Keim), dies ist das allgemein gültige Zeugungsgesetz, welches sich
sowohl in der Pflanzen- als Thierwelt bewährt. Die stämmige Eiche, die
der Eichel entsprost, das Welschkorn, das aus dem Korn hervorwächst,
das Rothkehlchen und der Elephant -- alle entstehen aus Keimen und
beweisen die Wahrheit des obigen Satzes. Jeder Same und jedes Ei
enthält einen Keim, welcher, wenn auf die rechte Weise beeinflußt,
seinesgleichen erzeugen wird. So klar diese Thatsache ist, frägt
es sich nun, wo diese Keime ihren Ursprung haben. Es steht fest,
daß jedes Thier und jede Pflanze mit einem Organ zur Erzeugung und
Abwerfung dieser Zellen und Keime versehen ist. Dieses Organ ist bei
den Frauen das Ovarium (Eierstock) und zwar gibt es derselben zwei. Es
sind kleine, länglich-runde Körper, etwa einen Zoll lang, ein wenig
über einen halben Zoll breit und einen drittel Zoll dick. Manchmal
mag die Größe der Ovarien von der hier angegebenen abweichen, wird
aber meistens zutreffen. Jeder dieser Eierstöcke ist etwa einen Zoll
vom oberen Theil der Gebärmutter mittelst eines Bandes befestigt und
die physiologische Funktion derselben ist, das Ei zu „reifen“ und
alle achtundzwanzig Tage abzusondern, und zwar geschieht dies vom
fünfzehnten bis fünfundvierzigsten Jahre und wird nur während der
Schwangerschaft und des Säugens, und oft auch dann nicht, unterbrochen;
denn in vielen Fällen haben Frauen, während sie schwanger waren,
regelmäßig menstruirt, und bei einer großen Anzahl derselben wird durch
Säugung die Menstruation gar nicht gestört. Während der Zeitigung
oder dem Reifwerden des Eis bis zur Absonderung desselben in die
Scheide (~Tube~), durch welche es in die Gebärmutter gelangt, sind
die Geschlechtsorgane mehr oder weniger angeschwollen (~congested~)
und haben das Ansehen, als ob sie entzündet seien. Diese Anhäufung
(~Congestion~) wird endlich so bedeutend, daß ein Blutausfluß aus den
Zeugungstheilen (~Genitalia~) dadurch entsteht. Sobald der Ausfluß
beginnt, läßt die Hitze und das Jucken in der Nähe der Eierstöcke
und das schwere Gefühl nach und verschwindet allmählig. Somit ist
die Menstruation nichts anderes als die Zeitigung und Absonderung
des Ei’s, welches, wenn es nicht geschwängert wird, durch den von
den Gefäßen der Gebärmutter herrührenden Blutausfluß abgeführt wird.
Hieraus geht auch hervor, daß eine Frau nur während oder nahe zur
Zeit der Menstruation schwanger werden kann. Die Regelmäßigkeit,
mit der diese Funktion vor sich geht, war immer Veranlassung zur
Verwunderung. Aber weshalb? Um uns blickend gewahren wir, daß die
Pflanzen- und Thierwelt festgesetzte Zeiten zur Keimerzeugung hat. Dies
ist ein Naturgesetz, und weshalb sollte nicht auch das Weib dasselbe
auszuführen haben? Da wir nun gezeigt haben, daß die Menstruation in
der Zeitigung und Absonderung eines Eis besteht, wovon der Blutausfluß
nur das äußerliche Zeichen ist, so ist es möglich, daß eine Frau
regelmäßig jeden Monat menstruiren kann, ohne diese Kundgebung, nämlich
den Blutausfluß. Dieses zu beweisen, können viele Fälle angeführt
werden, wo Frauen geheirathet haben und schwanger wurden, ohne daß
das geringste Zeichen des Blutausflusses sich bei ihnen gezeigt
hätte; aber ihre Schwangerschaft wäre ohne Menstruation nicht möglich
geworden. So mag eine sonst regelmäßig menstruirende Frau mehrere
Kinder bekommen, ohne daß sich in der Zwischenzeit die monatliche
Reinigung zeigt; was man dahin erklären kann, daß sie während der
Säugung ihres ersten Kindes schwanger und nach der Geburt des zweiten
wieder Mutter wurde, und so fort, bis sie nicht mehr geschwängert von
nun an regelmäßig menstruirt. Wie schon oben bemerkt, tritt in diesem
Lande die Menstruation im vierzehnten oder fünfzehnten Jahre ein; in
wärmeren Ländern früher, in kälteren später. Menstruation, monatliche
Reinigung, Regel, Katamenien, monatliche Periode und Unwohlsein,
dies sind welche der zur Bezeichnung dieser Funktion gebräuchlichen
Ausdrücke. Bei denjenigen Mädchen, die in Ueppigkeit aufwachsen und
deren sittliche und körperliche Erziehung der Art ist und war, daß das
Nervensystem dadurch empfindsam wird, tritt die „Monatsregel“ viel
bälder ein, als bei denen, die an Hausmannskost und Arbeitsamkeit
gewohnt sind. Zeigt sich die Menstruation vor dem vierzehnten Jahr,
so wird dies als ein schlimmes Anzeichen betrachtet und deutet auf
zu frühe Reife der Organe, während das Eintreten der monatlichen
Reinigung nach dem sechzehnten Jahr von allgemeiner Schwäche oder
von Störung in den Zeugungsorganen zeugt. Ist jedoch die betreffende
Person gesund und alle ihre anderen Funktionen sind regelmäßig, ist
sie froh, geistesmunter und nicht trüb- oder schwachsinnig, so sollte
man nichts zur Herbeiführung der Menstruation unternehmen, indem durch
angewandte Mittel unverbesserlicher Schaden herbeigeführt werden kann.
Wenn die Monatsreinigung zum erstenmal eintritt, so zeigt sich dies
gewöhnlich durch folgende Symptome an: Kopfweh, Gefühl von Schwere,
Mattigkeit, Schmerz im Rücken und den Lenden und Unlust zur Arbeit.
Die Hautfarbe ist eigenthümlich dunkel, namentlich unter den Augen,
und zeitweilig verspürt die Betreffende ein Gefühl der Unruhe und des
Verstopftseins im Halse. Die Ausdünstung hat einen kränkelnden Geruch
und der Geruch des Athems ist eigenthümlich. Die Brüste sind erweitert,
weich und empfindsam. Bezüglich der Speisen ist die Betreffende
wählerisch und launig und die Verdauung ist gestört. Diese Symptome
währen einen, zwei, drei Tage und verschwinden mit dem Eintreten der
Menstruation. Die Monatsreinigung dauert drei, fünf oder sieben Tage,
je nach der Körperorganisation der Frau. Ebenso ist die Quantität des
ausgesonderten Blutes verschieden bei verschiedenen Frauen. Im Alter
von etwa fünfundvierzig Jahren hört die Menstruation auf, und dies
ist die Periode, vor welcher sich die Frauen gewöhnlich fürchten.
Manchmal hält man die alsdann eintretenden Symptome, als da sind:
Uebelkeit, launiger Appetit, Anschwellen und Schmerzen in den Brüsten
für Anzeichen der Schwangerschaft. Die Veränderung tritt allmählig ein.
Der Blutausfluß mag sich alle zwei bis drei Wochen einstellen, sodann
zwei oder mehr Monate ausbleiben, darnach mehrere Monate so regelmäßig
als je wiederkehren und endlich ganz aufhören. Während der Menstruation
ist der Organismus, namentlich der jüngeren Personen, geistigen und
physischen Einflüssen mehr zugänglich als sonst. Auf die regelmäßige
und gesunde Verrichtung dieser Funktion kommt sehr viel an, denn ihr
dankt die Frau ihre weibliche Schönheit und Vollkommenheit; deshalb
sollte man sehr vorsichtig sein, daß die Menstruation nicht gestört
wird. Eine plötzliche Unterdrückung derselben ist immer gefährlich,
und unter den Ursachen, durch welche solche hervorgerufen wird, sind
zu nennen: Plötzliche Furcht, Aerger, große Besorgniß und mächtige
Gemütsbewegungen. Uebermäßige Anstrengung, lange Spaziergänge oder
Fahrten, namentlich über rauhe Wege, Tanzen, vieles Stiegenauf- und
ablaufen, veranlassen nicht blos vermehrten Ausfluß, sondern oft auch
Vorfall der Gebärmutter. Patentmedizinen und Geheimmittel, die gegen
Frauenkrankheiten empfohlen werden, Abführungs- und Brechmittel,
sowie Liquöre mögen den Ausfluß vermehren oder demselben Einhalt
thun. Ebenso schädlich sind während der „Periode“ kalte und warme
Bäder, Fußbäder und Naßwerden der Füße, indem man dünnbesohlte
Schuhe trägt. Eine junge Dame, die, weil sie gerne während ihres
Unwohlseins auf den Ball gehen möchte, ein „Hüftbad“ nimmt, begeht
eine wahnsinnige Handlung. Welch Elend kann angerichtet werden; wie
viele Schmerzen bereiten sich solche Thörinnen! Behandlung ist während
der Monatsreinigung nicht nöthig, es seien denn gewisse Störungen
eingetreten, worüber wir uns in dem Folgenden aussprechen werden.
Zweites Kapitel.
Störungen der Menstruation.
Verzögerte und unterdrückte Menstruation.
Wenn die Monatsreinigung nicht zu rechter Zeit eintritt, so heißt man
dies verzögerte oder unterdrückte Menstruation. Man hat jedoch die
Entwicklung des betreffenden Mädchens in Anschlag zu bringen, auch
wenn sie das Alter erreicht hat, wo das Auftreten dieser Funktion
erwartet werden kann, denn die Körperentwicklung ist eine Bedingung
der Monatsperiode. So lange das Mädchen nicht körperlich zugenommen
hat, wenn sie über die Hüfte nicht weiter geworden, wenn ihre Brüste
nicht weiter geworden, und sie keine dieser Periode vorangehenden
Veränderungen wahrgenommen hat, wird es nur schädlich wirken, wenn
man der Natur Gewalt anthut. In solchem Falle ist eine „allgemeine“
Behandlung nöthig. Man lasse die Betreffende sich viel in freier Luft
bewegen, sie gehe frühzeitig zu Bett und stehe Morgens frühe auf.
Geht sie noch zur Schule, so sollte man sie während der Zeit nicht in
dieselbe senden. Ihre Kost muß nahrhaft aber nicht reich sein, sonst
werden Magenstörungen entstehen. Ist sie jedoch vollkommen entwickelt,
und leidet zeitweilig an Blutandrang im Kopf, in der Brust, oder im
Unterleib, dann wird das Einschreiten nöthig. Folgende Symptome werden
sich gewöhnlich in diesen Fällen einstellen.
+Symptome.+ Kopfweh, Schwere, Vollheit, Pulsiren in der Mitte der
Hirnschale und im Hinterkopf, Schmerzen im Rücken und den Lenden, kalte
Füße und Hände, die zuweilen sehr heiß werden, trockene, rauhe Haut,
langsamer Puls und nicht selten Fallsucht (Epilepsie).
+Behandlung.+
=Homöopathisch.= Einige Tage vor der Periode sollte die Patientin ein
warmes Hüften- oder Fußbad nehmen, zweimal des Tages und Abends beim
zu Bett Gehen mit warmem Wasser benetzte Tücher auf den Unterleib
legen.
Ein sehr gutes Rezept wird von Prof. Cooke vom Hahnemannischen
medizinischen Collegium in Chicago empfohlen, nämlich: Etwa zwei
Wochen vor der Periode nehme eine Dosis ~Gelseminum~ jeden Abend,
und eine Dose ~Belladonna~ jeden Morgen. Kurz vor Eintritt der
Menstruation nehme diese zwei Heilmittel abwechselnd alle zwei oder
vier Stunden.
~Pulsatilla.~ -- Wenn die Patientin melancholisch und traurig und zum
Weinen geneigt ist; Blässe mit abwechselnder Hitze, Appetitlosigkeit
mit Lust für saure Speisen, Uebelsein und Erbrechen.
~Bryonia.~ -- Blutandrang im Kopf, geröthetes Gesicht, häufiges
Nasenbluten, Hartleibigkeit, Herzklopfen.
~Lycopodium.~ -- Anwendbar bei ähnlichen Symptomen.
~Phosphorus.~ -- Wenn die Patientin zu Lungenkrankheiten geneigt ist,
schwache Brust, Husten, Brustschmerzen, Blutspeien.
~Arsenicum.~ -- Wassersuchtartige Anschwellungen um die Augen oder
der Füße oder anderer Gliedmaßen, blasse Gesichtsfarbe, gelbsüchtig.
~Sulphur.~ -- Wenn obige Heilmittel nicht wirken.
+Verordnung der Heilmittel.+ Gebe eine Dosis (6 Kügelchen) alle
Morgen von irgend einem dieser Mittel eine Woche oder zehn Tage lang.
Wird die Patientin besser, so setze vier Tage lang aus und gebe eine
Woche lang jeden Morgen ~Sulphur~.
=Allöopathisch.= Hier wie in der homöopathischen Behandlung wird das
Wasser in gleicher Weise gebraucht. Der Stuhlgang sollte durch ein
mildes Reinigungsmittel, z. B. Castoröl und Aloepillen (~Pill of
aloes~), regelmäßig erhalten werden. Fühlt die Patientin während oder
vor dem Blutausflusse Schmerz und Vollheit im Kopfe, so gebrauche man
folgendes:
Eisenhut- (Sturmhut) Blätter-Tinktur (~Tincture of
aconite leaves~) 2 Drachmen.
Belladonna-Tinktur 1 Drachme.
Spanische Fliegen- (~Cantharides~) Tinktur 1 „
Morphium 3 Grane.
Syrup 4 Unzen.
Dosis: Einen Theelöffel voll dreimal des Tages. Wenn die Schmerzen
heftig sind, so mag alle zwei Stunden eine Dosis genommen werden.
Ist der Körper geschwächt, so mag zwischen den Perioden folgendes
gebraucht werden:
Kohlensaurer Eisen-Niederschlag (~Precip. carbonate
of iron~) 5 Drachmen.
Sturmhut- (Eisenhut) Extrakt (~Extract of conium~) 2 „
Peru-Balsam 1 Drachme.
Alcohol 4 Unzen.
Wintergrünöl (~Oil wintergreen~) 20 Tropfen.
Syrup 8 Unzen.
Dosis: Zwei Theelöffel voll dreimal des Tages. Schüttle die Mischung
vor dem Gebrauch.
Oder:
Orangenschalen-Syrup (~Syrup of orange peel~) 1 Unze.
Rosenwasser 7 Unzen.
Salzsaure Eisentinktur 1 Unze.
Mische es. Dosis: Einen Theelöffel voll in ½ Glas voll Wasser
dreimal des Tages.
=Eclectische und Kräuterkur.= Wenn die Patientin robust ist, so gebe
zeitweilige Dosen von zusammengesetztem Leptandrin-Pulver (~Compound
powder of leptandrin~). Ist sie jedoch schwach und nervös, so erhalte
den Stuhlgang regelmäßig mit folgendem:
Pulverisirter Rhabarber 1½ Unze.
Doppeltkohlensaures Kali (~Bi-carbonate
of potassa~) 1 „
Hiervon gebe man eine kleine Dosis dreimal des Tages, genügend um
regelmäßige Oeffnung zu erhalten. Als ein Stärkemittel gebrauche man
zusammengesetzten Wallwurzwein (~Compound wine of comfrey~). Zur
selben Zeit verordne, wenn Kopfweh und Schmerzen im Kreuz und den
Lenden vorhanden sind, warme Am. Ysop- (~Penny royal~), Rainfarn-
(~Tansy~), schwarzen Schlangenwurzel- (~Black cohosh~) oder Raute-
(~Rue~) Thee. Manchmal mildert ein warmer, aus Hopfen und Rainfarn
zubereiteter und auf den Unterleib gelegter Umschlag die Schmerzen.
Wenn, obgleich die Gesundheit durch obige Mittel besser geworden, die
Menstruation noch nicht eingetreten ist, so verordne man:
Wiesenrauten-Stammblatt (~Caulophyllin~) 10 Grane.
~Aletridin~ 8 „
Belladonna-Extrakt 1 Gran.
Mische dieses und bereite zehn Pillen daraus, von welchen eine
dreimal des Tages zu nehmen ist.
Oder:
Kohlensaures Eisen (~Carbonate of iron~) 7 Grane.
~Cimicifugin~ 3 „
Entenfuß (~Podophyllin~) 1 Gran.
Genügend weißen Terpentin, um aus dieser Masse Pillen zu bereiten.
Man mache 4 Pillen und nehme eine dreimal des Tages.
Mit gutem Erfolg mag Sabenbaumöl (~Oils of savin~) und Rainfarn
(~Tansy~), gleiche Theile von jedem, angewandt werden. Man gebe 5
oder 10 Tropfen der Mischung zweimal des Tages, und beginne damit
eine Woche, ehe die Menstruation eintreten soll.
Die Bleichsucht (~Chlorosis or Green Sickness~).
Junge, unverheirathete, schwächliche Frauenzimmer sind es gewöhnlich,
die von dieser Krankheit zu leiden haben. Sie stellt sich gewöhnlich
zur Zeit der Mannbarkeit (~Puberty~) ein und äußert sich durch
Appetitlosigkeit und Unverdaulichkeit. Die Menstruations-Blutung ist
entweder gar nicht vorhanden, oder sehr gering.
+Ursachen.+ Alles, was die Lebensfunktionen stört, z. B. unnahrhafte
Speisen und Aufenthalt in feuchten, schlechtgelüfteten Zimmern;
die Krankheit kann sich auch vererben, so daß alle Frauenzimmer
derselben Familie damit behaftet sind. Diejenigen, die viel Thee,
Kaffee, verdünnte Säuren und schlechte Weine trinken und sich sehr
fest schnüren, sind dieser Krankheit leicht ausgesetzt. Unter
anderen veranlassenden Ursachen mögen genannt werden: Störende
Gemüthsbewegungen, unerwiederte Liebe, Heimweh, Trübsinn &c.
+Symptome.+ Die Symptome, welche diese Krankheit kennzeichnen, äußern
sich nicht alle zugleich, sondern treten nach und nach auf, so daß
sich die Kranke deren kaum bewußt wird. Sie klagt gewöhnlich erst über
Ermüdung und Widerwillen gegen geistige und körperliche Anstrengung.
Die Hautfarbe ist eigenthümlich, nicht besonders weiß, aber blaß mit
gelben und grünlichen Streifen. Die Lippen sind manchmal beinahe ganz
weiß, die Augenlider bleifarbig und angeschwollen. Die Haut ist kalt.
Der Gaumen wird weiß und die Haut ist gewöhnlich mit einer weißen
Masse bedeckt und des Morgens fühlt die Kranke ein klebriges Gefühl im
Munde. Der Athem ist übelriechend. Die Patientin ist sehr schwach und
ermüdet bei jeder kleinen Anstrengung. Sie athmet schnell, nicht weil
die Lungen krank sind, sondern weil sie nicht Kraft genug hat, die
Brust gehörig zu erheben. Der Schlaf wird oft gestört und ist nicht
stärkend. Hartleibigkeit ist vorhanden und zuweilen auch Uebelsein und
Erbrechen. Der Puls ist schwach und schnell. Die Kranke ist traurig,
weint oft plötzlich und ist gerne allein. Der Appetit ist verringert
und dyspeptische Symptome, z. B. Sodbrennen, saurer Magen, Schmerz
in demselben mit Nausea, zeigen sich. Sie begehrt unverdauliche
Substanzen, wie Griffel, Kreide, Holzkohle &c. Auf außerordentliche
Hartleibigkeit folgt Diarrhöe schlecht verdauter Substanzen. Mit
dem Fortschreiten der Krankheit schwellen die untern Gliedmaßen an,
hektischer Husten tritt ein, welcher manchmal von Blutspeien begleitet
ist. Der Unterleib wird fest und schwillt und zwar oft so stark, daß
man die Kranke für schwanger hält. Die Menstruations-Blutung, wenn sie
überhaupt eingetreten, wird sehr schwach und schmerzhaft, hält nur
kurze Zeit an, ist blaß, wässerig und hört endlich ganz auf. Manchmal
fühlt die Kranke heftige Schmerzen in der linken Brust. In manchen
Fällen äußern sich nervöse Symptome, z. B. hysterische Anfälle, Krämpfe
&c. Man mag die Bleichsucht für Herzkrankheit oder Auszehrung halten,
und ich habe deshalb eine genaue Beschreibung derselben gegeben, damit
man sie gleich von Anfang an zu erkennen vermag. Jedoch treten an ein
und derselben Person nicht alle hier angegebenen Symptome auf; jedoch
wird man immer die Mehrzahl derselben finden.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Die Thatsache in Betracht ziehend, daß die Ursache
„Blutverarmung“ ist, wird die Behandlung verhältnißmäßig nicht
sehr schwierig werden. Die Kranke bewege sich viel in der frischen
Luft, verwahre den Körper gegen Kälte vermittelst warmer Kleidung
und halte sich in einem gut gelüfteten Zimmer auf. Die Kost sollte
nahrhaft, nicht aber stimulirend sein. Regelmäßige Gewohnheiten in
jeder Beziehung und Herbeiführung heiterer Gemüthsstimmung durch
Gesellschaft und unschuldige Vergnügungen -- dies ist bei der
Behandlung sehr wichtig. Ehe man der Kranken Arznei giebt, müssen
die veranlassenden Ursachen entfernt werden. Die Lebensweise der
Patientin muß total verändert werden. Ging sie beständig zur Schule,
so muß sie nun aus derselben bleiben, ist sie geneigt, immer zu
Hause zu sein, so sende man sie aufs Land. Man stelle ihr die Gefahr
vor, der sie sich aussetzt, wenn sie sich nicht im Freien bewegt,
und verschaffe ihr alle mögliche Bewegung. Die Entfernung der
sittlichen und geistigen Ursachen ist die schwierigste Aufgabe; aber
auch in dieser Beziehung werden Luft- und Scenerieveränderung, neue
Freundschaften u.s.w. eine gute Wirkung ausüben. Diejenigen, die in
Fabriken arbeiten oder in ruhiger Körperstellung irgend einem Berufe
nachgehen, müssen andere Beschäftigung aufsuchen. Ein lauwarmes
Morgenbad, nach welchem der Körper tüchtig gerieben wird, ist von
guten Diensten, ebenso das „Sitzbad“ oder das Abwaschen und Baden
mittelst des Schwammes am Abend. Vor und nach dem Baden sollte die
Patientin spaziren gehen oder sich mit Arbeit Bewegung verschaffen.
Während der Menstruation muß alle Behandlung mittelst des Wassers
eingestellt werden.
=Allöopathisch.= Die folgende Vorschrift wird von Dr. Pancoast von
Philadelphia empfohlen. Man wechselt mit den Mischungen jeden Tag ab;
das heißt, man nimmt No. 1 den einen und No. 2 den nächsten Tag u.s.w.
No. 1. -- Kohlensaurer Eisen-Niederschlag
(~Precip. carbonate of iron~) 5 Drachmen.
Sturmhut- (~Conium~) Extrakt 2 „
Peru Balsam 1 Drachme.
Zimmetöl 20 Tropfen.
Syrup 8 Unzen.
Pulverisirter Gummi Arabicum 2 Drachmen.
Mische. Dosis: 2 Theelöffel voll dreimal des Tages, jeden andern Tag
nach den Mahlzeiten. Schüttle die Mischung vor dem Gebrauch.
No. 2. -- Brechnuß-Tinktur (~Tinct. of Nux Vomica~) 1 Drachme.
Eisen-Iodide-Syrup (~Syrup iodide
of iron~) 1 Unze.
Syrup 4 Unzen.
Mische dieses. Dosis: ein Theelöffel voll dreimal des Tages, jeden
andern Tag in Wasser nach den Mahlzeiten. Eine andere Behandlung:
Man reinige die Eingeweide mit der folgenden Mischung:
Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1 Unze.
Salpetersaures Kali (~Nitrate of potash~) 10 Grane.
Lakritzen-Extrakt (~Extract of liquorice~) 1 Skrupel.
Zusammengesetzter Senna-Aufguß (~Compound
infusion of senna~) 5½ Unzen.
Jalappen-Tinktur (~Tinct. of jalap~) 3 Drachmen.
Flüchtiger Salzgeist (~Spirits of sal volatile~) 1 Drachme.
Mische dieses. Dosis: zwei oder drei Eßlöffel voll zu einer Zeit, mit
Zwischenräumen von zwei Stunden, bis die Wirkung eintritt.
Auf dieses verordne man schwefelsaures Eisen 5 Grane, Enzian-
(~Gentian~) Extrakt 10 Grane.
Bereite hieraus 3 Pillen und nehme 1 Pille zweimal des Tages mit
zusammengesetzten Aloe- oder Rhabarber-Pillen jeden Abend.
=Homöopathisch.= ~Pulsatilla.~ -- Für Frauen mit mildem, ruhigem
Temperament, welche oft traurig sind und viel weinen, oder
wenn Erkältung und Bloßstellung in der Witterung die Krankheit
verursachten. Die folgenden Symptome deuten auf die Verordnung dieser
Arznei hin: Fahle Farbe mit Röthe und Hitze abwechselnd, Herzklopfen,
kalte Hände und Füße, Schwerathmen, mit einem Erstickungsgefühl
nach jeder Anstrengung, öfterer Stuhlgang und Weichheit desselben,
Uebelkeit und Erbrechen, Anschwellen der Füße, Frösteln, Ohrensausen
und Gesichts-Neuralgie.
~Bryonia.~ -- Mag abwechselnd mit ~Pulsatilla~ gegeben werden, wenn
Blutanhäufungen in der Brust vorkommen, Hartleibigkeit, Nasenbluten,
Hitze abwechselnd mit Frösteln, Husten, wobei Klumpen schwarzen
Blutes abgehen, Schmerzen im Kreuz.
~Ferrum.~ -- Bei großer Schwäche, Appetitlosigkeit, Uebelsein und
hektischem Husten, wassersuchtartige Anschwellungen um die Augen,
Fahlheit der Haut, die Lippen sind beinahe blutlos, Schwierigkeit
beim Athmen, Mangel an Lebenswärme.
~Sulphur.~ -- Gegen hartnäckige Fälle, namentlich wenn die obigen
Heilmittel nicht wirkten. Klopfende Schmerzen im Kopf, Ohrensausen,
saures Aufstoßen vom Magen, Hartleibigkeit mit harten Stuhlabgängen,
große Bedrückung nach dem Sprechen, Schwierigkeit beim Athmen mit
Druck in der Brust.
~Calcarea Carbonica.~ -- Kann nach ~Sulphur~ gebraucht werden,
namentlich wenn die Abzehrung sehr bedeutend ist und die Patientin
Schwierigkeit beim Athmen hat.
~China~ und ~Carbo Vegetabilis~. -- Eine Dosis abwechselnd jeden
Abend 5 oder 6 Wochen lang, wenn das Uebel nach einer heftigen
Krankheit oder nach Hämorrhoiden eingetreten ist.
+Verordnung der Heilmittel.+ Man verordne vom gewählten Heilmittel 5
oder 6 Kügelchen -- trocken -- einmal in 4 Stunden. Sobald Besserung
eintritt, so gebe man die Arznei alle 12 Stunden oder alle 2 oder 3
Tage.
+Kost.+ Diese sollte ganz einfach, aber nahrhaft sein. Man vermeide
alle Stimulanten und hochreifen Früchte &c. Kaffee, grüner Thee und
Liquöre dürfen nicht genossen werden.
=Eclectische und Kräuterkur.= Um den Stuhlgang regelmäßig zu
erhalten, gebrauche man zusammengesetzte Leptandrin-Pillen (~Compound
pill of leptandrin~), jeden Abend zu nehmen. Wirkt diese Dosis nicht,
so füge zu jeder Pille 1/20 Gran Brechnuß (~Nux Vomica~) hinzu. Ist
der Magen sauer, so gebe kohlensaures Natron (~Carbonate of soda~),
oder kohlensaures Kali (~Carbonate of potash~), oder kohlensaure
Magnesia (~Carbonate of magnesia~), mit Gelbwurz- oder Quassia-Thee.
Zur Verbesserung des Blutes brauche folgendes:
Kohlensaures Eisen (~Carbonate of iron~) 5 Drachmen.
Assafötida 3½ Skrupel.
Entenfuß (~Podophyllin~) 8 Grane.
Mische dieses und bereite 24 Pulver daraus und verordne 1 Pulver
dreimal des Tages.
Oder dieses:
Myrrhen-Tinktur, Aloe-Tinktur, von jedem 1½ Unzen, Blutwurzel-
(~Blood root~) Tinktur, salzsaure Eisen-Tinktur (~Muriated tinct.
of iron~), von jedem eine Unze. Mische dieses und verordne einen
Theelöffel dreimal des Tages.
Oder die folgenden Pillen:
Schwefelsaures Eisen (~Sulphate of iron~), zu
pulverisiren und an die Luft zu setzen, bis es
trocken und weiß wird 1 Drachme.
Chinin (~Quinine~) 30 Grane.
Myrrhen (~Gum Myrrh~) 30 „
Entenfuß (~Podophyllin~) 20 „
Hiervon bereite man 60 Pillen mit Enzian-Extrakt (~Extract of
gentian~) und nehme eine Pille Abends und Morgens.
Die zusammengesetzten Pillen von blausaurem Eisen (~Compound pills
of ferrocyanuret of iron~) werden ebenfalls empfohlen. Man nehme
dieselben Morgens und Abends. Man sollte eines dieser Präparate
mehrere Wochen lang hinter einander nehmen und alsdann ein anderes.
Uebermäßige Menstruation (~Profuse Menstruation -- Menorrhagia~).
Dies ist, wie der Name angiebt, ein übermäßiger Blutfluß während
der Menstruation. Die Quantität Blut, die während der Monatsperiode
ausfließt, ist bei verschiedenen Frauen verschieden, beträgt aber
gewöhnlich zwischen vier und acht Unzen. Die Quantität mag an der Zahl
der gebrauchten Tücher (~Napkins~) geschätzt werden. Jedes derselben
enthält etwa ½ Unze oder einen Theelöffel voll, so daß 8 Napkins 4
Unzen enthalten würden, 20 zehn Unzen u.s.w. Bei manchen Frauen mag
der Blutausfluß sehr reichlich sein, ohne daß dadurch die Gesundheit
beeinträchtigt würde.
+Ursachen.+ Dieses Uebel mag durch einen schwachen Zustand der
Gebärmutter, durch vieles Kinderzeugen, Frühgeburten, üppiges Leben
und zu langes und zu vieles Säugen, oder durch Gemüthsbewegungen,
übermäßige Anstrengung, Tanzen, Fälle, schweres Heben, Erkältungen und
geistige Aufregung erzeugt werden.
+Symptome.+ Erschöpfung der Körperkräfte, Schwäche und Schmerz im
Rücken, der sich bis zu den Hüften und über die Lenden zieht, fahles,
eingesunkenes Gesicht, Kopfweh mit Klopfen in den Schläfen, Schmerz in
der linken Seite, im Magen und in den Gedärmen, manchmal Diarrhöe mit
großer Nervenschwäche.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Die Patientin muß sich auf ein hartes Lager niederlegen
und keinerlei stimulirende Speisen und Getränke genießen. Das Zimmer
sollte kühl und sie sollte mit leichten Decken bedeckt sein. Man bade
die Füße in warmem Wasser, und wenn der Ausfluß sehr stark ist, so
lege Tücher, gut mit Essig und Wasser getränkt, auf den Unterleib.
Die Hüften müssen höher zu liegen kommen als der Kopf, und nur in
den äußersten Fällen sollte man zum Verstopfen greifen. Muß es aber
geschehen, so nehme man ein etwa 4 Zoll im Quadrat großes Stück
Linnenzeug und bringe dasselbe in die Scheide, so daß diese angefüllt
wird, worauf man eine Binde zwischen den Beinen befestigt. Kalte
Hüftenbäder, sowie das Einspritzen von kaltem Wasser in die Scheide
werden, falls die Blutung nicht heftig ist, dienlich sein.
=Eclectische und Kräuterkur.= Man nehme gleiche Theile pulverisirten
Alaun, Geranium und Holzkohle, mische dieses und gebe davon 15 Grane
alle 10-20 Minuten; oder je einen Theelöffel voll Salpeter und Alaun;
mische dieses und vertheile die Masse in 6 Pulvern, von welchen eins
alle 2-4 Stunden zu geben ist. Ein aus ganzem Zimmet (~Cinnamon
bark~), oder ganzem Zimmet und den Blättern der rothen Himbeerstaude
bereiteter Thee wird wohlthätig wirken, wenn die Patientin viel
davon trinkt. Auch wird ein aus gleichen Theilen kurzblätterigem
Dreiblattklee (~Beth root~), blauer Schlangenwurzel (~Blue cohosh~)
und mehliger Aletris bereiteter Thee, von welchem je eine halbe Unze
mit einem Pint kochenden Wasser vermischt wird, sehr empfohlen.
Hiervon mag während eines Tages ein Pint getrunken werden. Zur selben
Zeit nehme man alle Stunde oder 2 Stunden ein aus 5 Granen span.
Pfeffer (~Cayenne~), ½ Gran Opium und 1 Gran Ipecacuanha (~Ipecac~)
zusammengesetztes Pulver. Sind bedeutende Schmerzen vorhanden, so
kann das folgende alle zwei oder drei Stunden verordnet werden: ½
Gran Morphium, 4 Grane spanischen Pfeffer, 4 Grane Harz (~Rosin~)
in Brombeerensyrup zu geben. In manchen Fällen wird salzsaure
Eisentinktur (~Tincture of muriate of iron~) in Dosen von 15 Tropfen
alle halbe Stunde oder mehr, je nach Heftigkeit der Symptome, gute
Dienste leisten. Zwischen den „Perioden“ gebe man zur Verhütung
der Ueberblutung zusammengesetzten Wallwurzwein (~Compound wine of
comfrey~) ein- oder zweimal des Tages und lasse die Patientin viel
Thee von Brombeerwurzel oder kurzblätterigem Dreiblattklee trinken.
=Homöopathisch.= ~Ipecac.~ -- Wenn der Ausfluß hellroth und die
Menstruation zu oft eintritt. Man mag ~Sabina~ darauf folgen lassen.