_F. L. Schmidt_.
P. S. Die Einlage, bitt’ ich gütigst, abreichen zu lassen.
=Schmidt, Heinrich.=
„Erinnerungen eines weimarischen Veteranen,“ heißt das Buch,
welches Herr Heinrich Schmidt -- ebenfalls ein Theaterdirektor,
wie der vorhergehende F. L. -- als sehr bejahrter Mann und von
Geschäften zurückgezogen in Wien lebend -- erscheinen ließ. Aus
diesem Buche erfahren wir, daß er bei Goethe, Herder, Schiller
u. s. w. aus- und einging; daß diese Männer ihm Berather waren,
da er „zum Theater laufen wollte;“ daß er längere Zeit hindurch
die Fürstl. Esterhazysche Bühne in Eisenstadt geleitet; daß
er nach mannigfachen Versuchen und Hindernissen zuletzt die
Theaterdirektion in Mährens Hauptstadt übernommen.
Worüber in jenem Buche nichts geschrieben steht, wovon man jedoch
in der Theaterwelt unterrichtet war, ist der günstige Erfolg, den
auch _dieser_ Schmidt errungen, was seine Kasse betrifft.
Der _Brünner_ wie der _Hamburger_ Schmidt wurden
_wohlhabende_ Unternehmer; mithin beachtenswerthe Ausnahmen
von der Regel; und jedenfalls auch achtenswerthe. Denn wer bei’m
Theater reich wird, muß seine Sache verstehen; mag er’s nun so,
oder so angreifen; er muß nothwendigerweise _rechtlich_
handeln. Ob höheren künstlerischen Interessen folgend?... das steht
auf einem anderen Blatte.
Heinrich Schmidt, in ökonomischer Verwaltung seiner „Entreprise“
die trockene Prosa, liebte und pflegte als Mensch die Poesie, und
erholte sich gern vom _Rechnen_ durch _Dichten_. Er hat
viele Dramen geschrieben, deren jedoch nur wenige den Weg auf die
Bretter fanden. Fast alle trugen das Gebrechen, welches er an den
ihm eingesendeten Arbeiten Anderer unerbittlich rügte: sie waren zu
_poetisch_ und nicht bühnengerecht.
_Brünn_, 27ten Aug. 1830.
_Ew. Wohlgebohren_.
Kaum darf ich hoffen, daß Ew. Wohlgeb. sich meiner noch erinnern
werden, wiewohl es kaum 18 Monate sind, daß ich Ihrer Güte das Glück
verdanke, an zwey der interessantesten Abenden meiner damaligen Reise
Ihren Vorlesungen in Dresden beywohnen zu können. Doch Sie breiten
mit wahrhaft dichterischer Munifizenz diese schöne Gottesgabe über so
viele Reisende aus, daß sich der Einzelne kaum schmeicheln darf mit
der Hoffnung, in Ihrem Andenken eine kleine Spur zurückzulassen. Und
doch wag’ ich es, dem Ueberbringer diese Zeilen mitzugeben? -- Eben
dieß Wohlwollen nicht allein, das ich aus eigener Erfahrung kennen
gelernt, sondern auch die Ueberzeugung, die ich gewonnen habe, daß
Ueberbringer, Herr von Wekherlin, Sohn des verstorbenen Finanz-Ministers
in Stuttgard, ein gebildeter Mann, der im Auftrag des Staats eine
wissenschaftliche Reise unternimmt, ein eben so großer und inniger
Verehrer von Ihnen ist, wie ich selbst, haben mich dazu ermuthigt. --
Herr von Wekherlin hat keinen weitern und innigern Wunsch für seinen
Aufenthalt in Dresden, als des Glückes Ihrer Bekanntschaft theilhaftig
zu werden. -- Sollte Sie dieß nicht diesem Wunsch geneigt machen? --
O gewiß! Der Dichter des Oktavians, des Fortunats, der Genofeva --
deren Lektüre ich jetzt eben wieder einen so herrlichen Genuß verdanke
-- einen Genuß, den ich dem Dichter selbst als beßten Lohn für diese
reiche Spenden seiner Muse gönnte -- ist nicht bloß in seinen Werken
so überschwenglich theilhaftig für seine Mitwelt! -- Diese Werke
liegen eben um mich her. -- Besonders merkwürdig ist mir Genofeva.
An sie knüpfen sich die lebendigsten und tiefsten Erinnerungen aus
meiner Jugend, als ich noch in Jena studirte. -- Wie wir da, einige
20 Bursche, unter Vorsitz eines gewissen Burkhardt, der bey Professor
Mereau wohnte -- dieses treffliche Gedicht -- das wohl damals gerade
erschienen war -- in den Mitternachtsstunden zusammen andächtig
lasen, welche Freuden, welcher Jubel! -- An die Rolle des Golo mit
seinen wiederkehrenden Erinnerungen an das stille -- dann ernste --
Thal schloß ich mich innig an; ich betrachtete sie als die schönste
Aufgabe für den jugendlichen Schauspieler. -- Wie viel Ehrfurcht
hegten wir für die nicht unempfindliche und doch heilige Genofeva! --
Und wie trat alles dieß mahnend auf mich zu, als ich auf jener Reise
in Weimar das Skandal erlebte, die Raupachische aufführen zu sehn --
eine preußisch protestantisch _leichtfertige_ -- der zu Liebe
und zum Triumpf des Unsinns doch auch Wunder über Wunder geschehn,
die selbst Golo -- wiewohl er gleich in voller Leidenschaft auftritt
-- von der Begleitung Siegfrieds abhalten &c. Doch ich fürchte ins
Schwatzen zu kommen, worein der Glückliche so gern fällt und der Genuß,
den mir Ihre Dichtungen jetzt wieder verschafft haben, hat mich ganz
glücklich gemacht. -- Empfangen Sie demnach zugleich meinen innigsten
Dank dafür. -- Es ist der reinste für die schönsten Freuden dieses
sublunarischen curiosen Lebens.