Den 28. Novbr. 1843.
_Hochverehrter Herr und Meister!_
Wenn das beifolgende Blatt Sie etwas ungeduldig macht, so denken Sie
nur, daß ich dies fürchtend lange anstand es Ihnen zu senden.
Nun ich es heute doch thue, habe ich mir allerlei Gründe ausgedacht,
warum ich es thun dürfte, und Sie in gewohnter Weise still halten
müßten.
Und vielleicht ist es doch nur ein Grund -- einer aber für Alle --
„daß Sie da sind! Daß wir Sie haben!“ -- Und daraus entsteht dann
_mein_ Grund: ich möchte gern, daß Sie mein Gewissen würden -- daß
Sie Ihr Auge auf mich richteten und theilnehmend zusähen, wie ich mich
aus innerer unbezwinglicher Nothwendigkeit gestalte -- ich habe ein
Gefühl, als müßte mir das Seegen bringen!
Lassen Sie gütigst sagen, ob man Sie schon besuchen darf, und wie es
mit dem Befinden der Frau Gräfin geht!
Voll inniger Verehrung Ihnen ergeben!
_Henriette Paalzow_
geb. Wach.
=Pauli, L.=
Herr P. war ein vorzügliches Mitglied des Dresdener Hoftheaters,
und besonders als Intriguant in bürgerlichem Schauspiel
ausgezeichnet. Sein Wurm in „Kabale und Liebe“ durfte
_vollkommen_ genannt werden. Ob für hochtragische Charaktere
ihm die erhebende Kraft einwohnte, wagen wir nicht zu entscheiden.
Jedenfalls ist diese seine Sturm- und Drang-Petition geeignet, ihm
Achtung zu erwerben, und wir bedauern, nicht berichten zu können,
welchen Erfolg sie gehabt.