_Berlin_, d. 15. Febr. 1803.
_Liebster Freund!_
Vor ein paar Posttagen bekam ich einliegenden Brief von Frommann. Um
sein Verlangen zu erfüllen, ist es das beste, denke ich, Dir den Brief
selbst zu schicken. Was die Airs betrifft, so muß man es mit Frommann
so genau nicht nehmen, sonst spricht aber die Sache für sich selbst.
Zu seinen Buchhändler-Argumenten möchte ich nun eine Menge poetische
hinzufügen, Du wirst Dir das alles aber schon selbst sagen. Es wäre
wirklich jetzt an der Zeit, daß Du einmal wieder ein großes Kunstwerk
aufstelltest, und je länger Du es aufschiebst, je schwerer wird Dir
die Vollendung werden. Wenn Du einen Theil des Manuscripts um die
Mitte März, und das übrige Ende März hinschickst, so kann es gewiß noch
auf die Messe fertig werden. Welchen Triumph alle Deine Freunde haben
würden, brauche ich nicht erst zu sagen.
Ich habe immer gehofft, Du würdest mir mein Manuscript von _der
Andacht zum Kreuz_ mit einer Gelegenheit zukommen lassen. Mein
Brouillon wird in der Druckerei gebraucht, zum Vorlesen im Collegium
muß ich jenes nothwendig haben, ich bitte Dich also, es mir nicht
länger vorzuenthalten. Mit meinem Exemplar der Nibelungen und dem
Moreto hat es weniger Eil, diese können auf eine Gelegenheit warten,
und ich hoffe, Du bringst sie mir noch selbst mit. Den Ion wirst Du
wohl schon an meine Schwester geschickt haben, sonst thu’ es doch
unverzüglich.
Ich habe immer noch Deine Velin-Exemplare vom 2ten Band Novalis in
Verwahrung. Reimer hat mir nachher ein eignes Velin-Exemplar vom 2ten
Band für mich geschenkt, welches ich allerdings durch mein fleißiges
Corrigiren redlich verdient habe. Indessen fehlt mir der 1te, wenn Du
davon noch ein Exemplar übrig hättest, könnten wir Deiner Schwester
damit ein Geschenk machen. Hast Du das aber durchaus nicht, und ergänzt
Dir dieser 2te Band ein Exemplar, so bin ich bereit, einen Tausch
einzugehn. --
Mein Bruder hat mir umständlich geschrieben. Er ist entzückt über
Deine musikalischen Gedichte und ladet Dich dringend zur Theilnahme
an der Europa ein, wovon wir bald das 1ste Stück erhalten sollen.
Besonders die Fortsetzung Deiner Briefe über Shakspeare wünscht er sich
außerordentlich.
Ich möchte Dir gern vieles aus seinem Briefe mittheilen, habe aber
heute unmöglich Zeit. Nur so viel, daß er sehr fleißig ist, schon
Persisch gelernt hat, und Indisch bald anfangen wird.
Ich habe unterdessen mancherlei Proben mit Uebersetzungen aus den
Griechen gemacht, die Dir interessant sein würden.
Gegen ehemals spüre ich große Fortschritte in dieser Kunst, die ich
ebensowohl wie die Nachbildung der Romantischen Dichter bis auf den
höchsten Punkt zu cultiviren gesonnen bin.
Deine Schwester läßt Dich auf’s zärtlichste grüßen. Diese ganze Zeit
her hat sie gewünscht, Dir recht umständlich zu antworten, allein
theils ist sie nicht allein gewesen, theils hat sie sich so befunden,
daß ihr das Schreiben sehr beschwerlich fällt. Sie rechnet gewiß
darauf, Dich, wie Schütze[18] uns gesagt, im März noch hier zu sehen,
und ladet Dich auf’s herzlichste dazu ein. Wegen ihrer Gesundheit
darfst Du nicht in Sorgen sein, ich hoffe, es ist auf dem guten Wege
damit, sie gebraucht die Mittel anhaltend, und besonders erwarte ich
viel Frucht vom Baden, welches sie theils wegen der Kälte, theils wegen
eintretender Zufälle noch wenig hat thun können. Die Kinder sind sehr
gesund.
Das dramatische Mährchen (noch hat es weiter keinen Namen) habe ich
jetzt endlich in’s Reine geschrieben, Dir eine Abschrift zu besorgen
war nicht möglich. Komme nur her, so wollen wir es zusammen lesen. --
Deine Schwester hat ein neues angefangen und es auch schon ziemlich
weit geführt, bis sie durch ihr Befinden abgehalten wurde, fortzufahren.
Lebe recht wohl, es ist mir unmöglich, mehr zu schreiben, ich stecke
tief in Arbeiten. Der Himmel weiß, wie ich noch alles bestreiten werde,
was ich vorhabe.
Wenn Du den Octavian fertig schreibst, so bittet Friedrich recht sehr
um eine Selbstanzeige davon für die Europa.
Leb nochmals wohl, grüße Deine liebe Frau und Burgsdorff.
Dein
_A. W. S._