V.

_Leipzig_, Sonnabends den 22ten Mai 1802.

Wir haben noch oft mit herzlicher Liebe an Dich gedacht, und Dir in

Gedanken ein herzliches Lebewohl und baldiges Wiedersehn zugesandt.

Ich werde Dir weitläuftig schreiben, sobald ich einen Augenblick Ruhe

finde; das wird aber vielleicht erst in Mainz sein.

Heute nur einige Worte über alles, was Du zu wissen verlangst. Du

erhältst hier ~D. Mongez~ (?) und 12 Louisd. und die deutschen Bücher

wirst Du auch sogleich erhalten durch _Reimer_. Der _Meister_ und

_Sternbald_ der dabei sein wird, ist für Charlotte; schicke ihn ja

sogleich nach Pillniz.

Nicolovius war nicht hier. Cotta konnte ich lange nicht finden, und da

ich ihn fand, war es auch eben kein großer Fund. Ich sah in der ersten

Viertelstunde, daß es _absolut nichts_ mit ihm sei für unsere

Zwecke; er hat die Tramontane völlig dadurch verloren, daß ein paar

hundert Exemplare vom Almanach remittirt worden sind. Das ist auch

gewiß der einzige Grund seines abgeschmackten Betragens gegen Dich

seither. Ich habe mit Wilmanns etwas ganz leidlich gemacht, nämlich

die _Europa_ bei ihm angebracht; aber so lange ich noch auf andre

rechnen konnte, glaubte ich ihn für Dich nicht wählen zu müssen, weil

die Operette so enorm schlecht gegangen, daß man ihn gewiß sehr übel

disponirt fände.

Reimer habe ich Deine Idee gesagt, er ist bereit, die Könige des Graals

zu übernehmen, zu den bewußten Bedingungen; aber Vorschuß würde er erst

zu Michaelis geben können.

Ueberlege Dirs, ich hielte es für sehr gut, Du nähmest es an. Es ist

der honetteste Mann unter dem ganzen Volke. Ich setze nämlich alsdann

voraus, daß Du auf einem andern Wege zu Gelde kommst. Könnten Dir die

Verwandten Deiner Frau nicht helfen?

Ich habe gethan, was ich konnte, aber länger darf ich selbst nun

durchaus nicht hierbleiben. -- _Mahlmann_ schien in so fern in

der günstigsten Disposition, weil er zu fühlen scheint, daß er bei dem

Handel vorigen Winter etwas versehen hat, und es sehr gern wieder gut

machen möchte; er hat unstreitig große Lust, mit Dir in Verbindung zu

stehn. Ich dachte ihn eigentlich dahin zu bringen, daß er Dir geradezu

40 Louisd. schickte, als die schönste Art, die Verbindung mit Dir

anzuknüpfen -- aber dazu hat er wohl nicht Genie genug. In drei Wochen

kommt er nach Dresden, wo nicht, so schreibt er Dir gewiß, und ich

zweifle auch gar nicht, daß Du ihn wirst brauchen können.

_Wilhelm_ ist da, bleibt 4-6 Tage und kommt dann zu Dir; ich habe

daher ihm alle Deine Interessen mitgetheilt, und er wird gewiß, wenn

sich ihm noch eine Gelegenheit zeigen sollte, sie auf’s beste nützen.

Am Ende geht es auch mit Wilmans; gestern suchte ich ihn vergeblich.

Noch will ich Dir wenigstens melden, daß Frommann, der Dir, wie ich

höre, nicht so viel Geld geschickt, als Du wolltest, Steffens bestimmt

versprochen hat, Dir mehr zu schicken. Reimer harrt nun sehnlichst auf

den 2ten Theil des Novalis. -- Karl H. war hier, der Lehrling ist noch

nicht gefunden.

Steffens ist in großer Eil abgereist, weil einige Freiberger nach

ihm gefragt haben. Er erwartet mich in Weißenfels. Meine eignen

Angelegenheiten sind recht gut gegangen, auch die buchhändlerischen

leidlich. Die Margarethe und was ich sonst etwa zu Paris übersetzen

lassen, hat Mahlmann genommen. Zu so etwas hat das Volk freilich Lust.

Herzliche Grüße an Deine Frau, an Marie und den Bildhauer, auch an

Buri, alle Freunde. --

Der Bildhauer soll mir eine Addresse an David schicken. Er kann sie,

wenn er es gleich thut, an die Gebrüder _Mappes_ zu _Mainz_

durch Ernst schicken; aber später an Wilmanns zu Frankfurt am Main.

Treibe ihn, daß er es thut.

Wie leid thut es mir, daß Du nicht mehr Geld mit diesem Briefe erhältst!

_Friedrich Schlegel_.

Briefe an Ludwig Tieck (3/4) Dritter Band · 第 262 / 309 题