IX.

_Berlin_, d. 7. Mai 1801.

_Liebster Freund!_

Was zwischen mir und Unger wegen des Shakespeare vorgefallen ist,

wirst Du zur Genüge durch andre Buchhändler wissen. Sander that mir

hier Vorschläge, und wollte sich auf der Messe nur erst genauer nach

dem Absatz erkundigen. Er schreibt mir jetzt: das Resultat sei so

ausgefallen, daß ein reicher Mann recht gut dabei bestehen könne, für

ihn sei aber bei seinem mittelmäßigen Vermögen die Unternehmung zu

groß. Sag ihm, er würde mir einen wahren Freundschaftsdienst erzeigt

haben, wenn er mir die eingeholten Erkundigungen genau mitgetheilt

hätte. Laß Dir alles von ihm sagen und zeichne es auf, damit Du Data

hast, die Du den übrigen Buchhändlern vorlegen kannst. Sprich alsdann

mit Cotta, dem ich schon eher geschrieben hatte, als Sander mit mir

sprach. Frag ihn, ob er meinen Brief richtig erhalten; noch habe

ich keine Antwort von ihm. Hat er keine Lust, so sprich weiter mit

andern Buchhändlern, dem Lübecker Bohn, Nicolovius, Wilmanns &c. was

ordentliche Leute sind, auf die man Vertrauen haben kann. Frölich hat

mir schon halb und halb Anträge gethan, ich glaube aber nicht an sein

promptes Bezahlen.

Der Vertrag müßte auf die sämmtlichen 13 Bände (die es nach dem 8ten

[mit den ~Spurions plays~] noch werden, und die in 5-6 Jahren

fertig sein können) sogleich eingegangen werden. Eine Auflage, wie sie

Unger zuletzt gemacht, nämlich 200 Velin 1300 Schreibpapier; ein paar

hundert ganz schlechte gegen den Nachdruck gehen noch in den Kauf.

Will einer für den Band 60 Lsd’or oder à Bogen 3 Lsd’or geben,

so kannst Du es beinahe richtig machen; denn mehr bekomme ich wohl

schwerlich; will Einer eben so viel geben, wie U. bisher, so laß es

in ~Suspenso~, und melde es mir gleich. Will einer aber weniger

bieten, so laß Dich gar nicht ein.

Ich kann aus mancherlei Gründen nicht jetzt noch auf die Messe reisen,

und werde Deine Freundschaft an dem Eifer erkennen, womit Du diese

Sache betreibst, die ich gerne baldigst wieder im Gang hätte. Kann ich

mit keinem Buchhändler einig werden, so werde ich es selbst übernehmen

und den Lesern auf Pränumeration anbieten: und wollen mich die werthen

Landsleute nicht gehörig unterstützen, so lasse ich es liegen, und sie

können mich -- -- --!

Ich verlasse mich darauf, daß Du mit Cotta wegen des Almanachs alles

recht gründlich absprichst. Ein Druck wie der des letzten Vossischen

Almanachs: etwa bei Sommer, wäre sehr gut. Es kommt hauptsächlich

darauf an, daß Sonette und dergleichen nicht mit gebrochenen Zeilen

gedruckt werden müssen, sollte auch allenfalls kleinere Schrift

dazu genommen werden. Dein Bruder hat eine Zeichnung zur Vignette

vorgenommen; das wird zu spät sein, sie noch zu stechen. Ich bin sehr

für den Namen _Musenalmanach_. Wann muß der Druck anfangen? --

Meine neue Romanze und Sonett an Buri bekommst Du von Jena aus. Sachen

von Friedrich schicke ich Dir nach Dresden, sobald Du zurück bist, und

erwarte demnächst neue von Dir.

Schreib doch an Karl Hardenberg. Adieu, Adieu!

_A. W. v. Schl._

Die Gedichte in Ofterdingen habe ich genau durchgelesen und gefunden,

daß sich zwei: _Bergmannsleben_ und _Lob des Weines_, als für

sich am verständlichsten, am besten ausheben lassen.

Briefe an Ludwig Tieck (3/4) Dritter Band · 第 204 / 309 题