_Dresden_, d. 11ten Jun. 27.
Ich bin gestern ohne Dank, ja ohne Alles, von Ihnen gegangen. Dichtung
und Vortrag hatten mich so ergriffen, so an- und ausgefüllt, daß
ich’s so machen mußte. Auch wollte ich den Eindruck gar zu gern ganz
ungestört mit nach Hause nehmen. Da hab’ ich denn bis lange nach
Mitternacht still dagesessen; so gut ich konnte, jedes Einzelne wieder
an mir vorübergehen, nun Alles sich wieder vereinigen, vereinigt auf
mich wirken, und so die ganze Musik endlich nach und nach in mir
ausklingen lassen.
Auch heute will ich nur das sagen: Jener köstliche _Heinrich_
war mir freilich von A bis Z bekannt und auch erinnerlich; aber wenn
nun Alles und Jedes in ihm, scharf umrissen und vollendet ausgemalt,
vor mir und in mir _lebt_, so verdanke ich das Ihnen. Und wenn
ich nun weiß, wie sich das Vorlesen überhaupt, hoch, bis zu einer
selbstständigen Kunst steigern läßt, so verdanke ich das Ihnen auch.
Wie könnte ich da anders, als meine Bitte wiederholen: Lassen Sie mich
wissen, wenn Sie wieder vorlesen. Für mich, wie ich nun eben bin,
enthält Dresden nichts Genußreicheres, und für Sie macht ein Zuhörer
keinen Unterschied. Dankbar