Mir in den Worten lag: »Du lieber Mann!«

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»Komm abends, Lieber, heut in meine Stube,

Wenn's dunkel wird. Ich hab dir was zu sagen.

Doch komm bestimmt! (Ich freu mich, wie ein Bube

Am Tag vor Heiligenabend!) Willst du fragen,

Verrat ich dir ... doch nein! Komm selbst und sieh!

Inzwischen freilich musst du's schon ertragen,

Dass ich unsichtbar bleibe. Dein Genie

Wird sicher sich die Zeit recht gut vertreiben,

Auch ohne mich! Bis abend also! ... Sie ...«

In meinem Zimmer morgens fand dies Schreiben

Ich an der Erde liegen, durch den Spalt

Der Tür hindurchgezwängt. Daheim zu bleiben

Schien mir unmöglich jetzt. So war ich bald

Schon unterwegs, den schmalen Pfad entlang,

Den sie so gerne ging, quer durch den Wald

Bis zum geborstnen Stein. Ermüdet sank

Ich hier ins Moos, und wo beim letzten Mal

Ihr liebes Haupt geruht, küsst' ich zum Dank

Mit heissem Mund die Erde. Süsse Qual,

Geliebtes Weh, wie füllst du mir die Brust!

Gedanken, Töne, Bilder ohne Zahl --

Und doch nur einer Regung mir bewusst:

Dass, wenn die Sonne dort hinabgestiegen

Im weissen Raum, der Wiege meiner Lust,

Ich wieder darf zu ihren Füssen liegen!

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Ein zaubrisch Bild aus Schönheit, Lieb und Licht,

Ein holdes Spiel von Phantasie und Leben --

Ein wacher Traum -- ein lebendes Gedicht --

Wie nenn' ich's nur? Vergebliches Bestreben!

Nur Worte gibt's! und Worte, ach, wie leer,

Wenn uns des Daseins Fülle ward gegeben.

Ich trat herein, herzklopfend fast; ein Meer

Von Kerzenglanz durchflutete das Zimmer,

So sieghaft hell, als wenn es Sonne wär.

Auf Tischen, Spiegel, Schrein und wo sonst immer

Ein Platz sich zeigte, festlich aufgestellt

Erglänzten Lichte; ihrem hellen Schimmer

Mit schlanken Gräsern schwesterlich gesellt

Erglühten rote Beeren, und die Wände

Bedeckten Zweige wie ein grün Gezelt.

Inmitten aber all des Lichts, als fände

Ich eine Märchenfee, in lichter Seide

Stand sie vor mir und reichte mir die Hände.

Kaum kannt ich sie! Von faltig weissem Kleide

Umflossen die Gestalt, das wunderbar

Die schlanken Glieder zeigte; breit Geschmeide

Um Hals und Nacken, Blumen in dem Haar

Und Blumen an der Brust; so stand sie da,

Wie ich sie nie gesehn. Ich aber war

Betäubt. Kaum weiss ich selber, was geschah,

Bis ich sie endlich fragte: ›Hexlein, sage,

Was treibst du hier?‹ Auf Zehen trat sie nah

Und flüstert mir ins Ohr: »An diesem Tage

Ward einst dein Lieb geboren.« ›Und du hast,

Du böse Liebste -- --‹ »Ei, sieh an! nun klage

Noch, Undank, gar! Du bist bei mir zu Gast!

Und ist nicht alles festlich hergerichtet?

Schau doch umher! Glänzt's nicht wie im Palast?

Hast du schon selber je so hübsch gedichtet

Mit Licht und Blumen? Undankbarer Mann,

Was schiltst du noch? Du bist zu nichts verpflichtet,

Wenn dir mein Fest missfällt, und Beifall kann

Ich gern entbehren.« Also plaudernd kehrte

Sie mir den Rücken. Doch mich packt es an

Mit heisser Glut, und meinen Küssen wehrte

Der scheue Mund sich nicht. Dann sprach ich so:

›Wie bist du reich! Was ich auch je entbehrte,

Heut erst, heut bin ich arm! Kaum weiss ich, wo

Ich Worte finde, würdig dir zu sagen,

Wie du mich glücklich machst!‹ »Des bin ich froh,

Denn schrecklich, glaub mir, wär das zu ertragen.«

›So darf ich gar nichts geben?‹ »Nein, Dein Blut

Scheint viel zu hitzig! Doch -- willst du es wagen,

So sag, dass du mich liebst, und dann ist's gut!«

›Die Zunge redet schlecht.‹ »So lass sie schweigen

Und sprich mir mit den Augen! Nein -- die Glut

Versengt mein Herz! Du sollst mir gar nichts zeigen,

Sollst glauben, dass ich eine Königin,

Vor der du, Page, stumm dich hast zu neigen.«

›Doch mancher Page trug gar hohen Sinn!‹

»Dafür ward er bestraft.« ›Doch _nach_ dem Lohn,

Den ihm die Königin gab!‹ »Ich aber bin

_Die_ Königin nicht! Der Menge Spott und Hohn

Ertrüg ich leicht! Doch bitter muss sich's rächen,

Stösst man sein eignes bessres Selbst vom Thron.

Woge und Wind: Eine Strandnovelle in Versen · 第 12 / 27 题