_Dresden_, 17. September 1830.
_Theuerster Herr Hofrath_.
Das Schicksal, welches in alle menschliche Entwürfe seine
disharmonischen Querzüge einzeichnet, hat mir nicht vergönnt, so wie
ich es wünschte, die Erinnerungen eines zweyjährigen glücklichen Lebens
in Italien mit einer Erneuerung der so erfreulichen Unterhaltungen mit
Ihnen über die Gegenstände zu verbinden, die ich in jenem reizenden
Lande fast aus den Augen verlohren. Bey Ihrer unerwarteten Abwesenheit
von Dresden ist es mir ein Trost, daß Sie die Zeit, die ich hier
zugebracht habe, in vollkommenster Abspannung und Ruhe (soweit die
Bewegungen der Welt es verstatteten) meine, durch die Unendlichkeit
ansprechender Gegenstände, durch zu viele Seebäder und eine ermüdende
Reise überreizten Nerven zu beruhigen, -- benutzt haben, sich durch den
Anblick der großen Naturscene in mir bekannten Gegenden zu erheitern.
Vielleicht kann das günstigere Schicksal uns noch einmal in derselben
Region zusammenführen. Wenigstens ist die Aussicht zu einer Reise nach
Baden nicht so außerhalb des Wahrscheinlichen, als mein Wunsch Rom und
Neapel nochmals zu besuchen. Ich habe die lebhafteste Freude empfunden,
als ich von den Ihrigen hörte, daß Sie in Bern bey gutem Wetter gewesen
sind. Wären Sie statt dessen am alten Markte gewesen, so hätte ich den
Verdruß gehabt, die drey Schritte bis zu Ihnen nicht einmal machen zu
dürfen, um einen Abend mit Shakespear, einen andern mit Merlin und den
dritten mit Andalosia zuzubringen. Ich danke Ihnen von Herzen für die
Zueignung des letzten. Ich kenne die Gräfin zu gut, um die Fortdauer
ihrer mir gewogenen Gesinnungen zu erbitten. Ich rechne drauf. Die
schöne Reise wird ihr auch wohl gethan haben.
Ganz der Ihrige.
_Rehberg_.