II.

_Leipzig_, den 16ten März 1821.

_Verehrter Herr und Freund!_

Ich wünschte, Sie könnten sich meine Freude über den schönen Beweis der

Fortdauer Ihres wohlwollenden Antheils an mir recht lebhaft vorstellen,

und damit sie gewissermassen theilen. Aber dazu müßten Sie vollständig

wissen, wie so etwas eben auf mich wirkt. Da das nun nicht seyn kann,

so sage ich hier gar nichts, als ein einfaches: Ich danke -- für Brief

und Geschenk! Daß ich die Genovefa nun aus Ihren Händen besitze, wird

allerdings dem erneuerten Genuß an ihr noch einen besondern, und gewiß

nicht störenden Reiz zusetzen. Dieses Genusses nach allen meinen

Fähigkeiten theilhaftig zu werden, spare ich ihn mir für die schönsten

und ungestörtesten Frühlingstage auf; und daß ich dann laut lese, wenn

auch mir selbst nur, brauche ich wohl nicht erst zu versichern.

Zur Ostermesse Sie hier zu sehen, und endlich von Angesicht zu

Angesicht kennen zu lernen: darauf freue ich mich sehr. Ja, vielleicht

finde ich im Laufe des Sommers Gelegenheit, Ihnen, -- wenn Sie es

nehmlich nicht ungern sehen, -- noch näher zu treten, als es in jenen

Tagen der Unruhe und des vielfältigen Treibens möglich ist: ich werde

den Monat Julius im Schandauer Bade zubringen, und hoffe dann den

August in Dresden zu verleben.

Erwarten Sie von mir, außer der innigen Hochachtung und Erkenntlichkeit

gegen den Dichter, wie sie mir seit meinen Jünglingsjahren (und das ist

lange her) unverändert innewohnt, nur noch eine freudige Hinneigung zu

jedem bedeutenden und edlen Menschen: von anderm aber, was dem Umgange

Gewicht oder Reiz giebt, gar nichts; -- dann werden Sie sich über mich

nicht irren. Hiermit lassen Sie mich

Ihnen

in freundschaftlicher Ergebenheit

empfohlen seyn

_Rochlitz_.

Briefe an Ludwig Tieck (3/4) Dritter Band · 第 154 / 309 题