Edu. Das ist dein Lieblingston, du veränderst dich nie --

Mars. Ich habe diese standhafte Denkungsart meinem Unglücke zu danken.

Wär ich in Weichlichkeit erzogen, vielleicht würde mein Herz verzagt,

und meine Seele weibisch. Ich weiß, daß niemand ohne Zittern sich dir

nähert; doch ich bin ganz ruhig hieher gekommen, denn ich fürchte

nichts, weil ich nichts zu gewinnen, nichts zu verlieren habe. Dieses

Leben widmete ich tausendmal deinem Dienste, fast reut es mich ----

Edu. Ich dulde deine Kühnheit. Ich will dich hören. Ich will bis zu dir

herabsteigen. Was verweisest du deinem König? Denn ein Verweis drückt

deine Zunge ----

Mars. Wollte Gott, ich könnte itzt dein Lob absingen! Aber zum

Schmäuchler bin ich nicht gebohren. Herr, ich verlasse ein kleines

Landhäuschen, ich höre rings um mich das Gewinsel der Elenden. Da rufen

die Waisen um Brod; dort ringen die Wittwen die Hände; die gedruckte

Armuth seufzet in allen Winkeln; ich schleiche bestürzt in deine Burg;

ich finde sie entvölkert; die treuen Diener sind vom Dienste geworfen;

deine Freunde hast du verscheucht; weise thätige Bürger des Staats hast

du des Landes verwiesen; der Patriot segnet weinend sein Vaterland,

schüttelt den Staub von den Füssen, und eilet zur Gränze. Alles haßt

dich; du hast die Liebe deiner Unterthanen verloren; du bist ein Tyrann

einer gekränkten Familie, deren Thränen dich überall anklagen. Hörst du

die Klagen deiner Kinder; weist du den Jammer ----

Der Eroberer Eine poetische Phantasie in fünf Kaprizzen. Aus alten Urkunden mit neuen Anmerkungen · 第 38 / 57 题