Ich hoffe, Sie sind unter meiner Peitsche gesund geworden, die Kur

war grausam aber radikal. Zur Erinnerung an jene Zeit und eine

Frau, welche Sie leidenschaftlich geliebt hat, sende ich Ihnen das

Bild des armen Deutschen.

+Venus im Pelz.+“

Ich mußte lächeln, und wie ich in Gedanken versank, stand plötzlich

das schöne Weib in der hermelinbesetzten Samtjacke, die Peitsche in

der Hand, vor mir und ich lächelte weiter über das Weib, das ich so

wahnsinnig geliebt, die Pelzjacke, die mich einst so sehr entzückt,

über die Peitsche, und lächelte endlich über meine Schmerzen und sagte

mir: die Kur war grausam, aber radikal, und die Hauptsache ist: ich bin

gesund geworden.

* *

*

„Nun, und die Moral von der Geschichte?“ sagte ich zu Severin, indem

ich das Manuskript auf den Tisch legte.

„Daß ich ein Esel war,“ rief er, ohne sich zu mir zu wenden, er schien

sich zu genieren. „Hätte ich sie nur gepeitscht!“

„Ein kurioses Mittel,“ erwiderte ich, „das mag bei deinen Bäuerinnen --“

„O! die sind daran gewöhnt,“ antwortete er lebhaft, „aber denke dir die

Wirkung bei unsern feinen, nervösen, hysterischen Damen --“

„Aber die Moral?“

„Daß das Weib, wie es die Natur geschaffen und wie es der Mann

gegenwärtig heranzieht, sein Feind ist und nur seine Sklavin oder seine

Despotin sein kann, +nie aber seine Gefährtin+. Dies wird sie erst

dann sein können, wenn sie ihm gleich steht an Rechten, wenn sie ihm

ebenbürtig ist durch Bildung und Arbeit.

Jetzt haben wir nur die Wahl, Hammer oder Ambos zu sein, und ich war

der Esel, aus mir den Sklaven eines Weibes zu machen, verstehst du?

Daher die Moral der Geschichte: Wer sich peitschen läßt, verdient,

gepeitscht zu werden.

Mir sind die Hiebe, wie du siehst, sehr gut bekommen, der rosige,

übersinnliche Nebel ist zerronnen und mir wird niemand mehr die

heiligen Affen von Benares[5] oder den Hahn des Plato[6] für ein

Ebenbild Gottes ausgeben.“

[Illustration]

Anmerkungen zu „Venus im Pelz“.

[1] Lange Peitsche am kurzen Stiel.

[2] Lemberg.

[3] Frauenjacke.

[4] Judengasse in Lemberg.

[5] So nennt Arthur Schopenhauer die Frauen.

[6] Diogenes warf einen gerupften Hahn in die Schule des Plato und

rief: „Da habt Ihr den Menschen des Plato“.

Druck: Otto Wigand’sche Buchdruckerei G. m. b. H., Leipzig.

Georg H. Wigand’sche Verlagsbuchhandlung in Leipzig

Novellen von Leopold Ritter von Sacher-Masoch

Grausame Frauen

Mit farbigem Künstlerumschlag von

A. Scheiner

Preis brosch. M. 7.-- gebunden M. 11.--

Das Rätsel Weib

Mit farbigem Künstlerumschlag von

A. Scheiner

Preis brosch. M. 7.-- gebunden M. 11.--

Dämonen und Sirenen

Mit farbigem Künstlerumschlag von

A. Scheiner

Preis brosch. M. 7.--, gebund. M. 11.--

In diesen fein pointierten kleinen Erzählungen zeigt sich des genialen

Erzählers Kunst im schönsten Lichte. Von jeher wurden sie von seinen

Verehrern ganz besonders geschätzt, und in den vorliegenden, besonders

sorgfältigen Ausgaben dürften sie noch mehr Freunde finden als zuvor.

Keiner, der Sacher-Masochs Werke sammelt, darf an diesen Bänden

vorübergehen, in denen sich manches aus der allerletzten Zeit des

Dichters befindet.

Georg H. Wigand’sche Verlagsbuchhandlung in Leipzig

Die Starken

Ein Ringkämpferroman

von

Dolorosa

Mit farbigem Künstlerumschlag von =R. Kirchner=

Preis brosch. M. 8.--, gebunden M. 12.--

Ein Hauch derb-frischer Männlichkeit weht durch dieses eigenartige

Buch, das uns in die Welt der Helden der Arena einführt. Dieser

modernen Gladiatoren, die die Bewunderung der Männer erregen, und denen

die Herzen der Frauen in ungestümer Leidenschaft entgegenschlagen.

Das überaus eigenartige Buch ist ein interessanter Beitrag zur

Sittengeschichte unserer Zeit.

[Illustration]

Unfruchtbarkeit

Roman von

Dolorosa

Mit einem Titelbilde von =Fritz Buchholz= und

mit farbigem Künstlerumschlag von

=Raphael Kirchner=

Preis brosch. M. 8.--, gebunden M. 12.--

Die Verfasserin rollt hier die Frage auf, ob Unfruchtbarkeit ein Segen

oder ein Fluch sei, und tut es mit einer Kühnheit, die fast beispiellos

genannt werden muß. Als das Buch erschien, machte es ungeheures

Aufsehen. Mehr als ein berufener Beurteiler nannte Dolorosa seinetwegen

einen weiblichen Zola und ihr Werk ein Gegenstück zu des großen

Franzosen „Fruchtbarkeit“.

End of Project Gutenberg's Venus im Pelz, by Leopold von Sacher-Masoch

Venus im Pelz · 第 10 / 10 段