IV. Der Lustmechanismus und die Psychogenese des Witzes.

Aus welchen Quellen die eigentümliche Lust fließt, welche uns der Witz

bereitet, das stellen wir nun als gesicherte Erkenntnis voran. Wir

wissen, daß wir der Täuschung unterliegen können, unser Wohlgefallen

am Gedankeninhalt des Satzes mit der eigentlichen Witzeslust zu

verwechseln, daß aber diese selbst wesentlich zwei Quellen hat, die

Technik und die Tendenzen des Witzes. Was wir nun erfahren möchten,

ist, auf welche Weise sich die Lust aus diesen Quellen ergibt, der

Mechanismus dieser Lustwirkung.

Es scheint uns, daß sich die gesuchte Aufklärung beim tendenziösen Witz

viel leichter ergibt als beim harmlosen. Mit ersterem werden wir also

beginnen.

Die Lust beim tendenziösen Witz ergibt sich daraus, daß eine Tendenz

befriedigt wird, deren Befriedigung sonst unterblieben wäre. Daß

solche Befriedigung eine Lustquelle ist, bedarf keiner weiteren

Ausführung. Aber die Art, wie der Witz die Befriedigung herbeiführt,

ist an besondere Bedingungen geknüpft, aus denen vielleicht weiterer

Aufschluß zu gewinnen ist. Es sind hier zwei Fälle zu unterscheiden.

Der einfachere Fall ist, daß der Befriedigung der Tendenz ein äußeres

Hindernis im Wege steht, welches durch den Witz umgangen wird. So

fanden wir es z. B. in der Antwort, die Serenissimus auf die Frage

erhält, ob die Mutter des Angesprochenen je in der Residenz gelebt

habe, oder in der Äußerung des Kunstkenners, dem die zwei reichen

Gauner ihre Portraits zeigen: And where is the Saviour? Die Tendenz

geht in dem einen Fall dahin, einen Schimpf mit Gleichem zu erwidern,

im anderen, eine Beschimpfung an Stelle des geforderten Gutachtens von

sich zu geben; was ihr entgegensteht, sind rein äußerliche Momente,

die Machtverhältnisse der Personen, die von der Beschimpfung betroffen

werden. Es mag uns immerhin auffallen, daß diese und analoge Witze

tendenziöser Natur, so sehr sie uns auch befriedigen, doch nicht im

stande sind, einen starken Lacheffekt hervorzubringen.

Anders, wenn nicht äußere Momente, sondern ein innerliches Hindernis

der direkten Verwirklichung der Tendenz im Wege steht, wenn eine

innere Regung sich der Tendenz entgegenstellt. Diese Bedingung wäre

nach unserer Voraussetzung etwa in den aggressiven Witzen des Herrn

N. verwirklicht, in dessen Person eine starke Neigung zur Invektive

durch hochentwickelte ästhetische Kultur in Schach gehalten wird. Mit

Hilfe des Witzes wird der innere Widerstand für diesen speziellen

Fall überwunden, die Hemmung aufgehoben. Dadurch wird wie im Falle

des äußeren Hindernisses die Befriedigung der Tendenz ermöglicht,

eine Unterdrückung und die mit ihr verbundene „psychische Stauung“

vermieden; der Mechanismus der Lustentwicklung wäre insoweit für beide

Fälle der nämliche.

Wir verspüren an dieser Stelle allerdings die Neigung, in die

Unterschiede der psychologischen Situation für den Fall des äußeren

und des inneren Hindernisses tiefer einzugehen, da uns die Möglichkeit

vorschwebt, aus der Aufhebung des inneren Hindernisses könne sich ein

ungleich höherer Beitrag zur Lust ergeben. Aber ich schlage vor, hier

genügsam zu bleiben und uns vorläufig mit der einen Feststellung zu

bescheiden, welche bei dem für uns Wesentlichen verbleibt. Die Fälle

des äußerlichen und des inneren Hindernisses unterscheiden sich nur

darin, daß hier eine bereits bestehende Hemmung aufgehoben, dort die

Herstellung einer neuen vermieden wird. Wir nehmen dann die Spekulation

nicht zu sehr in Anspruch, wenn wir behaupten, daß zur Herstellung

wie zur Erhaltung einer psychischen Hemmung ein „psychischer Aufwand“

erfordert wird. Ergibt sich nun, daß in beiden Fällen der Verwendung

des tendenziösen Witzes Lust erzielt wird, so liegt es nahe,

anzunehmen, +daß solcher Lustgewinn dem ersparten psychischen Aufwand

entspreche+.

[Sidenote: Ersparung an Hemmungs- oder Unterdrückungsaufwand.]

Somit wären wir wiederum auf das Prinzip der +Ersparung+ gestoßen,

dem wir zuerst bei der Technik des Wortwitzes begegnet sind. Während

wir aber zunächst die Ersparung in dem Gebrauch von möglichst wenig

oder möglichst den gleichen Worten zu finden glaubten, ahnt uns hier

der weit umfassendere Sinn einer Ersparung an psychischem Aufwand

überhaupt, und wir müssen es für möglich halten, durch nähere

Bestimmung des noch sehr unklaren Begriffes „psychischer Aufwand“ dem

Wesen des Witzes näher zu kommen.

Eine gewisse Unklarheit, die wir bei der Behandlung des Lustmechanismus

beim tendenziösen Witze nicht überwinden konnten, nehmen wir als

billige Strafe dafür, daß wir versucht haben, das Kompliziertere

vor dem Einfacheren, den tendenziösen Witz vor dem harmlosen

aufzuklären. Wir merken uns, daß „+Ersparung an Hemmungs- oder

Unterdrückungsaufwand+“ das Geheimnis der Lustwirkung des tendenziösen

Witzes zu sein schien, und wenden uns dem Mechanismus der Lust beim

harmlosen Witze zu.

Aus geeigneten Beispielen harmlosen Witzes, bei denen keine Störung

unseres Urteils durch Inhalt oder Tendenz zu befürchten stand,

mußten wir den Schluß ziehen, daß die Techniken des Witzes selbst

Lustquellen sind, und wollen nun prüfen, ob sich diese Lust etwa auf

Ersparung an psychischem Aufwand zurückführen lasse. In einer Gruppe

dieser Witze (den Wortspielen) bestand die Technik darin, unsere

psychische Einstellung auf den Wortklang anstatt auf den Sinn des

Wortes zu richten, die (akustische) Wortvorstellung selbst an Stelle

ihrer durch Relationen zu den Dingvorstellungen gegebenen Bedeutung

treten zu lassen. Wir dürfen wirklich vermuten, daß damit eine große

Erleichterung der psychischen Arbeit gegeben ist, und daß wir uns bei

der ernsthaften Verwendung der Worte durch eine gewisse Anstrengung

von diesem bequemen Verfahren abhalten müssen. Wir können beobachten,

daß krankhafte Zustände der Denktätigkeit, in denen die Möglichkeit,

psychischen Aufwand auf eine Stelle zu konzentrieren, wahrscheinlich

eingeschränkt ist, tatsächlich die Wortklangvorstellung solcher Art

gegen die Wortbedeutung in den Vordergrund rücken lassen, und daß

solche Kranke in ihren Reden nach den „äußeren“ anstatt nach den

„inneren“ Assoziationen der Wortvorstellung, wie die Formel lautet,

fortschreiten. Auch beim Kinde, welches ja die Worte noch als Dinge zu

behandeln gewohnt ist, bemerken wir die Neigung, hinter gleichem oder

ähnlichem Wortlaut gleichen Sinn zu suchen, die zur Quelle vieler von

den Erwachsenen belachter Irrtümer wird. Wenn es uns dann im Witz ein

unverkennbares Vergnügen bereitet, durch den Gebrauch des nämlichen

Wortes oder eines ihm ähnlichen aus dem einen Vorstellungskreis in

einen anderen entfernten zu gelangen (wie bei Home-Roulard aus dem der

Küche in den der Politik), so ist dies Vergnügen wohl mit Recht auf

die Ersparung an psychischem Aufwand zurückzuführen. Die Witzeslust

aus solchem „Kurzschluß“ scheint auch um so größer zu sein, je

fremder die beiden durch das gleiche Wort in Verbindung gebrachten

Vorstellungskreise einander sind, je weiter ab sie von einander liegen,

je größer also die Ersparung an Gedankenweg durch das technische Mittel

des Witzes ausfällt. Merken wir übrigens an, daß sich der Witz hier

eines Mittels der Verknüpfung bedient, welches vom ernsthaften Denken

verworfen und sorgfältig vermieden wird.[40]

[Sidenote: Lust beim Wiederfinden des Bekannten.]

Eine zweite Gruppe technischer Mittel des Witzes -- Unifizierung,

Gleichklang, mehrfache Verwendung, Modifikation bekannter Redensarten,

Anspielung auf Zitate -- läßt als gemeinsamen Charakter herausheben,

daß jedesmal etwas Bekanntes wiedergefunden wird, wo man anstatt dessen

etwas Neues hätte erwarten können. Dieses Wiederfinden des Bekannten

ist lustvoll, und es kann uns wiederum nicht schwer fallen, solche

Lust als Ersparungslust zu erkennen, auf die Ersparung an psychischem

Aufwand zu beziehen.

Daß das Wiederfinden des Bekannten, das „Wiedererkennen“ lustvoll ist,

scheint allgemein zugestanden zu werden. +Groos+[41] sagt: (S. 153)

„Das Wiedererkennen ist nun überall, wo es nicht allzusehr mechanisiert

ist (wie etwa beim Ankleiden, wo ......) mit Lustgefühlen verbunden.

Schon die bloße Qualität der Bekanntheit ist leicht von jenem sanften

Behagen begleitet, das Faust erfüllt, wie er nach einer unheimlichen

Begegnung wieder in sein Studierzimmer tritt“ .... „Wenn so der Akt

des Wiedererkennens lusterregend ist, so werden wir erwarten dürfen,

daß der Mensch darauf verfällt, diese Fähigkeit um ihrer selbst

willen zu üben, also spielend mit ihr zu experimentieren. In der Tat

hat +Aristoteles+ in der Freude am Wiedererkennen die Grundlage des

Kunstgenusses erblickt, und es läßt sich nicht leugnen, daß dieses

Prinzip nicht übersehen werden darf, wenn es auch keine so weittragende

Bedeutung hat, wie Aristoteles annimmt.“

+Groos+ erörtert dann die Spiele, deren Charakter darin besteht,

die Freude am Wiedererkennen dadurch zu steigern, daß man demselben

Hindernisse in den Weg legt, also eine „psychische Stauung“

herbeiführt, die mit dem Akt des Erkennens beseitigt ist. Sein

Erklärungsversuch verläßt aber die Annahme, daß das Erkennen an sich

lustvoll sei, indem er das Vergnügen am Erkennen mit Berufung auf

diese Spiele auf die +Freude+ an der +Macht+, an der Überwindung

einer Schwierigkeit zurückführt. Ich halte dieses letztere Moment

für sekundär und sehe keinen Anlaß, von der einfacheren Auffassung

abzuweichen, daß das Erkennen an sich, d. h. durch Erleichterung

des psychischen Aufwands, lustvoll ist, und daß die auf diese Lust

gegründeten Spiele sich eben nur des Stauungsmechanismus bedienen, um

deren Betrag in die Höhe zu treiben.

Daß Reim, Alliteration, Refrain und andere Formen der Wiederholung

ähnlicher Wortklänge in der Dichtung die nämliche Lustquelle, das

Wiederfinden des Bekannten, ausnützen, ist gleichfalls allgemein

anerkannt. Ein „Machtgefühl“ spielt bei diesen Techniken, die mit der

„mehrfachen Verwendung“ beim Witze so große Übereinstimmung zeigen,

keine ersichtliche Rolle.

Bei den nahen Beziehungen zwischen Erkennen und Erinnern ist die

Annahme nicht mehr gewagt, daß es auch eine Erinnerungslust gebe,

d. h. daß der Akt des Erinnerns an sich von einem Lustgefühl ähnlicher

Herkunft begleitet sei. +Groos+ scheint einer solchen Annahme nicht

abgeneigt zu sein, aber er leitet die Erinnerungslust wiederum vom

„Machtgefühl“ ab, in dem er den Hauptgrund des Genusses bei fast allen

Spielen -- wie ich meine, mit Unrecht -- sucht.

[Sidenote: Der Moment der Aktualität.]

Auf dem „Wiederfinden des Bekannten“ beruht auch die Verwendung eines

anderen technischen Hilfsmittels des Witzes, von dem bisher noch

nicht die Rede war. Ich meine das Moment der +Aktualität+, das bei

sehr vielen Witzen eine ausgiebige Lustquelle darstellt und einige

Eigentümlichkeiten in der Lebensgeschichte der Witze erklärt. Es gibt

Witze, die von dieser Bedingung vollkommen frei sind, und in einer

Abhandlung über den Witz sind wir genötigt, uns fast ausschließlich

solcher Beispiele zu bedienen. Wir können aber nicht daran vergessen,

daß wir vielleicht noch stärker als über solche perennierende Witze

über andere gelacht haben, deren Verwendung uns jetzt schwer fällt,

weil sie lange Kommentare erfordern und auch mit deren Nachhilfe

die einstige Wirkung nicht erreichen würden. Diese letzteren Witze

enthielten nun Anspielungen auf Personen und Begebenheiten, die zur

Zeit „aktuell“ waren, das allgemeine Interesse wach gerufen hatten

und noch in Spannung erhielten. Nach dem Erlöschen dieses Interesses,

nach der Erledigung der betreffenden Affäre hatten auch diese Witze

einen Teil ihrer Lustwirkung, und zwar einen recht beträchtlichen Teil,

eingebüßt. So z. B. erscheint mir der Witz, den mein freundlicher

Gastgeber machte, als er die herumgereichte Mehlspeise einen

„Home-Roulard“ nannte, heute lange nicht so gut wie damals, als Home

Rule eine ständige Rubrik in den politischen Nachrichten unserer

Zeitungen war. Versuche ich jetzt das Verdienst dieses Witzes durch die

Beschreibung zu würdigen, daß uns das eine Wort mit Ersparung eines

großen Denkumweges aus dem Vorstellungskreis der Küche in den so ferne

liegenden der Politik führe, so hätte ich diese Beschreibung damals

abändern müssen, „daß uns dieses Wort aus dem Vorstellungskreis der

Küche in den ihm selbst so ferne liegenden Kreis der Politik führe, der

aber unseres lebhaften Interesses sicher sei, weil er uns eigentlich

unausgesetzt beschäftige.“ Ein anderer Witz: „Dieses Mädchen erinnert

mich an Dreyfus; die Armee glaubt nicht an ihre Unschuld“ ist heute,

trotzdem alle seine technischen Mittel unverändert geblieben sein

müssen, gleichfalls verblaßt. Die Verblüffung durch den Vergleich und

die Zweideutigkeit des Wortes „Unschuld“ können es nicht wett machen,

daß die Anspielung, die damals an eine mit frischer Erregung besetzte

Angelegenheit rührte, heute an ein erledigtes Interesse erinnert. Ein

noch aktueller Witz wie z. B. folgender: Kronprinzessin Louise hatte

sich an das Krematorium in Gotha mit der Anfrage gewendet, was eine

Verbrennung koste. Die Verwaltung gab ihr die Antwort: „Sonst 5000

Mark, ihr werde man aber nur 3000 Mark berechnen, da sie schon einmal

durchgebrannt sei“; ein solcher Witz erscheint heute unwiderstehlich;

in einiger Zeit wird er in unserer Schätzung sehr erheblich gesunken

sein, und noch eine Weile später, wenn man ihn nicht erzählen kann,

ohne in einem Kommentar hinzuzusetzen, wer die Prinzessin Louise war,

und wie ihr „Durchgebranntsein“ gemeint ist, wird er trotz des guten

Wortspiels wirkungslos bleiben.

Eine große Zahl der im Umlauf befindlichen Witze gelangt so zu einer

gewissen Lebensdauer, eigentlich zu einem Lebenslauf, der sich aus

einer Blütezeit und einer Verfallzeit zusammensetzt und in völliger

Vergessenheit endigt. Das Bedürfnis der Menschen, Lust aus ihren

Denkvorgängen zu gewinnen, schafft dann immer neue Witze unter

Anlehnung an die neuen Interessen des Tages. Die Lebenskraft der

aktuellen Witze ist keine ihnen eigene, sie wird auf dem Wege der

Anspielung jenen anderen Interessen entlehnt, deren Ablauf auch das

Schicksal des Witzes bestimmt. Das Moment der Aktualität, welches als

eine vergängliche Lustquelle zwar, aber als besonders ergiebige zu den

eigenen des Witzes hinzutritt, kann nicht einfach dem Wiederfinden

des Bekannten gleichgesetzt werden. Es handelt sich vielmehr um

eine besondere Qualifikation des Bekannten, dem die Eigenschaft des

Frischen, Rezenten, nicht vom Vergessen Berührten zukommen muß.

Auch bei der Traumbildung begegnet man einer besonderen Bevorzugung

des Rezenten und kann sich der Vermutung nicht erwehren, daß die

Assoziation mit dem Rezenten durch eine eigenartige Lustprämie belohnt,

also erleichtert wird.

Die Unifizierung, die ja nur die Wiederholung auf dem Gebiete des

Gedankenzusammenhanges anstatt des Materials ist, hat bei G. Th.

+Fechner+ eine besondere Anerkennung als Lustquelle des Witzes

gefunden. +Fechner+ äußert (Vorschule der Ästhetik I, XVII): „Meines

Erachtens spielt in dem Felde, was wir hier vor Augen haben, das

Prinzip der einheitlichen Verknüpfung des Mannigfaltigen die

Hauptrolle, bedarf aber noch unterstützender Nebenbedingungen, um das

Vergnügen, was die hieher gehörigen Fälle gewähren können, mit seinem

eigentümlichen Charakter über die Schwelle zu treiben.“[42]

In allen diesen Fällen von Wiederholung des nämlichen Zusammenhanges

oder des nämlichen Materials von Worten, von Wiederfinden des Bekannten

und Rezenten, die dabei verspürte Lust von der Ersparung an psychischem

Aufwand abzuleiten, kann uns wohl nicht verwehrt werden, wenn dieser

Gesichtspunkt sich fruchtbar zur Aufklärung von Einzelheiten und zur

Gewinnung neuer Allgemeinheiten erweist. Wir wissen, daß wir noch die

Art, wie die Ersparung zu stande kommt, und den Sinn des Ausdrucks

„psychischer Aufwand“ deutlich zu machen haben.

[Sidenote: Wortlust und Lust am Unsinn.]

Die dritte Gruppe der Techniken des Witzes -- zumeist des

Gedankenwitzes --, welche die Denkfehler, Verschiebungen, den

Widersinn, die Darstellung durch das Gegenteil u. a. umfaßt, mag

für den ersten Anschein ein besonderes Gepräge tragen und keine

Verwandtschaft mit den Techniken des Wiederfindens des Bekannten oder

des Ersatzes der Gegenstandsassoziationen durch die Wortassoziationen

verraten; es ist nichts desto weniger gerade hier sehr leicht, den

Gesichtspunkt der Ersparung oder Erleichterung des psychischen

Aufwandes zur Geltung zu bringen.

Daß es leichter und bequemer ist, von einem eingeschlagenen Gedankenweg

abzuweichen als ihn festzuhalten, Unterschiedenes zusammenzuwerfen

als es in Gegensatz zu bringen, und gar besonders bequem, von der

Logik verworfene Schlußweisen gelten zu lassen, endlich bei der

Zusammenfügung von Worten oder Gedanken von der Bedingung abzusehen,

daß sie auch einen Sinn ergeben sollen: dies ist allerdings nicht

zweifelhaft, und gerade dies tun die in Rede stehenden Techniken des

Witzes. Befremden wird aber die Aufstellung erregen, daß solches

Tun der Witzarbeit eine Quelle der Lust eröffnet, da wir gegen alle

derartigen Minderleistungen der Denktätigkeit außerhalb des Witzes nur

unlustige Abwehrgefühle verspüren können.

Die „Lust am Unsinn“, wie wir abkürzend sagen können, ist im

ernsthaften Leben allerdings bis zum Verschwinden verdeckt. Um sie

nachzuweisen, müssen wir auf zwei Fälle eingehen, in denen sie noch

sichtbar ist und wieder sichtbar wird, auf das Verhalten des lernenden

Kindes und das des Erwachsenen in toxisch veränderter Stimmung. In der

Zeit, da das Kind den Wortschatz seiner Muttersprache handhaben lernt,

bereitet es ihm ein offenbares Vergnügen, mit diesem Material „spielend

zu experimentieren“ (+Groos+), und es fügt die Worte, ohne sich an die

Sinnbedingung zu binden, zusammen, um den Lusteffekt des Rhythmus oder

des Reimes mit ihnen zu erzielen. Dieses Vergnügen wird ihm allmählich

verwehrt, bis ihm nur die sinnreichen Wortverbindungen als gestattete

erübrigen. Noch in spätere Jahre ragen dann die Bestrebungen, sich über

die erlernten Einschränkungen im Gebrauche der Worte hinauszusetzen,

indem man dieselben durch bestimmte Anhängsel verunstaltet, ihre

Formen durch gewisse Veranstaltungen verändert (Reduplikationen,

Zittersprache) oder sich sogar für den Gebrauch unter den Gespielen

eine eigene Sprache zurecht macht, Bemühungen, welche dann bei den

Geisteskranken gewisser Kategorien wieder auftauchen.

[Sidenote: Wiederherstellung alter Freiheiten.]

Ich meine, welches immer das Motiv war, dem das Kind folgte, als es

mit solchen Spielen begann, in weiterer Entwicklung gibt es sich

ihnen mit dem Bewußtsein, daß sie unsinnig sind, hin und findet

das Vergnügen in diesem Reiz des von der Vernunft Verbotenen. Es

benützt nun das Spiel dazu, sich dem Drucke der kritischen Vernunft

zu entziehen. Weit gewaltiger sind aber die Einschränkungen, die

bei der Erziehung zum richtigen Denken und zur Sonderung des in der

Realität Wahren vom Falschen Platz greifen müssen, und darum ist die

Auflehnung gegen den Denk- und Realitätszwang eine tiefgreifende und

lang anhaltende; selbst die Phänomene der Phantasiebetätigung fallen

unter diesen Gesichtspunkt. Die Macht der Kritik ist in dem späteren

Abschnitt der Kindheit und in der über die Pubertät hinausreichenden

Periode des Lernens meist so sehr gewachsen, daß die Lust am „befreiten

Unsinn“ sich nur selten direkt zu äußern wagt. Man getraut sich nicht,

Widersinn auszusprechen; aber die für den Buben charakteristische

Neigung zu widersinnigem, zweckwidrigem Tun scheint mir ein direkter

Abkömmling der Lust am Unsinn zu sein. In pathologischen Fällen

sieht man leicht diese Neigung soweit gesteigert, daß sie wieder

die Reden und Antworten des Schülers beherrscht; bei einigen in

Neurose verfallenen Gymnasiasten konnte ich mich überzeugen, daß

die unbewußt wirkende Lust an dem von ihnen produzierten Unsinn an

ihren Fehlleistungen nicht minderen Anteil hatte als ihre wirkliche

Unwissenheit.

Der Student gibt es dann nicht auf, gegen den Denk- und Realitätszwang

zu demonstrieren, dessen Herrschaft er doch immer unduldsamer und

uneingeschränkter werden verspürt. Ein guter Teil des studentischen

Ulks gehört dieser Reaktion an. Der Mensch ist eben ein „unermüdlicher

Lustsucher“, -- ich weiß nicht mehr, bei welchem Autor ich diesen

glücklichen Ausdruck gefunden habe -- und jeder Verzicht auf eine

einmal genossene Lust wird ihm sehr schwer. Mit dem heiteren Unsinn

des Bierschwefels versucht der Student, sich die Lust aus der Freiheit

des Denkens zu retten, die ihm durch die Schulung des Kollegs immer

mehr verloren geht. Ja noch viel später, wenn er als gereifter Mann

mit anderen auf dem wissenschaftlichen Kongresse zusammengetroffen ist

und sich wieder als Lernender gefühlt hat, muß nach Schluß der Sitzung

die Kneipzeitung, welche die neu gewonnenen Einsichten in’s Unsinnige

verzerrt, ihm für die neu zugewachsene Denkhemmung Entschädigung bieten.

„Bierschwefel“ und „Kneipzeitung“ legen in ihren Namen Zeugnis

dafür ab, daß die Kritik, welche die Lust am Unsinn verdrängt hat,

bereits so stark geworden ist, daß sie ohne toxische Hilfsmittel auch

nicht zeitweilig beiseite geschoben werden kann. Die Veränderung

der Stimmungslage ist das Wertvollste, was der Alkohol dem Menschen

leistet, und weshalb dieses „Gift“ nicht für jeden gleich entbehrlich

ist. Die heitere Stimmung, ob nun endogen entstanden oder toxisch

erzeugt, setzt die hemmenden Kräfte, die Kritik unter ihnen, herab und

macht damit Lustquellen wieder zugänglich, auf denen die Unterdrückung

lastete. Es ist überaus lehrreich zu sehen, wie die Anforderungen

an den Witz mit einer Hebung der Stimmungslage sinken. Die Stimmung

ersetzt eben den Witz, wie der Witz sich bemühen muß, die Stimmung zu

ersetzen, in welcher sich sonst gehemmte Genußmöglichkeiten, unter

ihnen die Lust am Unsinn, geltend machen.

„Mit wenig Witz und viel Behagen.“

Unter dem Einfluß des Alkohols wird der Erwachsene wieder zum Kinde,

dem die freie Verfügung über seinen Gedankenablauf ohne Einhaltung des

logischen Zwanges Lust bereitet.

Wir hoffen nun auch dargetan zu haben, daß die Widersinnstechniken des

Witzes einer Lustquelle entsprechen. Daß diese Lust aus Ersparung an

psychischem Aufwand, Erleichterung vom Zwange der Kritik, hervorgeht,

brauchen wir nur zu wiederholen.

Bei einem nochmaligen Rückblick auf die in drei Gruppen

gesonderten Techniken des Witzes bemerken wir, daß die erste

und dritte dieser Gruppen, die Ersetzung der Dingassoziationen

durch die Wortassoziationen und die Verwendung des Widersinns als

Wiederherstellungen alter Freiheiten und als Entlastungen von dem

Zwang der intellektuellen Erziehung zusammengefaßt werden können; es

sind psychische Erleichterungen, die man in einen gewissen Gegensatz

zur Ersparung bringen kann, welche die Technik in der zweiten Gruppe

ausmacht. Erleichterung des schon bestehenden und Ersparung an erst

aufzubietendem psychischem Aufwand, auf diese beiden Prinzipien führt

sich also alle Technik des Witzes und somit alle Lust aus diesen

Techniken zurück. Die beiden Arten der Technik und der Lustgewinnung

fallen übrigens -- im großen und ganzen wenigstens -- mit der Scheidung

des Witzes in Wort- und Gedankenwitz zusammen.

* * * * *

[Sidenote: Spiel und Scherz.]

Die vorstehenden Erörterungen haben uns unversehens zur Einsicht in

eine Entwicklungsgeschichte oder Psychogenese des Witzes geführt,

welcher wir nun näher treten wollen. Wir haben Vorstufen des

Witzes kennen gelernt, deren Entwicklung bis zum tendenziösen Witz

wahrscheinlich neue Beziehungen zwischen den verschiedenen Charakteren

des Witzes aufdecken kann. Vor allem Witz gibt es etwas, was wir als

+Spiel+ oder ‚+Scherz+‘ bezeichnen können. Das Spiel -- verbleiben wir

bei diesem Namen -- tritt beim Kinde auf, während es Worte verwenden

und Gedanken an einander fügen lernt. Dieses Spiel folgt wahrscheinlich

einem der Triebe, welche das Kind zur Übung seiner Fähigkeiten

nötigen (+Groos+); es stößt dabei auf Lustwirkungen, die sich aus der

Wiederholung des Ähnlichen, aus dem Wiederfinden des Bekannten, dem

Gleichklang usw. ergeben und als unvermutete Ersparungen an psychischem

Aufwand erklären. Es ist nicht zu verwundern, daß diese Lusteffekte das

Kind zur Pflege des Spieles antreiben und es veranlassen, dieselben

ohne Rücksicht auf die Bedeutung der Worte und den Zusammenhang der

Sätze fortzusetzen. +Spiel+ mit Worten und Gedanken, motiviert durch

gewisse Lusteffekte der Ersparung, wäre also die erste Vorstufe des

Witzes.

Diesem Spiel macht die Erstarkung eines Moments ein Ende, das als

Kritik oder Vernünftigkeit bezeichnet zu werden verdient. Das Spiel

wird nun als sinnlos oder direkt widersinnig verworfen; es wird

infolge der Kritik unmöglich. Es ist nun auch ausgeschlossen, anders

als zufallsweise aus jenen Quellen des Wiederfindens des Bekannten

usw. Lust zu beziehen, es sei denn, daß den Heranwachsenden eine

lustvolle Stimmung befalle, welche der Heiterkeit des Kindes ähnlich

die kritische Hemmung aufhebt. In diesem Falle allein wird das alte

Spiel der Lustgewinnung wieder ermöglicht, aber auf diesen Fall mag der

Mensch nicht warten und auf die ihm vertraute Lust nicht verzichten.

Er sucht also nach Mitteln, welche ihn von der lustvollen Stimmung

unabhängig machen; die weitere Entwicklung zum Witze wird von den

beiden Bestrebungen, die Kritik zu vermeiden und die Stimmung zu

ersetzen, regiert.

Damit setzt die zweite Vorstufe des Witzes ein, der +Scherz+. Es

gilt nun den Lustgewinn des Spieles durchzusetzen und dabei doch den

Einspruch der Kritik, der das Lustgefühl nicht aufkommen ließe, zum

Schweigen zu bringen. Zu diesem Ziele führt nur ein einziger Weg. Die

sinnlose Zusammenstellung von Worten oder die widersinnige Anreihung

von Gedanken muß doch einen Sinn haben. Die ganze Kunst der Witzarbeit

wird aufgeboten, um solche Worte und solche Gedankenkonstellationen

aufzufinden, bei denen diese Bedingung erfüllt ist. Alle technischen

Mittel des Witzes finden hier bereits, beim Scherz, Verwendung, auch

trifft der Sprachgebrauch zwischen Scherz und Witz keine konsequente

Unterscheidung. Was den Scherz vom Witz unterscheidet, ist, daß der

Sinn des der Kritik entzogenen Satzes kein wertvoller, kein neuer oder

auch nur guter zu sein braucht; es muß sich eben nur so sagen lassen,

wenngleich es ungebräuchlich, überflüssig, nutzlos ist, es so zu sagen.

Beim Scherz steht die Befriedigung, das von der Kritik Verbotene

ermöglicht zu haben, im Vordergrunde.

Ein bloßer Scherz ist es z. B., wenn +Schleiermacher+ die Eifersucht

definiert als die Leidenschaft, die mit Eifer sucht, was Leiden

schafft. Ein Scherz ist es, wenn der Professor +Kästner+, der im 18.

Jahrhundert in Göttingen Physik lehrte -- und Witze machte, -- einen

Studenten namens +Kriegk+ bei der Inskription nach seinem Alter fragte

und auf die Antwort, er sei dreißig Jahre alt, meinte: Ei, so habe

ich ja die Ehre, den 30jährigen Krieg zu sehen.[43] Mit einem Scherz

antwortete Meister +Rokitansky+ auf die Frage, welchen Berufen sich

seine vier Söhne zugewendet hätten: „Zwei heilen und zwei heulen“ (zwei

Ärzte und zwei Sänger). Die Auskunft war richtig und darum nicht weiter

angreifbar; aber sie fügte nichts hinzu, was nicht in dem in Klammern

stehenden Ausdruck enthalten gewesen wäre. Es ist unverkennbar, daß die

Antwort die andere Form nur wegen der Lust angenommen hat, welche sich

aus der Unifizierung und aus dem Gleichklang der beiden Worte ableitet.

Ich meine, wir sehen nun endlich klar. Es hat uns in der Bewertung

der Techniken des Witzes immer gestört, daß diese nicht dem Witz

allein zu eigen sind, und doch schien das Wesen des Witzes an ihnen zu

hängen, da mit ihrer Beseitigung durch die Reduktion Witzcharakter und

Witzeslust verloren waren. Nun merken wir, was wir als die Techniken

des Witzes beschrieben haben, -- und in gewissem Sinne fortfahren

müssen so zu nennen -- das sind vielmehr die Quellen, aus denen der

Witz die Lust bezieht, und wir finden es nicht befremdend, daß andere

Verfahren zum nämlichen Zweck aus den gleichen Quellen schöpfen. Die

dem Witze eigentümliche und ihm allein zukommende Technik besteht

aber in seinem Verfahren, die Anwendung dieser lustbereitenden Mittel

gegen den Einspruch der Kritik sicher zu stellen, welcher die Lust

aufheben würde. Wir können von diesem Verfahren wenig Allgemeines

aussagen; die Witzarbeit äußert sich, wie schon erwähnt, in der Auswahl

eines solchen Wortmaterials und solcher Denksituationen, welche es

gestatten, daß das alte Spiel mit Worten und Gedanken die Prüfung der

Kritik bestehe, und zu diesem Zwecke müssen alle Eigentümlichkeiten

des Wortschatzes und alle Konstellationen des Gedankenzusammenhanges

auf das Geschickteste ausgenützt werden. Vielleicht werden wir

späterhin noch in die Lage kommen, die Witzarbeit durch eine bestimmte

Eigenschaft zu charakterisieren; vorläufig bleibt es unerklärt, wie die

dem Witze ersprießliche Auswahl getroffen werden kann. Die Tendenz und

Leistung des Witzes, die lustbereitenden Wort- und Gedankenverbindungen

vor der Kritik zu schützen, stellt sich aber schon beim Scherz als

sein wesentliches Merkmal heraus. Von Anfang an besteht seine Leistung

darin, innere Hemmungen aufzuheben und durch sie unzugänglich gewordene

Lustquellen ergiebig zu machen, und wir werden finden, daß er diesem

Charakter durch seine ganze Entwicklung treu bleibt.

Wir sind nun auch in der Lage, dem Moment des „Sinnes im Unsinn“ (vgl.

Einleitung, S. 4), welchem von den Autoren eine so große Bedeutung zur

Kennzeichnung des Witzes und zur Aufklärung der Lustwirkung beigemessen

wird, seine richtige Stellung anzuweisen. Die zwei festen Punkte

in der Bedingtheit des Witzes, seine Tendenz, das lustvolle Spiel

durchzusetzen, und seine Bemühung, es vor der Kritik der Vernunft zu

schützen, erklären ohne weiteres, warum der einzelne Witz, wenn er für

die eine Ansicht unsinnig erscheint, für eine andere sinnvoll oder

wenigstens zulässig erscheinen muß. Wie er dies macht, das bleibt die

Sache der Witzarbeit; wo es ihm nicht gelungen ist, wird er eben als

„Unsinn“ verworfen. Wir haben es aber auch nicht nötig, die Lustwirkung

des Witzes aus dem Widerstreit der Gefühle abzuleiten, die aus dem

Sinn und gleichzeitigen Unsinn des Witzes, sei es direkt, sei es auf

dem Wege der „Verblüffung und Erleuchtung“, hervorgehen. Ebensowenig

besteht für uns eine Nötigung, der Frage näher zu treten, wieso Lust

aus der Abwechslung des für-sinnlos-Haltens und für-sinnreich-Erkennens

des Witzes hervorgehen könne. Die Psychogenese des Witzes hat uns

belehrt, daß die Lust des Witzes aus dem Spiel mit Worten oder aus

der Entfesselung des Unsinns stammt, und daß der Sinn des Witzes nur

dazu bestimmt ist, diese Lust gegen die Aufhebung durch die Kritik zu

schützen.

[Sidenote: Scherz und Witz.]

Somit wäre das Problem des wesentlichen Charakters des Witzes bereits

am Scherz erklärt. Wir dürfen uns der weiteren Entwicklung des

Scherzes bis zu deren Höhe im tendenziösen Witz zuwenden. Der Scherz

stellt noch die Tendenz voran, uns Vergnügen zu bereiten, und begnügt

sich damit, daß seine Aussage nicht unsinnig oder völlig gehaltlos

erscheine. Wenn diese Aussage selbst eine gehalt- und wertvolle ist,

wandelt sich der Scherz zum +Witz+. Ein Gedanke, der unseres Interesses

würdig gewesen wäre auch in schlichtester Form ausgedrückt, ist nun in

eine Form gekleidet, die an und für sich unser Wohlgefallen erregen

muß.[44] Gewiß ist eine solche Vergesellschaftung nicht ohne Absicht

zu stande gekommen, müssen wir denken und werden uns bemühen, die

der Bildung des Witzes zu Grunde liegende Absicht zu erraten. Eine

bereits früher, wie beiläufig gemachte Beobachtung wird uns auf die

Spur führen. Wir haben oben bemerkt, daß ein guter Witz uns sozusagen

einen Gesamteindruck von Wohlgefallen macht, ohne daß wir im stande

wären, unmittelbar zu unterscheiden, welcher Anteil der Lust von der

witzigen Form, welcher von dem trefflichen Gedankeninhalt herrührt (S.

77). Wir täuschen uns beständig über diese Aufteilung, überschätzen

das eine Mal die Güte des Witzes infolge unserer Bewunderung für den

in ihm enthaltenen Gedanken, bald umgekehrt den Wert des Gedankens

wegen des Vergnügens, das uns die witzige Einkleidung bereitet. Wir

wissen nicht, was uns Vergnügen macht und worüber wir lachen. Diese

als tatsächlich anzunehmende Unsicherheit unseres Urteils mag das

Motiv für die Bildung des Witzes im eigentlichen Sinne abgegeben

haben. Der Gedanke sucht die Witzverkleidung, weil er durch sie

sich unserer Aufmerksamkeit empfiehlt, uns bedeutsamer, wertvoller

erscheinen kann, vor allem aber, weil dieses Kleid unsere Kritik

besticht und verwirrt. Wir haben die Neigung, dem Gedanken, zu gute

zu schreiben, was uns an der witzigen Form gefallen hat, sind auch

nicht mehr geneigt, etwas unrichtig zu finden, was uns Vergnügen

bereitet hat, um uns so die Quelle einer Lust zu verschütten. Hat

der Witz uns zum Lachen gebracht, so ist übrigens die für die Kritik

ungünstigste Disposition in uns hergestellt, denn dann ist uns von

einem Punkte aus jene Stimmung aufgezwungen worden, der bereits das

Spiel genügt hat, und die zu ersetzen der Witz mit allen Mitteln bemüht

war. Wenngleich wir vorhin festgesetzt haben, daß solcher Witz als

harmloser, noch nicht tendenziöser, zu bezeichnen sei, werden wir doch

nicht verkennen dürfen, daß streng genommen nur der Scherz tendenzlos

ist, d. h. allein der Absicht Lust zu erzeugen dient. Der Witz --

mag der in ihm enthaltene Gedanke auch tendenzlos sein, also bloß

theoretischem Denkinteresse dienen -- ist eigentlich nie tendenzlos; er

verfolgt die zweite Absicht, den Gedanken durch Vergrößerung zu fördern

und ihn gegen die Kritik zu sichern. Er äußert hier wiederum seine

ursprüngliche Natur, indem er sich einer hemmenden und einschränkenden

Macht, nun dem kritischen Urteil, entgegenstellt.

[Sidenote: Die Entwicklung zum tendenziösen Witz.]

Diese erste über die Lusterzeugung hinausgehende Verwendung des Witzes

weist den weiteren den Weg. Der Witz ist nun als ein psychischer

Machtfaktor erkannt, dessen Gewicht den Ausschlag geben kann, wenn

es in diese oder jene Wagschale fällt. Die großen Tendenzen und

Triebe des Seelenlebens nehmen ihn für ihre Zwecke in Dienst. Der

ursprünglich tendenzlose Witz, der als ein Spiel begann, kommt

+sekundär+ in Beziehung zu Tendenzen, denen sich nichts, was im

Seelenleben gebildet wird, auf die Dauer entziehen kann. Wir wissen

bereits, was er im Dienste der entblößenden, feindseligen, zynischen,

skeptischen Tendenz zu leisten vermag. Beim obszönen Witz, welcher aus

der Zote hervorgegangen ist, macht er aus dem ursprünglich die sexuelle

Situation störenden Dritten einen Bundesgenossen, vor dem das Weib

sich schämen muß, indem er ihn durch Mitteilung seines Lustgewinnes

besticht. Bei der aggressiven Tendenz verwandelt er den anfänglich

indifferenten Zuhörer durch das nämliche Mittel in einen Mithasser

oder Mitverächter und schafft dem Feind ein Heer von Gegnern, wo erst

nur ein einziger war. Im ersten Falle überwindet er die Hemmungen der

Scham und der Wohlanständigkeit durch die Lustprämie, die er bietet; im

zweiten aber wirft er wiederum das kritische Urteil um, welches sonst

den Streitfall geprüft hätte. Im dritten und vierten Falle, im Dienste

der zynischen und skeptischen Tendenz erschüttert er den Respekt vor

Institutionen und Wahrheiten, an die der Hörer geglaubt hat, einerseits

indem er das Argument verstärkt, anderseits aber, indem er eine neue

Art des Angriffs pflegt. Wo das Argument die Kritik des Hörers auf

seine Seite zu ziehen sucht, ist der Witz bestrebt, diese Kritik zur

Seite zu drängen. Es ist kein Zweifel, daß der Witz den psychologisch

wirksameren Weg gewählt hat.

Bei dieser Übersicht über die Leistungen des tendenziösen Witzes hat

sich uns in den Vordergrund gedrängt, was leichter zu sehen ist,

die Wirkung des Witzes auf den, der ihn hört. Für das Verständnis

bedeutsamer sind die Leistungen, die der Witz im Seelenleben desjenigen

vollbringt, der ihn macht, oder, wie man einzig richtig sagen sollte,

dem er einfällt. Wir haben schon einmal den Vorsatz gefaßt, -- und

finden hier Anlaß ihn zu erneuern --, daß wir die psychischen Vorgänge

des Witzes mit Rücksicht auf ihre Verteilung auf zwei Personen

studieren wollen. Vorläufig wollen wir der Vermutung Ausdruck geben,

daß der durch den Witz angeregte psychische Vorgang beim Hörer den beim

Schöpfer des Witzes in den meisten Fällen nachbildet. Dem äußerlichen

Hindernis, welches beim Hörer überwunden werden soll, entspricht

eine innere Hemmung beim Witzigen. Zum mindesten ist beim Letzteren

die Erwartung des äußerlichen Hindernisses als hemmende Vorstellung

vorhanden. In einzelnen Fällen ist das innerliche Hindernis, das

durch den tendenziösen Witz überwunden wird, evident; von den Witzen

des Herrn N. (S. 87) dürfen wir z. B. annehmen, daß sie nicht nur

den Hörern den Genuß der Aggression durch Injurien, sondern vor

allem ihm die Produktion derselben ermöglichen. Unter den Arten der

innerlichen Hemmung oder Unterdrückung wird eine unseres besonderen

Interesses würdig sein, weil sie die weitgehendste ist; sie wird mit

dem Namen der „Verdrängung“ bezeichnet und an ihrer Leistung erkannt,

daß sie die ihr verfallenen Regungen sowie deren Abkömmlinge vom

Bewußtwerden ausschließt. Wir werden hören, daß der tendenziöse Witz

selbst aus solchen der Verdrängung unterliegenden Quellen Lust zu

entbinden vermag. Läßt sich in solcher Art, wie oben angedeutet wurde,

die Überwindung äußerer Hindernisse auf die innerer Hemmungen und

Verdrängungen zurückführen, so darf man sagen, daß der tendenziöse

Witz den Hauptcharakter der Witzarbeit, Lust frei zu machen durch

Beseitigung von Hemmungen am deutlichsten von allen Entwicklungsstufen

des Witzes erweist. Er verstärkt die Tendenzen, in deren Dienst er

sich stellt, indem er ihnen Hilfen aus unterdrückt gehaltenen Regungen

zuführt, oder er stellt sich überhaupt in den Dienst unterdrückter

Tendenzen.

Man kann gern zugeben, daß dies die Leistungen des tendenziösen Witzes

sind, und wird sich doch besinnen müssen, daß man nicht versteht, auf

welche Weise ihm diese Leistungen gelingen können. Seine Macht besteht

in dem Lustgewinn, den er aus den Quellen des Spieles mit Worten und

des befreiten Unsinnes zieht, und wenn man nach den Eindrücken urteilen

soll, die man von den tendenzlosen Scherzen empfangen hat, kann man

den Betrag dieser Lust unmöglich für so groß halten, daß man ihr die

Kraft zur Aufhebung eingewurzelter Hemmungen und Verdrängungen zutrauen

könnte. Es liegt hier in der Tat keine einfache Kraftwirkung, sondern

ein verwickelteres Auslösungsverhältnis vor. Anstatt den weiten Umweg

darzulegen, auf dem ich zur Einsicht in dieses Verhältnis gelangt bin,

werde ich es auf kurzem synthetischem Wege darzustellen versuchen.

G. Th. +Fechner+ hat in seiner Vorschule der Ästhetik (I. Bd., V) das

„Prinzip der ästhetischen Hilfe oder Steigerung“ aufgestellt, das er in

folgenden Worten ausführt: „+Aus dem widerspruchslosen Zusammentreffen

von Lustbedingungen, die für sich wenig leisten, geht ein größeres,

oft viel größeres Lustresultat hervor, als dem Lustwerte der einzelnen

Bedingungen für sich entspricht, ein größeres, als daß es als Summe

der Einzelwirkungen erklärt werden könnte; ja es kann selbst durch ein

Zusammentreffen dieser Art ein positives Lustergebnis erzielt, die

Schwelle der Lust überstiegen werden, wo die einzelnen Faktoren zu

schwach dazu sind; nur daß sie vergleichungsweise mit anderen einen

Vorteil der Wohlgefälligkeit spürbar werden lassen müssen.+“[45] Ich

meine, das Thema des Witzes gibt uns nicht viel Gelegenheit, die

Richtigkeit dieses Prinzips, das sich an vielen anderen künstlerischen

Bildungen erweisen läßt, zu bestätigen. Am Witz haben wir etwas anderes

gelernt, was wenigstens in die Nähe dieses Prinzips gehört, daß wir

beim Zusammenwirken mehrerer lusterzeugender Faktoren nicht im stande

sind, jedem derselben den ihm am Ergebnis wirklich zukommenden Anteil

zuzuweisen (siehe S. 77). Man kann aber die in dem Prinzip der Hilfe

angenommene Situation variieren und für diese neuen Bedingungen eine

Reihe von Fragestellungen erzielen, die der Beantwortung würdig wären.

Was geschieht allgemein, wenn in einer Konstellation Lustbedingungen

mit Unlustbedingungen zusammentreffen? Wovon hängt dann das Ergebnis

und das Vorzeichen desselben ab? Der Fall des tendenziösen Witzes

ist ein spezieller unter diesen Möglichkeiten. Es ist eine Regung

oder Strebung vorhanden, welche Lust aus einer bestimmten Quelle

entbinden wollte und bei ungehindertem Gewähren auch entbinden würde,

außerdem besteht eine andere Strebung, welche dieser Lustentwicklung

entgegenwirkt, sie also hemmt oder unterdrückt. Die unterdrückende

Strömung muß, wie der Erfolg zeigt, um ein Gewisses stärker sein als

die unterdrückte, die darum doch nicht aufgehoben ist.

Nun trete eine zweite Strebung hinzu, die aus dem nämlichen Vorgang

Lust entbinden würde, wenn auch von anderen Quellen her, die also

der unterdrückten gleichsinnig wirkt. Welches kann in solchem Falle

der Erfolg sein? Ein Beispiel wird uns besser orientieren, als diese

Schematisierung es könnte. Es bestehe die Strebung, eine gewisse Person

zu beschimpfen; dieser stehe aber das Anstandsgefühl, die ästhetische

Kultur, so sehr im Wege, daß das Schimpfen unterbleiben muß; könnte es

z. B. infolge einer veränderten Affektlage oder Stimmung durchbrechen,

so würde dieser Durchbruch der schimpfenden Tendenz nachträglich mit

Unlust empfunden werden. Das Schimpfen unterbleibt also. Es biete sich

aber die Möglichkeit, aus dem Material der zur Beschimpfung dienenden

Worte und Gedanken einen guten Witz zu ziehen, also Lust aus anderen

Quellen zu entbinden, denen die nämliche Unterdrückung nicht im Wege

steht. Doch müßte diese zweite Lustentwicklung unterbleiben, wenn nicht

das Schimpfen zugelassen würde; sowie letzteres aber zugelassen wird,

ist mit ihm noch die neue Lustentbindung verbunden. Die Erfahrung am

tendenziösen Witze zeigt, daß unter solchen Umständen die unterdrückte

Tendenz durch die Hilfe der Witzeslust die Stärke bekommen kann,

die sonst stärkere Hemmung zu überwinden. Es wird geschimpft, weil

damit der Witz ermöglicht ist. Aber das erzielte Wohlgefallen ist

nicht nur das vom Witz erzeugte; es ist unvergleichlich größer, um

so viel größer als die Witzeslust, daß wir annehmen müssen, es sei

der vorhin unterdrückten Tendenz gelungen, sich etwa ganz ohne Abzug

durchzusetzen. Unter diesen Verhältnissen wird beim tendenziösen Witz

am ausgiebigsten gelacht.

[Sidenote: Das Prinzip der „Vorlust“.]

Vielleicht werden wir durch die Untersuchung der Bedingungen des

Lachens dazu kommen, uns eine anschaulichere Vorstellung von dem

Vorgang der Hilfe des Witzes gegen die Unterdrückung zu bilden.

Wir sehen aber auch jetzt, daß der Fall des tendenziösen Witzes

ein Spezialfall des Prinzips der Hilfe ist. Eine Möglichkeit der

Lustentwicklung tritt zu einer Situation hinzu, in welcher eine andere

Lustmöglichkeit verhindert ist, so daß diese für sich allein keine Lust

ergeben würde; das Ergebnis ist eine Lustentwicklung, die weit größer

ist als die der hinzugetretenen Möglichkeit. Letztere hat gleichsam

als +Verlockungsprämie+ gewirkt; mit Hilfe eines dargebotenen kleinen

Betrages von Lust ist ein sehr großer, sonst schwer zu erreichender

gewonnen worden. Ich habe guten Grund zu vermuten, daß dieses Prinzip

einer Einrichtung entspricht, die sich auf vielen, fern von einander

gelegenen Gebieten des Seelenlebens bewährt, und halte es für

zweckmäßig, die zur Auslösung der großen Lustentbindung dienende Lust

als +Vorlust+ und das Prinzip als +Vorlustprinzip+ zu bezeichnen.

[Sidenote: Spiellust und Aufhebungslust.]

Wir können nun die Formel für die Wirkungsweise des tendenziösen Witzes

aussprechen: Er stellt sich in den Dienst von Tendenzen, um vermittels

der Witzeslust als Vorlust durch die Aufhebung von Unterdrückungen und

Verdrängungen neue Lust zu erzeugen. Wenn wir nun seine Entwicklung

überschauen, dürfen wir sagen, daß der Witz seinem Wesen von Anfang

an bis zu seiner Vollendung treu geblieben ist. Er beginnt als ein

Spiel, um Lust aus der freien Verwendung von Worten und Gedanken zu

ziehen. Sowie das Erstarken der Vernunft ihm dieses Spiel mit Worten

als sinnlos und mit Gedanken als unsinnig verwehrt, wandelt er sich

zum Scherz, um diese Lustquellen festhalten und aus der Befreiung

des Unsinns neue Lust gewinnen zu können. Als eigentlicher, noch

tendenzloser, Witz leiht er dann Gedanken seine Hilfe und stärkt sie

gegen die Anfechtung des kritischen Urteils, wobei ihm das Prinzip der

Verwechslung der Lustquellen dienlich ist, und endlich tritt er großen,

mit der Unterdrückung kämpfenden Tendenzen bei, um nach dem Prinzip

der Vorlust innere Hemmungen aufzuheben. Die Vernunft -- das kritische

Urteil -- die Unterdrückung, dies sind die Mächte, die er der Reihe

nach bekämpft; die ursprünglichen Wortlustquellen hält er fest und

eröffnet sich von der Stufe des Scherzes an neue Lustquellen durch die

Aufhebung von Hemmungen. Die Lust, die er erzeugt, sei es nun Spiellust

oder Aufhebungslust, können wir alle Male von Ersparung an psychischem

Aufwand ableiten, falls solche Auffassung nicht dem Wesen der Lust

widerspricht und sich noch anderweitig fruchtbar erweist.[46]

[40] Wenn ich mir hier gestatten darf, der Darstellung im Texte

vorzugreifen, so kann ich an dieser Stelle ein Licht auf die

Bedingung werfen, welche für den Sprachgebrauch maßgebend

scheint, um einen Witz einen „guten“ oder einen „schlechten“

zu heißen. Wenn ich mittels eines doppelsinnigen oder wenig

modifizierten Wortes auf kurzem Wege aus einem Vorstellungskreis

in einen anderen geraten bin, während sich zwischen den beiden

Vorstellungskreisen nicht auch gleichzeitig eine sinnvolle

Verknüpfung ergibt, dann habe ich einen „schlechten“ Witz

gemacht. In diesem schlechten Witz ist das eine Wort, die

„Pointe“, die einzig vorhandene Verknüpfung zwischen den

beiden disparaten Vorstellungen. Ein solcher Fall ist das

oben verwendete Beispiel: Home-Roulard. Ein „guter Witz“

kommt aber zu stande, wenn die Kindererwartung Recht behält

und mit der Ähnlichkeit der Worte wirklich gleichzeitig eine

andere wesentliche Ähnlichkeit des Sinnes angezeigt ist, wie

im Beispiel: Traduttore-Traditore. Die beiden disparaten

Vorstellungen, die hier durch eine äußerliche Assoziation

verknüpft sind, stehen außerdem in einem sinnreichen

Zusammenhang, welcher eine Wesensverwandtschaft von ihnen

aussagt. Die äußerliche Assoziation ersetzt nur den innerlichen

Zusammenhang; sie dient dazu, ihn anzuzeigen oder klarzustellen.

Der „Übersetzer“ heißt nicht nur ähnlich wie der Verräter; er

ist auch eine Art von Verräter, er führt gleichsam mit Recht

seinen Namen.

Der hier entwickelte Unterschied fällt mit der später

einzuführenden Scheidung von „Scherz“ und „Witz“ zusammen. Es

wäre aber Unrecht, Beispiele wie Home-Roulard von der Erörterung

über die Natur des Witzes auszuschließen. So wie wir die

eigentümliche Lust des Witzes in Betracht ziehen, finden wir,

daß die „schlechten“ Witze keineswegs als Witze schlecht, d. h.

ungeeignet zur Erzeugung von Lust sind.

[41] Die Spiele des Menschen, 1899.

[42] Abschnitt XVII ist überschrieben: Von sinnreichen und witzigen

Vergleichen, Wortspielen u. a. Fällen, welche den Charakter der

Ergötzlichkeit, Lustigkeit, Lächerlichkeit tragen.

[43] +Kleinpaul.+ Die Rätsel der Sprache, 1890.

[44] Als Beispiel, welches den Unterschied von Scherz und

eigentlichem Witz erkennen läßt, diene das ausgezeichnete

Witzwort, mit welchem ein Mitglied des „Bürgerministeriums“

in Österreich die Frage nach der Solidarität des Kabinetts

beantwortete: „Wie sollen wir für einander +einstehen+ können,

wenn wir einander nicht +ausstehen+ können?“ Technik: Verwendung

des nämlichen Materials mit geringer (gegensätzlicher)

Modifikation; der korrekte und treffende Gedanke: Es gibt

keine Solidarität ohne persönliches Einvernehmen. Die

Gegensätzlichkeit der Modifikation (+ein+stehen--+aus+stehen)

entspricht der vom Gedanken behaupteten Unvereinbarkeit und

dient ihr als Darstellung.

[45] S. 51 der zweiten Auflage, Leipzig 1897. -- Die Hervorhebung

ist die +Fechner+’s.

[46] Eine kurze nachträgliche Berücksichtigung verdienen noch die

Unsinnswitze, die in der Darstellung nicht zu ihrem vollen Recht

gelangt sind.

Bei der Bedeutung, die unsere Auffassung dem Moment „Sinn im

Unsinn“ zugesteht, könnte man versucht sein zu fordern, daß

jeder Witz ein Unsinnswitz sein müsse. Dies ist aber nicht

notwendig, weil nur das Spiel mit Gedanken unvermeidlich zum

Unsinn führt, die andere Quelle der Witzeslust, das Spiel mit

Worten, diesen Eindruck nur gelegentlich macht und die mit

ihm verbundene Kritik nicht regelmäßig aufruft. Die zweifache

Wurzel der Witzeslust -- aus dem Spiel mit Worten und aus

dem Spiel mit Gedanken, die der wichtigsten Einteilung in

Wort- und Gedankenwitze entspricht --, tritt einer knappen

Formulierung allgemeiner Sätze über den Witz als fühlbare

Erschwerung entgegen. Das Spielen mit Worten ergibt offenkundige

Lust infolge der oben aufgezählten Momente des Erkennens usw.

und ist der Unterdrückung infolgedessen nur in geringem Maße

unterlegen. Das Spiel mit Gedanken kann durch solche Lust nicht

motiviert werden; es ist einer sehr energischen Unterdrückung

verfallen, und die Lust, die es liefern kann, ist nur die Lust

der aufgehobenen Hemmung; die Witzeslust, kann man demnach

sagen, zeige einen Kern von ursprünglicher Spiellust und eine

Hülle von Aufhebungslust. -- Wir nehmen es natürlich nicht

wahr, daß die Lust beim Unsinnswitz daher rührt, daß es uns

gelungen ist, einen Unsinn der Unterdrückung zum Trotz frei zu

machen, während wir ohne weiteres merken, daß ein Spielen mit

Worten uns Lust bereitet hat. -- Der Unsinn, der im Gedankenwitz

stehen geblieben ist, erwirbt sekundär die Funktion, unsere

Aufmerksamkeit durch Verblüffung zu spannen, er dient als

Verstärkungsmittel für die Wirkung des Witzes, aber nur dann,

wenn er aufdringlich ist, so daß die Verblüffung dem Verständnis

um ein deutliches Zeitteilchen voraneilen kann. Daß der Unsinn

im Witze überdies zur Darstellung eines im Gedanken enthaltenen

Urteils verwendet werden kann, ist an den Beispielen S. 44

gezeigt worden. Auch dies ist aber nicht die primäre Bedeutung

des Unsinns im Witze.

An die Unsinnswitze kann man eine Reihe von witzähnlichen

Produktionen anschließen, für die es an einem passenden Namen

fehlt, die aber auf die Bezeichnung „witzig scheinender

Blödsinn“ Anspruch haben könnten. Es gibt deren ungezählt viele;

ich will nur zwei als Proben herausheben: Ein Mann greift bei

Tische, als ihm der Fisch serviert wird, zweimal mit beiden

Händen in die Mayonnaise und streicht sie sich dann durch die

Haare. Vom Nachbar erstaunt angesehen, scheint er seinen Irrtum

zu bemerken und entschuldigt sich: Pardon, ich glaubte, es wäre

Spinat.

Oder: Das Leben ist eine Kettenbrück’, sagt der eine. -- Wieso?

fragt der andere. -- Weiß ich? lautet die Antwort.

Diese extremen Beispiele wirken dadurch, daß sie die

Erwartung des Witzes erwecken, so daß man hinter dem Unsinn den

verborgenen Sinn zu finden sich bemüht. Man findet aber keinen,

sie sind wirklich Unsinn. Unter jener Vorspiegelung ist es für

einen Augenblick ermöglicht geworden, die Lust am Unsinn frei

zu machen. Diese Witze sind nicht ganz ohne Tendenz; es sind

„Aufsitzer“, sie bereiten dem Erzähler eine gewisse Lust, indem

sie den Hörer irreführen und ärgern. Letzterer dämpft dann

diesen Ärger durch den Vorsatz, selbst zum Erzähler zu werden.

Der Witz und seine Beziehung zum Unbewußten · 第 15 / 24 题