_Breslau_, am 26. August 1832.
Ich weiß nicht ob Sie, Verehrtester, zufällig wissen, daß ich eine
ziemlich lange Zeit, (von Anfang _April_ 1830 bis Anfang
_Juli_ dieses Jahres), in Berlin gelebt und geliebt habe, wo es
mir bei sehr lieben freundschaftlichen Verbindungen sehr wohl und
durch arge, ganz ungewöhnlich andauernde Leiden, mit denen ein gar
böser Krankheitsdämon, ein chronisches Asthma von der schlimmsten
Gattung, mich geplagt, sehr schlecht ergangen ist. Nachdem diese
Leiden durch eine höchst glückliche Pillenerfindung meines dortigen,
mir sehr befreundeten, Arztes, des Medicinalrath _Casper_,
sich bedeutend verringert, hab’ ich die poetische Feder in starke,
fleißige Bewegung gesetzt. Da ist denn mancherlei zu Papiere gebracht
worden, darunter das schon neulich erwähnte Lustspiel „Schwert und
Spindel,“ wovon Sie nun beiliegend ein Exemplar, ein Ihnen gewidmetes,
erhalten. Ein zweites Druckmanuskript, auch ein Lustspiel, wird
übermorgen sendungsfertig und soll dann in zwei Exemplaren alsbald
nach _Dresden_ an die Direktion Ihrer Bühne und an Sie abgehen.
Den _Oktober_ und im _Dezember_ versend’ ich dann noch zwei
größere, einen Theaterabend füllende, Lustspiele und ein Roman von mir
„_die Leute_“ wird auch noch im Laufe dieses Jahres der Lesewelt
und der Kritik geboten.
Möchte mir für diese Produktionen die Freude _Ihres_ Beifalls zu
Theil werden! Es ist keine Schmeichelredensart, sondern die reinste,
ehrlichste Wahrheit, wenn ich Sie versichere, daß mir an dem Beifall
keines auf Erden lebenden Menschen -- ich darf sagen nur halb so viel
-- gelegen ist, als an dem Ihrigen; doch sollen Sie mir, wenn Sie
mir ihn versagen, oder wie Sie ihn bedingen und beschränken müssen,
das unumwunden und ehrlich sagen, d. h. schreiben. Nächsten Mittwoch
geht das oben erwähnte zweite Lustspiel an Sie ab und wenn Sie es
erhalten und gelesen, schreiben Sie mir wohl baldmöglichst -- ich bitte
schönstens darum -- über die beiden Stücke.
Es hat mich freilich, wie ich schon neulich berührte, recht sehr
stutzig und unmuthig gemacht, daß Sie, als ich Ihnen vor mehreren
Jahren das Lustspiel „_Eigene Wahl_“ sandte, diese Sendung gar
nicht beantworteten und das Stück nicht zur Aufführung brachten. Wenn
ich da so las und bedachte, was doch so für Stücke mitunter auf Ihre
Bühne gekommen sind, -- -- doch ~passons là dessus~ und lassen Sie
mich Ihnen in dieser Beziehung nur noch sagen, daß ich doch mindestens
gar zu gern gewußt hätte, warum Sie jenes Lustspiel, auf das ich zwar
keinen besonderen, aber doch einigen, Werth lege, so ganz ignorirt
haben.
Für wie Schönes, Herrliches haben Ihnen im vorigen Jahr alle diejenigen
zu danken gehabt, die den ganzen Werth und die mannichfache gediegene
Trefflichkeit Ihrer Werke zu fühlen und zu erkennen vermögen!
Ich glaube mich zu diesen zählen zu dürfen und habe durch die
_Mondscheinnovelle_ und den _Novellenkranz_ Feierstunden des
poetischen Genusses gehabt und mir wiederholt, wie man sie, wenn von
lebenden Dichtern die Rede ist, nur noch durch Sie erleben kann.
Aber Sie wissen doch, daß nicht nur _Robert_, mit dem ich, ehe
ihn Cholerafurcht und Verletzungen seines Selbstgefühls, des sehr
reizbaren, im vorigen Jahre von _Berlin_ nach _Baden_ trieben, sehr
viel zusammengelebt, ein _todter_ Dichter ist, sondern auch seine
schöne, liebe Frau eine todte Dichterin. Für mich ein paar schwer zu
verschmerzende Verluste!
Warum soll ich nicht hier und gegen Sie erwähnen, was Sie vielleicht
schon von _Friedr. v. Raumer_ selbst wissen, daß ich nämlich in
_Berlin_ mit ihm ganz auseinander gekommen bin.[15] -- -- -- -- --
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-- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- Das
verletzte mich ungemein, und ich mied von da ab den Verletzer. Das
war Unrecht von mir, da mir Gelegenheit, mich mit ihm ausgleichend zu
besprechen, wiederholt geboten war. Gern hätt’ ich mich vor meiner
Abreise von _Berlin_ mit ihm erklärt und versöhnt, das wollt’ ich
aber nicht, weil ich eben _Schwert und Spindel_ dem dramaturgischen
~comité~ eingereicht, dessen Mitglied, wie Sie wissen, _Raumer_, ich
weiß nicht, soll ich sagen _war_ oder _ist_. Er sollte nicht glauben,
ich wolle seine Zustimmung gewinnen. Das Stück wurde angenommen kurz
vor meiner Abreise. Auch das andere, Ihnen mit der nächsten Fahrpost zu
sendende, ist nun angenommen, aber der Bericht, der mir das anzeigt,
läßt einen ~comité~ ganz unerwähnt, und ist von Baron _Arnim_, dem
Schwager _Bettinens_ und sogenanntem _Pitt-Arnim_, unterzeichnet, der
in Graf _Rederns_ Abwesenheit interimistischer Intendant ist und wohl
perpetuirlicher werden wird. Der ~comitè~ ist oder war eine höchst
verkehrte Einrichtung und es hat mich erboßt, daß _Raumer_ sich dazu
hergegeben. -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- --
-- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- -- Ich kann seinen sich
meist sehr vornehm anstellenden dramaturgischen Urtheilen selten ganz
beistimmen und finde sie oft, wo er nicht mit Ihren Kälbern pflügt --
und auch da durch falsche Anwendung zuweilen -- recht verkehrt und
persönlich-partheiisch.
Gern möcht’ ich Ihnen einmal über die Berliner Theaterverhältnisse,
und über wie vieles Andere und Wichtigere, mein Herz und meinen Geist
ausschatten, aber mündlich. Als ich nach _Berlin_ ging (nämlich
bei meiner letzten Hinreise) wollt’ ich im Herbst 1830 oder Frühling
1831 einen Abstecher nach _Dresden_ machen, aber diesen festen
Vorsatz ließ mein Kranksein nicht zur Ausführung gelangen. Nun,
~il vaut mieux tard que jamais~ und ~deo favente~ soll das
Jahr 1833 nicht vorübergehen, ohne daß mir einer meiner liebsten
Erdenwünsche in Erfüllung geht, der nämlich, eine Zeitlang Ihres
persönlichen Umgangs, Ihrer Belehrung, Ihres Wohlwollens, das ich
mir gegönnt hoffe, mich recht gründlich und innerlich und förderlich
zu erfreuen. Nur leidliche Gesundheit, wie ich sie jetzt -- Gott sei
dafür gepriesen! -- genieße. Sie fehle Ihnen, mein innigst Verehrter,
nicht und befähige Sie Ihr schönes, helles, magisches Licht noch lange
leuchten zu lassen. ~Ainsi soit-il!~