_Hier_, am 7ten Octbr. 1836.
_Hochverehrtester Herr Hofrath,
Gönner und Freund!_
Seitdem es mir vergönnt war, in den Zauberwald der deutschen Poesie
einzutreten, ist mir Ihre Musa vor Allen und am freundlichsten
entgegengekommen; was soll ich es läugnen, daß Sie und Novalis erst das
Buch der Natur mir aufgeschlagen haben, in welchem ich seitdem treu
und ehrlich studirt habe! Deshalb blicke ich so gern in Ihre klaren
Augen, die nie vergessen können, daß sie das große Geheimnis gesehen
haben! Wie könnte es Ihr Herz? Und wie könnte ich Sie lieben, wenn
dieses mitten aus dem harten Leben heraus nicht die Liebe erwiedern
könnte? Deshalb bin ich getrost und vertraue getrost dieses mein
neustes Gedicht dieser Liebe an! Sie können ihm das Leben, mir aber das
Bewußtsein schenken, nicht vergebens gestrebt zu haben. Auch will ich
nicht verbergen, daß ich dadurch für meinen jüngsten Bruder, den ich
nach meines Vaters Tode aus eigenen, schwachen Mitteln erziehen lasse,
eine Beihilfe mir verschaffen möchte. Unterdessen behalten Sie mich
lieb, der ich mit aller Verehrung verharre
Eur. Hochwohlgeboren
treu ergebner
_Julius Mosen_.