Nach einer Zoten-Posse

Je älter ich werde, einen desto tieferen, bittreren, inbrünstigeren

Widerwillen empfinde ich gegen die Zote. Weniger gegen die, welche etwa

von Mann zu Mann kursiert, obschon ich auch sie vollständig entbehren

könnte, als gegen die öffentliche Zote von der Bühne herab. Wenn plötzlich

Hunderte versammelter Menschen jede Scham voreinander verlieren und in

wiehernder Freude über eine nicht mißzuverstehende Andeutung

übereinstimmen, dann sinkt mir der Mensch unter das Tier und ein

schmerzlicher Unwille zieht mir das Herz zusammen.

Ich habe doch für vieles Leichtsinn und nicht zum mindesten für die Liebe

jeglicher Art, aber vor der berechneten Zote vergeht mir aller Übermut. Da

schaue ich nur in einen Abgrund von Gemeinheit und Häßlichkeit. Wir jungen

Männer, die wir etwas auf uns halten, sollten jenen Aufführungen

beizuwohnen nicht als uns angemessen erachten und am wenigsten Weiber, die

wir ehren, mit uns in jene niedrige und widerwärtige Sphäre hinabziehen.

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Mein Skeptizismus ist vielleicht gerade das Charakteristische des

philosophischen Dilettanten. Der philosophische Dilettant ist immer

schnell am Ende aller Dinge, weil er nur die Ergebnisse der bereits

gewonnenen Erkenntnis im Auge hat, ohne die Wege zu gehen, ja oft auch nur

zu kennen, auf denen jene erreicht worden sind.

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Jedes Jahr habe ich mindestens Eine Periode fürchterlichsten Zweifels an

mir selbst. Dann lebe ich mit beständigen Todesgedanken.

1897

Die Sehnsucht meines Lebens ist eine oft übermächtige Sehnsucht nach

praktischem Schaffen im Großen. Plastik wäre (und Architektur) mein

höchster Fall. Meine höchste Liebe galt immer dem Gegenständlichen, der

Linie, der Farbe, dem Ton an sich. Schon er allein vermochte mich zu

entzücken, wievielmehr erst seine organischen Verbindungen.

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Mein Hang zu philosophischem Nachdenken beruht auf der einfachen

Grundlage, daß ich in jedem Augenblick über das kleinste Stück Natur

irgendwelcher Art in höchste Verwunderung geraten kann.

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Dieser Norden! Da wacht man in der verheißendsten Stimmung auf.

Griesgrämig, grau, teilnahmslos ruhen die großen Augen der Fenster auf

dir, als wollten sie sagen: wozu regst du dich so auf? was willst du mit

deinen törichten Idealen? Alles ist eitel.

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Ich verbrenne an meinem eigenen Maßstab.

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Stufen: Eine Entwickelung in Aphorismen und Tagebuch-Notizen · 第 7 / 38 题