_Berlin_, 14ten Jul. 30.
Ich kann dem Ueberbringer dieses, meinem Sohn Ehrenfried v. Willich
nichts angenehmeres wünschen als daß er Sie noch in Dresden finde,
und Sie werden es der väterlichen Liebe verzeihen, wenn ich ihn Ihnen
zusende. Meinen Dank bin ich Ihnen noch schuldig für die Bekanntschaft
Ihres medicinischen Freundes. Leider war nur während der kurzen Zeit
seines Hierseins ein solcher baulicher Unfug in unserer Wohnung, daß
wir gar keine Fremde bei uns sehn konnten.
Ueber unsere Freunde und besonders den Verstorbenen[23] spräch ich gern
mit Ihnen. Aus andern Aeußerungen war es mir so erschienen, als habe er
sich in der letzten Zeit vom Katholizismus wieder mehr abgewendet und
zu der indischen Weisheit hin, die er in seinem Buche so wenig günstig
behandelt hatte. Es gehört zum consequenten Philosophiren auch eine
gewisse Stärke des Charakters und diese mag ihm wohl am meisten gefehlt
haben. Wenn ich in diesem Jahr noch eine Reise machen kann, so denke
ich auf ein Paar Wochen nach Paris zu gehen, und das führt mich leider
nicht zu Ihnen.
Meine besten Grüße an die Ihrigen und an unsere Freundin Alberti, wenn
sie noch bei Ihnen ist.
_Schleiermacher_.