eine komische Geschichte ist, ein Beispiel von

Entlarvung des psychischen Automatismus. Die komische Geschichte dient

aber hier doch nur als Fassade; für jedermann, der auf den verborgenen

Sinn der Heiratsvermittleranekdoten achten will, bleibt das Ganze ein

vortrefflich inszenierter Witz. Wer nicht soweit eindringt, bleibt bei

der komischen Geschichte stehen. Ähnliches gilt für den anderen Witz

vom Heiratsvermittler, der, um einen Einwand zu widerlegen, schließlich

durch den Ausruf: „Aber ich bitte Sie, wer wird denn solchen Leuten

etwas leihen!“ die Wahrheit zugesteht; eine komische Entlarvung als

Fassade für einen Witz. Doch ist der Charakter des Witzes hier weit

unverkennbarer, denn die Rede des Vermittlers ist gleichzeitig eine

Darstellung durchs Gegenteil. Indem er beweisen will, daß die Leute

reich sind, beweist er zugleich, daß sie nicht reich, sondern sehr arm

sind. Witz und Komik kombinieren sich hier und lehren uns, daß die

nämliche Aussage zugleich witzig und komisch sein kann.

Wir ergreifen gern die Gelegenheit von der Komik der Entlarvung auf den

Witz zurückzugehen, da ja die Klärung des Verhältnisses zwischen Witz

und Komik, nicht die Wesensbestimmung des Komischen unsere eigentliche

Aufgabe ist. Wir reihen darum dem Falle der Aufdeckung des psychischen

Automatismus, für den uns das Gefühl, ob etwas komisch oder witzig sei,

im Stiche gelassen hat, einen anderen an, in dem gleichfalls Witz und

Komik sich miteinander verwirren, den Fall der Unsinnswitze. Unsere

Untersuchung wird uns aber schließlich zeigen, daß für diesen zweiten

Fall das Zusammentreffen von Witz und Komik theoretisch ableitbar ist.

Wir haben bei der Erörterung der Witztechniken gefunden, daß das

Gewährenlassen solcher Denkweisen, wie sie im Unbewußten üblich sind,

und die im Bewußten nur als „Denkfehler“ beurteilt werden können,

das technische Mittel sehr vieler Witze ist, an deren Witzcharakter

wir dann doch wieder zweifeln konnten, so daß wir geneigt waren, sie

einfach als komische Geschichten zu klassifizieren. Wir konnten zu

keiner Entscheidung über unseren Zweifel gelangen, weil uns zunächst

der wesentliche Charakter des Witzes nicht bekannt war. Später fanden

wir diesen, durch die Analogie mit der Traumarbeit geleitet, in der

Kompromißleistung der Witzarbeit zwischen den Anforderungen der

vernünftigen Kritik und dem Trieb, auf die alte Wort- und Unsinnslust

nicht zu verzichten. Was so als Kompromiß zu stande kam, wenn der

vorbewußte Ansatz des Gedankens für einen Moment der unbewußten

Bearbeitung überlassen wurde, genügte in allen Fällen beiderlei

Ansprüchen, präsentierte sich aber der Kritik in verschiedenen Formen

und mußte sich verschiedene Beurteilungen von ihr gefallen lassen. Es

war dem Witz das eine Mal gelungen, sich die Form eines bedeutungslosen

aber immerhin zulässigen Satzes zu erschleichen, das andere Mal sich

im Ausdruck eines wertvollen Gedankens einzuschmuggeln; im Grenzfalle

der Kompromißleistung aber hatte er auf die Befriedigung der Kritik

verzichtet und war trotzend auf die Lustquellen, über die er verfügte,

als barer Unsinn vor ihr erschienen, hatte sich nicht gescheut, ihren

Widerspruch wachzurufen, weil er darauf rechnen konnte, daß der Hörer

die Verunstaltung seines Ausdrucks durch die unbewußte Bearbeitung

redressieren und ihm so seinen Sinn wiedergeben würde.

In welchem Falle wird nun der Witz vor der Kritik als Unsinn

erscheinen? Besonders dann, wenn er sich jener Denkweisen bedient,

die im Unbewußten üblich, im bewußten Denken verpönt sind, also der

Denkfehler. Gewisse der Denkweisen des Unbewußten sind nämlich auch

für das Bewußte erhalten geblieben, z. B. manche Arten der indirekten

Darstellung, die Anspielung usw., wenngleich deren bewußter Gebrauch

größeren Beschränkungen unterliegt. Mit diesen Techniken wird der Witz

bei der Kritik keinen oder geringen Anstoß erregen; dieser Erfolg tritt

erst ein, wenn er sich auch jener Mittel als Technik bedient, von denen

das bewußte Denken nichts mehr wissen will. Der Witz kann den Anstoß

immer noch vermeiden, wenn er den angewandten Denkfehler verhüllt, ihn

mit einem Schein von Logik verkleidet wie in der Geschichte von Torte

und Likör, Lachs mit Mayonnaise und ähnlichen. Bringt er den Denkfehler

aber unverhüllt, so ist der Einspruch der Kritik gewiß.

[Sidenote: Fälle des Zusammentreffens von Witz und Komik.]

In diesem Falle kommt dem Witz nun etwas anderes zu gute. Die

Denkfehler, die er als Denkweisen des Unbewußten für seine Technik

benützt, erscheinen der Kritik -- wenn auch nicht regelmäßig so

-- als komisch. Das bewußte Gewährenlassen der unbewußten und als

fehlerhaft verworfenen Denkweisen ist ein Mittel zur Erzeugung der

komischen Lust, und dies ist leicht zu verstehen, denn zur Herstellung

der vorbewußten Besetzung bedarf es gewiß eines größeren Aufwandes

als zum Gewährenlassen der unbewußten. Indem wir beim Anhören des

wie im Unbewußten gebildeten Gedankens diesen mit seiner Korrektur

vergleichen, ergibt sich für uns die Aufwanddifferenz, aus welcher die

komische Lust hervorgeht. Ein Witz, der sich solcher Denkfehler als

Technik bedient und darum unsinnig erscheint, kann also gleichzeitig

komisch wirken. Kommen wir dem Witze nicht auf die Spur, so erübrigt

uns wiederum nur die komische Geschichte, der Schwank.

Die Geschichte vom geborgten Kessel, der bei der Zurückstellung ein

Loch hatte, wobei sich der Entlehner verantwortete, erstens habe er

überhaupt keinen Kessel geborgt, zweitens sei dieser schon bei der

Entlehnung durchlöchert gewesen, und drittens habe er ihn unversehrt,

ohne Loch, zurückgestellt (S. 49), ist ein vortreffliches Beispiel

einer rein komischen Wirkung durch Gewährenlassen unbewußter Denkweise.

Gerade dieses einander Aufheben von mehreren Gedanken, von denen

jeder für sich gut motiviert ist, fällt im Unbewußten weg. Der Traum,

an dem ja die Denkweisen des Unbewußten manifest werden, kennt dem

entsprechend auch kein Entweder -- oder,[67] nur ein gleichzeitiges

Nebeneinander. In jenem Traumbeispiel meiner Traumdeutung, das ich

trotz seiner Komplikation zum Muster für die Deutungsarbeit gewählt

habe,[68] suche ich mich von dem Vorwurf zu entlasten, daß ich die

Schmerzen einer Patientin nicht durch psychische Kur zum Verschwinden

gebracht habe. Meine Begründungen lauten: 1. sie sei selbst an ihrem

Kranksein schuld, weil sie meine Lösung nicht annehmen wolle, 2. ihre

Schmerzen seien organischer Herkunft, gehen mich also gar nichts an,

3. ihre Schmerzen hängen mit ihrer Witwenschaft zusammen, an der ich

ja nicht schuld bin, 4. ihre Schmerzen rühren von einer Injektion mit

verunreinigter Spritze her, die ihr ein anderer gegeben hat. Alle diese

Gründe stehen nun so nebeneinander, als schlöße nicht der eine den

anderen aus. Ich müßte für das „Und“ des Traumes ein „Entweder -- oder“

einsetzen, um dem Vorwurf des Unsinns zu entgehen.

Eine ähnliche komische Geschichte wäre die, daß sich in einem

ungarischen Dorf der Schmied ein todwürdiges Verbrechen habe zu

Schulden kommen lassen, der Bürgermeister aber habe beschlossen, zur

Sühne nicht den Schmied, sondern einen Schneider aufhängen zu lassen,

denn es wären zwei Schneider im Dorfe ansässig, aber kein anderer

Schmied, und Sühne müßte sein. Eine solche Verschiebung von der Person

des Schuldigen auf einen anderen widerspricht natürlich allen Gesetzen

bewußter Logik, keineswegs aber der Denkweise des Unbewußten. Ich stehe

nicht an, diese Geschichte komisch zu heißen, und doch habe ich die vom

Kessel unter den Witzen angeführt. Ich gebe nun zu, daß auch letztere

viel richtiger als „komisch“ denn als witzig zu bezeichnen ist. Ich

verstehe aber nun, wie es zugeht, daß mein sonst so sicheres Gefühl

mich im Zweifel lassen kann, ob diese Geschichte komisch oder witzig

ist. Es ist dies der Fall, in dem ich nach dem Gefühl die Entscheidung

nicht treffen kann, wenn nämlich die Komik durch Aufdeckung der dem

Unbewußten ausschließlich eigenen Denkweisen entsteht. Eine derartige

Geschichte kann komisch und witzig zugleich sein; sie wird mir aber den

Eindruck des Witzigen machen, auch wenn sie bloß komisch ist, weil die

Verwendung der Denkfehler des Unbewußten mich an den Witz mahnt, ebenso

wie vorhin (S. 177) die Veranstaltungen zur Aufdeckung verborgener

Komik.

Ich muß Wert darauf legen, diesen heikelsten Punkt meiner

Auseinandersetzungen, das Verhältnis des Witzes zur Komik, klar zu

stellen, und will darum das Gesagte durch einige negative Sätze

ergänzen. Zunächst kann ich darauf aufmerksam machen, daß der hier

behandelte Fall des Zusammentreffens von Witz und Komik mit dem

vorigen (S. 177) nicht identisch ist. Es ist dies zwar eine feinere

Unterscheidung, aber sie ist mit Sicherheit zu machen. Im vorigen

Falle rührte die Komik von der Aufdeckung des psychischen Automatismus

her. Dieser ist nun keineswegs dem Unbewußten allein eigentümlich und

spielt auch keine auffällige Rolle unter den Techniken des Witzes.

Die Entlarvung tritt nur zufällig zum Witze in Beziehung, indem sie

einer anderen Technik des Witzes, z. B. der Darstellung durch das

Gegenteil dient. Im Falle des Gewährenlassens unbewußter Denkweisen

ist aber das Zusammentreffen von Witz und Komik ein notwendiges, weil

dasselbe Mittel, das bei der ersten Person des Witzes zur Technik der

Lustentbindung verwendet wird, seiner Natur nach bei der dritten Person

komische Lust erzeugt.

Man könnte in die Versuchung geraten, diesen letzten Fall zu

verallgemeinern, und die Beziehung des Witzes zur Komik darin suchen,

daß die Wirkung des Witzes auf die dritte Person nach dem Mechanismus

der komischen Lust erfolgt. Aber davon ist keine Rede, die Berührung

mit dem Komischen trifft keineswegs für alle oder auch nur die meisten

Witze zu; in den meisten Fällen sind Witz und Komik vielmehr reinlich

zu scheiden. So oft es dem Witz gelingt, dem Anschein des Unsinnigen

zu entgehen, also bei den meisten Doppelsinn- und Anspielungswitzen,

ist von einer dem Komischen ähnlichen Wirkung beim Hörer nichts zu

entdecken. Man mache die Probe an den früher mitgeteilten Beispielen

oder an einigen neuen, die ich anführen kann.

Glückwunschtelegramm zum 70. Geburtstag eines Spielers: „+Trente et

quarante.+“ (Wortzerteilung mit Anspielung.)

+Hevesi+ beschreibt einmal den Prozeß der Tabakfabrikation: „Die

hellgelben Blätter ... wurden da in eine +Beize getunkt+ und in dieser

+Tunke gebeizt+.“ (Mehrfache Verwendung des nämlichen Materials.)

Madame de +Maintenon+ wurde Mme. de +Maintenant+ genannt.

(Namensmodifikation.)

Prof. +Kästner+ sagt zu einem Prinzen, der sich während einer

Demonstration vor das Fernrohr gestellt: „Mein Prinz, ich weiß wohl,

daß Sie durch+läuchtig+ sind, aber Sie sind nicht durch+sichtig+.“

Graf +Andrassy+ wurde der +Minister des schönen Äußeren+ genannt.

Man könnte ferner glauben, daß wenigstens alle Witze mit Unsinnsfassade

komisch erscheinen und so wirken müssen. Allein ich erinnere hier

daran, daß solche Witze sehr oft eine andere Wirkung auf den Hörer

haben, Verblüffung und Neigung zur Ablehnung hervorrufen (siehe S.

119). Es kommt also offenbar darauf an, ob der Unsinn des Witzes als

komischer oder als gemeiner, barer Unsinn erscheint, wofür wir die

Bedingung noch nicht erforscht haben. Wir verbleiben demnach bei dem

Schlusse, daß der Witz seiner Natur nach vom Komischen zu sondern

ist und nur einerseits in gewissen speziellen Fällen, anderseits in

der Tendenz, Lust aus intellektuellen Quellen zu gewinnen, mit ihm

zusammentrifft.

Während dieser Untersuchungen über die Beziehungen von Witz und Komik

enthüllt sich uns nun jener Unterschied, den wir als den bedeutsamsten

betonen müssen, und der gleichzeitig auf einen psychologischen

Hauptcharakter der Komik hinweist. Die Quelle der Lust des Witzes

mußten wir in das Unbewußte verlegen; keine Veranlassung zur gleichen

Lokalisation ist für das Komische erfindlich. Vielmehr deuten alle

Analysen, die wir bisher angestellt haben, darauf hin, daß die Quelle

der komischen Lust die Vergleichung zweier Aufwände ist, die wir beide

dem Vorbewußten zuordnen müssen. Witz und Komik unterscheiden sich

vor allem in der psychischen Lokalisation; +der Witz ist sozusagen der

Beitrag zur Komik aus dem Bereich des Unbewußten+.

* * * * *

[Sidenote: Komik der Nachahmung.]

Wir brauchen uns nicht zu beschuldigen, daß wir uns in eine

Abschweifung eingelassen haben, da ja das Verhältnis des Witzes zur

Komik der Anlaß ist, welcher uns zur Untersuchung des Komischen

gedrängt hat. Es ist aber wohl an der Zeit, daß wir zu unserem

dermaligen Thema zurückkehren, zur Behandlung der Mittel, welche dem

Komischmachen dienen. Wir haben die Erörterung der Karikatur und

der Entlarvung vorausgeschickt, weil wir aus ihnen beiden einige

Anknüpfungen für die Analyse der Komik der +Nachahmung+ entnehmen

können. Die Nachahmung ist wohl zumeist mit Karikatur, Übertreibung

einiger sonst nicht auffälliger Züge versetzt und trägt auch den

Charakter der Herabsetzung an sich. Doch scheint ihr Wesen hiemit nicht

erschöpft; es ist unleugbar, daß sie an sich eine außerordentlich

ergiebige Quelle der komischen Lust darstellt, indem wir gerade über

die Treue der Nachahmung besonders lachen. Es ist nicht leicht, hiefür

eine befriedigende Aufklärung zu geben, wenn man sich nicht der

Ansicht von +Bergson+[69] anschließen will, durch welche die Komik der

Nachahmung nahe an die durch Aufdeckung des psychischen Automatismus

herangerückt wird. +Bergson+ meint, daß alles dasjenige komisch

wirkt, was bei einer lebenden Person an einen unbelebten Mechanismus

denken läßt. Seine Formel hiefür lautet: „Mécanisation de la vie.“ Er

erklärt die Komik der Nachahmung, indem er an ein Problem anknüpft,

welches +Pascal+ in seinen „Pensées“ aufgestellt, warum man bei der

Vergleichung zweier ähnlicher Gesichter lache, von denen keines an

sich komisch wirke. „Das Lebende soll sich nach unserer Erwartung

niemals völlig ähnlich wiederholen. Wo wir solche Wiederholung finden,

vermuten wir jedesmal einen Mechanismus, der hinter diesem Lebenden

steckt.“ Wenn man zwei Gesichter von zu weitgehender Ähnlichkeit

sieht, denkt man an zwei Abdrücke aus derselben Form oder an ein

ähnliches Verfahren der mechanischen Herstellung. Kurz die Ursache

des Lachens wäre in diesen Fällen die Abweichung des Lebenden gegen

das Leblose hin; wir können sagen, die Degradierung des Lebenden zum

Leblosen (l. c., S. 35). Wenn wir diese einschmeichelnden Ausführungen

+Bergsons+ gelten lassen, fällt es uns übrigens nicht schwer, seine

Ansicht unserer eigenen Formel zu unterwerfen. Durch die Erfahrung

belehrt, daß jedes Lebende ein anderes ist und eine Art von Aufwand

von unserem Verständnis fordert, finden wir uns enttäuscht, wenn wir

infolge vollkommener Übereinstimmung oder täuschender Nachahmung

keines neuen Aufwandes bedürfen. Wir sind aber enttäuscht im Sinne

der Erleichterung, und der überflüssig gewordene Erwartungsaufwand

wird durch Lachen abgeführt. Die nämliche Formel würde auch alle

bei +Bergson+ gewürdigten Fälle der komischen Erstarrung (raideur),

der professionellen Gewohnheiten, fixen Ideen und bei jedem Anlaß

wiederholten Redensarten decken. Alle diese Fälle würden auf den

Vergleich des Erwartungsaufwandes mit dem zum Verständnis des sich

gleich Gebliebenen erforderlichen ausgehen, wobei die größere Erwartung

sich auf die Beobachtung der individuellen Mannigfaltigkeit und

Plastizität des Lebenden stützt. Bei der Nachahmung wäre also nicht die

Situations-, sondern die Erwartungskomik die Quelle der komischen Lust.

Da wir die komische Lust allgemein von einer Vergleichung ableiten,

obliegt es uns, auch das Komische des Vergleichs selbst zu untersuchen,

welcher ja gleichfalls als Mittel zum Komischmachen dient. Unser

Interesse für diese Frage wird eine Steigerung erfahren, wenn wir uns

erinnern, daß uns oft auch im Falle des Gleichnisses das „Gefühl“, ob

etwas ein Witz oder bloß komisch zu nennen sei, im Stiche zu lassen

pflegt (s. S. 67).

[Sidenote: Vergleichung.]

Das Thema verdiente freilich mehr Sorgfalt, als wir ihm von unserem

Interesse her zu teil werden lassen können. Die Haupteigenschaft, nach

welcher wir beim Gleichnis fragen, ist, ob dasselbe treffend ist, d. h.

ob es auf eine wirklich vorhandene Übereinstimmung zweier verschiedener

Objekte aufmerksam macht. Die ursprüngliche Lust am Wiederfinden

des Gleichen (+Groos+, S. 103) ist nicht das einzige Motiv, welches

den Gebrauch der Vergleichung begünstigt; es kommt hinzu, daß das

Gleichnis einer Verwendung fähig ist, welche eine Erleichterung der

intellektuellen Arbeit mit sich bringt, wenn man nämlich, wie zumeist

üblich, das Unbekanntere mit dem Bekannteren, das Abstrakte mit dem

Konkreten vergleicht und, durch diesen Vergleich das Fremdere und

Schwierigere erläutert. Mit jeder solchen Vergleichung speziell

des Abstrakten mit dem Sachlichen ist eine gewisse Herabsetzung

und eine gewisse Ersparung an Abstraktionsaufwand (im Sinne einer

Vorstellungsmimik) verbunden, doch reicht dieselbe natürlich nicht

hin, um den Charakter des Komischen deutlich hervortreten zu

lassen. Dieser taucht nicht plötzlich, sondern allmählich aus der

Erleichterungslust der Vergleichung auf; es gibt reichlich Fälle,

die bloß ans Komische streifen, bei denen man zweifeln könnte, ob

sie den komischen Charakter zeigen. Unzweifelhaft komisch wird die

Vergleichung, wenn der Niveauunterschied des Abstraktionsaufwandes

zwischen beiden Verglichenen sich steigert, wenn etwas Ernstes und

Fremdes, insbesondere intellektueller oder moralischer Natur, in

den Vergleich mit etwas Banalem und Niedrigem gezogen wird. Die

vorherige Erleichterungslust und der Beitrag aus den Bedingungen der

Vorstellungsmimik mögen etwa den allmählichen durch quantitative

Verhältnisse bestimmten Übergang des allgemein Lustvollen in das

Komische bei der Vergleichung erklären. Ich gehe wohl Mißverständnissen

aus dem Wege, indem ich hervorhebe, daß ich die komische Lust beim

Gleichnis nicht aus dem Kontrast der beiden Verglichenen, sondern aus

der Differenz der beiden Abstraktionsaufwände ableite. Das schwer zu

fassende Fremde, Abstrakte, eigentlich intellektuell Erhabene wird nun

durch die behauptete Übereinstimmung mit einem vertrauten Niedrigen,

bei dessen Vorstellung jeder Abstraktionsaufwand wegfällt, selbst als

etwas ebenso Niedriges entlarvt. Die Komik der Vergleichung reduziert

sich also auf einen Fall von Degradierung.

Der Vergleich kann nun, wie wir früher gesehen haben, witzig sein ohne

die Spur von komischer Beimengung, dann nämlich, wenn er gerade der

Herabsetzung ausweicht. So ist der Vergleich der Wahrheit mit einer

Fackel, die man nicht durch ein Gedränge tragen kann, ohne jemandem den

Bart zu versengen, rein witzig, weil er eine erloschene Redensart („Die

Fackel der Wahrheit“) vollwertig nimmt und gar nicht komisch, weil die

Fackel als Objekt einer gewissen Vornehmheit, obwohl sie ein konkreter

Gegenstand ist, nicht entbehrt. Ein Vergleich kann aber leicht

ebensowohl witzig sein als auch komisch, und zwar das eine unabhängig

vom anderen, indem die Vergleichung ein Behelf für gewisse Techniken

des Witzes, z. B. die Unifizierung oder die Anspielung wird. So ist

der +Nestroy+sche Vergleich der Erinnerung mit einem „Magazin“ (S. 70)

gleichzeitig komisch und witzig, ersteres wegen der außerordentlichen

Herabsetzung, die sich der psychologische Begriff im Vergleich mit

einem „Magazin“ gefallen lassen muß, das andere aber, weil der, welcher

den Vergleich gebraucht, ein Kommis ist, in dieser Vergleichung also

eine ganz unerwartete Unifizierung zwischen der Psychologie und seiner

Berufstätigkeit herstellt. Die +Heine+sche Zeile „Bis mir endlich alle

Knöpfe rissen an der Hose der Geduld“ erscheint zunächst bloß als ein

ausgezeichnetes Beispiel eines komisch erniedrigenden Vergleichs; bei

näherer Überlegung muß man ihr aber auch den Charakter des Witzigen

zugestehen, da der Vergleich als Mittel der Anspielung ins Bereich des

Obszönen einschlägt und es so zu stande bringt, die Lust am Obszönen

frei zu machen. Aus dem nämlichen Material entsteht für uns durch ein

freilich nicht ganz zufälliges Zusammentreffen gleichzeitig komischer

und witziger Lustgewinn; mögen die Bedingungen des einen auch die

Entstehung des anderen fördern, für das „Gefühl“, welches uns angeben

soll, ob hier Witz oder Komik vorliegt, ist solche Vereinigung ein

verwirrender Einfluß, und erst eine von der Lustdisposition unabhängig

gewordene aufmerksame Untersuchung kann die Entscheidung bringen.

So verlockend es wäre, diesen intimeren Bedingtheiten des komischen

Lustgewinnes nachzuspüren, so muß doch der Autor sich vorhalten, daß

weder seine Vorbildung noch sein täglicher Beruf ihn berechtigen, seine

Untersuchungen weit hinaus über die Sphäre des Witzes zu erstrecken,

und darf eingestehen, daß gerade das Thema der komischen Vergleichung

ihm seine Inkompetenz fühlbar macht.

[Sidenote: Komik der Rede.]

Wir lassen uns also gern daran mahnen, daß viele Autoren die scharfe

begriffliche und sachliche Scheidung zwischen Witz und Komik nicht

anerkennen, zu der wir uns veranlaßt sahen, und daß diese den Witz

einfach als das „Komische der Rede“ oder „der Worte“ hinstellen. Zur

Prüfung dieser Ansicht wollen wir uns je ein Beispiel von absichtlicher

und von unfreiwilliger Komik der Rede für den Vergleich mit dem Witze

auswählen. Wir haben bereits an einer früheren Stelle bemerkt, daß wir

uns sehr wohl im stande glauben, komische Rede von witziger Rede zu

unterscheiden.

„Mit einer Gabel und mit Müh’

zog ihn die Mutter aus der Brüh’“,

ist bloß komisch; +Heines+ Satz von den vier Kasten der Bevölkerung

+Göttingens+:

Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten · 第 19 / 24 题