_Berlin_, d. 28. Mai 1803.
Zu Deiner Beruhigung, liebster Freund, melde ich Dir, daß ich von
Wilmans Deine Gedichte vor dem Abdruck zurück erhalten. Suche nun
Friedrichen die getäuschte Hoffnung (die Du denn doch wirklich erregt
hast, ob Du es schon nicht eingestehen willst) auf andre Weise zu
ersetzen. Das 2te Stück der Europa wird in ein paar Wochen fertig sein,
und eben erhalte ich einen Brief von Friedrich, worin er verspricht,
die Fortsetzung sehr rasch zu liefern, mir aber zugleich aufträgt, die
Freunde zu Mitarbeiten zu ermahnen. Schick mir also nur bald etwas
für das 3te Stück. Gleich nach Deiner Abreise habe ich angefangen,
Deine Bearbeitung der Minnelieder mit den Originalen zu vergleichen.
Ich wollte sie alle auf diese Weise durchgehen, allein eine
Privat-Vorlesung, die ich noch zu meinen andern Arbeiten übernommen,
hat mich nicht dazu kommen lassen. Ich schicke Dir also hier meine
Bemerkungen über die ersten 26 Nrn. Achte sie Deiner Prüfung werth,
und schreib mir unverzüglich, ob Du einige, und welche von meinen
Vorschlägen Du annimmst. Willst Du mir nach dieser Probe Vollmacht
ertheilen, bei der Correctur nach Vergleichung mit den Originalen,
Kleinigkeiten (versteht sich nur solche, über die ich gewiß bin) zu
berichtigen, so will ich sie mit aller Vorsicht ausüben. Du siehst
leicht ein, daß ich keine andere Triebfeder hierbei habe, als Interesse
an der Sache selbst. Ich kann mirs auch gefallen lassen, ein bloß
passiver Corrector zu sein. Der Druck soll nach Reimers Aeußerung bald
anfangen.
Deine Schwester läßt Dich herzlich grüßen. Es hat uns sehr leid gethan,
von Genelli zu erfahren, daß wir für jetzt die Hoffnung aufgeben
müssen, Dich wieder hier zu sehen. Hufelands Kur schlägt sehr gut an,
sie hat sich innerhalb 14 Tagen ganz bedeutend erholt. Der Kleine ist
auch glücklich entwöhnt worden, und sehr gesund. Nun sinnt sie nur
darauf, die Reise nach Dresden, welche Hufeland sehr anräth, noch vor
Ende des nächsten Monats zu bewerkstelligen.
Melde doch etwas von der Zeit Deiner Ankunft in Dresden, wovon uns
Genelli nichts zu sagen wußte. Es ist wichtig, daß Deine Schwester noch
im Juni reist, weil sie sich nach ihren Gesundheitsumständen richten
muß, und sonst zuweit in den Juli herein würde warten müssen.
Dein Bruder befindet sich wohl, ist nur mit Arbeiten überhäuft, die
ihm, wie es scheint, außerordentlich gelingen.
Wenn unter Humboldts oder Burgsdorfs Spanischen Büchern sich alte
Cancionero’s oder Romancero’s oder alte Canciones und Romances in
andern Sammlungen finden, so laßt sie mir zukommen, und bald, für mein
Taschenbuch. Ihr wißt, daß es gut bei mir aufgehoben ist.
Du mußt noch den 3ten Theil der Müllerschen Sammlung, so wie den
ersten, auch das von Casperso (?) von mir haben. Ich finde es angemerkt
und bin in dergleichen Dingen sehr genau.
Lebe recht wohl, grüße Deine Lieben und Burgsdorf, und empfiehl mich
der Finkensteinschen Familie. Ich muß eilig schließen.