_Paris_, den 25ten Sept.
Ich nutze die Gelegenheit, daß _Werner_ aus Freiberg nun ein
Packet für uns mitnehmen wird, um Dir noch einmal zu schreiben, oder
vielmehr nur einige Worte zu meinem vorigen Briefe vom 15ten Sept.
hinzuzufügen.
Ich möchte Dich recht bestimmt bitten um einen Beitrag zu meinem
Journal, der gewissermaßen meine Nachricht von den hiesigen Gemälden
ergänzen würde und das wäre ein Aufsatz über die Dresdner Gallerie.
Könntest Du Dich dazu wohl entschließen? -- Ich würde ihn dann zum
2ten Stück wünschen d. h. das Manuscript im Januar zu liefern. Hast Du
nordische Romanzen gemacht, und gebet Ihr keinen Almanach, so erbitte
ich mir diese gleichfalls. Ich sehe dem Octavianus, dem 2ten Theil des
Novalis, vor allem aber einem Briefe von Dir mit herzlichster Sehnsucht
entgegen. Was macht Ihr und wie geht es Euch Allen? Ist Schütz wieder
in Dresden gewesen?
Daß Du mit Mahlmann eins geworden, ist mir sehr lieb. Nimm Dich nur
in Acht, Deine Poesie nicht zu sehr zu zersplittern durch solche
Unternehmung wie das Marionettentheater.
Wir lesen hier Deine Gedichte recht andächtig. Ich bin immer noch der
Meinung, daß der Zerbino mit einigen andern Deiner witzigen Dramen
verbunden werde, die sich viel mehr verschlingen sollten.
Einige von Deinen frühern oder weniger ausgeführten Gedichten müßtest
Du vielleicht nun noch einmal neu machen, so daß sich das neue zu
dem alten verhielt, wie Dein Octavian zu den alten Legenden, versteht
sich so _ungefähr_. Ich rechne dahin besonders das (unleserlich)
Mährchen und Karl von Berneck, in dem gewiß ein sehr guter Fond ist.
Die alten Geschichten und romantischen Dichtungen, welche Du nicht
so entfalten kannst oder willst, wie Genoveva und Octavian, würden
sich gegenseitig heben, wenn sie in einem Dekameron, Gartenwochen
oder dergleichen zu einem Kranz geordnet wären. Darüber wollen wir
das nächstemal recht viel mit einander reden. Ich umarme Dich von
Herzensgrund.
_Friedrich_.