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_Köln_, den 26ten August 1807.

Herzlich geliebter Freund, schon lange sehne ich mich danach, einmal

Nachrichten von Dir zu hören. Du schriebst mir zwar vor einem Jahre, da

Du an uns vorbei reistest, einige Zeilen; aber es war gar zu wenig. Dir

zu antworten, hinderte mich die weite Entfernung, da ich bald darauf

wieder in Frankreich war. Auch würde ich nichts andres haben schreiben

können, als Klagen darüber, daß Du so nah an mir vorbei reisen

konntest, ohne mich zu sehen.

Was treibst Du, und was hast Du fertig gearbeitet von Deinen ehemaligen

Arbeiten? Es hat sich nun ein Andrer über das _Nibelungen-Lied_

gemacht; wie ist seine Arbeit beschaffen? Man darf sich wohl nicht viel

Gutes davon versprechen. -- Hat Italien denn gar keine Frucht in Deinem

Geiste zur Reife gebracht, Dich gar nicht angeregt, und wirst Du nicht

auf irgend eine Weise uns etwas davon mittheilen? Dieses möchte ich

vor allen wissen, sodann aber auch wie Rom Dir selbst gefallen, wie

es auf Deine Denkart gewirkt, endlich ob der katholische Gottesdienst

dort Dich befriedigt, und wie das Künstler- und gesellige Leben in Rom

beschaffen ist. -- Später oder früher werde ich doch auch einmal hin

wandern müssen, und so wäre es mir nützlich, davon zu hören. --

Von mir wirst Du bald wenigstens ein kleines Werk über Indien lesen.

Manches andre ist theils ganz theils halb fertig; denn ich war im

Grunde immer fleißig. Aber wann es erscheinen wird, weiß ich nicht,

da die Zeiten so ungünstig sind. -- Die Niobe von Schütz habe ich

gelesen; wie ist es aber möglich, daß dieser sonst so lebensvolle

und jugendliche Geist sich auch in diese zwerghafte Frostsprache hat

einklemmen lassen, die ich dem Hrn. Heinrich Voß allein vom Himmel

bescheert glaubte! Es ist recht traurig, daß so einer nach dem andern

zu Grabe geht. Man hört fast keinen männlich-fröhlichen deutschen Ton

mehr.

Einige Lieder von mir im Dichter-Garten wirst Du gelesen haben; ich

empfehle Dir besonders _Gebet_ und _Friede_. Nöthiger wäre es

aber, daß wir uns wieder sähen. Wir gedenken Deiner sehr oft, öfters

wohl als Du an uns. --

Meine Frau ist so, wie ich ziemlich wohl; nur leid ist es uns oft,

wie es die Umstände so mit sich gebracht haben, daß der Philipp

nicht mehr bei uns ist. Siehst Du ihn zufälligerweise in Berlin, so

erinnere Dich unser. Er kann Dir mehr von uns erzählen, als ich Dir zu

schreiben vermöchte. -- Ist Dir _Lotharu_.? zu Gesichte gekommen?

Es hat viel Freunde gefunden, es ist so lieblich und kindlich, daß

es wohl nicht anders konnte; aber doch ist man auch dagegen, so wie

gegen alles, was ich je gethan und gemacht, sehr undankbar. Es ist

freilich nicht unser Werk, sondern ganz nur das alte; desto freier

kann ichs rühmen, und ich lese es in der That mit mehr Vergnügen als

10 oder 12 der neuesten Spanischen oder Griechischen Drämchen. Der

frische jugendliche Geist der Poesie, der Dich zuerst einst so schön

berührte, hat uns zu schnell wieder verlassen. Doch ich hoffe, er soll

wiederkehren!

Hieher kannst Du mir immer schreiben, ohne weitere Addresse als meinen

Nahmen; auch wenn ich nicht hier bin, ist doch immer jemand hier, der

sich der Briefe annimmt. Bist Du bei Burgsdorf oder siehst Du ihn,

so empfiehl mich ihm. Ich habe immer eine sehr gute Meinung von ihm

gehabt. --

Briefe an Ludwig Tieck (3/4) Dritter Band · 第 268 / 309 题