XXVIII.

_Bonn_, d. 30sten März 1828.

Nach so langen Jahren der Entfernung muß ich Dich, theurer Freund, doch

endlich einmal wieder brüderlich begrüßen. Es war mir sehr Ernst, Dich

vorigen Sommer von Berlin aus zu besuchen: ich forderte Deinen Bruder

dazu auf; er konnte sich nicht los machen; und so unterblieb es, da

mich ohnehin Familien-Verhältnisse ganz den entgegengesetzten Weg nach

Hamburg und Hannover hinzogen. Dein Bruder hat herrliche Werke an’s

Licht gefördert, und ist immer der alte getreue. Deine Novellen habe

ich mit unendlichem Ergötzen gelesen -- besonders die Zopfgeschichte --

so etwas ist seit dem Don Quixote gar nicht wieder geschrieben.

Das Dichterleben ist hinreißend, es sollte in’s Englische übersetzt

werden -- ~farebbe furore~! In meinen jetzt gesammelten

kritischen Schriften ist von Dir die Rede, zwar kurz, aber ich hoffe,

Du wirst zufrieden sein. Meine „Berichtigung einiger Mißdeutungen“

wird Dir nun auch wohl schon vorgekommen sein. Ich habe mich schwer

dazu entschlossen, aber das Verhältniß zu Friedrich nöthigte mir

diese Erklärung ab. Ich bin mit seinen neueren schriftstellerischen

Offenbarungen im höchsten Grade unzufrieden. War’s nicht ein Jammer,

daß ein solcher Geist so zu Grunde gegangen ist? Vor allen Dingen

ermahne ich Dich, bitte Dich, beschwöre Dich, Deine _Cevennen_[19]

zu vollenden. Es ist nicht nur ein hinreißendes Werk, sondern auch in

den jetzigen Zeitläufen eine männliche Handlung.

Komm doch einmal an den Rhein, laß Dich von Deinem Bruder mitbringen.

Du solltest herzlich willkommen sein, und würdest mich ganz artig

eingerichtet finden.

Meine Gesundheit hatte sehr gelitten, hat sich aber wieder befestigt.

Fast täglich durchfliege ich die schöne Umgegend auf edlen und muthigen

Rossen. Ich bin heiterer, wie je, die alte Neigung zum Scherze ist auch

immer da.

Lebe tausendmal wohl und behalte mich in freundschaftlichem Andenken.

Briefe an Ludwig Tieck (3/4) Dritter Band · 第 234 / 309 题