zweimal täglich.
Indianischer Hanf ist ein ausgezeichnetes Heilmittel und mag in
Aufgußform gebraucht werden. Auch wird es sich als sehr erfolgreich
erweisen, wenn der Patient viel vom Aufguß des Mutterkrautes
(~Feverfew~) trinkt. Die affizirten Theile sollten täglich mit kaltem
Wasser, in welchem Salz aufgelöst ist, gerieben werden.
=Homöopathisch.= ~Rhus tox.~ und ~causticum~ sind werthvolle Arzneien.
Wenn die Lähmung durch Saftverlust hervorgerufen wurde, so gebe
~China~, ~Ferrum~, ~Sulphur~.
Wenn durch Zurücktreten eines Ausschlags oder gewöhnliche
Aussonderungen, so gebe ~Lachesis~, ~Causticum~, ~Sulphur~.
Wenn durch Schlagfluß -- ~Ipecac~, ~Lycopodium~, ~Lachesis~.
Wenn die Gesichtsmuskeln gelähmt sind -- ~Belladonna~, ~Causticum~,
~Graphites~.
Sind die Zungenmuskeln gelähmt -- ~Belladonna~, ~Stramonium~,
~Hyosciamus~, ~Opium~, ~Lachesis~.
Wenn die Armmuskeln -- ~Belladonna~, ~Nux vomica~, ~Opium~,
~Lycopodium~, ~Lachesis~.
Wenn die Muskeln der untern Gliedmaßen -- ~Cocculus~, ~Nux vomica~,
~Opium~, ~Stannum~, ~Silicea~.
In der Behandlung dieser Krankheit können Elektrizität und
Galvanismus mit sehr gutem Erfolg in Anwendung kommen. Der Patient
sollte viel in kaltem Wasser baden.
+Verordnung der Heilmittel.+ Nehme von dem betreffenden Heilmittel 1
Dosis (4 Kügelchen) zwei- oder dreimal täglich.
+Bemerkung.+ Diese Krankheit sollte von einem Arzt behandelt werden.
Säuferwahnsinn (~Delirium Tremens -- Mania a Potu.~)
Diese Krankheit betrifft namentlich die Trunkenbolde.
+Symptome.+ Sie beginnt gewöhnlich mit Uebelkeit, Erbrechen,
Appetitlosigkeit, worauf bald unablässiges Geschwätz, Zittern der
Gliedmaßen, Ruhelosigkeit und Toben eintritt. Der Puls ist schnell und
die Symptome verschlimmern sich mit dem Fortschritte der Krankheit;
der Kranke schwatzt in einem fort, macht sich fortwährend mit dem
Bett zu schaffen, stellt sich vor, Personen, Schlangen, Hexen, Käfer,
Insekten &c. zu sehen. Er lacht und weint gleich darauf, und hat
schreckliche Visionen; seine Augen sind blutunterlaufen und haben
einen eigenthümlichen Ausdruck; das Gesicht ist blaß, abgehärmt und
entstellt. Er mag am Schlagfluß sterben oder aus Schwäche oder nach und
nach dem Tod entgegen gehen.
+Ursachen.+ Die gewöhnliche Ursache ist die, wenn einer, der gewohnt
war, viel geistige Getränke zu genießen, plötzlich davon absteht;
auch trifft den Trunkenbold diese Krankheit manchmal mitten in seinem
liederlichen Leben. Gewöhnlich tritt das Delirium 4 bis 5 Tage, nachdem
die durch das Getränk erzeugte Aufregung vorbei ist, ein.
+Behandlung.+
=Eclectische und Kräuterkur.= Dr. John King empfiehlt das folgende
Mittel:
Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of Quinine~) 8 Grane.
„ Morphium (~Sulphate of Morphine~) 1 Gran.
Mische dieses und bereite vier Pulver daraus. Dosis: 1 Pulver jede
Stunde, oder bei sehr heftigen Anfällen alle halbe Stunde für die
ersten zwei oder drei Tage. Nachdem man mit diesem Pulver eine
Zeitlang fortgesetzt hat, sollten die Zwischenräume verlängert
werden, damit das Morphium den Organismus nicht zu sehr affizirt.
Bald nach dem Einnehmen der ersten Dosis gebe man dem Patienten einen
Eßlöffel voll Brandy mit ein wenig Wasser und Zucker, was so oft als
nöthig wiederholt werden sollte. Auch mag Opium in Dosen von 3 Gran,
was alle Stunde für 3 oder 4 Stunden lang wiederholt wird, gegeben
werden. Anstatt Opium kann man auch Laudanum brauchen in Dosen von 60
Tropfen oder einem kleinen Theelöffel voll in ein wenig Branntwein,
was alle 1, 2 oder 3 Stunden wiederholt wird. Wenn der Patient sich
von dem Anfall erholt, gebe man ein Brechmittel von gleichen Theilen
Lobelia und Brechwurz (~Ipecac~). Man sollte dem Kranken den Genuß
kleiner Quantitäten Brandy oder anderer Spirituosen gestatten.
=Homöopathisch.= Opium ist das Hauptmittel. Man gebe 1 oder 2
Tropfen der verdünnten Tinktur alle 1 oder 2 Stunden wenigstens
während 24 Stunden. Andere Heilmittel, die nach diesem gebraucht
werden können, sind: ~Belladonna~, ~Nux vomica~, ~Hyosciamus~,
~Stramonium~, ~Digitalis~. Jede Arznei sollte wenigstens 24 Stunden
lang eingenommen werden. Dosis: 6 Kügelchen alle 3 bis 4 Stunden.
Wenn der Patient in wachendem oder schlafendem Zustande schreckhafte
Visionen hat und oft aufschreit, so gebe ~Calcarea carbonica~.
Wenn durch nichts anderes Schlaf hervorgebracht werden kann, so
verordne Arsenik und Lobelia, abwechselnd zu nehmen; eine Dosis alle
1 oder 2 Stunden
=Allöopathisch.= Gebe ½ Gran Morphium. Hat diese Dosis nicht den
Erfolg, den Patienten zu beruhigen, so verordne 30 Tropfen Laudanum,
alle 2 bis 3 Stunden, bis Schlaf eintritt. Der Kranke kann reichlich
Hopfenthee trinken und man gebe ihm 1 Gran Opium alle 3 oder 4
Stunden. Auch ist ihm der Genuß von Ale oder Porter zu gestatten,
oder Brandy in kleinen Quantitäten. Manchmal erweist sich ein warmes
Bad, in welchem der Kranke mehrere Stunden lang bleibt, sowie kalte
Umschläge um den Kopf sehr erfolgreich.
Fallsucht (~Epilepsy~).
Es sind die Kinder, die oft von der Fallsucht oder fallenden Krankheit
befallen werden. Dieselbe ist gekennzeichnet durch plötzliche
Bewußtlosigkeit und Zuckungen. Die Krankheit ist chronisch und endet
häufig im Wahnsinn.
+Symptome.+ Der Anfall tritt plötzlich ein, wobei der Kranke laut
aufschreit, niederfällt und bewußtlos wird. Er schlägt um sich, schäumt
am Munde, sein Gesicht färbt sich, er athmet sehr heftig und sein Kopf
wird von einer Seite auf die andere gezerrt. Die Augen öffnen sich oft,
stieren in die Welt hinaus und schließen sich plötzlich wieder; die
Zähne sind fest gegen einander gedrückt, wodurch Knirschen entsteht.
Manchmal geht dem Anfall ein sonderbares Gefühl voraus, das von einem
kühlen Wind oder kriechenden Insekt herzurühren scheint und welches
von den Gliedmaßen oder einem andern Körpertheil nach dem Kopf zieht,
und wenn es hier gefühlt wird, so tritt der Anfall ein. Dieses Gefühl
heißt man ~aura epileptica~. In manchen Fällen sind die Symptome jedoch
durchaus nicht so heftig und der Patient wird bloß für einen Augenblick
bewußtlos.
+Ursachen.+ Manchmal vererbt sich diese Krankheit, sie wird aber
auch durch Würmer, unverdauliche Speisen, Zahnen, geschlechtliche
Ausschweifungen, Selbstbefleckung, Störungen der Mutter, Hirn- oder
Rückgratskrankheiten, Nierenstein, Furcht, Leidenschaft und geistige
Leiden verursacht.
+Behandlung.+
=Homöopathisch.= Man hat zu verhüten, daß sich der Patient nicht
selbst beschädige. Die Kleider sollten an dem ganzen Körper geöffnet
und ein Kork oder irgend ein anderer weicher Gegenstand zwischen
die Zähne gebracht werden, um die Verwundung der Lippen und Zunge
verhüten. Während des Anfalls wende man nur soviel Gewalt an, als
nöthig ist, um den Kranken abzuhalten, sich wehe zu thun.
Das erste zu gebrauchende Mittel ist ~Belladonna~.
Ist das Gesicht dunkel und geschwollen, der Athem schwer und
schnarrend, so gebe ~Opium~, ~Stramonium~, ~Ignatia~, ~Hyosciamus~.
Auch kann ~Coffea~ verordnet werden, namentlich wenn der Anfall durch
Furcht, große Demüthigung oder andere Gemütsbewegungen herbeigeführt
wurde.
Wenn zahnende Kinder die Fallsucht bekommen, so verordne
~Chamomilla~, ~Coffea~, ~Hyosciamus~.
Wenn die Augen blutunterlaufen sind, der Mund schäumt und Gesicht wie
Glieder verzerrt sind, ~Cicuta~ und ~Stramonium~.
Wurde der Anfall durch große Aufregung, Würmer oder große Hitze
herbeigeführt und schreit der Kranke, indem er heftige Zuckungen hat,
mit den Zähnen knirscht und schäumt, so gebe ~Hyosciamus~, ~Ignatia~
und ~Cocculus~.
Ist der Anfall durch Unmäßigkeit im Trinken, oder geschlechtlichen
Genuß oder verdorbenen Magen verursacht, so verordne ~Nux vomica~.
Wenn Trunkenbolde von Epilepsie angefallen werden, ~Nux Vomica~.
Wenn entstanden durch Rücktritt eines Ausschlags, ~Ipecac~,
~Belladonna~ oder ~Cuprum~.
+Verordnung der Heilmittel.+ Gebe von der betreffenden Arznei eine
Dosis (6 Kügelchen) ein- oder zweimal täglich.
=Allöopathisch.= Während der Anfälle befolge man die bei der
homöopathischen Behandlung gegebene Weisung.
Der Stuhlgang muß in Ordnung gehalten werden, auch lege man
Senfpflaster längs des Rückgrats hinab. Baldriansaures Zink
(~Valerianate of zinc~) wird empfohlen. Man gibt anfänglich 1 Gran
zweimal täglich und vermehrt die Dosis allmählig zu 3 bis 4 Granen.
Auch wird Bromsaures Kalium (~Bromide of potassium~) empfohlen.
Dosis: Von 10 bis 20 Granen zwei- oder dreimal täglich und damit eine
sehr lange Zeit fortzufahren.
Die folgende Arznei ist werthvoll:
Citronensaures Eisen und Strychnin (~Citrate of iron
and strychnine~) 1 Drachme.
Orangenschalen-Syrup 2 Unzen.
Weiches Wasser ½ Pint.
Mische dieses und gebe einen Theelöffel voll dreimal täglich. Diese
Arznei stärkt das Nervensystem.
Man sagt, daß, wenn man ein schwarzseidenes Sacktuch über das
Angesicht des von der Fallsucht betroffenen werfe, derselbe sogleich
von dem Anfall befreit werde.
=Eclectische und Kräuterkur.= Während der Anfälle befolge man die bei
der homöopathischen Behandlung gegebene Anweisung:
Die folgenden Pillen werden sehr empfohlen:
Jod (~Iodine~) 24 Grane.
Belladonna-Extrakt 6 „
Schwefelsaures Morphium (~Sulphate of morphine~) 4½ „
Genug Syrup, um eine Pillenmasse zu bereiten. Reibe die Arzneien zu
einem feinen Pulver und füge alsdann den Syrup hinzu. Bereite 48
Pillen; Dosis: Eine Pille eine Stunde nach jeder Mahlzeit.
Zur selben Zeit gebrauche folgende Pillen:
Blausaures Eisen (~Prussiate of iron~) 4 Skrupel.
Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 4 „
Schwarzer Schlangenwurzel-Extrakt (~Extract of black
cohosh~) 4 „
Mische die Pulver gut, füge alsdann den Extrakt bei und bereite eine
Pillenmasse und aus derselben 48 Pillen, von welchen eine Stunde vor
jeder Mahlzeit eine zu geben ist.
Ein aus folgenden Substanzen zusammengesetztes Liniment wird gute
Dienste leisten:
Majoranöl (~Oil of origanum~) }
Pfeffermünzöl (~Oil of peppermint~) }
Amberöl } Gleiche Theile.
Kampher }
Stechapfelsamen-Tinktur (~Tinct. of Stram. seeds~) }
Mische dieses und reibe damit jeden Abend den Rückgrat ein.
In manchen Fällen wird der folgende Aufguß sehr gut wirken:
Schildkraut-Aufguß (~Infusion of scullcap~) 1 Unze.
Pfingstrosen-Aufguß (~Infusion of peony root~) 1 „
Baldrian-Aufguß (~Infusion of valerian~) 1 „
Pfirsichblätter-Aufguß 1 „
Sassafras-Aufguß 3 Unzen.
Von dieser Mischung hat der Kranke einen Theelöffel voll in einem
halben Pint kochendem, versüßtem Wasser öfters zu trinken.
Veitstanz (~St. Vitus’ Dance -- Chorea~).
Diese Krankheit kommt namentlich unter Kindern vor.
+Symptome.+ Die Krankheit affizirt die Muskeln der Gliedmaßen, des
Gesichts und anderer Körpertheile, und manchmal werden die Muskeln
dermaßen verzerrt, daß dadurch der Gang, das Sprechen oder das Essen
gestört werden.
+Ursachen.+ Würmer, starke Gemüths-Bewegungen, Schrecken, Fälle,
übermäßiger Geschlechtsgenuß, Selbstbefleckung und andere Ursachen, die
Schwäche des Nervensystems zur Folge haben.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Alle Veranlassungen zur Aufregung müssen entfernt und
vermieden werden. Der Patient muß sich viel in freier Luft bewegen,
gute Kost genießen und oft in kaltem Wasser baden.
=Allöopathisch.= Der Stuhlgang sollte mittelst eines milden
Abführmittels regulirt werden, und wenn das Nervensystem sehr
geschwächt ist, so gebe man das folgende:
Zink-Oxyd (~Oxide of zinc~) 2 Drachmen.
Schierling-Extrakt (~Extract of cicuta~) 2 Skrupel.
Mische und bereite 48 Pillen daraus. Dosis: Eine Pille dreimal
täglich.
Neuerdings hat man die Calabarbohne empfohlen. Dosis: Eine halbe
Drachme der Tinktur oder von 1 zu 6 Granen des Pulvers dreimal
täglich.
=Eclectische und Kräuterkur.= Ein Schildkraut- (~Scullcap~) Aufguß
wird sich als sehr wohlthätig wirkend erweisen. Der Patient sollte
täglich von ½ Pint bis ein Pint trinken. Auch der Mutterkraut-Aufguß
(~Infusion of feverfew~) ist werthvoll.
Ein Mittel zur Stärkung des Nervensystems ist das folgende:
Beinewurz (~Comfrey root~) 1 Unze.
Nardenwurzel (~Spikenard root~) 1 „
Columbowurzel ½ „
Enzianwurzel (~Gentian root~) ½ „
Kamillenblumen (~Chamomile flowers~) ½ „
Quetsche die Wurzeln und gieße ein Pint kochendes Wasser daran.
Ist die Masse kalt, so füge ein Quart Madeirawein bei. Dosis: ½
Weinglas voll drei- oder viermal des Tages.
Ohnmacht (~Fainting -- Syncope~).
Der Ohnmacht geht ein Schmerz in der Herzgegend, Schwindel im Kopf,
Verwirrung der Gedanken, kalte Hände und Füße, Dunkelheit der Augen
und Schwächerwerden des Pulses voraus. Das Gesicht wird todesblaß, die
Person wird mehr oder weniger bewußtlos.
+Ursachen.+ Was immer Schwäche, namentlich des Nervensystems, erzeugt,
plötzliche Ueberraschungen und Gemütsbewegungen, bedeutende Schmerzen,
große Hitze, gewisse Ausdünstungen &c.
+Behandlung.+
Man lege den Patienten auf den Rücken, lasse frische Luft zutreten,
spritze sein Gesicht mit frischem Wasser oder Ammoniakwasser und
reibe Arme und Beine. Unter die Nase kann man Kampheräther oder Essig
halten. Sobald der Kranke schlingen kann, gebe man einen Theelöffel
voll des zusammengesetzten Lavendel-Spiritus (~Compound spirits of
lavender~) mit 10 oder 12 Tropfen beigefügtem Ammoniak.
Personen, die Ohnmachtsanfällen ausgesetzt sind, sollten stark
besuchte Versammlungen, wo die Luft schlecht wird, meiden, keine
Cravatten, noch enge Kleider tragen.
=Homöopathisch.= Gegen die schlimmen Folgen, die ein Anfall
namentlich auf das Nervensystem haben mag, verordne:
Wenn der Anfall durch Schrecken verursacht: ~Aconite~, ~Opium~,
~Veratrum~, ~Staphysagria~.
Durch große Freude: ~Coffea~, ~Opium~, ~Aconite~.
Durch Zorn: ~Pulsatilla~, ~Nux Vomica~, ~Chamomilla~.
Durch große Schmerzen: ~Veratrum~, ~Aconite~, ~Chamomilla~.
Durch geringe Schmerzen: ~Hepar~, ~Sulphur~.
Durch Trauer oder Demüthigung: ~Ignatia~, ~Colocynth~, ~Phosphoric
Acid~, ~Mercury~, ~Staphysagria~.
Durch Furcht: ~Ignatia~, ~Pulsatilla~, ~Veratrum~, ~Opium~.
Durch Blutverlust &c.: ~China~, ~Carbo Vegetabilis~, ~Veratrum~. Auch
kann man ein wenig Brandy in Wasser geben.
+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen des gewählten Mittels
in einem halben Theelöffel voll Wasser auf und gebe einen Theelöffel
voll alle 5 oder 10 Minuten.
Tritt nach einer halben Stunde keine Besserung ein, so bereite ein
anderes Heilmittel und gebe es in derselben Weise.
Scheintod durch Hunger (~Apparent Death from Hunger~).
Hat eine Person durch Hunger bedeutend gelitten, so darf man ihr
anfänglich nicht zu viel Nahrung reichen, was tödtlichen Erfolg
haben könnte. Man spritze ihr vielmehr ein wenig Milch, Rind- oder
Hammelfleischbrühe ein. Sobald sie schlingen kann, gebe man warme
Milch, Tropfen nach Tropfen; nach und nach vermehre die Quantität, bis
der Patient einen Theelöffel voll zu nehmen im Stande ist. Darauf kann
man einige Tropfen Wein oder Brandy folgen lassen. Reis-, Gersten- und
Toastwasser kann auch gebraucht werden. Alle 10 oder 15 Minuten reiche
man Nahrung, und wenn der Patient besser fühlt, kann man Fleischthee
oder Fleischbrühe in kleinen Quantitäten reichen.
Scheintod durch Ertrinken (~Apparent Death from Drowning~).
Die folgende Methode wird von Marschall Hall angewendet:
1. Bringe den Patienten sogleich in freier Luft unter Behandlung, indem
man Gesicht, Hals und Brust dem Luftzug, außer in kalter Witterung,
aussetzt.
2. Um den Hals von Wasser &c. zu reinigen, lege den Betreffenden sachte
auf das Gesicht, indem das eine Handgelenk unter seine Stirne zu liegen
kommt, damit alle Flüssigkeiten sich aussondern und selbst die Zunge
aus dem Halse hängt, auf daß die Luft freien Zugang zur Luftröhre habe.
3. Um das Athmen wieder zu bewerkstelligen, drehe den Kranken ein wenig
auf die Seite und bringe reizende Stimulanten unter seine Nase, z. B.
verdünnten Ammoniak (~Ammonia~), Kampher &c.
4. Wärme das Gesicht durch tüchtiges Reiben und dann bespritze es mit
kaltem Wasser.
5. Ist die Behandlung bis hierher nicht erfolgreich, so verliere man
keine Zeit. Lege den Patienten auf das Gesicht und drehe den Körper
vorsichtig aber gänzlich auf die Seite und dann wieder aufs Gesicht,
und so abwechselnd. Wiederhole dies ruhig und nachhaltig, fünfzehnmal
in der Minute. Liegt der Patient auf dem Gesicht, so wird die Brust
durch das Gewicht des Körpers gedrückt, wodurch das Ausathmen befördert
wird, dreht man ihn auf die Seite, so wird dieser Druck dadurch
entfernt, was das Einathmen beschleunigt.
6. So lange der Patient auf dem Gesicht liegt, so drücke längs
des Rückgrats mit der Hand stetig aber fest und lasse damit nach,
unmittelbar ehe er wieder auf die Seite gedreht wird. Der Druck
beschleunigt die Ausathmung, das Drehen die Einathmung.
7. Reibe die Gliedmaßen tüchtig mit Ausübung eines festen Drucks und
mit Energie sowohl vorwärts als rückwärts, um den Blutlauf in den Adern
zum Herzen zu befördern.
8. Ziehe die nassen Kleider des Patienten aus und bekleide ihn
womöglich mit trockenen, wie sie eben beschafft werden können. Jeder
der Umstehenden liefere einen Rock, Mantel u. s. w. dazu. Während
dieser Zeit spritze man dem Kranken, um die Einathmung anzuregen,
kaltes Wasser mit der Hand ins Gesicht.
9. Reibe den Körper tüchtig, bis er warm und trocken ist, sodann
spritze kaltes Wasser darüber und beginne aufs neue zu reiben.
Scheintod durch Erfrieren (~Apparent Death from Freezing~).
Der Patient sollte sorgsam entkleidet und ganz mit Schnee überdeckt
werden, so daß blos Mund und Nase frei sind; sowie der Schnee schmilzt,
muß anderer aufgeschaufelt werden. Ist kein Schnee zu haben, so bringe
die betreffende Person in ein eiskaltes Bad und lasse sie 10 oder 15
Minuten in demselben. Sodann bringe sie heraus und bedecke sie mit
Säcken, die mit Eisstücken gefüllt sind. Sobald die Steifheit der
Muskeln etwas nachgelassen, trockne den Körper sorgsam ab und bringe
ihn in ein in einem kalten Zimmer stehendes kaltes Bett und reibe
den Körper unter den Bettdecken mit den warmen Händen. Hiermit muß
man stundenlang fortfahren. Sobald sich Lebenszeichen kund geben, so
spritze man ein kleines Kampher- und Wasser-Klystier ein, und lasse zu
gleicher Zeit einen Tropfen von Zeit zu Zeit auf die Zunge träufeln.
Aeußern sich noch mehr Lebenszeichen, so gebe ein kleines Klystier
von schwarzem Kaffee und Milch und flöße ihm das Gleiche in kleinen
Quantitäten durch den Mund ein.
Dieselben Mittel, die gegen Scheintod durch Ertrinken angegeben wurden,
mögen angewandt werden.
Scheintod durch Erhängen (~Apparent Death from Hanging~).
Die Person sollte sogleich vom Strick losgeschnitten und gänzlich
entkleidet werden, worauf man die Anweisung, die unter Scheintod durch
Ertrinken angegeben ist, befolgt.
Scheintod durch Blitzschlag (~Apparent Death from Lightning~).
Bringe den Körper in die frische Luft, gieße kaltes Wasser über
denselben und bedecke ihn, wenn möglich, mit Ausnahme des Gesichts
mit frischer Erde. Erholt sich der Patient, so bringe man ihn in ein
helles, sonniges Zimmer, wo er sich längere Zeit ruhig halten sollte.
Scheintod durch schädliche Dünste (~Apparent Death from Noxious
Vapors~).
Bringe den Körper in die frische Luft und begieße das Gesicht, den Kopf
und den ganzen Körper mit kaltem Wasser. Unter die Nase mag man starken
Essig halten. Die unter Scheintod durch Ertrinken gegebene Anweisung
sollte befolgt werden.
Scheintod durch einen Fall oder Schläge (~Apparent Death from Falls or
Blows~).
Mische 5 Tropfen Wolverlei-Tinktur (~Tincture of arnica~) mit
einem Trinkglas voll Wasser und gebe einen Theelöffel voll alle 2
oder 3 Minuten, bis mehrere Dosen eingenommen sind. Die durch den
Fall oder Schlag beschädigten Theile sollten mit einer Mischung
von Arnica-Tinktur und kaltem Wasser gewaschen werden. Auch mögen
Einspritzungen von derselben Mischung gebraucht werden.
Scheintod durch heftige Aufregung (~Apparent Death from Violent Mental
Emotions~).
Siehe Ohnmacht.
Zweites Kapitel.
Das Krankenzimmer.
Die Krankenpflege.
Das Krankenzimmer sollte groß und luftig sein und womöglich mit
den Fenstern nach dem Norden liegen; dabei sollten die Fenster so
eingerichtet sein, daß sie von oben herunter gezogen werden können. Ein
Kamin (nicht ein Ofen) im Zimmer ist vorzuziehen, da dies den Wechsel
der Luft befördert. Alle unnöthigen Möbel mögen entfernt werden und
womöglich wähle zwei neben einander liegende Zimmer mit einem Bett
in jedem, damit der Patient jeden Morgen und Abend von einem Bett
in das andere gebracht werden kann. Die Betttücher müssen sogleich
umgewendet und gehörig gelüftet werden. Auch die Matratze sollte öfters
gelüftet werden. Wichtig ist es auch, die Temperatur auszugleichen,
dieselbe sollte nie über 65 oder unter 55 Grad Fahrenheit sein und der
Kranke darf nie von einem Frostschauer überfallen werden. Ordnung und
Reinlichkeit müssen in einem Krankenzimmer streng beobachtet werden;
viele Dinge, welche zu anderen Zeiten unbeachtet bleiben, machen auf
den Patienten einen sehr üblen Eindruck. Die Stühle müssen sogleich
nach der Entleerung entfernt werden und das Bettzeug sollte alle zwei
oder drei Tage gewechselt werden. Die reine Bettwäsche lüfte und
trockne man gehörig, bevor man sie in Gebrauch nimmt. Bei Krankheiten
von langer Dauer und bei solchen von ansteckendem Charakter wechsele
man das ganze Bett und dessen Inhalt ein- oder zweimal während der
Krankheit.
Das Kochen in dem Krankenzimmer ist ganz unpassend und ebensowenig
sollte irgend eine Speise in einem Krankenzimmer oder in dessen
unmittelbarer Nähe aufbewahrt werden. Wenn es nicht unangenehm für die
Kranken, gestatte man dem Lichte freien Zutritt. Das Krankenbett sollte
in einer Matratze bestehen oder gehörig mit angefüllt sein; unter
keinen Umständen sollte man sich der Federn bedienen. Räucherungen und
Desinficiren sind in einem Krankenzimmer nicht statthaft. Es ist eine
allgemeine Regel, das, was immer die Luft vergiften könnte, wie die
Entleerung des Kranken, sogleich hinaus zu schaffen, und damit fällt
die Nothwendigkeit zur Räucherung hinweg.
Ferner ist es von Belang, Ruhestörungen zu meiden. Eine kranke
Person wird allenfalls das Geräusch auf der Straße und in der Nähe
des Hauses ertragen, während ein bloßes Flüstern im eigenen Zimmer
störend, vielleicht sehr schädlich einwirken kann. Lasse den Wärter
keine knarrenden Schuhe tragen und gestatte dem Kinde keinen Zutritt
in das Zimmer, noch den Aufenthalt in dessen Nähe. Alle Besuche oder
Unterredungen, die den Kranken aufregen oder ermüden, sind sehr
nachtheilig. Nie lasse man den Kranken aus dem Schlafe stören.
Die Wärterin sollte stets ruhig, kalt und gelassen und muß im Stande
sein, alle unangenehmen Gefühle zu unterdrücken und Güte den Patienten
gegenüber an den Tag zu legen. Zeigen sich gefährliche Symptome, so ist
die Selbstbeherrschung von größter Wichtigkeit. Nothwendig ist es, daß
dieselbe hinreichende Kraft besitzt, den Kranken in und aus dem Bette
zu bringen und ihn, je nachdem es nothwendig ist, zurecht zu legen. Sie
muß gesund und keinen plötzlichen Krankheitsfällen unterworfen sein.
Ferner ist es wichtig, daß sie freundlich, mitleidig und gutmüthig ist.