Senfpflaster auf die Füße und das Rückgrat gelegt werden, dem
man heiße Bähungen von Stechapfel- (~Stramonium~) Blättern und
Hopfen, oder Stechapfel und Wermuth (~Wormwood~) oder Rainfarn
(~Tansy~) folgen läßt. Hin und wieder, wenn Reizbarkeit des Magens
vorhanden und der Schmerz sehr heftig ist, ist es gut, Kalomel
und Opium, im Verhältniß von drei oder vier Granen Kalomel auf
ein Gran Opium, alle zwei Stunden, bis drei Dosen genommen sind,
zu geben, wenn der Kranke sich nicht früher bessert. Kann im
Magen nichts zurückbehalten werden, so werden Getränke von Gummi
Arabicum Wasser, Flachssamen-Thee oder Gerstenwasser u. s. w. von
wohlthuendem Einflusse sein, dadurch, daß sie den Urin verdünnen
und dessen Reizbarkeit vermindern. Es ist gut, den Kranken in
Schweiß zu bringen, was durch Dosen von 5 bis 10 Tropfen Nießwurz-
(~Veratrum viride~) Tinktur oder durch die zusammengesetzte
Tinktur der Virginischen Schlangenwurzel (~Virginia snake root~)
in halbstündlichen Dosen von einem Theelöffel voll geschehen kann.
Bei Verstopfung gebe man Bittersalz (~Epsom salts~), Cremor Tartari
(~Cream of tartar~) oder Einspritzungen von warmem Wasser.
Ist der Gries die Ursache der Krankheit, so wird öfteres Trinken von
Leinsamen- oder Hochland Preiselbeer- (~Upland cranberry~) Thee mit
20 Tropfen Potaschen-Liquor (~Liquor of potassa~) empfohlen.
Gegen chronische Entzündung der Nieren kann mit Vortheil ein Aufguß
von ~Pipsissewa~, Bärentraube (~Uva Ursi~), Grundstrauch (~Trailing
Arbutus~), Buchublättern, wilden Mohrrüben (~Wild carrot~), Fingerhut
(~Fox glove~) angewendet werden.
In einigen Fällen werden Senfpflaster zwei- oder dreimal in der Woche
oder Einreiben mit einigen Tropfen von Krotonöl hinreichen, um einen
Ausschlag hervorzurufen, zuträglich gefunden werden.
=Eclectische und Kräuterkur.= Um Schweiß hervorzurufen, gebe man
ein Brechmittel von Lobelia, dann wende man heiße Bähungen von
Hopfen, Wermuth (~Wormwood~) und Rainfarn (~Tansy~), mit Essig und
Wasser gemischt, in der Gegend über der Leber an. Folgendes gebe man
gleichzeitig:
Süßer Salpeterspiritus (~Sweet spirits of nitre~) 2 Unzen.
Süßes Mandelöl (~Oil of sweet almonds~) 2 „
Terpentin-Spiritus (~Spirits of turpentine~) 1 Unze.
Mische es und gebe davon alle drei oder vier Stunden einen Theelöffel
voll in warmem grünem Münzthee (~Spearmint tea~). Der Kranke trinke
öfters und viel Thee von Eibisch- und Wollkraut- (~Mullen~) Blättern,
oder Aufguß von Frauenhaar (~Maiden hair~) oder Haarmoos (~Haircap
moss~). Bei starkem Schmerz gebe Eisenhut- (~Aconite~) Wurzel-Tinktur
in Dosen von zwei bis fünf Tropfen mit Jasmin-Tinktur (~Tincture of
gelsemium~), in Dosen von einem halben Theelöffel voll alle halbe
Stunden. Die Eisenhut-Tinktur kann mit der Jasmin-Tinktur gemischt
werden.
Bei chronischer Entzündung der Nieren sollten die Eingeweide durch
ein gelindes Abführmittel, wie zwei Theile pulverisirter Rhabarber
(~Rhubarb~) und ein Theil doppelt kohlensaure Potasche (~Bi-carbonate
of potassa~) offen gehalten werden, man gebe davon 3 bis 10 Grane, so
oft als zu diesem Zwecke nothwendig.
Acute Nierenentzündung sollte stets nur von einem Arzte, wenn ein
solcher zu haben ist, behandelt werden.
Blasenentzündung (~Inflammation of the Bladder -- Cystitis~).
Diese Krankheit befällt die Schleimhaut der Blase, zuweilen auf deren
Muskel-Substanz, oder sie kann auch verschiedene Theile der Blase
befallen. Entweder ist sie acut oder chronisch.
+Symptome.+ Brennender, durchdringender Schmerz in der Gegend der
Blase, welcher durch einen örtlichen Druck erhöht wird. Der Schmerz
zieht sich bis zwischen die Beine hinab, zuweilen bis zu den Hoden
und Schenkeln, bei beständigem Verlangen zum Urinablassen, der Urin
geht mit großer Schwierigkeit und starkem Schmerze ab, zuweilen nur
tropfenweise, oder er stellt sich ganz ein, wodurch ein Anschwellen der
Blase und große Noth verursacht wird. Der Urin enthält hin und wieder
Schleim, auch Uebelkeit und Erbrechen, Verstopfung, großer Durst und
heiße, trockene Haut sind vorhanden.
Chronische Blasenentzündung
kann allmählig eintreten und in der Regel ist das erste Symptom Schleim
im Urin, welcher erst, nachdem der Urin eine Zeit lang gestanden hat,
bemerkt wird; ein leichter Schmerz, mit einem Gefühl von Hitze in der
Blase, Empfindlichkeit zwischen den Beinen und häufiges Verlangen,
das Wasser abzulassen, sind vorhanden. Der Appetit ist gestört und in
einigen Fällen ist ein leichtes Fieber, belegte Zunge, Unruhe u.s.w.
vorhanden.
+Ursachen.+ Blasenentzündung kann verursacht werden durch die Anwendung
von spanischen Fliegen (~Cantharides~) und Terpentin, durch säuerliche
Substanzen, vermittelst einer Spritze in die Blase gebracht, Steine in
der Blase, äußerliche Verletzungen, Reiten, Tripper, Erkältung der Füße.
+Behandlung.+
=Allöopathisch.= Wird der Urin zurückgehalten, so muß er so bald als
möglich vermittelst eines Katheters abgelassen werden, was aber nur
von einem Arzte gethan werden sollte. Man setze über den unteren
Theil der Eingeweide und zwischen die Beine Blutegel an und mache,
nachdem dieselben entfernt sind, warme Umschläge. Einspritzungen
von warmem Wasser, mit einigen Tropfen von Arnica-Tinktur, sind in
einzelnen Fällen sehr zuträglich. Durch Nießwurz- (~Veratrum viride~)
Tinktur, in Dosen von 5 bis 10 Tropfen, oder die zusammengesetzte
Tinktur der Virginischen Schlangenwurzel (~Virginia snake root~)
rufe man Schweiß hervor. Getränke von Leinsamenthee oder Eibisch-
(~Marsh mallow~) und Pfirsichblättern mögen genommen werden.
Gegen die chronische Blasenentzündung gebe man jeden Abend ein
Senfpflaster oder Krotonöl. Zu Getränken diene Aufguß von Buchu,
Grundstrauch (~Trailing arbutus~), Bärentraube (~Uva Ursi~).
Folgendes mag in einigen Fällen gut sein:
Pulverisirtes Gummi Arabicum 1 Skrupel.
Wasser 2 Unzen.
Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitre~) ½ Unze.
Nießwurz- (~Veratrum viride~) Tinktur 20 Tropfen.
Mische es. Dosis: alle halbe Stunden einen Theelöffel voll.
Einspritzungen von Kalkwasser und Glycerin oder einer schwachen
Auslösung von salpetersaurem Silber (~Nitrate of silver~) mag in
einigen Fällen gut sein.
=Homöopathisch.= Die unter Nierenentzündung empfohlenen Heilmittel
mögen auch gegen dieses Leiden angewendet werden. Ferner kann auch
folgendes gegeben werden: ~Hyosciamus~, bei Krämpfen im Blasenhalse.
Wenn ~Cantharides~ das Brennen während des Urinablasses nicht
mindert, gebe man ~Arsenicum~ und ~Carbo vegetabilis~ abwechselnd.
~Sulphur~ und ~Calcarea~ mögen bei der chronischen Form gegeben
werden.
Wegen Verordnung der Heilmittel siehe Nierenentzündung.
Harnverhaltung (~Retention of Urine -- Ischuria~).
Bei dieser Krankheit wird der Harn in Folge der Unfähigkeit, denselben
abzulassen, in der Blase zurückgehalten, in der Regel bei Vollsein
des unteren Theiles des Unterleibes, welcher schmerzhaft beim Druck
ist; der Schmerz erstreckt sich bis zu den Lenden und Schenkeln
und die Blase fühlt sich hart und angeschwollen an, zuweilen, nach
heftigem Drängen zum Wasserablassen, werden nur einige Tropfen abgehen.
Schreitet die Krankheit vor, so werden die Eingeweide hart, das Gesicht
geröthet und die Haut heiß. Kann keine Linderung verschafft werden,
so ist Gefahr vorhanden, daß die Blase springt oder Entzündung des
Bauchfelles eintritt.
+Ursachen+ -- mögen eine Lähmung der Blase, Verletzungen derselben,
Entzündung des Blasenhalses, Drüsenanschwellung zuzuschreiben sein.
+Behandlung.+
=Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes soll in den meisten Fällen
wirksam sein:
Man mache ein Pint starken grünen Münz- (~Spearmint~) Thee, füge
eine halbe Gill holländischen Wachholder-Branntwein (~Holland
gin~) und eine Unze Salpeter-Spiritus (~Spirits of nitre~) hinzu.
Der Kranke sollte das Ganze innerhalb einer Stunde auf verschiedene
Male trinken. Ist die erste Dosis nicht hinreichend, so sollte es
innerhalb der nächsten 2 Stunden wiederholt werden.
Wenn die Harnverhaltung der Entzündung des Blasenhalses zuzuschreiben
ist, so bringe man den Kranken in ein warmes Bad, lasse ihn dort
15 bis 20 Minuten verbleiben und wende nach diesem eine Bähung von
gleichen Theilen von Hopfen- und Lobelia-Blättern zwischen den Beinen
an.
Ein Thee von Wassermelonen- oder Kürbis- und Gurkenkörnern öfters
getrunken ist hin und wieder zuträglich. Bei starkem Schmerz gebe man
alle halbe Stunden 20 Tropfen Laudanum.
Ist eine Blasenlähmung Ursache der Harnverhaltung, so wende man
folgendes an:
Strychnin 1/16 Gran.
Spanische Fliegen (~Cantharides~) ⅛ „
Pulverisirte Arnicablätter (~Powdered
arnica leaves~) 3 bis 5 Grane.
Mische es zu einer Dosis. Drei von diesen Pulvern gebe man im Verlauf
von 24 Stunden.
Uebt das Strychnin eine unangenehme Wirkung auf den Patienten aus, so
sollte diese Medizin eingestellt werden.
Wenn kein anderes Mittel erfolgreich ist, so muß der Urin vermittelst
des Katheters entzogen werden. Man lasse den Fall nicht lange
anstehen, ehe dieses gethan wird.
=Homöopathisch.= Ist der Gebrauch von spanischen Fliegen
(~Cantharides~) Ursache der Harnverhaltung, so gebe man ~Camphor~,
~Pulsatilla~, ~Apis~ und ~Aconitum~.
Wenn durch Erkältung zugezogen: ~Nux Vomica~, ~Mercurius~,
~Dulcamara~, ~Pulsatilla~, ~Belladonna~, ~Apis~.
Wenn die Folge von Schreck: ~Aconitum~.
Nach einem Fall oder Schlag: ~Arnica~.
Bei krampfartiger Harnverhaltung: ~Chamomilla~, ~Belladonna~, ~Nux
Vomica~, ~Opium~, ~Hyosciamus~.
Gegen Blasenlähmung: ~Agnus Castus~, ~Nux Vomica~, ~Hyosciamus~,
~Arsenicum~, ~Dulcamara~.
Wenn in Folge von Blasenentzündung: ~Aconitum~, ~Cantharides~,
~Belladonna~, ~Nux Vomica~, ~Pulsatilla~. (Siehe Blasenentzündung.)
Tritt sie bei schwangeren Frauen ein: ~Pulsatilla~, ~Nux Vomica~,
~Cocculus~.
+Verordnung der Heilmittel.+ Dieselbe wie bei Nierenentzündung.
Das Trinken von vielem kalten Wasser oder Gummi Arabicum Wasser,
ebenso Bäder von warmem oder kaltem Wasser wird zuträglich gefunden
werden.
Der Harnfluß (=~Incontinence of Urine~ -- ~Enuresis~=)
wird meistens bei Kindern gefunden und besteht in einem Unvermögen, den
Harn zu halten, der in der Regel während der Nacht im Bette abfließt.
Auch bei alten Leuten wird dieser Zustand häufig gefunden.
+Ursachen.+ Lähmung der Blase, Verletzung der Rückgratsnerven, welche
mit der Blase in Verbindung stehen, Schwäche des Nervensystems, Würmer,
Hämorrhoiden, Gries oder Steine in der Blase.
+Behandlung.+
=Homöopathisch.= Von ~Silicea~ kann jeden Abend eine Dosis gegeben
werden. Wenn innerhalb zwei Wochen nicht besser, gebe ~Sepia~ in
derselben Weise.
~Sulphur~, ~Arsenicum~ und ~Carbo Vegetabilis~ können abwechselnd
gegeben werden, wenn die obigen Mittel nicht anschlagen.
Andere Heilmittel sind: ~Belladonna~, ~Hyosciamus~, ~Cantharides~,
~Nux Vomica~, ~Ignatia~, ~Pulsatilla~, ~Rhus~, ~Mercurius~, ~Cina~.
Ist die Entzündung Folge der Lähmung: ~Cantharides~, ~Nux Vomica~,
~Rhus~, ~Uva Ursi~.
+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel gebe Morgens
und Abends eine Dosis. Werden die Kügelchen gebraucht, gebe 4 bis 6
auf eine Dosis.
=Allöopathisch.= Man gestatte dem Kind das Wassertrinken vor dem zu
Bett Gehen nicht, und nehme es des Nachts mehrere Male auf, damit es
den Urin abläßt.
Folgendes kann mit Vortheil angewendet werden:
Benzoesäure (~Benzoic acid~) 2 Drachmen.
Zimmetwasser (~Cinnamon water~) 6 Unzen.
Mische es. Dosis: Dreimal des Tages einen Theelöffel voll.
=Eclectische und Kräuterkur.= Folgendes kann mit gutem Erfolg
angewendet werden:
Salzsaure Eisen-Tinktur (~Muriated tincture
of iron~) 1 Unze.
Spanische Fliegen-Tinktur (~Tincture
of cantharides~) ½ „
Mische es und gib dem Kinde drei Tropfen für jedes Jahr seines Alters
dreimal des Tages.
Man lasse öfters und viel kalten Thee von Kirschbaumrinde (~Cherry
tree bark~) oder Löwenzahn- (~Dandelion~) Wurzel trinken.
Folgendes mag angewendet und wird bei Kindern von Erfolg gefunden
werden:
Man nehme Hausenblase (~Isinglass~) eine Rolle, koche sie in einem
Pint Wasser, bis sie aufgelöst ist, füge ein Pint süße Milch hinzu,
stelle es zum Feuer bis es leicht kocht, versüße es dann mit
Stückzucker und reibe Muskatnuß (~Nutmeg~) darauf. Wenn es ordentlich
gemacht ist, ähnelt es Eierrahm (~Custard~). Einem Erwachsenen mag
dreimal täglich ein Bierglas voll gegeben werden, Kindern weniger.
Spanische Fliegen- (~Cantharides~) Tinktur gebe man einem Erwachsenen
zweimal täglich in Dosen von 15 Tropfen; Kindern verhältnißmäßig
weniger.
Harnträufeln, auch Harnruhr (~Diabetes~)
ist eine Krankheit, bei welcher große Quantitäten von Urin abgehen,
zuweilen bis zu mehreren Gallonen innerhalb 24 Stunden.
+Symptome.+ Der Appetit ist außerordentlich stark, bei großem Durst,
trockener Haut, Verdauung gestört, Zahnfleisch geschwollen und
entzündet, trockener und aufgesprungener Mund, Abzehren des Fleisches,
Hinfälligkeit, Schmerz und Schwäche in den Lenden, ohne allen
Geschlechtstrieb, häufige Anfälle von Schwindel und Schmerz im Kopfe,
der Urin enthält eine große Masse Zuckerstoff, was mehrfach bestätigt
worden ist.
+Ursachen.+ Dieselben mögen in irgend etwas bestehen, was die
Verdauung stört, Unmäßigkeit, große Ermüdung, beständiger Gebrauch
von säuerlichen Getränken, Anwendung des Quecksilbers (~Mercury~),
Erkältung.
+Behandlung.+
=Allöopathisch.= Alaun (~Alum~) in Dosen von 3 Granen dreimal täglich
wird zuträglich gefunden werden, ebenso Kreosot in Dosen von 1 bis 2
Tropfen dreimal täglich.
Auch spanische Fliegen-Tinktur (~Tincture of cantharides~) kann
angewendet werden. Folgendes wird für einige Fälle empfohlen:
Chinarinde (~Peruvian bark~) 1 Skrupel.
Wilde Preiselbeerblätter (~Wild cranberry bark~) 1 „
Opium ½ Gran.
Mische und nimm es dreimal des Tages.
Man lasse den Patienten nichts essen, was Zucker- oder Stärkestoff
enthält, wie Kartoffeln, rothe Rüben (~Beets~), Pastinaken
(~Parsnips~) und anderes Gemüse.
=Eclectische und Kräuterkur.= Die Eingeweide sollten vermittelst
kleinen Dosen von Rhabarber (~Rhubarb~) dreimal des Tages oder durch
andere gelinde Abführmittel in Ordnung gehalten werden.
Ein Aufguß aus gleichen Theilen von ~Unicorn root~ und Wasserandorn
(~Bugle weed~) mag öfters und viel getrunken von gutem Erfolg sein.
Folgende Zusammensetzung kann als ein stärkendes Mittel angewendet
werden:
Kurzblätteriges Dreiblatt (~Beth root~) 4 Unzen.
Schlangenwurzel (~Black cohosh root~) 4 „
Storchschnabel- (~Geranium-~) Wurzel 4 „
Kirschbaumrinde (~Cherry tree bark~) 4 „
Pulverisire das Ganze und mische es; nehme dann eine halbe Unze der
Mischung und gieße ein Pint kochendes Wasser darauf, wenn kalt trinke
das Ganze und wiederhole es mehrere Male während des Tages.
Folgende Pillen wirken auf die Leber und Absonderungen:
Entenfuß (~Podophyllin~) 10 Grane.
Blutwurzel (~Sanguinarin~) 10 „
Cayennepfeffer (~Cayenne~) 40 „
Brechwurz (~Ipecac~) 20 „
Mache mit Löwenzahn- (~Dandelion~) Extrakt 40 Pillen daraus und nimm
Morgens und Abends eine.
=Homöopathisch.= Die Hauptmittel sind: ~Acidum Phosphoricum~,
~Carbo Vegetabilis~, ~Conium~, ~Acidum Muriaticum~, ~Mercurius~,
~Belladonna~, ~Rhus~, ~Opium~.
Werden ~Mercurius~ und ~Sulphur~ gegeben, so gebe man sie abwechselnd.
+Verordnung der Heilmittel.+ Von den gewählten Heilmitteln gebe man
Morgens und Abends eine Dosis und fahre damit eine Woche lang fort,
bevor zu einem anderen Heilmittel gegriffen wird.
Werden die Kügelchen angewendet, so gebe man 6 auf eine Dosis.
Oefteres Waschen des Körpers mit kaltem oder lauwarmem Wasser wird
zuträglich gefunden werden.
Blasenpolyp, auch Blasenstein (~Gravel, or Stone in the Bladder --
Calculus~).
Diese Krankheit wird durch eine Ansammlung von Sand, sowie die Bildung
von Gries oder Stein in den Nieren oder der Blase verursacht.
+Symptome.+ Plötzliche Anfälle von Schmerz von acuter und heftiger
Natur in der Gegend der Nieren, derselbe zieht sich in die Schenkel
hinab und verursacht eine Erstarrung der angegriffenen Seite, ein in
die Höheziehen der Hode, häufiges Verlangen zum Urin lassen; befindet
sich der Stein in der Blase, so ist ein Schmerz am Ende des Penis
vorhanden, begleitet von mehr oder weniger Entzündung und Schwierigkeit
des Harnlassens, während des Letzteren wird dasselbe plötzlich
abbrechen und ein heftiger Schmerz wird gefühlt werden, der durch den
Stein, welcher sich über den Blasenmund geschoben hat, hervorgerufen
wird; ein Wechsel der Stellung verschafft zuweilen Linderung.
+Behandlung.+
Diese Krankheit ist zu wichtig und zu gefährlich, als daß sie nach
einem Buche behandelt werden könnte, der Fall sollte dahingegen in
die Hände eines geschickten Arztes gelegt werden.
Sarsaparilla in Dosen von einem Tropfen auf ein Stück Zucker alle
Abend wird zuweilen Anfälle lindern.
Blutharnen (~Blood with the Urine -- Hæmaturia~)
meint einen Blutfluß oder eine Blutung aus der Harnröhre, ob nun aus
der Blase, den Nieren, dem Harnweg oder der Harnröhre.
+Symptome.+ Dem Blutfluß geht gewöhnlich Schmerz in der Blase oder den
Nieren und Schwäche voraus, in der Regel große Empfindlichkeit gegen
Druck auf die Gegend über den Nieren oder der Blase; kommt das Blut aus
den Nieren, so ähnelt der Urin Blutwasser oder dunklem Biere; kommt
es aus dem Harnweg (dem Canal, welcher von den Nieren nach der Blase
führt), so wird beträchtlicher Schmerz vorhanden sein; der abgehende
Urin wird jenem von der Blase ähneln, nur werden die Fasern länger
sein; kommt es aus der Blase, so ist es nicht mit dem Urin gemischt,
sondern in der Form von kleinen, faserartigen Klümpchen; fließt es aus
der Harnröhre (der Ausgang, welcher von der Blase führt), so kommt es
tropfenweise und mischt sich nicht mit dem Urin; zuweilen wird Eiter
oder eine faulige Masse im Urin gefunden, was den Beweis liefert, daß
irgendwo eine Eiterung stattfindet.
+Ursachen.+ Verletzungen in Folge von Fallen, Schlägen, Heben oder
Springen, auch kann es durch Steine in der Blase oder Entzündung dieses
Organs, sowie die Anwendung von Terpentin- (~Turpentine~) Spiritus oder
spanische Fliegen (~Cantharides~) verursacht werden.
+Behandlung.+
=Eclectische und Kräuterkur.= Man lasse den Kranken öfters und viel
von einer Eibisch- (~Marsh mallow~) Abkochung, oder auch von gleichen
Theilen ~Queen of the meadow~ und Pfirsichblättern trinken. Ist der
Schmerz heftig, so mache man eine Bähung von Hopfen oder Stechapfel-
(~Stramonium~) Blättern über den Sitz der Krankheit; ein Aufguß
von Grundstrauch (~Trailing arbutus~) mag zuweilen mit Vortheil
angewendet werden.
=Homöopathisch.= ~Arsenicum~ ist in einigen Fällen zuträglich,
besonders wenn Symptome von Wassersucht vorhanden sind.
Andere Heilmittel sind ~China~, ~Ipecacuanha~, ~Pulsatilla~,
~Arnica~, ~Lycopodium~.
+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel gebe alle
Stunde, alle 2, 3 oder 4 Stunden, der Strenge der Symptome
angemessen, eine Dosis (6 Kügelchen).
=Allöopathisch.= Blutegel mögen in der Gegend über dem Magen mit
Vortheil angesetzt werden.
Folgendes wird als äußerst zuträglich empfohlen:
Bleizucker (~Sugar of lead~) 24 Grane.
Essig 1 Drachme.
Mohnsyrup (~Syrup of poppies~) 1 Unze.
Rosenwasser 3 Unzen.
Weiches Wasser 4 „
Mische es. Dosis: alle 2 Stunden, bis 5 oder 6 Dosen genommen sind,
ein bis zwei Eß-Löffel voll. Galläpfel-Säure (~Gallic acid~) soll bei
dieser Krankheit eine große Kraft besitzen. Sie kann in Dosen von 5
Granen mit 10 Tropfen Bilsenkraut-Tinktur (~Tincture of henbane~) in
einem Theelöffel voll Gummi Arabicum Schleim gegeben werden.
Selbstbefleckung, Onanie (~Masturbation -- Onanism~).
Dies ist eine sehr erniedrigende und schädliche Gewohnheit, welcher
sich die Jugend beiderlei Geschlechts ergiebt. Es giebt wohl kaum ein
Laster, welches für Geist und Körper schädlicher ist und gefährlichere
Folgen hat, als dieses. Gewöhnlich wird damit sehr frühzeitig begonnen,
ehe noch dessen übler Einfluß wahrgenommen wird, und ist schließlich
so eingewurzelt, daß der Betreffende nur mit großer Schwierigkeit mit
dieser Gewohnheit brechen kann.
+Symptome+, welche dieses Laster zeigen, sind zahlreich. Beginnt
die Gewohnheit in der frühen Jugend, so wird dadurch das Wachsthum
verzögert, die geistigen Fähigkeiten vermindert und das Opfer verfällt
in einen beklagenswerthen Zustand. Die damit gequälte Person sucht
die Einsamkeit und wünscht nicht an der Gesellschaft seiner Freunde
Theil zu nehmen, ist mit Kopfschmerzen geplagt, Schlaflosigkeit und
Unruhe des Nachts, Schmerz in verschiedenen Theilen des Körpers,
Trägheit, Tiefsinn, Verlust des Gedächtnisses, Schwäche im Kreuz und
den Geschlechtsorganen, veränderlicher Appetit, Feigheit, Unfähigkeit
Jemandem ins Gesicht zu schauen, Mangel an Vertrauen in seine eigenen
Fähigkeiten.
Wird das Laster mehrere Jahre hindurch getrieben, so tritt ein
reizbarer Zustand des Organismus ein, Hitze fliegt plötzlich über
das Gesicht, das Gesicht wird blaß und klebrig, der Blick ist stumpf
und blöde, das Haar wird locker und spaltet sich an den Enden;
zuweilen tritt Schmerz in der Gegend des Herzens ein, Kurzathmigkeit,
Herzklopfen, Symptome von Verdauungsschwäche (~Dyspepsia~) zeigen sich,
der Schlaf wird unruhig, Verstopfung, Husten, Halsentzündung sind
vorhanden, bis schließlich der Mensch physisch, moralisch und geistig
als Wrack dasteht.
Einige von den Folgen der Selbstbefleckung sind Epilepsie, Schlagfluß,
Lähmung, frühzeitiges Altern, unfreiwillige Samenentleerungen, welche
in der Regel währen des Schlafens oder nach dem Urinablassen, auch
während des Stuhlganges stattfinden. Bei dem weiblichen Geschlechte
finden wir außerdem in Folge dessen noch Hysterie, Starrsucht, Störung
der monatlichen Reinigung und starke nervöse Symptome.
+Behandlung.+
=Allgemeine.= Zuerst muß die Gewohnheit aufgegeben werden, denn
ohne dies kann nichts gethan werden, ohne dies bleibt jede andere
Behandlung erfolglos. Alles muß geschehen, um das sittliche Gefühl
des Kranken zu stärken und die Selbstachtung zu heben. Er sollte
die Gesellschaft tugendhafter und geistreicher Frauen aufsuchen und
alles von schlüpferigem Charakter vermeiden. Sein Geist sollte einer
Beschäftigung oder Unterhaltung, die seine ganze Aufmerksamkeit
ohne Ermüdung in Anspruch nimmt, zugewandt werden, die Einsamkeit
ist zu vermeiden und der Patient ist nicht mehr als eben unbedingt
nothwendig allein zu lassen, und vor allem lasse man ihn nicht allein
schlafen. Eine Matratze, mit leichter Decke zum Zudecken, ist am
geeignetsten. Häufige Bäder und Waschungen der Geschlechtstheile,
ebensowohl Sitzbäder als Baden des ganzen Körpers sind sehr
zuträglich. Die Behandlung sollte nur von einem geschickten Arzt
geleitet werden.
=Homöopathisch.= ~Mercurius~, ~Phosphorus~, ~Aurum~, ~Nux vomica~,
~Cuprum~, ~Cantharides~, ~Conium~, ~Cannabis~ sind Hauptmittel gegen
dieses Leiden.
+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem gewählten Mittel nehme man
Morgens und Abends eine Dosis (6 Kügelchen).
=Allöopathisch.= Stärkende Mittel sind anzuwenden und wird zu diesem
Behufe folgendes empfohlen:
Verdünnte Salpetersäure (~Diluted nitric acid~) 4 Drachmen.
Verdünnte Salzsäure (~Diluted muriatic acid~) 4 „
Orangenschalen-Syrup 1 Drachme.
Wasser 1½ Unzen.
Mische es. Dosis einen Theelöffel voll in einem Weinglas mit Wasser
vor jeder Mahlzeit.
Oder auch:
Schwefelsaures Chinin (~Sulphate of quinine~) 15 Grane.
Verdünnte Schwefelsäure (~Diluted sulphuric acid~) 15 Tropfen.
Zusammengesetzte Cardamon-Tinktur (~Compound
tinct. of cardamon~) 3 Drachmen.
Hopfen-Tinktur (~Tinct. of hops~) 3 „
Zusammengesetzter Rosenaufguß (~Compound infusion
of roses~) 6 Unzen.
Mische es. Dosis einen Theelöffel voll zwei- oder dreimal des Tages.
Oder:
Salzsaure Eisen-Tinktur (~Muriated tincture of iron~) 1 Unze.
Rosen-Wasser 6 Unzen.
Orangenschalen-Syrup 1 Unze.
Mische es. Dosis: für einen Erwachsenen einen Theelöffel voll in
einem Weinglas mit Wasser nach jeder Mahlzeit.