Glück in medias res.
Ich war sozusagen bis 4 Uhr morgens gegangen und glaubte kaum noch, daß es
nun noch wesentlich heller für mich werden könnte. Ich sah überall das
Licht Gottes hervordringen, aber ..
Da zeigen Sie mir mit einem Male und gerade im rechten letzten Augenblick
ein 5 Uhr, 6 Uhr, 7 Uhr -- einen neuen Tag.
* * * * *
Ich werde noch manches veröffentlichen müssen, was einer früheren
Entwickelungsstufe als meiner jetzigen angehört, denn ich darf niemanden
über den Weg betrügen, den ich gegangen bin.
* * * * *
Niemanden loslassen. Keine Beziehung fallen lassen!
* * * * *
Immer bewußter sich konzentrieren lernen. Alles Flatternde und Flackernde
in mir überwinden. An jeden guten Gedanken, jede gute Empfindung einen
Stein hängen, sie verankern. Damit zusammenhängend: Seßhaft werden,
Tempobändigung, Tempobeherrschung.
* * * * *
Meine Zahlen: 13/14/15/16/17/18/19. Mein Alter -- 42?
* * * * *
Ich widerrufe alles Harte und Böse, was ich je in meinen Worten oder
Briefen gesagt habe.
* * * * *
O nur nicht immer wieder erlahmen, nur nicht immer wieder absinken. Züchte
doch den _Willen_ in dir, du ewiger Wanderer _ohne Stab_.
Man soll mich als einen malen, der _ohne Stab_ einen Berg erklimmt. Der
Dämon seiner eigenen Schwäche hindert ihn, sich einen Stab zu bilden, --
aber am Steigen selbst kann er ihn nicht hindern, wie oft er auch wie tot
daliegen mag.
* * * * *
Was ich heute tue, tue ich nicht um meinetwillen, sondern um meiner Liebe
zum Menschen willen.
* * * * *
Einem Menschen wie mir genügt es nicht, Ein Mal das Richtige zu erkennen.
* * * * *
Ich möchte gern auch noch zu äußerem Wirken gelangen. Ich möchte mein
Berlin als geistiges Staatskunstwerk zum Ziel machen.
* * * * *
In alles und jedes einfließen lassen einen höheren Geist!
1910
Ich träumte mir die Kraft eines Zukünftigen, -- _meine_ Zukunft und ließ,
als ich vom Haus der lieben Freunde dankbar Abschied nahm, in jedem Zimmer
eine Rose zurück, geschaffen durch den Willen meiner Liebe.
* * * * *
O meine Hand, du seltsames Geschöpf, du warst mir immerdar ein Angelhaken
der Meditation. Wenn ich in deine Schale blicke, meine ich ein
Geistgebilde zu schauen.
* * * * *
Bild meines Lebens.
_Stiel_: Weltliche Periode (Nietzsche) beendet durch innere Krankheit.
_Schale_: Öffnung durch Johanneisches.
_Blut_: Erfüllung.
1911
Ich darf wohl sagen: Die Entdeckung meines Mannesalters ist die _Frau_.
1912
Mit meinen Erkenntnissen ist es so, wie wenn endlich ein Stück Berglehne
abbricht und zerbröckelnd in die Tiefe rutscht. Wie einen Bergrutsch fühlt
man's in sich und frohlockt, daß das Massiv der Blindheit, die wir sind,
wieder um etwas kleiner geworden ist.
* * * * *
Ich kann ebensowenig Briefe schreiben, wie Gespräche führen. Beides
verflacht mich und läßt mich in einem Zustand zurück, dessen
Unerquicklichkeit ich niemandem wünsche.
1913
Sprich du zu mir, mein höher Du!
Ich will mich ganz in dich verhören.
* * * * *
Großer philosophischer Moment während des Vortrags vom 27. August 1913:
ich sah einen Augenblick lang den Menschen (Steiner) als reinen, bewußten
_Willen_, sich allein durch ein ungeheures göttliches Vorwärts-_Wollen_ im
Leben und als solches Leben behauptend.