_Wien_, 10t. May 1828.
Sie gedenken meiner freundlich, und zuweilen bringt ein Reisender mir
ein Zeichen dieser Erinnerung. So auch Prf. Ranke im vorigen Herbst.
Gern hätte ich gleich geantwortet, aber ich ehre Ihre Muße zu sehr,
an welche ganz Deutschland hoffnungsvolle Ansprüche macht. Wenn aber
ein Freund durch Dresden geht, und Sie ohnedieß aufsucht, so gebe ich
ihm ein Blättchen mit, das mich in Ihr Gedächtniß ruft. Baron Maltiz,
ein junger Mann von seltnem Talent, und noch seltenerer gediegener
classischer Bildung bringt Ihnen dieß, und wird Ihnen mündlich mehr von
uns allen hier in Wien sagen.
Einen köstlichen Genuß hat mir Ihre Erzählung: _Der Gelehrte_
gewährt -- dieß Leben, diese Wahrheit, diese höhere Natur des guten
Professors, welche alle seine Pedanterie nicht verstecken kann, und
die es begreiflich macht, daß man sich in ihn verlieben kann! Nehmen
Sie meinen wärmsten Dank und mit ihm den Dank des Freundekreises, der
sich nebst mir daran erfreut. Was haben wir aber von dem _Aufruhr
in den Cevennen zu erwarten_? Wie Tantalus steht die lesende und
bewundernde Welt vor dem reichen Quell, der vor ihren Augen sich in die
Erde verliert, ohne zu wissen ob und wo er wieder hervorbrechen wird?
Vielleicht bringt Maltiz uns Hoffnungen, die Sie ihm geben.