Edu. Du machst mich neugierig kleine Schwätzerinn ----

Did. Hör die Erklärung:

(Sie singt.)

Dein Heldenhaupt umgiebt so manche Krone;

Doch keine lässest Du zur Erbschaft einem Sohne.

Aus deinem Stamme sproßt ein edler Zweig hervor,

Der trägt als Baum die Wipfel hoch empor.

Sey gütig Fürst, denn du betrübst viel Mütter!

Du bist den Königen zur Last,

Und in der Welt ein böser Gast.

Viel Feinde hassen dich, und du schenkst deine Güter,

Dem Feinde, den dein Herz am meisten haßt.

Edu. Geh! Du bist eine Lügnerinn!

Did. Die Zeit wird mich rechtfertigen!

Edu. Da nimm diesen Ring! Trag ihn zu meinem Angedenken! Besuch meinen

Hof, und ich will dir und den Deinigen wohl gewogen seyn. Diesen Beutel

schenk ich deinen Brüdern und Schwestern. Lebt wohl! ---- Ein

wunderbares Volk! Die artige Sibylla!

Moralische Erzählung.

Voll Verdruß über die Welt legte sich Isidor in das duftende Gras unter

dem Schatten wohlthätiger Eichen. Komm süsser Schlaf, rief er, du

einziger Freund der Armen, laß mich die Erde und ihre Narren vergessen!

---- Izt hört er im nahen Gebüsche ein Geräusch; er horcht, und sieht

seinen Neffen mit einer Pistole sich nähern. Der Jüngling sprach mit

sich selbst; seine verstöhrte Miene, die gebrochenen Seufzer, die

Thränen im Auge, die wilden Geberden machten den alten Edelmann

aufmerksam. Rosalia wird mir geraubt! Ich muß sterben! So schluchzte der

junge Lindor, es ist für mich kein Trost mehr; von einem Landmanne

verachtet, mißhandelt zu seyn; das thut weh! Da bin ich Auswürfling des

Schicksals! Wo soll ich als Bettler Hülfe suchen? Selbst meine edle

Geburt wird mir zum Fluch! Ich will sterben! ---- Lebwohl Rosalia! ----

Halt ein! Rief hastig sein Onkel, indem er aufsprang, und sich der

Pistole bemächtigte, die er in die Luft schoß. Thor, was willst du thun?

sterben, wegen einer verliebten Grille sterben? ---- Faß Muth Junge!

Wenn oft die Noth am äussersten ist, lächelt uns Hülfe. Man muß nie

verzweifeln; sieh mich an! ---- Ich bin ein alter Schildknappe, mich hat

das Schicksal durch die Spießruthen des Elendes gejaget; mein Herz ist

morsch von den Streichen des Jammers! ---- Setze dich zu mir in das

Gras, erzähle mir deine Umstände, vielleicht kann ich dir helfen.

Sie setzten sich, und Lindor begann. Ach! mein theurer Onkel, ich bin

sehr unglücklich! Soll ein Bettler wie ich ein zärtliches Herz haben?

---- Und doch habe ich es wider meinen Willen. Ich liebe Rosalia die

Tochter des reichen Jonas. Sie liebt mich wieder. Ich kann ohne sie

nicht leben. Wir hielten lange Zeit unsere zärtliche Liebe geheim,

allein der alte Bauer beschlich uns; ich warf mich zu seinen Füssen, ich

beschwur ihn bey allem, was heilig ist; aber ich sprach zu einem Felsen.

Jüngling, du bist ein Bettler, ein Taugenichts ohne Aussicht! Und was

noch mehr ist, ein Edelmann! ---- Meine Tochter soll einen wackern

Landmann heurathen, der Brod verdienen kann, und hiemit ist der Handel

entschieden! Ein Mann wie ich spricht nur zwey Worte. Meine Tochter ist

schon verheissen. Geh Junge, such Kriegsdienste, wo man Edelleute

braucht; auf meinen Feldern arbeiten fleißige Landburschen. So rief

Jonas trotzig, nahm seine zitternde Tochter zörnend bey der Hand, und

ließ mich wie eine Bildsäule stehen. Wäre er nicht Rosaliens Vater, bey

Gott! ---- Aber eine sanfte Thräne von ihr, ein bittlicher Blick

schmelzt meine Rache nieder! ---- O mein Onkel, für mich ist kein Trost!

Der Onkel sprang auf. Ich will für dich etwas wagen, was ich für mich

selbst nicht thun würde. Wir sind arm, es ist wahr; aber wir haben alte

gerechte Ansprüche bey Hofe. Mein Vetter hat dem Könige wichtige Summen

vorgeschossen; ich habe die Schuldbriefe; ich will dem Könige die

billige Foderung erlassen, um für Dich einen Dienst zu erhalten. Dann

wollen wir sehen, was der stolze Bauer an Dir zu tadeln findet. Laß nur

mich gehn, ich bin ein Kerl, der Gehirne im Kopfe hat! Sey ruhig, bis

ich wieder komme! Willst du? ---- Küß mich guter Neffe, du sollst

glücklich seyn! ---- Wein nicht, leb für Rosalien! ---- Meine zitternde

Hand schreibt sehr unleserlich, Bursche, du schreibst schön, ich will

dir die Bittschrift an den König in die Feder sagen. Sie soll kurz; aber

kräftig seyn! ---- Eure Majestät, sollst Du schreiben, ich bin Isidor,

ein alter Invalide, ich habe dreyßig Jahre als ein ehrlicher treuer

Soldat gedient! ---- Das mußt du groß schreiben! ---- Ich habe einen

Neffen, der gut gewachsen ist, der Mutterwitz besitzt, und den ich

erzogen habe, weil sein Vater ein tapferer Biedermann auf dem Bette der

Ehre gestorben ist; ---- Ich bitte Eure Majestät für diesen

hofnungsvollen Burschen um ein Aemtchen, damit er ein hübsches Mädchen

heurathen kann, das er liebt, und das ihn wieder liebt. ---- Ich erlasse

Eurer Majestät aus Erkenntlichkeit die alte Foderung von

zweymalhunderttausend Gulden ---- (Ein hübsches Geld!) die mein reicher

Vetter dem Staat in bedrängten Zeiten vorstreckte; ---- Ich, wünsche

Eurer Majestät tausend Segen! ---- Das schreib Junge, und du bist ein

gemachter Mann! ---- Gelt soviel Verstand hast du in diesem alten

Schedel nicht gesucht? Ich bin ein Teufelskerl; für andere kann ich

alles; aber für mich selbst bin ich stumm wie ein Stock! ---- Ich weiß

nicht, ich bin gleich ein anderer Kerl, wenn ich für meinen Nächsten

arbeite. Geschwind Neffe, die Schrift, und dann nach Hofe!

Der alte Edelmann mit seiner Schrift und mit tausend Hofnungen beladen

eilte in die Residenz. Die Städter gafften ihn überall an, und lachten

über den Schnitt seines Kleides. Die Jungen liefen ihm nach. Er gieng

kaltblütig seinen Schritt weiter, und näherte endlich den königlichen

Gemächern. Niemand hört den alten Haudegen; die Wachen verspotten ihn.

So sind die Menschen, seufzt er. Mein Herr ich wünschte ---- Ha, wie der

Kerl lauft! ---- Aber sie mein Herr ---- Eure Gnaden! ---- Nur ein Wort

---- Bin ich denn eine Meerkatze? ---- Blitz und Donner! Die stolzen

Buben! Das sind ja keine Menschen, das sind ächte Waldteufel! ---- So

murmelte er unter den Zähnen, als ein Jagdhund durch die Gemächer lief,

und sich ihm freundlich näherte. Komm her du liebes Thier! Du beschämest

die Menschen, du würdigest einen armen Fremdling deines Blickes! ---- Er

streichelt den Hund, dieser wird dreister, er beriecht die Säcke, die

vermuthlich mit einem kalten Braten beschwert waren, er hascht spielend

im Hut die Bittschrift, und eilt wie der Blitz davon. Der Edelmann folgt

hastig mit bangem Geschrey; aber die Wachen stossen ihn zurück.

Die Bittschrift ist beym Henker! Rief der Edelmann; so gar die Hunde bey

Hofe sind Spitzbuben! Was werde ich meinem armen Neffen sagen? Wer

schreibt mir hier eine so kräftige Bittschrift? Verdammt! Ich muß wieder

in das Dorf zurück. Auf dem Wege will ich einen Vorwand ersinnen.

Indeß eilte der Hund mit seinem Papiere gerade in das Kabinet des

Königs, und legte es nach seiner Gewohnheit vor seine Füsse, denn Eduard

beliebte oft mit ihm wegen seiner besondern Artigkeit zu scherzen.

Eduard nimmt das Papier von der Erde, will es zusammenballen, beschaut

es neugierig, und liest. Er schüttelt den Kopf über das seltne Begehren,

und fragt die nächsten Höflinge um den Verfasser. Diese schweigen, und

gestehen ihre Unwissenheit. Eine so ausserordentliche Bittschrift läßt

mich ausserordentliche Menschen muthmassen, ruft der König, ich muß sie

sehen! Der Ort und die Namen sind hier verzeichnet, wir machen einen

Spatzierritt auf das Dorf!

Der Edelmann schlenderte noch griesgramend über den Zufall auf der

Heerstrasse fort, und verwünschte sein Unglück, als der König nur von

einem Höfling begleitet im gemeinsten Reutkleide sich ihm näherte, und

um den nächsten Weg fragte, der zum Dorfe führte.

Der König. Mein Freund kennst du auch im Dorf einen gewissen Isidor?

Isid. Der bin ich!

Der König, (der ihn steif beschaut, und lächelt.) Du selbst? Wo warst Du

mein Freund, wenn ich fragen darf?

Isid. Herr, ich war bey Hofe, wo Menschen und Thiere Spitzbuben sind!

Ich wollte das Nest um viel Geld nicht wieder besuchen. Doch der König,

der von allem nichts weiß, ist frey gesprochen.

Der König. Das ist schön gedacht! Dörfte ich wohl um eine Erzählung

dieser Begebenheit bitten, vielleicht kann ich Dir Dienste leisten.

Der alte Edelmann erzählte alles mit einer naifen Aufrichtigkeit, die

den König ergötzte, und er begehrte von ihm, er sollte ihn unverzüglich

zum Hause des alten Jonas führen. Sie nähern sich allmählich dem Dorfe.

Schon von ferne lauert auf einem Hügel Lindor auf seinem Stock gelehnt,

und erwartet mit Sehnsucht den Onkel. Er erblickt ihn kaum, so fliegt er

ihm mit zärtlicher Begierde entgegen, und ist voll Hofnung, weil er ihn

mit Stadtleuten erscheinen sieht. Der Onkel, der noch ein bischen

verlegen ist, winkt ihm nur, und sagt ihm einige Hofnungen zu. Der König

beschaut mit Vergnügen den schönen Jüngling, und freut sich schon im

Herzen über den Segen, den er bald über so würdige Geschöpfe ausgiessen

wird.

Man nähert dem Hause des alten Jonas. Rosalchen ist die Erste, die den

Fremden gastfreundlich entgegenhüpft. Sie war so schön wie ein Engel,

nur eine schwermüthige Blässe betrübte ein wenig ihr reizendes Antlitz.

Der König liebkosete dem Mädchen, das sanft erröthete, und ihrem Vater

rief.

Der König. Herr Jonas willkommen! ---- Auf ein Wort im Vertrauen! ----

Ich komm vom Hofe, der König ----

Jon. Unser König soll leben! ---- Bedarf Er Steuern? Er soll fodern,

mein Gut steht zu seinem Dienste!

Der König. Meinen Dank in seinem Namen! ---- Du bist ein Biedermann!

Jon. He! Rosalchen, ein Glas Wein! ---- Von meinem Faß! ---- Nehmen sie

Platz mein Herr! ---- Also was beliebt?

Der König. Der König befiehlt ihm seine Tochter dem jungen Lindor zu

geben ----

Jon. (springt auf) Der König befiehlt mir, meine Tochter dem Lindor zu

geben? ---- Befiehlt? ---- Herr, da hat der König unrecht! ---- Ich bin

Vater! ---- Des Herrn Gesundheit! ---- Trink der Herr! ---- Aber der

König hat unrecht!

Der König. Herr Jonas, sein Wohlseyn! ---- Jungfer Rosalchen soll leben!

Jon. Schönen Dank! Aber der König hat unrecht, einem Vater zu befehlen!

---- Bey meiner Seele der König hat unrecht!

Der König. Mein lieber Jonas, bedenk dich wohl!

Jon. Was bedenken? der König hat unrecht! Das ist meine Tochter! Lindor

ist ein Bettler, und der König hat unrecht!

Der König. Der König hat recht! Hör Vater Jonas: Der König ist dem

jungen Lindor zweymalhunderttausend Gulden schuldig ----

Jon. Ey möglich?

Der König. Der junge Edelmann war so großmüthig, dem König die Schuld zu

schenken ----

Jon. Er soll leben! ---- Izt hat er meine Gnade!

Der König. Der König kann von einem armen Unterthan das Geschenk nicht

annehmen ----

Jon. Was thut also der König? ---- Unter uns! ---- Trink der Herr!

Der König. Er läßt ihm das Kapital mit dem Interesse auszahlen, und

schenkt ihm noch zur Belohnung für die treuen Dienste seiner Ahnen ein

gutes Aemtchen. Dazu wünscht er also ----

Jon. Schön! Sehr schön! Aber der König hat doch unrecht! Ich gebe meine

Tochter keinem Edelmann, das habe ich geschworen. Ich bin ein Bauer, der

König hat unrecht. (Er schlägt auf den Tisch).

Der König. Lieber Jonas, der König hat recht! ---- Der König hat dich in

den Adelstand erhoben, befreyet dich von allen Steuern, und kann also

deine Tochter als ein Fräulein unmöglich einem Bauer geben; er wählt

diesen würdigen Edelmann, der König hat recht!

Jonas, (der sich staunend bedenkt.) Der König hat mich geadelt? ----

Mich?

Der König. Das ist gewiß! Es lebe der edle Jonas?

Jon. Meine Tochter wäre also ein Fräulein?

Der König. Wer sie nur ansieht, gesteht es. Sie ist ein Engel!

Jon. Nur noch eine Frage, wenn es erlaubt ist ---- Wer ist der Herr?

Der König. Ich bin der König!

Jonas (der den Hut vom Kopfe reißt, und ihm zu Füssen stürzt.) Eure

Majestät izt habe ich unrecht!

Der König, (der ihn liebreich emporhebt.) Nein Jonas, du hast recht!

Steh auf! Setze dich! ---- Ich komme nicht dich zu zwingen, du bist

Vater, du kannst die Hand deiner Tochter verschenken, aber ich komme zu

dir als ein Freund, dich zu bitten; sieh ein würdiger Jüngling liebt

dein Kind, und dieses süsse Mädchen liebt ihn. Willst Du als Vater zwey

verbundene Herzen trennen?

Jon. O Eure Majestät, ich habe nur Thränen zur Antwort! Ich habe

unrecht, Eure Majestät haben allezeit recht! Segen auf Euch meine

Kinder! O welch ein glücklicher Vater bin ich, da mein Landesfürst

selbst mich würdiget, unter mein Strohdach einzutreten, und mich und

meine Familie zu beglücken. He Rosalia!

Rosalia, Lindor, und Isidor schlichen zu. Andere, Landleute horchten

neugierig, und der König verband die jungen Verliebten. Sie stürzten zu

seinen Füssen, und die Segenswünsche tönten aus dieser glücklichen Hütte

bis zum Throne.

Anekdote.

Eduard liebte Salinien täglich mehr. Umsonst war seine angewandte Mühe,

sie zu vergessen; umsonst wandte der bescheidene Alsin und seine schöne

Tochter selbst alle Vorsicht an, die siegenden Reize bey allen

Gelegenheiten dem Auge des gekrönten Liebhabers zu entziehen. Eduard

liebte, und entschloß endlich nach langem Kampfe die Tugend dieses

würdigen Ministers, und seiner Geliebten zu krönen, und seinen Thron mit

diesem weiblichen Kleinod zu schmücken. Der ganze Hof rüstete sich

bereits zu dieser Feyerlichkeit, und man erdachte ausserordentliche

Feste. Unter andern Schauspielen erschien ein allegorischer Tanz.

Ballet.

Die Scene ist eine gebirgigte Gegend mit Bäumen umgeben, in der Mitte

eines Hügels raget über dem Tempel der Weisheit eine prächtige

Sternwarte hervor. Beym goldenen Thore sitzt der Vorsteher, und

begrüsset die ankommenden Weisen und Sternkündigen, welche mit Büchern

und Ferngläsern belastet erscheinen. Sie drücken alle ihre Begierde aus,

neue Entdeckungen zu machen, wodurch sie ihre Unsterblichkeit erreichen.

Izt erscheinen viele Weiber mit Büchern und Sehröhren, und wollen ganz

dreist in den Tempel treten. Der Vorsteher erstaunt, und dräut den

Verwegnen, die als profane Geschöpfe diese Freystäte der Weisheit

entheiligen wollen. Er eilt zornig in den Pallast, und verriegelt die

Thore. Umsonst flehen einige Mädchen eingelassen zu werden. Sie stehen

alle beschämt und weinen.

Amor fliegt aus einer Silberwolke von Täubchen umflattert, und tröstet

die betrübten Schönen, indem er ihnen einen Plan überreicht, wodurch er

ihnen die nahe Zusammenkunft des Mars und der Venus eröfnet. Er pocht

kühn an den Tempel, und fodert die stolzen Weisen zum gelehrten Streit

auf. Sie erscheinen mit einem spöttischen Lächeln über den Knaben. Amor

forscht um ihre neuen Entdeckungen, und sie gestehn ihre Unwissenheit.

Izt zeigen die Mädchen ihren Plan mit siegreicher Zufriedenheit. Die

Weisen erstaunen, und umarmen sie als gelehrte Schwestern die würdig

sind, in ihre mystischen Kreise zu treten. Sie drücken alle ihre Freude

über diese glückliche Vereinigung aus, und eilen auf die Sternwarte,

diese wichtige Verheissung erfüllt zu sehen.

Die Gegend verwandelt sich in einen prächtigen Sternensaal. Der

Abendstern und einige Planeten erscheinen in goldenen Kleidern, welche

von Diamanten blitzen; sie versammeln die mindern Sterne, und rüsten

sich zur feyerlichen Bewillkommung ihrer hohen Gäste. Mars erscheint

endlich mit einem furchtbaren Kriegsgefolge: Venus von Grazien und

Liebesgöttern umgaukelt begegnet ihm. Sie erblicken einander, erstaunen

über ihre ausserordentliche Schönheit, sind von Freude hingerissen, und

umarmen sich freundschaftlich. Sein kriegerisches Gefolg hält ihn zwar

zurück; aber sie werden von Grazien entwaffnet, und sinken in die Arme

der Huldgöttinnen. Amor erscheinet, und bindet mit duftenden Rosenketten

die edlen Verliebten, und die bräutliche Vereinigung der Venus mit dem

Mars giebt Anlaß zu einem feyerlichen Tanz. Mars und Venus drücken durch

entzückte Geberden ihre zärtlichen Empfindungen aus, und alle Uebrigen

ergiessen ihre Wollust in zierlichen Reihentänzen. Beide Gottheiten

eilen zum Braut-Lager.

Plötzlich verschwindet die Gegend, und unter einem nächtlichen

hellgestirnten Himmel erscheint auf der Erde eine glänzende Denksäule.

Alle Sternkündigen, Männer und Weiber eilen herzu, und umgeben staunend

die Pyramide; der Vorsteher schreibt mit goldenem Griffel die seltne

Begebenheit in feurigen Zügen auf das Ehrenmaal. Amor erscheint, bringt

das Bildniß Eduards, und Saliniens unter der Gestalt des Mars und der

Venus, und hängt die Gemälde mit Lorbeern und Myrthenkränzen auf die

Ehrensäule. Alle Gegenwärtigen stürzen zur Erde, und schliessen den

Ballet mit einer Huldigung.

Allegorische Scene.

Die Schönheit, Aglaja, Euphrosine, Thalia, und Amor.

Die Schönh.

Wie, Schwestern, folgt ihr mir?

Entreißt Ihr Euch den mütterlichen Küssen;

Könnt Ihr wie ich den Götternektar missen?

Agla.

Wir leben nie getrennt von dir.

Doch theure Schönheit, ich erstaune,

Sprich welche seltne Laune

Des grossen Jupiters schließt Dich vom Himmel aus?

Verdient wohl eine Welt Dich zu besitzen?

Wo ist die Stadt, wo ist ein Haus,

Wo pranget ein Pallast auf edlen Marmorstützen,

Der Dir zum Obdach schiksam ist?

Wie selig ist der Ort, den deine Lippe grüßt!

Die Schönh.

Ich will nicht lange mehr um eine Herberg suchen.

Dieß kleine Dorf umringt von hohen Buchen,

Soll stäts mein Aufenthalt auf dieser Erde seyn.

Euph.

So willst Du Dich o Schwester von uns trennen?

Wähl einen Sitz, wo wir auch wohnen können.

Ich heisse nicht das Landvolk zu gemein;

Nie schlich der eitle Stolz in unsre Herzen;

Einst pflegten wir mit Schäfern froh zu scherzen;

Doch jene Zeiten sind nicht mehr.

Die Dorfmagd kennt nicht unsre Reize.

Jedoch die Städterinn sucht uns mit Geize.

In grossen Städten wohnt die Schönheit würdiger.

Thalia.

O Schwätzerinn, Du machst mich lachen.

Was sollen wir am faden Putztisch machen?

Das ist das Grab für alle Grazien,

Da würde man uns sterben sehn.

Jedoch Freund Amor kömmt; der wird die Wohnung wissen,

Die wir mit Anstand wählen müssen.

Laßt uns dem holden Gott entgegen gehn.

Wir wollen ihn recht schwesterlich begrüssen.

Amor.

Willkommen Grazien! Gewünscht besucht ihr mich!

Kann der galante Zevs Euch einen Tag entrathen?

Gewiß berauscht er sich

Heut mit Ambrosia bey einem kalten Braten.

Die Juno, die so oft Euch Schwesterchen beschlich,

Sah Euch vielleicht mit ihrem Gatten spielen;

Ihr fächelt oft bey Göttern Feuer an;

Der Donnerer pflegt selbst auf Euch zu schielen,

Und seine Majestät beliebt sich abzukühlen.

Der Zufall freuet mich; ich habe manchen Plan.

Beym Styx! Ihr kommet mir, als wäret Ihr gerufen.

Die Wohnung wähl ich Euch, so gut man wählen kann.

Sie ist bequem, und ohne hohe Stuffen,

Auch nicht zu groß, und nicht zu klein.

Das Aug Saliniens, das selbst die Götter schufen,

O Schönheit soll für Dich die schönste Wohnung seyn?

Da thronst Du königlich! Ihr weisser Busen

Ist schon der Sitz der edlen Musen:

Und die benachbarten und hübschen Gegenden

Sind für Euch theure Grazien!

So könnt Ihr stäts beysammen wohnen,

Und jeden, der mein Mädchen sieht, belohnen.

Mein Plan gefällt gewiß, weil wir Euch lächeln sehn.

Besucht Salinien, und machet eine Probe.

Auf ihrer Wange blüht unschuldige Natur.

Da findet Ihr von Schminke keine Spur,

Genug ist es, wenn ich der Liebesgott sie lobe.

Eilt theure Grazien, und ziehet siegreich ein,

In ihrem Herzen will ich euer Nachbar seyn!

Hochzeitode.

Göttliche Schönheit, und ihr siegenden Tugenden

Werdet die Säule des Liedes, das ich Euch heilige.

Sehet, dort nähert die Braut eines Eroberers

Schüchtern, keusch, und jugendlich!

Nicht so reizend erschien Griechenlands Helena;

Auch nicht Aegypten dein Schmuck! Römerbezauberinn,

Dich beschämet ein Blick einer Salinia,

Welche die Tugend verherrlichet.

Täuscht mich ein gaukelnder Traum, nähert sich Venus selbst?

Aus dem Silbergewölk eilt sie mit Grazien,

Die Liebesgötterchen, und Täubchen umflattern sie,

Sie reicht den Gürtel Alsinien.

Töne hochzeitlich und süß goldenes Saitenspiel!

Der schönlokichte Gott reicht ihr den Myrthenkranz;

Seine Fackel entflammet siegende Zärtlichkeit,

Welche die Liebe verewiget.

Schüchtern erscheinet der Held, vor dem die Erde bebt,

Er blikt Salinien an, staunet und huldiget,

Leget den Lorbeerzweig ihr zärtlich zu Füssen hin,

Und begrüßt sie als Königinn.

Antlitz verschönernde Scham, zärtliche Liebe stralt

Auf der Wange der Braut, wie früh das Morgenroth.

Eduard krönet ihr Herz, den Sitz der Tugenden,

Sie sind fürstlicher Kronen werth.

Scene.

Kabinet. Eduard, Alsin.

Der Eroberer Eine poetische Phantasie in fünf Kaprizzen. Aus alten Urkunden mit neuen Anmerkungen · 第 27 / 57 题