2. Man sei vorsichtig in der Wahl des Terrains. Man wird bei der Wahl

desselben zuerst mit dem Hochgebirge, und zwar mit dem malariafreien

Hochgebirge anfangen, um nach und nach zu den niedrigeren und zu den

Strandplätzen zu gelangen.

3. Es muss für gesundes Wasser gesorgt werden (schon im Jahre 1623

erwähnt +Bontius+ in seinem Buche »De Conservanda« die zahlreichen

Krankheiten, welche durch den Genuss von schlechtem Wasser entstehen).

Die Versorgung der Fäcalien darf nicht vernachlässigt werden.

Die Regierung sorge für gute Wege und Spitäler, für wissenschaftliche

und praktische Entwälderung und für neue Anpflanzungen in sumpfigen

Gegenden und für Epidemiegesetze, welche nicht von europäischen Aerzten

zusammengestellt werden (wie es bis jetzt der Fall ist), sondern von

Aerzten, welche in Indien ihre Erfahrungen gesammelt haben (so dass z.

B. nicht von Scharlach gesprochen wird, welcher in Indien überhaupt

nicht vorkommt, und von Masern, welche dort so günstig verlaufen, dass

ein Sterbefall zur Ausnahme gehört).

4. Die Pflege der Haut werde nicht vernachlässigt, weil durch die

starke Transpiration der Feuchtigkeitsverlust des Körpers durch die

Haut gross und die Secretion der Nieren gering ist.

5. Die Kleidung muss sich streng nach den jeweiligen

Temperaturverhältnissen und denen des jeweiligen Feuchtigkeitsgehaltes

der Luft richten.

6. Die Monotonie des geistigen Lebens werde unterbrochen dadurch, dass

man neben seinem Berufe andere Liebhabereibeschäftigungen sucht.

7. In allen Genüssen des Lebens gedenke man des lateinischen

Sprichwortes »Ne nimis« und, was den Gebrauch des Alcohols angeht, so

täusche man weder sich noch Andere mit dessen Nothwendigkeit. +Die

totale Enthaltung von Alcohol ist in Indien noch immer gesünder, als

der übermässige Gebrauch desselben, ja selbst der bescheidene Gebrauch.+

8. Die Wohnungen müssen allen Anforderungen der Hygiene entsprechen.

* * * * *

In der darauf folgenden Discussion ergriff Prof. +Hueppe+ das Wort, um

zunächst die Thatsache zu constatiren, dass bis jetzt nirgends eine

Acclimatisation der Europäer in den Tropen stattgefunden habe; selbst

in den spanischen Colonien, welche am längsten diesbezüglich geeignetes

Material verwendet haben, hätten sich die Europäer nur bis in die

dritte Generation fortgepflanzt.

Hierauf betonte er mit Nachdruck, dass auch seiner Ansicht nach die

Europäer in den Tropen ein hohes Alter erreichen können, dass aber

diese +individuelle+, auch von mir mitgetheilte Acclimatisation nichts

mit der Acclimatisationsfähigkeit der Europäer als +Genus+ zu thun habe.

Die Motivirung dieser Behauptung brachte jedoch Prof. +Hueppe+ nicht

und wies nur darauf hin, dass die +Haut+ der Europäer in den Tropen

niemals den veränderten klimatischen Verhältnissen sich angepasst habe.

[Illustration: Fig. 25. Bewohner der Pageh-Inseln.

(Vide Seite 196.)]

Die Haut hat, abgesehen von ihrer Bedeutung als äussere Bedeckung,

eine dreifache Arbeit zu leisten; sie ist ein Factor in der Athmung,

sie sondert Fett auf die Oberfläche des Körpers ab und secernirt den

Schweiss.

Ein qualitativer oder principieller Unterschied in diesen Functionen

der menschlichen Haut in den Tropen ist mir weder aus eigener noch aus

den experimentellen Untersuchungen Anderer bekannt.

Ein quantitativer Unterschied besteht -- so weit hat Prof. +Hueppe+

Recht --; aber gerade diese Thatsache ist der beste Beweis, dass auch

die Haut sich in die neuen Verhältnisse schickt.

Prof. +Hueppe+ sieht in den von mir oben angeführten Thatsachen nur

eine +individuelle+ Acclimatisation der Europäer in den Tropen und

behauptet mit Recht, dass durch diese Thatsachen nur bewiesen sei,

dass in den Tropen der Europäer alt werden und seine Muskel- und

Geistesenergie in denselben biologischen Grenzen als in Europa sich

bewegen könne.

Mehr wollte ich ja nicht behaupten, und diese Thatsachen sind ja

hinreichend, die Frage der +Landbaucolonien in den Tropen+ anzuregen

und zu beeinflussen.

Die Acclimatisation der Europäer als +Genus+ kann empirisch und

theoretisch geleugnet oder behauptet werden.

Wenn Herr Prof. +Hueppe+ diese bestreitet, weil sie bis jetzt nicht

vorgekommen wäre, obzwar schon seit ungefähr 400 Jahren Europäer in den

Tropen gelebt hätten, so muss ich auf Grund meiner Erfahrungen in den

holländischen Colonien einfach sagen: Ein negativer Beweis -- beweist

nichts. Denn z. B. auf den Inseln des indischen Archipels fehlte das

Material dazu. Vor der Einführung der Dampfschifffahrt und noch mehr

vor der Eröffnung des Suezkanals (16. November 1864) war die Zahl der

europäischen Frauen, welche nach »dem Osten« gingen, so klein, dass die

meisten europäischen Männer nur mit eingeborenen oder halbeuropäischen

Frauen für die Fortpflanzung sorgen konnten. +Empirisch+ lässt sich

also diese Frage heute noch nicht beantworten.

Wenn jedoch +theoretisch+ die Fortpflanzungsfähigkeit der Europäer

in den Tropen besprochen werden soll, müssen meiner Ansicht nach in

erster Reihe die Fortpflanzungsorgane die Basis der Untersuchung sein.

Dies hat Herr Prof. +Hueppe+ nicht gethan. Es ist aber auch über

die Veränderung dieser Organe durch den Aufenthalt in den Tropen gar

nichts bekannt, weil das einzige diesbezügliche Axioma, dass alle

europäischen Frauen an Fluor albus leiden sollten, sich als unrichtig

erwiesen hat (vide Dr. +Stratz+, Die Frauen auf Java).

Wenn aber in dieser Frage der Zustand der Fortpflanzungsorgane unter

dem Einflusse des Tropenklimas nicht in Betracht gezogen wird, dann

kommen wir in das Gebiet der speculativen Philosophie, für welche die

moderne Hygiene ebenso wenig als Prof. +Hueppe+ bei der Beantwortung

medicinischer Fragen schwärmen wird.

In Nummer 31 (1902) der Prager Med. Wochenschrift glaubte dieser

berühmte Hygieniker von Prag diesen Ansichten entgegentreten zu müssen

und zwar auf Grund »von einer Erfahrung von 5000 Jahren«. In meiner

Erwiderung betonte ich den Werth meiner langjährigen Beobachtungen an

Ort und Stelle, während Prof. +Hueppe+ nur die Mittheilungen Anderer

benutzen konnte, und theilte noch Folgendes mit:

Nur die langjährige Beobachtung an Ort und Stelle ermöglichte mir die

Behauptung, dass wir +empirisch+ über die Fortpflanzungsfähigkeit der

Europäer in den tropischen Colonien Hollands +heute+ nichts Bestimmtes

wissen können, und wenn mir Herr Prof. +Hueppe+ die Beobachtungen aus

den spanischen Colonien als Gegenbeweis bringt, werde ich zwar sofort

einen (scheinbar) vollgiltigen positiven Fall erzählen; ich kann mich

aber nicht einmal auf einen Einwand der Richtigkeit der spanischen

Mittheilungen einlassen, weil selbst der grosse, kritische Scharfsinn

dieses Hygienikers unmöglich einen Ersatz für die langjährige

Beobachtung an Ort und Stelle bieten kann.

Was den sachlichen Theil der Gegenschrift des Herrn Prof. +Hueppe+

betrifft, will ich ihren Widerspruch mit meinen Behauptungen in wenigen

Worten skizziren.

+Breitenstein+ Prof. +Hueppe+

1. behauptet, dass die 1. bestätigt diese Erfahrung;

Europäer in den Tropen

ebensoviel Arbeit leisten

können als im gemässigten und

subtropischen Klima;

2. behauptet, dass jede a 2. behauptet, dass die

prioristische Negirung der Erfahrungen, die auf ungefähr

Acclimatisationsfähigkeit der 5000 Jahre zurückgehen,

Europäer in den Tropen vor einfach ignorirt werden, weil

diesen Thatsachen die Waffen einige Colonisationsschwärmer

strecken müsse. aus Freude über die doch

wesentlichen individuellen

Erfolge der Tropenhygiene

auch dem deutschen Bauer eine

ideale Zukunft versprechen.

Herr Prof. +Hueppe+ beruft sich also auf die Geschichte, um

meine Behauptung von der Acclimatisationsfähigkeit der Europäer zu

widerlegen, während ich nur der a prioristischen Negirung derselben

jede Existenzberechtigung abspreche. Nun! die Geschichte giebt

+mir+ Recht. Am Ende des 17. Jahrhunderts, also vor 200 (!!)

Jahren, haben sich auf der Insel Kisser[120] zahlreiche europäische

Familien angesiedelt, welche „+ohne mit den Eingeborenen sich zu

vermengen, sich fortgepflanzt haben+«. (Dr. +A. B. Meyer+ in

+Petermann’s+ Mittheilungen.) Im Jahre 1880 ging der damalige

Stabsarzt +L. C. A. Rombach+ auf Befehl des Sanitätschefs +D.

J. de Leeuw+ dahin, einen Bericht über die europäischen Bewohner zu

erstatten, und er schreibt Folgendes:

... Ihre Nachkommen wohnen noch auf der Insel (Kisser) und haben sich

nicht mit der ursprünglichen Bevölkerung vermischt ...

... Die holländischen Nachkommen tragen holländische Namen: Bakker,

Joosten, Lertes u. s. w. ...

... Es war ein eigenthümlicher Anblick für uns, die wir wochenlang

überall Wilden begegnet hatten, so plötzlich in diese Colonien

versetzt, Menschen zu sehen, unter welchen sich viele mit blonden

Haaren und blauen Augen befanden und einen gewissen Grad von

Civilisation zeigten ...

Zu diesen Mittheilungen bemerkt Dr. +van der Burg+ in seinem Buche

„de Geneesheer van Nederlandsch Indië“, I. Theil, Seite 324: Diese

interessante Insel bringt in einem Theile seiner Bewohner +also

den unwiderlegbaren Beweis, dass die Fortpflanzung von Europäern im

heissen Klima möglich ist+. Ich will sehr gerne diesen einen Fall

als Ausnahme von der Regel und daher als gar nichts beweisend erklären;

aber Herr Prof. Hueppe hat für jeden Fall die Geschichte der letzten

5000 Jahre ohne Erfolg zur Stütze seiner Behauptungen angerufen.

+Breitenstein+ Professor +Hueppe+

3. behauptet, dass die 3. behauptet, dass wirkliche

Acclimatisation der Europäer Acclimatisation nur in ganz

auf Java auf die Tagesordnung beschränkten Massen in den

der hygienischen Fragen Höhen der Gebirge und auf gut

gesetzt werden kann. isolirten gebirgigen Inseln

möglich sei.

Es fällt mir wirklich schwer, zu constatiren, wer von uns beiden

vorsichtiger die Möglichkeit einer Acclimatisation der Europäer in den

Tropen behaupten will; wenn ich nebstdem an anderer Stelle sage: „Man

wird bei der Wahl des Terrains zuerst mit dem Hochgebirge und zwar

mit dem malariafreien Hochgebirge anfangen, um nach und nach zu den

niedrigeren und zu den Strandplätzen zu gelangen“ -- dann allerdings

entferne ich mich nur theilweise von der diesbezüglichen Ansicht meines

berühmten Gegners, und ich constatire gerne zum Schluss dieser kleinen

Streitschrift, dass die Behauptung des Herrn Professor +Hueppe+:

„Ackerbaucolonien von genügendem Umfange sind in den Tropen für den

Europäer undenkbar“, von vielen Hygienikern getheilt wird. --

Ich aber bin genug sanguinisch, um zu behaupten: Unter dem Einfluss

der modernen Hygiene haben die Mortalität und Morbidität der Europäer

in den Tropen bis jetzt sich so gebessert, dass diese, hier wie dort,

beinahe in allen Fächern der Industrie, des Handels, der Kunst und

Wissenschaft die gleiche Arbeit des Körpers und des Geistes leisten

können und thatsächlich auch schon leisten, und dass ein gewissenhaftes

Befolgen der Gesetze der „individuellen“ wie der staatlichen

Tropenhygiene auch europäischen Ackerbaucolonien in den Tropen einen

Erfolg sichern kann und sichern wird.

II. Anhang.

Das Lied, von welchem ich auf Seite 164 sprach, erhielt ich durch die

freundliche Hülfe des Herrn Otto Knaap in europäische Noten gesetzt.

Da die malaiische Scala nur fünf Töne besitzt, welche mit keiner der

europäischen Tonleitern identisch sind, so hat im Allgemeinen eine

solche Arbeit grosse Schwierigkeiten zu überwinden, und wie wir weiter

unten sehen werden, soll die Arie des Gamelan, welche ebenfalls der

Herr Knaap mir zur Verfügung stellte, nicht ganz einwandfrei in Noten

gesetzt sein (?).

Dieses Lied ist aber kein rein malaiisches; seine Wiege stand in

Portugal und hat sich mehr als drei Jahrhunderte[121] auf Java erhalten

und fortgepflanzt. Die Tradition allein und keine Noten vermittelten

bis jetzt die allgemeine Verbreitung auf Java. [Auf der Insel Bali,

im Osten von Java, wurde vor einigen Jahren etwas entdeckt, das man

mit unseren Noten vergleichen könnte. Auf Lontar-Blättern, d. h.

auf den jungen, weisslichen Blättern der Palmyrapalme (Borassos

flabelliformis L.), welche bis vor kurzem an Stelle des Papieres zum

Briefschreiben und selbst zum Anfertigen von Büchern[122] verwendet

wurden, befand sich ein Liebeslied mit einer Nadel geschrieben; die

Schrift war mit Oel und Kohle lesbarer gemacht. Unter jedem Worte

waren die Vocale aus der javanischen Schrift dong, deng, dung, dang,

ding als Töne und der kleine dong und der kleine dang als Nebentöne

angeführt.] Auch auf den übrigen Inseln werden die zahlreichen

Instrumente nur aus dem Gedächtnisse gespielt; es ist daher, ich möchte

sagen, selbstverständlich, dass dieses portugiesische Lied theilweise

den malaiischen Charakter angenommen hat und dass nur der Fachmann

im Stande ist, die ursprüngliche Arie aus dem vorliegenden Liede

herauszufinden.

[Music:

1. Lied (= Lagu) aus der „Komedie Stambul“

(= Theater von Constantinopel).

Otto Knaap und Constant van de Wall.

_Adagio ma non troppo._]

[Music:

2. Lied aus der „Komedie Stambul“.

Otto Knaap und Constant van de Wall.

_Andante._]

Diese zwei Lieder hörte ich auf Java (in Magelang) in dem Schauspiele

»Ali Baba«, welches, wenn ich nicht irre, aus Tausend und Eine Nacht

ins Malaiische übersetzt und dramatisirt wurde. Der Verfasser war ein

gewisser Tardieu, welcher das Verdienst hatte, auf Java eine nach

europäischen Begriffen rein dramatische Kunst so zu sagen über Nacht

geschaffen zu haben.

Wenn der Herr O. Knaap in überschwenglichen Worten[123] die Energie

bewundert, mit welcher Tardieu ein malaiisches Schauspiel gegründet und

in kürzester Zeit malaiische Schauspieler geschaffen hat, so kann ich

nur theilweise seinem Lobliede beistimmen.

Tardieu war 18 Jahre alt, als er sein Werk begann; er hatte kein

Vermögen, sprach als »Sinjo« nur das sogenannte »Kasernenmalaiisch«;

nirgends war eine Theaterschule; es gab keine Schauspieler von

Beruf; nicht einmal geschriebene oder gedruckte Dramen fand er in

der malaiischen Literatur, und die javanische Musik kannte er nicht

mehr und nicht besser, als jeder andere Europäer oder »Sinjo« (=

Halbeuropäer), welcher hin und wieder die Gamelan spielen hörte oder

einer Wajong-Vorstellung[124] hin und wieder beiwohnte.

Was er geschaffen hat, war keine »Schmiere«. Es war ein Kunsttempel,

dessen Pforten nicht nur den Europäern, sondern gleichzeitig auch den

Chinesen, den Kindern des Landes und den »fremden Orientalen« (Arabern,

Klingalesen u. s. w.) geöffnet werden sollte. Die Sprache des Dramas

und der Operette, welche aufgeführt werden sollten, musste für Alle

verständlich sein; er wählte daher die lingua franca des ostindischen

Archipels, die malaiische Sprache; nebstdem mussten auch das ganze

Ensemble, die Decoration, die Mimik, die Geste, die Gesticulation

u. s. w. einen ausgesprochen malaiischen Charakter haben und tragen;

Tardieu hielt sich also an die Wajong-Vorstellungen an den kaiserlichen

Höfen zu Solo und Djocja.

Nur bis hierher und nicht weiter konnte ich dem Herrn Knaap in

seiner Hymne für die Erfolge des Impresario Tardieu folgen. Wenn er

jedoch behauptet, dass Tardieu mit der Gründung dieses Theaters ein

Stück der socialen Frage gelöst habe, dann beneide ich ihn ob seines

Sanguinismus. Tardieu war ein »Pauper«; die jungen Leute, welche er

zu Schauspielern erzogen hat, waren ebenfalls »Paupers«; das ist

richtig; aber wie gross war ihre Zahl, wie viele sind jetzt Vertreter

dieser Kunst und wie viele werden in Zukunft in der Lage sein, auf

diese Weise ihr »ehrliches Brot« zu verdienen? Dazu kommt noch ein

Factor, welcher mit Recht in früheren Jahrzehnten der Gilde der

Schauspieler eine beschränkte Stellung in der Gesellschaft einräumte;

diese Kinderkrankheit der jungen Schauspielertruppe hat auch in Java

schon manches traurige Opfer gefordert; diese jungen Leute haben in

ihrem freien Verkehr der Leidenschaft keine Zügel angelegt; die Liebe

und die Eifersucht haben bereits so manches ihrer Mitglieder vor den

Richter und -- in’s Spital gebracht. Wir wollen hoffen, dass die

Kinderkrankheit dieses jungen Unternehmens bald überstanden sein wird,

dass solide und tüchtige Elemente der indischen Paupers in die Hallen

der Thalia einziehen werden, und dass auch in Indien der Schauspieler

jene geachtete Stellung in der Gesellschaft sich erringen wird, welche

in Europa in der Gegenwart schon den Mitgliedern dieser Künstlerschaar

entgegengebracht wird.

Warum hat Tardieu in sein Orchester nicht eine complete Gamelan

aufgenommen?

Die Gamelan, das javanische Orchester, besteht aus Streich-, Blas-,

Schlag- und Trommel-Instrumenten, und nur in dem Complex aller dieser

Instrumente ist der Begriff Gamelan enthalten. Eine complete Gamelan

erfordert 24 Instrumente; diese kosten Geld, welches bei Tardieu die

schwächste Seite war. Vielleicht hielt er für seine Opern (?) und für

seine Operetten (?) nur ein kleines Gamelan hinreichend; vielleicht

hat er entsprechend dem Charakter jeder einzelnen Scenen auch eine

grössere und eine kleinere Gamelan bestimmt, gerade wie im alltäglichen

Leben sich traditionell der Gebrauch entwickelt hat, für die einzelnen

Festlichkeiten eine bestimmte Anzahl von Instrumenten für die Gamelan

zu wählen; z. B. beim Empfang des Kaisers von Djocja am Neujahrstage

muss der Resident eine complete Gamelan spielen lassen, während zur

Begleitung einer kleinen Wajong-Vorstellung 6-8 Instrumente für

genügend gehalten werden u. s. w.

Von den zahlreichen Instrumenten, aus welchen die Gamelan besteht,

geben einige die Melodie an und die andern begleiten diese. Zu den

ersteren gehört die Rebáb, welche nur zwei Saiten hat und die „mehr wie

ein Cello“ gespielt wird; eine häufig auf diesem Instrumente gespielte

Melodie ist folgende:

[Music:

Gamelan-Musik.

_Andantino._ Otto Knaap.

]

Nebstdem geben die Melodie an: die Suling (= Flöte), die Selómpret

(= Trompete), die Kendang und die Ketipung, das sind kegelförmige

Trommeln, welche mit den Händen geschlagen werden, während auf der

Bonang (metallene Kessel) mit Trommelschlägern gespielt wird.

Auch die Saron, die Gambang, die Gender und die Angklung geben im

Allgemeinen die Melodie an, während die Gong (metallene Becken, welche

aufgehängt werden), die Kenong und Ketuk (welche auf zwei Bändern

ruhen), die Rodjeh, Ketjer und Tjeluring (welche an dem Halse des

Spielers hängen), die Bedug (eine grosse hängende Trommel), die Kemjang

(Kessel), die Bendé und die Béri (hängende Becken) nur die Melodie

begleiten.

Die Gender, welche von den meisten Europäern als specifisch javanisches

Musikinstrument angesehen und darum häufig mit „Gamelan“ bezeichnet

wird, hat platte Klangstäbe, welche auf einem hölzernen Rahmen

mit Stricken ruhen, und unter jedem Klangstab befindet sich als

Resonanzkasten ein Bambusrohr. Eine sehr häufig auf diesem Instrument

gespielte Melodie theilte mir der Herr Knaap mit:

[Music:

Gamelan-Musik.

Eine Melodie, gespielt auf der „Gender“, welche aus Klangstäben besteht.

_Allegro vivace._ Otto Knaap.

]

Zum Schlusse will ich nur noch eine Melodie mittheilen, welche das

harmonische (?) Spiel von drei Schlaginstrumenten der Gamelan uns

demonstriren soll.

[Music:

Gamelan-Musik.

Leitmotiv, gespielt auf 3 Schlaginstrumenten.

_Allegro._ Otto Knaap.

]

Die Angklung (Fig. 26.), welche in der Gamelan ebenfalls eine führende

Rolle spielt, ist schon seit einigen Jahrhunderten auf der Insel Java

bekannt; während meines Aufenthaltes in der Provinz Bantam, aber auch

in Buitenzorg habe ich sie sehr oft spielen gehört; es überrascht

mich immer, Töne von metallener Klangfarbe diesem eigenthümlichen

Musikinstrument, welches nur aus Bambusrohren besteht, entströmen

zu hören; selten wird nur eine Angklung gespielt; gewöhnlich werden

5-10 Angklungs auf einen Bambusstock aufgehängt und von 2-3 Männern

geschüttelt.

Bei der Beurtheilung der indischen Musik darf man nicht an eine Sonate

von Beethoven denken oder wähnen, einen weihevollen Choral in der

Peterskirche zu Rom zu hören, oder in der grossen Oper in Mailand zu

sitzen. Man muss die Gamelan in einem Kampong (= Dorf) Javas hören,

wenn die Venus hoch im Zenith steht, wenn ein sanftes Zephyrwehen

unsere glühenden Wangen streichelt, wenn die majestätische Ruhe der

Tropennacht kaum für einige Secunden von dem lauten Rufe eines Affen

oder dem Brüllen der wilden Büffel gestört wird, wenn das südliche

Kreuz in seiner ganzen Herrlichkeit über unserm Kopfe schillert und

glänzt. Wenn Ruhe und Frieden unsere Nerven beseelen, dann lauscht

auch der Europäer mit Andacht den Tönen der Gamelan, bei welchen die

malaiischen Liebeslieder (= Pantons) im Wechselgesange erschallen.

Die zahlreichen Wiederholungen von demselben Thema, die Harmonien,

welche sonst unser Ohr beleidigen würden, die starken dissonirenden

Accorde, das Forte, welches zu dem Sturm eines Wagnerischen Finale

anschwillt, vereinigen sich mit sanft schmeichelnden, lieblichen,

sanften Melodien der Rebáb zu einem Liede, das uns in hohe und schöne

Sphären geleitet. Vergessen werden des Tages Mühe und Sorgen, vergessen

sind die versengenden Strahlen der Tropensonne, vergessen werden die

Verderben drohenden Miasmen der nahen Sümpfe; die süssen, klagenden und

schmeichelnden Weisen der Gamelan wiegen uns in das beseligende Gefühl

des absoluten Nichts, des berauschenden Nirvana, der „Befreiung von den

Schmerzen der Existenz“.

[Illustration: Fig. 26. Die Angklung

(ein malaiisches Musikinstrument.)]

Sach- und Namen-Register.

A.

Abdul Karim 165

Abenteurer 75

Abschleifen der Zähne 194

Abstammung der Atjeer 161

„ „ Niasser 162

„ des Namens Sumatra 1

Abtrennung von Java 1

Acclimatisation der Europäer 207

Adat 191, 194

Adel in Lampong 23

Adelstand in Lampong 23

Aden 3

Adenanthea pavonia L. 107

Adinandra dumosa 107

Adju 176

Adler 55

Adriani (Dr.) 201

Aetiologie der Beri-Beri 126

„ „ Krankheiten bei den Atjeern 155

Affen 40

Affenberg 177

Affen in Sumatra 40

Agam 69, 192

Aglaia 106

Ajam Beruga 52

„ rimbu 52

„ utan 52

Alaï-Länder 78, 171

Alang-Alang 51, 82

Albinos 175

Alcedo 38

Alcohol-Teufel 146, 194

Aleurites triloba 110

Ali Baba 215

Ali Moghâjat Sjâh 160

Allée aus Bambus 9

Alphabet in Lampong 23

„ der Battaker 77

Alpinia 107

Alsophila 106

Alstonia scholaris 105

Altheer 46

Ambon 6

Ambonese 97

Ameisen 51, 81

Amersfort 147

Amok 95

„ -Läufer 95

Amoy 8

Ampalo-Baum 104

Ana-coromandiliana 55

Anagalong 141, 145

Anambas-Insel 68

Analabu 133, 169

Analphabeten 23

Ananas 46, 81, 110

Anaesthesia ascendens 127

Andesit 192

Angelesia splendens 108

Anggin 23

Angklung 219

Anjer 3

Anthropophagen 77

Aphthae tropicae 34, 205

Aporosa microcalyx 108

Apothecary 64

Araber 7, 66, 161

Arbeitsleistung der Europäer 210

Archytaea Vahlii 107

Ardia typhon 55

Ardisia 109

Arenga-Palme 106

Aristoteles 177

Aroëbusen 79

Arsenkies 73

Arthocarpus 105, 110

Arthrophyllum diversifolium 106

Arzt in den Colonien 45

Assahan 75

Assaut 130

Astraea pallida 4

Atap 181

Atavistische Schwänze 163

Atjeh 5, 111 ff.

Atjehfluss 117

Atjeeische Aufwiegler 93

„ Monate 156

„ Rasse 161

Auction 100, 139

Aufhebung der Caution 121

Augit 56, 192

Ausbruch des Krakatau 2, 46, 48, 91, 113

B.

Badje 154

Bagumba (Berg) 191

Bah-tschi 203

Bai von Lampong 3

„ Kaiser- 3

„ von Semangka 3

Bakterien 52, 84

Balé Balé 157

Bali 1

Bambus 170

„ Allée 9

„ Duri 38

Bandjermasing 58

Bandjir 134

Bandong 67

Bangka 75

Bangsa 194

Bangsi 157

Banju Assim 50

Bantan-See 103

Barisangebirge 50, 57, 191

Barren (Insel) 2

Barringtonia spicata 108

Baros 77, 133

Bartels (Dr.) 163

Barthelemy 131

Basalt 192

Batang 191

„ Ajer 107

„ Hari 56

Bataten 81, 110

Battaker 77, 162

Batu-Djadjar 62

„ Insel 113

Bauholz 170

Bauhygiene 181

Baumfarren 106, 109

Baumknolle 69

Bebek 52

Bedug 217

Beláwan 76

Bende 217

Bengkalis (Insel) 74

„ Stadt 74

Benkulen 2, 58, 113, 196

Bentley, Dr. 64

Benzoë 170, 186

Beo 52, 55

Beofürst 165

Berg Bagumba 181

„ Baros 77

„ Bempatasan 56

„ Danan 3

„ Dempo 193

21 Jahre in Indien. Dritter Theil: Sumatra. · 第 20 / 23 段