B., d. 8. Aug. 1801.
_Liebster Tieck!_
Du erhältst hier das kleine Gedicht von Fichte in Abschrift.
Ferner hat Mnioch mir eine ~per~ Johann Ballhorn verbesserte
Abschrift seiner Hellenik und Romantik zugeschickt. Zugleich
entdeckten wir, daß er sie in eine Sammlung, betitelt: _Analekten
über Kunst und Religion_, wofür Schütze einen Verleger suchen soll,
mit aufgenommen hat. (Auch die Dir zugeschickten Reimspiele stehen
darin.)
Da dies nun keine Manier ist, so hat ihm Schütze in meinem Namen
geschrieben, wenn wir das Stück in den Almanach nehmen sollten, so
müßten wir sicher sein, daß es wenigstens in einem Jahre noch nicht
anderswo abgedruckt erschiene. Ferner wären wir in jedem Fall für die
erste Edition.
Die Verbesserung ~per~ Johann Ballhorn besteht in zwei ungeheuer
langen zugesetzten Partien: „Bilder des Lebens;“ in schlecht
erzählten und eigentlich abgeschmackten Geschichten. Ich hätte Dir
die neue Abschrift zugeschickt: allein es finden sich darin in den
ursprünglichen Partieen veränderte Lesearten, die in den Text wohl
allerdings aufzunehmen sind, und ich hatte keine Zeit und fand es zu
weitläuftig, alles kopiren zu lassen.
Ich habe Dir eine Menge Sachen, den Almanach betreffend, anheim
gestellt, da Du aber gar keine Antwort von Dir hören läßt, so werde ich
so frei sein, Deine Genehmigung meiner Vorschläge zu fingiren, da nun
keine Zeitversäumniß mehr gilt.
Du hast wichtige Gedichte über die Religionen versprochen, und ich weiß
nicht, was sonst noch alles, und lieferst nun gar nichts. Schreibe und
schicke, aber nach Jena, da ich in diesem Augenblicke dahin abgehe. Leb
wohl, viele Grüße.