angedeuteten Erörterungen der Autoren können wir erraten, daß in
solchem witzigen Unsinn ein Sinn steckt, und daß dieser Sinn im
Unsinn den Unsinn zum Witz macht. Der Sinn in unserem Beispiel ist
leicht zu finden. Der Offizier, welcher dem Artilleristen Itzig den
unsinnigen Rat gibt, stellt sich nur dumm, um Itzig zu zeigen, wie
dumm er selbst sich benimmt. Er kopiert den Itzig. „Ich will dir
jetzt einen Rat geben, der genau so dumm ist wie du.“ Er geht auf
Itzigs Dummheit ein und bringt sie ihm zur Einsicht, indem er sie zur
Grundlage eines Vorschlags macht, der Itzigs Wünschen entsprechen muß,
denn besäße Itzig eine eigene Kanone und betriebe das Kriegshandwerk
auf eigene Rechnung, wie kämen ihm da seine Intelligenz und sein
Ehrgeiz zu statten! Wie würde er die Kanone im stande halten und sich
mit ihrem Mechanismus vertraut machen, um die Konkurrenz mit anderen
Kanonenbesitzern zu bestehen!
Ich unterbreche die Analyse dieses Beispiels, um in einem kürzeren und
einfacheren, aber minder grellen Fall von Unsinnswitz den gleichen Sinn
des Unsinns nachzuweisen.
„+Niemals geboren zu werden, wäre das beste für die sterblichen
Menschenkinder.+“ „+Aber+,“ setzen die Weisen der „Fliegenden Blätter“
hinzu, „+unter+ 100.000 +Menschen passiert dies kaum einem.+“
Der moderne Zusatz zum alten Weisheitsspruch ist ein klarer Unsinn,
der durch das anscheinend vorsichtige „kaum“ noch dümmer wird. Aber
er knüpft als unbestreitbar richtige Einschränkung an den ersten Satz
an, kann uns also die Augen darüber öffnen, daß jene mit Ehrfurcht
vernommene Weisheit auch nicht viel besser als ein Unsinn ist. Wer nie
geboren worden ist, ist überhaupt kein Menschenkind; für den gibt es
kein Gutes und kein Bestes. Der Unsinn im Witze dient also hier zur
Aufdeckung und Darstellung eines anderen Unsinns wie im Beispiel vom
Artilleristen Itzig.
Ich kann hier ein drittes Beispiel anfügen, welches durch seinen Inhalt
die ausführliche Mitteilung, die es erfordert, kaum verdienen würde,
aber gerade wieder die Verwendung des Unsinns im Witze zur Darstellung
eines anderen Unsinns besonders deutlich erläutert:
Ein Mann, der verreisen muß, vertraut seine Tochter einem Freunde an
mit der Bitte, während seiner Abwesenheit über ihre Tugend zu wachen.
Er kommt nach Monaten zurück und findet sie geschwängert. Natürlich
macht er dem Freund Vorwürfe. Der kann sich den Unglücksfall angeblich
nicht erklären. „Wo hat sie denn geschlafen?“ fragt endlich der
Vater. -- „Im Zimmer mit meinem Sohn.“ -- „Aber wie kannst du sie im
selben Zimmer mit deinem Sohn schlafen lassen, nachdem ich dich so
gebeten habe, sie zu behüten?“ -- „Es war doch eine spanische Wand
zwischen ihnen. Da war das Bett von deiner Tochter, da das Bett von
meinem Sohn und dazwischen die spanische Wand.“ -- „Und wenn er um die
spanische Wand herumgegangen ist?“ -- „+Außer das+,“ meint der andere
nachdenklich. „+So wäre es möglich.+“
Von diesem, seinen sonstigen Qualitäten nach recht geringem Witz
gelangen wir am leichtesten zur Reduktion. Sie würde offenbar lauten:
Du hast kein Recht, mir Vorwürfe zu machen. Wie kannst +du+ denn so
+dumm+ sein, deine Tochter in ein Haus zu geben, in dem sie in der
beständigen Gesellschaft eines jungen Mannes leben muß? Als ob es
einem Fremden möglich wäre, unter solchen Umständen für die Tugend
eines Mädchens einzustehen! Die scheinbare Dummheit des Freundes ist
also auch hier nur die Spiegelung der Dummheit des Vaters. Durch die
Reduktion haben wir die Dummheit im Witze und mit ihr den Witz selbst
beseitigt. Das Element „Dummheit“ selbst sind wir nicht los geworden;
es findet im Zusammenhange des auf seinen Sinn reduzierten Satzes eine
andere Stelle.
Nun können wir auch die Reduktion des Witzes von der Kanone
versuchen. Der Offizier hätte zu sagen: „Itzig, ich weiß, du bist ein
intelligenter Geschäftsmann. Aber ich sage dir, es ist eine +große
Dummheit+, wenn, du nicht einsiehst, daß es beim Militär unmöglich
so zugehen kann wie im Geschäftsleben, wo jeder auf eigene Faust und
gegen den anderen arbeitet. Beim Militär heißt es sich unterordnen und
zusammenwirken.“
Die Technik der bisherigen Unsinnswitze besteht also wirklich
in der Anbringung von etwas Dummem, Unsinnigem, dessen Sinn die
Veranschaulichung, Darstellung von etwas anderem Dummen und Unsinnigen
ist.
Hat die Verwendung des Widersinnes in der Witztechnik jedesmal diese
Bedeutung? Hier ist noch ein Beispiel, welches im bejahenden Sinne
antwortet:
Als dem +Phokion+ einmal nach einer Rede Beifall geklatscht wurde,
fragte er zu seinen Freunden gewendet: „+Was habe ich denn Dummes
gesagt?+“
Diese Frage klingt widersinnig. Aber wir verstehen alsbald ihren Sinn.
„Was habe ich denn gesagt, was diesem dummen Volk so gefallen konnte?
Ich müßte mich ja eigentlich des Beifalls schämen; wenn es den Dummen
gefallen hat, kann es selbst nicht sehr gescheit gewesen sein.“
Andere Beispiele können uns aber darüber belehren, daß der Widersinn
sehr häufig in der Witztechnik gebraucht wird, ohne dem Zwecke der
Darstellung eines anderen Unsinns zu dienen.
Einem bekannten Universitätslehrer, der sein wenig anmutendes
Spezialfach reichlich mit Witzen zu würzen pflegt, wird zur Geburt
seines jüngsten Kindes gratuliert, das ihm in bereits vorgerücktem
Alter beschieden wurde. „Ja,“ erwiderte er den Glück Wünschenden, „es
ist merkwürdig, +was Menschenhände zu stande bringen können+.“ --
Diese Antwort erscheint ganz besonders sinnlos und nicht am Platze.
Kinder heißen doch ein Segen Gottes recht im Gegensatz zum Werk der
Menschenhand. Aber bald fällt uns ein, daß diese Antwort doch einen
Sinn hat, und zwar einen obszönen. Es ist keine Rede davon, daß der
glückliche Vater sich dumm stellen will, um etwas anderes oder andere
Personen als dumm zu bezeichnen. Die anscheinend sinnlose Antwort
wirkt auf uns überraschend, verblüffend, wie wir mit den Autoren sagen
wollen. Wir haben gehört, daß die Autoren die ganze Wirkung solcher
Witze aus dem Wechsel von „Verblüffung und Erleuchtung“ ableiten.
Darüber wollen wir uns später ein Urteil zu bilden versuchen; wir
begnügen uns hervorzuheben, daß die Technik dieses Witzes in der
Anbringung von solchem Verblüffenden, Unsinnigen besteht.
Eine ganz besondere Stellung unter diesen Dummheitswitzen nimmt ein
Witz von +Lichtenberg+ ein.
Er wundere sich, +daß den Katzen gerade an der Stelle zwei Löcher
in den Pelz geschnitten wären, wo sie die Augen hätten+. Sich über
etwas Selbstverständliches zu wundern, etwas was eigentlich nur die
Auseinandersetzung einer Identität ist, ist doch gewiß eine Dummheit.
Es mahnt an einen ernsthaft gemeinten Ausruf bei +Michelet+ (Das Weib),
der nach meiner Erinnerung etwa so lautet: Wie schön ist es doch von
der Natur eingerichtet, daß das Kind, sobald es zur Welt kommt, eine
Mutter vorfindet, die bereit ist, sich seiner anzunehmen! Der Satz von
+Michelet+ ist eine wirkliche Dummheit, aber der +Lichtenberg+sche ist
ein Witz, der sich der Dummheit zu irgend einem Zwecke bedient, hinter
dem etwas steckt. Was? Das können wir freilich in diesem Moment nicht
angeben.
* * * * *
[Sidenote: Sophistische Denkfehler.]
Wir haben nun bereits an zwei Gruppen von Beispielen erfahren,
daß die Witzarbeit sich der Abweichungen vom normalen Denken, der
+Verschiebung+ und des +Widersinnes+, als technischer Mittel zur
Herstellung des witzigen Ausdrucks bedient. Es ist gewiß eine
berechtigte Erwartung, daß auch andere +Denkfehler+ eine gleiche
Verwendung finden können. Wirklich lassen sich einige Beispiele von
dieser Art angeben:
Ein Herr kommt in eine Konditorei und läßt sich eine Torte geben;
bringt dieselbe aber bald wieder und verlangt an ihrer Statt ein
Gläschen Likör. Dieses trinkt er aus und will sich entfernen, ohne
gezahlt zu haben. Der Ladenbesitzer hält ihn zurück. „Was wollen Sie
von mir?“ -- „Sie sollen den Likör bezahlen.“ -- „Für den habe ich
Ihnen ja die Torte gegeben.“ -- „Die haben Sie ja auch nicht bezahlt.“
-- „+Die habe ich ja auch nicht gegessen.+“
Auch dieses Geschichtchen trägt den Schein von Logik zur Schau, den wir
als geeignete Fassade für einen Denkfehler bereits kennen. Der Fehler
liegt offenbar darin, daß der schlaue Kunde zwischen dem Zurückgeben
der Torte und dem Dafürnehmen des Likörs eine Beziehung herstellt, die
nicht besteht. Der Sachverhalt zerfällt vielmehr in zwei Vorgänge, die
für den Verkäufer voneinander unabhängig sind, nur in seiner eigenen
Absicht im Verhältnisse des Ersatzes stehen. Er hat zuerst die Torte
genommen und zurückgegeben, für die er also nichts schuldig ist, dann
nimmt er den Likör, und den ist er schuldig zu bezahlen. Man kann
sagen, der Kunde wende die Relation „dafür“ doppelsinnig an; richtiger,
er stelle vermittels eines Doppelsinnes eine Verbindung her, die
sachlich nicht stichhaltig ist.[27]
Es ist nun die Gelegenheit da, ein nicht unwichtiges Bekenntnis
abzulegen. Wir beschäftigen uns hier mit der Erforschung der Technik
des Witzes an Beispielen und sollten also sicher sein, daß die von uns
gewählten Beispiele wirklich richtige Witze sind. Es steht aber so, daß
wir in einer Reihe von Fällen ins Schwanken geraten, ob das betreffende
Beispiel ein Witz genannt werden darf oder nicht. Ein Kriterium steht
uns ja nicht zu Gebote, ehe die Untersuchung ein solches ergeben hat;
der Sprachgebrauch ist unzuverlässig und bedarf selbst der Prüfung auf
seine Berechtigung; wir können uns bei der Entscheidung auf nichts
anderes stützen als auf eine gewisse „Empfindung“, welche wir dahin
interpretieren dürfen, daß sich in unserem Urteilen die Entscheidung
nach bestimmten Kriterien vollziehe, die unserer Erkenntnis noch
nicht zugänglich sind. Für eine zureichende Begründung werden wir
die Berufung auf diese „Empfindung“ nicht ausgeben dürfen. Bei dem
letzterwähnten Beispiel werden wir nun zweifeln müssen, ob wir es als
Witz darstellen dürfen, als einen sophistischen Witz etwa, oder als ein
Sophisma schlechtweg. Wir wissen eben noch nicht, worin der Charakter
des Witzes liegt.
Hingegen ist das nächstfolgende Beispiel, welches den sozusagen
komplementären Denkfehler aufweist, ein unzweifelhafter Witz. Es ist
wiederum eine Heiratsvermittlergeschichte:
Der Schadchen verteidigt das von ihm vorgeschlagene Mädchen gegen die
Ausstellungen des jungen Mannes. „Die Schwiegermutter gefällt mir
nicht,“ sagt dieser, „sie ist eine boshafte, dumme Person.“ -- Sie
heiraten doch nicht die Schwiegermutter, Sie wollen die Tochter. --
„Ja, aber jung ist sie nicht mehr und schön von Gesicht gerade auch
nicht.“ -- Das macht nichts; ist sie nicht jung und schön, wird sie
Ihnen um so eher treu bleiben. -- „Geld ist auch nicht viel da.“ --
Wer spricht vom Geld? Heiraten Sie denn das Geld? Sie wollen doch eine
Frau. -- „Aber sie hat ja auch einen Buckel!“ -- Nun, was wollen Sie?
„+Gar keinen Fehler soll sie haben!+“
Es handelt sich also in Wirklichkeit um ein nicht mehr junges,
unschönes Mädchen mit geringer Mitgift, das eine abstoßende Mutter hat
und außerdem mit einer argen Verunstaltung versehen ist. Gewiß keine
zur Eheschließung einladenden Verhältnisse. Der Heiratsvermittler weiß
bei jedem einzelnen dieser Fehler anzugeben, von welchem Gesichtspunkte
man sich mit ihm versöhnen könnte; den nicht zu entschuldigenden Buckel
nimmt er dann als den einen Fehler in Anspruch, den man jedem Menschen
hingehen lassen müsse. Es liegt wiederum der Schein von Logik vor,
welcher für das Sophisma charakteristisch ist, und der den Denkfehler
verdecken soll. Das Mädchen hat offenbar lauter Fehler, mehrere, über
die man hinwegsehen konnte, und einen, über den man nicht hinweg kommt;
es ist nicht zu heiraten. Der Vermittler tut, als ob jeder einzelne
Fehler durch seine Ausflucht beseitigt wäre, während doch von jedem ein
Stück Entwertung erübrigt, das sich zum nächsten summiert. Er besteht
darauf, jeden Faktor vereinzelt zu behandeln, und weigert sich, sie zur
Summe zusammenzusetzen.
Die nämliche Unterlassung ist der Kern eines anderen Sophismas, das
viel belacht worden ist, dessen Berechtigung ein Witz zu heißen man
aber anzweifeln könnte.
A. hat von B. einen kupfernen Kessel entlehnt und wird nach der
Rückgabe von B. verklagt, weil der Kessel nun ein großes Loch zeigt,
das ihn unverwendbar macht. Seine Verteidigung lautet: „+Erstens habe
ich von B. überhaupt keinen Kessel entlehnt; zweitens hatte der Kessel
bereits ein Loch, als ich ihn von B. übernahm; drittens habe ich
den Kessel ganz zurückgegeben.+“ Jede einzelne Einrede ist für sich
gut, zusammengenommen aber schließen sie einander aus. A. behandelt
isoliert, was im Zusammenhange betrachtet werden muß, ganz wie der
Heiratsvermittler mit den Mängeln der Braut verfährt. Man kann auch
sagen: A. setzt das „und“ an die Stelle, an der nur ein „entweder --
oder“ möglich ist.
Ein anderes Sophisma begegnet uns in der folgenden
Heiratsvermittlergeschichte.
Der Bewerber hat auszusetzen, daß die Braut ein kürzeres Bein hat und
hinkt. Der Schadchen widerspricht ihm. „Sie haben Unrecht. Nehmen Sie
an, Sie heiraten eine Frau mit gesunden, geraden Gliedern. Was haben
Sie davon? Sie sind keinen Tag sicher, daß sie nicht hinfällt, ein Bein
bricht und dann lahm ist fürs ganze Leben. Und dann die Schmerzen, die
Aufregung, die Doktorrechnung! Wenn Sie aber +die+ nehmen, so kann
Ihnen das nicht passieren; da haben Sie eine +fertige Sach’+.“
Der Schein von Logik ist hier recht dünn, und niemand wird dem bereits
„fertigen Unglück“ gar noch einen Vorzug vor dem bloß möglichen
zugestehen wollen. Der in dem Gedankengang enthaltene Fehler wird sich
leichter an einem zweiten Beispiel aufzeigen lassen, einer Geschichte,
die ich des Jargons nicht völlig entkleiden mag.
Im Tempel zu Krakau sitzt der große Rabbi N. und betet mit seinen
Schülern. Er stößt plötzlich einen Schrei aus und äußert, von den
besorgten Schülern befragt: „Eben jetzt ist der große Rabbi L. in
Lemberg gestorben.“ Die Gemeinde legt Trauer um den Verstorbenen an.
Im Laufe der nächsten Tage werden nun die aus Lemberg Ankommenden
befragt, wie der Rabbi gestorben, was ihm gefehlt, aber sie wissen
nichts davon, sie haben ihn im besten Wohlbefinden verlassen. Es stellt
sich endlich als ganz gesichert heraus, daß Rabbi L. in Lemberg nicht
zu jener Stunde gestorben ist, in der Rabbi N. seinen Tod telepathisch
verspürte, da er immer noch weiter lebt. Ein Fremder ergreift die
Gelegenheit, einen Schüler des Krakauer Rabbi mit dieser Begebenheit
aufzuziehen. „Es war doch eine große Blamage von Eurem Rabbi, daß er
damals den Rabbi L. in Lemberg sterben gesehen hat. Der Mann lebt noch
heute.“ „Macht nichts,“ erwidert der Schüler, „+der Kück[28] von Krakau
bis nach Lemberg war doch großartig+.“
Hier wird der beiden letzten Beispielen gemeinsame Denkfehler
unverhüllt eingestanden. Der Wert der Phantasievorstellung wird
gegen die Realität ungebührlich erhoben, die Möglichkeit fast der
Wirklichkeit gleichgestellt. Der Fernblick über die Krakau von Lemberg
trennende Länderstrecke wäre eine imposante telepathische Leistung,
wenn er etwas Wahres ergeben hätte, aber darauf kommt es dem Schüler
nicht an. Es wäre doch möglich gewesen, daß der Rabbi in Lemberg
in jenem Moment gestorben wäre, in dem der Krakauer Rabbi seinen
Tod verkündete, und dem Schüler verschiebt sich der Akzent von der
Bedingung, unter der die Leistung des Lehrers bewundernswert ist, zur
unbedingten Bewunderung dieser Leistung. „In magnis rebus voluisse sat
est“ bezeugt einen ähnlichen Standpunkt. Ebenso wie in diesem Beispiel
von der Realität abgesehen wird zu Gunsten der Möglichkeit, so mutet
im vorigen der Heiratsvermittler dem Bewerber zu, die Möglichkeit,
daß eine Frau durch einen Unfall lahm werden kann, als das bei weitem
Bedeutsamere ins Auge zu fassen, wogegen die Frage, ob sie wirklich
lahm ist oder nicht, ganz zurücktreten soll.
[Sidenote: Automatische Denkfehler.]
Dieser Gruppe der +sophistischen+ Denkfehler reiht sich eine
interessante andere an, in welcher man den Denkfehler als einen
+automatischen+ bezeichnen kann. Es ist vielleicht nur eine Laune des
Zufalls, daß alle Beispiele, die ich aus dieser neuen Gruppe anführen
werde, wiederum den Schadchengeschichten angehören:
„Ein Schadchen hat zur Besprechung über die Braut einen Gehilfen
mitgebracht, der seine Mitteilungen bekräftigen soll. Sie ist gewachsen
wie ein Tannenbaum, meint der Schadchen. -- Wie ein Tannenbaum,
wiederholt das Echo. -- Und Augen hat sie, die muß man gesehen haben.
-- Heißt Augen, die sie hat! bekräftigt das Echo. -- Und gebildet ist
sie wie keine andere. -- Und wie gebildet! -- Aber das eine ist wahr,
gesteht der Vermittler zu, sie hat einen kleinen Höcker. -- +Aber ein
Höcker!+ bekräftigt wieder das Echo.“ Die anderen Geschichten sind ganz
analog, obwohl sinnreicher.
„Der Bräutigam ist bei der Vorstellung der Braut sehr unangenehm
überrascht und zieht den Vermittler beiseite, um ihm flüsternd seine
Ausstellungen mitzuteilen. ‚Wozu haben Sie mich hieher gebracht?‘
fragt er ihn vorwurfsvoll. ‚Sie ist häßlich und alt, schielt und hat
schlechte Zähne und triefende Augen ...‘ -- ‚Sie können laut sprechen,‘
wirft der Vermittler ein, ‚+taub ist sie auch+.‘“
„Der Bräutigam macht mit dem Vermittler den ersten Besuch im Hause der
Braut, und während sie im Salon auf das Erscheinen der Familie warten,
macht der Vermittler auf einen Glasschrank aufmerksam, in welchem die
schönsten Silbergeräte zur Schau gestellt sind. ‚Da schauen Sie hin,
an diesen Sachen können Sie sehen, wie reich diese Leute sind.‘ --
‚Aber,‘ fragt der mißtrauische junge Mann, ‚wäre es denn nicht möglich,
daß diese schönen Sachen nur für die Gelegenheit zusammengeborgt sind,
um den Eindruck des Reichtums zu machen?‘ -- ‚Was fällt Ihnen ein?‘
antwortet der Vermittler abweisend. ‚+Wer wird denn den Leuten was
borgen!+‘“
In allen drei Fällen ereignet sich das nämliche. Eine Person, die
mehrmals nacheinander in gleicher Weise reagiert hat, setzt diese Weise
der Äußerung auch bei dem nächsten Anlasse fort, wo sie unpassend wird
und den Absichten der Person zuwiderläuft. Sie versäumt es, sich den
Anforderungen der Situation anzupassen, indem sie dem Automatismus der
Gewöhnung nachgibt. So vergißt der Helfer in der ersten Geschichte, daß
er mitgenommen wurde, um den Bewerber zu Gunsten der vorgeschlagenen
Braut zu stimmen, und da er bisher seiner Aufgabe gerecht wurde,
indem er die vorgebrachten Vorzüge der Braut durch seine Wiederholung
unterstrich, unterstreicht er jetzt auch ihren schüchtern zugestandenen
Höcker, den er hätte verkleinern sollen. Der Vermittler der zweiten
Geschichte wird von der Aufzählung der Mängel und Gebrechen der Braut
so fasziniert, daß er die Liste derselben aus seiner eigenen Kenntnis
vervollständigt, wiewohl das gewiß nicht sein Amt und seine Absicht
ist. In der dritten Geschichte endlich läßt er sich von seinem Eifer,
den jungen Mann von dem Reichtum der Familie zu überzeugen, soweit
hinreißen, daß er, um nur in dem einen Beweispunkte Recht zu behalten,
etwas vorbringt, was seine ganze Bemühung umstoßen muß. Überall siegt
der Automatismus über die zweckmäßige Abänderung des Denkens und
Äußerns.
Das ist nun leicht einzusehen, aber verwirrend muß es wirken, wenn
wir aufmerksam werden, daß diese drei Geschichten mit dem gleichen
Recht als „komisch“ bezeichnet werden können, wie wir sie als witzig
angeführt haben. Die Aufdeckung des psychischen Automatismus gehört
zur Technik des Komischen wie jede Entlarvung, jeder Selbstverrat. Wir
sehen uns hier plötzlich vor das Problem der Beziehung des Witzes zur
Komik gestellt, das wir zu umgehen trachteten. (Siehe Einleitung.) Sind
diese Geschichten etwa nur „komisch“ und nicht auch „witzig“? Arbeitet
hier die Komik mit denselben Mitteln wie der Witz? Und wiederum, worin
besteht der besondere Charakter des Witzigen?
Wir müssen daran festhalten, daß die Technik der letztuntersuchten
Gruppe von Witzen in nichts anderem als in der Anbringung von
„+Denkfehlern+“ besteht, sind aber genötigt zuzugestehen, daß deren
Untersuchung uns bisher mehr ins Dunkel als zur Erkenntnis geführt hat.
Wir geben jedoch die Erwartung nicht auf, durch eine vollständigere
Kenntnis der Techniken des Witzes zu einem Ergebnis zu gelangen,
welches der Ausgangspunkt für weitere Einsichten werden kann.
* * * * *
[Sidenote: Unifizierung.]
Die nächsten Beispiele von Witz, an denen wir unsere Untersuchung
fortsetzen wollen, geben leichtere Arbeit. Ihre Technik erinnert uns
vor allem an Bekanntes.
Etwa ein Witz von +Lichtenberg+:
„+Der Januarius ist der Monat, da man seinen guten Freunden Wünsche
darbringt, und die übrigen die, worin sie nicht erfüllt werden.+“
Da diese Witze eher fein als stark zu nennen sind und mit wenig
aufdringlichen Mitteln arbeiten, wollen wir uns den Eindruck von ihnen
erst durch Häufung verstärken.
„+Das menschliche Leben zerfällt in zwei Hälften, in der ersten wünscht
man die zweite herbei, und in der zweiten wünscht man die erste
zurück.+“
„+Die Erfahrung besteht darin, daß man erfährt, was man nicht zu
erfahren wünscht+“ (beide bei +K. Fischer+).
Es ist unvermeidlich, daß wir durch diese Beispiele an eine früher
behandelte Gruppe gemahnt werden, welche sich durch die „mehrfache
Verwendung desselben Materials“ auszeichnet. Das letzte Beispiel
besonders wird uns veranlassen, die Frage aufzuwerfen, warum wir es
nicht dort angereiht haben, anstatt es hier in neuem Zusammenhange
aufzuführen. Die Erfahrung wird wieder durch ihren eigenen Wortlaut
beschrieben, wie an jener Stelle die Eifersucht (vgl. S. 24). Auch
würde ich mich gegen diese Zuweisung nicht viel sträuben. An den beiden
anderen Beispielen, meine ich aber, die ja ähnlichen Charakters sind,
ist ein anderes Moment auffälliger und bedeutsamer als die mehrfache
Verwendung derselben Worte, der hier alles an Doppelsinn Streifende
abgeht. Und zwar möchte ich hervorheben, daß hier neue und unerwartete
Einheiten hergestellt sind, Beziehungen von Vorstellungen zueinander,
und Definitionen durcheinander oder durch die Beziehung auf ein
gemeinsames Drittes. Ich möchte diesen Vorgang +Unifizierung+ heißen;
er ist offenbar der Verdichtung durch Zusammendrängung in die nämlichen
Worte analog. So werden die zwei Hälften des menschlichen Lebens durch
eine zwischen ihnen entdeckte gegenseitige Beziehung beschrieben; in
der ersten wünscht man die zweite herbei, in der zweiten die erste
zurück. Es sind, genauer gesagt, zwei sehr ähnliche Beziehungen zu
einander, die zur Darstellung gewählt wurden. Der Ähnlichkeit der
Beziehungen entspricht dann die Ähnlichkeit der Worte, welche uns
eben an die mehrfache Verwendung des nämlichen Materials mahnen konnte
(herbei -- wünschen). In dem Witz von +Lichtenberg+
(zurück -- wünschen).
sind der Januar und die ihm gegenübergestellten Monate durch eine
wiederum modifizierte Beziehung zu etwas Drittem charakterisiert; dies
sind die Glückwünsche, die man in dem einen Monat empfängt, und die
sich in den anderen nicht erfüllen. Der Unterschied von der mehrfachen
Verwendung des gleichen Materials, die sich ja dem Doppelsinn annähert,
ist hier recht deutlich.[29]
Ein schönes Beispiel von Unifizierungswitz, das der Erläuterung nicht
bedarf, ist folgendes:
Der französische Odendichter +J. B. Rousseau+ schrieb eine Ode an die
Nachwelt (à la posterité); +Voltaire+ fand, daß der Wert des Gedichtes
dasselbe keineswegs berechtige, auf die Nachwelt zu kommen, und sagte
witzig: „+Dieses Gedicht wird nicht an seine Adresse gelangen.+“ (Nach
+K. Fischer+.)
Das letzte Beispiel kann uns darauf aufmerksam machen, daß es
wesentlich die Unifizierung ist, welche den sogenannt schlagfertigen
Witzen zu Grunde liegt. Die Schlagfertigkeit besteht ja im Eingehen
der Abwehr auf die Aggression, im „Umkehren des Spießes“, im „Bezahlen
mit gleicher Münze“, also in Herstellung einer unerwarteten Einheit
zwischen Angriff und Gegenangriff.
Z. B.: Bäcker zum Wirt, der einen schwärenden Finger hat: „+Der ist dir
wohl in dein Bier hineingekommen?+“ Wirt: „+Das nicht, aber es ist mir
eine von deinen Semmeln unter den Nagel geraten.+“ (Nach +Überhorst+,
Das Komische, II, 1900.)
Serenissimus macht eine Reise durch seine Staaten und bemerkt in der
Menge einen Mann, der seiner eigenen hohen Person auffällig ähnlich
sieht. Er winkt ihn heran, um ihn zu fragen: „+Hat seine Mutter wohl
einmal in der Residenz gedient?+“ -- „Nein, Durchlaucht,“ lautet die
Antwort, „+aber mein Vater+.“
Herzog Karl von Würtemberg trifft auf einem seiner Spazierritte von
ungefähr einen Färber, der mit seiner Hantierung beschäftigt ist.
„+Kann er meinen Schimmel blau färben!+“ ruft ihm der Herzog zu und
erhält die Antwort zurück: „+Jawohl+, Durchlaucht, +wenn er das Sieden
vertragen kann+!“
Bei dieser ausgezeichneten „Retourkutsche“ -- die eine unsinnige
Anfrage mit einer ebenso unmöglichen Bedingung beantwortet -- wirkt
noch ein anderes technisches Moment mit, das ausgeblieben wäre, wenn
die Antwort des Färbers gelautet hätte: „Nein, Durchlaucht; ich
fürchte, der Schimmel wird das Sieden nicht vertragen.“
Der Unifizierung steht noch ein anderes, ganz besonders interessantes
technisches Mittel zu Gebote, die Anreihung durch das Bindewort +und+.
Solche Anreihung bedeutet Zusammenhang; wir verstehen sie nicht
anders. Wenn z. B. +Heine+ in der Harzreise von der Stadt +Göttingen+
erzählt: „+Im allgemeinen werden die Bewohner Göttingens eingeteilt in
Studenten, Professoren, Philister und Vieh+,“ so verstehen wir diese
Zusammenstellung genau in dem Sinne, der durch den Zusatz +Heines+
noch unterstrichen wird: „welche vier Stände doch nichts weniger als
scharf geschieden sind.“ Oder, wenn er von der Schule spricht, wo er
„+soviel Latein, Prügel und Geographie+“ ausstehen mußte, so will diese
Anreihung, die durch die Mittelstellung der Prügel zwischen den beiden
Lehrgegenständen überdeutlich wird, uns sagen, daß wir die durch die
Prügel unverkennbar bezeichnete Auffassung des Schulknaben gewiß auch
auf Latein und Geographie ausdehnen sollen.
Bei +Lipps+ finden wir unter den Beispielen von „witziger Aufzählung“
(„Koordination“) als nächst verwandt dem +Heine+schen „Studenten,
Professoren, Philister und Vieh“ den Vers:
„+Mit einer Gabel und mit Müh’ zog ihn die Mutter aus der Brüh’+“;
als ob die Mühe ein Instrument wäre, wie die Gabel, setzt +Lipps+
erläuternd hinzu. Wir empfangen aber den Eindruck, als sei dieser Vers
gar nicht witzig, allerdings sehr komisch, während die +Heine+sche
Anreihung ein unzweifelhafter Witz ist. Vielleicht werden wir
uns später an diese Beispiele erinnern, wenn wir dem Problem des
Verhältnisses von Komik und Witz nicht mehr auszuweichen brauchen.
* * * * *
[Sidenote: Darstellung durchs Gegenteil.]
Am Beispiel vom Herzog und vom Färber haben wir bemerkt, daß es ein
Witz durch Unifizierung bliebe, wenn der Färber antworten würde:
+Nein+, ich fürchte, der Schimmel wird das Sieden nicht vertragen.
Seine Antwort lautete aber: +Ja+, Durchlaucht, wenn er das Sieden
vertragen kann. In der Ersetzung des eigentlich hingehörigen „Nein“
durch ein „Ja“ liegt ein neues technisches Mittel des Witzes, dessen
Verwendung wir an anderen Beispielen verfolgen wollen.
Ein dem eben erwähnten bei +K. Fischer+ benachbarter Witz ist
einfacher: Friedrich der Große hört von einem Prediger in Schlesien,
der im Rufe steht, mit Geistern zu verkehren; er läßt den Mann kommen
und empfängt ihn mit der Frage: „+Er kann Geister beschwören?+“ Die
Antwort war: „+Zu Befehl, Majestät, aber sie kommen nicht.+“ Hier ist
es nun ganz augenfällig, daß das Mittel des Witzes in nichts anderem
bestand, als in der Ersetzung des einzig möglichen „Nein“ durch sein
Gegenteil. Um diese Ersetzung durchzuführen, mußte an das „Ja“ ein
„aber“ geknüpft werden, so daß „ja“ und „aber“ dem Sinne von „nein“
gleichkommen.
Diese +Darstellung durchs Gegenteil+, wie wir sie nennen wollen, dient
der Witzarbeit in verschiedenen Ausführungen. In folgenden zwei
Beispielen tritt sie fast rein hervor: +Heine+: „+Diese Frau glich
in vielen Punkten der Venus von Melos: sie ist auch außerordentlich
alt, hat ebenfalls keine Zähne und auf der gelblichen Oberfläche ihres
Körpers einige weiße Flecken.+“
Eine Darstellung der Häßlichkeit vermittels ihrer Übereinstimmungen
mit dem Schönsten; diese Übereinstimmungen können freilich nur in
doppelsinnig ausgedrückten Eigenschaften oder in Nebensachen bestehen.
Letzteres trifft für das zweite Beispiel zu:
+Lichtenberg+: Der große Geist.
„+Er hatte die Eigenschaften der größten Männer in sich vereinigt, er
trug den Kopf schief wie Alexander, hatte immer etwas in den Haaren zu
nesteln wie Caesar, konnte Kaffee trinken wie Leibnitz, und wenn er
einmal recht in seinem Lehnstuhl saß, so vergaß er Essen und Trinken
darüber wie Newton, und man mußte ihn wie diesen wecken; seine Perücke
trug er wie Dr. Johnson, und ein Hosenknopf stand ihm immer offen wie
dem Cervantes.+“
Ein besonders schönes Beispiel von Darstellung durch das Gegenteil, in
welchem auf die Verwendung doppelsinniger Worte gänzlich verzichtet
ist, hat +J. v. Falke+ von einer Reise nach Irland heimgebracht.
„Schauplatz ein Wachsfigurenkabinet“, sagen wir Madame +Tussaud+.
Auch hier ein Führer, der eine Gesellschaft von alt und jung von
Figur zu Figur mit seinen Erläuterungen begleitet. „+This is the Duke
of Wellington and his horse+,“ worauf ein junges Fräulein die Frage
stellt: „+Which is the Duke of Wellington and which is his horse?+“
„+Just as you like, my pretty child+,“ lautet die Antwort, „+you pay
the money and you have the choice+.“ (Welches ist der Herzog von W. und
welches ist sein Pferd? -- Wie es Ihnen beliebt, mein schönes Kind, Sie
zahlen Ihr Geld und Sie haben die Wahl.) (Lebenserinnerungen, S. 271.)
Die Reduktion dieses irischen Witzes würde lauten: Unverschämt, was
diese Wachsfigurenleute dem Publikum zu bieten wagen! Pferd und
Reiter sind nicht auseinander zu kennen. (Scherzhafte Übertreibung.)
Und dafür zahlt man sein gutes Geld! Diese entrüstete Äußerung wird
nun dramatisiert, in einem kleinen Vorfall begründet, an Stelle des
Publikums im allgemeinen tritt eine einzelne Dame, die Reiterfigur wird
individuell bestimmt, es muß der in Irland so überaus populäre Herzog
von Wellington sein. Die Unverschämtheit des Besitzers oder Führers
aber, der den Leuten das Geld aus der Tasche zieht und ihnen nichts
dafür bietet, wird durch das Gegenteil dargestellt, durch eine Rede,
in welcher er sich als gewissenhaften Geschäftsmann herausstreicht,
dem nichts mehr am Herzen liegt als die Achtung der Rechte, die das
Publikum durch die Zahlung erworben hat. Nun merkt man auch, daß die
Technik dieses Witzes keine ganz einfache ist. Indem ein Weg gefunden
wurde, den Schwindler seine Gewissenhaftigkeit beteuern zu lassen, ist
der Witz ein Fall von Darstellung durchs Gegenteil; indem er dies aber
bei einem Anlaß tut, wo man ganz anderes von ihm verlangt, so daß er
mit geschäftlicher Solidität antwortet, wo man Ähnlichkeit der Figuren
von ihm erwartet, ist es ein Beispiel von Verschiebung. Die Technik des
Witzes liegt in der Kombination der beiden Mittel.
[Sidenote: Überbietungswitze.]
Von diesem Beispiel ist es nicht weit zu einer kleinen Gruppe, die
man als Überbietungswitze benennen könnte. In ihnen wird das „+Ja+“,
welches in der Reduktion am Platze wäre, durch ein „+Nein+“ ersetzt,
das aber mit einem noch verstärkten „+Ja+“ infolge seines Inhalts
gleichwertig ist, und ebenso im umgekehrten Falle. Der Widerspruch
steht an Stelle einer Bestätigung mit Überbietung; so z. B. das
Epigramm von +Lessing+:[30]
„+Die gute Galathee! Man sagt, sie schwärz’ ihr Haar;
Da doch ihr Haar schon schwarz, als sie es kaufte, war.+“
Oder die boshafte Scheinverteidigung der Schulweisheit durch
+Lichtenberg+:
„+Es gibt mehr Dinge im Himmel und auf Erden, als Eure Schulweisheit
sich träumen läßt+,“ hatte Prinz +Hamlet+ verächtlich gesagt.
+Lichtenberg+ weiß, daß diese Verurteilung lange nicht scharf genug
ist, indem sie nicht alles verwertet, was man gegen die Schulweisheit
einwenden kann. Er fügt also das noch fehlende hinzu: „+Aber es gibt
auch vieles in der Schulweisheit, das sich weder im Himmel noch auf
Erden findet.+“ Seine Darstellung hebt zwar hervor, wodurch uns die
Schulweisheit für den von +Hamlet+ gerügten Mangel entschädigt, aber in
dieser Entschädigung liegt ein zweiter und noch größerer Vorwurf.
Durchsichtiger noch, weil frei von jeder Spur von Verschiebung, sind
zwei Judenwitze, allerdings von grobem Kaliber.
Zwei Juden sprechen über das Baden. „+Ich nehme jedes Jahr ein Bad+,“
sagt der eine, „+ob ich es nötig habe oder nicht+.“
Es ist klar, daß er sich durch solche prahlerische Versicherung seiner
Reinlichkeit erst recht der Unreinlichkeit überführt.
Ein Jude bemerkt Speisereste am Bart des anderen. „+Ich kann dir sagen,
was du gestern gegessen hast. -- Nun, sag’. -- Also Linsen. -- Gefehlt,
vorgestern!+“ --
Ein prächtiger Überbietungswitz, der leicht auf Darstellung durchs
Gegenteil zurückzuführen ist, ist auch folgender:
Der König besucht in seiner Herablassung die chirurgische Klinik und
trifft den Professor bei der Vornahme der Amputation eines Beines,
deren einzelne Stadien er nun mit lauten Äußerungen seines königlichen
Wohlgefallens begleitet. „+Bravo, bravo, mein lieber Geheimrat.+“ Nach
vollendeter Operation tritt der Professor an ihn heran und fragt, sich
tief verneigend: „+Befehlen Majestät auch das andere Bein?+“
Was der Professor sich während des königlichen Beifalls gedacht haben
mag, das ließ sich gewiß nicht unverändert aussprechen: „Das muß ja
den Eindruck machen, als nehme ich dem armen Teufel das kranke Bein ab
im königlichen Auftrag und nur wegen des königlichen Wohlgefallens.
Ich habe doch wirklich andere Gründe für diese Operation.“ Aber dann
geht er vor den König hin und sagt: „Ich habe keine anderen Gründe für
eine Operation als Ew. Majestät Auftrag. Der mir gespendete Beifall
hat mich so beseligt, daß ich nur Ew. Majestät Befehl erwarte, um auch
das gesunde Bein zu amputieren.“ Es gelingt ihm so sich verständlich
zu machen, indem er das Gegenteil von dem aussagt, was er sich denkt
und bei sich behalten muß. Dieses Gegenteil ist eine unglaubwürdige
Überbietung.
Die Darstellung durchs Gegenteil ist, wie wir an diesen Beispielen
sehen, ein häufig gebrauchtes und kräftig wirkendes Mittel der
Witztechnik. Aber wir dürfen auch etwas anderes nicht übersehen, daß
diese Technik keineswegs dem Witz allein eigen ist. Wenn +Marcus
Antonius+, nachdem er in langer Rede auf dem Forum die Stimmung der
Zuhörer um Caesars Leichnam umgemodelt, endlich wieder einmal die Worte
hinwirft:
„Denn Brutus ist ein +ehrenwerter+ Mann --“
so weiß er, daß das Volk ihm nun den wahren Sinn seiner Worte
entgegenschreien wird:
„Sie sind +Verräter+: ehrenwerte Männer!“
Oder wenn der „Simplizissimus“ eine Sammlung unerhörter Brutalitäten
und Zynismen als Äußerungen von „+Gemütsmenschen+“ überschreibt, so
ist das auch eine Darstellung durchs Gegenteil. Diese heißt man aber
„Ironie“, nicht mehr Witz. Der Ironie ist gar keine andere Technik als
die der Darstellung durchs Gegenteil eigentümlich. Überdies liest und
hört man vom +ironischen Witz+. Es ist also nicht mehr zu bezweifeln,
daß die Technik allein nicht hinreicht, den Witz zu charakterisieren.
Es muß noch etwas anderes hinzukommen, das wir bis jetzt nicht
aufgefunden haben. Anderseits steht aber noch immer unwidersprochen da,
daß mit der Rückbildung der Technik der Witz beseitigt ist. Vorläufig
mag es uns schwer fallen, die beiden festen Punkte, die wir für die
Aufklärung des Witzes gewonnen haben, miteinander vereint zu denken.
* * * * *
[Sidenote: Indirekte Darstellung.]
Wenn die Darstellung durchs Gegenteil zu den technischen Mitteln des
Witzes gehört, so wird in uns die Erwartung rege, daß der Witz auch
von deren Gegenteil, der Darstellung durch +Ähnliches+ und Verwandtes,
Gebrauch machen könne. Die Fortsetzung unserer Untersuchung kann
uns in der Tat belehren, daß dies die Technik einer neuen, ganz
besonders umfangreichen Gruppe von Gedankenwitzen ist. Wir beschreiben
die Eigenart dieser Technik weit treffender, wenn wir anstatt
Darstellung durch „Verwandtes“ setzen: durch +Zusammengehöriges+ oder
+Zusammenhängendes+. Wir wollen sogar mit letzterem Charakter den
Anfang machen und ihn sofort durch ein Beispiel erläutern.
Eine amerikanische Anekdote erzählt: Zwei wenig skrupulösen
Geschäftsleuten war es gelungen, sich durch eine Reihe recht gewagter
Unternehmungen ein großes Vermögen zu erwerben, und nun ging ihr
Bemühen dahin, sich der guten Gesellschaft aufzudrängen. Unter anderen
erschien es ihnen als ein zweckmäßiges Mittel, sich von dem vornehmsten
und teuersten Maler der Stadt, dessen Bilder als Ereignisse betrachtet
wurden, malen zu lassen. Auf einer großen Soiree wurden die kostbaren
Bilder zuerst gezeigt, und die beiden Hausherren führten selbst den
einflußreichsten Kunstkenner und Kritiker zur Wand des Salons, auf
welcher die beiden Portraits nebeneinander aufgehängt waren, um ihm
sein bewunderndes Urteil zu entlocken. Der sah die Bilder lange Zeit
an, schüttelte dann den Kopf, als ob er etwas vermissen würde, und
fragte bloß, auf den freien Raum zwischen beiden Bildern deutend: „+And
where is the Saviour?+“ (Und wo bleibt der Heiland? Oder: Ich vermisse
da das Bild des Heilands.)
Der Sinn dieser Rede ist klar. Es handelt sich wieder um die
Darstellung von etwas, was direkt nicht ausgedrückt werden kann.
Auf welchem Wege kommt diese „+indirekte Darstellung+“ zu stande?
Durch eine Reihe leicht sich einstellender Assoziationen und Schlüsse
verfolgen wir den Weg von der Darstellung des Witzes an nach rückwärts.
[Sidenote: Anspielung.]
Die Frage: Wo ist der Heiland, das Bild des Heilands? läßt uns erraten,
daß der Redner durch den Anblick der beiden Bilder an einen ähnlichen,
ihm wie uns vertrauten Anblick gemahnt worden ist, welcher aber als
hier fehlendes Element das Bild des Erlösers in der Mitte zwischen
zwei anderen Bildern zeigte. Es gibt nur einen solchen Fall: Christus
hängend zwischen den beiden Schächern. Das Fehlende wird vom Witz
hervorgehoben, die Ähnlichkeit haftet an den im Witz übergegangenen
Bildern rechts und links vom Heiland. Sie kann nur darin bestehen, daß
auch die im Salon aufgehängten die Bilder von Schächern sind. Was der
Kritiker sagen wollte und nicht sagen konnte, war also: Ihr seid ein
paar Hallunken; ausführlicher: Was kümmern mich eure Bilder? Ihr seid
ein paar Hallunken, das weiß ich. Und er hat es schließlich über einige
Assoziationen und Schlußfolgerungen auf einem Wege gesagt, den wir als
den der +Anspielung+ bezeichnen.
Wir erinnern uns sofort, daß wir der Anspielung bereits begegnet
sind. Beim Doppelsinn nämlich; wenn von den zwei Bedeutungen, die
in demselben Wort ihren Ausdruck finden, die eine als die häufigere
und gebräuchlichere so sehr im Vordergrunde steht, daß sie uns an
erster Stelle einfallen muß, während die andere als die entlegenere
zurücksteht, so wollten wir diesen Fall als +Doppelsinn mit Anspielung+
bezeichnen. Bei einer ganzen Reihe der bisher untersuchten Beispiele
hatten wir angemerkt, daß deren Technik keine einfache sei und erkennen
nun die Anspielung als deren komplizierendes Moment. (Z. B. vgl. etwa
den Umordnungswitz von der Frau, die sich etwas zurückgelegt und dabei
viel verdient hat, oder den Widersinnswitz bei der Gratulation zum
jüngsten Kind, es sei merkwürdig, was Menschenhände alles vermögen, S.
46.)
In der amerikanischen Anekdote haben wir nun die Anspielung frei vom
Doppelsinn vor uns und finden als ihren Charakter die Ersetzung durch
etwas im Denkzusammenhange Verbundenes. Es ist leicht zu erraten, daß
der verwertbare Zusammenhang von mehr als einer Art sein kann. Um uns
nicht in der Fülle zu verlieren, werden wir nur die ausgeprägtesten
Variationen und diese nur an wenigen Beispielen erörtern.
Der zur Ersetzung verwendete Zusammenhang kann ein bloßer +Anklang+
sein, so daß diese Unterart dem Kalauer beim Wortwitz analog wird. Es
ist aber nicht der Anklang zweier Worte aneinander, sondern ganzer
Sätze, charakteristischer Wortverbindungen u. dgl.
Z. B. +Lichtenberg+ hat den Spruch geprägt: „+Neue Bäder heilen gut+“,
der uns sofort an das Sprichwort erinnert: +Neue Besen kehren gut+,
mit dem er die ersten anderthalb Worte, das letzte und die ganze
Struktur des Satzes gemeinsam hat. Er ist auch sicherlich im Kopfe des
witzigen Denkers als Nachbildung des bekannten Sprichwortes entstanden.
Der Spruch +Lichtenbergs+ wird so zur Anspielung auf das Sprichwort.
Mittels dieser Anspielung wird uns etwas angedeutet, was nicht gerade
heraus gesagt wird, daß an der Wirkung von Bädern auch noch anderes
beteiligt ist als das in seinen Eigenschaften sich gleich bleibende
Thermalwasser.
Ähnlich ist ein anderer Scherz oder Witz von +Lichtenberg+ technisch
aufzulösen: +Ein Mädchen, kaum zwölf Moden alt.+ Das klingt an die
Zeitbestimmung „+zwölf Monden+“ (i. e. Monate) an und war vielleicht
ursprünglich ein Schreibfehler für letzteren, in der Poesie zulässigen
Ausdruck. Aber es hat einen guten Sinn, die wechselnde Mode anstatt des
wechselnden Mondes zur Altersbestimmung für ein weibliches Wesen zu
verwenden.
Der Zusammenhang kann in der Gleichheit bis auf eine einzige +leichte
Modifikation+ bestehen. Diese Technik läuft also wiederum einer
Worttechnik parallel. Beide Arten von Witzen rufen fast den gleichen
Eindruck hervor, doch sind sie nach den Vorgängen bei der Witzarbeit
besser voneinander zu trennen.
Als Beispiel eines solchen Wortwitzes oder Kalauers: Die große, aber
nicht nur durch den Umfang ihrer Stimme berühmte Sängerin +Marie Wilt+
erfuhr die Kränkung, daß man den Titel eines aus dem bekannten Roman
von +J. Verne+ gezogenen Theaterstückes zu einer Anspielung auf ihre
Mißgestalt verwendete: „+Die Reise um die Wilt in 80 Tagen.+“
Oder: „+Jede Klafter eine Königin+,“ eine Modifikation des bekannten
Shakespeareschen „+Jeder Zoll ein König+“ und eine Anspielung auf
dieses Zitat, auf eine vornehme und überlebensgroße Dame bezogen. Es
wäre wirklich nicht viel Ernsthaftes dagegen zu sagen, wenn jemand
diesen Witz vielmehr zu den Verdichtungen mit Modifikation (S. 16) als
Ersatzbildung stellen würde. (Vgl. tête-à-bête.)
Von einer hochstrebenden, aber in der Verfolgung ihrer Ziele
eigensinnigen Person sagte ein Freund: „+Er hat ein Ideal vor dem
Kopf.+“ „+Ein Brett vor dem Kopf haben+,“ ist die geläufige Redensart,
auf welche diese Modifikation anspielt und deren Sinn sie für
sich selbst in Anspruch nimmt. Auch hier kann man die Technik als
Verdichtung mit Modifikation beschreiben.
Fast ununterscheidbar werden Anspielung durch Modifikation und
Verdichtung mit Ersatzbildung, wenn sich die Modifikation auf die
Veränderung von Buchstaben einschränkt, z. B. Di=ch=teritis. Die
Anspielung auf die böse Seuche der Di=ph=theritis stellt auch das
Dichten Unberufener als gemeingefährlich hin.
Die Negationspartikeln ermöglichen sehr schöne Anspielungen mit
geringen Abänderungskosten:
„Mein +Un+glaubensgenosse +Spinoza+“ sagt +Heine+. „Wir von Gottes
+Un+gnaden Taglöhner, Leibeigene, Neger, Fronknechte“ usw.... beginnt
bei +Lichtenberg+ ein nicht weiter ausgeführtes Manifest dieser
Unglücklichen, die jedenfalls auf solche Titulatur mehr Anrecht haben
als Könige und Fürstlichkeiten auf die unmodifizierte.
Eine Form der Anspielung ist schließlich auch die +Auslassung+, der
Verdichtung ohne Ersatzbildung vergleichbar. Eigentlich wird bei jeder
Anspielung etwas ausgelassen, nämlich die zur Anspielung hinführenden
Gedankenwege. Es kommt nur darauf an, ob die Lücke das Augenfälligere
ist oder der die Lücke teilweise ausfüllende Ersatz in dem Wortlaut der
Anspielung. So kämen wir über eine Reihe von Beispielen von der krassen
Auslassung zur eigentlichen Anspielung zurück.
Auslassung ohne Ersatz findet sich in folgendem Beispiel: In Wien lebt
ein geistreicher und kampflustiger Schriftsteller, der sich durch die
Schärfe seiner Invektive wiederholt körperliche Mißhandlungen von
seiten der Angegriffenen zugezogen hat. Als einmal eine neue Missetat
eines seiner habituellen Gegner beredet wurde, äußerte ein dritter:
+Wenn der X. das hört, bekommt er wieder eine Ohrfeige.+ Zur Technik
dieses Witzes gehört zunächst die Verblüffung über den scheinbaren
Widersinn, denn eine Ohrfeige bekommen, leuchtet uns als unmittelbare
Folge davon, daß man etwas gehört hat, keineswegs ein. Der Widersinn
vergeht, wenn man in die Lücke einsetzt: +dann schreibt er einen so
bissigen Artikel gegen den Betreffenden, daß+ usw. Anspielung durch
Auslassung und Widersinn sind also die technischen Mittel dieses Witzes.
+Heine+: „+Er lobt sich so stark, daß die Räucherkerzchen im Preise
steigen.+“ Diese Lücke ist leicht auszufüllen. Das Ausgelassene ist
durch eine Folgerung ersetzt, die nun als Anspielung auf dasselbe
zurückleitet. Eigenlob stinkt.
Nun wieder einmal die beiden Juden vor dem Badehause!
„+Schon wieder ein Jahr vergangen!+“ seufzt der eine.
[Sidenote: Anspielung durch Auslassung.]
Diese Beispiele lassen wohl keinen Zweifel bestehen, daß die Auslassung
zur Anspielung gehört.
Eine immer noch auffällige Lücke findet sich in nachstehendem Beispiel,
das doch ein echter und richtiger Anspielungswitz ist. Nach einem
Künstlerfest in Wien wurde ein Scherzbuch herausgegeben, in welchem
unter anderen folgender, höchst merkwürdiger Sinnspruch verzeichnet
stand:
„+Eine Frau ist wie ein Regenschirm. Man nimmt sich dann doch einen
Komfortabel.+“
Ein Regenschirm schützt nicht genug vor dem Regen. Das „dann doch“
kann nur heißen: wenn es tüchtig regnet, und ein Komfortabel ist
ein öffentliches Fuhrwerk. Da wir es aber hier mit der Form des
Gleichnisses zu tun haben, wollen wir die eingehendere Untersuchung
dieses Witzes auf einen späteren Moment verschieben.
Ein wahres Wespennest der stachligsten Anspielungen, enthalten +Heines+
„Bäder von Lucca“, die von dieser Form des Witzes die kunstvollste
Verwendung zu polemischen Zwecken (gegen den Grafen +Platen+)
machen. Lange zuvor, ehe der Leser diese Verwendung ahnen kann, wird
einem gewissen Thema, das sich zur direkten Darstellung besonders
schlecht eignet, durch Anspielungen aus dem mannigfaltigsten Material
präludiert, z. B. in den Wortverdrehungen des Hirsch-Hyacinth: „Sie
sind zu korpulent und ich bin zu mager, Sie haben viel Einbildung und
ich habe desto mehr Geschäftssinn, ich bin ein Praktikus und Sie sind
ein +Diarrhetikus+, kurz und gut, Sie sind ganz mein Anti+podex+.“
-- „Venus +Urinia+“ -- die dicke Gudel von +Dreckwall+ in Hamburg --
u. dgl., dann nehmen die Begebenheiten, von denen der Dichter erzählt,
eine Wendung, die zunächst nur von dem unartigen Mutwillen des Dichters
zu zeugen scheint, bald aber ihre symbolische Beziehung zur polemischen
Absicht enthüllt und sich somit gleichfalls als Anspielung kundgibt.
Endlich bricht der Angriff auf +Platen+ los und nun sprudeln und
quellen die Anspielungen auf das bereits bekannt gewordene Thema der
Männerliebe des Grafen aus jedem der Sätze, die +Heine+ gegen das
Talent und den Charakter seines Gegners richtet, z. B.:
„Wenn auch die Musen ihm nicht hold sind, so hat er doch den Genius der
Sprache in seiner Gewalt, oder vielmehr er weiß ihm Gewalt anzutun;
denn die freie Liebe dieses Genius fehlt ihm, er muß auch diesem Jungen
beharrlich nachlaufen, und er weiß nur die äußeren Formen zu erfassen,
die trotz ihrer schönen Rundung sich nie edel aussprechen.“
„Es geht ihm dann wie dem Vogel Strauß, der sich hinlänglich verborgen
glaubt, wenn er den Kopf in den Sand gesteckt, so daß nur der Steiß
sichtbar wird. Unser erlauchter Vogel hätte besser getan, wenn er den
Steiß in den Sand versteckt und uns den Kopf gezeigt hätte.“
Die Anspielung ist vielleicht das gebräuchlichste und am leichtesten
zu handhabende Mittel des Witzes und liegt den meisten der kurzlebigen
Witzproduktionen zu Grunde, die wir in unsere Unterhaltung
einzuflechten gewöhnt sind, und welche eine Ablösung von diesem
Mutterboden und selbständige Konservierung nicht vertragen. Gerade bei
ihr werden wir aber von neuem an jenes Verhältnis gemahnt, das begonnen
hat, uns an der Schätzung der Witztechnik irre zu machen. Auch die
Anspielung ist nicht etwa an sich witzig, es gibt korrekt gebildete
Anspielungen, die auf diesen Charakter keinen Anspruch haben. Witzig
ist nur die „witzige“ Anspielung, so daß das Kennzeichen des Witzes,
das wir bis in die Technik verfolgt haben, uns dort wieder entschwindet.
Ich habe die Anspielung gelegentlich als „+indirekte Darstellung+“
bezeichnet und werde nun darauf aufmerksam, daß man sehr wohl die
verschiedenen Arten der Anspielung mit der Darstellung durch das
Gegenteil und mit den noch zu erwähnenden Techniken zu einer einzigen
großen Gruppe vereinigen kann, für welche „+indirekte Darstellung+“ der
umfassendste Namen wäre. +Denkfehler+ -- +Unifizierung+ -- +indirekte
Darstellung+ heißen also die Gesichtspunkte, unter welche sich die uns
bekannt gewordenen Techniken des Gedankenwitzes bringen ließen.
Bei fortgesetzter Untersuchung unseres Materials glauben wir nun eine
neue Unterart der indirekten Darstellung zu erkennen, die sich scharf
charakterisieren, aber nur durch wenige Beispiele belegen läßt. Es
ist dies die Darstellung +durch ein Kleines+ oder +Kleinstes+, welche
die Aufgabe löst, einen ganzen Charakter durch ein winziges Detail
zum vollen Ausdruck zu bringen. Die Anreihung dieser Gruppe an die
Anspielung wird durch die Erwägung ermöglicht, daß ja diese Winzigkeit
mit dem Darzustellenden in Zusammenhang steht, sich als Folgerung aus
ihm ableiten läßt, z. B.:
„Ein galizischer Jude fährt in der Eisenbahn und hat es sich recht
bequem gemacht, den Rock aufgeknöpft, die Füße auf die Bank gelegt.
Da steigt ein modern gekleideter Herr ein. Sofort nimmt sich der Jude
zusammen, setzt sich in bescheidene Positur. Der Fremde blättert in
einem Buch, rechnet, besinnt sich und richtet plötzlich an den Juden
die Frage: ‚Ich bitte Sie, wann haben wir Jomkipur?‘ (Versöhnungstag.)
‚+Aesoi+,‘ sagt der Jude und legt die Füße wieder auf die Bank, ehe er
Antwort gibt.“
Es wird nicht abzuweisen sein, daß diese Darstellung durch ein Kleines
an die Tendenz zur Ersparnis anknüpft, welche wir nach der Erforschung
der Wortwitztechnik als das letzte Gemeinsame übrig behalten haben.
Ein ganz ähnliches Beispiel ist folgendes:
Der Arzt, der gebeten worden ist, der Frau Baronin bei ihrer Entbindung
beizustehen, erklärt den Moment für noch nicht gekommen und schlägt
dem Baron unterdes eine Kartenpartie im Nebenzimmer vor. Nach einer
Weile dringt der Wehruf der Frau Baronin an das Ohr der beiden Männer.
„+Ah mon dieu, que je souffre!+“ Der Gemahl springt auf, aber der Arzt
wehrt ab: „Es ist nichts, spielen wir weiter.“ Eine Weile später hört
man die Kreißende wieder: „+Mein Gott, mein Gott, was für Schmerzen!+“
-- „Wollen Sie nicht hineingehen, Herr Professor?“ fragt der Baron.
-- „Nein, nein, es ist noch nicht Zeit.“ -- Endlich hört man aus dem
Nebenzimmer ein unverkennbares: „+Ai, waih, waih+“ geschrien; da wirft
der Arzt die Karten weg und sagt: „Es ist Zeit.“
Wie der Schmerz durch alle Schichtungen der Erziehung die ursprüngliche
Natur durchbrechen läßt, und wie eine wichtige Entscheidung mit Recht
von einer scheinbar belanglosen Äußerung abhängig gemacht wird, das
zeigt beides dieser gute Witz an dem Beispiel der schrittweisen
Veränderung der Klagerufe bei der gebärenden vornehmen Frau.
* * * * *
[Sidenote: Darstellung durch ein Kleines. -- Gleichnis.]
Eine andere Art der indirekten Darstellung, deren sich der Witz
bedient, das +Gleichnis+, haben wir uns so lange aufgespart,
weil dessen Beurteilung auf neue Schwierigkeiten stößt, oder
Schwierigkeiten, die sich schon bei anderen Gelegenheiten ergeben
haben, besonders deutlich erkennen läßt. Wir haben schon vorhin
eingestanden, daß wir bei manchen zur Untersuchung vorliegenden
Beispielen ein Schwanken, ob sie überhaupt den Witzen zuzurechnen
seien, nicht zu bannen vermögen, und haben in dieser Unsicherheit eine
bedenkliche Erschütterung der Grundlagen unserer Untersuchung erkannt.
Bei keinem anderen Material empfinde ich aber diese Unsicherheit
stärker und häufiger als bei den Gleichniswitzen. Die Empfindung,
welche mir -- und scheinlich einer großen Anzahl anderer unter den
nämlichen Bedingungen wie mir -- zu sagen pflegt: Dies ist ein Witz,
dies darf man für einen Witz ausgeben, noch ehe der verborgene
wesentliche Charakter des Witzes entdeckt ist; diese Empfindung läßt
mich bei den witzigen Vergleichen am ehesten im Stiche. Wenn ich den
Vergleich zuerst ohne Bedenken für einen Witz erklärt habe, so glaube
ich einen Augenblick später zu bemerken, daß das Vergnügen, das er
mir bereitet, von anderer Qualität ist, als welches ich einem Witz zu
verdanken pflege, und der Umstand, daß die witzigen Vergleiche nur
sehr selten das explosionsartige Lachen hervorzurufen vermögen, durch
welches sich ein guter Witz bezeugt, macht es mir unmöglich, mich dem
Zweifel wie sonst zu entziehen, indem ich mich auf die besten und
effektvollsten Beispiele der Gattung einschränke.
Daß es ausgezeichnet schöne und wirksame Beispiele von Gleichnissen
gibt, die uns den Eindruck des Witzes keineswegs machen, ist leicht
zu zeigen. Der schöne Vergleich der durchgehenden Zärtlichkeit in
Ottiliens Tagebuch mit dem roten Faden der englischen Marine (s. S.
14) ist ein solcher; auch ein anderes, das zu bewundern ich noch
nicht müde geworden bin, und dessen Eindruck ich nicht überwunden
habe, kann ich mir nicht versagen, im gleichen Sinne anzuführen. Es
ist das Gleichnis, mit welchem Ferd. +Lassalle+ eine seiner berühmten
Verteidigungsreden (Die Wissenschaft und die Arbeiter) geschlossen hat:
„Ein Mann, welcher, wie ich Ihnen dies erklärt habe, sein Leben dem
Wahlspruch gewidmet hat ‚Die Wissenschaft und die Arbeiter‘, dem würde
auch eine Verurteilung, die er auf seinem Wege findet, keinen anderen
Eindruck machen können, +als etwa das Springen einer Retorte dem in
seine wissenschaftlichen Experimente vertieften Chemiker. Mit einem
leisen Stirnrunzeln über den Widerstand der Materie, setzt er, sowie
die Störung beseitigt ist, ruhig seine Forschungen und Arbeiten fort.+“
[Sidenote: Zweifel bei witzigen Vergleichen.]
Eine reiche Auswahl von treffenden und witzigen Gleichnissen findet man
in den Schriften +Lichtenbergs+ (II. B. der Göttinger Ausgabe, 1853);
von dort will ich auch das Material für unsere Untersuchung entnehmen.
„+Es ist fast unmöglich, die Fackel der Wahrheit durch ein Gedränge zu
tragen, ohne jemandem den Bart zu sengen.+“
Das erscheint wohl witzig, aber bei näherem Zusehen merkt man, daß
die witzige Wirkung nicht vom Vergleich selbst, sondern von einer
Nebeneigenschaft desselben ausgeht. Die „Fackel der Wahrheit“ ist
eigentlich kein neuer Vergleich, sondern ein längst gebräuchlicher und
zur fixierten Phrase herabgesunken, wie es immer zutrifft, wenn ein
Vergleich Glück hat und vom Sprachgebrauch akzeptiert wird. Während
wir in der Redensart „die Fackel der Wahrheit“ den Vergleich kaum
mehr bemerken, wird ihm bei +Lichtenberg+ die ursprüngliche Vollkraft
wiedergegeben, da nun auf dem Vergleich weiter gebaut, eine Forderung
aus ihm gezogen wird. Solches +Vollnehmen abgeblaßter+ Redensarten ist
uns aber als Technik des Witzes bereits bekannt, es findet eine Stelle
bei der mehrfachen Verwendung des nämlichen Materials (s. S. 24). Es
könnte sehr wohl sein, daß der witzige Eindruck des +Lichtenberg+schen
Satzes nur von der Anlehnung an diese Witztechnik herrührt.
Dieselbe Beurteilung wird gewiß auch für einen anderen witzigen
Vergleich desselben Autors gelten können:
„+Ein großes Licht+ war der Mann eben nicht, aber ein großer +Leuchter+
.... Er war Professor der Philosophie.“
Einen Gelehrten ein großes Licht, ein „lumen mundi“, zu heißen, ist
längst kein wirksamer Vergleich mehr, mag er ursprünglich als Witz
gewirkt haben oder nicht. Aber man frischt den Vergleich auf, man
gibt ihm seine Vollkraft wieder, indem man eine Modifikation aus ihm
ableitet und solcher Art einen zweiten, neuen, Vergleich aus ihm
gewinnt. Die Art, wie der zweite Vergleich entstanden ist, scheint die
Bedingung des Witzes zu enthalten, nicht die beiden Vergleiche selbst.
Es wäre dies ein Fall der nämlichen Witztechnik wie im Beispiele von
der Fackel.
Aus einem anderen, aber ähnlich zu beurteilenden Grunde erscheint
folgender Vergleich als witzig:
„Ich sehe die +Rezensionen+ als eine Art von +Kinderkrankheit+ an, die
die neugeborenen Bücher mehr oder weniger befällt. Man hat Exempel, daß
die gesündesten daran sterben, und die schwächlichen oft durchkommen.
Manche bekommen sie gar nicht. Man hat oft versucht, ihnen durch
+Amulette+ von +Vorrede+ und +Dedikation+ vorzubeugen, oder sie gar
durch +eigene Urteile zu makulieren+; es hilft aber nicht immer.“
Der Vergleich der Rezensionen mit den Kinderkrankheiten ist zuerst nur
auf das Befallenwerden, kurz nachdem sie das Licht der Welt erblickt
haben, gegründet. Ob er soweit witzig ist, getraue ich mich nicht
zu entscheiden. Aber dann wird er fortgeführt; es ergibt sich, daß
die weiteren Schicksale der neuen Bücher innerhalb des Rahmens des
nämlichen Gleichnisses oder durch angelehnte Gleichnisse dargestellt
werden können. Solche Fortsetzung einer Vergleichung ist unzweifelhaft
witzig, aber wir wissen bereits, dank welcher Technik sie so erscheint;
es ist ein Fall von +Unifizierung+, Herstellung eines ungeahnten
Zusammenhanges. Der Charakter der Unifizierung wird aber dadurch nicht
geändert, daß dieselbe hier in der Anreihung an ein erstes Gleichnis
besteht.
Bei einer Reihe anderer Vergleichungen ist man versucht, den unleugbar
vorliegenden witzigen Eindruck auf ein anderes Moment zu schieben,
welches wiederum mit der Natur des Gleichnisses an sich nichts zu tun
hat. Es sind dies Vergleichungen, die eine auffällige Zusammenstellung,
oft eine absurd klingende Vereinigung enthalten, oder sich durch
eine solche als Ergebnis des Vergleiches ersetzen. Die Mehrzahl der
+Lichtenberg+schen Beispiele gehören dieser Gruppe an.
„Es ist schade, daß man bei Schriftstellern die +gelehrten Eingeweide+
nicht sehen kann, um zu erforschen, was sie gegessen haben.“ „Die
gelehrten Eingeweide,“ das ist eine verblüffende, eigentlich absurde
Attribuierung, die sich erst durch die Vergleichung aufklärt. Wie
wäre es, wenn der witzige Eindruck dieses Vergleiches ganz und voll
auf den verblüffenden Charakter dieser Zusammenstellung zurückginge?
Dies entspräche einem der uns gut bekannten Mittel des Witzes, der
Darstellung durch +Widersinn+.
+Lichtenberg+ hat dieselbe Vergleichung der Aufnahme von Lese- und
Lernstoff mit der Aufnahme von physischer Nahrung auch zu einem anderen
Witz verwendet:
„Er hielt sehr viel vom +Lernen auf der Stube+ und war also gänzlich
für +gelehrte Stallfütterung+.“
Die nämliche absurde oder mindestens auffällige Attribuierung, welche,
wie wir zu merken beginnen, der eigentliche Träger des Witzes ist,
zeigen andere Gleichnisse desselben Autors:
„Das ist die +Wetterseite meiner moralischen Konstitution+, da kann ich
etwas aushalten.“
„Jeder Mensch hat auch seine +moralische Backside+, die er nicht +ohne
Not+ zeigt und die er so lange als möglich mit den +Hosen des guten
Anstandes+ zudeckt.“
Die „moralische Backside“, das ist die auffällige Attribuierung,
die als Resultat einer Vergleichung da steht. Dazu kommt aber eine
Fortführung des Vergleiches mit einem regelrechten Wortspiel („Not“)
und einer zweiten noch ungewöhnlicheren Zusammenstellung („Die Hosen
des guten Anstandes“), die vielleicht selbst an sich witzig ist, denn
die Hosen werden dadurch, daß sie die Hosen des guten Anstandes sind,
selbst gleichsam witzig. Es darf uns dann nicht wundernehmen, wenn wir
vom Ganzen den Eindruck eines sehr witzigen Vergleiches empfangen;
wir beginnen zu merken, daß wir ganz allgemein dazu neigen, einen
Charakter, welcher nur an einem Teil des Ganzen haftet, in unserer
Schätzung auf dieses Ganze auszudehnen. Die „Hosen des guten Anstandes“
erinnern übrigens an einen ähnlichen verblüffenden Vers von +Heine+:
„+Bis mir endlich alle Knöpfe rissen
an der Hose der Geduld.+“
Es ist unverkennbar, daß diese beiden letzten Vergleichungen einen
Charakter an sich tragen, den man nicht an allen guten, d. h.
zutreffenden Gleichnissen wiederfinden kann. Sie sind in hohem Grade
„+herabziehend+“, könnte man sagen, sie stellen ein Ding hoher
Kategorie, ein Abstraktum (hier: den guten Anstand, die Geduld) mit
einem Ding sehr konkreter Natur und selbst niedriger Art (der Hose)
zusammen. Ob diese Eigentümlichkeit etwas mit dem Witz zu schaffen
hat, werden wir noch in einem anderen Zusammenhange in Erwägung
ziehen müssen. Versuchen wir hier ein anderes Beispiel, in dem der
herabziehende Charakter ganz besonders deutlich ist, zu analysieren.
Der Kommis Weinberl in +Nestroys+ Posse „+Einen Jux will er sich
machen+“, der sich ausmalt, wie er einmal als solider alter Handelsherr
seiner Jugendtage gedenken wird, sagt: „Wenn so im traulichen Gespräch
+das Eis aufg’hackt wird vor dem Magazin der Erinnerung, wann die
G’wölbtür der Vorzeit wieder aufg’sperrt und die Pudel der Phantasie
voll ang’raumt wird mit Waren von ehemals+.“ Das sind sicherlich
Vergleichungen von Abstrakten mit sehr gewöhnlichen konkreten Dingen,
aber der Witz hängt -- ausschließlich oder nur zum Teile -- an dem
Umstand, daß ein Kommis sich dieser Vergleichungen bedient, die aus dem
Bereiche seiner alltäglichen Tätigkeit genommen sind. Das Abstrakte
aber in Beziehung zu diesem Gewöhnlichen, das ihn sonst ausfüllt, zu
bringen, ist ein Akt von +Unifizierung+.
Kehren wir zu den +Lichtenberg+schen Vergleichen zurück.
„+Die Bewegungsgründe,[31] woraus man etwas tut, könnten so wie die 32
Winde geordnet und ihre Namen auf eine ähnliche Art formiert werden,
z. B. Brot–Brot–Ruhm oder Ruhm–Ruhm–Brot.+“
Wie so häufig bei den +Lichtenberg+schen Witzen ist auch hier der
Eindruck des Treffenden, Geistreichen, Scharfsinnigen so vorherrschend,
daß unser Urteil über den Charakter des Witzigen hiedurch irregeführt
wird. Wenn in einem solchen Ausspruch etwas Witz sich dem
ausgezeichneten Sinn beimengt, werden wir wahrscheinlich verleitet, das
Ganze für einen vortrefflichen Witz zu erklären. Ich möchte vielmehr
die Behauptung wagen, daß alles, was hieran wirklich witzig ist, aus
dem Befremden über die sonderbare Kombination „Brot--Brot--Ruhm“
hervorgeht. Also als Witz eine Darstellung durch Widersinn.
[Sidenote: Sonderbare Attribuierungen.]
Die sonderbare Zusammenstellung oder absurde Attribuierung kann als
Ergebnis eines Vergleiches für sich allein hingestellt werden:
+Lichtenberg+: +Eine zweischläfrige Frau -- Ein einschläfriger
Kirchenstuhl.+ Hinter beiden steckt der Vergleich mit einem Bett,
bei beiden wirkt außer der Verblüffung noch das technische Moment
der +Anspielung+ mit, das eine Mal an die einschläfernde Wirkung
von Predigten, das andere Mal an das nie zu erschöpfende Thema der
geschlechtlichen Beziehungen.
Haben wir bisher gefunden, daß eine Vergleichung, so oft sie uns witzig
erschien, diesen Eindruck der Beimengung einer der uns bekannten
Witztechniken verdankte, so scheinen einige andere Beispiele endlich
dafür zu zeugen, daß ein Vergleich auch an und für sich witzig sein
kann.
+Lichtenbergs+ Charakteristik gewisser Oden:
„Sie sind das in der Poesie, was Jakob Böhms unsterbliche Werke in
Prose sind, +eine Art von Pickenick, wobei der Verfasser die Worte und
der Leser den Sinn stellen+.“
„Wenn er +philosophiert+, so wirft er gewöhnlich +ein angenehmes
Mondlicht+ über die Gegenstände, das im ganzen gefällt, aber nicht
einen einzigen Gegenstand deutlich zeigt.“
Oder +Heine+: „+Ihr Gesicht glich einem Kodex palimpsestus, wo unter
der neuschwarzen Mönchsschrift eines Kirchenvatertextes die halb
erloschenen Verse eines altgriechischen Liebesdichters hervorlauschen.+“
Oder die fortgesetzte Vergleichung mit starker herabsetzender Tendenz
in den „Bädern von Lucca“.
„Der +katholische Pfaffe+ treibt es mehr wie ein Kommis, der in
einer +großen Handlung+ angestellt ist; die Kirche, das große Haus,
dessen Chef der Papst ist, gibt ihm bestimmte Beschäftigung und
dafür ein bestimmtes Salär; er arbeitet lässig, wie jeder, der nicht
für eigene Rechnung arbeitet, und viele Kollegen hat, und im großen
Geschäftstreiben leicht unbemerkt bleibt -- nur der Kredit des Hauses
liegt ihm am Herzen, und noch mehr dessen Erhaltung, da er bei einem
etwaigen Bankerott seinen Lebensunterhalt verlöre. Der +protestantische
Pfaffe+ hingegen ist überall selbst Prinzipal und treibt die
Religionsgeschäfte für eigene Rechnung. Er treibt keinen Großhandel
wie sein katholischer Gewerbegenosse, sondern nur einen +Kleinhandel+;
und da er demselben allein vorstehen muß, darf er nicht lässig sein,
er muß seine +Glaubensartikel+ den Leuten anrühmen, die Artikel seiner
Konkurrenten herabsetzen, und als echter Kleinhändler steht er in
seiner Ausschnittbude, voll von Gewerbsneid gegen alle großen Häuser,
absonderlich gegen das große Haus in Rom, das viele tausend Buchhalter
und Packknechte besoldet und seine Faktoreien hat in allen vier
Weltteilen.“
Angesichts dieser, wie vieler anderer Beispiele können wir doch nicht
mehr in Abrede stellen, daß ein Vergleich auch an sich witzig sein
mag, ohne daß dieser Eindruck auf eine Komplikation mit einer der
bekannten Witztechniken zu beziehen wäre. Es entgeht uns aber dann
völlig, wodurch der witzige Charakter des Gleichnisses bestimmt ist,
da er gewiß nicht am Gleichnis als Ausdrucksform des Gedankens oder an
der Operation des Vergleiches haftet. Wir können nicht anders als das
Gleichnis unter die Arten der „indirekten Darstellung“ aufnehmen, deren
sich die Witztechnik bedient, und müssen das Problem unerledigt lassen,
das uns beim Gleichnis weit deutlicher als bei den früher behandelten
Mitteln des Witzes entgegengetreten ist. Es muß wohl auch seinen
besonderen Grund haben, wenn uns die Entscheidung, ob etwas ein Witz
ist oder nicht, beim Gleichnis mehr Schwierigkeiten bereitet als bei
anderen Ausdrucksformen.
Einen Grund aber, uns zu beklagen, daß diese erste Untersuchung
ergebnislos verlaufen sei, bietet uns auch diese Lücke in unserem
Verständnis nicht. Bei dem intimen Zusammenhang, den wir den
verschiedenen Eigenschaften des Witzes zuzuschreiben bereit sein
mußten, wäre es unvorsichtig gewesen zu erwarten, wir könnten eine
Seite des Problems voll aufklären, ehe wir noch einen Blick auf die
anderen geworfen haben. Wir werden das Problem nun wohl an anderer
Stelle angreifen müssen.
[Sidenote: Zusammenfassung über die Witztechnik.]
Sind wir sicher, daß keine der möglichen Techniken des Witzes unserer
Untersuchung entgangen ist? Das wohl nicht, aber wir können uns bei
fortgesetzter Prüfung an neuem Material überzeugen, daß wir die
häufigsten und wichtigsten technischen Mittel der Witzarbeit kennen
gelernt haben, zum mindesten so viel, als zur Schöpfung eines Urteils
über die Natur dieses psychischen Vorganges erfordert wird. Ein
solches Urteil steht gegenwärtig noch aus; hingegen sind wir in den
Besitz einer wichtigen Anzeige gelangt, von welcher Richtung wir eine
weitere Aufklärung des Problems zu erwarten haben. Die interessanten
Vorgänge der Verdichtung mit Ersatzbildung, die wir als den Kern der
Technik des Wortwitzes erkannt haben, wiesen uns auf die Traumbildung
hin, in deren Mechanismus die nämlichen psychischen Vorgänge
aufgedeckt worden sind. Eben dahin weisen aber auch die Techniken des
Gedankenwitzes, die Verschiebung, die Denkfehler, der Widersinn, die
indirekte Darstellung, die Darstellung durchs Gegenteil, die samt und
sonders in der Technik der Traumarbeit wiederkehren. Der Verschiebung
verdankt der Traum das befremdende Ansehen, das uns abhält, in ihm
die Fortsetzung unserer Wachgedanken zu erkennen; die Verwendung
von Widersinn und Absurdität im Traum hat ihn die Würde eines
psychischen Produkts gekostet und hat die Autoren verleitet, Zerfall
der geistigen Tätigkeiten, Sistierung von Kritik, Moral und Logik
als Bedingungen der Traumbildung anzunehmen. Die Darstellung durchs
Gegenteil ist im Traum so gebräuchlich, daß selbst die populären,
gänzlich irregehenden, Traumdeutungsbücher mit ihr zu rechnen pflegen;
die indirekte Darstellung, der Ersatz des Traumgedankens durch eine
Anspielung, ein Kleines, eine dem Gleichnis analoge Symbolik, ist
gerade das, was die Ausdrucksweise des Traumes von der unseres wachen
Denkens unterscheidet.[32] Eine so weitgehende Übereinstimmung wie
die zwischen den Mitteln der Witzarbeit und denen der Traumarbeit wird
kaum eine zufällige sein können. Diese Übereinstimmung ausführlich
nachzuweisen und ihrer Begründung nachzuspüren, wird eine unserer
späteren Aufgaben werden.
[3] Derselbe Witz wird uns noch an anderer Stelle beschäftigen,
und dort werden wir Anlaß finden, an der von +Lipps+ gegebenen
Übertragung desselben, der sich die unserige anschließt, eine
Korrektur vorzunehmen, welche aber die hier nachfolgenden
Erörterungen nicht zu stören vermag.
[4] Ganz ähnliches gilt für die Übertragung von +Lipps+.
[5] Die beiden Worten gemeinsamen Silben sind hier fett gedruckt im
Gegensatz zu den verschiedenen Typen der besonderen Bestandteile
beider Worte. Das zweite L, welches in der Aussprache kaum
zur Geltung kommt, durfte natürlich übergangen werden. Es
ist naheliegend, daß die Übereinstimmung der beiden Worte in
mehreren Silben der Witztechnik den Anlaß zur Herstellung des
Mischwortes bietet.
[6] Ob ich ein Recht dazu habe? Ich bin wenigstens nicht durch eine
Indiskretion zur Kenntnis dieser Witze gekommen, die in dieser
Stadt (Wien) allgemein bekannt sind und in jedermanns Munde
gefunden werden. Eine Anzahl derselben hat +Ed. Hanslick+ in
der „Neuen Freien Presse“ und in seiner Autobiographie der
Öffentlichkeit übergeben. Für die bei mündlicher Tradition kaum
vermeidlichen Entstellungen, die etwa die anderen betroffen
hätten, bitte ich um Entschuldigung.
[7] „Wir hören von einer besonderen Einrichtung in der englischen
Marine. Sämtliche Tauwerke der königlichen Flotte, vom stärksten
bis zum schwächsten, sind dergestalt gesponnen, daß ein +roter
Faden+ durch das Ganze durchgeht, den man nicht herauswinden
kann, ohne alles aufzulösen, und woran auch die kleinsten
Stücke kenntlich sind, daß sie der Krone gehören. Ebenso
zieht sich durch Ottiliens Tagebuch ein Faden der Neigung und
Anhänglichkeit, der alles verbindet und das Ganze bezeichnet.“
(20. Band der Sophien-Ausgabe, S. 212.)
[8] Wie wenig diese regelmäßig zu wiederholende Beobachtung mit der
Behauptung stimmt, der Witz sei ein spielendes Urteil, brauche
ich nur anzudeuten.
[9] Dasselbe Witzwort soll schon vorher von +H. Heine+ auf +Alfred de
Musset+ geprägt worden sein.
[10] Eine der Komplikationen der Technik dieses Beispiels liegt
darin, daß die Modifikation, durch welche sich die ausgelassene
Schmähung ersetzt, als +Anspielung+ auf diese letztere zu
bezeichnen ist, da sie erst über einen Schlußprozeß zu ihr
hinführt. Über ein anderes Moment, welches hier die Technik
kompliziert, s. u.
[11] An der Technik dieses Witzes wirkt noch ein anderes Moment
mit, welches ich mir später anzuführen aufspare. Es betrifft
den inhaltlichen Charakter der Modifikation (Darstellung durch
das Gegenteil, Widersinn). Die Witztechnik ist durch nichts
behindert, sich mehrerer Mittel gleichzeitig zu bedienen, die
wir aber nur der Reihe nach kennen lernen können.
[12] 3. Aufl. 1911.
[13] 3. Aufl., S. 238.
[14] Daß dieser Witz infolge eines anderen Moments doch einer höheren
Einschätzung würdig ist, kann erst an späterer Stelle gezeigt
werden.
[15] Die Güte dieser Witze beruht darauf, daß gleichzeitig ein anderes
Mittel der Technik von weit höherer Ordnung zur Anwendung
gekommen ist (s. u.). -- An dieser Stelle kann ich übrigens auch
auf eine Beziehung des Witzes zum Rätsel aufmerksam machen. Der
Philosoph +Fr. Brentano+ hat eine Gattung von Rätseln gedichtet,
in denen eine kleine Anzahl von Silben zu erraten ist, die, zu
einem Wort vereinigt, oder so oder anders zusammengefaßt, einen
anderen Sinn ergeben, z. B.:
... ließ mich das +Platanenblatt ahnen+
oder:
wie du dem +Inder hast verschrieben, in der Hast verschrieben+?
Die zu erratenden Silben werden im Zusammenhang des Satzes durch
das entsprechend oft zu wiederholende Füllwort dal.. ersetzt.
Ein Kollege des Philosophen übte eine geistreiche Rache, als er
von der Verlobung des in reiferen Jahren stehenden Mannes hörte,
indem er fragte: Daldaldal daldaldal? (+Brentano brennt-a-no?+)
Was macht den Unterschied zwischen diesen Daldal-Rätseln und den
obenstehenden Witzen? Daß in ersteren die Technik als Bedingung
angegeben ist und der Wortlaut erraten werden soll, während in
den Witzen der Wortlaut mitgeteilt und die Technik versteckt ist.
[16] Ebensowenig wie in dem vortrefflichen, bei +Brill+ angeführten
Witz von +Oliver Wendell Holmes+: „Put not your +trust in
money+, but put your +money in trust+.“ Es wird hier ein
Widerspruch angekündigt, der nicht erfolgt. Der zweite Teil
des Satzes nimmt diesen Widerspruch zurück. Übrigens ein gutes
Beispiel für die Unübersetzbarkeit der Witze von solcher Technik.
[17] +Brill+ zitiert einen ganz analogen Modifikationswitz: +Amantes
amentes+ (Verliebte = Narren).
[18] „Wenn +Saphir+,“ so sagt +Heymans+, „einem reichen Gläubiger,
dem er einen Besuch abstattet, auf die Frage: Sie kommen wohl
um die 300 Gulden, antwortet: Nein, Sie kommen um die 300
Gulden, so ist eben dasjenige, was er meint, in einer sprachlich
vollkommen korrekten und auch keineswegs ungewöhnlichen Form
ausgedrückt. In der Tat ist es so: Die Antwort +Saphirs+ ist +an
sich betrachtet+ in schönster Ordnung. Wir verstehen auch, was
er sagen will, nämlich, daß er seine Schuld nicht zu bezahlen
beabsichtige. Aber +Saphir+ gebraucht dieselben Worte, die
vorher von seinem Gläubiger gebraucht wurden. Wir können also
nicht umhin, sie auch in dem Sinne zu nehmen, in welchem sie
von jenem gebraucht wurden. Und dann hat +Saphirs+ Antwort gar
keinen Sinn mehr. Der Gläubiger ‚kommt‘ ja überhaupt nicht.
Er kann ja auch nicht um die 300 Gulden kommen, d. h.: er
kann nicht kommen, um 300 Gulden zu bringen. Zudem hat er als
Gläubiger nicht zu bringen, sondern zu fordern. Indem die Worte
+Saphirs+ in solcher Weise zugleich als Sinn und als Unsinn
erkannt werden, entsteht die Komik“ (+Lipps+, S. 97).
Nach der oben stehenden, zur Aufklärung vollständig
wiedergegebenen Fassung ist die Technik dieses Witzes weit
einfacher als +Lipps+ meint. +Saphir+ kommt nicht, um die 300
Gulden zu bringen, sondern um sie erst von dem Reichen zu holen.
Somit entfallen die Erörterungen über „Sinn und Unsinn“ in
diesem Witz.
[19] Das große Buch der Witze, gesammelt und herausgegeben von Willy
+Hermann+. Berlin 1904.
[20] Weiteres zur Analyse dieses Wortspiels, siehe unten.
[21] Vergl. hiezu +K. Fischer+ (S. 85), der für solche doppelsinnige
Witze, in denen die beiden Bedeutungen nicht gleichmäßig im
Vordergrunde stehen, sondern die eine hinter der anderen,
den Namen „Zweideutigkeit“ beansprucht, den ich oben anders
verwendet habe. Solche Namengebung ist Sache des Übereinkommens,
der Sprachgebrauch hat keine sichere Entscheidung getroffen.
[22] Die Antwort +Heines+ ist eine Kombination von zwei
Witztechniken, einer Ablenkung mit einer Anspielung. Er sagt ja
nicht direkt: Das ist ein Ochs.
[23] Das Wort „nehmen“ eignet sich infolge seiner vielseitigen
Gebrauchsfähigkeiten sehr gut für die Herstellung von
Wortspielen, von denen ich ein reines Beispiel zum Gegensatz
gegen den obenstehenden Verschiebungswitz mitteilen will: „Ein
bekannter Börsenspekulant und Bankdirektor geht mit einem
Freunde über die Ringstraße spazieren. Vor einem Kaffeehaus
macht er diesem den Vorschlag: ‚Gehen wir hinein und +nehmen+
wir etwas.‘ Der Freund hält ihn zurück: ‚Aber Herr Hofrat, es
sind doch Leute darin.‘“
[24] Über die letzteren siehe die späteren Abschnitte.
[25] Vielleicht sind hier einige Worte zur weiteren Klärung nicht
überflüssig: Die Verschiebung findet regelmäßig statt zwischen
einer Rede und einer Antwort, welche den Gedankengang nach
anderer Richtung fortsetzt, als er in der Rede begonnen wurde.
Die Berechtigung, Verschiebung von Doppelsinn zu sondern, geht
am schönsten aus den Beispielen hervor, in denen sich beide
kombinieren, wo also der Wortlaut der Rede einen Doppelsinn
zuläßt, der vom Redner nicht beabsichtigt ist, aber der Antwort
den Weg zur Verschiebung weist. (Siehe die Beispiele.)
[26] Siehe unten Abschnitt III.
[27] Eine ähnliche Unsinnstechnik ergibt sich, wenn der Witz einen
Zusammenhang aufrecht erhalten will, der durch die besonderen
Bedingungen seines Inhalts aufgehoben erscheint. Dazu gehört
+Lichtenbergs+ +Messer ohne Klinge, wo der Stiel fehlt+. Ähnlich
der von +J. Falke+ (l. c.) erzählte Witz: „Ist das die Stelle,
wo der Duke of Wellington diese Worte gesprochen hat?“ -- +Ja,
das ist die Stelle, aber die Worte hat er nie gesprochen.+
[28] Kück von gucken, also Blick, Fernblick.
[29] Ich will mich der früher erwähnten eigentümlichen
Negativrelation des Witzes zum Rätsel, daß der eine verbirgt,
was der andere zur Schau stellt, bedienen, um die „Unifizierung“
besser, als obige Beispiele es gestatten, zu beschreiben. Viele
der Rätsel, mit deren Produktion sich der Philosoph G. Th.
+Fechner+ die Zeit seiner Erblindung vertrieb, zeichnen sich
durch einen hohen Grad von Unifizierung aus, der ihnen einen
besonderen Reiz verleiht. Man nehme z. B. das schöne Rätsel Nr.
203 (Rätselbüchlein von Dr. Mises. Vierte vermehrte Auflage,
Jahreszahl nicht angegeben):
„Die beiden ersten finden ihre Ruhestätte
Im Paar der andern, und das Ganze macht ihr Bette.“
Von den beiden Silbenpaaren, die zu erraten sind, ist nichts
angegeben als eine Beziehung zueinander, und vom Ganzen nur eine
solche zum ersten Paar. (Die Auflösung lautet: Totengräber.)
Oder folgende zwei Beispiele von Beschreibung durch Relation zu
dem nämlichen oder wenig modifizierten dritten:
Nr. 170. „Die erste Silb’ hat Zähn’ und Haare,
Die zweite Zähne in den Haaren.
Wer auf den Zähnen nicht hat Haare,
Vom Ganzen kaufe keine Ware.“
(Roßkamm.)
Nr. 168. „Die erste Silbe frißt,
Die andere Silbe ißt,
Die dritte wird gefressen,
Das Ganze wird gegessen.“
(Sauerkraut.)
Die vollendetste Unifizierung findet sich in einem Rätsel von
+Schleiermacher+, das man nicht anders als witzig heißen kann:
„Von der letzten umschlungen
Schwebt das vollendete Ganze
Zu den zwei ersten empor.“
(Galgenstrick.)
Die größte Mehrzahl aller Silbenrätsel ist der Unifizierung bar,
d. h. das Merkmal, aus dem die eine Silbe erraten werden soll,
ist ganz unabhängig von dem für die zweite, dritte Silbe und
wiederum von dem Anhaltspunkt für’s selbständige Erraten des
Ganzen.
[30] Nach einem Vorbild der „Griechischen Anthologie“.
[31] Wir würden heute: Beweggründe, Motive sagen.
[32] Vgl. meine „Traumdeutung“, Abschnitt VI, Traumarbeit.