Sie nickte: »Ein Prinz, ich weiß — der erste ist kaum ein Jahr alt —«

Sie gab sich Mühe, die Freude zu heucheln mit ihrem erzwungenen

Lächeln. Wie süß sie aussah! wie köstlich sie blühte in ihrer

Gesundheit, in ihrer von keinem Hauch getrübten Schöne! Eine Art Zorn

flog mich an, und zwischen den Zähnen drängte ein leiser Ruf hervor,

der fast wie eine Drohung klang, eine Drohung gegen das Schicksal ....

Ich faßte ihre weiße warme Hand und preßte sie: »Na nimm dir es nicht

zu Herzen, mein liebes, armes Weibi —«

»Arm« hatte ich sie genannt! Gewiß war sie arm, einsam und arm trotz

meiner Liebe — wiesen nicht die Finger der ganzen Verwandtschaft auf

diese Armut hin? Das Wort hatte sie getroffen, in ihren Augen schwollen

Thränen, und der letzte Zwang des Lächelns verzitterte um ihre Lippen.

Ich war aufgestanden und hielt ihr schluchzendes Köpfchen in meinen

Händen: — »Eine Dummheit! Eine Lächerlichkeit! I was werden wir uns

das so zu Herzen nehmen! — komm, komm her! — ich hab’ dich lieb, du

liebst mich! — wir beide, ach wir beide! — ist das nicht genug?«

Sie wehrte leise, mit einem Wiegen ihres Kopfes, und schluchzend

brach ihr lange verhaltener Schmerz hervor. O sie hatte es längst

gemerkt, wie sie bei unserer Familie nicht für voll angesehen würde

— »deswegen!« Papa und Mama und Tante Eckberte hatten ja nur einen

Gedanken — — »den!« Sie wäre ihnen allen die bitterste Enttäuschung!

Und es würde nur noch schlimmer werden, je mehr die Aussicht schwände.

»Du selbst, Kurt, — du sollst sehn — du selbst wirst mich zuletzt

nicht mehr lieb haben!«

»Wa—a—as?!« Ich lachte hell und übertrieben kräftig auf.

»Du bekommst es auch einmal satt, fort und fort auf den Vorwurf bei den

Deinen zu stoßen —« schluchzte sie weiter.

»Na, du Närrchen, wer sagt denn, daß wir diesen Vorwurf nicht noch

eines Tages tüchtig zu Schanden machen.« Ich zählte ihr verschiedene

Fälle aus unserm Bekanntenkreise auf. »Und nun komm! Wir müssen uns

selber verlachen wegen unserer Thorheit! Und sag’ einmal, Liebling,

Weibi, ist das wohl patriotisch? Geschwind nimm dein Glas! Statt

anzustoßen auf das Wohl unseres jüngsten Prinzen, sitzen sie und

jammern und verzagen! — da soll doch gleich ....«

Und ich ergriff mein Glas und hielt es gegen das ihre; zögernd nahm sie

das, und das anstoßende Krystall gab einen hellen, freudig klingenden

Ton.

»So ist’s recht! Und nun kein Wort mehr davon! Ich hab’ dich lieb —

du hast mich lieb — von einer Chimäre laß’ ich mir meine Liebe nicht

über den Haufen werfen! Auf die Gesundheit also des kleinsten aller

Königlichen Hoheiten!«

Durch ihre Thränen lächelte sie innig, während der Wiederschein des

goldgelben Rheinweines wie Sonnenlicht über ihre Züge flimmerte. —

Ein Jahr darauf kam ich zufällig über den Opernplatz nach dem Schloß

zu, als gegen die Museumsseite des Lustgartens sich Auflauf und Gedräng

bemerkbar machte. Was fragte ich noch? — es war jährig! es war wieder

Juli! — natürlich ein neuer Prinz! Soeben ist die Artillerie dort

am Anfahren, um auch diesem Sproß am kräftigen Hohenzollernstamm den

hundertfach dröhnenden Willkommgruß zu entbieten.

Da packte mich ein lächerlicher Zorn. Jetzt ins Kontor? Nimmermehr!

Damit mir Papa abermals wie im vorigen Jahr auf die Schulter tippt, mit

seinem höhnischen »Numero Drei, mein Junge!« Abermals soll ich die Qual

von hundert und ein Kanonendonnern wehrlos ertragen, jeder Schlag eine

Mahnung und ein Verweis. Schießt Ihr, so viel Ihr wollt, ich mach’ mich

davon ....

Hüpfte also eilends in eine »Erster« und befahl dem Kutscher, die

Linden herunter zu jagen — wohin? — nun einerlei, nach dem Tiergarten

zu, tief in den Tiergarten hinein! Der Kerl auf dem Bock blickte mich

unter dem Lederrand seines Hutes etwas verwundert an: ich wollte mich

doch nicht etwa totschießen dort im Gebüsch — und so eilig?

Aber die Kanonenschüsse waren schneller als mein Droschkengaul. Jetzt

schütterte der erste Donner durch die Luft. Die Leute auf dem Trottoir

blieben stehn und horchten, andere nickten, die wußten schon — wieder

breitete sich der freudige Schein über die Gesichter, wieder bekam das

Grün der alten Linden ein so festliches Ansehen. Und Schuß auf Schuß

mir nachjagend in den Tiergarten hinein, ja dort in der Waldesstille

hallte es erst recht deutlich über den Wipfeln. Umsonst dieser Qual zu

entfliehen!

Vielleicht war es nur eine Prinzessin, und das Geschieße hatte bald ein

Ende. Da wandte mein Kutscher seinen breiten Rücken ein wenig herum und

warf über die Schulter die Bemerkung hin: »Is schon wieder’n Prinz —

dacht’ ick mir doch!«

»Wieso? haben Sie gezählt?« rief ich dagegen, und meine Stimme mochte

wohl die Erregung nicht verbergen.

»Ick wußt’ schon, auch ohne zu zählen — bei’n Prinzen Wilhelm is det

schon nich’ anders. Jedet Jahr eene Nummer — lauter Jungens! —«

»Fahren Sie um den See herum zurück!« befahl ich. Hatte ich wohl nötig

gehabt, in den Tiergarten zu entfliehen, um mir den Prinzen Wilhelm als

ein vorbildliches Muster auftrumpfen zu lassen? Das hätte ich auch im

Kontor haben können!

Doch der Schreckliche dort auf dem Bock ließ nicht nach. Der

Kanonendonner reizte seinen eignen Vaterstolz; nach einer Pause wandte

er sich abermals herum: »Stücker acht hab’ ick och. Nich lauter

Jungens, Mächens müssen och sind. Det wird Prinz Wilhelm och insehn

dhun, und det nächste Jahr um die Zeit, wann sie wieder knallen, da

können se wat mit’s Pulver sparen — nu is en Mächen dran.«

Genug! Welche Aussicht! Ich fürchtete damals, der Mann möchte recht

haben mit seiner Prophezeiung der Prinzen-Serie. »Jedet Jahr ene Nummer

....« Jedes Jahr wohl ungefähr um diese Zeit würde ich mir meine eigne

Kinderlosigkeit mit Kanonengeknall vorwerfen lassen müssen! Es war zu

viel! Ich gab dem Kutscher die Adresse unserer Firma an — ich wollte

hin, mich an das Pult setzen und dem Angriff von der anderen Seite

energisch stand bieten — ich wollte mir dergleichen Anspielungen und

Trümpfe ein für allemal ernstlich verbitten.

Unterwegs aber stellte sich mir immer deutlicher die vorigjährige Scene

an unserm Mittagstische dar. Mein armes Weibchen — diesmal würde

sie noch ganz anders unter dem alle Poren des Hauses durchdringenden

Kanonendonner gelitten haben! Denn die unselige geheime Gegnerschaft,

die sich innerhalb meiner Familie gegen sie gebildet hatte, war im

Laufe dieses Jahres noch gewachsen. Es klingt grausam, dennoch muß

ich die alten Leute nicht ganz ohne Verteidigung lassen. Meines

Vaters Stammesbewußtsein litt unter der Aussicht, daß unsere Familie

ganz verlöschen müßte; die Firma, die alte, angesehene Firma, die

den Wandlungen von Jahrhunderten zu trotzen schien, so fest war sie

gegründet, sollte in absehbarer Zeit an andere Namen und Menschen

übergehen — die fixe Idee dieser enttäuschten Großvaterhoffnungen war

in ihrer Beharrlichkeit wohl erklärlich, mußte sie nicht im Gegenteil

immer mehr an Schärfe und Bitternis zunehmen? Die ganze Familie war

zuletzt auf diesen Ton gestimmt, die Sticheleien mehrten sich, immer

deutlicher die Anspielungen, immer häufiger die Verstimmungen zwischen

uns Verbrechern und dem Gros der andern Partei. Unser Argwohn lauerte

auf Schritt und Tritt der neuen Demütigung. Ja, als eine andauernde

Kränkung empfand es meine gute Frau. Sie hatte recht gehabt: man

sah sie nicht für voll an in unserer Familie; allerlei dumme kleine

Geschichten, die vor unserer Ehe gespielt und die das entsetzliche

liebe Mein und Dein betrafen, wurden ausgekramt, von neuem wurde an

ihrer Mitgift gemäkelt und die Standesgemäßheit meiner Heirat, über

die der Adel einiger Hunderttausende von Mark zu entscheiden hatte,

abermals auf die Wagschale gelegt. Zwar nicht vor unsern Augen, doch

der Klatsch wisperte uns dies und das ins Ohr, die Dinge natürlich

vergrößernd.

Unsere Besuche hatten sich mehr und mehr auf festliche Gelegenheiten

eingeschränkt. Da unterstanden wir aber auch um so erbarmungsloser dem

Gemäkel und der Kritik der ganzen Verwandtensippe. Ein böses Wort

wurde mir zugeraunt: man hätte sich an maßgebender Stelle geäußert,

meine Frau wäre unbedeutend, eine schöne Puppe, die aber nichts

bedeutet. —

Emmy war unter der Last ihres Verbrechens immer stiller geworden,

sie hatte fast ihre alte herzige Fröhlichkeit eingebüßt, wenigstens

ihnen gegenüber. Gewiß lag die Acht meiner Familie wie ein böser

Bann auf ihrem Herzen — kein Wunder, daß die Kritik ein wenig

recht bekam! Freilich bedeutete sie nichts, da sie der Firma keinen

Nachfolger geschenkt — eine Mutter zu sein, ist stets ein Verdienst!

»Unbedeutend« — ein schlimmer Hieb für einen Ehemann, der in seiner

Frau den Ausbund aller äußeren und seelischen Vorzüge anbetete!

Wie immer blieb etwas von solcher Kritik als ein schmerzlicher Stachel

hangen. Auch unser schönes intimes Glück bekam von Zeit zu Zeit einen

häßlichen Hauch. Eine bange Ahnung beschlich mich zuweilen: — sollte

unserer Liebe und unserm Frieden eine Gefahr drohen? Hatte sie mich

nicht vor Jahresfrist gewarnt: »Zuletzt wirst du selbst mich nicht mehr

lieb haben, Kurt —«

Eine ungeheure Angst erfaßte mich plötzlich. »Nicht Markgrafenstraße!«

rief ich dem Besitzer der Acht, »aber nicht lauter Jungens,« zu.

»Fahren Sie Kurfürstenstraße!«

Der lederne Kutscherhut reckte sich kurz auf mit der stummen Bemerkung,

was es doch für Käuze gäbe unter den Fahrgästen; dann in einer

equipagenmäßigen Kurve lenkte das Gefährte zur Seite, um den Kanal

entlang nach meiner Wohnung zu rollen.

Wie ich es geahnt — meine Frau in Thränen! Und welch eine schluchzende

Bitternis, die sich weder durch mein ärgerliches und einen Hohn

heuchelndes Lachen, noch durch meine Liebkosungen beschwichtigen

lassen wollte. Sie mochte kurz vor mir nach Hause gekehrt sein,

das Capotehütchen saß ihr noch auf dem Kopf, die Handschuhe lagen

in der Hast abgestreift auf dem Teppich. Auf der Straße hatte der

Kanonendonner sie wohl überrascht, und all das im Laufe des letzten

Jahres angesammelte Leid brach nun in einer Flut von Thränen aus. Aber

immerhin eine Lächerlichkeit — Gott wie oft muß man das betonen und

beschwören!

Es war etwas anderes, schlimmeres, wie sie mir endlich schluchzend

gestand. Sie hatte also ihrer Schwiegermama einen Besuch abgestattet,

einen rücksichtsvollen Mußbesuch, den sie der alten Dame längst

schuldig gewesen. Auch Tante Eckberte war zufällig anwesend; und dort,

mitten in das Gespräch, war der Kanonendonner hineingefahren. Emmy

wußte sofort, und das Blut war ihr heiß zu Kopf geströmt. Der Wind

mußte so stehn, daß das Gedonner ganz nahe klang — »Der neue Prinz!«

rief Mama nach dem dritten Schuß. Tante Eckberte in ihrer nervös

beweglichen Art war ans Fenster getrippelt, um nur ja nichts von den

kostbaren Tönen zu versäumen — »na aber so was!« kicherte sie wie

in kindlicher Freude, und bei den nächsten Schüssen schlug sie die

Händchen zusammen vor Entzücken.

»Prinzeß Wilhelm, das ist eine Natur! alle Wetter! (sie scheute sich

nicht, ihre innere Kraftart durch ein gelegentliches kleines Flüchlein

zu beweisen). Und schon das dritte! Natürlich wieder ein Junge! — die

Schüsse klingen schon so, als ob es ein Prinz wäre.«

Jetzt erschien auch Papa in der Thüre. Nur ganz kurz: »N’tag, Emmy,

wie geht’s dir?« Und dann gleich losfahrend in seinem auftrumpfenden

Enthusiasmus: »Was sagt ihr nun? Nummer drei! Das ist ja wundervoll! —

das ist ja geradezu verblüffend! — bumm!«

Darauf eine Pause, während der die drei Alten mit Blicken und Nicken

und Ausrufen und signalmäßigen Bewegungen ihr Entzücken austauschten.

O ich konnte mir die Scene genau vorstellen, es bedurfte nur Emmys

Andeutungen! Hatte sie nicht dort vor ihnen gesessen wie eine eines

Verbrechens Angeklagte? Am liebsten wäre sie dem schrecklichen

Kanonendonner und den noch schrecklicheren Bemerkungen entflohen, aber

ihr Urteil mußte ja doch erst deutlich gesprochen werden!

»Na freust du dich denn nicht auch, Emmy?« fing Mama an.

Gleich nachdem Papa: »Wir werden ja nun wohl verzichten, nicht wahr?

— Das Beispiel da zieht eben nicht — na ich weiß, du kannst ja nicht

dafür, aber ....«

Was denn »aber«? Nun sie verlangten ja wohl, daß sich das arme Frauchen

auch duckte wie eine Verbrecherin — man mochte ihr nicht verzeihen,

daß sie ihren Sinn trotzdem stolz und hoch aufrecht hielt, wie es ihrer

prächtigen Art entsprach.

Tante Eckberte aber gab den Trumpf: »Ich werde also meinen Namen

unbenutzt mit ins Grab nehmen — niemand ist da, der ihn haben will!

Wenn mir doch wenigstens der Gefallen geschähe — aber so!«

Dann mit einem listig-anzüglichen Blinzeln ihrer klugen Äuglein, zu

Papa gewandt: »Du, Franz, ich habe mich also entschlossen, daß nach

meinem Tode der Lützowplatz endlich geräumt wird — ich werde in meinem

Testament dafür sorgen.«

Ich kann mir die Wirkung auf meinen Vater und meine Mutter denken.

Wie sie in sich zusammensanken vor Schreck und sprachlos das

unsichtbare Wort »Testament« anstierten. Tante Eckberte’s Testament

— ein Popanz, der von Zeit zu Zeit in unserer Familie auftauchte,

um allerlei Verstörungen darin anzurichten. Die schrullenhafte alte

Dame gefiel sich darin, da sie diese Wirkung kannte, das Schreckmittel

bei angemessenen Gelegenheiten spielen zu lassen. Es gab allerlei

Stiftungen und Verwendungsarten, auf die das ominöse Testament

hinzielte — »mein Geld will von euch ja keiner! — ja wenn Kurtens

(das waren wir) Nachkommen hätten, da braucht’ ich mir nicht meinen

alten Kopf zu zerplagen — aber so!«

Diesmal war es also der Lützowplatz. Man kennt diesen Schandfleck

Berlins, ein herrlicher, zu einem eleganten Schmuckplatz mitten im

vornehmen Westen wie geschaffener Raum, den aber das Besitzrecht eines

Finanzkonsortiums in einer allem Geschmack hohnsprechenden Weise

ausnutzt, indem es ihn an Kohlenhandlungen vermietet und allerlei

hökerhafte Wirtschaften dort duldet. Tante Eckberte war eine Anwohnerin

dieses Platzes; gewiß wäre ihr Andenken ein gesegnetes gewesen im

ganzen Westen, ja in ganz Berlin, wenn sie dem unausstehlichen Zustand

ein Ende gemacht — freilich auf Kosten von uns andern Erbberechtigten.

Es war zu viel! Die Luft war so überladen mit Anzüglichkeitsstoff,

und der Schall des Kanonendonners schien die feindliche Stimmung zu

vermehren — noch ein paar ähnlich spitzige Bemerkungen, dann fand es

Emmy für geratener, das Feld zu räumen. Sie that es mit einem bösen,

häßlichen, nicht ganz pietätvollen Wort, das ihnen die unerhörte

Grausamkeit vorwarf. Hier erst, im eignen Hause, brach der ganze Jammer

los: — ist sie nicht das unglücklichste Weib auf der Welt? Sie will

nie wieder das Haus meiner Eltern betreten! Sie hat nun genug all der

Kränkung! Und erneutes Weinen und Schluchzen. Vergeblich suchte ich sie

zu beschwichtigen: ich wollte mit Papa und Mama ein ernstliches Wort

reden — es ist nur die Schrulle! — sie können doch nicht im Ernst ihr

und mir ein Verbrechen anrechnen!

»Thun sie aber, Kurt!« schluchzte Emmy. »Es kommt noch viel schlimmer!

Sie werden mich ganz verdrängen! Sie werden nicht ruhen, bis ich

abgereist bin! Ich bin ja nichts — ich bin keinen Kanonenschuß wert —

laß mich — ich will fort — ganz fort von hier — es soll mich niemand

wiedersehen!«

Ein Anfall, den ihr meisten von uns Ehemännern wohl kennen möget. Doch

kein noch so wohlgemeintes Hohnlachen und keine Zärtlichkeit half

dagegen.

Hatte sie mich nicht in dies Verbrechertum gestürzt? Nein, sie wollte

nicht schuld sein, daß ich selbst den Herzen der Meinen entfremdet

würde! Wenn es so weiter ginge, so liefe ich noch Gefahr, enterbt zu

werden, und andere schlimme Dinge.

Ich schlug unsanft genug mit der Hand auf den Tisch, daß die

Gegenstände darauf hüpften: »Einerlei, mag kommen, was will — ich

geh’ hin! — ich will mich aussprechen! — ich will doch sehn, ob ich

dieser Lächerlichkeit nicht Herr werde!«

Eine Stunde darauf befand ich mich im feindlichen Lager, das in großer

Erregung war. Emmy hätte sie, die alten Leute, beleidigt.

»Sie wird Abbitte thun deswegen!« fuhr ich heraus — »aber man wird sie

nicht ferner quälen! — und mich nicht!«

Wo und wann hätte jemand irgend eine Anspielung gemacht? Ist jemand

schuld daran, wenn sich alljährlich Kanonen aufpflanzen, um Prinz

Wilhelm einen neuen Jungen anzuschießen? Nie und nirgends wäre auch

nur die Spur eines Vorwurfes gefallen — Emmy’s und mein argwöhnischer

Sinn sähen Gespenster. Ja, fühlten wir uns denn schuldig? »Enttäuscht

sind wir alle ein wenig — aber daran gewöhnt man sich — nicht wahr,

Eckbertchen?«

»I, was werdet Ihr Euch echauffieren — deswegen!« meinte Tante listig

— »ich kann den Lützowplatz ja immer schon als Kinderspielplatz

einrichten lassen inzwischen ....«

Das »inzwischen« brachte uns alle zum Lachen. Sie also hielt an der

Hoffnung fest, die gute, brave Polterin — mit dem Lützowplatz war es

also nur ein Scherz gewesen! Sie wehrte sich gegen diese Auffassung,

aber der Friede war gemacht. Wir wollten uns künftig nicht mehr das

Leben verbittern, es sollte keine Anspielung fallen »inzwischen« —

nicht einmal, wenn Prinz Wilhelm im nächsten Jahr abermals schießen

lassen würde.

»Was unfehlbar eintreffen wird!« rief der unverbesserliche Papa. —

Was aber nicht eintraf, nicht in diesem und nicht im nächstfolgenden

Jahre, wie ihr alle wißt. Aber auch die Hoffnung, die von uns wie

von der gegnerischen Seite in Tante Eckberte’s bedeutungsvolles

»inzwischen« gesetzt worden war, ging ebensowenig in Erfüllung. Weiter

warteten wir vergeblich, daß sich das Rauschen von Storchflügeln über

unserm Dache vernehmen ließe. Und eine stille Resignation bemächtigte

sich unser: sollten wir deshalb mit Harm in die Zukunft schauen, oder

uns gar unsere kostbare Liebe gefährden lassen?

Das Verhältnis zu unsern Eltern hatte sich nach jenem Gewitter am

Geburtstag Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen Adalbert leidlich

freundlich gestaltet. Wenigstens im äußeren Verkehr. Eine rührende und

thränenreiche Scene schien den unheimlichen Bann gebrochen zu haben,

und das Schwiegertöchterchen war zu Gnaden und Frieden aufgenommen

worden. War es nicht besser, daß wir gemeinsam an unserer aller großer

Enttäuschung trugen und uns gelegentlich in offenen Worten darüber

ausließen?

Doch alles das nur ein Waffenstillstand! Von Potsdam her, wo Prinz

Wilhelms junges Familienglück eingenistet war, zog ein neues Gewitter

gegen uns herauf. Schon im Sommer des Jahres 1886, bei der ersten

interessanten Nachricht, die vom Marmorpalais her ins Publikum drang,

glaubten wir die Luft vom Kanonendonner erzitternd. O wir hatten uns

wohl, auf die längere Pause vertrauend, zu vorzeitig in unsern Frieden

gewiegt! Nun brach die alte Unseligkeit von neuem los.

Nicht, daß im gegnerischen Lager auch nur eine Andeutung gefallen wäre,

die uns allarmiert hätte. O nein — vollkommenes Schweigen von jetzt

ab, eine Art Abkommen, daß von der neuen Prinzenhoffnung kein Spürchen

erwähnt werde. Das aber gerade war’s! Gerade in diesem Schweigen ließ

sich der gespenstische Kanonendonner um so deutlicher und unheilvoller

vernehmen. Er würde gegen den Winter hin immer lauter heraufschwellen

— um Ruhe und Gemütlichkeit dieser Saison wäre es geschehen! Wir

ahnten, wir wußten, daß eine neue Katastrophe bevorstände. Papa würde

nicht an sich halten, und die altjüngferliche Schadenfreude der alten

Tante Eckberte, die mit listigem Äugleinzwinkern das Thema an seiner

empfindlichsten Stelle anfassen würde! Welch neue Qualen standen uns

bevor!

Nervös — nun ja, wir schwelgten beide förmlich in dieser

Modekrankheit, und sie verbitterte uns unser schönes, stilles, heiteres

Eheglück. Zum Teufel! wegen einiger Dutzend Kanonenschüsse, die in

vielen Wochen vom Lustgarten heraufdonnern sollten ... Wir waren

närrisch! ach, wir waren damals durchaus keine Helden!

Und diesmal mitten im Winter! Im Sommer hätte man dem Geknall

entfliehen können und der unausbleiblichen Katastrophe im Elternhaus.

Wir hätten uns durch Berge und Wälder dagegen schützen können; nun aber

galt es auszuharren und die Narretei nicht gar zu weit zu treiben.

Ach, auszuharren! Zufällig fiel meine offenbare und vom Arzt

beglaubigte Nervosität mit einer gewissen Krisis zusammen, die über

unserm Geschäftsverkehre wetterleuchtete. Papa und ich, wir vermochten

uns diesmal nicht wie sonst immer über die einzuschlagenden Maßnahmen

zu einigen. Diesmal war er es, der gewisse kostspielige Neuerungen

vertrat, während ich in hartnäckigem Eigensinn meine Hand zu solchen

Extravaganzen, wie ich es nannte, nicht bieten wollte. Da gab es Streit

und Widerstreit und heftige Erörterungen von einer Seite unseres

gemeinsamen Doppelpultes zur anderen. Und über all dem Zwiespalt das

unheimliche Kanonendonnern, das näher und näher rückte.

Zuletzt eine Explosion! Aus einem mißstimmigen Schweigen platzte Papa

eines Morgens plötzlich hervor: »Ich weiß wirklich nicht, Söhnchen,

für wen ~du~, gerade ~du~ sparen willst —« (das »du« doppelt und

dreifach unterstrichen!) und einen gewissen zwinkernden Seitenblick

des mit kurzen, grauen, borstigen Härchen bedeckten Kopfes nach mir

hinüber; ein gewisses spöttisches Zucken um die bartlosen, aber stets

glänzend glatt rasierten Lippen, dazu das dreifach unterstrichene »du!«

Es brachte mich außer mir, und innerlich schnellte etwas in mir auf.

»Das brauchst du mir nicht gerade heute vorzuhalten, Papa —« drückte

ich mit einer Anstrengung, ruhig zu bleiben, mühsam genug hervor. »Ich

dächte, das hätte noch Zeit bis zum Januar —«

»Wieso Januar — was meinst du damit?«

O, er verstand durchaus nicht! Er hatte ja beileibe keine Anspielung

»darauf« gemacht!

»Na, zum Januar ist das Schießen wieder fällig, da kann es ja von neuem

über uns losgehen, über mich und meine Frau —«

»Höre Kurt, du bist krank, du siehst Gespenster — das verbitte ich

mir, daß du unser Gerechtigkeitsgefühl antastest! Ist die ganze Zeit

über auch nur ein Wort gefallen — darüber?«

»Allerdings nicht — kein Wort! Aber eure Mienen — euer Schweigen!

Meinst du, wir wären blind und taub?«

»Na, nun soll doch gleich —« und mein Vater schlug mit aufbrausendem

Erstaunen auf einen Pack Papiere, daß es einen klatschenden Lärm gab.

»Hör’ mal, du bist krank, du bist — du bist —« und das richtige, dazu

passende Wort abwehrend, fuchtelte seine flache Hand in der Luft.

»Na, sag’ es nur gleich heraus, was du meinst, Vater. Gewiß bin ich im

Begriff — das zu werden! Und wer ist daran schuld? — Ihr! Ihr! —

Ihr!«

»Da soll aber doch gleich —« der Alte sprang von seinem Drehschemel,

kletterte mit hilflosen Gebärden wieder darauf, schlang seine Beine um

das Schemelbein und schnappte nach Luft — »wir sollen schuld daran

sein, wa—a—as?«

Und ein Staccato von heisern, kichernden Lachtönen.

»Nächstens könnt Ihr es uns ja wieder auftrumpfen,« zischelte ich —

»nächstens läßt Prinz Wilhelm ja wieder schießen —«

»Und wir werden uns von Herzen darüber freuen! Das ist gute

Preußenpflicht! Am Ende gar ist Sr. Königliche Hoheit Prinz Wilhelm

schuld daran — die Geschichte wird immer besser! — hör’ mal, wenn du

solche Angst vor dem Freudenschießen hast, so mach’ dich doch davon!

Eine kleine Luftveränderung würde deinen Nerven gut thun.«

»Thu’ ich auch! Wird sie auch!« rief ich in sprühender Erregtheit, und

mit einem lautschallenden Puff schlug ich das große Buch vor mir zu;

von dem Winde wirbelten einige lose Blätter in der Stube umher.

»Deine Neuerungen mach’ ich ohnedies nicht mit, Vater! Such’ dir einen

andern Beirat!«

Noch ein paar aufprallende Redensarten hin und her. Und ein scharfes,

spitziges Wort, mein armes Weib betreffend, eine Grausamkeit, die ich

Papa nie und nie zugetraut — dann war es genug! Ich verließ das Pult

und die Stube, um für lange Zeit, vielleicht für immer, nicht mehr

dorthin zurückzukehren. Alle Vermittelungsversuche von Mama und Tante

scheiterten an meinem harten Sinn. »Luftveränderung — nun gut — Ihr

sollt sie haben — wir reisen also!«

Übrigens hatten wir ja darin eine Unterstützung durch den Arzt, der

längst schon einen, wenn auch nur kurzen Ortswechsel für »unsere

Nervosität« in Vorschlag gebracht. Auf also und fort! — glaubt ihr

wohl, daß ich närrisch genug war damals, mich wie ein Kind zu freuen,

weil ich auf irgend eine Weise von dem Kanonendonner des neuen Prinzen

erlöst sein sollte?

Und wir flohen, weit, recht weit, bis jenseits des Meeres, bis an

den Rand der Wüste — mochten sie nun donnern, soviel sie wollten am

Lustgarten, wir waren in Sicherheit!

Dennoch sollten wir auch in solcher Ferne nicht ganz verschont bleiben.

Die unseligen Telegraphen und ihre meerdurchspannenden Kabel! Es

war am Abend des 29. Januar 1887; wir waren gerade von einem Ausflug

nach den Pyramiden zu unserm vorzüglichen Hotel Shepherd in Kairo

zurückgekehrt, als das bedeutungsvolle Telegramm mitten in die Table

d’hôte einschlug. Natürlich ein Anlaß für feierfrohe Deutsche, die

Sektgläser schäumen zu lassen! Welch eine Ironie: wir, die wir mitten

darunter saßen und uns nicht auszuschließen vermochten und gezwungen

waren, mit unsern Gläsern einzustimmen in den patriotischen Jubel: —

»Hoch der neue Prinz!« Und welch eine schalkige Stimmung: »Hurrah, die

Nummer 4! Hurrah das drittel Dutzend junger Hohenzollern!«

Am Spätabend jedoch, nachdem wir wider Willen mitgelacht und

mitgejubelt in der mutwillig heiteren Gesellschaft, gab es im Hotel

Shepherd auf einem gewissen Zimmer eine seltsam stumme Rührungsscene

zwischen zwei gewissen Ehegatten. Kein Wort über die Nummer 4 —

keinerlei Anspielung, nur ein langes, lautloses Umarmen: schämten sie

sich nicht ein wenig die beiden Leutchen, ob ihres Kleinmutes, ihrer

Narretei, ob ihrer lächerlichen Flucht ...

Wie mochten wohl unsere Alten da oben in Berlin das Ereignis verbracht

haben? Der Gedanke daran fiel mir schwer aufs Herz. War es nicht

das einfachste, den Groll und Zwist hier im Wüstensande zu begraben

und die Rückreise anzutreten? — Damit uns binnen Jahresfrist der

Kanonendonner von Numero 5 aufs neue davonjagte ....

Nein, meine Nerven waren noch lange nicht wieder in Ordnung! Und mein

Starrsinn nahm also die Gelegenheit wahr, eine sehr günstige Stellung,

die sich mir bei einer großen Handelsgesellschaft in Alexandrien bot,

nicht auszuschlagen. Wer weiß, was sich vielleicht in Jahr und Tag

geändert haben würde!

Freilich gab es gewaltige Änderungen droben in der Heimat. Über dem

Hohenzollernhause zog sich das verhängnisvolle Wolkendunkel zusammen;

in banger Erwartung, zwischen Furcht und Hoffnung, lauschten die Herzen

aller Deutschen nach San Remo hinüber, wo sich die grausam bittere

Tragödie des edlen fürstlichen Dulders abspielte. Wer dachte an eignes

oder eigengemachtes Leid vor solchem, ganz Deutschland bewegenden

Schmerz?

Dann senkten sich die Fahnen Europas, ja der ganzen zivilisierten Welt,

über dem Grabe des greisen Heldenkaisers. Dann setzte sich Kaiser

Friedrich die Dornenkrone aufs Haupt, und Tropfen für Tropfen sahen

wir das Blut rinnen über das blasse Märtyrerantlitz, bis die grausam

bittere Tragödie ihren Abschluß fand in der stillen, grünumschatteten

Friedenskirche zu Potsdam.

Heil Wilhelms II. jungstrotzender Kaiserkraft! Hei, wie sie sich in

den Sattel schwang! Wie sie alle, auch die Widerspenstischsten in ihren

Bann zwang, nach neuen wetterumleuchteten Zielen aufwärts!

Und hinweg mit dem pietätlos lächerlichen Groll, der mich Kinderlosen

gegen das üppig sprossende Hohenzollernglück geplagt! Vier Buben,

ei und das Sprossen am alten Königsstamme will noch lange kein Ende

nehmen. — giebt es nicht zum Juli abermals ein neues Prinzenschießen?

Wie wäre es, wenn wir der egyptischen Komödie ein Ende machten

und unserm Heimweh nachgäben und alles zum Alten kehrten? Nur die

Nervosität vor dem Kanonendonner, die wollten wir im Wüstensande

begraben.

Noch gab es ein Schwanken, als eines Tages ein abermaliges langes und

stilles Umarmen stattfand zwischen zwei gewissen Leutchen. Nicht ganz

stumm: — ein paar zögernd hingehauchte, bebend schämige Worte von den

Lippen des jungen Weibes, das seine glühende Stirn an dem bärtigen

Halse des Gatten barg ...

»Was?! — Nicht möglich! — Wirklich!? Ach, du Liebe, Liebe, Einzige!«

Und ich in der Stube wie närrisch umherjubeln, und mich nicht mehr

lassen können vor unbändiger Freude — wißt ihr, es ging nun ins

siebente Jahr, daß wir vergeblich — »~darauf~« geharrt!

Es war am Mittag des 27. Juli, als ich, von der Anhalter Bahn kommend,

mit meiner Droschke die Friedrichsstraße entlang fuhr; hatte ich es

doch recht eilig gehabt mit meiner Heimfahrt. Plötzlich, im lärmenden

Geräusch, hallte ein dumpfdröhnender Ton von fernher. Die Leute auf dem

Trottoir hielten an und horchten — Fenster öffneten sich, über die

Gesichter flog jener fröhliche Sonnenschein. Mein Kutscher wandte sich

langsam herum, wies mit der Peitsche nach der Gegend des Kanonenhalles

und meinte phlegmatisch wie sein Vorgänger damals: — »Wird wohl Numero

fünfe sind!«

»Fahren Sie so fix als möglich!« rief ich dem Manne erregt zu. Als wenn

sie zu schnell hintereinander knallen könnten und ich die Schwelle des

Elternhauses nicht erreichte, ehe das Schießen zu Ende; — aber es

würden wohl 101 Schüsse werden!

Unter dem Donner eines seltsam lauten Kanonenschusses stürmte ich in

unsere Kontorstube. Wie verstört erhob sich meines Vaters Antlitz aus

den stützenden Händen, und seine blinzelnden Augen starrten mich an wie

eine Erscheinung.

»Papa — t’ag Papa! Ich bin’s! Ja, und mit was für einer Botschaft!«

Wir lagen uns schluchzend in den Armen — bis wieder ein Donner

dazwischen fuhr. Ich riß mich los:

»Siehst du, Papa, deswegen bin ich gekommen! Ich habe mich geeilt

genug! — Herrjeh, was bin ich gefahren! Ich wollte nicht, daß du das

Schießen ohne mich anhörtest. Bumm! Auch für mich und für uns alle! So

Gott will, schenken wir euch im nächsten Jahr auch einen Prinzen. Und

nun verzeih’ mir alles Böse — all das Hohenzollernglück war schuld

daran ...«

Abermaliges Umarmen, und das Gedonner von »Numero fünf«, das unsere

rührenden Auseinandersetzungen begleitete. —

Im Herbst desselben Jahres schlenderte ich eines Abends mit meinem

Weibe durch die Leipzigerstraße. Vor einem bekannten Bilderladen staute

sich eine gaffende Menge; Rufe des Entzückens aus Frauenmund, und ein

Herr rief ein kräftiges »famos!«

Wir drängten uns heran und, zwischen den Schultern der Gaffenden

hindurch, gewahrten wir endlich den Gegenstand der entzückten

Neugierde. Es war eine Photographie in Kabinettsformat, von dem

grellen, hellgelben Gaslichte scharf beleuchtet, jenes seitdem so

volkstümliche Gruppenbild, das die hohe Frau und Mutter mit ihren fünf

kaiserlichen Knaben darstellt.

»Des Kaisers Fünf — —« stammelte ich, und mein Weib schmiegte ihren

Arm inniger und fester in den meinen.

Ich weiß nicht, ob es auch ihr so geschah? — als wir uns endlich

von dem Anblick des wunderhaften Bildes losgerissen und nun auf dem

Trottoir weiterschritten, war vor meinen Augen ein so seltsames

Flimmern und Schwanken — die Menschen, der Schein der Läden, die

Laternen, alles in einer feuchten Unsicherheit verschwimmend ....

Aus Mitleid · 第 19 / 56 题