Wie schön war es, lieber Tieck! daß du eben noch vor seinem Tode in
deiner schönen Novelle sein unsterbliches Verdienst als lyrischer
Sänger mit so vielem Geiste und Tiefe darstelltest. --
Wir zwei sahen uns wieder und versöhnten uns noch vor seinem Tode. Das
war auch schön! O lasse uns dieses herrliche Verhältniß pflegen und
hegen; uns einander öfter schreiben; wenigstens zwei mal im Jahre.
Aber kommst du nicht einmal nach Dänemark? O komme, komm! Du sollst bei
mir wohnen und bleiben so lange du Lust hast, und ich werde es als ein
außerordentliches Glück betrachten.
Um doch recht viel mit dir zu leben, habe ich seit meiner Zurückkunft
sehr vieles von dir wieder gelesen, die Novellen (den Aufruhr in den
Cevennen mußt du absolut fertig machen). Auch Octavian und mehrere von
den alten Sachen.
Ich habe auch Vorlesungen gehalten und mehrere ästhetische Abhandlungen
ausgearbeitet. Im künftigen Herbst gebe ich eine dänische Monatsschrift
„_Prometheus_“ heraus, die Aesthetik, Kritik und Poesie enthalten
wird.
Ich habe ein kleines romantisches Schauspiel in gereimten Versen
_Rübezahl_ geschrieben -- es wurde gespielt, aber -- das war
„Caviar für den großen Haufen,“ es gefiel nur den Poetischen,
Gebildeten.
Mein Singspiel „_das Bild und die Büste_“ (in der deutschen
Sammlung übersetzt,) ist von einem jungen geistreichen Musiker
„_Berggreen_“ sehr gut componirt, und hat auch gefallen. Was sagst
du dazu dieses Stück mit Berggreens Musik in Dresden aufführen zu
lassen?
Hast du daran gedacht einige von meinen Stücken in Dresden sonst
aufzuführen? Robinson in England? Erich und Abel?
Ich wünsche sehr einige gute Nachrichten von deiner Gesundheit zu
hören. Und wie befindet sich deine gute Frau und deine lieben Töchter,
und die treffliche Gräfin Finkenstein? -- Zu Brockhaus’ Urania habe ich
eine Novelle geschrieben: „_der bleiche Ritter_.“ Sage mir deine
aufrichtige Meinung darüber, wenn du sie gelesen hast. Ich freue mich
dazu wieder eine Novelle von dir in Urania zu finden.
„~Quid novi ex Africa~“ kann ich sonst fragen; denn das poetische
Deutschland fängt jetzt so ziemlich an eine africanische Sandwüste zu
werden. -- Aber so ist es überall -- und so war es zu Theil überall.
Der Fluß des Lebens fließt über Sand, und der Sand enthält immer nur
wenige Diamanten. Lebe wohl!