Pir. Piron --

Lus. Der Name ist gnug! -- Er ist mein Landsmann, aus einer Familie, die

Helden zeugte, und ich nehme ihn mit Eurer Majestät Erlaubniß unter

meine Geschwader. Bruder Piron, laß uns zeigen, daß nur der Kopf und das

Herz tapfre Krieger macht!

Bardiet.

Arnold, Dietrich, Gotmayer, und andere Hauptleute. Hedwig Arnolds

Gattin, viele Jungfrauen, Krieger, Druiden, Barden, hernach

Adelreich und Gefolge.[5]

(Die Scene ist ein Schlachtfeld und die benachbarten Gegenden.)

Arnold. Lassen wir die Cherusker im Hinterhalt! -- Mäßiget eure

voreilige Hitze! ---- Erwartet das Zeichen des Angriffs! ---- Wir fallen

den Feinden in den Rücken!

Dietr. Kühn sind unsre Anschläge, noch kühner mein Vorsatz! -- Bruder,

wenn ich falle; so laß mich mit meinen Waffen begraben!

Arn. Der Prüfungskampf weissaget uns Sieg.[6] Mein jüngster Sohn hat den

Römer besieget!

Dietr. Sind es nicht erst zwey Monden, daß du ihm feyerlich die Waffen

reichtest?

Arn. Der Nämliche!

Dietr. Welche Hofnung reifet für Deutschland heran! Freund, meinen

Glückwunsch! ---- Du bist Vater edler Söhne! ---- Ha! Gotmeyer! --

Priester unserer Götter sey uns gegrüßt! ---- Was weissagen die Opfer?

Gotm. Sieg! -- Das Blut floß rein wie eine Quelle!

Arn. Bleib mit deinem Gefolge im Rückzug! Ich gebe Euch tapfere Haufen

zum Schutze. Verdoppelt eure Opfer, es ist heut ein entscheidender Tag!

-- Ihr Barden befeuert mit Kriegsgesängen die Herzen der Streiter! --

Die sichersten Gräben und die Wagenburg umringen die Freystäte der

Weiber und Kinder. ---- Hedwig, meine theure Hedwig, mein Lebewohl! ----

Ich lasse dich von Söhnen und Töchtern umringet!

[Fußnote 5: Den Musen sey Dank! Ich hasche mit Begierde diese gewünschte

Gelegenheit mein bischen Belesenheit in der Nationalgeschichte glänzen

zu lassen. In der ersten Hitze wollte ich einen ganzen Band von den

Sitten und Gebräuchen der Deutschen schreiben; aber endlich habe ich bey

kälterm Blut meine Leser begnadigt, und mich auf einige Kleinigkeiten

beschränkt. Welche großmüthige Gefälligkeit von einem Kommentar! Oft bin

ich willens meine Leser fühlen zu lassen, was es ist, ein Kommentar zu

heissen. Der Dichter geht hier mit einem magischen Sprunge von einer

modernen Schlacht in eine Altdeutsche über, und verändert nach seinem

Belieben die Namen selbst. Adelreich ist Eduard, und die übrigen sind

seine Obersten.]

[Fußnote 6: Sie liessen einen Deutschen und einen gefangenen Römer

fechten, und der Ausschlag des Zweykampfes war ihre Weissagung.]

Hedw. Der Segen der Götter begleite dich, Freund meines Herzens! Das ist

ein Tag wie mein Brauttag! Ich sehe den Gatten und die Söhne für das

Vaterland streiten! -- O mein Sohn Adolph, Segen auf dich! -- Die

mütterliche Thräne ist mein wärmster Glückwunsch! -- Götter, lasset

seinen Sieg zum allgemeinen Siege werden! -- Junger Adler, flieg den

raschen Fittigen deines Vaters nach!

Arn. Dank Weib für diesen Segen! -- Meinen Abschiedskuß! -- Der Führer

kömmt!

Adelr. Willkommen, meine theuren Freunde! -- Der warme brüderliche

Handschlag sey unsere Loosung! ---- Der Feind nähert; unsere ersten

Haufen beunruhigen seinen Zug! -- Freymund, wende dich links in das

Eichenthal! -- Tuder, zieh dich gegen das Harzgebüsche! Vangio, behaupte

die Spitze des Mondhügels! -- Ihr andern bedeckt die Wagenburg und den

Altar! -- Gotmayer --

Gotm. Wie soll ich die Verbrecher strafen?

Adelr. Verräther hänget auf die Bäume; Verzagte ersäufet in den Pfützen!

-- So wird der schwarze Frevel an das Licht gebracht, und die Schande

begraben! ---- Ich höre Schlachtgeschrey -- Dort blinken die Adler der

Römer! ---- Zur Schlacht!

(Er geht ab mit seinen Kriegern.)

Gotm. Druiden beginnet das Schlachtopfer! -- Ihr Jungfrauen befeuert mit

euren Kriegesgesängen die Krieger!

Chor der Jungfrauen.

Sehet die dräuenden Schaaren! Sie wanken daher

Wie die goldenen Aerndten im Felde,

Furchtbar den Feinden, uns aber hochzeitlich schön!

Seht, sie bevölkern das schreckliche Todesthal,

Das die Besiegten verschlingt!

Auf, ihr Cherusker, Gelonen, ihr Heruler auf!

Katten, ihr Ubier, ihr Markomannen,

Auf ihr Gothonen, ihr Sueven, ihr Hirrier eilt!

Ha! Schon brüllet das Schlachtgeschrey fürchterlich;

Häufiges Feindeblut fliesst!

Sehet, sie klettern auf Leichen und Schedeln empor!

Und die zermalmten Iberier röcheln,[7]

Unter dem Hufe des schnaubenden Rosses! O jauchzt

Freudengesänge dem siegenden Helden zu,

Der unser Vaterland liebt!

Wodan, durchmähe mit grimmigem Schwerte das Feld;

Schrecke die staunenden Schaaren der Feinde,

Mit dem Donnergebrülle der Räder; laß sie

Eilen mit Schande zur ewigen Todesnacht,

Die nie Vallhalla bewohnt.

Gotm. Unsere feurigen Katten stürmen schon unter die Feinde! ----

Opferknabe, steig dort auf die höchste Eiche! ---- Was siehst du?

Der Jüngling. Die Römer weichen! ---- Nein, es sind ihre Bundesgenossen

----

Gotm. Wo ist Adelreich?

Jüngl. Er wirft ganze Geschwader zu Boden! ---- Alles weicht seiner

Tapferkeit!

Gotm. Segen auf sein Haupt! Wie geht es am rechten Flügel?

Jüngl. Da fechten die Römer hartnäckig!

Gotm. Barden, wendet Euch dahin! Beginnet ein feuriges Schlachtlied!

[Fußnote 7: Iberier, Spanier als Bundesgenossen Roms vertreten hier auch

einen Theil der Feinde.]

Chor der Barden.

Fasset die goldenen Saiten, ihr Barden;

Lockt feurige Töne hervor!

Röchelt ihr Hörner den Feinden zum Schrecken!

Vaterlandsliebe befeuert

Uns, und das schlachtenbegierige Heer!

Die Alrunen[8] weissagten uns Siege;

Der silberne Vollmond ruft uns![9]

Suchet ihr Kämpfer das winkende Schlachtfeld,

Das eure Väter verewigt,

Und die Römer mit Schande bedeckt!

Hier faulen sklavische Zeichen des Liktors,

Die goldenen Adler sind in

Morschen Ruinen der Schlösser begraben;

Römergebeine bedecket

Auf der Fläche der blutige Sand!

Da fand einst Caßius dräuende Sieger;[10]

Der rühmliche Bojorix schlug

Scaurus den Führer der Römerchohorten;[11]

Die Ambrionen verhöhnten

Vor dem Antlitz des Marius Rom.[12]

Denket zurück auf die blutigen Tage,

Da Deutschland den Führer verlor!

Mitten im feurigsten Treffen erhoben

Unsere Brüder den Kühnsten

Auf den eichenen Schilden empor!

[Fußnote 8: Alrunen sind Weissagerinnen, und kluge Weiber, die sie bey

Krankheiten und Staatsgeschäften zu Rath zogen.]

[Fußnote 9: Der Vollmond war die gewöhnliche Zeit ihrer Schlachten.]

[Fußnote 10: Caßius Longinus ward von dem Führer der Tiguriner

geschlagen.]

[Fußnote 11: Der Feldherr der Cimbrer schlug den Aurelius Scaurus.]

[Fußnote 12: Marius vermied eine Schlacht. Die Ambrionen wurden so

dreist, daß sie gegen Rom zogen, und die Römer spöttisch fragten, ob sie

nichts an ihre Weiber zu bestellen hätten?]

Sehet die Schatten des Brennus, des Hermanns[13]

Sind Zeugen des ewigen Ruhms,

Zeugen des Lorbeers, der Euch izt erwartet!

Fechtet ihr Brüder, um Freyheit,

Löwen, zermalmet die Adler von Rom!

Der Jüngl. Unsere Cherusker stürzen hastig aus dem Hinterhalt! ----

Welch ein Metzeln! ---- Alles sinkt unter ihren Streichen! Die Römer

fliehn von allen Seiten!

Gotm. Sieg! ---- O Brüder, umarmet mich! ---- Sieg! -- Es lebe Held

Adelreich, es lebe Deutschland! -- Dank unsern Göttern! ---- Singet das

Siegeslied Skalden! Rüstet den Othinsbecher![14]

Adelreich. Die Römer hielten minder Stand! Ihre Bundesgenossen wichen

die Ersten! ---- Dank meine Freunde, ihr habt als Helden für das

Vaterland gefochten! ---- Ein Lorbeer mehr für Deutschland und Euch!

---- Die Feinde fliehen; man verfolge die Flüchtlinge! ---- Ein schöner

Tag! Lasset uns den Göttern die Erstlinge der Beute opfern! ---- Eilet

deutsche Sieger zum festlichen Siegesmahle!

[Fußnote 13: Die beiden Brenner und Hermann sind berühmte Helden der

Deutschen.]

[Fußnote 14: Der Othinsbecher ward beym Siegesmahle getrunken.]

Chor der Skalden.

Der Donnerer Manna schuf Wetter,

Sie wälzten sich über die Häupter

Der Römer und Deutschen hin;

Die zischenden Blitze durcheilten die Welt;

Der Donner traf Rom!

Izt lächelt für Deutschland die Sonne;

Izt höhnen die Enkel Tuiskons

Die Welteneroberer;

Dort werden die Römermanipel vertilgt,

Und füllen das Grab!

Alle Krieger.

Bringet das Urushorn jauchzend zum Mahle;

Leeret den Othinskelch, Sieger!

Trinket den Feinden Verderben,

Trinket Germaniens Heil!

Scene.

In einem Gezelt Lusian, ein Soldat, hernach der König Eduard.

Lus. Eil! Ruf mir den Wundarzt! (Der Soldat geht. Lusian setzt sich auf

einen Feldstuhl.) Mein Bein schmerzt mich, die Mähre traf mich gewaltig!

---- Eure Majestät sind Meister vom Schlachtfelde! Adler fangen keine

Fliegen!

Edu. Da ist mein Lusian! Willkommen! ---- Mann, du hast gefochten wie

ein Löwe! ---- Ich habe dich metzeln gesehn. Der Sieg ist unser! Dank,

warmer Dank! (Er schüttelt ihm die Hand.) Begehr izt eine Gnade! Fodre

ein Königreich! Ich bin in der Freude meines Herzens! ---- Sag, was

wünschest du?

Lus. Ich? Wunderbar! -- Mir fehlt izt nichts als ein Stiefelknecht, denn

mein Pferd schlug aus, und streifte meinen Schenkel ----

Edu. Du brauchst eine Kleinigkeit. Heb deinen Fuß! ---- Die Nachwelt

wird sagen, nie hat man von einem Könige weniger begehrt! ----

(Er zieht ihm den Stiefel aus.)

Lus. Und nie hat ein König mehr geleistet! ---- Izt erkenne ich, daß du

ein großer König bist, weil du sogar Stiefel ausziehen kannst. Laß

diesen Stiefel in deine Wappen setzen, und heisse dich kühn den Grossen,

denn du hast mehr als alle Könige gethan! ---- Wenn alle Menschen einst

über deine Härte schreyen; soll mein Stiefel dein edles Herz

vertheidigen!

Edu. (indem er sich den Schweiß von der Stirne wischt) Das ist heut ein

heisser Tag! Schweiß auf Schweiß! ---- Aber mir ist izt so wohl um das

Herz. Wie die Feinde davon flohen! Freund, welch ein Sieg!

Lus. Freue Dich Held aller Helden, der Stiefel ist Deine gröste

Heldenthat! Dort blutet, hier jauchzet die Menschlichkeit! -- Dieß

Siegeszeichen soll Deine Schatzkammer schmücken!

Scene.

Ein Vorhof. Eduard, Gefolge, ein Pferdjude.

Edu. Die feindliche Reuterey hat uns den Sieg zu leicht gemacht. Sie

wich beym ersten Angriff. Es ist Schande! Die Verräther verdienen

Strafe! Das tapfre Fußvolk des Feindes hat Wunder gethan, und würde uns

die Wahlstatt streitig gemacht haben. Man halte die Gefangnen gut! Es

sind wackere Leute; aber ihre Reuter sind Schurken! -- Was bringst du

Ephraim?

Der Pferdjude. Eure Majestät ich habe Pferde; so wahr ich lebe,

vortrefliche Stücke! -- Dieser Hengst lauft wie der Wind! Er kömmt aus

der Schlacht ----

Edu. (lächelnd) Das Pferd ist gekauft, wenn es in der Schlacht war, denn

so flüchtige Pferde sah ich nicht in meinem Leben.

Brief.

Marsis an seinen Freund Alsin.

Kann ich genug eilen dir die Thaten deines Eduards zu erzählen? Er kam,

sah, und siegte! Er überraschte seine Feinde. Lusian ist seine rechte

Hand, und Piron seine Linke. Welche Genien umringen unsern König! Ich

wünschte, du wärest Zeuge von der blutigen Hauptschlacht gewesen. Eduard

wirkte Wunder. Nichts widerstand ihm. Lusian und Piron mußten das

feindliche Lager beschleichen, und machten beyde feindliche Könige zu

Kriegsgefangenen. Eduard zieht als Sieger in ihren Staaten herum. Du

liebst Anekdoten, die den edlen Charakter deines Durchlauchtigen

Zöglings entwickeln. Hör ein Pärchen in Eile, denn tausend andere soll

er dir selbst erzählen.

Die Gattinn eines Königes hatte sich in eine Festung geflüchtet. Wir

zogen vorbey. Eduard hielt nicht Stand. Unsere Obersten erinnerten ihn,

daß es nicht gut sey, eine uneroberte Festung im Rücken zu lassen. Ich

weiß es, sprach er gelassen; aber ich führe nicht Krieg mit den Weibern.

Er eilte vor die nächste Stadt, um sie zu belagern. Man rüstete schon

das schwere Geschütze. Der Magistrat flehte um Aufschub, bis sie von

ihrem Könige Befehl hätten, die Stadt zu übergeben, und baten unsern

Helden, er möchte indeß ihre kostbaren Büchersäle und Kunstgebäude

verschonen. Sie boten ihm Brandschatzungen. Eduard gab alles zurück,

ließ die Stadt unberührt, und gab den Rathsgliedern gütig zur Antwort:

Ich bekriege nicht die Musen!

Geschäfte zwingen mich zu schliessen. Ich sehne mich, dich wieder zu

umarmen, und bin u. s. w.

Scene.

König Theodor, König Friederich, Gefolge, Eduard, hernach ein

Dichter.

(König Theodor sitzt in einem Kefig, Friederich auf einem

Scheiterhaufen.)

Theod. Soll ich dem Sieger zum Gespötte dienen?

Fried. Will er mein Blut vergiessen?

Edu. Tyrannen, redlich kann ich mein Auge an eurer Strafe weiden! ----

Wie oft habt ihr meine Güte verhöhnt, meine Friedensvorschläge

verworfen, und das heilige Völkerrecht durch eure Grausamkeit entehrt!

Ihr habt meine Gesandten mit Schande und Hohngelächter zurückgesandt,

und meine gefangenen Krieger verstümmelt. -- Kann der Thron solche

Unmenschen schmücken? ---- Sprecht selbsten, wie soll ich nach so viel

Unbilden Euch behandeln?

Theod. Tödte mich!

Fried. Laß mich sterben!

Edu. Man mache sie frey! ---- Ich habe Euch gedemüthiget! Lernet, daß

Könige Menschen sind! -- Kehret in eure Staaten, nehmet eure Kronen

zurück, und löschet das Gedächtniß eurer vorigen Missethaten durch

glänzende Tugenden aus. Ich bin euer Freund!

Theod. Deine Großmuth ist grösser als alle Siege!

Fried. Ich erröthe nicht mehr über meine Niederlage; es ist rühmlich

unter königlichen Löwen zu fallen!

Edu. (indem er sie umarmt) Brüder, ich empfehle euch die Menschlichkeit!

(Indem Eduard sich entfernet, überreicht ihm ein Dichter eine Schrift.

Eduard liest, zieht einen Ring vom Finger, und überreicht ihn dem

Dichter.)

Edu. Ich vermähle mich mit den Musen!

Ode.

Welchen der Götter, und welchen der Helden

Singet ihr leyerbeherrschenden Lieder?

Nicht Macedoniens stolzem Eroberer,

Auch nicht dem weiseren Kämpfer am Rubikon

Tönet mein Siegespäan.

Ich will zu meinen erhabnen Gesängen

Meine Grundfeste unsterblich erbauen;

Wie auf zeittrotzendem Marmor erheben sie

Sicher das Haupt auf dir rühmlichste Tugend, und

Lächeln der Ewigkeit zu.

Viele denkwürdige Thaten entschlummern,

Weil sie des rühmlichen Dichters beraubt sind.

Aber Mnemosine, du überreichest mir

Arbeitbelohnende Lorbeern; ich kröne den

Grösten der Helden, der lebt!

Auf mein Geist! Spanne den goldenen Bogen;

Laß mich die Schönsten der Pfeile verschiessen,

Und mit beflügelter Eile die rauschendsten

Töne der Leyer entlocken, die göttliche

Thaten der Nachwelt posaunt.

Laß uns die heilige Rede beginnen!

Eduard, welcher von Königen stammet,

Liebet die Länderbeschützende Tapferkeit;

Ehret die Weisheit stets als die Erhalterinn

Eines aufblühenden Staats.

Lang hat sein weltenerschütternder Donner

Feindliche Städte bekriegt und zermalmet.

Staunend erzitterten ringsumher wohnende

Völker bey seiner herkulischen Tapferkeit,

Welche die Heere verschlingt.

Alle verehrten den Löwenbekämpfer,

Flehten mit Zittern die mächtige Huld an,

Und sie entflohn dem alles besiegenden

Schwerte durch Demuth. Er schonte die Reuigen,

Die er mit Füssen zertrat.

Angenehmlächelnder Friede, du Sohn der

Ewiggepriesenen Gerechtigkeit, bringe

Den diamantenen Schlüssel zum Thore der

Süssesten Eintracht, und lade gastfreundliche

Nachbarn an unser Gestad.

O laß den völkerernährenden Pflug, das

Weberschiff, und den kunstliebenden Meissel

Sichere Mauern bewohnen, und huldige

Unserm Eroberer, der dich verherrlichet,

Und dir den Tempel erbaut.

Aber ich schweige. Von Thaten zu singen,

Die selbst die göttliche Muse bewundert,

Ist für mich Kühnheit. Wer preist nicht die Heldenhand,

Die kein unschuldiges Blut noch entheiliget,

Weil es dem Vaterland floß.

Brief.

Eduard, an Alsin.

Die wenigen Augenblicke, welche mir meine häufigen Geschäfte frey

lassen, kann ich nicht besser verwenden, als wenn ich sie dem theuersten

meiner Freunde schenke. Aber was soll ich Dir sagen? Wenn ich Dir

wiederhole, wie sehr ich Dich liebe, sage ich Dir eine gewöhnliche

Sache. Von was soll also mein Brief handeln? Du liebst den Krieg nicht,

und ich bin mitten unter Feinden. Ein so gutherziger Philosoph wie Du,

hasset die blutige Zerstörung der Menschen. Es ist traurig genug für

mich Deinen Zögling, daß mich barbarische Feinde zwingen, Menschenblut

zu vergiessen.

Wir hatten wieder einen heissen Tag. Wir fochten mit Männern, denen ich

zum Ruhme nachsagen muß, daß sie tapfere Krieger sind, die Kenntniß und

Muth besitzen. Meine theuren Mitbrüder und Kriegsgenossen haben Wunder

gethan. Schade ist es, wenn einige Tropfen von so edlem vaterländischen

Blut vergossen werden! Welche Entschlossenheit, welche Treue, welcher

Gehorsam! Freund, so ein edler Krieger überwiegt hundert feile

Lohnbuben, die beym Anblick der ersten Gefahr zittern und entlaufen.

Ich sehe mich sehr oft in der traurigen Nothwendigkeit, die wackersten

Streiter wegen übertriebenem Eifer zu strafen. Zu einer solchen Schlacht

wünschte ich viele Könige einzuladen, damit sie lernten, was es ist, von

seinem Volke geliebt zu seyn. Wenn ich einst im Treffen falle; so sey

gewiß, daß kein Mann lebendig vom Schlachtfelde kömmt. Wenn ich winke;

so stürzen die Geschwader unter die Feinde. Meine vortreflichen

Kriegsleute rauben mir alles Verdienst. Von der tiefen Einsicht,

Erfahrenheit und Gegenwart des Geistes meiner Anführer kann ich nicht

rühmlich genug sprechen. Glückliches Vaterland, das so viele würdige

Helden hervorbringt, welche ihren König beschämen, und mich täglich

überzeugen, wie leicht mein Platz durch zehntausend Würdigere kann

ersetzt werden.

Das freywillige Geschenk, womit meine geliebten Unterthanen mich

überraschen, hat mich entzückt, es ist ein redender Beweis ihrer Liebe.

Ich habe die Bothen belohnt, und das Geschenk mit dem dritten Theile der

Beute zurückgesandt. Du sollst es meinen theuren Bürgern mit dem

regesten Dank austheilen, und sie alle in meinem Namen mit dem

väterlichen Gruß segnen. Es ist süß König über ein dankbares Volk zu

seyn.

Noch etwas für dich und deine Weltweisen! ---- Ich habe den besiegten

Feinden den Frieden wie ein Bruder den Brüdern angeboten, und wünsche,

daß sie weise genug sind, meine redlichen Absichten einzusehen. Mit

dieser frohen Nachricht, wobey du gewiß lächelst, schliesse ich meinen

Brief, indem ich Dich tausendmal umarme, und Dich versichere, daß Dich

ewig liebt ----

Dein Eduard.

Brief.

Lusian an Marsis.

Zwey Worte in Eile! Bald treff' ich dich im Lager. Der König verläßt

schon das Winterquartier, und will zeitig den Feldzug beginnen. Es wird

ein Stückchen Arbeit geben. Eduard hat sich schon von seinen Freunden

und Freundinnen gelezt. Gelegentlich muß ich dir ein artiges Histörchen

beyfügen. Er besuchte die schöne Salinia; sie unterhielt ihn mit

Gesprächen, indeß ihr liebkosendes Schooßhündchen zu Eduard schlich, und

unter dem sanften Streicheln seiner Hände entschlief. Er hatte dringende

Geschäfte, weil er eben Briefe erhielt. Er verweilte um den kleinen

Schläfer nicht zu erwecken. O! rief Salinia, du giebst den Thieren Ruhe,

und machst den Menschen so viele schlaflose Nächte! ---- Eine schöne

Bemerkung für die würdige Tochter eines Philosophen ----

Bald mehr! Ich habe dir noch tausend Dinge zu erzählen. Izt meinen

Bruderkuß! u. s. w.

Scene.

Ein Kabinet. Eduard, zu ihm Alsin.

Edu. O Salinia, du Perle deines Geschlechts, überall verfolget mich dein

Bild! ---- Du lehrest mein Herz die siegende Gewalt der reizenden Liebe!

-- Unwiderstehlich sind deine bezaubernden Züge, du hemmest den

schönsten Lauf meiner Siege! -- Ach! Umsonst locken mich die blühenden

Lorbeern, du fässelst mich hier an! ---- Eduard, erwache! Wie lang

schläfst du! ---- Welche feige Ruhe, welche Leidenschaft hält dich hier

zurück! ---- Weichling, wie niedere Plane schmiedest du! -- Was hoffest

du von Salinia? ---- Willst du sie ihrem Bräutigam entreissen? Kannst du

sie zur Königinn erheben? Gehörest du nicht deinem Volke; bist du nicht

an höhere Pflichten gebunden; können Fürsten nach ihrem Herzen wählen?

-- Oder willst du den würdigsten Gegenstand deiner Liebe abwürdigen;

willst du die reine Unschuld schlachten? -- Könntest du gegen deinen

Busenfreund, gegen deinen Lehrer so undankbar handeln, seine Tochter,

die Wollust seiner Tage, zu entehren, sein graues Haupt mit Schande zu

überdecken? ---- Eduard, wo bist du? steh auf! Sey groß! Sey tugendhaft!

-- Ich habe gesiegt! -- Salinia ist vergessen! Ich eile, im Geräusche

der Waffen meine Liebe zu vergessen; ich will Salinia nicht mehr sehen.

Ich werde bey nächtlichen Schatten von ihrem Vater mich letzen.

Alsin. Die kriegerischen Schaaren ziehen mit freudigem Jauchzen und mit

fliegenden Fahnen auf das Schlachtfeld der Ehre ----

Edu. Ich will sie begrüssen, und an ihrer Spitze dem Feinde entgegen

eilen.

Melodrama.

(Eine Laube. Salinia sitzt bey einem Marmortischchen, stützt mit einer

Hand ihr müdes Haupt, und hält mit der andern die Feder. Hernach

Eduard.)

Salinia.

Wie feurig dieser Busen wallt!

Wie ist mein Geist entflammt, beflügelt!

Und doch scheint mir ein jeder Ausdruck kalt ----

Nein dieser Brief wird nicht versiegelt!

(Sie zerreisst das Blatt und beginnt ein Neues.)

Wo ist die Flammenschrift,

Die meine heisse Liebe malet?

Wo ist ein Pinsel, der sich pralet,

Daß er das Ideal von meiner Sehnsucht trift? ----

Wie feurig fliegt vom warmen Herzen

Oft der Gedanke bis zur Hand!

Wie frostig schildert sie, was ich empfand;

Wie unempfindlich lallt sie meine Liebesschmerzen!

(Sie wirft die Feder weg.)

Vergebens ist mein thätiges Bemühn;

Nur Sylben stehen hier, der Geist fliegt hin!

(Sie steht auf.)

O Eduard, ich will dir nicht die Glut beschreiben,

Sie soll geheimnißvoll in meinem Busen bleiben!

(Sie betrachtet sein Bild)

O Meisterstück der zaubernden Natur,

Wie reissest du mich hin in ein Entzücken!

Ein sanfter Blick auf dich kann mich beglücken;

In dir find ich der Grösse seltne Spur.

Welch stolzes Adleraug, und welche Götterstirne!

O schließt man auf das Herz vom fürstlichen Gehirne,

Wie muß es groß und edel seyn! ----

Wie täuschend wiegt mich oft die süsse Hofnung ein,

Daß einst dein holder Blick mir lächelt! ----

O Zephyr, der so sanft um meine Haare fächelt,

Eil, flüstre leis ihm meine Triebe zu,

Der Zeuge meiner Glut, mein Busenfreund bist du!

Sag, daß Salinia die reinste Flamme nähret;

Stillschweigend sich um seine Gunst bewirbt;

Daß sie die Nachtigall stäts neue Seufzer lehret,

Daß sie hinschmachtet, schweigt und stirbt ----

Jedoch, warum soll mich die schönste Liebe tödten?

Ist nicht der Gegenstand ein Erdengott?

Warum soll ich beschämt erröthen?

Wo spricht ein dreister Mund mir Spott?

Von Eduard entflammt, wer wagt es mich zu höhnen?

So reine Liebe muß die Tugend selbsten krönen!

(Sie eilt fort, und zögert wieder)

Ich zeige dir mein Herz in seiner Unschuld bloß ----

Sey stolz mein Geist, dein Freund denkt groß! ----

Ach! Für mich viel zu groß! -- Izt fliessen meine Thränen --

Der Abstand lockt mir Zähren ab.

Der stille Harm gräbt mir ein schwarzes Grab!

O der Gedanke macht die Hofnungen verschwinden!

Verlassen, einsam steh ich hier!

Wo soll ich Trost, und wo ein Labsal finden?

Auch nicht die Zukunft schmeichelt mir! ----

O Liebe, doch kehr ich entzückt zu dir,

Denn du allein beherrschest grosse Seelen;

Selbst die Verzweiflung trennt uns nicht! ----

Hör Eduard, was meine Lippe spricht:

Izt will ich mich mit dir vermählen! ----

Dies sey mein Brautaltar!

(Sie setzt das Bild auf den Tisch)

Ihr Sterne hört! Euch ruf ich izt zu Zeugen!

Dich Laube, die so oft mein Lieblingstempel war;

Euch Aeste, die sich hold auf meine Scheitel neigen;

Euch Sänger, die ihr auch die stille Nacht

Mit warmer Zärtlichkeit durchwacht;

Dich blasser Mond, der mich so freundlich grüsset;

Euch Schatten, die ihr mich in eure Arme schliesset;

Ihr edlen Zeugen alle hört!

Was izt Salinia zum höchsten Himmel schwört:

Eh wird mein Geist dies Flammenherz verlassen:

Eh wird die Brust sich selbsten hassen:

Als meine Zärtlichkeit für Eduard sich schwächt!

Und wäre je mein Busen so vermessen,

Die frommen Schwüre zu vergessen;

So strafe mich der Gott, der Eide rächt!

Dir Eduard, will ich die ganze Liebe geben;

Dir schlägt allein mein Herz, dir will ich leben!

Wenn mich der erste Blick der Sonne früh begrüßt;

Und wenn der Abendstern die Tage schließt,

Will ich von dir erfüllt für dich die Stunden zählen;

Auch wenn die Nacht der Welt zum Schlummer winkt,

Soll nur dein Bild mein Herz beseelen.

Selbst wenn auf mich ein sanftes Träumchen sinkt,

Soll mich allein mein Eduard umschweben!

So will ich ganz allein dir athmen, hauchen, leben!

Ich bin mit dir vermählt! ---- Izt mag mein Vater dräun!

Izt mögen die Verwandten wüten,

Und ihre stolzen Plane brüten!

Ihr Freyer möget in Verzweiflung seyn!

Ich will mein Aug mit Worten nicht entweihn,

Die von profanen Flammen sprechen;

Fort Briefe, euer Stoff ist mir zu klein!

(Sie zerreißt alle Liebesbriefe)

Sieh Eduard, so will ich dich an ihnen rächen!

Mein Abgott, du allein bist warm geliebt;

Sieh wie Salinia dir stäts Beweise giebt.

Erkenne doch mit Dank die zarten Triebe;

Ich heische nichts von dir für so viel Liebe! ----

Ein Blick auf dieses Bild soll die Belohnung seyn.

(Man hört in der Ferne ganz leise eine kriegerische Musik)

Ach Eduard, du wirst uns bald entrissen!

Bald werd ich dich vom Feind umringet wissen.

Du eilst zur Schlacht, wo dir so viel Gefahren dräun!

O flieh Geliebtester, die blutigen Trophäen!

Mein Geist begleitet dich in jede Schlacht.

Oft muß ich dich verwundet sehen;

Oft schließt dein Auge schon die schwarze Todesnacht;

Ich rufe ganz bethränt dem kühnen Mörder zu;

Ich will den raschen Dolch von deinem Nacken reissen!

O Eduard, wie hart bist du!

Soll ich Geliebter, dich nicht grausam heissen?

Da du mir immer Stoff zu neuen Thränen giebst,

Und dich mein theures Gut so wenig liebst?

Jedoch, wie kann ich mich gerecht beklagen?

Erst muß ich dir die warme Liebe sagen.

Vielleicht entwafnet dich mein zarter Blick ----

Ich eile! ---- Ja, er soll die schönste Flamme wissen! ----

Wo eilst du hin? ---- Halt ein! ----

Du wirst verschmäht, verachtet seyn.

Soll wohl für dich sich Eduard entschliessen,

Den Lorbeer, den er liebt, zu missen?

Er, der die Liebe höhnt, der keiner Schönheit lacht,

Und selbsten mein Geschlecht, als schwach, verächtlich macht;

Der, wenn er nur auf stolzen Palmen thronet,

Die Zärtlichkeit und Seufzer nicht belohnet.

Was hilft es, wenn er auch die heisse Liebe weiß,

Verläßt er wohl für mich den Heldengleis? ----

So lebe wohl! Zieh hin! ---- Nimm meinen Segen,

Der aus dem Herzen strömt!

O schone dich; sey nicht verwegen;

Schenk dich der Thräne Fürst, die meine Seufzer hemmt!

(Sie stürzt auf die Knie)

O Himmel, hör geneigt die fromme Bitte!

Dich fleh ich izt für ihn um Schutz und Güte;

Zähl meine Tage seinen bey;

Und heischt dein Wille sein Verderben,

So laß Salinia für ihren Gatten sterben,

Laß ihn für dieses Opfer frey! ----

Geliebter Eduard, erblicktest du die Zähren,

Und möchtest du die Seufzer hören ----

Eduard (in der Ferne)

Er hört den Wunsch, und liebet dich!

Salinia.

Wer spricht? -- Wer kömmt? Mein Geist verwirret sich --

(Sie springt auf)

Jedoch wenn ich mich nicht mit Träumen täusche;

So hört ich hier ein flüchtiges Geräusche ----

(Sie blickt schüchtern herum, geht zum Eingang der Laube. Eduard

schleicht durch das Gebüsch, ergreift das Bildniß, besieht es beym

Monde, und stürzt Salinien zu Füssen, welche auf einen Rasensitz sinkt.)

Eduard.

Du liebest mich! Ich bin entzückt, berauscht!

Vergieb, ich habe dich von ungefähr belauscht.

Die Gegenwart soll dich nicht in Verwirrung setzen.

Ich wollte mich von deinem Vater letzen.

Ich wählte mir die stillen Schatten aus,

Und bey der Dämmerung beschlich ich dieses Haus.

Ich wollte dich und ihn mit regem Danke segnen,

Und zitterte dem Blick der Gottheit zu begegnen,

Die dieses Herz allein besiegt ----

Verschmähe nicht den Freund, der dir zu Füssen liegt ----

Salinia.

Du liebst mich Eduard? -- Ich fühle mich getrieben --

Mein Blick verräth das Herz -- O Theurer, laß uns lieben!

Sieh, wie mein Busen dir entzückt entgegen wallt! ----

Jedoch entreiß dich mir! -- Die Kriegstrompete schallt! ----

Ich höre meinen Vater kommen! ----

Lebwohl!

Eduard.

Den ersten Kuß! -- Der Abschied ist genommen!

Ich eile hin, und ärndte Lorbeern ein,

Bald will ich sie zu deinen Füssen streun!

(Sie umarmen sich, und trennen sich gewaltsam.)

Scene.

Ein Holweg. Eduard zu Pferde in einem schlechten Reutrock. Ein

Fuhrmann.

Edu. Wohin mein Freund?

Fuhrm. Gerade zum Maul!

Edu. Ist weit dahin?

Fuhrm. Zwey volle Stunden.

Edu. Was ist dein Amt?

Fuhrm. Ich muß Riesen füttern!

Der Eroberer Eine poetische Phantasie in fünf Kaprizzen. Aus alten Urkunden mit neuen Anmerkungen · 第 9 / 57 题