und ~Belladonna~ abwechselnd alle eine, zwei, drei oder vier Stunden,
der Strenge der Symptome angemessen, zu geben. Man gebe 10 oder 12
Kügelchen auf eine Dosis. Andere Mittel sind in derselben Weise zu
geben.
Die weiße Schenkelgeschwulst (~Milk Leg, Phlegmasia Alba Dolens~).
Man glaubte ehemals, daß diese Krankheit durch einen Fluß der Milch
in den Schenkel verursacht würde, was aber selbstverständlich nicht
möglich ist.
+Symptome.+ Es tritt ein unangenehmes Gefühl oder Schmerz in den
unteren Theil der Eingeweide, der sich bis auf die Hüften ausdehnt;
zuweilen sind keine warnenden Symptome vorhanden, sondern die Krankheit
beginnt mit einem heftigen Frost, dem Fieber folgt, welches ein starker
Schmerz in der Lende begleitet. Nach ein oder zwei Tagen vermindert
sich der Schmerz und eine Anschwellung stellt sich ein, die gewöhnlich
in der Schamleiste anfängt und sich nach unten zieht. Hin und wieder
kann sich aber auch die Anschwellung zuerst in den Waden einstellen
und dann nach oben ziehen. Die Haut ist sehr glänzend und glatt, sowie
auch hart und schmerzhaft gegen Berührung und das Bein ist schwer und
steif. In Verbindung mit dem letzten ist schwacher und sehr schneller
Puls, Durst, Schläfrigkeit u.s.w.
+Behandlung.+
=Eclectische und Kräuterkur.= Die Eingeweide sollten mit dem
zusammengesetzten Pulver der Jalappenwurzel (~Compound powder of
jalap~), jede Dosis 10 oder 15 Grane Cremor Tartari beigefügt,
gereinigt werden. Dies sollte alle zwei oder drei Tage während der
Entzündung wiederholt werden. Das Bein wasche man mit einer Lösung
von Salz, Essig und Wasser und gelegentlich mit einem Aufguß von
Bitterkräutern wie Wasserdost (~Boneset~), Hopfen und Rainfarn
(~Tansy~). Folgende Salbe mag mit Erfolg angewendet werden:
Süßes Oel 2 Unzen.
Kampher-Spiritus (~Spirits of camphor~) 2 „
Kreosot 1 Unze.
Laudanum 1 „
Mische es und mache zweimal des Tages einen Umschlag. Ein Aufguß
von Hopfen und Essig kann als ein anderes Mittel in derselben Weise
angewendet werden.
Thee von Flöhkraut (~Smart weed~) und Hundekamille (~May weed~) mag
oft und viel getrunken werden, um dadurch Schweiß hervorzurufen.
Wird die Krankheit chronisch, so sollte das Bein täglich mit einer
Abkochung von Wasserdost (~Boneset~), Rainfarn (~Tansy~) und Hopfen
gebäht (~steamed~) und die erstgenannte Salbe angewendet werden.
=Homöopathisch.= ~Aconitum.~ -- Bei starkem Fieber, brennenden
Schmerzen und Hitze.
~Belladonna~ -- ist für den Anfang in den meisten Fällen vielleicht
das beste Mittel, besonders wenn die Schmerzen scharf und stechend
sind, bei Schwere in den Lenden und in dem unteren Theile des
Unterleibes, bei heftigem Fieber mit brennendem Durst.
~Bryonia.~ -- Wenn schießende und scharfe Schmerzen von der Hüfte
nach dem Fuße zu vorhanden sind, bei Schwitzen, außerordentlicher
Empfindlichkeit gegen Berührung oder Bewegung. Kann auch abwechselnd
mit ~Rhus~ gegeben werden.
~Pulsatilla.~ -- Wenn nach ~Belladonna~ oder ~Bryonia~ keine
Besserung eintritt.
Andere Mittel sind: ~Arsenicum~, ~Sulphur~, ~Nux Vomica~.
+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel gebe 6
Kügelchen einmal in 2 Stunden.
=Allöopathisch.= Flanell in heißes Wasser und Essig getaucht sollte
auf das Bein gelegt und öfters wiederholt werden.
Oertliche Waschungen mit einer Mischung von warmem süßen Oel, zwei
Theile und Laudanum, einen Theil, dann mit Flanell bedeckt werden gut
gefunden werden. Der Umschlag von heißem Wasser und Essig, sowie
heißem Oel und Laudanum sollte alle 5 oder 6 Stunden abgewechselt
werden. Sind die Eingeweide verstopft, so gebe man folgendes:
Pulverisirte Sennesblätter (~Powd. Senna~) ½ Drachme.
„ Jalappenwurzel (~Powd. Jalap~) 10 Grane.
„ Gewürznelken (~Powd. Cloves~) 10 „
Mische und nimm es als eine Dosis in versüßtem Wasser. Folgendes wird
zuträglich sein:
Aufguß von Fingerhut (~Digitalis~) 4 Unzen.
Essigsaure Potasche (~Acetate of potash~) 2 Drachmen.
Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) 2 „
Zimmetwasser (~Cinnamon water~) 1½ Unze.
Mische es. Dosis: Alle 4 oder 5 Stunden einen Eß-Löffel voll.
Nießwurz-Tinktur (~Tincture of veratrum viride~) in Dosen, welche
hinreichen, einen mäßigen Schweiß hervorzurufen, sollte während der
Entzündung gegeben werden.
Der wunde Mund der Stillenden.
Stillende Mütter leiden hieran zuweilen sehr. Der ganze innere Mund
wird sehr roth und so empfindlich, daß es der Leidenden Schwierigkeit
macht, irgend welche feste Speise zu sich zu nehmen.
Ist das Leiden hartnäckig und die Patientin kommt dabei von Kräften,
so wird es nothwendig, das Kind zu entwöhnen, zu welcher Zeit dann die
Krankheit verschwindet.
+Behandlung.+
=Homöopathisch.= ~Mercurius~ -- ist das wichtigste Mittel und mag
abwechselnd mit ~Nux Vomica~ oder ~China~, besonders mit ~China~ wenn
große Schwäche und Erschöpfung vorhanden ist, gegeben werden.
~Acidum Nitre~ -- kann gegeben werden, wenn ~Mercurius~ keine
Linderung gewährt. ~Borax~ und ~Sulphur~ sind auch vortreffliche
Mittel dagegen.
+Verordnung der Heilmittel.+ Man nehme alle 6 oder 8 Stunden oder
auch öfter, wenn der Fall heftig ist, einmal 6 Kügelchen. Bei
~Sulphur~ wird eine Dosis Morgens und Abends hinreichen.
=Allöopathisch.= Die Verstopfung der Eingeweide zu beseitigen, nehme
man folgendes:
Flüssiger Sennesblätter-Extrakt (~Fluid extract of
senna~) 2 Drachmen.
Flüssiger Jalappenwurzel-Extrakt (~Fluid extract of
jalap~) 2 „
Aufguß von Gewürznelken (~Infusion of cloves~) 2 Unzen.
Mische und nimm es als eine Dosis.
In einigen Fällen wird folgendes stärkende Mittel dienlich sein:
Weinsteinsaures Eisen (~Tartrate of iron~) 40 Grane.
Wasser 2 Unzen.
Ingwer- (~Ginger~) Syrup ½ Unze.
Mische es. Dosis: Zwanzig bis vierzig Tropfen alle drei Stunden.
Zum Gurgeln bediene man sich des folgenden:
Abkochung von Chinarinde (~Decoction of Peruvian
bark~) 3 Unzen.
Orangenschalen-Syrup 1 Unze.
Chlorsaure Soda (~Chloride of soda~) 1 „
Mische es. Oder auch:
Chlorsaures Eisen (~Chloride of iron~) ¼ Unze.
Starke Hydrochlorsäure (~Strong hydrochloric acid~) 40 Tropfen.
Wasser 1 Pint.
Mische es.
=Eclectische und Kräuterkur.= Potaschen-Jodid (~Iodide of potassa~)
ist ein ausgezeichnetes Mittel:
Man löse 2 Drachmen in 4 Unzen Wasser und nehme zweimal des Tages
einen Theelöffel voll. Als Gurgelwasser wird eine Abkochung von
Gägelrinde (~Bay berry bark~), Gelbwurz (~Golden seal~), Sumachbeeren
(~Shumac berries~) und ein wenig gebrannter Alaun (~Burned alum~)
oder Borax zuträglich gefunden werden.
Dritter Theil. -- Kinderkrankheiten.
Kleidung des Kindes.
Die Kleidung der Säuglinge sollte die freie Bewegung der Glieder
gestatten, dick genug sein, sie zu beschützen und warm zu halten.
Flanell ist aus mehreren Gründen der geeignetste Stoff zu Unterkleidern
der Säuglinge, denn erstens ist er kein Wärmeleiter, indem er das zu
schnelle Verfliegen der animalischen Wärme des Körpers verhindert, und
zweitens verursacht er eine sehr zuträgliche Anreizung, vermittelst
welcher eine unbemerkbare Ausdünstung hervorgerufen wird. Die
Bekleidung muß leicht sein, damit das Kind dadurch nicht belästigt
wird, einfach, damit das An- und Ausziehen leicht vor sich geht und
weit genug, damit das Wachsthum und die Ausdehnung der Formen nicht
beeinträchtigt wird.
Bezüglich der Kleidung sagt Dr. Tarry in seinem: “~Mother and her
offspring~”:
„Ich will den Geschmack durchaus nicht weiter beeinflussen als
nothwendig ist, um dem Kinde eine warme, leichte und bequeme Bekleidung
zu sichern. Es muß wohl sogleich in die Augen fallen, daß kurze Aermel
und um den Hals tief ausgeschnittene Kleider nicht passend für Kinder
sind.“
Der dazu verwandte Flanell muß weiß und fein sein und öfters gewechselt
werden, damit der Körper beständig rein gehalten wird.
Scheintod (~Apparent Death -- Asphyxia~).
Zuweilen trägt es sich zu, daß, wenn die Wehen lang und stark waren,
das Kind scheinbar todt ist und sofortige Behandlung verlangt. Man
bringe das Kind sofort in eine Lage, welche einen ungestörten
Blutumlauf durch die Nabelschnur gestattet; reinige den Mund vom
Schleim und hülle den Körper in weiche, warme Flanelle ein, auch
reibe Füße, Hände und das Rückgrat mit der flachen Hand. Diese Mittel
reichen in der Regel hin, den Blutumlauf herzustellen, Pulsiren in der
Nabelschnur wird wahrgenommen, dem bald darauf Athmen folgt, worauf
die Schnur gebunden und abgeschnitten werden kann. Nachdem 5 oder 10
Minuten verstrichen sind, innerhalb welcher das Kind kein Lebenszeichen
von sich gegeben hat, muß die Nabelschnur abgeschnitten und gebunden
und das Kind in ein warmes Bett gebracht werden. Das Reiben der Füße,
Hände und des Rückgrats setze man fort und tauche die Hand in kaltes
Nasser oder Spiritus und reibe damit die Brust oder gieße zwei oder
drei Fuß hoch aus einer Theekanne einen Strom kalten Wassers auf die
Brust. Bleibt dies alles ohne Erfolg, so fülle man die Lungen künstlich
mit Luft. Dies mag geschehen, indem man ein seidenes Taschentuch lose
über den Mund legt, um dadurch die Kraft des Athems zu brechen, und
durch dasselbe sanft Athem in den Mund einbläßt; gleichzeitig schließe
man die Nase des Kindes mit dem Daumen und dem Zeigefinger, wodurch der
Luft der Ausgang versperrt wird. Wenn so die Lungen mit Luft gefüllt
sind, treibe man die Luft durch einen sanften Druck auf die Brust
wieder aus und fahre so eine Zeitlang fort. Leichte elektrische Schläge
mögen zuträglich sein; man setze zu diesem Behufe einen Pol an den
oberen Theil des Rückgrats und den andern auf die Brust.
Diät der Neugeborenen.
Die geeignetste Kost für den Säugling ist natürlich die Muttermilch und
darauf sollte das Kind beschränkt bleiben, bis wenigstens ein Theil der
Zähne durchgebrochen ist.
Sogleich nach der Geburt lasse man es an der Seite der Mutter sechs
bis acht Stunden schlafen, dann lege man das Kind an die Brust, auch
wenn keine Milch vorhanden sein sollte. Wenn die Milchabsonderung noch
nicht begonnen hat, füttere man es inzwischen mit gleichen Theilen
von Milch und Wasser, durch Stückzucker oder ein wenig Molasses mit
Wasser versüßt. Der Säugling sollte während des Tages alle drei Stunden
und während der Nacht alle sechs oder acht Stunden an die Brust
gelegt werden. Eine gewisse Regelmäßigkeit ist in der Darreichung der
Nahrung zu beobachten. Es wird gut sein, den Mund nach jeder Speisung
auszuwaschen, da dies das Entstehen der Schwämmchen verhindern wird.
Anschwellen und Verlängerung des Kopfes
tritt sehr häufig besonders nach starken und längeren Geburtswehen
ein, so daß das geborene Kind mißgestaltet erscheint, was die Umgebung
beunruhigen, aber in ein oder zwei Tagen verschwinden wird. Waschung
des Kopfes mit einer schwachen Lösung der Arnica-Tinktur wird
gewöhnlich dessen Veränderung beschleunigen.
Anschwellen der Brüste.
In einzelnen Fällen sind die Brüste des Kindes bei der Geburt oder bald
darauf geschwollen oder entzündet; dies kann gewöhnlich durch Auflegen
von Charpie oder ein Stück weiches Linnen, in süßes Oel getaucht,
vermindert werden. Unter keinen Umständen sollten die Brüste in der
Einbildung, daß sich in denselben Milch oder eine andere Flüssigkeit
befände, was herauszubringen sei, gedrückt werden, denn gerade dies
kann eine heftige Entzündung zur Folge haben.
Das Kindspech (~Meconium~).
Dies besteht in einer dunkeln grünen Masse, welche sich in den
Eingeweiden des Kindes vor der Geburt ansammelt. Es sollte sobald als
möglich nach der Geburt entfernt werden, und die beste Medizin dagegen
ist die Muttermilch. Wenn es aber nach Verlauf eines Tages nicht
abgegangen sein sollte, so mag eine schwache Dosis von Castoröl gegeben
werden.
Der Einfluß von Gemütsbewegungen auf die Milch.
Die stillende Mutter muß dem Zustande ihres Geistes dieselbe
Aufmerksamkeit als dem körperlichen Wohlbefinden widmen, denn geistige
Erregungen irgend einer Art werden sehr schädlich auf die Milch wirken.
Alle aufregenden Unterhaltungen, Romane lesen, Theater gehen oder
irgend Etwas, was die Einbildung anregt, sollte vermieden werden.
Gram, der zuweilen unvermeidlich ist, kann einen solchen Einfluß auf
die Mutter ausüben, daß eine gänzliche Unterdrückung der Milch folgt.
Daher sollten Mütter, die sich Kinder von heiterer und guter Gemüthsart
wünschen, dieselbe Gemüthsart besitzen. Sir Astley Cooper sagt: „Die
Absonderung der Milch geht am besten in einem ruhigen Geisteszustande
und bei einem heiteren Temperament vor sich, dann ist gewöhnlich
Milch in Fülle vorhanden, welche dem Kind am besten zusagt. Dagegen
vermindert eine ärgerliche Gemüthsstimmung die Menge der Milch und
macht sie dünn und molkigt, was wiederum Fieber in den Eingeweiden des
Kindes und starkes Kneipen zur Folge hat.“ Eine Mutter sollte nie ihr
Kind nach einem Schrecken, Zorn oder einer anderen Aufregung stillen,
sie muß vielmehr warten, bis sie wieder vollkommen beruhigt ist.
Abgewöhnung.
Die Zeit des Abgewöhnens ist für die Mutter immerhin eine, in der
sie aufmerksam sein muß. Ist ihr Gesundheitszustand derart, daß sie
das Kind nicht stillen kann, so sollte dasselbe einer Amme übergeben
werden, bis die Zeit zur Entwöhnung gekommen ist. Diese mag beginnen,
sobald die ersten zwei Zähne erscheinen, oder zwischen dem siebten und
achten Monat. Das Kind sollte allmählig an den Wechsel der Nahrung
gewöhnt werden, daß es bis zum zwölften oder achtzehnten Monat
vollständig entwöhnt ist. Die günstigste Jahreszeit hierzu ist das
Frühjahr und der Herbst.
Kost statt des Säugens (~Supplementary Diet of Infants~).
In einigen Fällen, wo die Mutter ihr Kind zwar stillen möchte, aber
nicht die hinreichende Menge Milch zu dessen Nahrung besitzt, wird
es nothwendig, für ein Ersatzmittel Sorge zu tragen. Es muß dagegen
ernstlich gewarnt werden, da, wo es nicht unbedingt nothwendig ist,
irgend ein Ersatzmittel für die Muttermilch zu bieten, denn es ist als
Thatsache bekannt, daß die Sterblichkeit unter diesen so aufgebrachten
Kindern viel größer ist als unter jenen, die ihre natürliche Nahrung
haben. Dr. Tracy schreibt über diesen Gegenstand wie folgt: „Die
Nahrung, welche ich empfehlen möchte und die in den meisten Fällen
zu haben ist, besteht in frischer Sahne von der Milch einer Kuh,
die ein junges Kalb hat, mit ein wenig Milch von oben. Eine junge
gesunde Kuh sollte zu diesem Behufe gewählt werden, welche reichlich
Milch giebt, die nach dem Abrahmen nicht bläulich aussieht, und nur
die Milch derselben sollte verwendet werden. Zuerst, nachdem das
Kindspech aufgehört hat, im Stuhle zu erscheinen, nehme man einen
Eßlöffel voll dieser Sahne, füge die doppelte Menge weiches, warmes
Wasser hinzu und versüße es mit Stückzucker, so daß es der Süße der
Muttermilch gleichkommt. Dies wird sehr zuträglich sein und mag dem
Kinde in einer Quantität gereicht werden, welche erforderlich ist,
dem natürlichen Verlangen des Kindes nach Nahrung zu entsprechen.
Wird das Kind älter, so nehme man eine größere Portion der Sahne,
sowie der Milch mit der Sahne von oben. Dies ist ein ausgezeichnetes
Nahrungsmittel für Kinder, und viele werden dabei ohne irgend welche
Muttermilch recht hübsch gedeihen.“ Nicht immer aber ist es möglich,
Sahne oder wenigstens reine Milch zu erlangen, und in solchen Fällen
müssen wir eben das beste, was wir thun können, statt dessen wählen.
Wenn wir jederzeit die Milch von einer Kuh nehmen, sie mit zweimal so
viel Wasser verdünnen und mit Stückzucker versüßen, so wird das Kind
wahrscheinlich hübsch dabei zunehmen. Die ähnlichste Nachahmung der
Muttermilch erhalten wir, wenn wir einen Eßlöffel voll Milchzucker
in drei Tassenkopf voll Wasser auflösen, bis zu zwei Tassenkopf voll
einkochen und einen Tassenkopf voll frische Milch hinzufügen. In jenen
Fällen, wo die Mutter nicht hinreichend genug Milch hat, wird fein
gemahlener Reis oder Gerstenmehl eine vorzügliche Kost bilden. Bei
einem neugeborenen Kinde nehme man einen Eßlöffel voll -- bei einem
älteren Kinde natürlich mehr -- und feuchte es mit +kaltem Wasser+ an,
sei aber achtsam beim Umrühren, daß keine Stücke zurückbleiben; dann
füge ein wenig Salz und hinreichend heißes Wasser hinzu, koche es zehn
Minuten lang, während dessen es sorgfältig umgerührt werden sollte, um
das Anbrennen zu verhindern. Nachdem es vom Feuer genommen ist, versüße
man es mit Stückzucker, so daß es an Süße der Muttermilch gleich kommt.
Die Menge des Wassers richtet sich natürlich nach der Dicke, welche
gewünscht wird. Wenn es aus einer Saugflasche gegeben wird, sollte es
ganz dünn sein. Gerstenmehl eignet sich am besten für Kinder, die zu
Verstopfung geneigt sind, und Reismehl bei solchen, wo der Stuhlgang
locker ist. Mütter müssen sorgfältig sein, den Kindern nicht zu viel
zu essen zu geben, denn es ist nachtheiliger, den Kindern zu viel
als zu wenig zu geben. Weil es schreit oder ein wenig quält, bilde
man sich nicht ein, daß es hungert und vollgestopft werden müsse. Als
eine allgemeine Regel gilt für ein gesundes Kind von ein bis drei
Wochen alt täglich ein Pint Muttermilch oder anderer gleich nahrhafter
Stoff. Am Ende des ersten und im Verlaufe des zweiten Monats erhöhe
man des Kindes Nahrung allmählig auf ungefähr anderthalb Pint. Wenn
eine Saugflasche gebraucht wird, so wasche man dieselbe sorgfältig
jeden Morgen und Abend mit +heißem+ Wasser aus, denn sie muß süß
gehalten werden, wenn die Milch nicht sauer in des Kindes Magen werden
soll. Dr. Tracy sagt: „Wenn das Kind seine Nahrung nimmt, sei es an
der Brust, aus der Flasche oder vermittelst des Löffels, so sollte
es durch eine halb sitzende Stellung auf dem Arme oder in dem Schoße
der es fütternden Person unterstützt und wenigstens 40 Minuten lang,
nachdem es die Nahrung empfangen hat, ganz ruhig gehalten werden.“ Der
Verdauungsprozeß ist sehr geneigt, durch irgend welche starke geistige
oder körperliche Bewegung unterbrochen zu werden, und das Kind sollte
daher nach der Mahlzeit nicht geschüttelt oder geschaukelt werden.
Dr. Meigs empfiehlt für Kinder, deren Verdauungsorgane schwach und
reizbar sind, sowie für solche, wo keine reine Milch zu erlangen ist,
folgendes Mittel: Man löse eine kleine Quantität präparirte Gelatine
(~prepared Gelatine~) oder russische Hausenblase (~Russian isinglass~)
in Wasser, dem ein wenig Milch, Sahne und ein wenig Pfeilwurz (~Arrow
root~) oder irgend eine andere mehlige Masse, welche vorgezogen wird,
beigefügt ist. Die Art und Weise der Zubereitung und das Verhältniß
derselben ist folgendes: ein Skrupel Gelatine -- oder ein Stück von
zwei Zoll im Geviert von dem flachen Kuchen, in denen es verkauft wird
-- wird eine kurze Zeit in kaltem Wasser erweicht, bis es sich löst,
ungefähr 10 oder 15 Minuten, dann wird (unter beständigem Umrühren bis
zum Siedepunkt) Milch und Pfeilwurz hinzugefügt; letzteres ist zuvor
mit ein wenig kaltem Wasser zu einem Teig zu machen. Nach Hinzufügung
der Milch und Pfeilwurz und unmittelbar vor der Wegnahme vom Feuer
wird Sahne eingegossen und eine mäßige Quantität von Stückzucker
hinzugefügt. Die Menge der Milch, Sahne und Pfeilwurz hängt von dem
Alter und der Verdauungskraft des Kindes ab. Einem gesunden Kinde
unter einem Monat alt gebe man 3 bis 4 Unzen Milch, eine halbe Unze
Sahne und einen Theelöffel voll Pfeilwurz auf ein Pint Wasser. (Zwei
Theelöffel voll sind gleich einer Unze.) Bei älteren Kindern sollte
die Quantität von Milch und Sahne allmählig auf ein halb bis zwei
Dritttheile Milch und von ein bis auf zwei Unzen Sahne erhöht werden.
Im Falle das kranke Kind schwächer werden sollte, gebe man eine
Zeitlang die erst angegebene Menge.
Ruhelosigkeit und Schlaflosigkeit der Kinder
können in Folge von Krämpfen, Kolik u.s.w. eintreten. Wegen Behandlung
der verschiedenen Formen, welche die Störung verursachen, siehe die
betreffenden Kapitel.
Folgendes sind die homöopathischen Heilmittel:
Wenn das Kind ohne irgend eine scheinbare Ursache unruhig und
verdrießlich ist, gebe man ~Coffea~ und ~Belladonna~, entweder jedes
allein oder abwechselnd. Bleibt dies ohne den gewünschten Erfolg, so
gebe man ~Chamomilla~, besonders bei Kolik, kneipenden Schmerzen, das
Kind zieht die Füße an und krümmt den Körper; Röthe einer Wange.
~Pulsatilla~ oder ~Ipecacuanha~. -- Wenn die Unruhe die Folge eines
überladenen Magens ist. ~Opium~ mag gegeben werden, wenn ~Coffea~ und
~Belladonna~ ohne Wirkung bleiben.
+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel löse 12
Kügelchen in ebenso viel Theelöffel voll Wasser und gebe alle halbe
oder ganze Stunden einen Theelöffel voll oder gebe 12 Kügelchen auf
eine Dosis.
Durchscheuern und Wundheit der Haut.
Die Haut von Säuglingen ist sehr zum Wundwerden geneigt, besonders bei
fleischigen Kindern zwischen den Beinen, unter den Armen und rings
herum um den Hals. Die betreffenden Stellen sollten trocken gehalten,
mit feiner Stärke bestreut oder mit einer sehr schwachen Lösung
Arnica-Tinktur eingerieben werden.
Gelbsucht (~Jaundice -- Icterus~).
Dies ist ein Leiden, welches eine kurze Zeit nach der Geburt des Kindes
eintritt und in einer gelblichen Färbung besteht, die sich zuweilen
über den ganzen Körper erstreckt und gewöhnlich einer Erstarrung der
Leber zuzuschreiben ist.
+Behandlung.+
=Homöopathisch.= ~Chamomilla~ und ~Mercurius~ mögen abwechselnd
zwei- oder dreimal des Tages und ein oder zwei Pillen auf jede Dosis
gegeben werden. Leidet das Kind an Verstopfung und ist unruhig,
so gebe man ~Nux Vomica~. ~China~ mag gegeben werden, wenn nach
~Chamomilla~ und ~Mercurius~ keine Besserung eintritt.
=Eclectische und Kräuterkur.= Ein Aufguß von Katzenmünze (~Catnip~)
und Saffran (~Saffron~) mag mit Vortheil angewendet werden. Ein wenig
Rhabarber (~Rhubarb~) und Castoröl mag den Stuhlgang befördern.
Einige Theelöffel voll Walddost- (~Thoroughwort~) Thee, täglich durch
zwei oder drei Tage hindurch gegeben, wird zuweilen die Krankheit
entfernen.
Convulsionen, Krämpfe, Gicht (~Convulsions -- Spasms -- Fits~)
sind ein Leiden, das wahrscheinlich Mütter und Ammen mehr erschreckt,
als irgend Jemand anders, wegen des schrecklichen Anblickes, den
das leidende Kind bietet, und wegen der unerwarteten Anfälle von
Krämpfen. Unter dem Wort Convulsion verstehen wir ein unfreiwilliges
Zusammenziehen der Muskeln des ganzen oder eines Theiles des Körpers,
und wird durch ein Leiden der Rückenmarks-Nerven verursacht. Nicht
alle Krämpfe sind gefährlich, obgleich einige sehr gefährlich sind
und eine schlimme Wendung nehmen können. Diejenigen, welche am
meisten zu fürchten sind, sind jene, welche in Folge eingetretener
Gehirnwassersucht stattfinden, nach starken Fällen oder Quetschungen
oder nach irgend einem heftigen Anfalle von Gehirn- oder
Gedärm-Krankheiten eintreten. Sie zeigen sich wahrscheinlicher vor
dem siebenten, besonders während der ersten drei Lebensjahre. Das
Gehirn von kleinen Kindern ist sehr empfindlich und in Folge dessen
plötzlichem Blutandrang unterworfen, dem es nicht so gut widerstehen
kann, wie das eines Erwachsenen.
+Ursachen.+ Kinder eines empfänglichen, reizbaren Temperaments oder
Gemüthes sind denselben mehr als andere ausgesetzt. Die gewöhnlichsten
Ursachen sind: Reiz der Eingeweide in Folge unverdaulicher Nahrung,
schwieriges Zahnen, Würmer, übermäßiges Schreien und Schmerzen, Aerger
und Freude. Eine gefährliche Form bildet sich in Folge von Ueberladung
des Magens mit unverdaulichen Speisen, wie Nüsse, Aepfel u. s. w.
Ausschlagsfieber, wie Scharlach, Pocken und Masern werden häufig von
Krämpfen angemeldet, welche aber schnell bei Erscheinen des Ausschlages
verschwinden und nicht für gefährlich gehalten werden. Wenn sie aber
während des Verlaufs der Krankheit eintreten, so sind sie sehr zu
fürchten. Krämpfe werden auch dadurch hervorgerufen, daß die Milch der
Mutter durch große geistige Erregung, wie Zorn, vergiftet wurde, ebenso
durch das Stillen des Kindes, wenn übermäßig erhitzt.