Mit der ausgezeichnetsten Hochachtung

Euer Wohlgeboren

gehorsamster Diener

_F. von Müller_.

Müller, Karl Ottfried.

Geb. am 28. August 1797 zu Brieg in Schlesien, gestorben am 1. Aug.

1840 zu Athen.

Von den vielen und bedeutenden Werken und Schriften dieses

im eigentlichsten Sinne genialen, hochbegeisterten Gelehrten

und Alterthumsforschers heißen die bekanntesten: Geschichte

hellenischer Stämme und Staaten, 3 Bde. (1820-24). -- Handbuch

der Archäologie der Kunst (1830). -- Die Etrusker, 2 Bde. (1828).

-- Geschichte der griechischen Litteratur bis auf das Zeitalter

Alexanders, 2 Bde. (1841) u. s. w.

Galt es dem kurzen, aber ruhmgekrönten Leben und Streben des

herrlichen Mannes für ein vielsagendes Vorzeichen, daß er an

Goethe’s Geburtstage geboren ward, so haben wir auch wohl ein

Anrecht, mit ernster tiefer Rührung darauf hinzuweisen, daß

_Er_ -- Ottfried Müller -- in Griechenland, in seiner

eigentlichen Heimath gestorben ist; daß, da der Tod ihn dort

ereilte, noch nicht alle Hoffnungen zerstört waren, die sein

warmschlagendes Herz für die Auferstehung jenes Volkes hegte. --

Und möchten die Mißklänge barbarischer Zwietracht, welche sich

neuerdings in und um Athen erhoben, den Frieden des Haines

nicht stören, welchen einst Sophokles gepriesen; in dessen aus

Lorbeer, Weinstock, Oel- und Feigenbaum gewobenem Dickicht heute

wie damals Nachtigallen singen; des Haines, den die vom Kephissos

herabrieselnden Wasserquellen immer frisch und grün erhalten. --

Wo er sich nach der Höhe hinauf zieht, steht eine Säule von weißem

Marmor. Sie bezeichnet Ottfried Müllers Grab.

Briefe an Ludwig Tieck (3/4) Dritter Band · 第 66 / 309 题