Lus. Er hört niemand, als seine Speichellecker, seine Weiber, und seinen
unersättlichen Ehrgeiz! ---- O die verdammte Eroberungssucht!
Quodlibet.
Wenn lauter schlaue Spieler wären,
Wer würde der Gewinner seyn?
Wenn alle Mächtige die Welt zerstöhren,
Wer zieht den Vortheil ein?
Gewiß ist eine Welt zu wenig,
Weil alle Fürsten Helden sind.
Izt weht ein kriegerischer Wind.
Es kleidet sich ein jeder König
So furchtbar wie ein Herkules.
Die Großen sind izt lauter Krieger.
Ein jedes Königlein spielt einen Sieger,
Als wär er Alcibiades.
Die Fürsten grüßen auch mit Lächeln nur Soldaten,
Die dort im Feld die Aernde kühn zertraten.
Gar selten wird für den ein kalter Gruß beliebt,
Der seinen Staat beglückt, und Völkern Nahrung giebt.
Das eiserne Jahrhundert ist erschienen;
Die Erde scheinet mir ein Waffenhaus.
Man brüttet überall erwürgende Maschinen;
Werkzeuge, die nur zur Verheerung dienen,
Denkt izt der Witz der harten Menschen aus,
Die Erdensöhne zu zerstöhren,
Als wenn sie nur Insekten wären.
Wie wird die Menschlichkeit verhört,
Und die Vernunft geschändet und entehrt!
Sind denn die Großen ewig Narren,
Und bleibt ihr altes Steckenpferd
Der Lorbeer und ein Siegeskarren?
Dort hängt ein Räuber. Gute Nacht!
Du hast die Sache schlecht gemacht,
Muß man in Wäldern Solo fangen?
Du könntest izt am Hofe prangen,
Wärst du nur ein Politiker,
Und stünd um dich ein großes Heer.
Wer gab die höllischen Gesetze,
Daß jeder rauben kann, was ihm gefällt,
Wenn sich sein Nachbar nicht mit Macht entgegen stellt?
Das riecht nicht bloß nach Schulgeschwätze,
Es stinkt nach einem Höflingsbart.
Das bleibt so ein Geschmeis von Tygerart.
Sie zischen stäts den Fürsten in die Ohren,
Die ganze Schöpfung sey zu ihrer Lust gebohren.
O Himmel schmücke jeden Thron,
Mit einem weisen Salomon!
Und strafe nie die Welt mit herrschenden Genien,
Vor denen Myriaden Sklaven knien.
Ihr Nachbarn hört den feinen Fürsten nicht,
Der schmäuchelnd von Verträgen spricht,
Denn seine Majestät beliebt mit Euch zu scherzen,
Er hat das Gift in seinem Herzen.
Glaubt sicher, wenn er Euch nur Hochzeitlieder singt,
Daß er aus Neid schon euer Land verschlingt.
Große Lichter, kleine Kerzen!
Große Männer, harte Herzen!
War Attila des Adams ächter Sohn?
Wie, ehren Henker auch den Thron,
Die stäts nach Beute schielen?
Du Weib, bleib lieber ohne Frucht,
Die einen Helden trägt, den man gerecht verflucht.
Die Fürsten lieben sehr im Felde sich zu kühlen,
Und daraus folgert sich,
Daß sie wie Kinder gern Soldaten spielen;
So jagt man königlich!
Ein kleiner Edelmann hetzt seinen Haasen.
Seht, wie die Krieger froh auf unsern Weiden grasen!
Wir säen stäts, und kauen unsre Noth.
Die halbe Million der Menschenfeinde
Beraubet uns der Kinder und der Freunde,
Und frißt in Müßiggang recht trotzig unser Brod.
Wird denn der Pöbel ewig rasen?
Wie man die Thoren jauchzen hört!
Wenn der Monarch die armen Menschen tödtet,
Und manche Stadt wie ein Barbar zerstöhrt;
Indeß der Philosoph still seufzet und erröthet.
Wird wohl die Welt dadurch beglückt,
Wenn man auf einen Kopf zehn Kronen drückt?
Verewiget die Wahrheit mit dem Meissel;
Die Helden sind der Erde schwerste Geissel!
Das Bild des Titus und Aurelius
Verdient von Weisen einen Kuß.
Auf Alexander laßt uns speyen!
Stäupt Schmeichler, die dem Ehrgeiz Weihrauch streuen,
Den man verfluchen muß!
Scene.
Eduard, ein Kämmerling, hernach Marsis.
Edu. Lasset ihn nicht vor! Ich hasse seine Strenge; er ist ein harter
unbeugsamer Mann! Fort! ---- Wer trit wider meinen Willen ein?
Mars. Ich habe oft den Zutrit begehrt; aber deine Diener verweigerten
----
Edu. So war mein Befehl!
Mars. Das wollte ich aus deinem Munde wissen. Ich gehe wieder. Ich habe
die Freystäte des Friedens verlassen, und bin hieher geeilt, dich zu
sehen, denn du nanntest mich einst deinen Freund. Nur zwey Worte mein
König, und dann mein Lebewohl, meinen Abschiedsgruß! ---- Ich bin hieher
gekommen meinen königlichen Freund zu sehen; aber ich finde ihn nicht
mehr. Jenen grossen Eduard kannte ich, dessen Herz der Thron der
Menschlichkeit war; dessen Ohr beym Geschrey des Elendes sich
herabneigte; dessen Augen von edlen Thränen sanft überflossen, wenn er
seine Bürger leiden sah; Fürst, das war ein Mann! So einer kömmt nicht
wieder! Er war die Zierde des Thrones, die Säule des Vaterlandes, und
die Wollust seiner Völker! ---- Aber Ach! Er ist todt! ---- Du kennst
denjenigen, der an seine Stelle trat ----