~Rhus Toxicodendron~ sollte abwechselnd mit ~Bryonia~ gegeben werden,

wenn Symptome von Nervenfieber vorhanden sind, wie: trockene rothe

Zunge, heiße und trockene Haut, sowie Delirium. Kommt hierzu starker

Durst, Schlaflosigkeit, bräunliche Diarrhöe, gebe man ~Arsenicum~ und

~Rhus~ abwechselnd alle 1 oder 2 Stunden eine Dosis.

Bei Ohrenfluß mit Ohrenschmerzen verbunden nach den Masern gebe man

~Pulsatilla~, ~Sulphur~ oder ~Mercurius~. Gegen das Anschwellen der

Drüsen des Nackens ~Belladonna~, ~Mercurius~, ~Rhus~, ~Arnica~. Gegen

das Brennen und Jucken der Haut ~Sulphur~ und ~Arsenicum~.

Während einer Epidemie der Masern ist eine Dosis (4 Kügelchen) von

~Pulsatilla~ alle Abend zu empfehlen, sie wird entweder den Anfall

ganz verhindern oder doch schwächen.

+Verordnung der Heilmittel.+ Ist die Dosis nicht mit den Mitteln

angegeben, so löse man 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wasser und

gebe einen Theelöffel voll alle 2 bis 3 Stunden.

+Anmerkung.+ Wenn die Masern bösartig sind, sich Symptome eines

Faulfiebers, sowie ein dunkler, schwarzgelber Ausschlag, mit

dunkelrothen Flecken, großer Schwäche einstellen und der Ausschlag

einmal heraustritt, dann wieder verschwindet, so ziehe man einen

geschickten Arzt zu Rathe.

Das Scharlachfriesel (~Scarlatina familiaris~, ~scarlet rash~.)

Dasselbe ist eine vom Scharlachfieber verschiedene Krankheit, obgleich

es zuweilen mit demselben, sowie auch mit den Masern verwechselt wird.

Der Ausschlag des Scharlachfriesels besteht in ganz kleinen kronartigen

Erhöhungen, welche bei einem Streichen mit der Hand über die Oberfläche

der Haut leicht gefühlt werden können, während der Ausschlag des

Scharlachfiebers vollkommen glatt ist.

+Ursachen.+ Kinder irgend eines Alters sind empfänglich dafür,

wird aber häufiger bei Säuglingen gefunden. Es wird durch einen

gewissen Reiz des Magens und der Eingeweide, durch plötzlichen

Witterungswechsel, plötzliche Unterdrückung der Hautausdünstung, durch

kaltes Trinken, wenn der Körper erhitzt ist, und durch übermäßige

Bewegung hervorgerufen. Es ist nicht ansteckend.

+Kennzeichen.+ Dem Ausschlag geht in der Regel Frost und Hitze --

abwechselnd -- Schwäche, Schwere und Eingenommenheit des Kopfes,

Schlaflosigkeit, Hitze und Trockenheit der Haut, Appetitlosigkeit u.

s. w. voraus. Diese Symptome verschwinden, sobald sich der Ausschlag

zeigt, was in der Regel am dritten oder vierten Tage der Fall ist.

Scharlachfriesel kann von Scharlachfieber dadurch unterschieden werden,

daß bei dem Letzteren der Ausschlag eine hellrothe oder scharlachartige

Farbe besitzt und sich gleichmäßig über die Oberfläche des Körpers

verbreitet; bei dem Ersteren ist der Ausschlag viel dunkler, zuweilen

fast purpurfarbig, und erstreckt sich in unregelmäßigen runden

Flecken über den Körper, läßt auch beim Druck mit den Fingern keinen

weißen Eindruck zurück. Das Scharlachfieber wird stets von bösem Hals

begleitet, was bei dem Scharlachfriesel nicht der Fall ist. Durch das

Laufen der Nase, Augen u. s. w., Symptome der Masern, können dieselben

vom Scharlachfriesel unterschieden werden.

+Behandlung.+

=Homöopathisch.= Bei gewöhnlichen Fällen reicht ~Aconitum~ hin, das,

wenn Reizbarkeit und Schlaflosigkeit vorhanden ist, abwechselnd mit

~Coffea~ gegeben werden kann.

Bei Uebelkeit und Erbrechen ~Ipecacuanha~ oder ~Pulsatilla~.

Verschwindet in Fällen der Ausschlag plötzlich: ~Ipecacuanha~ und

~Bryonia~, abwechselnd alle halbe Stunden oder alle Stunden eine

Dosis, gleichzeitig halte man den Kranken wohl zugedeckt.

Bei Andrang nach dem Kopfe, Schläfrigkeit gebe man ~Opium~. Wenn

plötzliche Anfälle eintreten, die Augen mit Blut unterlaufen und der

Kopf schwer wird, wende man ~Belladonna~ an.

+Verordnung der Heilmittel.+ Löse 12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll

Wasser und gebe alle 1, 2 oder 3 Stunden, der Strenge der Symptome

angemessen, einen Theelöffel voll.

=Allöopathisch.= Gewöhnlich ist nur wenig, wenn irgend welche

Behandlung erforderlich. Bei starken Anfällen beschränke man den

Kranken auf das Haus, setze ihn auf schmale Kost und gebe folgendes:

Eine Auflösung von essigsaurem Ammoniak

(~solution of acetate of Ammonia~) 1½ Unzen.

Süßer Salpeter-Spiritus (~sweet spirits of nitre~) 2 Drachmen.

Syrup 2 „

Kampfer-Mischung 4 Unzen.

Mische es. Dosis: einen Theelöffel voll alle 3 oder 4 Stunden.

Ist Säure in dem Magen vorhanden, gelegentlich eine Dosis Magnesia

-- bei starkem Fieber die neutrale Mischung (~neutral mixture~).

Auf die Eingeweide suche man mit Castoröl oder Bittersalz u. s. w.

einzuwirken.

=Wasserheilkur.= Die Anwendung des Wassers wird bei dieser Krankheit

von ausgezeichnetem Erfolge gefunden werden. Hülle den Kranken in

nasse Tücher und decke ihn mit wollenen Decken gut zu. In dieser

Lage mag er gelassen werden, bis eine ungehinderte Ausdünstung

eintritt, worauf man ihn mit lauwarmem Wasser abwäscht. Ruft die

erste Einhüllung nicht die gehörige Ausdünstung hervor, so sollten

die nassen Tücher wiederholt werden, und zwar so oft, bis das Fieber

eintritt. Wenn der Ausschlag plötzlich verschwindet und der Kranke

wird schwach, schlaflos und reizbar, so wasche man ihn über und über

mit kaltem Wasser, hülle ihn unabgetrocknet in wollene Decken ein

und gebe ihm reichlich kaltes Wasser zu trinken. Er wird dadurch in

Schweiß gerathen und der Ausschlag wird wieder erscheinen.

Betreffs der Kost müssen alle reichen, überreifen und fetten Speisen

vermieden werden und man darf dem Kranken nur leichte Diät erlauben,

wie z. B. Weizen- oder Reismehlschleim, Milch und Wasser, Sago,

Tapioca oder Zwiebackwasser (~toast water~).

Das Scharlachfieber (~Scarlatina~, ~laevis~).

Dies gehört zu den ansteckenden Fiebern und ist in der Regel von

Ausschlag und bösem Halse begleitet. Es giebt drei verschiedene Arten:

~Scarletina Simplex~ oder einfaches Scharlachfieber; ~Scarletina

Anginosa~, wo Hals und Haut angegriffen sind, und ~Scarletina Maligna~,

wo der böse Hals ein vorwiegendes Kennzeichen ist und daher zuweilen

auch bösartige Halsentzündung genannt wird. Diese verschiedenen Formen

aber entspringen alle aus ein und derselben Quelle. Scharlachfieber

kommt im Frühjahr und Herbst am häufigsten vor. Die einzige Krankheit,

mit der sie verglichen werden kann, sind die Masern, und unter dem

Abschnitt „die Masern“ wurde bereits der Unterschied dieser beiden

Krankheiten angegeben. Der böse Hals kann die Folge eines gelinden

Scharlachfiebers sein, wie auch nicht selten in Folge einer bösartigen

Halsentzündung gelindes Scharlachfieber entsteht. Diese Formen erhöhen

unmerklich eine die andere (Watson). Oft tritt das Scharlachfieber

so gelinde auf, daß es den Kranken kaum an’s Haus bindet, während es

wieder in andern Fällen in wenigen Tagen, ja sogar in wenigen Stunden

eine schlimmere Wendung nimmt.

~Scarlatina Simplex~ -- beginnt mit Frostschauer, heißer Haut,

Kopfschmerz, Uebelkeit und einer leichten Halsentzündung. Am zweiten

Tage zeigt sich ein Ausschlag von feinen rothen Punkten -- zuerst im

Gesicht und auf dem Nacken und bedeckt bald den ganzen Körper. Der

Ausschlag nimmt am vierten oder fünften Tage ab und verschwindet in der

Regel am siebten oder achten Tage der Krankheit ganz. Die Epidermis

oder Oberhaut schält sich in großen Flecken von den Händen und

Endgliedern und schuppt sich vom Gesicht und den übrigen Körpertheilen

ab.

~Angina scarlatinosa.~ -- Die Symptome treten schärfer und stärker

bei dieser Art als bei der vorhergehenden auf. Die Vorläufer oder

ersten Kennzeichen dauern länger, der Ausschlag zeigt sich nicht vor

Ablauf des zweiten, in manchen Fällen nicht vor dem dritten Tage und

zeigt sich mehr in der Form von großen rothen Flecken. Der Frost

ist bedeutend, der Hals entzündet und Hals und Drüsen hochroth und

geschwollen. Das Schlucken geht schwierig und die Drüsen schwellen

so bedeutend an, daß sie den Eingang zum Halse fast verstopfen.

Anhaltendes Kopfweh, geschwollene, rothe Augen verbinden sich mit

Steifheit des Nackens und Kinnbackens. Die Hitze der Haut ist groß

und die Haut erscheint fast roth gesotten. Sollte sich der Ausschlag

auf den Magen, die Lungen oder das Gehirn erstrecken, so werden die

Symptome sehr bedenklich und der Fall erfordert eine sehr umsichtige

Behandlung. Wenn der Fall günstig verläuft, verschwindet der Ausschlag

ungefähr am sechsten oder achten Tag.

~Scarlatina Maligna.~ -- Diese Krankheit ist sehr gefährlich. Die

Symptome sind ungefähr dieselben, wie bei der vorhergehenden Form,

nur nähern sie sich bald denen des Typhoid und verursachen große

Schwäche und gänzliche Erschöpfung. Die Entzündung des Halses ist

bedeutend, Geschwüre bilden sich, welche die zarten Theile des Halses

zerstören können. Der Ausschlag zeigt sich in unregelmäßigen Flecken,

verschwindet zuweilen und kommt wieder. Die Drüsen des Nackens sind

sehr geschwollen und die Nasenhöhlen verstopft und angeschwollen. Eine

scharfe und brennende Absonderung aus der Nase und dem Halse macht die

Lippen sowie die Nase wund. Die Zunge ist trocken und hat eine dunkle

mahagoniholzartige Farbe. Der Puls ist schwach und die Hitze der Haut

unter dem normalen Stand.

Das Aussehen der Zunge ist bei Scharlachfieber eigenthümlich. Beim

Beginn der Krankheit ist sie mit einer dicken, rahmartigen Lage

bedeckt und die Kanten sind von einer dunkelrothen Farbe; nach den

ersten zwei oder drei Tagen reinigt sie sich und gleicht jetzt einem

Stück rohen Fleische. Gewisse Krankheiten, die zuweilen einem Anfall

von Scharlachfieber folgen, sind fast eben so gefährlich, als das

Fieber selbst. Hierher gehören die Entzündung des Inneren des Ohres,

von welchem eine eiterartige Absonderung stattfindet und die den

Kranken vollständig taub machen kann, scrophulöses Anschwellen der

Nackendrüsen, chronische Entzündung der Augen. Die am meisten zu

befürchtende Folge ist die Wassersucht, die entweder den ganzen Körper

oder nur den Kopf und die Brust befallen kann. Gewöhnlich wird sie

durch eine Erkältung während der Wiedergenesung hervorgerufen, und es

kann daher nicht genug Sorgfalt während der Hautabschuppung beobachtet

werden. Dieser Abschnitt der Genesung ist der gefährlichste der ganzen

Krankheit, denn während die Eltern meinen, daß das Kind wieder gesund

wird, lassen sie in ihrer Wachsamkeit nach, indem sie dem Kinde

gestatten, in ein kaltes Zimmer zu gehen, das Feuer abgehen lassen und

sich noch anderer grober Sorglosigkeiten schuldig machen. In Folge

einer solchen Krankheit wird der Kranke hinfällig, matt, fieberisch

und schlaflos. Die Haut ist trocken und heiß, die Abschuppung stellt

sich ein, das Gesicht schwillt an, bald dehnt sich dieses Anschwellen

auf Hände und Füße und schließlich auf den ganzen Körper aus. Wenn

auch der Anfall von Scharlachfieber nur ein leichter war, so sollte

doch dem Kranken nicht gestattet werden, sein Bett vor dem fünfzehnten

Tage und das Haus nicht vor vier Wochen, vom Beginn der Krankheit an,

zu verlassen. Sein Leben kann von der genauen Befolgung dieser Regel

abhängen.

+Ursachen.+ -- Scharlachfieber kann durch Ansteckung fortgepflanzt

werden, oder auch als eine Epidemie herrschen. Dr. Hood empfiehlt in

seinem Werk über das „Scharlachfieber“, die Kleider mit Chlorsalz zu

tränken und sie auf Stühle in dem Zimmer eines an dieser Krankheit

Leidenden zu hängen. Dies zerstört die Ansteckungskraft und die Gefahr

der Ausbreitung dieser Krankheit ist weit geringer, als es andrerseits

der Fall sein würde.

+Behandlung.+

=Allgemeine.= Die milderen Formen dieser Krankheit erfordern nur

geringe Behandlung. Man halte den Kranken in einem gut gelüfteten

Zimmer, setze ihn auf schmale Kost und wasche die Oberfläche des

Körpers gelegentlich mit lauwarmem Wasser, wenn die Hitze der Haut groß

ist. Einige Aerzte empfehlen anstatt der Waschung mit lauwarmem Wasser

eine Einreibung mit Nierenfett sehr. Dr. West sagt in seinem Buche

„über Krankheiten der Kinder,“ daß er dieses Mittel mit großem Erfolg

angewendet habe. Es entfernt jene stechende Hitze weit erfolgreicher

als das Wasser, macht die Haut geschmeidig und braucht nicht mehr als

zweimal innerhalb 24 Stunden wiederholt zu werden. Die Einreibung

besteht aus folgendem: Man nehme Talg oder fetten Speck und reibe damit

den Kranken vom Kopf bis zum Fuß, ausgenommen das Gesicht und die

Kopfhaut, Morgens und Abends. Anstatt des Speckes empfiehlt Dr. Meigs

in seinem „Krankheiten der Kinder“ folgende Salbe:

Glycerin 1 Drachme.

Salbe von Rosenwasser 1 Unze.

Diese Einreibung sollte sofort nach dem Erkennen der Krankheit

angewendet und während dem ganzen Verlaufe fortgesetzt werden.

Während der Genesung, oder wenn sich die Haut abschuppt, wende sie

des Morgens an, gebe dem Kinde ein warmes Bad am Abend und reibe es

gut mit einem weichen Handtuche ab.

Nasse kalte Wasserumschläge sollten um den Hals, wenn er böse und

entzündet ist, gemacht werden. Der Umschlag muß immer nach einigen

Augenblicken entfernt werden, bis sich der Hals bessert. Anstatt der

Einreibung wasche die Oberfläche mit einer schwachen Auflösung des

Saleratus oder Laugenwasser, was den Reiz vermindern wird. Im Falle

der Ausschlag plötzlich verschwindet und es ist augenscheinlich,

daß er sich nach Innen geschlagen hat, empfiehlt Dr. Mundle die

Behandlung vermittelst der Wasserkur, als ein ausgezeichnetes Mittel,

und zwar wie folgt: Im Falle, daß das Scharlachfieber plötzlich nach

Innen schlägt, muß der Kranke am ganzen Körper mit kaltem Wasser

gewaschen werden, und falls Krampf erfolgt, muß kaltes Wasser in

größerer Menge über ihn gegossen werden, bis der Krampf aufhört, dann

wird er in wollene Decken, ohne abgetrocknet oder abgerieben worden

zu sein, gewickelt, und muß soviel als möglich kaltes Wasser trinken.

In den meisten Fällen tritt Schweiß ein, der Ausschlag erscheint

wieder und der Kranke ist gerettet.

Die gehörige Regelung der Kost ist ein wesentlicher Bestandtheil

der Behandlung. In der Regel zeigt der Kranke kein besonderes

Verlangen nach Nahrung, besonders wenn das Fieber seinen Höhepunkt

erreicht hat. Wünscht aber der Kranke etwas zu genießen, so gebe

man ihm Reismehl- oder Pfeilwurzschleim, Tapioca, Farina, Wasser

von geröstetem Brod, Eiswasser oder Flachssamenthee. Ein sehr

erfrischender Trank wird dadurch hergestellt, daß man dem kalten

Wasser Erdbeeren-, Himbeeren- oder anderen Fruchtsyrup hinzufügt.

Wenn die Lippen und Zähne mit einem Schorf oder einer Kruste bedeckt

werden, entferne man sie vermittelst warmer Milch oder warmen

Wassers. Wird er besser und die Genesung schreitet vorwärts, so kann

Haferschleim, geröstete Milchschnitten (milk toast) und sehr leichte

Fleischbrühe gestattet werden. Wenn die Verdauung gut ist, erlaube

man Suppen, zartes, leicht verdauliches Fleisch u. s. w. In Betreff

der Kost kann nie genug Sorgfalt beobachtet werden. Beklagt sich der

Kranke laut, daß ihm nicht hinreichend Nahrung zu Theil wird, so

willfahre seinem Ansuchen nicht.

Es ist von äußerster Wichtigkeit, daß ihm nicht erlaubt werde, zu

früh auszugehen oder sich auf irgend eine Weise der kalten Luft

auszusetzen. Es ist sehr zuträglich, wenn noch eine lange Zeit nach

dem Anfall unmittelbar auf der Haut Flanell getragen wird.

Als ein Schutzmittel gegen das Scharlachfieber wird von den Aerzten

aller Schulen Belladonna empfohlen. Seine Vorzüge wurden zuerst

durch Hahnemann, den Gründer der homöopathischen Schule, bekannt. Es

ist außer allem Zweifel, daß dies die Kraft, gegen die Krankheit zu

schützen oder doch den Anfall bedeutend zu verringern, besitzt. Die

beste Form, dasselbe zu nehmen, ist das homöopathische Kügelchen, von

welchem man vier einmal des Tages durch mehrere Wochen hindurch, oder

so lange als man der Krankheit ausgesetzt sein mag, einnimmt. Kann

man diese Form nicht haben, nehme man einen Tropfen von der Tinctur

ein Tag um den andern. Wenn dies Alles einen Anfall nicht verhüten

sollte, so wird es ihn doch sicherlich weit gelinder machen.

=Homöopathisch.= Bei Behandlung dieser Krankheit ist das wichtigste

Mittel ~Belladonna~. Es wird in allen Formen und Stadien gegeben,

bei der einfachen Form wird schon diese eine genügen. Die Symptome,

welche es erfordern, sind folgende: Trockenes, brennendes Fieber,

schneller Puls, großer Durst, trockene, rothe oder weißbelegte Zunge,

Hals und Drüsen entzündet und geschwollen, erschwertes Schlucken,

Schlagen der Halsadern, Gesicht heiß, roth und aufgedunsen,

Schwindel, Vollsein und Druck im Kopf, mit stechenden Schmerzen,

welche durch Bewegung erhöht werden, Appetitlosigkeit, Uebelkeit

und Erbrechen, heftigen Husten, trockene, brennende Hitze der Haut,

das Auffahren aus dem Schlaf, große Erregtheit und Umsichschlagen,

Scharlach-Ausschlag auf dem Gesicht und ganzen Körper. Bei heftigen

Anfällen kann ~Belladonna~ alle Stunden einmal gegeben werden, bis

sich die Symptome bessern. Bei milderen Fällen alle 2 bis 3 Stunden

eine Dosis.

Wenn das Fieber stark, der Puls schnell und voll, die Haut trocken

und der Kopf heiß ist und große Erregtheit sich kund gibt, so gebe

~Aconitum~ abwechselnd mit ~Belladonna~ alle Stunden. Tritt unter

dieser Behandlung während des Tages Besserung ein und die Symptome

wachsen zur Nachtzeit zur Ruhe- und Schlaflosigkeit, so gebe man

~Coffea~ und ~Belladonna~ abwechselnd alle Stunden, bis der Kranke

ruhiger wird.

Ist große Schläfrigkeit und Hin- und Herwerfen vorhanden, die Zunge

sehr trocken, Anschwellen der Drüsen des Nackens, die Haut im Gesicht

glänzend, der Kopf nach rückwärts geworfen und fast beständiges

Delirium, so gebe man ~Rhus toxicodendron~ und ~Belladonna~

abwechselnd alle Stunden.

~Mercurius~ und ~Belladonna~ mögen alle Stunden abwechselnd gegeben

werden, wenn die Mandeln schwürig werden, die Drüsen des Nackens

anschwellen, eine große Menge von Speichel aus dem Munde läuft und

übelriechender Athem vorhanden ist. Tritt innerhalb 12 Stunden keine

Besserung ein, gebe man ~Acidum Nitri~ ebenso wie ~Mercurius~.

Werden aber, nachdem man 6 bis 8 Stunden ~Acidum Nitri~ gegeben

hat, die Symptome schlimmer und die Speichelabsonderung immer

unerträglicher, gebe man ~Arsenicum~ und ~Lachesis~ alle Stunden eine

Dosis abwechselnd bis der Kranke besser wird. ~Opium~ mag gegeben

werden, wenn das Athmen in Schnarchen übergeht, bei Auffahren oder

beständigem Delirium; das Gesicht aufgeschwollen und roth, brennende

Hitze der Haut -- mit oder ohne Schweiß.

Schlägt der Ausschlag zurück und die Haut nimmt eine dunkelbläuliche

Farbe an, abwechselnd ~Bryonia~ und ~Belladonna~ alle halbe Stunden.

Gewährt dies keine Erleichterung, so gebe man ~Ipecacuanha~ oder

~Camphor~.

~Sulphur~ ist ein schätzenswerthes Mittel und sollte (gelegentlich

eine Dosis) gegeben werden, wenn sich die Haut abzuschuppen beginnt.

Wenn die Symptome, welche ~Belladonna~ erfordern, nach Einnahme

dieser Arznei nicht nachlassen, so gebe gelegentlich eine Dosis

~Sulphur~.

Zeigen sich die Symptome der Bräune (~Croup~), so gebe man ~Aconitum~

und ~Hepar sulphuris~ abwechselnd, alle Stunden eine Dosis.

Gegen Ohrenschmerzen nach Scharlachfieber reiche man ~Pulsatilla~

alle ein oder zwei Stunden eine Dosis, der Strenge der Symptome

angemessen. Gewährt dies keine Erleichterung, so gebe man

~Belladonna~ und ~Hepar Sulphuris~ abwechselnd.

Gegen Ohrenfluß (~Otorrhœa~) gebe man ~Pulsatilla~ alle 6 Stunden

eine Dosis, drei oder vier Tage lang; wenn es darauf nicht besser

wird, gebe man ~Calcarea~ oder ~Silicea~ in derselben Weise. Zeigt

das Kind nach der Krankheit Symptome von Wassersucht des Gehirns

(heißen Kopf, kalte Endglieder, Schlaf mit halboffenen Augen,

Erbrechen bei Bewegung), so gebe man ~Bryonia~ und ~Helleborus~

abwechselnd, alle zwei Stunden, bis sich die Symptome bessern.

Wenn der ganze Körper anschwillt, gebe man ~Belladonna~ und

~Helleborus~ abwechselnd alle zwei Stunden und darauf ~Bryonia~ oder

~Apis mellifica~.

Sind, ehe der Ausschlag herauskommt, Verzuckungen vorhanden, so gebe

man ~Belladonna~ und ~Cuprum~ abwechselnd alle 15 bis 20 Minuten eine

Dosis.

+Verordnung der Heilmittel.+ Von dem betreffenden Heilmittel löse

12 Kügelchen in 12 Theelöffel voll Wassers und gebe als Dosis einen

Theelöffel voll alle halbe, ganze oder zwei Stunden, der Heftigkeit

der Symptome angemessen.

=Allöopathisch.= Bei gelinden Fällen bleibe man im Hause in kühler

frischer Luft, nehme verdünnte Getränke wie Flachssamen-Thee und eine

leichte Kost, sowie die folgende Mischung, was alles sein wird, was

nothwendig ist.

Schwefelsaure Magnesia (~Sulphate of magnesia~) 1½ Unzen.

Zusammengesetzter Aufguß von Rosen (~Compound

infusion of roses~) 5 Unzen.

Zimmet-Wasser 1 Unze.

Mische es. Dosis: Alle drei Stunden zwei Theelöffel voll.

Bei schmerzhaftem Schlucken, entzündetem und geschwollenem Hals und

Mandeln, vollem und springendem Puls, heißer und trockener Haut, gebe

man folgendes Brechmittel:

Pulverisirten Ipecacuanha 10 Gran.

Schwefelsaures Zink (~Sulphate of zinc~) 10 Gran.

Gewöhnlicher Syrup 2 Drachmen.

Wasser 1 Unze.

Auf diese Arznei gebe man warmes Wasser, bis ein Erbrechen

hervorgerufen ist. Dieses Mittel kann einem Kinde von 6 Jahren

und darüber gegeben werden. Dr. Rush empfiehlt ein Brechmittel

mit einem Abführmittel zu vereinigen, und zwar wie folgt: 5 Gran

Calomel, 1 Gran ~Antimonium tartarisatum~, oder 5 Gran pulverisirtes

Ipecacuanha. Brechmittel sollten während dieser Krankheit, wo immer

die Symptome schlechter werden, oder Magenkrankheit vorhanden ist,

angewendet werden. Zur Beförderung der Thätigkeit der Haut wird

folgendes Mittel gut gefunden werden:

Süßer Salpeter-Spiritus (~Sweet spirits of nitri~) ½ Unze.

Tinctur von grüner Nieswurz (~Tincture of veratrum

viride~) 20 Tropfen.

Pulverisirter Gummi-Arabicum 1 Skrupel.

Weiches Wasser 2 Unzen.

Mische es. Dosis: Alle halbe Stunden einen Theelöffel voll. ~Acidum

muriaticum~ ist ein gutes Heilmittel. Gebe 45 Tropfen in ein Glas

versüßten Wassers und alle halbe Stunde einen Theelöffel voll.

Als ein Gurgelwasser für den Hals gebrauche man eine Auflösung von

Chlorkalk (~chloride of lime~) eine Unze auf das Pint.

Wenn das Kind zum Gurgeln noch zu jung ist, so binde ein Läppchen

an einen Stock und wische den Hals aus. Ungefähr zweimal des Tages

anzuwenden. Es schadet nichts, wenn das Kind zufällig etwas davon

verschlucken sollte. Ferner ist es sehr zuträglich, das Kind Abends

und Morgens mit derselben Auflösung abzuwaschen. Ein ausgezeichnetes

Gurgelwasser ist das folgende:

Zusammengesetzter Aufguß von Rosen (~Compound

infusion of roses~) ½ Pint.

Verdünnte Salzsäure (~Dilute muriatic acid~) ½ Drachme.

Mische es.

Wenn die Symptome, wie in der zweiten Form angegeben, gebe man

folgendes:

Citronen-Säure (~Citric acid~) 1 Drachme.

Doppeltkohlensaure Potasche (~Bicarbonate of potash~) 4 Skrupel.

Salpeter (~Nitre~) 2 Skrupel.

Zimmet-Wasser 2 Unzen.

Wasser 2 Unzen.

Mische es. Dosis: Alle vier Stunden zwei Theelöffel voll. Tritt

bedeutender Schweiß ein, gebe man das folgende mit obigem alle vier

Stunden:

Auflösung von essigsaurem Ammoniak (~Solution of

acetate of ammonia~) 2 Unzen.

Kohlensaures Ammoniak (~Carbonate of ammonia~) 3 Skrupel.

Syrup ½ Unze.

So viel Wasser, um ein halbes Pint zu machen. Dosis: Einen Eßlöffel.

Als ein Mittel gegen Ansteckung und für einen Trank möge das

folgende angewandt werden: Bringe 2 Gran Chlorsaures Kali

(~chloride of potash~) in eine Quartflasche, füge eine Drachme

Chlorwasserstoff-Säure (~hydrochloric acid~) hinzu und halte die

Flasche gut verkorkt. Man lasse die Mischung ungefähr eine halbe

Stunde stehen und füge dann allmählig ein Quart Wasser zu. Schüttle

die Mischung nach jeder Hinzufügung von Wasser, damit das Wasser das

Gas in sich aufnimmt. Ferner noch drei Unzen Orangenschalen-Syrup.

Dies kann von dem Kranken so oft er es wünscht getrunken werden.

Unser Familien-Arzt · 第 2 / 51 段