II.

_Frankfurt a. M._, den 6ten August 1845.

_Hochwohlgeborener Herr!_

_Hochverehrter Herr Geheimer Rath!_

Schon vor nunmehr fast zwei Monaten, gleich nachdem meine „Geschichte

der dramatischen Literatur und Kunst in Spanien“ im Druck vollendet

war, übergab ich einem hier durchreisenden Freunde ein für Ew.

Wohlgeboren bestimmtes Exemplar derselben, welches er in Berlin

abzugeben versprach. Ich begleitete diese Sendung mit einem Schreiben,

in welchem ich Ew. Hochwohlgeboren meinen verbindlichsten Dank für die

mir mit so großer Gefälligkeit geliehenen Bände von Lope sagte. So

eben erfahre ich nun zu meinem größten Schrecken, daß mein Freund auf

der Durchreise in Cöln von einer schweren Krankheit befallen worden

ist, an welcher er bisher darnieder gelegen hat, und daß durch diesen

unglücklichen Zwischenfall die Beförderung des Briefes und der Bücher

an Ew. Hochwohlgeboren unterblieben ist. Mögen Sie daher, hochgeehrter

Herr Geheimer Rath, die Verspätung, mit welcher mein Buch in Ihre Hände

kommt, entschuldigen, und dasjenige, was ganz ohne mein Verschulden

durch eine unglückliche Fügung der Umstände herbeigeführt worden ist,

nicht einer Versäumniß meiner Pflicht zuschreiben. Wenn ich glaubte

hoffen zu dürfen, daß die beifolgenden Bände so wie der innige Ausdruck

meines Dankes noch jetzt von Ihnen mit Wohlwollen aufgenommen würden,

so würde mir dies eine große Beruhigung sein.

Was das übersendete Werk anbetrifft, so wage ich freilich damit nur

zaghaft aufzutreten, indem ich weiß, daß ich es dem größten Kenner

dieses Faches vorlege, indessen ermuthigt mich wieder der Gedanke,

daß gerade die tiefste Kenntniß zur Nachsicht stimmt, indem sie die

unsäglichen mit der Aufgabe verbundenen Schwierigkeiten in Anschlag

bringt, und an den Anfänger nicht gleich die höchsten Forderungen

stellt.

Genehmigen Sie, hochverehrter Herr Geheimer Rath, die Versicherung der

ausgezeichnetsten Hochachtung, mit welcher ich die Ehre habe zu sein

Ew. Hochwohlgeboren

ganz gehorsamster

_A. v. Schack_,

Großherzoglich Mecklenburgischer

Legations-Rath.

Briefe an Ludwig Tieck (3/4) Dritter Band · 第 171 / 309 题