II.

_Dresden_, d. 13. Aug. 34.

Auf einem kleinen Ausfluge in’s sächsische und böhmische Gebirge

auch Ihr liebliches Dresden berührend, war mein erster Gang in Ihre

Behausung; denn obwohl Sie, verehrtester Herr! mich auf mein freilich

sehr andringliches und seltsames Ansuchen noch mit keiner Antwort

erfreut hatten, hoffte ich dennoch, Ihr freundliches Wohlwollen werde

mir die Gunst längst ersehnter persönlicher Nähe nicht versagen.

Leider will der Zufall, daß ich Sie hier nicht finde, und meine Zeit

gestattet mir keinen längeren Aufenthalt: sehr schnell und sehr ungern

muß ich diesem kleinen Paradies mein Lebenwohl! sagen. Dennoch kann ich

nicht umhin, mich mindestens schriftlich neuerdings Ihrer Theilnahme,

Ihrer freundlichen Geneigtheit zu empfehlen: wohl mögen Sie den Kopf

schütteln, und ich erröthe ja auch selbst über dies ungeschickte und

Ihnen wol gar verhaßte Ansuchen; aber gar zu lieblich hatte ich’s

mir geträumt, die alten Zeiten neu zu machen, und wie jene wackern

mittelalterlichen Sänger von dem Meister und wo möglich vor dem Meister

selbst zu lernen. Jene Zeiten sind dahin, und wie so unsäglich vieles

Schöne auch dies mit ihnen; aber ich weiß nicht, welche Stimme mir

zuflüstert, daß sie für mich noch wiederkehren, daß Sie, Geehrtester!

meinem herzlichen Gesuche um Rath, Theilnahme und Belehrung sich nicht

entziehen werden. Und so hoffe ich denn bald, _recht bald_ (denn

Sie mögen denken, wie froh und zaghaft ich seit Monaten harre!) einige

Zeilen von Ihnen zu empfangen. In dieser freundlichen Hoffnung und mit

der wiederholten Bitte, meinem Anliegen nicht ganz abhold zu sein,

empfehle ich mich Ihrer gütigen Theilnahme

ergebenst

_R. E. Prutz_.

Briefe an Ludwig Tieck (3/4) Dritter Band · 第 112 / 309 题